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16.6.1898 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 16. Juni

«»»«hm« eee «»zeigen zu der Nachmittags für den folgend« Lag erscheinenden Nummer bis Dorrn. 10 Uhr.

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Di« Gießener MamitienStätter werden dem Anzeiger »Schentlich viermal beigelegt.

«etzaelta«, Expedition und Druckerei: F4»tfir»ta Nr. 7.

Fug und Recht zuschreiben kann.

Alle Regierungsmaßnahmen Wilhelms II. an dieser

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Herzog" zu ehren. Daß dem Regiment eine besondere Aus­zeichnung zu seinem Jubiläum zugedacht war, wurde all­seitig besprochen, die Art derselben selbstverständlich noch geheim gehalten. Die Annahme aber, daß Großherzog Ludwig IV., der heldenmütige Führer der hessischen Di­vision, seinen Waffengesährten, den Kaiser Friedrich, zum Ches seines 2. Infanterie-Regiments ernennen würde, war den dabei in Betracht zu ziehenden Umständen nach wohl gerechtfertigt. Leider war dem Regiment weder die Feier seines Jubiläums, noch eine sonstige Auszeichnung vergönnt, der unerbittliche Tod trat an das Schmerzenslager des Kaisers Friedrich und umflorte damit auch ein Stück der Geschichte unseres tapferen Regiments. Um dieselbe Stunde, für welche die Jubiläums-Parade festgesetzt war, rückte unter strömendem Regen, ohne klingendes Spiel, das Re­giment nach dem Brandplatz, um dort dem neuen Kaiser Wilhelm II. den Eid der Treue zu leisten. An Allem, was in Bezug aus Schlagfertigkeit und Tüchtigkeit Kaiser Wil-

Grscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Heute Mittag 12% Uhr fand auf dem Exerzier­platz die Parade des Regiments statt. Diese Zeit war gewählt, um es Jedermann zu ermöglichen, der Parade beizuwohnen, und so fand von 12 Uhr ab eine wahre Völkerwanderung nach demTrieb" statt. Das Re­giment war in Nähe des Philosophenwaldes, in Front gegen Grünberger Straße, aufgestellt. Leider wurde der An- durch große Staubwolken beeinträchtigt. Unter

Stelle aufzuführen, würden zu weit führen. Als sein Ver­dienst auf dem Gebiete der inneren Politik mag besonders hervorgehoben werden, daß er mit kräftiger Initiative die von Wilhelm I. begonnene socialpolitische Gesetzgebung för­derte und dem Wohle der arbeitenden Klasse seine 4Mafte Fürsorge zuwendet, die ihm den Ehrentitelder Arbeiter­kaiser" eintrug. Größer aber noch ist sein Mühen gewesen, Deutschland im Rathe der Völker eine unserer Macht ent­sprechende Stellung zu verschaffen, und mit Recht können wir sagen, daß es ihm gelungen ist, Deutschland zur ersten Nation der Welt zu machen. Unser Verhältniß zu Ruß­land ist ein erfreulich herzliches geworden, unsere Bezieh­ungen zu Frankreich haben sich wesentlich freundlicher ge­staltet, und der Dreibund übt nach wie vor in ausgedehn­testem Maße seine Macht zur Erhaltung des Friedens aus. Wir müssen anerkennen, daß unter Kaiser Wilhelms bis­heriger Regierung das Reich gut aufgehoben war und können nur aus vo"em Herzen wünschen, daß Gott in bisheriger Weise weiterhelfen möge.

Mannichfache Erinnerungen knüpfen sich für unsere Vaterstadt an die Junitage des Jahres 1888. Das seit tret Jahrzehnten hier garnisonirende 2. Großh. Infanterie- Regiment No. 116 rüstete sich damals zur Feier seines 75jährigen Bestehens. Es war Parade für den 17. Juni vorgesehen, an welcher Großherzog Ludwig IV. in Begleitung des Erbgroßherzogs Ernst Ludwig und der Prinzen Heinrich und Alexander theilnehmen wollte. Die viuwohner trafen Vorbereitungen zum Schmücken der Häuser, nm dadurch mit den hohen Gästen das RegimentGroß-

präsentirtem Gewehr brachte Herr Oberst v. Madai die Tagesbefehle Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs unb Sr. Majestät des Kaisers zur Kenntniß des Regiments. Der erste Befehl besagt, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog, einem Wunsche Sr. Majestät des Kaisers ent­sprechend, dem Regiment Haarbüsche verliehen habe; der zweite, derjenige des Kaisers, beglückwünscht das 116. Regiment zu dieser Auszeichnung und drückt die Hoffnung aus, daß das Re­giment allezeit sich dieser Ehre bewußt sein werde.HerrOberft v. Madai wies in seiner Ansprache auf die Worte hin, die Se. Königl. Hoheit der Großherzog aus Anlaß der am 18. Januar d. I. erfolgten Verleihung von Fahnenbändern an Se. Majestät den Kaiser gerichtet: daß das Regiment keine höhere Aufgabe kenne als die, allezeit bereit zu fein, einzustehen für des Reiches Herrlichkeit. Heute wolle das Regiment aufs neue Treue und Anhänglichkeit an Kaiser und Reich geloben. Das Regiment wolle auch des Tags gedenken, an dem vor zehn Jahren Se. Majestät Kaiser Wilhelm den Thron seiner Väter be­stiegen , auf dem er in angestammter Hohenzollerntreue seines Amtes waltet, Gott erhalte und behüte das Leben Seiner Majestät noch lange Jahre. Se. Majestät der Kaiser, unser erhabener Chef, und Se. Königl. Hoheit der Groß­herzog und sein Haus:Hurrah!"

Nach dem Abreiten der Front fand zweimaliger Pa­rademarsch statt, worauf die Truppen unter klingendem Spiel in die Kasernen abrückten. Die Haarbüsche der Of­fiziere und Mannschaften haben schwarze, die der Musiker und Spielleute rothe Farbe.

ZumKegierungsjubiläuml des 'Kaisers.

Von größeren Festlichkeiten aus Anlaß des 10jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers ist auf dessen besonderen Wunsch Abstand genommen worden.Bis hierher hat uns Gott geholfen und wird auch noch weiter helfen", mit diesen Worten soll Kaiser Wilhelm jede Feierlichkeit abgelehnt haben. Dieser Ausspruch ist so recht geeignet, den Inhalt der Regierungszeit Wilhelms II. zu­sammenzufassen. Es war ein für Deutschlands Geschichte ungemein ereignißreiches Jahr, in welchem Wilhelm II. die Zügel der Regierung ergriff. Der Begründer des neuen deutschen Reiches war dahingeschieden, hochbetagt, aber darum doch schmerzlich vermißt. Ganz Deutschland stand unter dem Eindrücke dieses Verlustes, der um so größer war, als der Erbe des Kaiserthrons, der ritterliche Sohn des alten Heldenkaisers todtkrank außerhalb der deutschen Grenzen weilte und aller menschlichen Voraussetzung nach nur kurze Zeit die Regierung führen konnte. Ein einiges Deutsch­land ohne Wilhelm I. schien den Meisten so unfaßlich, daß von ihnen dessen Hinscheiden als ein nationales Unglück angesehen wurde. Aber das Reich war fest­gefügt, an seinem Bau hatten Arbeiter mitgewirkt, die ein Werk schaffen wollten für die Ewigkeit und es nicht auf sandigem Boden errichteten, sondern auf einem Fels, der Jahrhunderte und Jahrtausende Stand halten sollte.

Wohl war der Verlust, den Deutschland mit dem Tode Wilhelms I. erlitten, schmerzlich, und so manche bange Sorge machte sich geltend, wohl trübte das frühe Hinscheiden Kaiser Friedrichs unfern Blick und stimmte das ganze deutsche Volk wchmüthig, aber noch war ja ein Sproß des edlen Zollerngeschlechtes vor­handen, dem die Sorge für das Wohl und Wehe Deutschlands anvertraut werden konnte.

Eine schwere Bürde übernahm Wilhelm II., als er am 15. Juni 1888 nach dem Heimgang seines Vaters die Regierung antrat. Erst seit der Erkrankung des Letzteren war er in die größere Oeffentlichkeit ge­treten, bis dahin schien er ganz in seinen militärischen Pflichten aufzugehen. Gerade diese seine Vorliebe für das Militär erfüllte damals weite Kreise mit einem ge- wiffen Bangen; man schrieb dem jungen Kaiser Lust zum Dreinhauen zu und befürchtete, daß bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit Conflicte mit dem Auslande entstehen könnten. Wie sehr man sich damit in einem Jrr- thum befunden hat, lehrt uns die verflossene zehnjährige Regierungszeit des Kaisers. Gerade, daß er sein ganzes Können, seinen weitreichenden mächtigen Einfluß auf-

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geboten hat, um Europa den Frieden zu erhalten, ist das I Helm II. im Laufe

größte Verdienst, welches alle Welt unserem Kaiser mit gethan, hatte natürlich auch unser 116. Regiment theil;

würdiges Glied des Heeres ist. Mannichfach sind die Aus­zeichnungen , die dem Regiment zu Theil wurden. Am 20. August 1891 wurden dem Regiment neue Fahnentücher verliehen und ihm vom Großherzog Ludwig IV. auf dem Gießener Exerzierplätze persönlich überreicht. Die Ver­leihung geschah unter folgendem Tagesbefehl:

Ich will den Bataillonen meiner Infanterie-Re­gimenter neue Fahnentücher verleihen. Soldaten! Die nahezu 1OO Jahre, in welchen Eure Fahnen Allen Un­bilden der Witterung in Krieg und Frieden ausgesetzt gewesen, die Vorkommnisse der ruhmreichen Feldzüge haben die Fahnen, die Symbole der Treue und Tapfer­keit, ihres Tuches fast gänzlich beraubt. Nur neu ge­schmückt erhaltet Ihr Eure alten Fahnen nun zurück, bewahrt sie, getreu dem ihnen geleisteten Fahneneid, vor Schande, führt sie nur zu Ruhm und Sieg mit der alten Hessentreue, die sich in diesen Augusttagen vor 21 Jahren so glänzend bewährte. In guten wie in bösen Tagen, im Frieden wie im Kriege Mir und unserem Hessenlande treu, stehen wir gemeinsam fest zu unserem Allerhöchsten Kriegsherrn, Se. Majestät dem Kaiser und König."

Als ein Jahr später das Regiment zu den großen Corpsmannövern bei Cassel ausrückte, stand ihm eine neue Auszeichnung bevor. Unterm 13. September wurde folgender Tagesbefehl an das Regiment gerichtet:

Regiment No. 116. Oberzwehren!

Ich setze hierdurch das Regiment davon in Kennt­niß, daß Seine Königl. Hoheit der Großherzog Mir heute, als an Höchstseinem Geburtstag, die Stellung

eines Chefs des Regiments angetragen, und Ich mich bewogen gefunden habe, dieselbe anzunehmen. Ich freue mich, gerade an diesem Tage in eine nähere Verbindung mit dem tapferen Regiment zu treten, das die ehren­vollen Traditionen bei Gravelotte und Orleans in treuer und erfolgreicher Fried^nsarbeit zu erhalten ge­wußt hat.

Cassel, 12. September 1891.

gez. Wilhelm.

Das RegimentGroßherzog" führte von diesem Tage die BezeichnungInfanterie-Regiment Kaiser Wilhelm"

und erhielt einige Wochen später an Stelle der Regiments­nummer den Namenszug des Kaisers auf den Achsel­klappen.

Am Geburtstage des Großherzogs Ludwig IV. (12. Sep­tember) erfolgte dessen Ernennung zum Generalobersten, die hessischen Truppen aber wurden noch dadurch geehrt, daß der Kaiser persönlich für den Tag die Parole bestimmte, sie lautete:Bois de la Gusse.

Der an Ehrenbezeugungen so bedeutungsvolle Ge­burtstag Großherzogs Ludwig IV. war leider der letzte, der den Großherzog inmitten seiner Hessen sah. Schon im folgenden Frühjahr senkten sich die neuen Fahnen vor dem Sarge des von seinen Truppen wie von seinem Volke gleich geliebten Fürsten und Feld­herrn. Auch der erhabene Nachfolger Ludwigs IV., Großherzog Ernst Ludwig, theilt sich mit seinem kaiser­lichen Vetter in die Fürsorge für seine Truppen, und neue Auszeichnungen wurden unferm Regiment zu Theil. Der Kaiser übersandte dem Regiment sein in Lebensgröße gehaltenes Bild, das Se. Majestät in der Uniform des 116. Regiments darstellt. Zu Anfang dieses Jahres folgte eine neue kaiserliche Aner­kennung , indem Se. Majestät unter dem Ausdrucke der Anerkennung für die vorzüglichen Leistungen des Regiments während des Kaiser-Manövers demselben Fahnenbänder verlieh und als eine besondere Aus­zeichnung ist es wohl zu betrachten, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog dem Regiment heute die be­reits bei sämmtlichen Garde- und Leibregimentern ge­führten Haarbüsche als Helmzier verlieh.

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