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Nr. 2t7 Zweites Blatt.
Freitag den 16. September
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Aintlichev Theil.
Gießen, den 13. September 1898. vetr.: Dte Errtchiuug und Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die
Großh. Kreis-SchulcomNtission Gießen
an die Schulvorstände de- Kreise-.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 9. v. Mts. (G. A. Nr. 187) noch nicht uachgekommen find, werden an deren umgehende Erledigung erinnert.
v. Bechtold.
Zur politische« Lage.
Wer da behaupten wollte, die heutige internationale Situation sei besonder« beruhigend, würde sich tu einem schweren Jrrthum befinden. Man hat den Friedenserloß des Zaren als eine „erlösende Thal" gepriesen, und auch wir haben den Werth der Kundgebung gebührend gewürdigt und sie al- ein großes Sretgniß hingestellt, das gerade in jetziger Zeit so überraschend gekommen ist und darum auch eine größere Wirkung erzielt hat. Jedoch haben wir nicht versäumt, gleich von vornherein daraus hinzuwetseu, daß von der Erfüllung der Ideale der sog. Frtedrnsgesellschasten oder nbrr von einer vedtugungslosen Einigung der Mächte nicht die Rede sein kauu, abgesehen davon, daß dte Einberufung einer Eoosereuz noch in weitem Felde liegt. Deshalb ist es gut, bet einer Beurthetluvg der internationalen Lage die Friedensbotschaft des Zaren ganz aus dem Spiele zu lafien.
Sehr langsam schreiten die Friedeusverhavdluugeu zwischen Spauteu und deu vereinigten Staaten vor sich, venu man überhaupt schon von Berhaudlungru redeu kann, la ja dte beiderseitigeu Vertreter bet denselben kaum eodgtltig romiuirt find. Dieser FrtedeuScousereoz darf mau mit «iatgem Mißtrauen eutgegeoseheo, da es nicht ausgeschloflen ift, daß übertriebene Forderungen der Amerikaoer Beanstand- eng durch die Mächte erfahren und Schwierigkeiten herauf- »eschwöreo, die fich heute noch gar nicht übersehen laffeu. Denn kein Staat wird der uordamerikantschen Union einen lowiutrenden Einfluß in den südafiatischen Gewässern zu- zestehrn wollen, wie er aoschetneud von deu UarkeeS au- zestrrbt wird. Wie gesagt, läßt fich aber hierüber erst artheileu, wenn dte Verhandlungen weiter gediehen sind und Amerika mehr Farbe bekannt hat.
Ganz unerwartet ist auch die orientalische Frage wieder vcut geworden durch die Vorgänge in Kaudia. Noch herrscht allgemeine Bestürzung, und dte dtrect bethetltgreo Mächte
bieten alle Mittel auf, um der muselmanischen Bewegung Herr zu werden und ein weiteres Umsichgreifen des Blutvergießens zu verhüten. Dte Schwierigkeiten werden fich aber erst recht ergeben, wenn der Ausstand uiedergeworsen ist- denn dann tritt an da» europäische Looeert die Aufgabe heran, definitive Zustände auf der Insel Kreta zu schaffen, um eine Erneuerung der Bedrohung des Lebens und Eigen- thums der Christen unmöglich zu machen. Und dte früheren Vorgänge haben gezeigt, wie leicht bet dieser Angelegenheit Eovfltcte hervorgerufen werden können, da nicht alle Staaten uneigennützig Vorgehen, sondern ihre Sonderiutrreffen höher stellen als dte Rücksicht auf das große Allgemeine. Wir wollen gar utcht behaupten, daß dte Lösung der ortentalischen Frage durch die Regelung der kretevsischen Avgelegenhett herbetgeführt werden wird/ denn eine Orteutfrage wird bestehen, so lauge tu der europäischen Türket der Halbmond das Scepter sührt.
Unser Kaffer hatte ganz Recht, als er in Oeynhausen aussührte, ein schlagfertiges, wohldtsciplinirtes Heer sei auch künftig dte beste Garantie für den Frieden. Noch ist die internationale Lage nicht auf Abrüstung und drrgl. zuge- schnttteu, es heißt fortgesetzt, Gewehr bei Fuß zu haben, denn geradezu vertrauenswürdig ist dte poltttsche Situation keineswegs. (xx)
Zur Genfer Mordthat
wird den „Münchner N. Nachrichten" aus Wien geschrieben:
Dte allgemeine VolkSstiwmung anläßlich des höllischen Attentates auf unsere Kaiserin erschöpft fich keineswegs in den Gefühlen des tiefsten Schmerzes über deu Verlust Oesterreichs und in dem innigsten Mitgefühl au der Trauer des verehrten Monarchen. Es mischen fich In die Stimmung der Bevölkerung noch zwei andere Empfindungen von sehr scharf aceentuirter Natur. Die eine ist eine oft alles Maß übersteigende Erbitterung nicht nur über den Urheber der Schreckens- that, sondern eine wahre Wuth gegen dte Bekenner der auarchitstscheu Lehre überhaupt, eine Wuth, dte fich auch darüber hinaus gegen die Anhänger und Propheten der socialisttscheu Partei za erstrecken beginnt. Dte zwette Empfindung, die fich bereits an vielen Stellen bemerklich macht, ist eine wette Kreise ziehende Entrüstung gegen dte Italiener, namentlich gegen dte italienischen Arbeiter, gegen welche ohnehin schon längst der Concurrenz billigen Arbeitsangebots wegen in ge- wiffen Volksschichten große Mißstimmung geherrscht hatte. Wenn etwa als Folge de» Senser Attentat» eine allgemeine internationale Verfolgung der Bekenner de» Anarchismus eintreten sollte, wovon tu Wien sehr stark die Rede ist, so kann man überzeugt sein, daß dir denkbar schärfsten Polizei- maßregeln in unserer Bevölkerung auf dte bereitwilligste Zu-
sttmmung und Unterstützung rechnen können. Ss wird für dte Anhänger der foctaldemokratifchen Lehre und Propagauda wahrlich nicht leicht fein, den princtptellen Gegensatz zwischen SoctaltsmuS und Anarchismus dem vrrständniß der Mafien näher zu bringen. Allerdings muß vom Standpunkt der Theorie aus zwischen beiden Richtungen ein scharfer Gegensatz zugegeben werden, da ja der Anarchist die Berechtigung des Staatsbegriffes, also eines autoritativen Gemeinwesens, dem jeder Einzelne sich zu fügen hat, entschieden leugnet, während der Soctaltst im Gegentheil dte Omntpotenz des Staates, freilich seines socialisttscheu Staates, ausstellt, wobei dte Jndtvtdualität nahezu gänzlich verloren ginge. Es stehen sich also der schrankenlose Jndtvtdnaltsmus und der Alle- umfaffende Collecttvtswns starr gegenüber. Aber so verschieden die Ziele, so vielfach begegnen fich dte beiden Richtungen im wenig scrupulösen Kampf gegen die jetzige bürgerliche Gesellschastsirdnuog, deren Umsturz denn doch beide herbetsühren möchten, so daß man immerhin behaupten kann, der soetaltstische Apostel arbeite, vielleicht absichtslos und unbewußt, sehr oft für dte verbrettuog anarchistischer Ueberreizuog der Gemüther. Es herrscht hier heute sogar an amtlicher Stelle infolge der aus der Schweiz etnlangenden Untersuchungsberichte kaum mehr ein Zweifel darüber, daß Luechrut, der Mörder der Kaiserin Elisabeth, keineswegs für fich allein „gearbeitet" hat. Man will überzeugende Judicien gewonnen haben, daß eine ganze Verschwörung von Anarchisten besteht zu dem Zweck, auf europäische Souveräne oder mit den Thronen nahe zusammenhängende Personen eine blutige Jagd mit den Waffen des Meuchelmordes zu organifiren. Dte Ausführung und das jewetl» erkorene Opfer hängt dann nur von der günstigen Grlegeuhrit ab, wie ja auch dte arme Kaiserin von Oesterreich nur deßhalb als Opfer fiel, weil der Mörder gerade die leichte Möglichkeit besaß, fie zu treffen. Allgemein kann mau auch ein sehr ernst gemeintes Bedauern in Wien anssprrchen hören darüber, daß dte Gesetzgebung des EantonS Genf dte Todesstrafe ausschltrßt. Das öffentltche Gefühl kehrt sogar zu der sonst in der Strasjusttz längst überwundenen Rache- und Abschreckuugstheorie zurück und würde am liebsten für den Fall Luccheut etwas wie Rädern, Viertheilen, verbrennen oder dergleichen reelamiren, so daß man wohl erwarten kann, daß dte in den «eisten Staaten insceutrie Bewegung zur Abschaffung der Todesstrafe durch das Genfer Attentat eine starke Hemmung erfahren werde. Die schon erwähnte Agitation gegen dte italienischen Arbeiter hat Angesicht» der Geuser Mordthat bereit» au mehreren Orten in Oesterreich zu stürmifcheu Demonstrationen und »xcesfiven Rache-AuSschreituugen geführt. Natürlich macht fich dabei zunächst das nationale Element, welche» ja in Oesterreich Alle» beherrscht, sehr stark geltend. Die Sloveneu in Laibach piügeln auf den öffentlichen Straßen jeden Italiener,
Feuilleton.
Hin Hiitt auf Leben und Hob.
Erlebniß von H. Hintze.
(Nachdruck verboten.)
E» war zur Zeit de» Zulukrieges in Südafrika im Jahre 1879. Ich gehörte mit mehreren anderen Deutschen einem Kreiwilligencorp» an, das, im Dienste Englands stehend, gegen die Zulus focht. An einem ruhigen Sonntag-Abend Eigen wir plaudernd in unseren Zelten, die in der Nähe des Weißen Umvolozi-Fluffe» aufgefchlagen waren, als unerwartet der Befehl „Antreten" uns auf den Sammelplatz rief, wo der betreffende Offizier uns mittheilte, daß eine wichtige Depesche unverzüglich ins Hauptlager zu bringen fei. Auf bin Ruf „Freiwillige vor- schien Niemand rechte Lust zu verspüren, die Botschaft zu überbringen, da der Ritt bei Nacht und noch dazu durch unbekannte- Terrain geschehen mußte, ^ch hatte schon lange den Wunsch gehegt, einmal ins Haupt- lager zu kommen und meldete mich daher, jedoch mit der Äünngung, daß ich mir einen des Weges kundigen Schwarzen »itnehmen dürfe, was mir auch sofort zugesagt wurde. Mit bnSorten: „Nun, Corpora!, wenn Sie den Ritt ausführen vollen, so seien Sie in 15 Minuten zum Abgehen fertig,“ mirbe ich entlassen.
Ein Begleiter war bald gefunden. Es war ein auf nner Missionsstation erzogener Farbiger meiner Abthellung, bim man fich bei seiner guten Orts- und Sprachkenntniß der virschiedenen Kaffernstämme wohl anvertrauen konnte. Zu jedem Trupp Europäer gehörte eine Anzahl freundlich gesinnter Eingeborener, unter welchen sich auch Mischlinge, .farbige“ genannt, befanden. Zur festgesetzten Zeit saßen
wir in den Sätteln und ritten in scharfem Trabe unserem 134 englische Mellen entfernten Ziele zu.
Mittlerweile war es stockfinster geworden; eine Nacht umgab uns, wie fie sich dunkler kaum denken läßt. Wir mußten fast gedrängt aneinander reiten, um uns nicht zu | Verlieren. Plötzlich zog mein Begleiter die Zügel straff an ; und horchte in die Nacht hinaus. Wir vernahmen ein gedämpftes Stampfen, doch zu erkennen war nichts, da mannshohe» Gras uns umgab. Wir hielten unsere Gewehre schuß- bereit, spähten unausgesetzt über den Hal» der Pferde und tüten langsam weiter. Da» Geräusch schien sich zu nähern. Plötzlich sahen wir dicht vor un» zwei Kaffem zu Pferde, die mit je einem Bündel Assagaien, wie man die Wurfspeere zu benennen pflegt, und mit einer Büchse bewaffnet waren. Soviel im Dunkel zu erkennen war, trugen sie da» Abzeichen der auf unserer Seite fechtenden Schwarzen, eine röche Binde um den breiten Filzhut.
Auf mein Befragen über Woher und Wohin berichteten die Kaffem, sie seien von ihrem Eommandeur, dessen Namen sie nicht genau anzugeben vermochten, mit noch mehreren Gefährten beordert worden, einige Hundert Stück Bich au» einem jenseits des zu paffitenben Flusse» gelegenen Kraal ins Lager zu schaffen; chre Kameraden seien eine Strecke Daraufgerüten, ber Ausweisbrief fei bei diesen. Da die Aus- sogen nicht unwahrscheinl-ch waren, verfolgten wir nun unseren Weg, hielten aber der Vorsicht halber immer dicht hinter den Pferden der neuen Ankömmlinge ba» Geweht schußsertig im Arm.
Es mochte etwa eine Stunde geschwunden sein, als wir einen kleinen, aber sehr reißenden Nebenfluß de» Weißen Umvolozi zu passiten hatte«, der sich in vielen Windungen dahinschlängelt. Dreimal mußten wir diesen Fluß durch. | schreiten, und da wir eine tüchttge Strecke Weg» bereü» zu-
rückgelegt hatten, zog ich e» vor, unfl und unseren Thieren eine kurze Rast zu gönnen. Auf einem Hügel machten wir bei einem Kameeldombusche Halt. Die Pferde wurden an den Knieen gefesselt und suchten ihr spärliche» Futter auf dem mit hohem, aber zur Zeit fast überall dürrem Tam- bookiegra» bewachsenen Platze; wir hielten sie an ber Leine, bamit sie nicht unserem Gesichtskreise entschwänben.
Hier verabschiebeten sich unsere Begleiter, um, wie fie meinten, auf einem kürzeren Wege ihren Bestimmungsort zu erreichen. Feindliche Schaaren waren in diesem Theile nicht zu vermuthen, wir brauchten also einen Ueberfall nicht zu fürchten. Ich konnte mich jedoch eines ängstlichen Gefühl» nicht erwehren. „Traue einer diesen Kaffern," ist eine Redensart, die man oft im Lande hört, und nur zu bald sollten auch wir die Wahrheit dieser Worte erkennen.
Wir verzehrten einige Kakes und gedörrte» Fleisch, bei welcher Gelegenheü ich meinen Begleller fragte, wa» er von ber Sache halte. ,OH Sir," erroiberte dieser in seinem Kauderwelsch, einem Gemisch von Holländisch, Englisch und Deutsch, ,,be Kaffer» sien banje Skellem, be i» nich von unsere Corps, be is Spioners," weiter war jeboch nichts au» ihm herauszubringen. Unter den obwaltenden Umständen mußte ich also die beiden Kerle laufen lassen.
Mein Begleiter stand auf, band die Pferde in nächster Nähe an den Busch und kauerte fich bann auf ben Boden, wie die Schwarzen es zu thun pflegen. Plötzlich wurde ich von einet ungewöhnlichen und unbezwingbaren Müdigkett übermannt und siel in fitzender Stellung in einen leichten Halbschlurnrnet. Ich träumte, man habe mich in einen engen Raum gesperrt, ein drückende» Gefühl bemächtigte sich meiner, und heißer Wind schien über meinen Kopf hinwegzustreichen. E» war mir, als ob das Dach des Hauses glühend heiß ge-


