1808
Gießener Anzeiger
General -Anzeiger
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Aints- und Anzeigeblutt für den Ttreis Äietzen.
Feuilleton.
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al» da» Organ Lyamderlain» gilt, lasse darauf schließen, daß da» Borgten Deutschland» tu jenen Gegenden auf die Um«» stützuvg Eag'aud» rechnen könne.
»reffe für Drpesche«: Auzetger
F«r»fprechrr Nr 51
Xuskn*
Pari», 13. December. Infolge de» Vorgauge» tu der gestrigen Sammerfitzung hat der soctalistische Abgeordnete Boyer den Rationalisten Dsroulsde gefordert. Die Zeugen Boyer» find die Socialtstrn Fournier und Larlo». Diese Beiden haben im Laufe de» Abend» mit den Zrugen Dsroul^e» die Bedtoguogeu festgesetzt. Da» Duell soll heute früh stattstudeu.
Part», 13. December. Der .Figaro" meldet au» Nizza: Gutem veruehmru nach habe dte Söutgin von England beschlossen, gegen Ende Februar nach Nizza gu kommen, um dort ihren gewohnten Aufeuthalt zu uebmev.
Part», 13. December. .Libre Parole" veröffentlicht einen Brief Esterhazy» an den Berichterstatter de» Laffatiou»hofe». Ja diese« Briefe verlangt Esterhazy, vo« Eaffation»hofe verhört zu werden und mit allen Zeugen In Gegenwart eine» Advocate» eonfrontirt za werden.
Pari», 13. December. Pari» hat eine neue Rede de« britischen Botschafter» Monson zu verzeichnen, diesmal nicht auf', sondern abwtegelnder Art. In der „Bereinigung christlicher junger Männer" gab Monson d« Ueberzeugung Ausdruck, Frankreich werde mit England und Amerika Zusammengehen, um den Fortschritt der Gesittung zu sichern. Er sprach ferner seine Sympathien für Frankreich ans und hob hervor, er schätze sich glücklich, die Herzlichkeit feststellen zu können, welche man den in Pari» wohnenden Engländern entgegenbringe; er hoffe, es werde nicht mehr die Rede von dem Gerücht sein, daß ein Krieg zwischen beiden Ländern bis nächste Weihnachten ausbreche. — Die Umgebung, in der Monson diesmal geredet hat, soll dte Franzosen wohl ganz besonder» von der neulich in sehr zweiselhaftem Lichte erschienenen Versöhnlichkeit und Friedfertigkeit überzeugen.
Pari», 13. December. Au» dem Halbdunkel chre» zetzig« Aufenthalte» will eine vielgenannte Persönlichkeit wieder auf die Bühne des Dreyfu» Dramas treten. Esterhazy, der sich unter falschem Namen in Amsterdam aushatten soll, er-
„Da» ist Alle» richtig I Aber eia Privatvermögeu geht leicht verlöre», während ein vom Staat garavtirte» Fauei- lieustist ein sichere» Gut bleibt. In manchen schlimmen 8'tten hat da» Stift dte Soffen» vor dem gänzlichen Unter- gange bewahrt. Durch meine Schuld soll «eine Familie nicht ihre Ansprüche verlieren!" Nicht» konnte den Baron von seiner vermeintlich heiligsten Pflicht abbrtogen. Da» war eine böse Nacht für Alle. Adele weinte fich tu den Schlaf - die Mutter lag wach bi» zum frühen Morgen- der Baron fahr sehr oft auf an» unruhigem Schlummer und stöhnte leise: »Seine Geborene! «eine Geborene!"
Jo gedrückter Stimmung und mit sehr uovortheilhafter SefichtSsarbe machte fich die Baronin am anderen Morgen auf den Weg zur Gräfin Halffen, um derselben Sevvtniß von de« Geschehenen zu geben. Die Gräfin nah« dte Sache ernst, doch der Lieutenant lachte hell auf und rief: .Da» ist ja undenkbar! Da» ist etoe Schrulle! Pardon, Frau Baronin, aber ich verwog dte Ablehnung Ihre» Herrn Gemahl» nicht ernst zu nehmen!" . .
,@>te kennen «einen Mann nicht. Adele und ich kennen ihn bester. Da» arme Sind fitzt zu House und weint fich die Augen au»."
„Wa», Adele weint?! Et, da soll doch gleich ein heiligt» Sreuzdoaner . . . Pardon, Pardon, «etue Gnädigste! Aber kommen Sie, ich will sosorr mit de« Herrn Baron reden, «delev» Thräuev «üffeu in dieser Stunde noch getrocknet werden!"
Die Baroo lächette ungläubig über diese Voraussetzung de» jungen, lttbrnSwürdigen Heißsporne», ober fie willfahrte ih«. Eine Viertelstunde später melbete fie ihre» Manne, daß Graf Arthur ihn zu sprechen wünsche.
„Wie? «a»? Mich sprechen in der bewußten Angelegenheit? Gut! Er mag kowmen, der junge Herr. Ich »erde schnell mit ihm fertig fein."
Dte Baronin verschwand und Arthur trat gleich daraus ein. Er war tu Sala-Umform und «achte einen so |t» Winnenden Eindruck, daß der Baron beiuahe höflich sagte: .Diesen peinlichen Augenblick hätten wir un» ersparen Wnntn, Herr Graf!"
Deutsche» Reich.
Berlin, 13. December. Zur gestrigen Rede de» Staat»- Minister» von Bülow liegt bisher on» de« Auslände erst eine beachteo»werthe Stimme vor. Die ,Time»" schreibt: Da», »a» wir vou Deutschland verlangen und »a» »ir bereit find, ihm al» Gegenleistung zu geben, ist sreondschastliche Haltung und Zusammenwirken da, wo ein Zusammenwirken für beide Thetle von vortheil ist, und schließlich vollständige Enthaltung zügelloser Opposition. Wenn dte Ziele beider Länder zur Zett mcht unvereinbar find, so glaube» wir, daß Deutschland, indem e» eine Freundichast tu dtefer Art mit England sowohl al» auch den Bereinigten Staaten pfleg», so a« besten feinen Handel»interefiro dient, während von ihm niemal» dte Ausgabe Irgend eine» politischen Ziele» verlangt werden wird, sofern diese» 8*el nicht direkt englische oder amerikanische Jutereffen bedroht.
Berlin, 18. December. Zur Upptscheu Angelegenheit meldet die „Rat. 8-", daß der Antrag, der BandeSrath möge fich zwar für zuständig zur Erledigung de» schau«, burgischen Anträge» erklären, anf sein Recht ober zu Gunsten der lippischeu Lande»gesetzgebuog verzichten, vo« Svaigreich Sachsen gestellt worden ist.
Berlin, 13.Dece«ber. Handelsvertrag mitAmerika. Der ,£t«e»" wird au» Philadelphia gemeldet, die Regierung der Bereinigten Staaten denke in diese« Winter dte Verhandlungen mit de« Deutschen Reiche wegen de» Handelsverträge» wieder aufznnehmeo. Deutschland» jüngst offiziell bekundete Freundschaft werde in Washington voll anerkannt und werde wahrscheinlich dazu beitragen, dem Deutschen Reiche die Beibehaltung seiner eommerziellen Vorrechte auf den von Spanten abgetretenen Inseln zu sichern.
— Coloniale». Ju dem neuesten Eolsvialetat tst «tue Forderung erfüllt worden, welche fett Jahren von der Deutschen Eoloutalgesellschaft, dem Eolouialrath wte von deu Gouvernement» anfgestellt worden tst, nämlich dte Besserst eil u ug d er E o l o u talbe a m t en htustchtltch ihrer Versorgung und derjenigen ihrer Hinterbliebenen. Be der Pevfiontrung waren dte öolontalbeaeten ungerechtfertigter Weise erheblich uvgüvst'ger gestellt, al» dte Angehörigen der Schutztrvppe. Die Au»gleichung ist nun tn Gestatt einer Penfion»erhöhung in «ußflcht genommen, dte nach de« per-
fönltchen Gehalt abgestuft, den etot»mäßigen Becunteu der Schutzgebiete neben der zuständigen Pension vo« Beginne de» Bezüge» der letziereu ab gezahlt wird. Danach würde btt einem persönlichen penfionsberechtigten Gebalte von über 4000 Mk. der Betrag der jährlichen Pevfionsrrhöhung 800 Mk. im 6. Jahre der wirklichen Tropeudievstzett be- tragen und bi» auf 1600 Mk. im 10. Jahre steigen. Ferner war e» erforderlich, bie Beamten auch hinsichtlich der Bezüge ihrer Hinterbliebenen gleich den Schutztruppev-Angehörigeu beffer zu stellen. Bemerkt wird, daß von den Beamten der Schutzgebiete nur eine sehr geringe Zahl verheirathet ist, da grundsätzlich nur unverheirathete Beamte in die deutschen Schutzgebiete entsendet werden. Diese Vergünstigungen sollen mit dem Rechnuug»jahr 1899 ohae rückwirkende Srast in Wirksamkeit treten. — Sehr zu beklagen ist, daß der Beschluß be» Colonialrath», tn den «tat 10 000 Mk. sür bte Wetterführung der Vorarbeiten zur deutsch-ostafrikanischen Een tralbahn etnzustellen, vou der ReichSregterong nicht beachtet worden ist. Dieser Posten ist also jedenfalls auS finanziellen Rückfichten gestrichen worden. Mtt Recht sehen nationalltberale Blätter darin einen gewtffen Mangel an verstäudniß für diese wichtige Aufgabe unserer Eolontal- politt Alle anderen Eolontalmächte haben für den Eisen- dahnban in Afrika gewaltige Opfer gebracht. Dadurch wird un» vou allen Seiten der Wind au» den Segeln genommen, und die Entwickelung der fruchtbarsten und bevölkertsten Gebiete wird tu» Au»laud adge-
leitet. Demgegenüber enthält der Etat nur bie Forderung von 250000 Mk., um dte tu» Stocken geratene etwa 40 Kilometer lange Usamdara-Eiseubahn um etwa 6 Kilometer (!) wetterzuführen! Und dabei stretcht man noch 10000 Mk. für dte Eeutralbahu! Roch hegt man die Hoffnung auf die Juittative de» Reich»tag». Möchte diele Hoff- Hang fich erfüllen und H-rr v. Buchka, daraus gestützt, im Staude fein, die Zaghafttgkctt and den «iderstaud in maß- gebenden RegteruugSkretsen zu überwinden.
— vou der Tschadfee-Expeditiou. Au» Liver- Pool wird dem ,Te«P»" berichtet, die .Birmingham Daily Mail" fei ermächtigt, mitzutheilen, daß die deutsche Regierung fich mit der englischen Regierung über bte deutsche Expedition, die nach de« Tschadsee unterwegs sei, inS Einvernehmen gesetzt habe. Diese Mittheilung de» englischen Blatte», daS
9ir. 294 Drittes Blatt. Donnerstag dm 16. December
Der Baron sagte mißtrauisch: «Also der Herr Lieute- Rant waren auch tm Bade? Gehörte auch wohl zu deu Ju- timen? Wie? Wat?"
»Lieber Mann, der Lieutenant wor nun einmal bet seiner Mutter - er Ist ein sehr liebenswürdiger und achtnug»- werther Herr — und gerade heraus, Richard, — der Graf sah unsere Adele gern — und in seiner offenen, schneidigen Ärt — h,t er schon im Bade bei mir um AdelenS Hand ungehalten. Ich habe ihn uaiürlich an Dich gewiesen — er wird also in nächster Zeit fich auch an Dich wenden."
Der Baron legte schweigend die Sorten auf deu Tisch, Saud aus und hotte vou seinem Büchergestell den AdelSkaleuder. Er suchte nur kurze Zeit tn dem Buche, dann klappte er daS- selbe ja, stellte e» an feinen Platz und sagte dann tm Tone der Unfehlbarkeit: „Diese Hetrath ist unmöglich. Sie Ist keine Geborene t"
Die Damen waren sprachlos vor Staunen vnd Schreck.
.Dort tn dem Buche steht: .Elisabeth, SrSfiu v. Halffen, geborene Rauenburg "
Jetzt fand bie Baronin bie Sprache wieder: .Ganz recht! Ihr Vater war einer der reichste, und augefthensteu Bankiers von Berlin. Sie war die einzige Erbin, und ihr vermögen soll mehr al» fünf Millionen betragen. ®a» find wir dagegen?"
.Ich besitze nicht eine halbe Million! Da» weiß ich Alles ganz genau! Auch fällt mir nicht tm Geringsten ein, verächtlich von den bürgerlichen und ihrem Geld zu benten! Im Gegeutheil, ein braver Bürgerlicher tst mtr lieber al» rin adeliger Taugenichts - aber eS haudett fich für «ich und für meine Familie um die Ansprüche an daS Stift Soffen- hei«. Der Paragraph zehn der Statuten gestattet nun einmal nur Hriratheu mit Familien, tn denen keine Mesalliancen vorgekommen sind."
*ber die paar Taufend Mark Reuten au» de« Famt- lfenstift spielen doch keine «olle t« vergleich zu de« enormen vermögen der Halffen»!" bemerkte die Baronin mtt usge- «ohnter Entschiedenheit. Die Mutter kämpfte für da» Glück ihrer Tochter.
Keine Heöorene.
Humoreske von Max Börner.
(Nachdruck verboten.)
Glückliche Tage verlebten die Liebenden, Lieuteuaut Graf Arthur v. Halffen und Adele v. Gaffen, in dem idyllisch gelegenen Wildbad, wo fie fich vor wenigen Wochen kennen und lieben gelernt hatten. Die beiderseitigen Mütter, die gleich- soll» tn bem Bad weilten, billigten bte Liebe ihrer Sinder und erfreuten fich on deren Glück. Rur manchmal blickte da» Auge von Adrien» Mutter erust, und fie dachte an ihren gestrengen Gemahl daheim in Berlin.
Die Gräfin v. Halffen, Arthur» «etter, war «tttwe nab wünschte anf der Welt nicht» «ehx, al» do» Glück ihre» Sohne». »« tt-bsten hätte fie die Verlobung gleich der ganzen Welt verkündet, aber Frau v. Soffen sträubte fich «tt der Begründung, ihr Maun sei so rigenmächtig nud un- berechenbar und fie wage e» nicht, ohne ihn zu handeln- fie «üffe ihn vielmehr vorsichtig auf da» Ueberetnlommen vor- bereiten.
Acht Tage später langten die beiden Familien in Berlin an. Der Baron v. Sassen war aufrichtig erfreut, feine Damen wieder zu haben, schon um der »histparthie halber, welche fie aern täglich zusammen spielten. Am Abend bet her ersten Spiriparthie kam auch die Rede anf die Bade- bekanutschafteu, die der Baron sehr unhöflich alle zmu Teufel wünschte.
.Aber Richard, wenn dte Reichenbach» oder dte Halffen» Dich HSrm würden?!" bat die Baronin besänftigend. ,®ie waren unsere Intimen." , „ _ ,
,Nun ja, die kann man schon gelten lassen, brummte der Baroo beruhigt.
,Gräfin Halffen wird un» erster Tage einen Besuch ab* statten," bemerkte vorbereitend die Baronin.
,Jhr Sohn, der ßientenant, kommt mit, fügte Adrie smvorfichti» htr-zu.
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