Ausgabe 
16.3.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

'«»iein.

pe matlln.

""81.8111!.,

« $1.1*50 M ''

« Ml 2 '

, »"81. 2,50

aitta»,««;

te

ittee

rdertficfi beliebt.

ßie gefall, beim Z

Miete; und & ^cuchmittel.

auf die $irma ® iofh und obige 'cftukmarke.

@e;cüäftin tu taten.

C. Röhr & Co,

Giessen,

Spezialität:

Kinderbetten u.

Erstling*- 5 wieche. «

HlnBtr.Catal.gtat.nJco.

85?

39<

14560

163.1* I * * * 5

145.25 162-10

126<

jU®

;S>

1314^ 93.' 35.80-

Laura -

«fe

« Ä rÄZL Ä&ltS

in e«tfot*

>.»K« g>*

V^giseo 0^0.4° Ä

IAL5- nU** eifSÄ .A'S .-

80.80 ä gj

Ä?

JJÖ& ls> rfjfe ri'° N

Nr. 63 Erstes Blatt. Mittwoch den i6. März

1808

Orscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener WamilienVtStter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

gkuwrtis oierietjährlich

2 Mark M Pfg. monatlich 75 Pfg. mit BrikWerlohu.

Bei Poftbezug Mark 50 Psg. ierteljährlich.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgende« Lag erscheinenden Nummer dir Sonn. 10 Uhr.

General-Anzeiger

Alle Anzeigen-BermittlungSstellm 1 In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für en Gießener Anzeiger ntgrg«.

Amts- und Anzeigeblntt fiir den Ttveis Gieren.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

Sledaetion, Expedition und Druckerei:

Fchnlfir«tze Ar. 7.

Adresse für Depeschm: Anzeiger Ließen.

Fernsprecher Nr. 51.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. März. Der Kaiser nahm heute Bormittag von 9 Uhr au dir Bortrage de- Ministers bei Innern Frhrn. v. b. Recke, des Ches! des Tivilcabtnet! v. Lucanul, bei commondirrnden Admiral! v. Knorr, bei Staatssekretärs bei Reichlmaitneamt.4 Tirp'tz und bei Chef- bei Marinecabtnetl Frhrn v. Senden-Bibran entgegen.

Verliv, 14. März Die Kaiserin hat seit mehreren Tagen wegen einer Erkaltung baS Zimmer nicht verlosten.

Berlin, 14 März Der deutsche Hau dell tag trat heute im Langenbeckhause tu Berlin zu seiner diesjährigen Plenarversammlung zusammen. Der Vorsitzende, Geh. (Som* »erztenrath Freotzel, begrüßte die anwesenden Staatl- seeretäre v. Posadow^ky und v. Thielmaon und den Reichl* bankpiäfidenten Dr. Koch. Bor Eintritt in die Tagelorduuog richtete Staatssekretär v. Posadowlkh eine begrüßende Ansprache au den Handelltag und führte au«: Die Regie- ruugeu, wie der Reichskanzler wenden allen Zweigen dkl Erwerbswesens gleiche! Jntereste zu, ialbesoudere dem deutschen Handel, besten Aufgabe nicht nur die Förderung bei Güterumläufe!, sondern auch die Schaffung neuer Werthe ist. Der Handel führt die vom heimischen Markte nicht auf* genommenen Güter dem sulländischen Verbrauche zu. Der vielfach angegriffene AusdruckInternationale Exportindustrie- ist demnach zutreffend. Unser Handel ist auf den Export an­gewiesen. Unser Bestreben geht aus die Erweiterung der interuattonalen Exportindustrie und aus die Unterstützung del Handels in dem Streben, immer neue Absatzwege zu gewinnen. Unsere Sxportinduftrie ist aber auch eine nationale, denn ein großer Theil der Maaren ist aul deutschen Rohstoffen. Redner kann versichern, daß die Regierungen den aufrichtigen Wunsch haben, el möge dem deutschen Handel gelingen, nicht nur wie btlher den heimischen Markt zu beherrschen, sondern auch Antheil am Welthandel und immer größere Erfolge im inter- nationalen Wettbewerb zu haben. Damit wird der deutsche Handel dem deutschen Erwerbsleben einen großen Dienst leisten und die Regierungen werden dahingehende Bestreb­ungen del deutschen Handelltage! freudig unterstützen. Die Versammlung begann sodann dir Berathung der Verlängerung bei Privileg! der Reichsbank. Die vom Referenten Schwckel- Hamburg empfohlene Annahme der Erklärung, worin der Handelltag gegen die Verstaatlichung der Rrichlbank und für die Verlängerung be5 Privileg! sich aulspricht unter brm Hiuwei! darauf, daß el unverantwortlich wäre, an der wich* ttgen uub bewährten Einrichtung ohne zwingende Nothwendtg* kett mit Neuerungen zu exprrimenttren, wird einstimmig beschloffen.

Berlin, 14. März. Die trüben Erfahrungen bei lttzten Herbste! veranlassen den Etsenbahumtntster, der Wieder­kehr von Etsenbahnunfällen vorzubeugen, soweit die! überhaupt durch menschliche Vorkehrungen erreicht werden kann. Den vielen zu diesem Zweck bereit! ergangenen Ber* fügungen reiht sich jetzt ein neuer Erlaß de! Minister! Thielen au, worin darauf htugewteseu wird, daß aller Borautficht nach der eingetretene außergewöhnliche Berkehrl-Aufschwung auch noch weiter andauern und im kommenden Herbst sich zu einem bilher nicht erreichten Umfange steigern werde. Zur Verminderung der hieran! zu erwartenden Schwierigkeiten dürfe nicht! verabsäumt werden, um die Bahnanlagen den zu erwartenden Verkehrlverhältnissen entsprechend bi! zum Herbst d. I. so wett thuvlich zu vervollständigen. Die Mehrbewilligungen del neuen Etat! sollten in erster Reihe für diejenigen Anlagen in Anspruch genommen werden, deren Fertigstellung bi! zum nächsten Herbst möglich sei. Der Minister ordnet daher an, daß mit allen derartigen Bauten und Beschaffungen alsbald nach Bereitstellung der Mittel begonnen werden soll,' für besonder! dringliche Bauten können die Lieferungen schon jetzt aulgeschrieben und die Zuschläge eventuell unter dem Vorbehalt der Bereitstellung der erforder­lichen Mittel ertheilt werden.

Köln, 14.März. Der,K. V.-Ztg." wird au« Berlin telegraphirt: Bezüglich der Deckuuglfrage ist au! dem Eentrnm ein neuer Vorschlag ausgearbeitet worden, von dem auzunehmen fein soll, daß er die Zustimmung de! Bundei­rath! findet.

Dresden, 13 März. Vom 15. April ab wird in Sachsen dieGiltigkeitldaner der Rückfahrkarten von drei auf zehn Tage, nach einer Entschließung der Generaldirection der sächfischen Staatsbahnen, verlängert.

ArrsUnr-.

Wim, 14. März. Dal Leicheubegängnih der Frau Helene Hartmann fand unter großer Betheiligung statt. Am Grabe sprachen Direktor Schlenther und Sonnrnthal.

Bien, 13. März. In Prag und Graz wurden heute zur Erinnerung an 1848 entsprechende Feierlichkeiten veranstaltet, die ohne Zwischenfall verliefen.

Rom, 14. März. Auf eine Anfrage del Deputirten Diligenti über die Haltung der italienischen Regierung in Bezug auf die Eaudidatur del Prinzen Georg von Griechenland für den Posten del Gouverneur! von Kreta gab der Unterstaailsecretär de! Aeußeru folgende Erklärung ab: Bei der Wahl der Behörde, die mit der Durchführung del Programm- der Mächte auf Kreta zu betrauen wäre, haben fich Schwierigkeiten ergeben, infolge deren die Ver­handlungen verlängert werden muhten, um zu einer Ueber- einstimmung zu gelangen. Während dieser Unterhandlungen hat Rußland den Namen del Prinzen Georg von Griechen- land vorgeschlagen. Auf eine offiziöse Anfrage, welche Auf­nahme el dieser Candidatur bereiten würde, hat Italien ohne Zögern geantwortet, daß e! im Interesse der Beruhigung der Insel geneigt sei, die Candidatur günstig aufzunehmen, indeffen gleichzeitig den Wunsch aulgedrückt, daß vor Allem über diese Candidatur die Uebereinstimmung sämmtlicher Großmächte festgestellt werden müffe, ba bie italienische Politik bei allen schwierigen Orientfragen stet! bie unoer* änberte Uebereinstimmung der Großmächte al! sichere Garantie de! Frieden! Europa! zu bewahren wünsche. Infolge einiger < von uni nicht abhängiger Schwierigkeiten konnte diese lieber* | einstimmung über die Candidatur de! Prinzen Georg noch $ nicht zu Stande kommen. El ist noch keine andere Candi- | datur an ihre Stelle getreten. Die Mächte verharren, stet! $ von dem gleichen Geiste der Versöhnlichkeit beseelt, bei dem ? Ziele, dal sie fich gesetzt haben. Da die Unterhandlungen 3 noch schweben, müssen wir un! große Reserve auf erlegen; j doch dauern die Verhandlungen fort mit dem Ziele, auf Kreta ein Regiment einzusetzen, da! den Wünschen der Be* 8 völkerung und den Absichten der Großmächte entspricht und zugleich der Insel die Wohlthaten dauernder Ruhe sichert.

I tzelfiugforl, 14. März. Der finläadische Schriftsteller und Dichter Zachri! Topeliu! ist in der vergangenen Nacht gestorben.

Loudon, 14. März. Aul Newhork wird gemeldet, daß im dortigen Hafen große Vorbereitungen getroffen und unterirdische Mrnen gelegt werden.

London, 14. März.Daily Mail" berichtet au! Ber­lin, ein hier eingelaufener Drahtbericht sagt, bah in Peking verlaute, Japan sammele seine sämmtlichrn Marinekräfte. Del sei ein Beweis, dah auf einen baldigen Krieg zu schließen sei.

Washington, 14. März. Dal offizielle Blatt der Armee und Marine behauptet, die Lage sei sehr ernst,; der Krieg scheine unvermeidlich. Man behauptet, daß die Katast-ophe bei Panzer!Maine- durch einen von außen gekommenen Stoß herbeigeführt worden sei und daß der Bericht der Com­mission Über die Katastrophe auch dahin laute.

. CecaU# tzrrr-

Stehen, den 15. März 1898.

** Instizperfonalierr. Seine Königliche Hoheit der G r o ß * Herzog haben Allergnädigst geruht, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Zwingenberg Friedrich Tenner zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Zwingenberg Karl Herpel zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Ortenberg zu ernennen.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: die mit einem eb. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ruttershausen, Kr. Gießen, mit der Stelle ist Organisten- dienst verbunden; die mit einem eb. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zu Nieder-Mool, Kr. Lauterbach, mit der Stelle ist Organisteudienst verbunden; eine mit einem eb. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zu Dudenhofen, Kreil Offenbach; die mit einem eb. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Geinlheim, Kr. Groh-Geran, mit der Stelle ist Organchendienst verbunden; dem Herrn Fürsten zu Isen- durg-Bikstein steht da! Präsentationsrecht zu derselben zu; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zu Kempten, Kr. Bingen, sämmtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter fich demeffenden Gehalt.

*H. Stadttheater. Am gestrigen Abend gelangte dal Bolklstück von Karlweil®al grobe Hemd" zur Auf­führung. Da! Stück ist eine Novität, die aul W eti ge- kommen und bereit! auf den meisten Bühnen Deutschland! mit Erfolg inscenirt wurde. Mit einem recht alten, ab* und aulgenutzten Theaterwitz ist die Handlung motibirt, nämlich, daß ein reicher Mann den wahren Charakter seiner Ange­hörigen und Bekannten erst richtig kennen lernt, all er fich

I für ruinirt aulgtebt. Neu darin ist bloß bie etwa! versteckte,

aber auch nicht dal Richtige treffende Satire gegen die .Salousocialisten", welche bloß mit socialen Volklbeglückungl* theorien kokettiren, aber in ihrem Reichthum und Ntchtlthuu

keine blaffe Ahnung bon wirklich socialen Bestrebungen und

Zielen haben. Der Inhalt del Stücke! sei kurz mitgetheilt. Gchöllhofer, ein durch dreißig Jahre lange harte Geschäft!- thätigkeit reich gewordener Mann, hat zwei Kinder, eine Tochter, die sorglo! und fröhlich in den Tag hineinlebt, weil fie wliß, daß der Vater sehr reich ist, und einen Sohn, der al! Ingenieur bon weiten, große Summen berbrauchendeu Reisen zurückkehrt. Der Sohn ist bon socialistischen Ideen erfüllt, wirft dem Vater bor, daß sein Reichthum nicht makel­los erworben sei, sondern daß solcher mit dem Schweiß seiner gering bezahlten Arbeiter berdievt sei und will nun selbst zeigen, wie bloß durch eigene Arbeit Erworbene! innere Be- friedigung, wahren Genuß an dem sich Errungenen bieten kann usw. Der alte Schöllhofer liebt zwar seinen Sohn Max abgöttisch, aber kommt doch zu dem Entschluffc, diesen die borgebrachten Theorien praktisch probiren zu laffen, ihn in Armuth zu bersetzen, mit anderen Worten ihm »Da! grobe Hemd" anzuztehen. Deshalb spielt der Alte die Comödie bei durch mißglückte Spekulationen gänzlich ber* armten Manuel, zieht mit Sohn und Tochter in eine dürf­tige Wohnung und bedangt von dem Sohne, daß er nun Vater und Schwester durch seine eigene Arbeit den Leben!* unterhalt verschaffe. Natürlich fällt bei der rauhen Wirklich* keil da! in Luxus und allem Comfort ausgewachsene Söhnchen au! allen Himmeln; sein Thatendravg, seine prahlerische Energie bom aufzunehmenden Kampf mit dem Leben al! Besitzloser ist gleich einer Seifenblase geplatzt und er ist überglücklich, daß der Alte einen schlechten Scherz gemacht unb ba! verachtete viele Gelb all noch hat. Nebenher läuft noch diemoderne" Liebe, d. h. die jeweilige Uebereinstimmung der Gefühle und Leidenschaften mit dem effektiven Baar- bestand, der Tochter Franzi mit dem Sohne Rudolf de! Baurath! Wendelin. Da! bereit! verlobte Paar erkennt nach dem Unglück Schöllhoferl, baß e! nunkeinen Sinn hat" zu heirathen unb hebt bie Verlobung auf. Die nachdrücklich gehaltene Epistel über wahre Liebe unb wahren Werth be!

5 Leben!, welche Franzi! Vater ben Beiden hält, läßt diese sich auf! Neue unb nun unzertrennlich vereinen. Max wird glücklich mit feiner geliebten Christine, bie in seinen Anschau­ungen aufgeht unb ihr Gelb ihm opfern will. Da! ist da! Hauptsächliche ber Hanblung. Der Verfasser characterifirt da! Stück anmaßend all Volktstück, aber richtig geschätzt und betrachtet ist el eine Posse. Auch ist Karlweil etwa! un­reell dabei zu Werk gegangen, denn er sucht e! darin sowohl den Reichen, den in Wohlleben und Genuß Lebenden recht zu machen, al! auch den Besitzlosen und sucht Beide! durch schön anzuhörende Begründungen zu beweisen. Offenbar find die socialen Fragen unserer Zett doch viel zu ernst, um in solcher Weise al! Belustigung und Stärkung fich selbstlobend aufsteigender, damit übereinstimmender Gedanken eine! Par- terre von lauter wohlhabenden Leuten zu dienen. Dal Stück fand auch hier bte heiterste Aufnahme, wozu die gute Darstellung wesentlich beitrug. In der Rolle del reichen Schöllhofer abfolbirte Herr Hofschauspieler Conrad Dreher ben zweiten unb letzten Abend seine! hiefigen Gastspiel!. Auch bklmal verstaub er bnrch sein vortreffliche! Spiel, seine unverwüstliche Komik unb lebenswahre Characterifirnng ba! Interesse auf fich allein zu concentrireu unb erntete dafür bie stürmischen Beifallsbezeugungen bei nahezu aulverkauften Hansel. Wir verabschiebeu un! von bem gefeierten Gaste mit einem herzlichenBhüet Gott unb auf Wiedersehn!" Al! Schöllhoferl Sohu Mox leistete Herr Böhm theilweisc recht Gutei; bei der Klarlegung seiner talmisocialistischen An­schauungen hätten wir allerdings mehr Begeisterung gewünscht, doch befriedigten die Scenev, wo dieser prahlerische Maul­held und Faulptlz die erste Tasse dünnen Kaffee! und trocken Brod kostet, ungemein. Herr Liebscher al! Baurath Wendelin schuf einen ergötzlichen Büreaukraten. All deffeu Sohn Rudolf glänzte Herr Janson. Eine dankbare Rolle hatte Herr Dos er mit seinem gut characterifirten Baierl. Den Damen sei ob ihrer guten Leistungen summarisch volle!