Ausgabe 
14.8.1898 Erstes Blatt
 
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Vermischte».

Berli«, 11. August. Die Beisetzung der Frau Rosalie Hertzog hat Donner-tag Abend um 6 Uhr auf dem Dorotheenstädtischen Kirchhof in der Liesenstraße unter großer Betheiligung stattgefunden. Der Sarg war zwischen sechs mächtigen Kandelabern in der reich geschmückten Kapelle aufgebahrt. Da- vollzählig erschienenedankbare Personal" des hiesigen Hauses Rudolf Hertzog, das des Hause- in Plauen und die Diener der Firma widmeten wahre Kunstwerke der Blumeubinderei. Der Kranz der Diener war so groß, daß zwei kräftige Männer uöthig waren, ihn zu tragen. Auch zahlreiche Geschäftsfreunde der Firma erwiesen der Gattin des Begründers des WelthanseS die letzte Ehre. Ein Kranz trug die Widmung derdankbaren französischen Colouie." Die Gesammtzahl der Blumeuspendea war so gewaltig, daß für den Transport mehrere Geschäftswagen der Hauses nöthig waren. Die trauernde Familie wurde durch den jugendlichen Enkel, die Schwiegertochter und die drei Töchter der Ver­blichenen mit ihren Gatten vertreten. DaS Heuveberg'sche Doppelquartett saug zu Beginn der FeierSelig find die Tobten"- die Gedenkrede hielt Pastor Kind von der Neuen Kirche - die Beisetzung erfolgte im Erbbegräbuiß an der Sette de- Gatten.

Der Tropeuauzug des Kaiser». Bet seinem Früh- fpazierrttt im Parke zu Wilhelm-Höhe trug der Kaiser am vergangenen Montag probeweise den Tropeuauzug, der auf der Reise in Palästina angelegt werden soll. Der Neber- rock, sowie die eng anliegenden Beinkleider find von gelblich- weißem Stoff, über die Brust zieht sich eine gelbe ver- schnürung. Die Reitstiefel find vou gelbbraun^ Färbung. Den Anzug vervollständigt der Tropenhelm mit gelber Spitze.

» Georg Ebers. Mittwoch Nachmittag wurde Georg EberS auf dem neuen Schwabtnger Friedhof in München beerdigt. Die Familie des Entschlafenen, so berichtet die Augsburger Abendzeitung, die Wittwe, die beiden Brüder Martin und Ludwig, die Söhne und Töchter, waren er­schienen, ihm das letzte Lebewohl uachzurufen. Am Grabe waren eine Unzahl herrlicher Kränze vou Freunden und Ver­ehrern niedergrlegt- Krovprtnzesfin Viktoria vou Schweden hatte ein Gewinde herrlicher Rosen gesandt- Prinz Leopold hatte neben einem telegraphischen Beileid einen Lorbeer ge­spendet. Die Leichenfeierlichkeit wurde nach protestantischem Ritus durch Pfarrer Beith vorgeuommen, welcher eine er­greifende Grabrede hielt. Geheimrath Dr. v. Pettenkofer hielt eine Ansprache, tu der er Folgende» au-sührte:Die Akademie der Wiffenschaften hat durch den Tod deS Aegypto« logen EberS einen schweren Verlust erlitten. Wir Alle haben ihn hochgehalten und verehrt, denn er hat wirklich geleistet, was noch Wenige geleistet haben. Er war nicht bloS Ge­lehrter, er war auch ein Dichter, obwohl er ein ganz gründ­licher und exakter Forscher war- er hat nicht nur aus den Pyramiden Wahrheiten zu Tage gesördert, die dort Tausende von Jahren geruht haben, er hat sogar die alten Aegypter, man darf sagen, au» ihren Gräbern aufersteheu laffen durch seine dichterischen Leistungen, er läßt die alten Aegypter vor uoS sprechen und handeln. Sein Ruhm ist deshalb nicht bloS in allen gelehrten Kreisen verbreitet, sondern auch in den größten Kreisen des Publikums. Die Akademie der Wiffenschaften ehrt ihre Tobten nicht an ihrem Begräbntß, sondern in einer folgenden öffentlichen Festsitzung- ich lege aber im Namen unserer Akademie als Zeichen besonderer Hochachtung und Verehrung diesen Kranz auf dem Grabe nieder." Nachdem Ernst v. Wolzogen Namens der Münchener literarischen Gesellschaft dem Tobten den Lorbeer gewidmet, sprach noch Hofrath Proseffor Baier-Stuttgart Namen- der Rückertgemeinde.

Ein Flüchtling. Der flüchtige Postgehülfe Hummel au» Wöllstein (Rheinhessen) hat nach den bisherigen Fest- stelluugeu der Oberpostdirecttou in-gesammt 10800 Mk. unterschlagen. Die auf seine Ergreifung au-gesetzte Belohnung ist auf 750 Mk. erhöht worden. Die gestohlenen Geld- brtefe enthielten 14 Noten der Reich»bank zu je 100 Mk., nämlich Nr. 0126731 a, 1779353b, 2257983 c, 0000862d, 0949351A, 0433014B 0039844 C, 0008637D, 0923460a, 2617070b, 04585993d, 07768300,0174183V, 0976078V Ferner: eine württembergische Banknote zu 100 Mk. Nr. 032 393, zwei bayerische Banknoten zu je 100 Mk. Nr. 995,385 und 930,558, eine vierprocentige ungarische Goldreme über 1000 Gulden Nr. 418,109, einen vier- procevtigeu Ziu-schetn de» Frankfurter Hypotheken-Errdit- Vereins, Serie 24, Lit M, Nr. 3507 zu 8 Mk., zwei ZiuS- scheine zu je 1.75 Mk. und drei Zinsscheine zu je 8.10 Mk. der vterprocentigen serbischen Reute- endlich mehrere ZinS- scheiue mit dem Nameu-zug Adam Ret» und dem Stempel­abdruck: I. P. Pitthan Nachfolger. Als besondere Kenn- zetchen werden dem Steckbrief noch folgende Angaben bei­gefügt: Hummel hat eine Zahnlücke im linken Oberkiefer, die beim Lachen sichtbar wird, und eine handtellergroße nässende Flechte auf der linken Brustsette. Am 6. August ist Hummel in Straßburg i. E. gewesen. ES ist nicht au»- geschloffen, daß er zur Flucht ein Fahrrad benutzt und daß er unter dem Nam-nSommerlad" reist.

* DasMilit.-Wochenbl." veröffentlicht nachstehenden alten Berliner Parolebesehl, der ungefähr im Jahre 1787 ergangen ist und unter den Papieren von Rheinhold Wilhelm v. Essen, gestorben 1788 als Generallieutenant und Ober- commandant von Reval, gefunden wurde:Jüngst machte der Gouverneur zu Berlin, der Vortreffliche Generalleitenant von Möllendorff bei der Parole folgenden Befehl bekannt: Seit zwei Jahren, als so lange ich das Guwernement in hiesigen Residenzien führe, ist eine meiner ersten bemühungen mttgewesen, zur Ehre der Menschheit die Geringschäzige Art der Officiere gegen den gemeinen Mann auszurotten, und muß ich zu meiner Beruhigung und Freude sagen, daß ich bei sechs in hiesiger Garnison stehenden Regimentern offenbar die Früchte davon gewahr werde. Rur bei) einem Regimente, daß ich bi» jetzt noch nicht nennen will, ist die alte auf Irr­

wegen beruhende einiger Officiere, den Gemeinen Mann durch Barbarei, Tirannische Prügelei, Stoßen und Schimpfworts zu seiner Schuldigkeit anzuhalten, so sich solcher VerfahrungL- art bisher zur Schuld kommen laßen, an, davon abzustehen, und künftig sich zu bestreben, den Gemeinen Mann mehr mit Ambition als mit Tirannei zur Ordnung und Kriegsgeschick­lichkeit zu führen, die des Königs Majestät verlangen, ee. Majestät der König haben keine Schlingel, Kanallie, Hunde und Grobzeug u. f. w im Dienste sondern rechtschafne Sol­daten, welche» wir auch sint, denen wir nur bloß dies und das ledige Glück höhere Karaktere gegeben, welchem unter dem Gemeinen Mann viele so gut wie wir, vorstehen würden. Ein jeder Officier sollte sich fereuen, ein Anführer Ehrlieben- der Soldaten zu seyn: Das ist aber justement nicht, wenn er diejenigen, deren Befehlshaber er ist, unter so einer ge­ringen Race von Menschen sezt. von Möllendorff."

Von Wien nach Preßburg. Au- Wien wird be­richtet: Letzten Sonntag haben zwei Herren die 61 Kilometer betragende Strecke von Wien nach Preßburg auf der Donau schwimmend in sieben Stunden zurückgelegt. Diese bedeutende Leistung im Stromschwimmen vollführten die Herren Ritt­meister Eugen Frhr. v. Forgach und HanS Angeli. Der Einstieg erfolgte um 11 Uhr 40 Min. Vormittag», die Landung um 6 Uhr 35 Min. Abend» - die Schwimmdauer betrug also 6 Stunden 55 Min. bei einer Temperatur des WafferS vou 16° und der Luft von 2530° R. Die Tour wurde ohne jede Unterbrechung zurückgelegt, und da kein Boot mitfuhr, konnten die beiden Herren weder Speisen noch Trank zu sich nehmen. Zum Fortbringrn der Kleider wurde der von Herrn Angeli erfundene Schwimmsack benützt- derselbe wird mit Gurten auf dem Rücken de» Schwimmer- derart befestigt, daß er diesem in seinen Bewegungen keinerlei Hinderniß bietet.

Deutsche Goldschmiedearbeiteu im Kreml- Der Ama- nuenfiS F. R. Martin aus Stockholm, der eine Reise in Rußland ausführt, um nach Urkunden und sonstigen Gegen­ständen von Karl XU. zu forschen, hat im Kreml eine Ent­deckung gemacht, die nicht verfehlen wird, Aufsehen zu er­regen. Der größte Theil der dort verwahrten Silberkleinodien, darunter die schönsten und kostbarsten, besteht nämlich aus Geschenken, die schwedische Regenten während der Großmacht- ftellung Schweden- den Herrschern Rußland- gemacht haben. Der größte Theil diese» Schatze- stellt Kriegsbeute au- der Zeit de- dreißigjährigen Krieges dar. Er umfaßt 130 ver­schiedene Stücke, die meisten von koloffaler Größe und wunder­bar feiner Arbeit, herstammend aus den während der Re° naiffance so berühmten Goldschmiedewerkstätten in Nürnberg und Aug-burg. Von allen diesen Stücken hat der genannte Forschung-reisende in Folge de- Entgegenkommen- der Ver­waltung des Kreml Photographieen nehmen können. In Moskau soll die Entdeckung große- Aufsehen erregt haben. Für Schweden hat sie, wie das Stockholmer SwenSka Dagbl. schreibt, großes culturhistorische- Jntereffe. Man habe sich oft darüber gewundert, wo die unerhörten Schätze, die während des dreißigjährigen Kriege» in der königlichen Schatzkammer angesammelt wurden, geblieben seien. Oft sei behauptet worden, die Königin Christine hätte sie au- dem Lande geführt, aber e- läge offen zutage, daß diese Erklärung nicht genügend sei. Die Nachricht auS Moskau gebe indeffeu einen neuen Anhalt. Die Nachfolger Gustav Adolf- scheinen die in der königlichen Schatzkammer an­gehäuften Kostbarkeiten al» geeignete Objecte betrachtet zu haben, wenn es galt, ausländischen Fürsten Geschenke zu machen. Daß der größere Theil nach Rußland gekommen sei, wäre, meint da» erwähnte Blatt, bei den häufigen diplomatischen Verwicklungen mit dem Zarenreich nicht zu verwundern. In Deutschland wird mau die Entdeckung deS Schweden Martin im Kreml zu Moskau jedenfalls mit nicht geringer« Jntereffe als in Schweden vernehmen, und ver- muthlich wird man sich in deutschen interesfirten Kreisen an­gelegen sein laffen, gleichfalls einige Photographieen von jenen Erzeugniffen Nürnberger und Augsburger Goldschmiede­kunst zu bekommen. Die schlechtesten Stücke waren eS jeden­falls nicht, die die gottesfürchtige schwedische Soldateska von dazumal gestohlen hat.

Die Laune des Nabob. Unter diesem Titel schreibt dasN. Wiener Tgbl.": In einem österreichischen Alpen- curorte gab eS vor wenigen Wochen große- Aufsehen. Ein amerikanischer Milliardär mit Gemahlin und kleinem Gefolge hatte sich in dem romantischen Orte eingefunden und war auf der täglichen Promenade Gegenstand de- Anstauneu- Seiten- der zahlreichen Kurgäste. Er für seine Person nahm kaum Notiz von dem Publikum, starrte, seine Cigarette schmauchend, gerade vor sich hin, zeigte auch wenig Bewunde­rung für die Schönheiten der Gegend und offenbarte sich mit einem Worte alr der richtige Urtypu- eine- Blafirten. Die Hausdiener des Hotel-, in dem er logirte und deren Eifer er durch wiederholte Befehle stark in Anspruch nahm, zuckten, al- sie von Neugierigen über die Höhe der Trink« gelder, die ihnen täglich in den Schooß fielen, befragt wurden, ziemlich verächtlich mit den Achseln und meinten, in dieser Beziehung sei ihnen ein rumänischer Bojar oder eineinfacher" Wiener Millionär lieber. Eines Tage- pasfirte dem zahn­stochernden Yankee das Malheur, daß er ein Fleischstückchen aus seinem Gebiß nicht herauSbringen konnte. Er lenkte seine Schritte zu dem im Orte ansässigen Zahnarzt, ließ den Eindringling aus den Zähnen entfernen und überreichte dem ihm sprachlos Nachstarrenden als Honorar zwei Hundert- Dollarnoten. Die Kunde von diesem fürstlichen Honorar durchflog wie ein Lauffeuer den Curort und Mr. X wurde bei der Abendmufik noch mehr augestaunt und angestarrt, als an den Tagen zuvor. Diese Laune des Nabob war aber die einzige, der er sich während keiner Aufenthaltes im Cur- orte hingab. Als er abreiste, sah man im Hotel viele lauge , Gesichter.

Die Trausfufiou des «lutes ist nicht, wie man ge- I wöhnlich anzunehmen geneigt ist, eine Errungenschaft der I Neuzeit, vielmehr scheint sie schon den alten EgYPtern bekannt

gewesen zu sein. Stellen in Ovid laffen darauf schließe^ s daß sie ihm ebenfalls bekannt war. Pabst JnnoceuS VIII. mußte sie über sich ergehen laffen. Dann ging alle Kenntniß davon verloren und erst im 17. Jahrhundert, als Harvey den Kreislauf deS Blutes erkannt hatte, wurde die Entdeckung von Neuem gemacht und zwar, wie uns das Internationale Patentbureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, mittheilt, von einem lothringischen Mönch, Robert von Gäbet. Er war im St. Arnoldskloster zu Metz Lehrer der Philosophie und wurde später sogar Prior desselben. Hier war es, wo er zuerst die Transfusion voruahm, über die Peter Calenet in seiner Chronik berichtet. Ueber die Operation berichtet er an seinen Freund Clercelier nach Paris, der mit Cartesiu» befreundet war. Bald aber gerieth die Sache wieder in Bergeffenheit. Die Engländer Clarke, Robert Bayer und Henshaw wendeten später die subcutanen Jojrctioneu von Medicamenten an und erst Richard Loeser wurde durch diese wieder auf die Transfusion gebracht.

Ueber die Geschwindigkeit des Schalle» in den obere« Schichten der Atmosphäre find vor einigen Tagen bei Loudon großartige Versuche mittel» eine» RieseuluftballouS augestellt worden. ES handelte sich darum, festzustellen, ob der Schall ich in den höheren Gebieten des Luftmeeres mit der gleichen Geschwindigkeit fortpflanzt wie an der Erdoberfläche- oder vielmehr, da da» vou vornherein nicht wahrscheinlich ist, in welcher Weise die Fortpflanzung deS Schalles dort verändert ist. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem etwaigen Einfluffe von Wolken auf die Fortpflanzung de» Schalle» gewidmet werden. Den Versuchen wohnten mehrere der größten eng­lischen Physiker bei, Lord Kelvin, Lord Rayleigh, MaSkelhne, Lachlan usw., außerdem eine tauseudköpfige Menge von Zu­schauern au» allen Kreisen. Der Luftballon, der ungefähr 1100 Kubikmeter Ga» enthielt, wurde von Percival Spencer und seinem Bruder geführt. Bei einem VersuchSaufstiege hatte man bereit- einige vorzügliche Photographien mit de« Kinematographen von der Gondel au- ausgenommen. Da» Wetter war günstig, der Aufstieg ging glatt von statten, und der Ballon entfernte sich langsam in nordwestlicher Richtung. AlSbald wurde mit den Versuchen begonnen. Zunächst wurde der Schall der menschlichen Stimme dem Ballon nachgesandt, dann die Töne vou fünf verschiedenen Musikinstrumenten. Darauf kamen einzelne Flintenschüffe und die Signale einer Dampfpfeife an die Reihe. Weiterhin folgten Flintensalven mit anschließendem Pelotonfener. Mit zunehmender Ent­fernung de- Ballon- kamen stärkere künstliche Geräusche zur Anwendung: Explosionen bestimmter Mengen von Schieß­baumwolle, dann solche der doppelten Menge, schließlich einer Mischladung von Geschützpulver und Schießbaumwolle. Wäh­rend unten genau die Zeit jede- Signal- ausgezeichnet wurde, merkten die Lufschkffer, die mit einem besonderen Empfang-- apparate die Schallwellenaufnahmen, ebenfall- genau die Zeit an, in denen der Schall des betreffenden Signal- sie er­reichte- da zugleich die Höhe und die Entfernung de-Ballon- von der Signalstelle bestimmt wurden, so konnte die Ge­schwindigkeit des Schalle- von der Erde bi» zum Ballon für jeden Fall berechnet werden. Die Ergebniffe der Versuche, die sowohl für die Physik wie für die Meteorologie von Be­deutung find, werden demnächst veröffentlicht werden.

* Schusterjunge:Frrile uche, Sie hab'n wat ver­logen --" Dame sieht sich um. Schusterjunge:

wenn Sie sich nich nach mir umkieken!"

Director:Wie lauge dauert Ihr neues Stück?" Schriftsteller:Zweieinhalb Stunden wenn e- zu Ende gespielt wird."

Eingesandt.

Siege«, 13. August 1898.

Eine Gesellschaft junger Leute hat schon wiederholt in einer Wirthschaft in der verlängerten Bleichstraße die angrenzenden Be­wohner durch Gesang und Clavterspiel bis in die frühen Morgen­stunden hinein maltraitirt und deren Nachtruhe geraubt. Der Zweck dieser Zeilen besteht darin, die Polizei, der anscheinend derartige Belästigungen der Bewohner entgehen, auf diesen Unfug aufmerksam zu machen und zu bitten, im Wiederholungsfälle in entsprechender Weise einzuschreiten.

Anszng aus den Standesamtrregistern

der Stadt Gießen.

Aufgebote.

August: 6. Ludwig Kolmer, Fabrikarbeiter zu Watzenborn, mit Marie Christina Schneider daselbst. 6. Theodor Ludwig Martin Rautenstrauch. Graveur und Dreher dahier, mit Matbilde Stierte hierselbst. 10. Emil Anton Hertrtch, Schreiner zu Gießen, mit Marie Hanitsch hierselbst. 10. Karl Philipp Schädel, Werksührer zu Hanau, mit Antonie Ernstine Deeth zu Gießen. 11. Ludwig Koch, Schutzmann zu Worms, mit Wilhelmine Hos zu Geiß-Nidda. 13. Karl Jacob Ludwig Retter, Kaufmann zu Gießen, mit Eleonore Mathilde Stein hierselbst.

Eheschließungen.

August: 10. Dr. Konrad Netzling, Gymnasiallehrer dahier, mit Johanna Wilhelmine Justine Luise Petri hierselbst. 10. Gabriel Levi, Lehrer und Cantor zu Kolberg, mit Therese Levy hierselbst.

Geborene.

Juli: 27. Dem Schlosser Heinrich Lehrmund Zwillinge, eine Tochter, Selma, und ein Sohn, Heinrich. August: 3. Dem Sergeanten Karl Heinrich Schmitt ein Sohn, Karl Heinrich. 5. Dem Schlosser August Weber eine Tochter, Elisabeths Paula. 5. D«m Schneider Georg Schmidt ein Sohn. 8. Dem Taglöbner Friedrich Wilhelm Bechthold ein Sohn, Friedrich Wilhelm. 9. Dem Fellhändler Simon Nußbaum ein Sohn, Jakob. 9. Dem Sattlermeister Friedrich Groß ein Sohn.

Gestorbene.

Juli: 28. Heinrich Lehrmund, 12 Stunden alt, Sohn von Schlaffer Heinrich Lehrmund dahier. August: 5. Adolf Bernhard, 5 Monate alt, Sohn von Metzgermeister Adolf Bernhard dahier. 6. Karl Lenz, b8 Jahre alt, Stationsvorsteher i. P. dahier. 6. Johann Anton Waldfchmidt, 64% Jahre alt, Gastwirth von Wetzlar. 7. Heinrich Rühl, 3 Monate alt, Sohn von Maurer Heinrich Rühl dahier. 7. Margarethe Alwine Pfeiffer, 3 Jahre alt, Tochter von I Kaufmann Carl Pfeffer zu Kreuznach. 7. Luise Hinkel, 51 Jahre alt, ledig, Händlerin von Büdesheim, Kreis Friedberg. 8. Adam Berghäuser, 41 Jahre alt, Kesselheizer von Wetzlar. 12. Adeline Friederike Bechtoldt, 58 Jahre alt, ledig, Prioattn dahier.