Ausgabe 
14.7.1898 Erstes Blatt
 
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besonders bevorzugt und begünstigt wird, aber im Innern des Herzens halten sie uns für wenig befähigt, den furcht­baren Handelskrieg der modernen Welt mit Erfolg durch­zukämpfen. Sie lasten jedoch durchblicken, daß sie glücklich wären, in Rom, Neapel oder Palermo geboren worden zu sein, und daß sie gern ihre wirthschaftliche Superiorität her­geben würden, wenn sie dafür jenen künstlerischen Sinn ein­lauschen könnten, der inmitten politischer Irrungen und Wirrungen noch heute das Piedigrottalied schafft. Wenn man mit gebildeten Deutschen spricht, wiederholen sie abgesehen von den italienischen Literaten und Gelehrten, die sie aus ihrer Studienzeit kennen immer nur einen Namen: Crispi - man fragt, warum er nicht mehr an der Regierung ist. Andere Namen kennen sie nicht oder wollen sie nicht kennen; man könnte sagen, daß sie den Anschein erwecken wollen, als ob sie von der Mittelmäßigkeit nichts wüßten."

* Stu «efchenk für den Zarev. Die Künstler Sofias arbeiten gegenwärtig an einer Huldigungsgabe für den Kaiser von Rußland. Es sollen die Abbildungen der 306 Denkmäler, welche weit und breit im bulgarischen Lande an den russisch-türkischen Krieg erinnern, zusammen mit den Zeichnungen der drei Häuser, welche Alexander II. während des Krieges auf bulgarischem Boden bewohnt hat, zu einem Album vereinigt, und dieses im Namen der bulgarischen Regierung und des bulgarischen Volkes, dem Zar im Herbste überreicht werden. Der in Gold, Silber und Bronce aus- geführte Einbanddeckel, von dem Sofianer Bildhauer Boris Schatz entworfen und verfertigt, zeigt im Mittelfelde eine Basrelief«Gruppe, einen russischen Soldaten, der sich eines verlastenen, von der Straße aufgelesenen Bulgarenkindes an­nimmt. Gliederung und Ornamentik der Platte find bul­garisch-byzantinischer Styl.

* Der Hand in der hohen Politik. Im Deutschen Wochenblatt erzählt Herr Geheimrath Aegidt folgende Geschichte, von der er, seiner eigenen Aussage zufolge,selbst- verständlich tief ergriffen" wurde:Bor Ausbruch de» deutsch- franzöfischen Kriege» 1870 befand sich Kaiser Alexander II. von Rußland bei unserem König in Em». Die beiden Mo­narchen mit großem Gefolge waren eine» Abend» beisammen. Am entgegengesetzten Ende des Saale» stand Graf Bismarck and beobachtete den Zaren in sorgenvoller Erwägung, wie e» schwer in» Gewicht falle, welche mehr oder minder freund­liche Haltung Rußland gegenüber unserer Politik einnehme. Da erhob sich der große Hund de» Kaiser», der unter seinem Stuhl gelegen, und durchwanderte den Saal- von einem Souverän würde man gesagt habrn:er machte Tercle". Der Hund blieb vor Bi»marck stehen, schaute zu ihm empor, wedelte zuthunlich uud leckte die vorgestreckte Hand des Grafen. In diesem Augenblick ertönte durch deu ganzen Vaal die Stimme de» russischen Kaiser», der den Bewegungen seine» Hunde» offenbar gefolgt war, zu Bismarck herüber: Da sehen Vie, daß der Hund die Freunde seine» Herrn kennt." BiSmarck schloß feine denkwürdige Mittheilung mit den Worten:Ich fühlte mich erleichtert. Da» war ein geschichtlicher Moment für unsere Politik."

* EineMatinee dansante beim Präsidenten Faure. Dem Bericht eine» Pariser BiarteS zufolge haben Monsieur Faure und Gemahsia tu ihrem eleganten Palai» in den Lhamp» Elyfäe» am vergangenen vamßtag ein wahrhaft großartige» Fest tu der Art der englischengarden parties veranstaltet, zu dem nicht weniger als viertausend Gäste geladen waren, die sich in den Sälen und den aus­gedehnten Gärten vereinigten. Die abgegaugeneu Minister waren fast vollzähltch erschienen, ebenso die Vertreter der Diplomatie. Die Parlament-Mitglieder ließen fich im Feld- Herrensaal nieder, wo sie eingehend die Einzelheiten der Krist» besprachen. Wie schon öfter bet ähnlichen Gelegen­heiten, hatte Madame Faure auch zu dieser Gardeu-Party die Zöglinge der Schulen der Ehrenlegion etugeladeu. Der Präsident selbst war beim Empfange der Gäste nicht zugegen: er wurde tu Sorbonne zurückgehalten, wohin er fich zur Ber- theilung der Preise au die Heizer, Locomotiv« uud Zugführer begeben hatte. Madame Faure in malvenfarbiger Seide und kleinem Capotehütcheu mit weißer Aigrette machte in Ge­meinschaft mit ihrer in rosa Setdenmouffeliue erschienenen Tochter Lncte die Honneurs. Beide Dameu waren häufig der Gegenstand ehrerbietigster Kundgebungen. Das eigen- artig iotereffaute Fest, das man mit dem NamenMatinee dansante bezeichnete, nahm schon tu den Bormittagstunden seinen Anfang und verlief ohne jegliche Störung. Iw großen Festfaal spielte ein TorpS von 60 Musikern unter Leitung de» Capellmetster» DeSgrangeS heitere Tanzwetfen, nach denen ohne Unterbrechung getanzt wurde. Leider verhinderte häufiger Platzregen die Gäste daran, fich in Ruhe in den herrlichen Gärten und Parkanlagen zu ergehen, wo die Capellen des 103. und 131. Linteuregiment» ihre schönsten Stücke zum Besten gaben. Präsident Faure erschien erst gegen 3 Uhr, machte eine Tour durch die Säle und Gäuen und unterhielt fich in liebenswürdigster Weise mit den Ge­ladenen. Doch schon vor Beendigung de» Feste» mußte er üch wieder zurückziehen, um den neuen Mtuisterpräfidenteu M. Briffon zu empfangen.

* Ein Hochzeitßzug per Pferdebahn. Folgende» Turiosum wird au» FriedrtchShageu bet Berlin gemeldet: In der Friedrichstraße stand dieser Tage zu beiden Seiten des KtrchenetogaogS und auch gegenüber demselben Kopf an Kopf die Bevölkerung. Auf dem Geleise der Pferdebahn halten zwei Sommerwageo der Pferdebahn. Iw ersten Wagen stad die vier vorderen Bänke mit der Capelle der Friedrichshagener Stadtmufik unter Leitung de» Herrn Stadtmufikdtrector» besetzt. Die Thüren der Kirche öffnen fich, heraus treten da» junge Ehepaar, die Eltern, die Trauzeugen uud nehmen hinter der Mufik im Pferdebahnwagen Platz. Der Wagen fährt ein paar Schritte vor, um dem zweiten Platz zu machen- in diesen verfügen sich die übrigen HochzeitSgäfte. Nun spielt die Mufik einen flotten Marsch, die Pferdebahnglocke ertönt unb fort geht's per Pferdebahn znm Local in der Seestraße,

woselbst die Hochzeit gefeiert wird. Ein Genrebild^der modernen Zeit! Billig und originell!

* Die Hauptsache. Clavierfabrikant:WaS soll es für ein Instrument fein, da» Sie für Ihre Tochter kaufen wollen?" Herr:Davon verstehe ich nicht-- aber eS muß gut verschließbar sein."

titcraiur uub ICunft.

Das wirthschaftliche und sittlich-religiöse Ver- hältnitz zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Vortrag von Ä. Niethammer, Geh. Cornrnerctenrath in Krtebstetn. (Preis 50 Pfg., in Parthten von 50 Exemplaren an billiger. Verlag von Bernhard Richters Buchhandlung, Leipzig, Nürnbergerstr. 11.) Auf Grund jahrzehntelanger persönlicher Erfahrung im eigenen Ge­schäft schildert Referent zunächst die Pflichten der Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer und stellt den Einfluß dar, den die Socialdemo­kratie auf das Verhältniß beider hat, spricht über die Bethetligung der Kirche an der Lösung der socialpoltttschen Frage, erörtert die Pflicht der Arbeitnehmer (in Fabriken, auf dem Lande, sowie im Hause) den Arbeitgebern gegenüber, berührt dann die Lohnfrage und streift die Gesetze betr. die Altersversorgung der Arbeiter, deS un­lauteren Wettbewerbs rc. Die Schrift ist von hohem acturllen Werth, möchte sic weiteste Verbreitung bet Hoch und Niedrig finden.

Universitäts-Nachrichten.

Jena. Auf Anregung deS Allgemeinen LehrerveretnS in Gera werden hier in diesem Herbste zum ersten Male FortbtldungS- curse für Dolksfchullehrer veranstaltet werden. Mehrere Pro­fessoren der hiesigen Universität haben sich bereit erklärt, die ge­wünschten Vorlesungen zu halten. Man erwartet zunächst wenigstens 100 Thetlnehmer aus den thüringischen Staaten und angrenzenden preußischen Gebieten. Die Vorlesungen sollen jeden SamStag um 5 Uhr Nachmittags beginnen, um allen Thetlnehmern die Fahrt nach Jena zu ermöglichen.

In Turin starb am 5. d. Mts. der Professor der Anatomie an der dortigen Universität, Karlo Gtacomini, im Alter von 58 Jahren. Seine bedeutendsten wissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich auf die Anatomie des Schädels und Gehirns.

An den drei Universitäten der deutschen Schweiz studtren in diesem Halbjahr im Ganzen 335 Frauen. In Zürich allein studtren 194 Frauen bei einer Grsammtzahl der Stubirenden von 804. In Zürich studtren 6 Damen Staatswissenschaften. Die Uni­versität zählt 124 Medictnerinnen; ihrer Nationalität nach sind 6 Züricherinnen, 7 aus anderen Kantonen der Schweiz, 25 Reichs­deutsche (unter ihnen wieder vier Berlinerinnen), und 6 Oester­reicherinnen.

Auf vielseitigen Wunsch soll in diesem Jahre am 16. Juli, Nachmittags 1 Uhr, eine Wiederholung der geselligen Zusammen­kunft alter Corpsstudenten auf der Rudelsburg stattfinden.

Jena, 11. Juli. Zum Prorector der Universität Jena für das Winter-Semester 1898/99 ist Herr Geh. Hofrath Prof. Eucken ge­wählt worden. Decane werden: in der theologischen Facultät Herr Ktrchenrath Prof. Wendt, in der juristischen Herr Geh. Justizrath Prof. Loening, in der medicinischen Herr Hofrath Prof. Stintzing, in der philosophischen Herr Geh. Hofrath Prof. Liebmann.

Göttingen. Das Vorlesungsverzeichniß für das Winter­semester 1898 99 ist erschienen und vom Secretariat kostenlos zu beziehen.

Das hundertjährige Jubiläum seines Bestehens feiert am 18. Juli daS älteste deutsche StudentencorpsOnoldia" (Ans­bacher) in Erlangen. ES ist daS einzige Studentencorps, welches itn vorigen Jahrhundert gegründet wurde und ohne Unterbrechung bis heute forlbestanden hat. Nach dem Vorbilde desselben hat sich zuerst eine Anzahl von Corps auf süddeutschen Universitäten, nament­lich in Erlangen, München, Würzburg, Tübingen und Heidelberg, im Anfänge dieses Jahrhunderts gebildet, seit den 20er Jahren auch in Norddeutschland, besonders in Halle, Göttingen und Bonn, schließ­lich auf allen deutschen Universitäten, so daß jetzt im Ganzen auf den 20 deutschen Universitäten 80 Studentencorpö mit ca. 2000 Mit­gliedern bestehen. Dieselben haben seit ca. 60 Jahren eine Ver­bindung unter sich, deren Vorstand alljährlich auf Der RudelSburg bei Kösen tagt. Auch die alten Herren dieser Corps, ca. 30 000 an der Zahl, haben eine Verbindung unter sich, beten Präsidium gegen­wärtig in Berlin fünf Jahre hindurch domictlirt. Erster Vorsitzender ist der bekannte Schriftsteller Dr. H. v. Hopfen. Die Festlichkeiten werden vier Tage hindurch dauern und von der Mehrzahl der alten Herren besucht werden. Der bekannte Schriftsteller Dr. Adolf Zehlicke in Berlin, gleichfalls ein alter Herr des Cotps dem er vor 40 Jahren angehörte hat zur Erinnerung an das Fest eine Sammlung eigener Lieder, theils patriotischen, theilS heiteren In­haltes, mit Bezug auf daS Fest unter dem Titel:Deutsche Lieder" herausgegeben und dem Corps gewidmet. Das Buch ist sehr hübsch ausgestattet und mit dem farbigen Wappen deS CorpS geziert; es wird den Festtheilnehmem am Feste überreicht, dürfte aber auch in weiten Kreisen bei allen Freunden deS Studentenlebens wegen seines Inhaltes Anklang und Veibrettung finden.

Wöchentliche Uederftcht der Todesfälle in Sieten.

28. Woche. Vom 3. Juli bis 9. Juli 1898. Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (ind. 1600 Mann Militär). SterblichkettSziffer: 21.58, nach Abzug der OrtSftemden 15,10°/«.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachs««: im vor»

1.Lebensjahr: 2.Ib.Iahr:

Zuckerruhr 2

2

StrebS 1

1

Gehirnhautentzünd. 2 (1)

1 (1)

1

Gehirnschlagfluß 1 (1)

1 (1)

Herzleiden 3 (1)

3 (1)

Nierenleiden 1

1

Summa: 10 (3)

9 (3)

1

«nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern gebe» an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krarckheit auf von auSwärtS nach Gießen gebrachte Kranke komme».

Für die durch Wolkenbruch Geschädigten des südöstlichen Qdenwaldes (bei Erbach) find noch eingegangen : Ungenannt 2 Mk., Th. ©. 5 ^IL, iufammen 7 Mk.; insgesammt 24 Mk., welche dem Hilsscornits in Erbach durch Postetnzahlung übersandt wurden.

Expedition deS Gießener Anzeigers.

Verfebr, Can». un6 Z>eU»tvirt^fcbafL

Gießen, 12. Juli. Der gestrige Kuhmarkt war, obschon er mit dem Markt in Kirchhain zusammenfiel, überaus lebhaft, ebenso war der Auftrieb ein wider Erwarten bedeutender. Es waren etwa 1300 Stück aufgetrieben. Vorzüglich an Qualität und Anzahl war am Markt Simmenthaler Rasse vertreten, obschon auch der Mar­burger und Wetzlarer Kreis mit Vogelsberger Dieb stark am Auf. trieb betheiligl war. Wie stets waren schwere MUchkuhe für die Bäder stark begehrt und ging der nur schwache Dorrath dieser Gattung zu hohen Preisen schnell ab. Der Markt war gegen111 Uhr ' bereits auSverkauft. Gehandelt wurden Kühe, tragend und frisch­melkend, schwerste Maare, mit 540 bis 560 Mk., 1. Qual. 420 bis 500 füll, 2 Qual. 325 btS 400 Mk., 3. Qual. 250 biS 300 M. Junae Rinder aus dem Westfälischen, die am Markt waren, wurden für die Umgegend getaift und mit 70 btS 100 Mk. bezahlt. Die

Preise für Kälber schlugen gegen dm letzten Markt etwa» ab. Beste Waare wurde mit 60 615 62 Mk., Mlitelwaare mit 55 bi» 57 Mk. und leichte Kälber mit 50 618 52 Mk. pro 100 Pfund Schlacht­gewicht verkauft. Belm Vormarkt, welcher dieses Mal schon am Freitag an fing, wurden ca. 80 Stück schwarzdunte Kühe zu guten Preisen umgesetzt. Ein Händler brachte für die locale Flelschver- sorgung einen Transport fetter Ochsen auS der Provinz Sachsm nach Gießen. Er wurde die Maare mit 71 Mk. pro 100 Pfund Schlachtgewicht an hiesige Metzger bequem lol.

Temperatur der Lahn und Luft

nach Reaumur gemeßen am 13. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag»: Wasser 13°, Luft 13°.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

Neueste iladwiditcn.

Depeschen de» Bureau »Herold*.

Witn, 13. Juli. Wie dieN. Fr. Pr." meldet, hat auf dem PostdampferGisela" auf der Fahrt von Wien nach Linz eine Explosion stattgesunden. Drei Heizer wurden getödtet unb einer verletzt.

Budapest, 13. Juli. Unter den Feldarbeitern in Alfeld herrscht große Noth, da da» andauernde Regen­werter die Erutearbeiten unmöglich macht.

Graz, 13. Juli. Der Bäckerstrike ist beendet.

Belgrad, 13.Juli. 20 serbische Offiziere werden mit Lrlaubniß de» deutschen Kaiser- studienhalber in die deutsche Armee eintreten.

Pari», 13. Juli. Der Untersuchungsrichter ist bereits mit der Untersuchung gegen den Obersten Picquart betraut worden. Bei dem Obersten fand gestern eine Haussuchung statt. Da Picquart nicht anwsend war, wartete der Lommiffar bis zu befftn Rückkehr. Um 8 Uhr war bie Haussuchung noch nicht beendet. ES verlautet, Picquart werde noch vor Mitternacht verhaftet werden. Die Nationalisten beabsichtigen, morgen bei der Revue eine Ovation für Laoaignac barzu- bringen. Picquart wird vor das Zuchtpolizeigericht gestellt werden. Der Justizminister Sarrien hatte gestern mit dem Generalprocurator und dem Procurator der Republik eine längere Unterredung.

Paris, 13. Juli. Infolge einer Haussuchung bei Madame PahS wurde diese sowie Esterhazy in ber ver­gangenen Nacht verhaftet.

London, 13. Juli.Daily Mail" mtlbet au» Wafhinton, daß General Sh afterS Truppen die Stadt ganz umzingelt haben. Die Truppen begegneten fich rechts und link» am Ufer.

London, 18. Juli.Morning Post" meldet aus Washington, daß da» Kriegs-Departement von General Shafter benachrichtigt worden ist, daß der spanische General Narto fich mit 6000 Mann Verstärkung-Struppen von Hotguin nach Santiago begeben habe. Mac Kinley ist sehr ungehalten über General Shafter weil dieser den Spaniern einen weiteren Waffenstillstand bewilligt hat. Mac Kinley will von einem weiteren Waffenstillstand nicht» wiffen, sondern verlangt von den Spaniern sofortige Räumung Santiago». Gr hat General Shafter diesbezügliche Befehle zugehen laffen.

Loudon, 13. Juli. Die Unruhen in Süd-China nehmen nach hierher gelangten Meldungen immer größeren Umfang an. Die ganze Sache stellt fich al» eine Empörung gegen die Mandarinen-Berwaltung heran». Die Anführer haben bereit» 9 Städte erobert unb bie kaiserlichen Truppen westlich von Watschau geschlagen.

London, 13. Juli. Die letzten Depeschen au» Santiago laffen es als wahrscheinlich erkennen, daß bie Stabt be­reit» capitulirt hat. Am Montag nahmen bie Ameri­kaner bie Beschießung ber Stadt von der See und Landseite auf. Die Schiffe sowohl, al» auch bie Artillerie des Gene­ral» Shafter eröffneten ein scharfe» Bombardement auf die Stadt. Gegen Mittag wurde bie weiße Parlamentärflagge gehißt. Ein Offizier wurde von General Shafter abgesanbt tn da» spanische Lager behuf» Uebergabe der Stadt. Bei Abgang dieser Depesche war noch keine Antwort eingetroffrn. Da» Bombardement wurde vorläufig eingestellt. Bon den Amerikanern wurde Niemand getödtet.

Madrid, 13. Juli. Nachdem Martinez CampoS trotz seiner großen Popularität al» nicht geeignet gehalten wird, die jetzigen Wirren zu lösen, so verlautet, daß General Polavieja von der Königin-Regentin mit der Cabinet»- bildung betraut werden soll. Derselbe wird bie Misfion erhalten, bie Ordnung im Innern aufrecht zu erhalten unb mit Amerika einen ehrenvollen Frieden abzuschließen. Hier ist von einer Capitulation von Santiago nichts bekannt.

Washington, 13. Juli. Da» Kriegsdeportement hat angeordnet, daß bie in den amerikanischen Häfen gelegten unterseeischenMinen wieder entfernt werden sollen, da eine Gefahr feiten» ber Spanier nicht mehr bestehe.

New York, 18. Juli. Gestern Vormittag 10 Uhr fand hierselbst eine große Feierlichkeit für die Verun­glückten berLa Bourgogne" statt.

Bei Todesfällen

übernimmt die Buchdruckerei des Giessener Anzeigers, Schalstrasse 7, die schnellste Anfertigung von Trauer­briefen und Danksagungftkarten, welche auf Wunsch couvertirt geliefert werden.

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von Elten & Keussen, Crefeld.