Ausgabe 
14.8.1898 Drittes Blatt
 
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onntag den 14. August

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Drittes Blatt.

Nr. 189

Mestener Anzeiger

Keneral-Anzeiger

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Deutsches Reich.

Berlin, 12. August. Der Reifet arbeitete heute in WilhelrnShöhe von 10 Uhr Vormittag» bi» 1 Uhr Nach» mittag» zuerst mit dem Vertreter de» Auswärtigen Amte», Gesaodteu Grafen Wolff-Metternich und demnächst mit dem Ehes de» Militär-Labinet», General v. Hahuke. Darauf empfing er den Botschafter in Konstantinopel, Freiherrn von Marschall.

Orientreife de» Kaisers. Folgende Einzel­heiten de» bis jetzt vorgesehenen Reifeprogramms werden noch mitgetheilt: Die Landung de» KaiserpaareS in Haifa erfolgt am 26. October, von hier währt die Reise nach Jaffa zwei Tage- am Nachmittag de» 29. October erfolgt der Ein­zug In Jerusalem. Nach der Einweihung der protestantischen Kirche geht der Kaiser am 31. October nach Jericho und am nächsten Tag an den Jordan und da» lobte Meer. Am 2. November geht e» zurück nach Jerusalem, wo der Kaiser zwei weitere Tage bleibt. Sodann erfolgt die Rückreise nach Jaffa und Haifa. Von Haifa wird in Nazareth der Berg Tabor und Liberia» am See Genezareth besucht. Am 9. November reift da» Kaiserpaar wieder zurück nach Haifa und begibt sich auf der Macht nach Beirut, Damaskus und Baalbeck. Am 10. November segelt da» Kaiserpaar von Beirut nach Egypten ob, wo die Landung in Port Said erfolgt, lieber Land geht e» dann weiter nach Kairo, oder da» Kaiserpaar segelt nach Alexandria und von da nach Kairo, wo die Ankunft am 18. November erfolgt. Al» Gäste de» Khedive nimmt das Kaiserpaar Wohnung im Abdin-Palast. Am 22. November erfolgt die Abfahrt auf Look» Nildampfer nach Affuan. Die Abfahrt von Egypten dürfte erst nach dem 7. Decemder stattfinden. Natürlich ist eine Abänderung dieses vorläufigen Reifeprogramms nicht auSgefchloffeu.

Berlin, 12. August. DaS Staatsministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr unter dem Borfitz deS Vicepräfi- deuten v. Miquel in feinem Dienstgebäude zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 12. August. Die »Köln. Bolksztg." hatte be­hauptet, daß der Kaiser dem früheren Kriegsminister Bronsart von Schellendorf es sehr Übel genommen habe, al« dieser bezweifelte, der Reichstag werde den ge­planten weiteren HeereSvermehrungen nachgeben. Hochauf- grrichtet soll der Kaiser dem Minister zugerufen haben: Wenn ich e» ober befehlt I Demgegenüber find die »Berliner Reuest. Nachr." ermächtigt, zu erklären, daß diese Erzählung auf freier Eifindung beruhe. Der frühere KriegSminister habe nie bezweifelt, zu jeder nothwendigen Verstärkung unserer Wchrkraft die Zustimmung der Volksvertretung zu finden, fet e» der tagenden, oder, fall» diese versagt und aufgelöst wird, der neugewählten.

Berlin, 12. August. Der 30jährige Dr. phil. Max Kramer au» Berlin Ist beim Abstieg vom Berge Guasta in Norwegen verunglückt und ollbalb seinen Verletzungen erlegen.

Berlin, 11. August. Kampf gegen die Social­demokratie. Da» Vorgehen der einzelnen Berwaltung»- zweige der Reich»- und Staatsregierungen gegen die Agitation der Socialdemokrateu ruft auch in den bürgerlichen Kreisen ähnliche Bestrebungen hervor. Die kürzlich gemeldeten BereiuSbildungeu bezw. Aufrufe find Anzeichen dafür, daß die staatserhaltenden Parteien au» den Wahlen von der Socialdemokrotie gelernt haben, fich nicht nur auf eine Agitation kurz vor den Wahlen zu beschränken, sondern planmäßig in ständiger Arbeit der Verhetzung de» Volkes durch diese Um­sturzpartei entgegenzutreten. Da dieses Beispiel der Nach­ahmung würdig ist, so dürfte e» von Interesse sein, auf die Mittel und Wege hinzuweisen, welche als die zweckmäßigsten angesehen werden. In den bisher vorliegenden Vorschlägen wird von einer Seite betont, daß der Staat in seinem Vor­gehen gegen die Socialdemokrotie von der Kirche und der Gesellschaft mit aller Kraft und Hingebung unterstützt werden muß, und einmüthig werden zu diesem Zweck Abhaltung von Versammlungen, Bertheilung von Schriften, besonder» von guten, billigen Zeitungen, vor Allem aber kräftiges Eintreten für die Wohlfahrtspflege in Stadt und Land empfohlen. Gewiß können Versammlungen, in denen unbarmherzig die versteckten Abfichten der Soclaldemokratie behandelt werden, einen gewissen erhaltenden Einfluß ausüben, weit mehr würde e» fich aber empfehlen, von dem Podium der falschen Selbst­achtung herabzusteigen und In socialdemokratischen oder ge­mischten Versammlungen den gewerbsmäßigen Agitatoren mit Entschiedenheit entgegenzutreten. Mit Recht betont in dieser Hinficht der Aufruf de» conservativen Vereins in Ostpreußen: »Aber auch von der irrigen Auffassung, daß den Arbeitern gegenüber von unserer Seite Nichts geschehen dürfe, um fie auf die Gefahr der Socialdemoklatie aufmerksam zu machen, ist abzusehen. Wir müssen nu» angelegen fein lassen, mit ihnen über die da» Vaterland bedrohende Gefahr eingehend zu sprechen, nicht nur vor den Wahlen, sondern so oft fich eine Gelegenheit dazu bietet." Hab in dem Statutenentwurf de» Waldeck-Phrmonter öeAin» wird all Aufgabe bezeichnet: »Mit Nachdruck auf die letzten Ziele der socialdemokratischen Partei, welche dieselbe einer monarchisch und religiös ge­fronten Bevölkerung gegenüber absichtlich verschweigt, hinzu- weisen, insbesondere zu betonen, daß die Socialdemokratie auf politischem Gebiet die Republik, auf religiösem die Be- feiiigung deS GotteSglaubenS, auf wirtschaftlichem Gebiete die Aufhebung des PrivateigenthumS, auf sittlichem Gebiet die Auf­lösung der christlichen Ehe und Familie, also einenZuftand erstrebt, wo alle Bande frommer Scheu gelöst finb." Die Gelegen-

Helt hierzu ist in focialdemokratischen Versammlungen am ersten gegeben, und wenn neben diesen Hinweisen da» Gebühren der Führer in daS richtige Licht gesetzt wird, wenn immer und immer wieder durch authentisches Material der Unterschied klargelegt wird, der fich In Theorie und Praxi» bei den Herren offenbart, dann erst kann der durch Jahrzehnte lange Agitation eingeimpften Verhetzung Abbruch gethan werden. Also würde der Erfolg auf diesem Wege nur ein sehr bedingter sein. Ander» steht e» mit einigen praktischen Vorschlägen auf socialem und wirthschastlichern Gebiet. In dem Statut be» oben ge­nannten Verein» heißt e»: »Das Zusammenwirken ber BereinS- organe und Berelnsmitglieber unter einander hat endlich noch ba» Ziel, Frieben unb Versöhnung stiftend» zu wirken, nicht nur nach außen, fonbern auch nach innen. Zur Bekämpfung be» gemeinsamen Feindes können unb müssen ble verschiedenen politischen Parteien, soweit dieselben auf nationalem Boden stehen, fich die Hand reichen. Auch die socialen Gegensätze zwischen den einzelnen Berufsklassen im Lande werden sich ad- schleifen und mildern. Durch die Einsicht, daß jeder Stand nothwendig ist zum Wohl ber Gesammtheit, wirb ber Klaffen­haß allmählich schwlnben unb baS Gefühl ber Zusammen­gehörigkeit wachsen." Wirb hier in dankenSwerther öetft eine praktische Betätigung der Politik der Sammlung durch gegenseitige Achtung der verschiedenen BerusSfiäabe, be» Handel», der Landwirthschoft, deS Gewerbe», der Industrie, anzubahnen versucht, so ist noch weit höher der Rathschlag de» Verein» ber ostpreuß'schrn Conservativen anzuschlagen: »Aber auch ba» leibliche Wohl unserer Arbeiter möge unS stet» am Herzen liegen. Arbeiter, die wissen, bah ble Arbeit­geber fich um fie kümmern, ihnen in Krankheit unb Noth nach Kräften helfen, werben fich nicht leicht burch Agitatoren ver­führen lassen. Ohne tieft innere Arbeit können auch ble besten Gesetze ble Ausbreitung der socialdemokratischen Irr­lehre nicht hindern." Diese Worte beweisen eine Selbst- erkenntniß, die mit größter Freude zu begrüßen ist. Bethäiigen die ostpreußischen Gutsbesitzer, denen die meisten der Unter­zeichner de» Aufruf» angehören, diese Raihschläge und Ab­sichten, so werden fie damit ohne Zweifel die besten Erfolge erzielen.

Berlin, 12. August. Der erste Lord de» Schatze», Bal­four, erklärte im englischen Unterlaufe, am 1. März habe der englische Gesandte in Peking, Macdonald, folgende Anweisung erhalten: Es stehe ber chinesischen Regierung selbstverständlich frei, festzustellen, ob Angebote für beo Eisen­bahnbau von deutscher Seite unter besseren Bedingungen, al» fie englische Capltalisten stellten, zu erlangen seien. Aber ein Vorzugsrecht Deutschlands, weil eine geplante Bahn fich inner­halb ber Provinz Schantnng befinde, könne die britische Regie­rung nicht zulassen. Macdonald fei angewiesen, jeder Zu­lassung eine« solchen Ansprüche» entgegenzutreten. Provaud

Feuilleton.

Erste Ließe.

Lkizze aus Berlioz' Lebe».

Von C. Gerhard.

(Schluß.)

Hektor erfuhr bald von ihrem heimlichen verlöbntß- eine Flamme loderte in feinem Auge auf, als Estelle ihm von ihrem Liebsten sprach. Er gönnte fie nicht diesem Unbekannten, er begann ihn zu hassen- oft sagte er fich zähneknirschend: »Er soll fie nicht haben, fie soll mein werden, wenn ich erst erwachsen fein werde!" Und voll Zorn über feine Jugend warf er fich schluchzend über sein Bett.

Der jungen Schönen blieb e» nicht lange verborgen, welche Empfindungen fie in dem leidenschofillchen Herzen be» Knaben erweckt, unb e» mochte ihr Vergnügen, bleie noch zu schüren. Wenu fie ihre Honb bei gemeinsamen Spazier­gängen leicht in seinen Atm schob, erröthete unb erblaßte er, wenn fie ihm versicherte, baß seine Anwesenheit Ihr allein ben Aufenthalt In Mtylan erträglich mache, gerieth er in einen Rausch be» Entzücken».

Leider erkannten auch ber Großvater, Estelle» Tante unb anbere Bekannte seine vorzeitige Neigung unb verspotteten biefelbe grausam. In ohnmächtigem Zorn wollte er oft nach Hause reifen, aber er gewann e» doch nicht Über fich, fich von der über alle» Geliebten zu trennen. Aber al» sie ihn nun auch zu necken begann, war feine Seele von Schmerz bl» zum Rande erfüllt - er verbarg fich in den enilegentften Theilen be» Garten» ober in ben MaiSfelbern, nach seinem eigenen Bekenntnisse »gleich einem verwundeten Bogel, leidend und stumm".

Diese tiefe Trauer rührte wieder Esttlle- fie drängte den Spott zurück und begegnete ihrem jungen Anbeter mit so viel Freundlichkeit, daß die Wolken von seiner Stirn ver­schwanden. Sie jagte fich mit ihm im Garten umher, und war fie müde, so gestattete fie e», daß er fich zu ihren Füßen niederließ und ihr Florian» »Estelle" vorla». Ihr Entzücken über die Dichtung erweckte da» seine, und so gewann er durch da» geliebte Mädchen zuerst Berftändniß und Liebe für bte Poesie, wie Estelle ihn auch der Musik zusührte. Sie er» zählte ihm von den Künstlern, die fie In ihrer Helmaih ge­hört, fie fang mit ihrer süßen Stimme zu seiner Begleitung, unb al» er einst um ihr zu gefallen, eine ber Weisen, ble fie besonder» heble, In reizvollen Variationen erklingen ließ, rief sie lebhaft: »Sie haben ein große» Talent, Hektor, lassen Sie es auSbtlden, werden Sie ein Künstler."

In ber ersten großen Ueberrofchung schüttelte er ben Kopf, aber er verlor das Won nicht au« der Erinnerung, und seltsam, an jenem Tage erblühten die ersten Melodien in seinem Innern unb fanden beredten Ausdruck.

Diese Eompofittonen, Lieder auS der »Estelle", legte er seiner Ungebetenen mit einem duftenden Strauß auf da» Fensterbrett und war felg über ihren Dank und ihr Lob.

Der Sommer nahte feinem Ende, Dr. Berlioz hatte bereit» geschrieben und feinen Sohn zur Rückkehr aufgefordert. Mit heißem Schmerz dachte Hektor an die bevorstehende Trennung von Estelle, aber vorher wollte er ihr sagen, wie innig er fie liebe, wollte fie bitten, auf ihn zu warten. Wa» that der Unterschied der Jahre. Der Geliebten wegen würde er unablässig arbeiten und dann, wenn er ein Künstler geworden, würde er all seinen Ruhm ihr zu Füßeu legen.

Den Kopf voll phantastischer P'äne, durcheilte er ben

Garten, um bte letzten Rosen für Estelle zu schneiden- ba sah er sie durch ben schon halb entlaubten Buchengang schreiten, aber fie war nicht allein, fie hing an bem Arme eine» stattlichen Manne», ihre Augen wurzelten in ben seinen, ihre L.ppen flüsterten LiebeSworte. Wie ein Sturm durch­brauste ein vernichtender Schmerz ben leibenschaftlichen Knaben, ble Blüthe seiner süßen Hoffnungen war geknickt, Estelle Ihm für ewig verloren! Mühsam schleppte er fich in sein Zimmer unb burchkämpfte ben ersten großen Kummer feint» Leben». Der Großvater erzählte ihm noch am selben Adenb, bah Estelles Vater enblich in ihre Verlobung mit dem Rechts­anwälte gewilligt unb daß daS reizende Mädchen bald mit bem treu Geliebten vor ben Altar treten würbe.

Hektor gewann e» nicht über fich, Estelle zu beglück- wünschen, ja, er wollte sie auch nicht mehr sehen, nicht mehr sprechen. Da» Herz von Trauer ersüllt, reifte er ab.

Seine Eltern erschraken, al» fie ihn begrüßten. Er war blaß unb hohläugig unb schien nur ungern von seinem Auf­enthalte bei ben Großvater zu sprechen. Mehr al» alle Reisebeschreibungen zogen ihn jetzt poettsche Werke an- al» er eine» Tage» in ber »Aenelbe" bte Schtlberung vom Opfer« tobe ber Dibo la», würbe sein erregte» Gemütb so stark erschüttert, baß er einen Nerdevznfall bekam. Mit großer Leibenschaft widmete er feine freie Zelt musikalischen Studien und bewog seinen Vater, ihm Unterricht im Gesang unb Flötenspiel geben zu lassen.

Zwar stubirte er, bem Wunsche seiner Eltern folgend, eine Zeitlang Mediciu, ober fein Widerwillen gegen diese Wissenschaft steigerte fich immer, mehr, unb gewaltiger wuch» bte Sehnsucht, Musiker zu werben. Al» er in der Bibliothek be« Pariser Conservatoire bte Bekanntschaft ber Opern»