geile aus Berlin, Sattler aus Mülhausen im Els-, Thörle aus Freiburg i. BreiSg. in Offenbach a. M., Hahn und Traub in Offenbach a. M., Flohr aus Mülhausen i. Els., Mahr au» Freiburg i. Br. in Gießen, Joseph in Gießen, Höchst au» Hagen (Wests.), Röder ouS Chemnitz (Sachsen) in Norm», Lange au» Darmstadt, Laubach an» Iserlohn und Spatz auS Frankfurt a. M. in Bingen a. Rh., Neeb au» Offenbach a. M. in AlSseld, Scheid ou» Frankfurt a. M. in Darmstadt, Bögler au» Dortmund in Friedberg (Hessen)- die Postanwärter Langohr in Friedberg (Hessen), Geißner in Mainz und der Tele- graphenwärter Fr. Müller in Gießen. Angenommen find al» Postanwärter: Hauck und Reinheimerin Offenbach a. M., Dörr in Darmstadt, Grill in Bingen, Strauch in Friedberg (Hessen), Herth und Nagel in Gießen, Bausch, Eichelmann, Gräter, Lehr, Jac. Schmidt, Trautmann und Zimmer in Mainz und Hechler und Muth in WorwS - als Postagenten: der Bürgermeister K r a f t in Trebur, der Wagnermeister Diesen» dach in Kelsterbach, der Schmiedemeister Friedrich in Ober-Fiukenbach, der Station»verwalter Schnell in Klein- Auheim, der Schneidermeister Hinkel in Dittelsheim, der Bürgermeister Schneider in Ostheim bei Butzbach. AuS- geschieden find die Postagenten Mee» in Trebur und Wetzel in Kelsterbach, sowie der Postanwärter Schmitt in Worm». In den Ruhestand treten der Ober-Tele- graphenasfisteut Steffen» in Mainz und der Postverwalter Lu ein» in Jugenheim (Rheiuh.).
•• Sisenbahunnfall. Am zweiten Feiertag ereignete sich auf der Strecke zwischen Lich und Garbenteich ein Unfall. Der um 2 Uhr 5 Min. Nachmittag» von Gießen abgehende Persouenzng war von Garbenteich nach Lich abgemeldet. Al» er jedoch in Lich nicht einfuhr und per Telephon in Garbenteich über das lange Ausbleiben de» Zuge» angefragt war, fuhr man mit einer Maschine de» von Hungen kommenden Zuge» im langsamen Tempo von Lich weg. E» stellte sich heran», daß der Zug von Garbenteich beim Wärter Koppel stille stand. Die vordere Achse der Maschine war au» dem Geleise auSgesprungen und noch ungefähr 200 Schritte außer dem Geleise weiter gefahren. Die Passagiere von Ltch-Garbenteich mußten an der betr. Stelle umsteigen, wodurch eine ea. anderthalbstündige Verspätung eintrat. Die Strecke war gesperrt, konnte des Abend» aber wieder befahren werden. Niemand verunglückte.
*■* Die Traiairschnle wird am Sonntag den 17. auf der Rennbahn an der Haardt ein erstes öffentliche» Ve r- suchS-Rennen abhalten, an der sich zehn Fahrer betheiligen werden. Im Anschluß hieran unternimmt Herr Der- Heyen mit Fahrern wie Struth, W. Koch und Wtlh Läufer u. A. interessante Recordversuche. Ludwig Opel in Rüsselsheim wird im Sommersemester unsere Hochschule besuchen und fiedelt zu diesem Zwecke nach Gießen über. — Am 22. Mai findet da» erste Radfahrer-Rennen statt.
•* Volttbühveuspiel. In unserer Nachbarstadt Marburg findet nächsten Sonntag die Aufführung de» Volksbühnen- spiel» „Conrad von Marburg" im Museumssaale statt. Da» Stück ist hochbedeutsam und iutereffaut durch seinen historischen Stoff aus Hessen» Geschichte und wird dargestellt von Einwohnern Marburg». Der Anfang ist auf 51/, Uhr festgesetzt, so daß allen auswärtigen Besuchern bequeme» Hin- und Rückreisen ermöglicht ist. (Siehe Inserat.)
nn.** Gegen den Baufchwindel. Auf den von der Großh. Regierung den einzelnen Gewerkoereiuen zur Begutachtung zugesandten Entwurf eine» Reichsgesetze» »Sicherung der Vorrechte der Bauhandwerker" hat der OrtSgewerbeverein von Darmstadt folgende Resolution an die Centralstelle für die Gewerbe gelangen lassen: Der Entwurf ist eine geeignete Grundlage für die gesetzliche Regelung der Materie, er bedarf aber außer einzelnen redactionellen Verbesserungen hauptsächlich in folgenden Punkten eine Aenderung und Erweiterung: 1) ReichSgesrtzltch, nicht landesgesetzlich muß der Gegenstand geordnet werdender Landesgesetzgebung kann nur die Ausführung des Reichsgesetze» und der Landesverwaltung nur die Feststellung der Reubaubezirke unter Vorbehalt de» gesetzlichen Recurse» Vorbehalten werden. 2) Die Beschränkung deS Gesetze» auf Neubauten ist unzweckmäßig, verwirrend und geeignet, die Abficht deS Gesetzgeber» zum großen Theile zu vereiteln, da» Gesetz muß auch auf Umbauten ausgedehnt werden- e» gibt deutsche Städte, welche gegenwärtig in außerordentlicher Entwicklung und gewissermaßen iw Umbau begriffen find- in diesen Städten, wie beispielsweise Darmstadt, würde der Entwurf in seiner jetzigen Fassung kaum Anwendung finden können. 3) Unannehmbar und den Zweck de» Gesetze» gefährdend, auch unbillig und willkürlich ist die Beschränkung de» Entwurfs auf das in den letzten Kalenderjahren unbebaute oder nur mit Gebäuden ungeordneter Art besetzte Gelände. Nach dieser Erweiterung de» Entwurf» wird da» ReichSgesetz dem Bauschwindel einen starken Damm entgegensetzen und eine segensreiche Wirkung entfalten.
*e Sicherheits-Kuppelungen sollen laut Erlaß de» Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 4. d. M. nunmehr an allen Eisenbahnwagen, die in Zügen für den öffentlichen Verkehr Anwendung finden und voraussichtlich bi» 1. April 1900 nicht zur Ausmusterung kommen, angebracht werden. Wagen, bei denen mit Rücksicht auf die Bauart de» Untergestell» derartige Kuppelungen sich nicht ausführen lassen, sollen auSgemustert bezw. nur in Arbeitszügen verwendet werden.
•• Wetterbericht. Auch heute steht der größte Theil Europa» unter dem Einfluß niederen Drucke». Die gestern Aber der Nordsee lagernde Depression ist rasch südostwärts bi» nach dem ungarischen Tieflande gezogen, während über den britischen Inseln ein neue» Minimum erschienen ist. Der hohe Druck bleibt auf den äußersten Südwesten und Nordosten de» ErdtheilS beschränkt. Die Witterung ist auf unserem Gebiete andauernd unbeständig und fielen meiftenort» Niederschläge, in den höheren Lagen de» Gebirge» neuerdings meist
Schnee. Die Temperaturen find beträchtlich gesunken. — Voraussichtliche Witterung: Andauernd kühl und unbeständig.
Englische Gefängniffe.
Au» London schreibt man: Eine neue Vorlage im Parlamente zur Verbesserung der englischen Gefängnisse hat von Neuem Licht auf die beklagenlwerthen Verhältnisse geworfen, in denen sich diese immer noch befinden. Die Strafgesetze in England find, sobald es sich nur um ein Vergehen gegen den Besitz handelt, äußerst hart, und die Behandlung der Gefangenen ist geradezu barbarisch. Unzählige Ansprüche von Seiten menschenfreundlicher Schriftsteller haben kaum einen Schritt vorwärts geführt. Noch im Anfang dieses Jahrhunderts wurde eine junge Frau, weil sie halbverhungert ein Milchbrod „gestohlen" hatte, zum Tode verurtheilt und thatsächlich gehängt! Und heute ist es belehrend und em* pörend zugleich, in Labouchöre's „Truth" Woche für Woche die Zusammenstellungen von Strafen zu verfolgen, die hier zu Lande wegen einfachen Diebstahls und wegen anderer Vergehen ertheilt werden. Wenn Labouchöre's Bemühen nur endlich zu einer Aenderung der Gesetze führen wollte! Da kann man lesen, daß ein Polizeirichter einen rohen Kerl, der seiner Frau in einem Wuthanfall ein Auge ausgeschlagen, zu fünf Schilling Strafe verurtheilt, während derselbe Gerichtshof über einen armen Teufel, der obdachlos im Freien übernachtet hat, drei Wochen Gefängniß verhängt, und dergleichen mehr. Und wie sieht gar solche Gefängniß. strafe aus? Oscar Wilde, der bekanntlich sein Verbrechen gegen die Gesetze der Sittlichkeit durch Kerkerstrafe büßen mußte, sühnt sein krankhaftes Vergehen jetzt durch Beschreibung der Zustände in den Gefängnissen, die die mächtige Hand des Dichters verrathen und an jede menschliche Brust appelliren. Hunger, Schlaflosigkeit und Krankheit, so behauptet er, seien die drei gewaltigen Uebel, welche die englischen Gefängniffe zu wahren Brutstätten des Unheils machen. „Die Nahrung, die den Gefangenen gereicht wird, ist durchaus ungenügend. Die meiste ist abstoßend in der Beschaffenheit; Alles ist unzureichend. Jeder Gefangene leidet Tag und Nacht an Hunger. Ein bestimmtes Maaß von Essen wird sorgfältig Unze um Unze jedem Gefangenen zugewogen; es ist gerade genug, nicht die Lebenskraft, sondern eben das Dasein zu erhalten." Die Folge dieser „Ernährung", die zumeist aus dünnem Haferschleim, schlecht gebackenem Brod, Fett und Wasser besteht, ist beständiger Durchfall. „Der Gefangene wird eine Beute dieser schwächenden, niederdrückenden Krank- heil; ist er dann zu schwach, seine Arbeit an der Tretmühle auszuführen, so wird er wegen Trägheit gemeldet und mit der größten Strenge und Rohheit bestraft." Stockprügel sind bekanntlich nichts Ungewohntes in England. Die Schlaflosigkeit wird nach Oskar Wilde durch das hölzerne Brett herbeigeführt, das dem Gefangenen als Bett angewiesen wird. Es darf ferner nicht übersehen werden, daß jedes englische Gefängniß gleichbedeutend mit Einzelhaft ist, der schwersten aller Kerkerstrafen, die das deutsche Gesetz ertheilt, und von der ein geistvoller Beobachter einst gesagt hat: „Das Schweigen des Zellengefängnisses ist die Sühne der vorlauten Thal." Diese unerbittlichste aller Strafen ereilt in England Jeden, der auch noch so geringfügig gegen die Gebote verstoßen hat. Eine Stunde täglich eintöniger Marsch im Gefängnißhofe, dreiundzwanzig Stunden fürchterliche Einsamkeit und Beschäftigung in der Tretmühle und mit Wollzupfen. Das sind die Sühnen von Handlungen, die den ganzen Kreis des Verbotenen umschreiben, vom Betteln aus schreiender Hungerspein bis zum Raubanfall oder Mord! Daß unter solchen Umständen die englischen Gefängnisse nicht dazu angethan sind, den Sünder zu bessern, sondern vielmehr alle Keime des Hasses und der Verachtung der übrigen menschlichen Gesellschaft aufquellen zu lassen, muß jedem Einsichtigen klar werden, und es ist in der That nicht eine Stunde zu früh, daß die Regierung mit einer Vorlage vor das Unterhaus tritt, um Wandel zu schaffen. Nur sind wir leider nicht hoffnungs. sicher genug, um von der neuen Maßregel eine durchgreifende Besserung zu erhoffen.
Dmnifdptes*
* Berlin, 7. April. Ein Aufsehen erregender Einbruch ist, so schreibt der „National-Zeitung", ein sonst als zuverlässig bekannter Berichterstatter, mit großer Verwegenheit in der Nacht zum Samstag in der Müllerstraße verübt worden. Bemerkenswerth ist er besonders dadurch, daß es den Dieben gelungen ist, einen neuen Geldschrank vollständig zu spalten und seines Inhalts zu berauben. Die Fabrik für Eisenbahn-, Schifffahrt-, Marine-, Landwirthschafts- und Industrie * Bedarfsartikel von C. Tobler in der Müllerstraße Nr. 146/47 ist im Laufe der letzten Jahre schon dreimal von Einbrechern heimgesucht worden. Schon einmal haben sie einen neuen Geldschrank angebohrt, damals jedoch ohne Erfolg. Der Wächter Ferdinand Trispel hatte daher die Weisung, im Comptoir die ganze Nacht hindurch Licht zu brennen und sich nach den Controllgängen über das zehn Morgen große, von der Straße abgelegene Gelände im Comptoirgebäude aufzuhalten. In der Nacht zum Samstag war der Wächter um I V, Uhr dabei, die nach der Torfstraße zu angebrachte Controlluhr zu stechen. Seinen großen, wachsamen Hund hatte er bei sich. Während er sich an der Uhr zu schaffen machte, kamen plötzlich vier Männer, wahrscheinlich aus einem benachbarten Schuppen heraus, auf ihn zuge- sprungen, warfen ihm einen Sack über den Kopf und schleppten ihn dann in die etwa 40 Meter entfernt liegende Meifter- stube. Hier nahmen sie ihm seinen großen geladenen Revolver ab, steckten ihn dann wieder in den Sack, der ihm bis zu den Füßen reichte und setzten ihn in eine Ecke. Den Hund \ hatten die Einbrecher durch Schläge verscheucht. Das Thier ’ kehrte erst am Samstag Morgen spät in seine Hütte zurück. ! Während einer der Spitzbuben den Wächter mit seinem - eigenen Revolver bewachte, begaben sich die drei anderen
in das 60 Meter von der Meisterftube entfernt gelegene Comptoirgebäude und machten sich daran, v?n zwei Geldschränken den einen, einen neuen, der das Geld enthielt, zu erbrechen. Sie legten den Schrank vornüber und bearbeiteten ihn drei Stunden lang mit Flach- und Schrotmeißeln und einem Vorschlaghammer, alles Werkzeuge aus der Tobler'schen Fabrik selbst, an der linken oberen Kante, wo die Platten Zusammenstößen. Nach mühevoller Arbeit gelang e« ihnen endlich, den Schrank aufzuspalten und an den Tresor zu gelangen. Aus diesem entnahmen sie 5300 Mk.: 1 Tausend- markschein, 24 Hundertmarkscheine, 5 Zwanzigmarkscheine. 5 Fünfmarkscheine, die Coupons zu je 32 Mk. 50 Pfg, 3V,procentiger preußischer Staatsanleihe, mehrere kleinere Coupons und den Rest in Gold- und Silbermünzen. Emen Check über 700 Mk. aus Halberstadt, mehrere Staatspapiere und Actien, für 16 000 Mk. gezogene Wechsel und vier preußische Lotterieloose ließen sie liegen; die Bücher hatten sie auf den Hof geworfen. Nachdem die drei Einbrecher mit der Arbeit fertig waren und die Beute eingesteckt hatten, kehrten sie zu dem vierten und dem Wächter in die Meisterstube zurück. Hier banden sie dem Wächter, der noch immer in dem Sacke lag, auch noch eine Schürze um den Kopf und den Hals, fesselten ihm mit einer starken Schnur von einer Rollladenvorrichtung die Hände auf den Rücken und schleppten ihn dann in das Comptoir, setzten ihn hier wieder in eine Ecke und Überließen ihn seinem Schicksal. Um 5 Uhr Morgens kamen der Kutscher Hermann Joachim und der Pförtner Neumann auf das etwa 100 Meter von der Straße abgelegene Fabrikgelände und fanden den Wärter im Comptoir liegen. Sie schnitten die Schnur durch und befreiten den Mann dann auch von der Schürze und dem Sack und theilten dem Fabrikbesitzer den Vorfall mit. Von der Criminalpolizei, die nun sofort benachrichtigt wurde, erschien der Commissar v. Bäckmann, um an Ort und Stelle die erforderlichen Aufnahmen zu machen. Nach Lage der Sache können die Ein- brecher nur Leute sein, die die Verhältnisse genau kennen und auf der Oertlichkeit Bescheid wissen. Sie waren alle vier maskiert, einer von ihnen hat feine leichte Gazemaske auf dem Hofe verloren. Merkwürdig ist, daß die Einbrecher gerade die Nacht zum Samstag benutzt haben. Herr Tobler war nach achttägiger Krankheit erst am Freitag wieder in die Fabrik gekommen und hatte nach einer Abrechnung zu dem Bestand im Geldschrank gerade noch 3000 Mk. hinzugelegt. Er setzt auf die Ermittelung der Diebe und die Herbeischaffung der Beute eine Belohnung von 500 Mk. aus. — Eln ähn^ licher Einbruch ist vor etwa acht Tagen in dem Farben- geschäft von Warnecke & Böhm in der Pankstraße verübt worden. Hier haben die Diebe 800 Mk. erbeutet.
* Konstanz Die „Konstanzer Ztg." meldet untetm 7. April: Heute feiert der letzte Karlsruher LhceumSdirector, Geheimerath Professor vr. CH. F. Gockel seinen hundertsten Geburtstag. Er wirkte 42 Jahre am Karlsruher Lycenm und war zugleich Professor an den Großherzoglichen Militär- BilduugSanstalteu (CadetteucorpS und Kriegsschule); als solcher konnte er bei seinem 40jährigen Dieustjubiläum sagen, daß alle damals lebenden badischen Osfiziere vom General bis zum Lieutenant seine Schüler gewesen seien.
* AuS Asaß'Lothriugru, 12. April. Gestern Abend erschoß sich in Straßburg der Musketier GrajewSki von der 4. Compagnie des Jnf.-Regiment» Nr. 172. Die That ist auf eine dienstliche Veranlassung zurückzuführen. —Ja Dieuze erschoß fich ein Sergeant des Jnf.-RegimevtS Nr. 143. Er hatte beim Scheibenschießen den Hund des Hauptmanns oieder- geschoffen und machte seinem Leben au» Furcht vor Strafe ein Ende.
* Alle» sammelt! Die „Franks. Ztg." erhält folgende Zuschrift: Herr Redacteur! Niemals vielleicht war die Sammelwuth auf so verschiedenen Gebieten thätig, wir heutzutage. Anfichtspostkarten, Liedigbilder, Reclamezeich- nungen, Ex-libris, WeinetikettS und tausend unmögliche Dinge mehr werden gesammelt, clasfificirt, erhalten ihren Marktwerth und bilden da» Object von Abhandlungen In „Fach- Zeitschriften", von Abhandlungen, die fich allzugern in ein Kleid mit wissenschaftlichem Aufputz hüllen. Daß dem Verkehr in derartigen Samm-lgegenständen unser System de» Waarenaultausche» gegen Baarmittel nicht mehr gefügt, ist eigentlich selbstverständlich. Denn wer könnte schließlich den Werth einer vollständigen Sammlung aller in Berlin etwa zur Ausgabe gelangenden — nota bene gebrauchten — Pferdebahndillets in Mark und Pfennig genau abschätzen? Und so ist man denn zu dem bei den Wilden und den Schulknaben mit Recht so beliebten Tauschshstem zurückgekehrt. E» ist ja auch klar, daß viel leichter zu berechnen ist, wie viel Maikäfer-eine „Serie" Liebigbilder werth ist, al» welche« Baarwerth fie hat. Und da unser Zeitung»wesen jedem berechtigten BtdÜrsniß entgegenkommt, so hat fich denn schon vor längerer Zeit ein unternehmender Mann gefunden, der eine rein und ausschließlich dem Tauschverkehr gewidmete Zeitung herauSgibt. Blickt man in da» Blatt, so wird man traurigen Muthe» gewahr, wie viele Leute fich aus schönem Idealismus zu krassem Materialismus bekehren. Oder ist es etwas Andere», wenn Jemand Liebigbilder gegen ein Fernrohr, ein Zweiter eine „SchönheitSgallerie" gegen „irgend etwa» Brauchbares", ein Dritter einige Bände eine» Coo- versationSlerikon» gegen Hühner, ein vierter (Lehrer) eine Harfe gegen einen — Kinderwagen au»zuiauschen sucht? Andrrerseit» fehlen auch Lichtblicke nicht. Da ist ein Herr in Oboroik (Posen), der eine Patent-Schnellbuttermaschine gegen Zeitschriften, Guitarre oder Flöte weggeben will, eine Berliner Dame, die für ihre guterhaltene Nähmaschine einen Kanarienvogel haben möchte, ein Herr, der seinen Biberpelz für ein Fahrrad anbleiet. Kein Bild ober von der Geistes- richtung ihrer Verfasser geben andere Annoncen, in denen rin Fahrrad gegen einen Hund, eine Palme gegen einen Teckel, ein Paar Schneeschuhe gegen Kaninchen, ein Harmonium gegen ein Fahrrad aulgeboten werden. Fahrt äoer bilden Überhaupt neben Postmatken, Liebigbildern, Ansichtskarten offenbar da- beliebteste Tauschobject. — Hoffentlich bildet fich
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