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14.7.1898 Erstes Blatt
 
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-rr. 162 Erstes Blatt. Donnerstag den 14. Zuli

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Bekamltmachims,

-etr.: Borttäge Über Obstbau und Gratt-verloosung von Obstbäumeu tn Londorf.

Herr Obstbautechviker Metz auS Friedberg beabsichtigt,

die untenstehenden Orte des KreiieS Gießen an den bezeichneten Tagen zu besuchen zur Abhaltung von Vorträgen über Obst­bau und practtschen Unterweisungen an Obstbäumen.

Sonntag den 17. Juli, Nachmittags 3 Uhr, Bortrag in Londorf.

Nach dem Bortrag findet eine GratiSverloosung von Obstbäumeu, welche im Herbst geliefert werden, statt, an wrlcher sich die Mitglieder folgender Orte sowie neu hiuzu- treteube betheiligeu können: Londorf, Alleudorf a. d. Lda., Allertshausen, Climbach, TreiS a. d. Lda., Odenhauseu, Reffei* bach, WeiterShatn, RüddingShausen, Geilshausen. Gegen Vor­zeigung der Mitgliedkarten wird eine LooSnummer auS-

gehändigt.

Montag den 18. Juli, Abds. 8 Uhr, Vortrag in Allertshausen.

DieuStag 19. 8 Climbach.

Mittwoch 20. 8AlleudorfaLda.

Donnerstag 21. 8 Tret-a.d. Lda.

Freitag 22. 8 , Lollar.

SamStag 23. 8 Grünberg.

Sonntag 24. Nach«. 3 Saasen.

Die practischen Unterweisungen an Obstbäumen finden ftktS an den darauf folgenden Tagen von Vormittags 8 Uhr ab statt, tn Grünberg am SamSrag Nachmittag 3 Uhr.

Den Herren Bürgermeistern gehen noch besondere Mit»

thcilungeu zu. Zahlreiche Betheiltgung erwünscht.

Gießen, den 13. Juli 1898.

Der Vorsitzende des VeretnSbezirkS Gießen: Dr. Wallau, Regierungsrath.

Die Krifis in Spanien.

Wohl kaum hat ein spanischer Ministerpräsident unter -so schwierigen Umständen sein Amt übernommen, wie eS bei Sagasta der Fall war, als er das letzte Mal die Regierung oatrat. Er hatte nicht die Sympathien der Königin-Regentin, eher trotzdem berief diese Sagasta, weil das ganze Land ver­trauensvoll auf ihn blickte, der nach allgemeiner Ansicht allein im Stande war, der Schwierigkeiten Herr zu werden und d°s spanische StaatSschiff durch alle Gefahren hindurch zu steuern, Oit sich demselben entgegenftellren. ES bedurfte wahrlich eines kundigen Steuermanns, da der Klippen zahllose waren sichtbare und unsichtbare. Sagasta dürfte bet Uebernahme btt Regierung insofern vertrauensvoller tn dte Zukunft blicken, il6 sich alle Parteien zur Verfügung stellten und ihre Unter­stützung zuficherten. Conservative und Liberale erkannten, ich die Spanier sich vereinigen mußten, auch die Republikaner Haarten sich um Sagasta, und selbst dte Carltsten vermochten ftr einige Zett ihre Sonderbestrebungeu zu unterdrücken. Spanien gab damals ein schöner Bild der Eintracht, wie eS lot dem kaum dagewesen war. Aber leider hielt die Eintracht nicht lange an und ging in Trümmer, als die Nach­richten von den ersten Mißerfolgen vom Kriegsschauplatz ein* trafen. Mit Bedauern mußte mau wahrnehmen, wie in der Summer heftige Debatten darüber geführt wurden, wem dte Schuld betzumessen sei dafür, daß die VertheidigungSmittel oicht im Stande waren, daß die Vorkehrungen für den Krieg höchst lässig betrieben waren. Alle verkannten, daß nicht dte Meilig am Ruder befindlichen Regierungen die Schuld daran tragen, daß eS vielmehr das seit fast einem Jahrhundert be­triebene System ist, welche- dte Ntedrrlagen herbeiführen muffte.

ES hat Sagasta große Mühe gemacht, die aller Orten An Spanten ausflackerade Revolution zu unterdrücken, über -tiren Umfang wohl kaum authentische Nachrichten in- Aus» land gedrungen find, da dte Regierung strenge Censur übte. 8r konnte energisch durchgreifen, so lange innerhalb de- CabinetS Einigkeit herrschte. Mit dieser ist eS jedoch vorbei, seitdem toeiteie Kreise etnsehen gelernt haben, daß Spanien einen üllspchtSlosen Krieg führt, daß gar nicht daran zu denken fei, tl «erde jemals einen Erfolg erzielen. Zwar sind dte spanischen Landtruppeu noch unbesiegt, auch ist e- nicht aus- -Mloffen, daß diese noch länger Widerstand zu leisten ver- -mbgtö, daß sie um jeden Zoll Lande- auf Cuba tapfer kämpfen tourten. Aber die Hilfsmittel Spanten- find aufgebraucht, rntb seitdem feine Flotte vernichtet ist, gibt eS keine Möglich­

keit, den Truppen auf Cuba in genügenbemHMaßeHProvtaut und Kriegsmaterial zuzuführen,

Innerhalb de- Ministeriums ist infolge dessen eine Spaltung eingetreten, die über Kurz oder Lang zu einer CabinetSkrise führen mußte. Diese soll nun, wenn die Londoner Time-" gut unterrichtet sind, bereit- au-gebrochen sein, indem Sagasta die Demission de- CabinetS der Königin- Regentin überreichte.

Wenn auch diese Nachricht tu dem Augenblick, wo wir diese- schreiben, noch nicht von anderer Seite bestätigt worden ist, so spricht doch Aller sür ihre Wahrscheinlichkeit. Bei Gelegenheit der Bildung des neuen CabinetS dürfte eS sich entscheiden, ob Spanien den Krieg fortsetzen wird oder nicht, und unter diesem Gesichtspunkte dürfte überhaupt dte Be­rufung einer Persönlichkeit zur Uebernahme der Regierung erfolgen.

In den letzten Tagen ist bereits mehrfach der Name de- Marschalls Martinez Campo- als künftigen Minister­präsidenten genannt worden und eS ist nicht unwahrscheinlich, daß der alte Marschall noch einmal tn dte Bresche tritt, um seinem Baterlande seine Dienste zu widmen. Ob freilich tn solchem Falle die FriedenSbeftrebungen gefördert werden würden, ericheint sehr fraglich.- (xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Jnlt. Als Präsident des neuen Reichstages ist. wie dieNationalzeitung" au» Centrum»» blättern entnimmt, Freiherr v. Hertling tu Aussicht genommen als Candidat der Herren Lieber und Bachem gegen den Grafen Ballestrem.

Berlin, 12. Juli. Die soeben erschienene amtliche Be­arbeitung der landwirthschastltchen Betriebs­zählung von 1895 zeigt nicht nur, welche Bedeutung der Laudwirthschaft im deutschen WirthschaftSleben zukommt,- sie ist auch sozialpolitisch tm Allgemeinen außerordentlich lehrreich. Man braucht, so sührt dteNattouall. Corr." auS, nur den Spuren der sozialdemokratischen Kritik zu folgen, die sich soeben daran macht, auS dieser Statistik zu erweisen, wie wenig die Mehrzahl landwirthschaftlicher BerriebSinhaber Anlaß habe, sich mit der Landwirthschaft im Allgemeinen solidarisch zu fühlen. Die Gesammtzahl der landwirthschaft- ltchen Betriebe als Betriebe auch da- kleinste, landwirth- schastlich au-genützte Stück Land gerechnet beziffert sich auf 5,556,900. Davon wären allerdings 3,235,169 Be­triebe oder 45,49 Procent aller Betriebe unter zwei Hectaren oder acht Morgen, von denen der weitaus größte Thetl sicherlich den Inhaber nur soweit selbstständig zu ernähren vermag, als der Boden zu intensivem Gartenbetrieb, zu Obst', Wein', Tabak« und Gemüsebau sich eignet. Freilich ist der allergrößte Theil dieser BetriebSinhaber auf dte In­dustrie, auf Handel und Verkehr und sonstige Lohnarbeit hingewiesen, davon aber hat die Sozialdemokratie noch nichts. Mag sie über da- Bohnen« und Sonnenblumenbeet de» Bahnwärters und den Kartoffelbau des Vorortmaurers oder de- Grubenarbeiter- spotten, tn diesem kleinen landwirth. schaftltchen Besitz ist eines gewurzelt, was in unversöhnlichem Widerspruch zu der sozialdewokratischen Doctrin steht: die Liebe zum eigenen Besitz, die Freude am eigenen selbst­ständigen unabhängigen Schaffen. Der Vorortmaurer und der Grubenarbeiter, der mit Weib und Kind auf sein Stückchen Land hinau-zieht, e- beackert und bepflanzt, hat keine Neigung, diesen Genüssen die rauchgeschwärzte Kneipe vorzuziehen, wo der zielbewußte Genosse gegen dieBefitz- bestie" und was sonst noch donnert. In seinem Kleinbetrieb steckt der Trieb zur Wahrnehmung de- PrivatintereffeS, Sparsamkeit und Nüchternheit, kurz, alle jene Eigenschaften, welche die Sozialdemokratie al-Stegmüllerei" ächtet, nach dem Namen jene- Manne-, der mit Schimpf und Schande au- der Sozialdemokratie hiuau-gestoßen wurde, weil er ge­wagt, sich auf einem Parteitag dessen zu rühmen, daß er mit diesen Eigenschasten sich zu einem seine- Besitze- sich freuenden Menschen hiuaufgearbeitet habe. Darum ist eS mit Dank zu begrüßen, daß die amtliche Statistik eingehender untersucht, welche Theile der Bevölkerung hinter diesen land- wirthschaftlichen Kleinbetrieben stecken. Und da finden wir mit Genugthuung, daß nicht weniger al- 753,517 industrielle Arbeiter als landwirthschaftliche Betrieb-inhaber gezählt find, von denen 214,224 einen bi» zwei, 181,134 zwei bis vier, 132,393 vier bi- acht, 87,321 acht bis zwölf Morgen, 44,773 mehr als zwölf Morgen und mehr als 90,000 weniger al- einen Morgen im Betrieb haben. Mit Be» friedigung verzeichnen wir, daß von den Industriearbeitern, die nebenher Landwirthschaft treiben, auf Maurer, Zimmerer

und sonstige Bauarbeiter 167,000, auf Berg- und Hütten­arbeiter 144,000, Steinhauer und Z egler 46,000, Eisen­arbeiter 39,000 und Textilarbeiter 37,000 entfallen, und daß e» von den in Handel, Verkehr Gast- und Schenkwirth- schäft und wechselnder Lohnarbeit Thätigeu mehr al- zwei Millionen gibt, die Herren eines landwirthfchafllichen Be­triebes find. Nicht allein darum, weil dte großen ®rtrieb»» arten in diesem Theil der Bevölkerung zu der großen Interessengemeinschaft der nationalen Arbeit sich zusammen­schließen gegen den sozialdemokratischen Internationalismus, sondern weil auch gerade für diesen Theil der Bevölkerung gilt, daß er in einem unversöhnlichen Gegensatz zu der Cardinalforderung de» sozialdemokratischen Programm« steht, derVergesellschaftung des capitalistischen Privateigenthum» an ProductionSmitteln", wozu in erster Linie die Expropriation von Grund und Boden gehört.

Der präsumtive württembergische Thronfolger, Herzog Albrecht von Württemberg, zur Zeit Commaudeur der Olga-Grenadiere in Stuttgart, soll, wie derSchwäb. Merkur" erfährt, nach Beendigung der Herbstmanöoer unter Beförderung zum Generalmajor als Commaudeur einer preußischen Cavallerte-Brigade nach Berlin oder Potsdam versetzt werden.

Bom Colonialrath. Die Mitgliederzahl de» Colonialrath- wird aller Wahrscheinlichkeit nach vermehrt werden. Es find, wie dieBoss. Zig." erfährt, an coloniale Gesellschaften deßhalb Anfragen ergangen. Nach delc Ver­fügung deS Reichskanzlers vom 10. October 1890 sollen nämlich die mit kaiserlichen Schutzbrtef auSgestatteten oder in den Schutzgebieten durch die Anlage wirthlchastlicher Unter­nehmung von Bedeutung in Thatigkcit befindlichen Colonial- Gesellschaften aufgesordert werden, auS ihrer Mitte Mit­glieder zum Colovialrath tn Vorschlag zu bringen. In den letzten Jahren find aber mehrere bedeutende wirthschaftliche Gesellschaften tn den Schutzgebieten gebildet worden, die noch nicht im Colonialrathe vertreten find. Da der Colonialrarh schon jetzt 28 Mitglieder hat, so wird ihre Zahl wohl bald 30 übersteigen.

Der Verkauf der russischen Besitzungen des Reichskanzlers, der Herrschaften Weiki und Nali» boki, scheint auf Schwierigkeiten zu stoßen. ES hieß vor einiger Zeit, der Käufer sei ein Bankier in Odessa, Trabortt. DaS bestätigt sich jetzt insoweit, als Trabotti den Kaufpreis vorgeschoffen hat und somit der wirkliche Besitzer wird, während der Kauf allerdings auf den Namen feines Schwieger­sohnes, des Grafen Kapnist, abgeschlossen worden ist. Würde Graf Kapnist von der russischen Regierung als wirklicher Käufer anerkannt, so würden sich weiter keine Schwierigkeiten ergeben. Man scheint jedoch, wenn dieVolkszeitung" recht berichtet ist, auf russischer Seile anderer Ansicht zu sein und wegen der Persönlichkeit deS Schwiegervaters des Grafen Kapnist Einspruch erheben zu wollen. Trabotti ist seiner Herkunft nach italienischer Jude.

Köln, 12. Juli. Auf dem ChlodwigSplatze hierselbft kam eS zu einem scharfen Rencontre zwischen einer tausendköpfigeo Menschenmenge und einem zahlreichen Polizei­aufgebot, so daß die Beamten, als fie von der Menge thät- lich angegriffen wurden, von ihrer Waffe Gebrauch machen wußten. Dte Ursache zu diesem Meoschenauflauf war ein Streit zwischen einem Metzgerdurscheu und einem Metzger- meister, in dessen Verlaus letzterer dem «urschen eine tiefe Kopfwunde beibrachte, so daß dieser blutüberströmt in da» HoSpttal geschafft werden mußte. Durch diesen Vorgang sammelten sich Leute vor dem Hause de» Metzger» an. Da gerade nach Schluß der Fabriken viele Arbeiter die Stelle pasfirten, entstand eine große Menschenansammlung. Man verlangte in drohender Haltung dte Herausgabe de» Metzger» meisterS und drohte die Thür eiazuschlageu. Der Verkehr war lange Zett hindurch vollständig gehemmt. Den Ans- forderungen der Schutzleute, die Straßen zu verlassen, mürbe keine Folge gegeben. Man verhöhnte die Beamten und drängte fie zurück. DaS Polizeiausgebot requirirte die Feuer­wehr und ließ den Platz absperren. Zugleich wurden, der Franks. Ztg." zusolge, Hydranten angeschraubt, um erforder- ltchen Falle» die Menge durch Wafferstrahlen auSeinander- zutreiben. Nach etwa vier Stunden verlies sich dann die Menge. Bei dem Angriff aus die Schutzleute wurden 16 der Excedenten festgenommen.

Arr-lav-.

toten, 12. Juli. Die Blätter melden die Flucht de» spanischen BotschastS-Secretär», de» Herzog» v. Fria wegen Schulden.