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14.9.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 215 Zweites Blatt.

Mittwoch den 14. September

1898

Amts« und rlnzeigeblatt für den Kreis <5tef$<n

Voftbcjue

8 Mark 60 ff» »wrtrliibrli*

leeabme von Kngfigea ju her Nachmittag« für «ai <elflm*ca Lag «rlchnnnrdc» Nummrr bu Bonn. 10 Uhr.

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Schnlaratze Ar. 7.

Gratisbeilage: Eießener Familienblätter. «drrfle für Depeschen: Auzeigee f legte.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

»Ile Anzeigen-Berminlungßßellm be« In- onb RuMaataf fgmfn Anzeigen für ben Lietzener «ngeigrr ern,^«.

Amtlicher Theil.

Nr. 44 de» Reichs-Gesetzblatt-, au-gegeben den 7. d. M., enthält:

(Nr. 2616.) Bekanntmachung, betr. die Anzetgepflicht fllr die Geflügelcholera. vom 6. September 1898.

(Nr. 2616.) Bekanntmachung, betr. die Anzeigepflicht lür die Schweineseuche, die Schweinepest und den Rothlaus der Schweine. Bom 8. September 1898.

Gießen, den 12. September 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung.

« wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach $ 6 de- Reich-gesetze- vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnitt-Marktpreise, einschließlich eine- Auf. schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat August 1898 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen- Hafer Mk. 19,00, Heu Mk. 6,20, Stroh Mk. 4,30.

Gießen, den 9. September 1898.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

I. v.: Dr. Wagner.

Deutschland und Frankreich.

Endlich hat fich einmal die französische Regierung, die Jahr, lang mit sichtlichem Behagen zugeschant hat, wie französische Lhanvinisten mit aller Gewalt Deutschland in den Dciysu-Handel heretnzuztehen sich bemühten, zu einem energischen Dementi emporgeschwungen. Die offieiöse Note der ^«gence HavaS* sagt unzweideutig, daß von keiner fremden Regierung irgend welche Mttthetlung oder irgend welcher Schritt hin. sichtlich der DnysuS-Angelegenheit bet der französischen Re« gierung gemacht worden ist. Da- har freilich in Deutschland schon Jedermann gewußt, und auch sonst hat Niemand tu der «rlt an die fraozöfischen Märchen geglaubt, die tu Bezug auf Deutschland verbrettet worden find. Trotzdem darf mau diese loyale Erklärung der jetzigen Regierung begrüßen. Sie muß doch endlich einmal den Revanchehelden den Mund stopfen. 'Die ,R9'n. Ztg.* kommt heule wiederholt auf die Herein- Ziehung Deutschlands in die Drtyfus Affaire zu sprechen und sagt u. A.: Im Grunde genommen tragen also wir Deutsche tie Schuld, wenn die Franzosen trotz alledem einen Ua»

huldigen auf dem Bagno lassen. Denn wenn sie ihren Drehfus.Prozeß wieder aufnehmen, werden wir fle ef fltbt Leute, die daS wirklich behaupten mit Krieg über. Siehrn. Und warum? Weil die Revifiou enthüllen wird, daß der Deutsche Kaiser mit dem Hauptmann DrehfuS Briefe ge­wechselt habe, daß ein deutscher Feldjäger und ein preußischer Major von der franzöfischen Regierung erkauft worden seien, daß eine Jüdin einem preußischen General, während er schnarchte, Schriftstücke auß der Tasche gezogen,- daß man, d. h. die frauzöfische Regierung oder der sraozöfische Geoeralstab, den Deutschen Kaiser und seinen Botschafter habe bestehlen laffen. Angenommen einmal, die Behauptungen seien wahr waß doch immerhin zu beweisen wäre, so würde e- doch keinem Menschen in deutschen Landen etnfalleu, seine Haut zu Markt zu tragen, weil der Deutsche Kaiser einem Franzosen einen ©tief geschrieben, zwei deutsche Offiziere Lumpen, ein dritter ein alter Tölpel wäre,- oder weil der französische General, stab fich zum Helfershelfer von Dieben gemacht hätte. Das wäre etwa fo, als ob man den Spitzbuben, der einen silbernen Löffel gestohlen, nachher auf Pistolen fordern wollte. Also heraus mit dem geheimsten aller Dossiers 1 Krieg gibt« nicht, Krieg gibt eS auf keinen Fall, was daS Aktenbündel auch ent. halten möge. Unsere Nachbarn sehen er nicht gern, wenn man sich mit ihrem DreyfuShandel beschäftigt. DaS ist be» greiflich- aber nicht so verständlich ist, daß fle Deutschland trotzdem immer wieder in die Erörterung ziehen und Alles thun, einen Fall zu einem politischen zu stempeln, der ledig­lich ein gerichtlicher sein sollte. Nicht da- Ausland, sondern Frankreich selbst hat die heutige Lage geschaffen, die, wie fle einmal liegt, die Aufmerksamkeit des Auslandes, zum Theil in deffen eigenem Jniereffe, allerdings lehbaft in Anspruch nimmt. Dazu kommt, daß neben einem bornirteo nationalen EhaupiniSmuS ein noch bornirterer internationaler Anti­semitismus in die Sache hineiugetragen worden ist. Er hat auch in einigen deutschen Köpfen daS natürliche Empfinden für Recht und Billigkeit vollständig umdunkelt, im Allgemeinen aber hat sich der Deutsche, selbst wenn er seinen praktischen Antisemitismus dadurch bethätigt, daß er nicht bet den Juden kauft, bei der Beurtheilung der Vorgänge in Frankreich von »ieser häßlichen Leidenschaft freigehalten. Ihm ist eben Dreh. uS als Persönlichkeit vollkommen Hekuba- der Mann könnte Hinz oder Kunz oder Isaak hetßm: unsere menschliche Theil- nähme wäre ihm eben so sicher. Diese Theilnahrne wächst, e mehr mit der Lüflung deS Schleiers erkennbar wurde, daß bei feiner Berurtheilung Vieles mit unrechten Dingen zuge- gangen fei, je wehr die Bermuihung, daß er unschuldig sei,

an Wahrscheinlichkeit gewann.* Nach einer EharakterifirunO des Henry CnltuS schließt daS Blatt:SWan greift fich an den Kopf, wenn man so StwaS liest, und man blickt um fich, ob man fich noch in der besten aller Welten oder im Narren- Hause befindet. Dieser unerklärliche Seelenzustand, in dem et» großer Theil der französischen Nation besangen ist und deffen Deutung in da- Gebiet des Psychologen gehört, hält mit Recht das politische Jntereffe des Deutschen rege- denn er ist nahe verwandt mit dem nationalen Taumel, der uuS schon einmal den Krieg gebracht hat und der ihn nnS znrn zweiten Male bringen kann. Hier und nicht tu den geheimsten Acten bei Dreyfusprozeffes liege die Kriegsgefahr. Wir glauben, daß der Ezar fich redlich bemüht hat, als rettender Arzt feine franzöfischen Freunde von dieser Krankheit zu heilen. BIS jetzt ist diese Kunst gescheitert- daS beweist der DreyfuShandel. Aber vielleicht setzt er feine Bemühung fort - denn von ihr hängt zugleich das Gelingen des FriedeoSwerkeS ab, doS ihm so sehr am Herzen liegt. Bis fir beffere Erfolge ausweisen kann, hat eS daher jedenfalls bei dem Wort deS Deutschen Kaisers zu bleiben, daS er kürzlich angesichts des Denkmals Wilhelm!, an der Porta Westfalica gesprochen:Der Fried« wird niemals bester gewährleistet fein, als durch ein schlag­fertiges, kampfbereites deutsches Heer.* ,M. N. N.*

Deutsches Reich.

Darmstadt, 12. September. Aus Jagdschloß Wolfs» garten, 11. September, wird berichtet: Ihre König, lichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin besuchten mit Gefolge den Gottesdienst in der Kirche zn Langen, während Ihre Kaiserliche Hoheit die Kron. Prinzessin.Wittwe Stefanie von Oesterreich mit Gefolge dem Gottesdienst in der katholischen Kapelle bei. wohnten. Ihre Kaiserliche Hoheit die Kronprinzessin- Wittwe von Oesterreich werden morgen (Montag) im Laufe des Tages nach Wien resp. Laxenburg abreisen. Im Gefolge blfiaden fich Hofdame Gräfin Palsty und Kammer. Herr Graf Eoreth.

Berlin, 12. September. DerReichsanzeiger* schreibt an der Spitze des nichtamtlichen TheileS seiner heutigen Nummer: Seine Majestät der Kaiser fühlt fich mit den Fürsten und freien Städt-n des Reiches wie mit dem ganzen deutschen Volke in innigster Theilnahrne an dem namenlosen Unglück geeinigt, daS über den allverehrten Kaiser Franz Josef unb über die Böcker deS verbündeten Oesterreich Ungarn hereingebrochtu ist. Mit der tiefsctmer-llchen Trauer um di«

Feuilleton.

Die MMek des Meeresgrundes.

Si» Geleittvort zur deutschen Tieffee Expedition des Jahre- 1898.

Von Dr. HanS Körte.

(Nachdruck verboten.)

Als große Inseln ragtn die Festländer der Erdkugel au» der unendlichen WasterwÜste des Ozean». Nur ein keoppeS Biertil der Oberfläche des von uuS bewohnten Sternes wird vom festen Lande eingenommen. Uebtr die üö-igen drei Viertel wogt und brandet da- Weltmeer, die htilige Salzflut!-, wie sic Homer nennt, unb umhüllt mit nächtlichem Dunkel den Boden ber Tiefsee, den nie ein mensch­licher Fuß betreten wird, so lange dort daS flüssige Element seine Alleinherrschaft behauptet.

Die warnende Mahnung deS Tauchers in der Schiller- ichm Ballade

Und nimmer begehre der Mensch zu schau'n, WaS die Götter verhüllt mit Nacht und Grau'n tat zwar längst verstummen wüffcn vor dem Verlangen de» modernen Menschen »ach fortschreitender Raturerkenntniß, und hunderte von geistreichen Köpfen haben ihre Gedanken in den dtenst der Idee gestillt, Taucheranzüge ober Unterseeboote 14 erfinden, welche ein Vordringen in größere Tiefen ge- i alten. Auf diefem Wege vermag aber ber Mensch nur die iberflächlichsten Schichten btl Wasser- zu durchdringen. Schon v 60 bis höchstens 60 Meter Tiefe setzt der mit je 10 Meter 4« eine volle Atmosphäre wachsende Druck dem Streben nach öten eine schwer zu Überwindende Schranke, und wenn e« end) der Technik vielleicht dereinst gelingen wird, Taucher« löste von größter Widerstandsfähigkeit zu bauen, mit welchen raa die doppelte ober dreifache Ttefe erreichen kann, so be- hütet dieses immer nur ein Nichts gegenüber den nach taafenben von Metern messenden liefen ber Ozeane. Von qntn wird man immer nur auf inbinctim Wege Aufschluß

erhalten können, durch die Instrumente unb F-nggerSth-, welche man zeitweise in fie versenke unb aus beten Angaben die Forscher mühsam ein Bild der dort unten herrschenden Verhältnisse zusammenstellen.

Die Erforschung der Tiefsee ist ein Wissenszweig von verhältn'ßmäßig jungem Datum. Während der Anblick, welchen ber gestirnte Himmel namentlich io ben klaren Nächten trockener, südlicher Länder bietet, schon frühzeilig zum Studium der Astronomie anffordert, in welcher Babylonier unb Egypter schon vor Jahrtansenben gar nicht unbedeutende, leider aber spater verloren gegangene Kenntniß besaßen, war daS Meer, ähnlich wie da- Hochgebirge, nur in noch weit höherem Maße alS jenes, der Schrecken unserer fernen Vorfahren, «engst, lich tasteten sich die Schifffahrt treibenden Völker des Alter- thumS und des Mittelalters in ihren kleinen Fahrzeugen an bin Küsten entlang, unb die Gefahren, welchen die Mann- schäften solcher burch irgend einen Zufall einmal weit hinan» verschlagener Schiffe preiS-egeben waren, wurden zürn üppigsten Boden einer abenteuerlichen Myrhenbildung, welche bis in die Neuzeit in den Köpfen von Gebildeten und Ungebildeten gespukc hat.

Da erzählte man fich von den riesenhaften Kraken, welche mit ihren coloffalen Schlangenarmen große Schiffe in die Tiefe zögen, von ungeheueren Strudeln, wie der Alles ver­schlingende Maelstrom, von Hunderten von mellenlangen schwimmenden Inseln u. s. w. In der irrigen Vorau»- setzung, daß da» Waffer ebenso wie bie Gale entsprechend dem darauf lastenden Drucke eomprimirt und specifisch schwerer werde, ließ man alles, was dem Meere verfallen, nicht bi» auf den tiefsten Grund, sondern je nach seinem speeifischen Gewichte nur bis zu der entsprechenden Tiefe finke», wo e« wie ein fliegender Hollander der Unterwelt bi» an» Ende aller Dinge, al» Spielball der Meeresströmungen ein ge­spenstische» Dasein führen sollte. Mit vielen dieser sagen- haften Geschichten, deren Aufzählung ganze Bibliotheken süllen würde, räumte da» große EntdickungSzkiialter am Ende de»

15. unb Ansang bei 16. Jahrhundert» auf. Die Kenntnisse öom Meere blieben ober trotzdem immer noch oberflächlich in de» Worte» ureigenster Bedeutung. Die primitiven Loth- iastrumevte ber damaligen Zeit versagten schon bei geringen Tiefen, und indem man solche Stellen als unergründlich tief bezeichnete, gab man fich zufrieden, ohne von den verhält, niffen dort unten und von dem Liben in ber Tiefe auch nur eine schwache Borstillung zu gewinnen.

Allmählich aber erweiterte fich. Dank ben Fortschritten der Technik unb ber Natnrwiffenfchaften, der Krei» de» W ffev». Man entdeckte eine Thierwelt, welche diejenige de» Lande» sowohl nach Artenzahl, al» auch nach Jndividuenreichthnm unendlich übertrifft- man begann im Jntereffe dec Schifffahrt die Meeresströmungen und Temperaturen genauer zu unter­suchen, und al» man daran ging, die ersten unterseeischen Telegraphencabel zu legen, trat auch bie TiesecMessung in ein neue» EntwickelungSstadium.

Gegenwärtig ist die Ozeanographie, wie wir fremdwöner- süchtigen Deutschen Iciber den Inbegriff ber gelammten Kennt- oiffe vom Meere getauft haben, eine ausgedehnte Wissenschaft, "eiche fich nicht nur mit den obengenannten Aufgaben befaßt, sondern auch die Ehemie deS MeerwafferS, die Bodengestaltung, die Fluth. und Wellenbewegungen, die Biologie der Lebewesen und ihre örtliche Bertheilung u. s. w. in den Bereich ihrer Untersuchungen gezogen hat.

Bor wenigen Wochen hat eine deutsche Tiessee-Erpedition unter Führung de» Breslauer ProfefforS Ehun da« Baterland zu einer Forschungsreise von fast Jahresdauer verlaffen. Nach­dem einige kleinere Unternehmungen dieser Art schon in den letzten Jahren vorangegangen find, stellt fich da» Deutsche Reich, welche» in freigiebigster Weise bedeutende Mittel zu diesem Zwecke bewilligt hat, ebenbürtig in die Reihe anderer seefahrender Nafonen, welche un» in diesem Punkte voran- gegangen waren.

(Schluß folgt.)