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16.9.1898 Erstes Blatt
 
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1898

Freitag den 16. September

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

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ist, neuerding» die Elsässer gar nicht selten capitulirrn, so kann e» doch nur eine Frage der Zett sein, daß auch eine dementsprechende Zahl von Elsässern Feldwebel wird, da man doch für Eisäffer keine verkürzte Capitulation einrichten kann, und wenn unsere oberelsässische Collegin die Güte haben will, noch lumpige zweihundert Jahre zu warten, so wird sie wahr­scheinlich auch die erhebende Thatsache wahrnehmen, daß auch da» deutsche Heer, ebenso wie jetzt da» französische, eine statt­liche Zahl elsässischer Generäle aufweist. Die Corrisre, die sehr viele ehemalige Hugenotten bei uni gemacht haben, kann sie darüber allein schon aufklären, und da» waren nicht einmal stammverwandte Elsäffer, sondern Franzosen. Im Civildienst, besonder» in der Verwaltung, haben ja, wie früher schon gesagt, die Elsäffer bei un» auch schon in den e sten drei Jahrzehnten einen recht viel verheißenden Anfang gemacht.

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Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Umv.-Buch u. Steindruckerei (Pietsch Erben).

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Ar. 217 Erstes Blatt

Wissenschaft, Litteratur, H aus wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis feiner Besprechungen ziehen. Ein ge üegenes Feuille­ton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und helleren Inhaltes den erwünschten llnterhaltungsstoff bieten. DieGießener Familienblätter" werden dem Anzeiger wöchentlich 4mal (Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) beigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unter- haltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirthschaft bringen, und somit namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende hiesige Abonnenten er-

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Dentschei Reich.

Darmstadt, 14. September. Ihre Röntgt Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin kamen heute Mittag von Jagdschloß Wolfigarten hier an, nahmen daS Frühstück bei dem tönigL großbritannischen Geschäftsträger Mr. Buchanan und Lady Georgina Buchanan und kehrten später noch Jagdschloß Wolfsgarten zurück. Mtt Sr. Röntgt Hoheit dem Großherzoz kam auch Graf Lonhay hier an, dir in Wolfsgarten zu Besuch ist.

Berlin, 14. September. Palästinareise. Ans Jerusalem wird derTägl. Rundschau" geschrieben: Die Vorbereitungen zum Empfang des deutschen Raiserpaarei find in vollem Gange. Straßen werden durchgebroch'^t, alte Häuser abgerissen und neue cm i^rer Stelle errichte- und Gchuttbügel iu Bazmgaarttere verwandelt. Ganz besonder» thatig ist die Garnison der ZionSstadt, deren Führer Alle» ausbieten, nm auch in «ilitäiifcher Hinflcht einen guten Eintruck auf Kaiser Wilhelm hervorzurufen. Täglich marschiren die Truppen einige Stunden laug nach den Rlängen der Mufik, und e» ist zuweilen sehr unterhaltend, zu sehen, wie die Soldaten fich bemühen, einen geregelten Parademarsch zu Stande zu bringe!. Da» Aussehen der Mannschaften ist vorläufig allerdings noch wenig parademähig. Der Eine erscheint in zerriffenen Stiefeln auf dem Exercierplatz, der Andere mit Schlappschuhen der Dritte die Beine mir einem Lappen umwtckett, der vierte mit ganz bloßen Füßen, und selbst bei den Herren Offizieren herrscht eine anmuthige Buntscheckigkeit der Uniformlrung, die aus da» militärisch geschulte Auge de» deutschen Beobachter» recht wenig würdevoll wirkt. Zu den Festlichkeiten werden die Truppen allerdings neue Uniforme« und Ausrüstungen erhalten, und auch die Offiziere werden gewiß durch Aus- zahlung ihre» Solde» in den Stand gesetzt werden, von ihren Schneidern, die ihnen jetzt liefern, wa» fie anderweitig von Röcken nicht verwenden können, vorschriftsmäßige Uniformen zu verlangen. Von den Straßen hat am meisten die Kron­prinz Friedrich «ilhelm-Straße, an der die neue Erlöser- kirche liegt, gewonoeu. Zunächst ist sie nach der David- Straße zu, wo bisher eine alte Mauer den Verkehr hinderte, durchgebrochen worden, vor Allem aber haben die Griechen, denen da» der Kirche gegenüber liegende Gebäude gehört, be- schloffen, die hier bisher lagernden häßlichen Schnttwaffen zu beseitigen und an deren Stelle Bazare zu errichten, die da» Bild der EmweihuvgSfeier voraussichtlich sehr verschönern werden. Der Platz für da» kaiserliche Zeltlager ist noch nicht endgültig bestimmt. Die Wahl schwankt jedoch nur noch zwischen einem geräumigen Feld in der Nähe der deutschen Eolonte, gegenüber dem Bahnhof, und einem etwa» beengten Raum hinter den großen Ruffenbauten bet der deutschen Schule, der allerdings den Vorzug hat, unmittelbar bei dem deutschen Eonsulat und mehr in der Nähe de» Jaffa- thore» zu liegen.

Berlin, 14. September. Bon verschiedenen Seiten wird gemeldet, daß internationale Verhandlungen zur Bekämpfung der Anarchisten in die Wege geleitet werden sollen. So schreibt z. B. die WienerReichswehr^: »In hiesigen diplomatischen Rreifen verlautet, daß auS Anlaß de» furchtbaren Genfer Verbrechen» eine interntioaale Eonferenz dehuf» Einigung aller europäischen Staaten zur Bekämpfung der Anarchisten etnberufen werden wird. Es wird darauf hlngewleseu, daß da» Freiasyl, welches den Feinden jeder ge- sellschaftlichen Ordnung derzeit in der Schweiz gewährt werde, die strengsten Maßregeln der einzelnen Staaten illnsottsch mache." Bon deutscher Seite soll, wie e» heißt, angeregt werden, nicht die Ausweisung der Anarchisten, sondern ihre Jnteruirung in den einzelnen Ländern zu regeln. Die ,Röül 3tg.* stellt über die Frage ähnliche Betrachtungen an: Fast

Zum Bezug des«Siebener Anzeiger" für daS 4. Vierteljahr 1898 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrich.en- Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter in allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, des­gleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wisscns- werthcn aus dem Gebiete derselben besondere Berück- stchtigung zu TheH werden {aQcnv daneben aber auch Me Beobachtungen und Erfahrungen in Kunp und

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Dltirfentr peeUUnlUttrr txzrbOJ btm Anzeiger Wbchevkl-.ch viermal briylegt.

Bekanntmachung.

SdegentHdi te« an> 19. 1. W<». ft°nfi°dc°diu SitS- markte» zu Hungen soll zum Zwecke der Ankörung eine öffentliche Faselschan burd) die Körcommüsion -um Zwecke jbft Ankörung abgehalten werden, welche Borwittags 10 Uhr 5?ginn en wird. Ts werden nur spruugfaZige Bullen der Vogelsberger und Berner, speziell Simmenthaler Rasse de- -rückfichtigt werden. Die Fasel müffen bet Meldung der «eg- Weisung ficher gefeffelt werden.

Gießen, den 15. September 1898.

Großherzogltche» KrelSamt Gießen.

v. Bechtold.

Die Elsaß-Lothringer im deutschen Heere.

In derOberelsäsfischen Landeszeitung" finden fich folgmde intereffante Ausführungen:

Solange die reichsländischen Rekruten rote von der ersten Aushebung 1873 bis zum Herbst 1890 auf alle norddeutschen Armrecorp» von der belgischen bi» zur russischen Grenze hin I verflüchtigt" wurden, wie sich eilt lothringisches Blatt seinerzeit ausdrücktc, konnte über den Elsaß-Lothringer al» Soldaten kaum ein Urtheil gefällt werden, als einzelne» Individuum verlor er sich in der Maffe. Anders feit 1890, von wo ab mit Ausnahme einer bestimmten, zum Gardecorp» ausgehobenen Contingentsquote die Lothringer beim 8. rhei­nischen Corps, die Elsäffer dagegen bei den Badensern ein­gestellt wurden. Diese beiden Corp», das 8. und 14., nehmen is/go der reichsländischen Rekruten in sich; der Karlsruher Garnison z. B. stellen zu jeder Coapagnle des Leib Grenadier- Regiments alljährlich Baden 29, Unter- und Oberelfaß sieb- zehn Mann; zu jeder Schwadron des Lrib-Dragoner Regiment- Baden 27, Elsaß 15 Rekruten, somit 64 pCt. Badenser und 36 pCt. Elsäffer innerhalb dieser Brigade, ein Procentver- hältniß, da» auch für die Fuß- und Feldartillene, die Pioniere und den Train de» 14. Corp» maßgebend ist, ebenso für die Zutheilung elsässischer Rekruten an die dem 14. Corp» detachirten preußischen Truppentheile im Elsaß Da» sind

immerhin Ziffern, die sich geltend machen. E» mag nun auffällig erscheinen, daß dabei der Elsäffer als solcher eigent­lich gar nicht hervortritt; unter 1800 Mann Gesamnttgarnison mit über 700 zwei Fünftel bildend, ist chn der Karlsruher, der sonst aufseine Garnison" so stolz, bis heute vielfach nicht gewahr geworden; er gilt- ihm e.-eu mit dem Schwarz­wälder qU Ooerländer. Aus elftem sehr einfachen Grunde. Der alemannische Dialect be» Oberrheinlhale» zwischen Schwarz, und Wasgenwald, da» Rheinischschwäbtsch der Altvordern, gliedert sich in so zahlreiche und dabei einander so ähnliche Mundarten, daß selbst Schwarzwälder und Elsäffer unter- einander sich nicht auf diese» Kriterium hin unterscheiden können; um so weniger vermag die» ein Fremder. Dieses Zurücktreten der Elsäffer, diese» Beharren in Reih und Glied, hat jedoch auch noch eine andere erfreulichere und ansprechen­dere Seite. Die au» allen badisch-elsässischen Wehrkreisen sich ergänzende Karlsruher Leibgarde stellt gewchermaßen eine Elite oder Garde dar, was zu der Bermulhung führen könnte, bei Auswahl der Rekruten würde nicht nur auf vorzügliche körperliche Tüchtigkeit gesehen, sondern auch die moralischen und politischen Eigenschaften mit in Betracht gezogen. Die­lst nun nicht der Fall; wäre er e», so müßte sich ein Gegen­satz ergeben zu den TruppentheUen der 29. Division, in der die Elsäffer neben Schwarzwäldern drei Siebentel oder 43 pCt. der einzelnen Waffen bilden. Da» Gebiet dicht: Division, das badisch-elsässische Oberland mit den sieben Wehrkreisen Constanz, Eschingen, Freiburg, Lörrach, Mülhausen. Gebweiler, Colmar (erstere vier badisch, letztere drei elsässisch) umsaffend, ergänzt das Dragoner-Regiment Rr. 22 in Mülhausen, sowie die Infanterie-Regimenter Rr. 112, 113, 114, 142 und 170, insgesammt 14 Bataillone und 5 Eseadronen, die theil» im Elsaß in Mülhausen, Breisach und Straßburg, theil- in Baden in Constanz, in Freiburg und Kehl liegen, aber auch hier seit 8 Jahren nicht ein Zeichen des elsässischen Separa- tlsmu», weder im guten noch im schlimmen Sinne. Analog liegen die Verhältnlffe mit den Lothringern im 8. (Rheinischen) Armeecorps, nur daß dott eine weitschichtigere Bertheilung, eine Verdünnung, insbesondere der Welschlothringer, über da» ganze Corp» hm statt hat. Wie sich schon aus dem Be- völkerungsoerhältniß ergibt, marschiren die Lothringer unter den Rheinländern allerdings nicht in so stattlichen Zahlen wie die Elsäffer unter den Badensern; sie bilben etwa ein Sechstel bes Ganten (in einer 136 Mann starken Compagnie 20 bis 25 Mann). So zufriedenstellend wie bei den Elsäffern haben fich die Verhältniffe bei den Lothringern dieser capitulirt z. B. fast nie, während die» beim Elsäffer keine Seltenheit ist noch nicht entwickelt; aber man darf nicht unberück- fichtigt lassen, daß hier da» Franzosenthum viel intensiver vorging, und kein Bogesenwall, wie im Elfaß, die still wirkende Verwelschung de- nachbarlichen Verkehr« natürlich eindämmte.

Zu dieser Ausführung derOberelsäsfischen LandeSztg." bemerkt dieStraßburger Post": Wenn das Capituliren bet den Elsässern nichts Seltenes ist, so wird die Richtigkeit der von dem genannten Blatte in derselben Nummer gemachten Behauptung, daß man im französischen Heere mehr elsässische Generäle zähle als im deutschen Feldwebel, dadurch doch sehr in Frage gestellt. Denn wenn, was ja in der That richtig

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jh Mittheilang der Bun leiwereoheinunges, n.« e t. B. Bleohiacht, 8»

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