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14.4.1898 Erstes Blatt
 
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Erstes

Gießener Anzeiger

Heneral-Neiger

Amt uitb Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Gratisbeilage: Gießener Fmnilienblätter

il 1898.

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noch die Unabhängigkeit Cuba» sofort proclamireu will. Ueder -kurz oder lang gilt der Krteg doch als unvermeidlich. Mac

Taschextract

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzerger entgrgar.

Annahme eea Anzeigen zu der Nachmittags für den ^»lgeuden Lag erscheinenden Nummer bis Sorm. 10 Uhr.

ade«, reinigt

In Sprenger«

Expedition und Druckerei: Fchnkßrng« Mr. 1.

Leonberg, 12. April. Sonntag Nacht >/t10 Uhr brach in einem von vier Familien bewohnten Hause, und zwar in den unteren Räumen, Feuer ans. Dre Treppen standen sofort in Flammen, so daß die Bewohner fich durch die Fenster retten mußten. Ein Kind ist dabei verbrannt. Ein alter Mann erlitt so schwere Brandwunden, daß er gestern im Spital verstorben ist. Auch der Vater deS verbrannten Kindes erlitt erhebliche Brandwunden und liegt im Kranken- Hause. Sine zum Besuch anwesende Frau aus Cannstadt brach bet dem Sprung auS dem Fenster einen Fuß. Die Feuer- wehr konnte die Nebengebäude retten.

Professor Mommsen erwartet. e m (

Ruhrort, 12. April. DaS große Kaufhaus Gerson u. Co. steht in Hellen Flammen. ES scheint größten- rhetls verloren zu sein.

Adresse für Depeschen: Za,ei,er Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

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blenz a Rh.

trbtmtt'dtt bei mih. Wti me(L W. Achtermann, t imatnlranlt, 8-e-t'sdors,

Nezagspret» vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg- monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn-

Gei PoSb^ug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Ziehung unbegründet.

Berlin, 12. April. DemBerl. Tagebl." wird aus Madrid telegraphtrt: Die Regierung erhielt den Wortlaut 4er Botschast Mac KinlehS erst spät in der Nacht. Die Botschast macht keinen günstigen Eindruck, obwohl der Präsident die Insurgenten weder als Krirgepartri anerkannt,

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Sroz, 12. April. In der LaodeScouferenz der Bäcker- g e hilf en Steiermark- wurde der S trik e beschlossen, wenn nicht die vollständige Sonntagsruhe, eine neunstündige Arbeits­zeit, ein Mtntmalwochenlohu von 9 st., freie- Gebäck, Ab- fchaffuvg von Kost und Logis bei den Meistern bewilligt werden. Ferner wurde die Einberufung einer Retch-conferenz der Bäcker Oesterreich- beschlossen behufs Proclamiruug de» GeneralstrikeS.

Triest, 12. April. Bor dem Absteige-Quartier des hier eiugetroffeoen Bürgermeisters Lueger dewo.'strtrteu Nacht- mehrere Hundert Socialdemokraten, welche Lueger eine Katzenmusik machten. Die Polizei nahm mehrere Der- Haftungen vor.

Rom, 12. April. Gutem Vernehmen nach wird der Osservatore Romano" heute Abend die auf da- Borgeheu de - Papste- in der cubanischen Frage bezüglichen Schrift- stücke veröffentlichen.

London, 12. April. Die hiesige Geschäftswelt beurtheilt die Botschaft Mac Kinleys friedlich. Die Journale verhalten sich aber sehr reservirt. Au- New-York wird ge­meldet, daß die amerikanische FrtedeoSpartei wieder recht zu- verfichtltch auftrete und den Frieden nur dann für gefährdet halte, wenn Spanien den Krieg erklären solle. Eine hervor­ragende Persönlichkeit New Yorks gab ihrer Ansicht dahin Aus­druck, daß nunmehr die amerikanische KrtegSlust eine- lang­samen Todes sterbe.

Loudon, 12. April. Nach hier rtngegangenen Meldungen aus Havanna verursacht dort große Ueberraschung, ja fast Bestürzung, der Beseh! von Madrid, die Feindseligkeiten gegen die Insurgenten eiuzustelleu. Blanco berief den Cabioet-rath, der bi- Mitternacht tagte. Dann versammelte Blanco alle in Havanna befindlichen Offiziere. Es wurde beschloffen, um genaue Instruction und um Erklärung der Ordre sofort nach Madrid zu kabeln.

Petersburg, 12. April. Die Geheimpolizei verhaftete 86 Personen der verschiedensten GesellschaftSklaffen, darunter 64 Studenten und Studentinnen. Au- den Vorgefundenen Broschüren und Büchern soll hervorgrhen, daß die Verhafteten fich socialistischer Agitationen schuldig gemacht haben. In Moskau, Kiew und Odeffa haben gleichfalls Verhaftungen stattgefuudeo.

Petersburg, 12. April. Der mit 22,000 Pud Mehl, welche Kaiser Nicolau- den No thleid enden auf Kreta spendete, nach Kreta abgegangene russische Dampfer ist dort etngetroffen. Admiral Skchdlow wird die Bertheilung de» Mehle« zum griechischen Osterfeste vornehmen.

Madrid, 12. April. Trotz Gewährung deS Waffen­stillstandes hegt die Regierung nur geringe Hoffnung auf Erhaltung des Friedens. Man ist überzeugt, daß die In­surgenten den Waffenstillstand zurückweisen werden und daß Amerika die Annexion der Insel austreben wird. Die Sprache der Militärblätter ist geradezu revolutionär. Die Regierung confiScirte da- Organ WeylerS:National" und inhibirte mehr als 300 Zeitung- Depeschen.

Washington, 12. April. Sofort nach dem letzten CabiuetS- rath erhielt das fliegende Geschwader, welche- gestern Nacht Old-Point verlaffeu sollte, versiegelte Ordre-.

Washington, 12. April. Der vom Geueralconsul Lee über die Lage auf Cuba erstattete Bericht veranschlagt die Zahl der von der Landbevölkerung in den cubanischen Pro­vinzen am Hungertode Gestorbenen auf 200000. Der Bericht schildert die Lage der Bewohner der Insel in düsteren Farben und beschreibt verschiedene gräßliche Scenen, so sollen z. B. in der Stadt Havanna selbst etwa 460 sterbende Frauen und Kinder wie Thiere zusammengepfercht mit bereit- Ge- storbrneu zusammen auf der Erde liegen, ohne daß auf Rein­lichkeit die geringste Rücksicht genommen und ohne daß ihnen die geringste Hilfe gewährt werde. Sie sollen nicht einmal Waffer erhalten können.

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Erscheint tägNch mit Ausnahme deS Montags.

Di« Gießener IM«itieaStätter Derben dem Anzeiger W-chentltch viermal bcigekgL

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unge Männer, welch; w gernftalt besuchen oder be- 1 Serben beabsichtigen, sind Zeugnissen belegt, durch ihn >rr hsuvAdt ihrer Provui), ; die Argenneisierei Mainz, aus Oberhesseil an im 1. Mai d. I. gelangen

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Berlin, 12. April. DerLocal-Anzeiger" erfährt zu dem Telegramm des Kaiser- an den hiesigen britischen Botschafter Str Frank La-celle- mit Bezug auf den Sieg »er Engländer, der Kaiser habe der hiesigen großbritannischen Botschaft witgrtheilt, er habe au- Kairo erfahren, daß eine entscheidende Schlacht im Gange sei- er bäte, sobald e» Möglich sei, um eine Nachricht über den Verlauf und Au-gang de» Gefechte». Diese Anfrage sei, so berichtet derLocal- Anzeiger" weiter, Nachmittag- zwischen 2 und 3 Uhr erfolgt «vd bereit» um 8»/, Uhr Abend» habe der Kaiser die ent- sprechenden Mitthetlungeu erhalten. Die Antwort de- Kaiser» und da- Glückwunschtelegramm trafen bei der Botschaft nach Mitternacht ein. General Kttchener und der englische diplo­matische Agent in Kairo haben an den Kaiser bereit» ein Danktelegramm gesandt. Heute Vormittag fand ein Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und der Königin Dic^ria Katt.

Berlin, 12. April. DieNordd. Allgem. Ztg." stellt gegenüber den neuerdings verbreiteten Gerüchten von bevor­stehenden Veränderungen au der Spitze einzelner preußischer Ministerien, insbesondere derjenigen des Innern und des CulluS, officiöS fest, daß ein Wechsel in dea leitenden Stellen weder zur Zett in Frage steht, noch für später in» Auge gefaßt ist. Die Gerüchte seien in jeder Be-

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Kinley- Angriffe auf Spanien rufen einen deprtmireuden Eindruck hervor. Sagasta sagte, noch niemals habe ein Staatsoberhaupt tu einem osficiellen Aktenstücke tu einem derartigen Tone zu einer fremden Regierung gesprochen. In .der militärischen Partei herrscht große Aufregung.

Berliu, 12. April. DerRetchsauzetger" veröffentlicht einen Erlaß des Staat-miuisters des Innern audie Oberpräfidenten der Provinzen mit gemischt sprachlicher Be­völkerung vom heutigen Tage. Ja diesem Erlaß heißt e». In den Provinzen gemischt sprachlicher Bevölkerung und nationaler Gegensätze liegt die Aufgabe der Staatsregierung, das deutsch'nationale und preußische StaatSbewußtsein in der Bevölkerung zu stärken, legt auch den Beamten de» Stabes und der Gemeinden einschließlich der Lehrer besondere Pflichten auf. ES liegt ihnen ob, den vaterländischen Grift zu kräftigen und die darauf gerichteten Bestrebungen der deutschen Be- bölkrrung zu unterstützen. Wenn die Gelegenheit geboten ist, soll auch außerdienstlich eine rege Mitwirkung bei allen be- rechttgten Bestrebungen zur Hebung deutscher Wohlfahrt stattfinden. DaS Staatsministerium weist in dieser Richtung vorzugsweise hin auf die Begründung von wirthschaftlichen Genoffenschaften, die Bereitstellung deutscher, der Bevölkerung zugänglicher BildangSmittel, die Grüadung und Erhaltung patriotischer Vereine, die Schaffung geselliger Vereinigungs­punkte, die Unterstützung der in ihrer Existenz und deutschen Nationalität gesährdeteu Bevölkerungtklaffen und Einzelner, die Förderung von Heilanstalten u. s. w. Dabei ist jede» aggressive Vorgehen gegen die fremdsprachliche Bevölkerung zu vermeiden und den willigen Elementen derselben die Theilnahme überall offen zu halten. ......

Berlin, 12. April. DieVosfische Zeitung" schreibt. Der Profeffor der Kunstakademie und Historienmaler Otto Knille ist in Meran gestorben.

Homburg v. d. H., 12. April. Der Kaiser reist am Douner-tag nach Wiesbaden, woselbst erodier Tage verbleibt. Er gedenkt daselbst allabendlich das Theater zu besuchen. Am 18. dS. wird er wieder nach Homburg zurückkehren und daselbst bis zu seiner Abreise zu den JubiläamSfeierltchketteu nach Dresden verbleiben. Der Aufenthalt der Kaiserin dürfte noch vier 2Bot* m währen. Die kaiserlichen Prinzen, welche heute nach Plön abretsen sollten, werden noch bis Ende dikstt Woche hier derbletbeo. Heute trafen zum Bor» traue beim Kaiser der ®taat«ftcntär be« WartmamiS, Eontriadmiral Ttrpitz und der Ches de« Martuecubiuet-, Eoutreadmiral Frhr. c. Seudeu-Bibran, hier -in. Morgen «erden der Sh-s de« CivilcabinetS, Dr. v. LucanuS, und

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Persoualte». ®e. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Oberamt»richter bet de« Amtsgericht Osthofen, Friedrich Christian Dahlmann, auf sein Nachsucheu in den Ruhestand zu versetzen, den Sret»- schuliuspector bei der KreiSschulcommifftou Heppenheim, Philip» Teib, zum KretSschultnspector bet der Kretrschulcomwifsiou Bingen, und den Lehrer am Tchullehrersemiuar zu BeuS- heim, Franz Sch rod, zum Kreirschulinspector bet der Krei»- schulcommiffion Heppenheim zu ernennen, dem Amtsrichter bet dem Amtsgericht Mainz, August Hattemer, de« Character als AmtSgerichtSrath zu verleihen, den provisorischen Lehrer am Schullehrersemtnar zu Friedberg, Konrad Alle», zum Lehrer an dieser Anstalt, den Amtsrichter bet dem Amtsgericht Ortcaberg, Heinrich Gtller, zum Oberamt», richter bet diesem Gericht, und den Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, Max Schilling- Trygophoru» zum LaudgerichtSrath bei diesem Gericht z« ernennen., ,

* KeiegerkameradfchaftHafsia". Einer sicheren Nach- richt zufolge beabsichtigt Herr Oberstlieuteoant Caspary krankheitshalber da» Präsidium der Kriegerkameradschaft Haffta" uiederzulegen. Diese Kunde wird alle Mit. glteder derHaffta" mit tiefem Bedauern erfüllen. Die Er­nennung eine» Nachfolger» wird durch den Großherzog, de« Protektor derHaffta", erfolgen.

Der 15. deutfche Feuervehrlag wird in der Zeit vom 9. bi» 12. Juli d. I. in Charlotte uburg stattstaden. Mit dem Feuerwehrtage ist eine Ausstellung von Feuerlösch- geräthschaften und allen Erzeugniffen, welche mit dem Feuer­wehrwesen in Zusammenhang stehen, tu Aurficht genommen. Der Preis der Theilnehmerkarte beträgt Mk. 3.50 Die Karte berechtigt zur Theilnahme an den Berhandlangeu und Versammlungen, zum Besuch der Ausstellung während der ganzen Dauer derselben, und gewährt Anspruch auf freie» Quartier, sowie auf die von den Eisenbahnverwaltungen ge- währten Fahrvergünsttgungen. Anfragen find zu richten zu Händen des HauptauSschuffe», Charlottenburg, Feuerwehr- dienstgebäude.

Wetterbeeicht. Mit Ausnahme des äußersten Süd- westen- bedeckt wieder ein sehr unregelmäßig vertheilter Druck ganz Europa. DaS Hauptcentrum desselben liegt über der Nordsee. Die Witterung ist auf unserem Gebiete unbe­ständig, zeitweise unruhig und stellenweise Niederschläge. Dir Temperaturen sind zurückgrgaugen. Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch unbeständig.

Bahuprojecte. EinemEingesandt" entnimmt die Darmst. Ztg.": In jüngster Zeit schwirren, seitdem man hier mit einem Eisenbahnproject an den Tag getreten ist, allerhand mögliche und unmögliche derartige Projekte durch die Lust. So wird neuerdtug» im Anschluß an Kircyhain Nieder Gemünden vielfach von eioemProject Nieder- Gemünden GroßfeldaKestrich-Thal zwischen Stumpertenrod und Köddingen über den sogen. Wannhof mit Bahnhof Ulrichstein- Helpershain nach Schotten und von Ulrichstein ab Kreuzung nach Herbstein gesprochen. Sehen wir einmal von der Schwierigkeit, von Nteder-Gemünden nach Großfelda zu kommen, von vornherein ganz ab, so ist doch sehr zu bedenke«, ob es überhaupt möglich, auf einer Strecke von 10 Kilometer bi» zum Wannhof eine Steigung von über 300 Meter yt überwinden, zumal fast gar keine Gelegenheit gegeben ist, einigermaßen bedeutende Curven einzulegen. Außerdem würde diese Bahn außer Großselda gar keinen bedeutenden Ort be- rühren- Stumpertenrod, der einzige größere Ort aus dieser Linie, würde eventuell gemeinschaftlich mit Köddingen an de« östlichen Abhang einen Bahnhof bekommen, d. h. gerade so weit zur Bahn haben, wie bei der bereit» vorgeschlagene« Linie dem Ohmthal entlang. Auch müßte e» bei dem Groß- ftldaer Projekt erst einen neuen Weg zum Bahnhof bauen, ebenso Köddingen. Sollte ferner ein Anschluß nach Schotte« versucht werden, so könnte ein solcher nur unter Ueberwindung sehr bedeutender Schwierigkeiten ermöglicht werden- u. a. müßte auch der Bahnhof in Schotten verlegt werden usw. Bezüglich der Rücksichten aus den MobtlmachungSsall käme noch mehr die Linie MückeUlrichsteinHerbstein in Betracht, denn in einem solchen Falle würde Gießen eine ganz andere Bedeutung gewinnen, wie Kirchhain oder Marburg, und würde durch unsere projrcttrte Nebenbahn ebenso gut eine Entlastung der Bahnliaie KaffelGießenFrankfurt, sowie der andere« in Gießen einmündeuden Bahnen gegeben werden, indem man

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