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Nr. 268 Zweites Blatt Dienstag den 15. November
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KrrnsPrrchrr Nr. 61.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung, »ctreffenb: @ef45ft»gang bet Grotzh. 1H nniermm bei Javern. Da» nachstehende Ausschreiben Großherzogltchen Miotste- Tine» bei Javern bringen wir zur allgemeinen Keuototß. Gießen, ben 11. November 1898.
Großherzogltches KreiSamt Gießen, v. Bechtold.
An Nr. M. b. I 26358
Darmstabt, am 31. Oktober 1898. Betreffenb: Wie oben.
Das Grotzh. Ministerium des Jnnem
an sammtliche unterstehenden Behörden.
Wir setzen Sie za Ihrem Bemeffeo davon in Krnvtuiß, baß, nm einen geregelten Geichästsgang bei dem M vistertnm zu ermöglichen, dringende Fälle ausgenommen, künftighin nur Mittwoch nab Samstag vormittags mit ben Mitgliedern bei Ministerium» de» Innern in ben Geschäftsräumen be» Ministerium» Rückprache genommen werden kann Zn anderen Zeiten kann nicht sicher darauf gerechnet werden, die Mitglieder be» Ministerin«» zu sprechen.
Die Großherzoglichen Kretsäm'er wollen Vorstehende» wiederholt in ben Rrdlblättern veröffentlichen.
Rothe.
Dr. Neidbart.
Bekanntmachung,
betriffeud: Ausnahme vom Verbot bet Sovntag»arbeit in Kürfchnergewerbe.
Nach einer im Retchsgefrtzblatt Nr. 51 vom 3. November b». I». verkündigten Btkanntmochana be» Reichskanzler» hat der Vund<»rath auf Grund des § 105d ber Gewerbeordnung beschlossen:
1. Ja der Tabelle, welche der Bekanntmachung vom 5. Februar 1895 (Reichsgesetzblatt Nr. 12), bett. Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe, beigefügt ist, uad in dem Abschnitt II die Nummer 6 — Kürschner — in Spalte 2 dahin abgeäodert, daß der Betrieb an 6 (statt 4) Sonn» oder Festtagen im Jahre bis 12 Uhr Mittaz» gestattet ist.
2. Die vorstehende Bestimmung tritt mit dem Tage der verkün isung In K ast.
Es wird die» hierdurch unter Bezugnahme auf die
Bekaaotmachung ber unterzeichneten Behörde vom 1. März 1895 (Gießener Anzeiger vom 8. März 1895, Rt. 57) zur öffentlichen Kcuntnih gebracht.
Gießen, den 12. November 1898. Großherzogliche» KreiSamt Gießen, v. Bechtold.
Deutscher Reich.
Berlin, 12. November. Die „Nordd. Allgew. Ztg." schreibt an der Spitze ihrer heutigen Nummer anläßlich der In Beirut heute erfolgten Einschiffung de» deutschen Kaiferpaares unter ber Ueberschrift „Zur Heimkehr": Die Wallfahrt unsere» Hertscherpaares nach dem heiligen Lande, die ohne jeden Mihkiang verlaufen ist, gehört der Geschichte an. Ja ihr aber wird sie fortleben mit dem Glanze der reichsten, ungetrübten Erinnerung, ein leuchtender Punkt zu Ehren des Ehristenthum» und der deutschen Nation. Al» treuer Bekenner seine» Glaubens, al» mächtiger und großwächttger Schirmherr deutscher protestantischer wie katholischer Jnterrffen, hoch gefeiert von dem Beherrscher be» o»mantschen Reiche» und seiner türkischen Untertanen, hat in ben letzten Wochen unser Kaiser auf stemdem Boden von Neue» für die Ehre be» deutschen Namen» erfolgreich geworben, zur Freude aller Patrioten und unter unverhohlener Achtung des Auslandes. Mit innigster Dankbarkeit und Verehrung wünschen wir unserem Kaiserpaar Glück und Wohl zur Heimfahrt.
Berlin, 12. November. In letzter Z:it ist viel von der Wahl be» Major» von Wißmann zum Führer der geplanten Tschadsee-Expedtfon die Rede gewesen. Wie der „National-Zettuvg" berichtet wird, besteht allerdings der Plan, den Major von Wißmann mit diese« Auftrage zu betrauen, obwohl sich derselbe zur Zeit am Ngamt-See befinden dürste und seine Ankunft in Ostafrika daher nicht vor Mute des nächsten Jahre» zu erwarten ist. Ob er fich bereit finden läßt, die Führung dieser Expedition zu übernehmen, hängt von mehreren Umständen ab.
Berlin, 13. November. Zur Statistik der Reichs- tag sw ah len von 1898. Die amtliche Reichstagswahl- Statistik, bereu Erscheinen wir bereit» unter gleichzeitiger Bekanntgabe ber Hauptziffern an kündigten, bietet für den Statistiker eine Fülle von interessantem Material. Heute sei nur Folgende» hervorgehoben: Wenn man diejenigen Abgeordneten, die nicht nur die abiolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen — die ist ja zur Erlangung de» Mandat» unerläßlich —, sondern auch die absolute Mehrheit der vorhandenen Wähler, der Wahlberechtigten überhaupt, auf ihren Namen vereinigt haben, zusammenzählt, so ergiebt fich die wenig beträcht- liche Summe von 38. Bei ben Wahlen von 1893 hatten noch
Fe«illeton.
Mombasa in Englisch Hst-Astika.
Don Dr. L. Schreiber.
(Nachdruck verboten.)
Die Eingeborenen de» Lande» haben nach den neuesten Nachrichten zu ben Waffen gegriffen und bedrohen die Eng- länder in ihre» eigenen Lager, so baß ihre Lage eine bedenkliche ist. Mombafa tst eine Stadt von 20 000 Einwohnern an der Ostküste Afrika» mit dem besten Hafen der Zanzibar- tüste. Sie besitzt nur wenige steinerne, solide Häuser,- der größte Theil besteht au» runden Regerhütten, dir in einem herrlichen Koko»hatn sich bergen. Diese Hütten sind zwar von versch ebener Größe, aber alle überein stimmend in der einfachen Bauart. Die Wände bestehen au» Leh«, die Dächer au» Gras. Diese» Gra» der Steppe ist hart und rauh und erreicht oft Menschenhöhe, so daß die Steppe zu gew-fftn Zeiten kau» zu betreten ist. Zn diesen Zeiten ber Retfe zünden dir Reger oft und gerne da» harte, graue Gra» an, n» dem irischen Nachwuchs Rau» zu schaffen. Mombasa ist seit 1888 Sitz ber englisch-ostafr konischen Lolonial Gesell- fchast. Da» bedrohte Lager der Sagländer befindet fich »ehr nordöstlich von Mombasa bei Sis«ojn, einem unbedeutenden Ort. Die aufständischen Schwarzen rekrutireu fich au» den verschiedensten Stämmen, so au» den Kost-, Masai-, Saka- und Wakamba-Negern. Selbst Koffern und Hottentoten fehlen nicht. Die Kasia Neger gelten als besonder» kriegerisch. Alle diese Stämme huldigen de« Fetischismus, also der heidnischen Religion, welche de» ersten besten Gegenstand, sei e» ein Bau«, ein Stein, ein Thier oder ein hölzerne» Bild göttliche, durch ßnubermlttel (Fatiffo-Zaubermittel) ver
liehene Ktäfte zuschreibt. Erfüllt nun ober so ein .Fetisch" nicht seine Pflicht, schützt er seinen Besitzer oder Anbeter nicht vor Unheil, so wird er getödtet oder vernichtet und ein anderer Gegenstand kommt au seine Stelle.
Auf gleicher Höhe steht bei diesen Negern die Recht- sprechnng,- sie hat manchmal etwa» Kindische». Soll bei- spielsweise bei den Saka-R gern die Schuld oder Unschuld Jemande» an eine« Diebstahl ober sonst eine« kleineren verbrechen nachgewiesen werden, so bringt ber Bestohlene ben verdächtigen zum Fetischpriester und übergibt diese« ein Huhn. Der Priester schneidet dem Thier den Hal» durch, wirft e» bann tobt in bie Höhe und spricht dabei: „Fällt da» Huhn auf ben Rücken, fo ist ber Beschuldigte schuldlos, fällt es auf ben Leib, fo ist er schuldig."
I« letzteren Falle muß ber Beklagte da» Geraubte oder, wenn er e» nicht hat, einen ähnlichen Werth herausgeben. viel fchlimmer ist das Gottesgericht bei diefen Stämmen, denn e» handelt fich dabei um Leben und Tod. Ist Jemand ermordet worden, so nehmen die Träger ben Tobten und bringen ihn ins Freie. Der Tobte führt bann nach Ansicht der Neger die Träger vor die Wohnung bt» Schuldigen. Dieser muß nun ohne Weiteres ba» Gottesgericht, Disou genannt, über fich ergehen lasten. Er muß Gift trinken, ba» aus ber Rinde eine» gewifleu Baumes gewonnen und mit Baffer angerührt wirb. Bricht ber Beschuldigte das Gift aus, so ist er unschuldig, anderen Falle» stirbt er. Wohin solche Rrchtsbegrtffe führen könoeu, ist leicht zu denken. Solche Sitten herrschen selbst bet sanften, gutmülhigen SrSwmen. I« Allgemeinen treiben diese Stämme Ackerbau. ES gibt sogar große Farmen bei ben Wakamba», auch kennt «an Sdenen.
51 Abgeordnete die Mihrheit der Wahlberechtigten dinter sich, von jenen 38 Mandaten fallen nicht weniger als 19 aus ba» Eentruw und 10 auf die Polen, (die überhaupt im Ganzen nur 14 Mandate besitzen). Das bedeutet also einen recht erheblichen eisernen Bestand dieser beiden Parteien, von ben übrigen 9 Mandaten fallen 2 auf die Reichspartei (Dr. Arendt in Eisleben, gewählt mit 54 v. H. der Wahlberechtigten und Frhr. v. Stumm, der allerdings erst in der Stichwahl 50,2 v. H. ber Wahlberechtigten auf fich vereinigte bet ber ungewöhnlich hohen, nur in ganz seltenen Ausnahmefällen vor- kommendeu Wahlbetheiligung von 90,3 v. H ), je 1 Mandat fällt auf die Eonfervativeu (v. Staudh, Rastenburg Lötzev), den Prinzen Larolath (Guben In der Stichwahl), die freisinnige volkspartei (Schmieder, Bunzlau, gleichfalls tn der Stichwahl), ben Dänen Johannsen und den Nationalliberalen Krämer (Wetzlar-Altenkirchen). Zwei Wahlkreise endlich — nicht «ehr! — brachten ben Socialbemokraten absolute Mehrheiten der Wahlberechtigten. ES find dies Altona und Leipzig Land. In ihren sämmtlichen andern 54 Wahlkreisen hat bie Socialdemokratie trotz ihrer zu« Theil riesenhaften Stimmenzahlen nicht bie Mehrheit der Wahlberechtigten hinter fich. — Nehmen wir nun das Gegenstück und untersuchen wir, welche Abgeordnete die geringste Zahl der Wahlberechtigten auf fich vereinigt haben, so finden wir 16 Abgeordnete, für die weniger als 30 v. H. der Wahlberechtigten gestimmt haben und die trotzdem als Sieger au» der Urne hervorgegangen find, von diesen 16 Mandaten find 4 antisemitischer Besitzstand (Rinteln, Marburg, Her»seld und Slsfelb), 3 find in ben Händen de» Eentrum» (Pleß, Paffau und Neunburg in Bayern), 2 gehören ben Nationaüiberaleu (Taubern und Aurtch), je eine» der freisinnigen Vereinigung (Ucckermünde), der freisinnigen volkspartei (Lippe), den Polen (Posen), den Elsässern (Metz) und den — Socialbemokraten (München II, v. vollmar erhielt hier nur 26,1 v. H. St. der Wahlberechtigten). Ferner gehören hierher 2 Bauern- büabler, von denen ber eine, Pfarrer Dr. Ratzinger in Deggendorf bei einer Wahlbeteiligung von 82,5 v. H. von ganzen — 16,6 v. H. der Wahlberechtigten al» gewählter Abgeordneter in den Reichstag entsandt worden tst. von diesen 16 Kreisen kann man allerdings mit vollem Recht sagen, daß Diejenigen die zu Haus bleiben, das Schicksal des Mandats ia der Hand haben.
Berlin, 13. November. Reichsmilitäretat. Der dem Buudesrath zur Vorlage gebrachte Etat für ba» preußische ReichsmiltlSrcontiugent auf bas Rechnungsjahr 1899 sieht die Organisation»!)«Laderungen innerhalb ber Armee, welche vor Allem mit Durchführung der Neuorganisation der Artillerie und mit Sch ffung einzelner höherer Lommaubo- behörden re. für da» nächste Q itnqaenntum beabsichtigt sein sollen, noch nicht vor. Es darf sonach aus diesem Anlaß
Die Dünner, bie Familienväter thun cm liebsten nicht», sie stehen o)er liegen vor ihren Hütten, trinken Palwenwein und rauchen Tabak. Frauen unb Mädchen lieben Läto- wirnngen. Auch schminken sie fich die Augenlider mit eine» schwärzlichen Pulver, das sie vom Har, ff-Händler kaufen. Sie beiorgen dieses Schminken so geschickt, daß manche unserer Künstlerianea von ihnen lernen könnten. Einreiben der ganzen Haut mit Palmöl ist bet allen Negern Ostafrikas beliebt, es macht ben Körper geschmeidig und glänzend. Abend» wird gespielt, getanzt und gesungen, Lag für Tag, natürlich im Freren. Ihre Hütten find so einfach wie möglich eingerichtet. BananeoblLtter auf be« voben bienen zu» Lager, Tische unb Stühle kennt »an nicht, wohl aber fab* rtetren sie selbst Krüge au» gelbe« Lehm- auch kennen einzelne Siäwme Meffer und Löffel. Die Beleuchtung ber Hütten geschieht durch Palwöl tn Schalen.
Manche Stämme betreiben nur Ackerbau. Die Jamswurzel spielt habet eine Hauptrolle, sie wird gebraten ober gekocht von allen E'ngeborenen atme gegeffen. Dann wird der Maniok ober Kaffaoestrauch (Manihot) sehr viel gepflanzt, deffen Wurzel, nachdem sie durch Auspreffea von einem giftigen Milchsaft befreit ist, das «affavedrod liefert. Hirse unb Reis werden überall gezogen Aach wirb ein Httsenbier hergestellt. Andere S'äwme leben nur van ber Jagd, man kennt sie unter dem Namen „Elefantenjäzer". Sie jagen für fich ober avch gegen Lohn für Fremde ben Elefanten, das Nashorn unb das Flußpferd. Letzteres tödten fie vorn Ufer ans mit ihren guten, englischen Flinten. Dem A-fanten und Nashorn nähern fie fich bis auf 10 Schritte unb tdbten sie burch Schöffe in's Auge ober in» Ohr. Diese mächtigen Dickhäuter leben nur auf ber Hochebene ober i« Urwald.


