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erinnern. Bingenheim führt eine Linde in seinen früheren Tiegeln. Die drei Markgerichtstage waren: Freitag nach dem DrelkönigStage, Freitag nach Himmelfahrtstag und Frei- tag nach dem Remigiustage (1. October). Auch diese Ge- richtstage wurden immer bedeutungsloser, wodurch daS Dorf Bingenheim empfindliche Einbußen erlitt. Die Einwohner wandten fich darum an den Landgrafen Ernst Ludwig (denn Btngenbeim war um da- Jahr 1450 HMch geworden) und baten, daß dem Dorfe wegen des Verluste- irgend eine Becgünst'gung ertheilt werden möchte, und der Landgraf ge- wähxte die Bitte, eS bekam im Jahre 1721 die Erlaubniß, drei Markte jährlich an denjenigen Tagen abhalten zu dürfen, an denen in früheren Zeiten die Gerichtstage stattfauden. Doch auch die Märkte verloren ihre Bedeutung, aber die Erinnerung an die Gerichtstage erhielt fich bis auf den heutigen Tag, al-'o fast 1000 Jahre laug und die Jugend feiert sie in eigenartiger Wüst, aüe drei in einem Zuge weg auf Freitag, SamStag und Sonntag nach dem DreikönigS- tage, weil die Tage nach Himmelfahrt und Remigius in eine zu arbeitsreiche Zeit fallen. An der Feier betheiligen fich nur die Unverheiratheten und zwar die Mädchen schon nach der Confirmation, die männliche Jugend drei Jahre nach der Confirmation. Die jungen Leute kommen auch nicht alle zusammen in ein Wirthshaus, sondern sie theilen fich in acht tz!s zehn Parthieeu. JrdeS Mädchen liefert beiläufig fünf bis sechs Pfund Mehl, ein halbe- Pfund Butter, sowie sonstige Zuthaten, um Kuchen zu backen,- man ersteht darau-, daß eine avsehnliche Menge von Küchen gebacken werden können, wenn eine Mädchengesellschaft seck- bi- acht Personen stark ist. Die Burschen haben für Getränke, Würste u. dgl. zu sorgen. An 'een Vormittagen finden keine Zusammenkünfte statt, nur Nachmittag«. ES wird grgesten, getrunken, gesungen und getanzt. Die Musik machen sich die jungen Leute selber, oder fie bestellen fich einen Ziehharwonikaspseler, der besonders beliebt ist, wenn er allerlei Späffe und Schnurren zu machen v.rsteht. Zuweilen werden auch Um* züge veranstaltet, wobei allerlei Berkletduugeu vorgrnommen «ud Gaben an Kuchen uud Eiern erbeten werden. Der Be* such von WirthShausern ergibt sich dabei von selbst, doch Unfug und Unzuträgiichkeiten treten nicht hervor, es geht alle- ordentlich und ehrbar zu. Sind die Tage vorüber, so werden die übrig gebliebenen Sachen unter Diejenigen Der* theilt, die beizestrutrt haben. Man ficht daraus, daß die Feier mit den Picknick- einigt1 Ähnlichkeit hat, zugleich ist ste aber auch ein Beweis dasür, wie zähe die Erinnerung au merkwürdige Tage der Vergangenheit im Grdächtnifle des Volkes haften bleiben.
Osthofen, 12. Februar. Am gestrigen Schöffengerichte wurde ein hiesiger großer Milchlieferant und dessen Frau zu je 600 Mark und der Sohn zu 60 Mark Geldstrafe wegen Milchfälschung verurtheilt. Die Staatsbehörde hatte Gefängnißstrafe und 1500 Mark Geldstrafe beantragt. Die
Sache w!rd noch die Mainzer Strafkammer al- Berufung-* Instanz beschäftigen, weil der Amtsanwalt gegen das Urtheil Berufung eingelegt hat.
Friedberg, 14. Februar. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hat fich mit vier gegen drei Stimmen gegen das Friedberger Gymnasium ausgesprochen.
Darmstadt, 14. Februar. Polizeicommiffar Bourgeois in Bkffungen hat seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht.
Darmstadt, 14. Februar. Bei der Creditkasse in Langen find schon seit längerer Zett Unregelmäßigkeiten vorgekommen, die dahin führten, daß die Vorstandsmitglieder Keller und Herling ihres Amtes enthoben wurden. — Jetzt beschäftigen fich Staatsanwalt und Untersuchungsrichter mit der Sache- e- soll fich dabei auch um Veruntreuung von Spareinlagen in großem Umfange handeln.
Alrchttche Anzeigen der svang.Genaeinde.
I« Eonfirmandensaal, Neustadt 61.
Mittwoch den 16. Februar, Abends 8 Uhr, »ibelstnnde. 1. Cor. 11. Pfarrer Schlosser.
Verfebr, Land- «nd volkrwirtkschaft«
»teste«, lb. Februar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,80-0.95, Hühnereier pr. St. 0—0 A,2 St. 13—154, Enteneier 1 St. 0—00,$, Gänse eier pr. St. 00—00 A, Käse pr. St.4 -9 A. Käsematte pr. St. 3 A, Erbsen pr. Liter 18 A. Linsen pr. Liter 32 A. Tauben pr. Paa- • X 0,93 biS 1,00, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,10, Hahnen pr. Stüö X 0,60—1,00, Enten pr. Stück X 1,60—2,00, Gänse pr. Pfunl X 0,00—0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 A, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 60—66 4b, Schweinefleisch pr. Pfd. 72 bis 76 A, Schweine fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 80 A, Kalbfleisch pr. Pfd. 60—64 A Hammelfleisch pr. Pfd. 50—66 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,10 bi? 7,00 X, Weißkraut pr. Stück 0-00 A. Zwiebeln pr. Gentner 7,00—8,00 X, Milch pr. Liter 16 A-
Neueste Nachrichten.
Depeschen de8 Bureau „Herold".
Berlin, 15. Februar. DaS „Kleine Journal" berichtet über einen schweren Mißgriff, der gestern der hiesigen Polizei widerfahren sei. Danach wurde die Gattin eines hn Hoiel „Monopol" wohnenden RittergutSbefitzerS Baron v. L. au btr Ecke der Leipziger* und Friedrichstraße gestern Vor* . mittag von einem uniformhteu Schutzmann in dem Augen- I blick verhaftet, als fie mit ihrem Töchterchen und deffen ' Gouvernante eine Droschke verließ. Der Schutzmann erklärte der Baronin, fie sei eine gesuchte Frau Heimath aus Budapest und brachte fie zu der in oer Charlottenstraße ge* legenen Wache, wo sie einem genauen Verhör unterzogen wurde, da fie fich nicht legitimiren konnte. Nach etwa einer halben Stunde erschien der Wirth des Monopolhotel mit dem Gatten, woraus die Dame freigelaff n wurde.
Baron v. L. hat sich bereits beim Polizeipräsidenten be« schwert- seine Frau liegt krank darnieder. Der Commandeur des Regiments, welchem der Baron als Reserveoffizier angehört, ist zugleich Flügeladjutant deS Kaisers und wird diesem über den Vorfall Bericht erstatten.
Wien, 15. Februar. WaS die Meldung von der bevorstehenden Verlobung des Prinzen Louis Napoleon mit der Königin Wilhelmine von Holland an« betrifft, so bestätigen hiefige diplomatische Kreise, daß that« sächlich dergleichen geplant sei. Trotzdem sei aber die Reali- firuug LeS ProjecteS nicht wahrscheinlich. Deutschland, würde jedenfalls aus politischen Gründen energisch Front machen.
Lüttich, 15. Februar. Die Anarchisten haben gestern in Vervier- einen Cougreß abgehalten, welchem etwa 40 Delegirte beiwohnten. Es wurde beschloffen, in den verschiedenen Wahldepartements gegen die Toc aldemokraten Candidaten auszustellen. Ein anarchistische- Organ unter dem Namen „Mirabeau" soll gegründet werden.
Graz, 15. Februar. Bei einer Aufführung des „Loheugrin" im hiesigen Theater kam eß bet den Worten: „Für deutsches Land daS deutsche Schwert, so sei deS Reiches Kraft bewährt" zu einer so gewaltigen nationalen Kundgebung, wie sie daS Grazer Theater noch nicht gesehen hat. DaS Publikum erhob sich, di: Frauen schwankten Taschentücher und minutenlange Hrtlruse durchbrausten daS Theater.
Paris, 15, Februar. Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung des Zolaproce s s eS wurden noch mehrere Schriftsachverständige, welche in den kriegsgerichtlichen Verfahren gegen Drehsus und Esterhazy um ihr Gutachten gefragt worden waren, vernommen- soweit sie sich zu Aussagen herdeiließen, konnten sie wenig Positives vorbringen. Die Zeugenvernehmungen find noch immer nicht beendet, sodaß der Schluß des ProceffeS vorerst nicht obzusehen ist.
Petersburg, 15. Februar. Im Stadttheater zu Jaroslaw verüble während der Probe der Regiffeur Wassiljew ein Attentat auf den Schauspieler Iwanow- in dem Augenblick, als Iwanow sich auf sein Stichwort aus die Bühne begeben wollte, stieß ihm Masst jew einen Dolch in die Brust. Die Verletzung ist eine derartig schwere, daß die Aerzte an dem Auskommen des Opfers zweifeln. Waffiliew wurde sofort verhaftet. Als Motiv der Tbat wird Eifersucht angegeben.
London, 15. Februar. Jn der Zweiten Kammer ergriff Lord Hamilton bet der Debatte über die auswärtige Politik da-Wort und vertheldigte die Politik de- Vordringen- in Indien. England müsse Herr bleiben der Wege, welche nach dem Innern Asien- führen, Loch müffr es den Stämmen, durch deren Gebiet die Wrg- gehen, volle Freiheit laffen.
G. Darmstadt, 15. F druar. Die Kammer genehmigte die RegierungSsorderuug für die Univ er sität im Betrage von 676,527 Mk. gegen 6 Stimmen.
Versteigerten.
1848
//
Be*
der
mit
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
1647
Gnauth.
1. April zu vermiethen.
1624
1618] Einfach mSbl. Zimmer zu ver-
Sttegelpsad 82- HI.
miethen.
alle sonstigen Personen bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes^
LSwengass« tt.
vermiethen.
D. V.
wird.
MAGGI
llrrmictlpuuv'n.
13
49
241
108
333
108
132
4340
4440
Wellen Eichen-Reifig, Wellen Nadel-Reisig,
65 Slg.
50 Slr-
60 vlz.
40 Nfg.
30 pfg.
30 vls-
M
n
Echte
Suppen» würze
gehört,
b. Unterbeamte und Militärpersonen vom
Die Zusammenkunft ist auf Licherstraße am Waldeingang.
Gießen, 14. Februar 1898.
die folgenden Schritten:
1. Katechismus für Hausmädchen
2. AuKandsKatechiswus . . .
3. Katechismus der KochkuuS .
4. Katechismus für Kiudermädcheu 5. Katechismus für Faudmägdc.
6. Käpuelkatechismus . . .
tauten- ober Nichtcombattanten-Verhälmiß zu verleihen.
Ausgeschlossen von der Verleihung sollen nach Allerhöchster fiimmung bleiben diejenigen, welche
a. sich nicht im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden, b. wegen einer mit Ehrenstrafen bedrohten strafbaren Handlung
Mistkästchen für Staare, Meisen und Rothschwänzchen find billig zu haben , 1628
Asterweg 9 im Hinterhause links.
— Zimmer Nr. 15 — zu stellen sind.
Gießen, den 14. Februar 1898.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen Gnauth.
Freiheitsstrafe oder wegen Verbrechen bezw. Vergehen mit mehr als 6 Wochen Gefängniß bestraft sind,
c. mit Freiheitsstrafe bestraft worden sind, insofern sie durch die der Bestrafung zu Grunde liegende Handlung eine unehrenhafte Ge sinnung bethätigt haben.
Behufs Ausführung dieses Allerhöchsten Erlasses fordern wir alle in keinem activen militärischen Verhältniß stehenden Personen, welche die hessische Sta atszugehöri gkeit besitzen und Anspruch auf die Medaille zu haben glauben, auf, sich unter Vorlegung der zum Nachweis ihres Anrechts erforderlichen Beweisstücke zu melden.
1. sofern sie in Hessen ihren Wohnsitz haben:
a. Offiziere, Sanitätsoffiziere, obere und mittlere Militärbeamte be demjenigen Bezirkscommando, zu welchem ihr jetziger Wohnort
2. sofern sie außerhalb Hessens aber in Deutschland ihren Wohnsitz haben:
a. Offiziere, Sanitätsoffiziere, obere und mittlere Militärbeamte bei demjenigen Beztrkseommando, zu welchem ihr letzter Wohnsitz in Hessen gehört,
b. Unterbeair » und Militärpersonen vom Feldwebel abwärts, sowie alle sonstigen Personen bei der Bürgermeisterei ihres letzten Wohnsitzes m Hessen.
Vor Empfang des Besitzzeugnisses, welches gleichzeitig mit der Medaille verabfolgt werden wird, ist Niemand befugt, die — etwa anderweit beschaffte — Medaille anzulegen.
Darmstadt, den 31. Januar 1898.
Großherzogliches Ministerium des Innern.
Finger.
Wichtig für hktrschaftlichr Hallsstauen
und Dienstmädchen
find die vom FrSbel-Oberlin-Derein »u Berlin herausgegebenen Volkö- schriften. Unsere Bestrebungen, ein gutes Verhältsstß zwischen Herrschaft und Dienerschaft wieder herzustellen, sind allgemein und von höchster Stelle anerkannt. Wir empfehlen deshalb
Harter EdelroUer i vorzüglichen Gesanges mit Baß- und Hoblglucke, glebt zu mäßigen Preisen W. Borma««, Telegraphist, Wetzlar.
ist soeben wieder eingeiroffen bet 1303 E. Roth 1L, Wallthotfir. 5.
Göthestraße 35
ein kleines Logis an ruhige Leute per
ML MlMiMS.
Freibank. 1610
Hente nnd morgen
Holzversteigerung
im Gießener Stadtwald.
Montag, den 21. Februar 1898, Bormittags 9Va Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadt-1 wald in den Districten Neuheege I und Waldshute versteigert werden:
282 Kiefern- und Fichtenstämme mit 146,75 fm,
Jedes junge Mädchen, auch jede Hau flau, kann aus diesen Büchern lernen. Die Thatsache, daß in den beiden Wochen vor Weihnachten über 100000 Exemplare davon verkauft sind, ist ein Beweis für die Nützlichkeit unserer Schriften.
Wer ein Ungeschickte» Mädchen hat, der gebe ihr den Katechismus in die Hand und fie wird wie um- gewandelt- Wer eS wünscht, daß Löhne «nd Tächter in feineren Kreisen verkehren sollen, der kaufe ihnen den rmfiandskatechi-mn», wer ein Kind nützlich ernährt, der laffe sich den Püppelkatechismu» schicken- Landwtrthichaftliche Hausfrauen werden viel Gutes stiften, wenn sie den Mägden den Katechismus für Landwirthe taufen, da dieselben von dem Zuzug nach den Grotz- städten ab geleiten werden. Wer ein Kindermädchen hält, dem er das kostbarste Gut des HauseS, daS Kind, anoeitrauen muß, gebe ihr den Kinderkatechismus. Sämmtliche Schriften werden gegen Zusendung des Betrages in Briefmarken oder auch gegen Postnachnahme sofort zugesandt an
Frau Erna Grauknhorst,
Vorsteherin
des Fröbei-Vberliii-UereinsKerliu, Wilhelmstr. 10. 164t>
NB. Wir machen die geehrten herrschaftlichen Hausfrauen noch darauf aufmerksam, daß jede Dame, die diese angezeigten Bücher, oder einige von ihnen, von uns kauft, dadurch das Recht erhält, zu jeder Zeit ohne Gebühren zahlen zu brauchen, weibliches Dienstpersonal aus der Stellenvermittelung des Fröbel-Oberlin-Bereins zngewiesen
Fichtenstangen mit 1,22 fm, rm Eichen-Scheitholz,
Bekanntmachung.
Die im Abdruck nachstehende Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern bringen wir unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß, daß Anträge auf Verleihung der Erinnerungs-Medaille unter Vorlage des Besitz;eugnisses über ein Erinnerungszeichen aus den Feldzügen 1864, 1866 oder 1870/71 oder etwaiger anderer Beweisstücke auf unserem Bureau
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Seine Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen haben die Gnade gehabt, die zum Andenken an den hochseligen Kaiser und König Wilhelm I. gestiftete Medaille allen rechtmäßigen Inhabern der preußischen Kriegsbenkmünze für 1864, des preußischen Erinnerungskreuzes für 1866 oder der Kriegsdenkmünze von 1870/71 ohne Rücksicht auf ihr Combat-
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