Ausgabe 
14.1.1898 Zweites Blatt
 
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Die Frage, ob eS richtig ist, statt eineß festen Abonne« arenlßpreiseß, für die Benutzung deß Telephonß eine jedeß- malige Gebühr zu verlangen, wird nicht nur bet unß, sondern auch in vielen anderen Ländern sehr lebhaft ventilirt. In Rew-Uor?, daß jetzt mit Stolz darauf hinwetst, die größte Zahl der Abonnenten zu haben, nämlich 21OOO, während dißher Berlin au der Spitze stand, wird der Zuwachs von 4500, welche daß letzte Jahr brachte, dem Umstande zuge­schrieben, daß der festzuzahlende Preis sehr herabgesetzt und Lafür die Etnzelgebühr eingesührt wurde. Allerdings nicht absolut, steht im Belieben deß Abonnenten, sich für daß eine oder andere System zu entscheiden. Uebrigeos ist selbst der Minimalpreiß, der dort entrichtet werden muß und für welchen man daß Recht hat, 600 Gespräche im Jahr zu Mhren, immer noch ein weit höherer, alß er in Deutschland überhaupt ist, nämlich 300 Mk., während der nach dem anderen System zu zahlende nicht weniger alß 960 Mk. jährlich be­iträgt. Berlin ist, soweit große Metropolen in Frage kommen, entschieden am billigsten. In London stellt sich, infolge der riesigen Entfernungen und einer zuerst beobachteten falschen Methode, durch die immer eine ganze Menge von Telephon' amtern bei fast jedem Gespräch in Bewegung gesetzt werden, Ger Preis recht hoch, und auch in Parts beläuft er sich auf Lber 300 Mk. im Jahr. Daß einzige Land, tu dem daß System der Etnzelgebühren vollständig durchgesührt, ist biß jitzt die Schweiz, und daß System bewährt sich außgrzetchuet, renn dieser kleine Staat ist in Bezug auf die Entwicklung Ser Telephonverbindungev in erster Reihe. Daß ganze, aller- 3tngß ja nicht große Entfernungen aufwetsende Land, ist mit «rtnem Telephonnetz überspannt, und daß Telephon wird dort ton Stadt zu Stadt viel mehr benutzt, alß der Telegraph.

Telephongebühren.

Unter den auf postalischem Gebiete geplanten Reformen, die in einiger Zeit zur Ausführung gebracht werden sollen, wenn der Reichßtag fttne Genehmigung dazu erth-ilt, nimmt die Ermäßigung der Telephongebühren einen her­vorragenden Platz ein. wird sich dabet um eine vollstän- k-ige Umgestaltung deß ganzen Gebühreushstems handeln, dte Gen Benutzern deß Telephons voraußfichtlich sehr willkommen ß:in dürfte. DieBerl. Börs.-Ztg." bringt darüber Mit- «-eilungen, die augenscheinlich auß dem Retchrpostamt her- stammen und die Reform in folgender Weise sktzztren: Liegt eine gewisse Unbilligkeit darin, daß für einen Telephon- Äpparat eine Jahresmiethe von 150 Mark bezahlt werden rnuß, von dem ebenso, der Monate lang auf Reisen ist und während dieser Zeit den Apparat gar nicht benutzen kann, wie von dem, der Tag auß Tag ein fast ununterbrochen die Lelephouleitungen und die Telephoubeamtrn in Anspruch nimmt. Schon längst war deshalb daß Bestreben darauf ge­dichtet, dte Bezahlung der Telephon-Apparatmtethe in eine feste Gruudtaxe und in eine Gebühr für die einzelne Benutzung cinzutheilen. Es fehlte nur der Gesprächszähler, der zuver- * Lrsfig genug functionirte. Zahlreiche Versuche mißlangen, alle eleetrtschen Apparate zeigten nach kurzer Zeit Mängel, hie sie ungeeignet erscheinen ließen. Jetzt ist ein solcher mechanischer Gesprächszähler conftruirt, der automatisch sunc- tionirt, und bet jedesmaliger Benutzung des Telephons die fortlaufende Gesprächßzahl anzeigt. Dir Nummertrung geht i> 10000 und fängt, wie bei den Gasmessern, automatisch wieder von vorn an, sobald dte Ziffer 10000 überschritten ist. Dte Anbringung beß Zählerß au den Telephon-Appa- raten ist ohne erhebliche Kosten und Schwierigkeiten zu be­teilten. Ist der Zähler vollends erprobt und eio geführt, so soll die feste Jahresmiethe für den Telephonanschluß auf 50 Mark herabgesetzt und daneben für die jedesmalige Be- »atzuug des Telephons eine Gebühr entrichtet werden, die aber nicht für alle Theilnehmer die gleiche ist. Die tele­phonisch Angeschloffenen sollen vielmehr in drei Kategorien gethellt werden. Die erste soll die Anschlüsse in Privat­wohnungen, dte zweite die in Geschäftsräumen, dte dritte dte «tt Orten freien Verkehrs, wie Hotels, Restaurationen, Clubs n. s. w. umfassen. Die Gesprächsgebühr soll für dte erste Kategorie 1, für die zweite 2, für die dritte 3 Pfennig be­tragen. Dte Mitglieder der dritten Kategorie, dte gleichsam all private öffentliche Fernsprechstelle betrachtet werden, sollen berechtigt sein, für die Benutzung ihrer Apparate von den Benutzenden eine Gebühr bis zu 5 Pfennig zu erheben. Na­türlich steht auch in ihrem Belieben, dte Benutzung ihren Kunden und Besuchern unentgeltlich zu gestatten."

vermischtes.

* Berlin, 8. Januar. Bet dem Brande der Borfig- tzchen Mühle tn Moabit am 31. December find annähernd <000 Lentner Mehl und 5000 Lentner Kleie verbrannt. Begünstigt von dem herrschenden starken Westwinde, fing um 20 Uhr auch der eigentliche Speicher Feuer. Die Mühle liegt hart an der Spree. war ein großeß quadrattscheß Gebäude mit fünf Stockwerken und 13 beziehungsweise 34 Fenstern Front. Nur auf etwa zehn Meter Entfernung Sonnte fich dte Feuerwehr, dte in drei Compagnien mit 35 Löschzügen erschienen war, der colossalen Hitze wegen dem Ircnnenben Gebäube nähern. Ja bem Speicher lagerten an­nähernd 52 000 Centn» Getreide. Alle Anstrengung war ««sonst, nichts war zu retten, alß etwa 18000 Lentner «leie, dte in einem kleinen Wellblechschuppen westlich der Mühle lagerte».

sichendes Fahrrad abhanden. Am anderen Morgen i stellte ec sich au der betreffenden Wirthschast auf die Lauer, um die von Heusenstamm ankommenden Radfahreradzu- fassen". Nachdem er mehrere Unschuldige angehalten, kam ein Mann mit seinem Rad angefahren. Dieser erhielt nun oon dem Schlosser arge Prügel und daß Rad wurde ihm abgenommen. Der Verletzte ist ein Maurerparlier aus Heusenstamm, der mit dem ihm bekannten Schlosser einen ^schlechten Scherz" gemacht haben will, den er jetzt schwer büßen muß, denn die erhaltenen Verletzungen find derart, daß er krank darniederlteat._____________________________

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* Hamburg, 11. Januar. Der FallRantzau". , Jnspector BrunS veröffentlicht solgeude Berichtigung I der von unß übernommenen Mtttheilungen derHamb. )?achr.": ist unwahr, daß ich tn die Häuslichkeit beß kranken Fürsten etngebrungen bin, baß ich im Hause Frled- richßruh vor bem Gespräch mit bem Grafen Rantzau em­pfangen wurde, und daß daß gewerbliche Bedürfniß der Be­schaffung geldwerther Neuigkeiten mich zu der Reise nach FriedrichSruh veranlaßt hat. Ich habe nur in der Pförtner­bude am äußern Gitter gewartet, bis der Pförtner meine ihm übergebene Karte dem Grafen Rantzau ober bem Dr. Lhrhsanber gebracht hatte. Nach etwa 10 Minuten kam Herr Dr. Chrhsanber in bte Piörtnerbube und sagte zunächst, er bürfe keinerlei Aukkunst geben, bemerkte dann aber, alß ich ihm die Londoner Depesche zeigte, der Fürst befinde fich nicht schlechter, ich dürfe jedoch unter keinen Umständen mittheilen, daß diese Auskunft von ihm komme. ES ist unwahr, daß der Pförtner mir untersagte, den Grafen Rantzau anzureden. Im Gegenthetl sagte er mir, als Dr. Chrysander wieder inS Schloß zurückgekehrt war j und ich fortgehen wollte:Da kommt Graf Rantzau selbst", \ und zeigte mir, wie er jenseits der Bahn den Hohlweg herunterschritt. Lediglich um bem Herrn Grafen die Depesche auß London zu zeigen und von ihm selbst die Form zu er­bitten, in der ein Dementi der Familie erwünscht sei, redete ich den Herrn Grafen an. 4. Daß bte Ausdrücke beß Herrn Grafen, so tote ich fie sofort nach dem Zusammentreffen niedergeschrteben habe, wirklich gefallen find, bin ich bereit, jederzeit eidlich zu erhärten." Man wird nunmehr die Ver« Handlung des von BrunS angestrengten Beleldigungsprozeffeß abtoarten müssen.

* In Berlin starb am 10. Januar infolge eineß Schlag- anfallrß (nicht, wie vielfach gemeldet wurde, infolge Selbst­mords) der alleinige Inhaber deß Welthauses Rudolph Hertzog, Her Rudolph Hertzog, im Alter von kaum 46 Jahren in seiner Wohnung, Breitestraße 16. Nach dem Tode seineß Vaterß war er tn die Firma al« Teilhaber etvgetreten und führte fie feit April 1896 völlig selbstständig auf eigene Rechnung. Vor etwa vierzehn Tagen erkrankte er sehr schwer, das Leiden steigerte sich beständig, bis ein Gehirnschlag eintrat und dem Leben deS rastlos thätigen Manneß ein frühes Ziel fetzte. Herr Hertzog hinterlaßt von erbberech- tigen Angehörigen nur einen 17 jährigen Sohn auß erster Ehe. Die Fortführung deß coloffalen Geschäftsbetriebes, der unter der Leitung beß jetzt Verstorbenen fich nahezu ver- boppelt hatte, ist in ber bisherigen bewährten Art für Rech­nung beß Erben unb mit betreiben großen Mitteln wie bißher gesichert.

Sin ganz Schlauer. Um feinen Bebarf an Roheiß billig zu becken, trug ein Bterverleger in Prenzlau feinen Keller voll Wasser, in ber frohen Erwartung, daß recht halb Frostwetter eintreten unb fein Eiskeller bann fertig fein werde. Aber, was er erhoffte, trat leider nicht ein, baß Waffer bleibt Waffer. ES suchte fich weitere Bahn, brang in bte Nachbarkeller ein, wo die Kartoffeln, leere Faftagen unb was sonst schwimmfähtg war, fich lustig auf den Wellen zu schaukeln begann. Schluß: Großer Scanbal im Hause, Zuhilfenahme beß Gerichts wegen Regreßansprüche. Zum Patent bürste Herr L. seinen Eiskeller, obwohl tiefer neu unb eigentümlich ist, kaum anmelben.

* Den Berliner Droschkenkutschern wirb mit Recht große Höflichkeit nachgerühmt; Weitgereiste behaupten sogar, baß fie in keiner anderen Großstadt gleich zuvorkommende Ross:- lenker angetroffen hätten. ES ist somit von Interesse, nach- zuipüren, aus welchen Elementen die Berliner Droschken­kutscher, namentlich diejenigenerster Güte", hervorgegangen find, und da findet man die überraschende Thatsache, daß wohl gut d'e Hälfte ihren Beruf verfehlt unb nur durch allerlei widrige Umstände zu Peitsche unb Zügel gegriffen hat. Ehemalige Cavalleristen schlagen ganz natürlich mit Vorliebe eine Lausbahn ein, bie mit Pferdepflege verbunden ist- auch Handwerker aller Art fiod vertreten, denen hierbei ihr eigentliches Fach sehr zu statten kommt, unb ebenso Kauf­leute jeber Branche, welche lange StellungSlofigkeit auf blefen nicht mehr ungewöhnlichen Weg gedrängt hat. Doch das ist Alles noch nichts gegen diestudirten Schwarz- unb Weiß- lacklrten". Unter den Berliner Droschkenkutschern befinden fich thatsächlich akademisch gebildete, heruntergekommene Leute, die mit Spitznamen wieDoctor",Professor",Consistorial- rath" und ähnlichen in Kutscherkreisen allgemein bekann<find. Mehrere von ihnen haben bei der Garde alß Einjährig- Freiwillige gestanden. Unter solchen Umständen ist kein Wunder, daß der radebrechende Fremde ganz verdutzt wird, wenn ein Berliner Droschkenkutscher englisch ober französisch spricht. Uebermäßig stolz ist ja bte Gilde auf ihreGelehrten" nicht, aber baß thut bem kameradschaftlichen Zusammenhalten keinen Abbruch. Gewöhnlich halten auch jene bedauerns- werthen Gesunkenen auf dem Katscherbock nicht lange auß, wenn sie auch nur selten sich wieder emporschwingen.

Die Abnahme der Kleinbetriebe. Nach der vorläufigen Zusammenstellung ber Berufszählung vom Jahre 1895 hat die Gesammtzahl der Hauptbetriebe in Gewerben in den Jahren seit 1882 um 4,6 pCt. zugenommen. Diese Zu- nähme bleibt hinter ber Bevöikerungßzunahme nicht unwesent- lich zurück. Die kleinsten Betriebe haben nicht nur nicht zugenommen, sondern um 5,3 pCt. abgenommen. Die mittleren Betriebe weisen dagegen eine mit der Größe steigende Zunahme auf. Am stärksten haben die Großbetriebe ^genommen. Hand in Hand damit geht die Erscheinung, daß die Zahl der auf die BetriebSinhaber entfallenden Htlfs- personen unb Arbeiter zugenommen hat. Währenb 1882 auf 100 Betriebsinhaber 425 Arbeiter kamen, entfielen im Jahre 1895 auf biefelbe Zahl von BetrirbSinhabern 570 Arbeiter. Diese Zahlen bekunben bentlich, baß die Aufsaugung der Kleinbetriebe durch die Großbetriebe ständig fortschreitet. Am günstigsten sind noch die Verhältnisse tn der Landwirthschaft, am ungünstigsten im Gewerbe.

Stu kritischer Moment. Die Depesche, welche bieJSnt-

sagung beß Prinzen Anton von Hohenzolleru im Name« seines Sohnes Leopold auf ben spanischen Thron melbete, war gerade in Paris angekommen unb befanb fich in den Händen Napoleons III. Unter ben wenigen Anwesenden herrscht bange Stille. Dem Herzog von Grammont, der den Mund öffnen will, winkt der Kaiser, zu schweigen. In einer Fensternische lehnt Eugenie, fich leise mit ihrem Günstling, dem italienischen Gesandten Cavaliere Nigra, unterhaltend und von Zeit zu Zeit zu ihrem Gemahl hiuüberschielend. Stumm und regungslos fitzt dieser iw Lehnstuhl, den eigen« thümlichen starren Blick, aus dem schwer ein Gedanke heran«- zulesen war, auf daß wichtige Papier geheftet. Niemand wagt, ihn in seinen Grübeleien zu stören. In seinem Kopfe bekämpfen fich Krieg unb Frieden, von bem jetzt von ihm zu faffenben Beschluß hängt ja, wie oft schon, bar Schicksal seineß Lanbeß, hängt bte Ruhe Europa« ab. Da regt fich der stumme Mann, wirft matt ben Kopf zurück unb spricht mit ber bekannten näselnden Metallstimme dte bedeutsamen Worte:Je vais encore une foia donner au monde un grande exemple de ma moderation . . .* »De ton avachissement!" schrillt alsbald eine scharfe Frauenstimme dazwischen, und Eugenie, wild auffahrend, reißt dem Kaiser die Depesche auß der Hand und zerknitterte fie in fieberhafter Erregtheit. Der Pavtoffel-DeSpotiswuS war bamatß schon längst bei dem acuten Stadium angelangt, ein Widerstand Seitens Napoleons unmöglich. Zwanzig Minuten hatte er gebraucht, um fich für den Frieden zu entfchließev; in einer Secunde hatte Eugenie fich für den Krieg entschieden.

* Spaß muß sein. Am Eingang zum städtischen Re- doutenhaus tn Erlangen (Bayern), einem auß ber Mark­grafenzeit ftammenben Gebäube, tn bim in der Coocertsaisov Sänger und Clavierkünstler coucertlren, fand fich am frühen Morgen eine jener Tafeln angehestet, wie sie in ben letzten Wochen vielfach an bin Grenzmarken umliegender Gemeinden zu sehen waren. Die Tafel, die ein Spaßvogel jebenfallß auch von dort in duvkler Nacht weggeschleppt, trug nach der Frkf. Zig." die Aufschrift:Warnung wegen Außbrnchß der Maul- unb Klauenseuche."

LiebeSdrama. In der Rue Drouot vor dem Hotel beß Bentes inParis stürzte fich bie Arbeiterin Leontine Ducouffo auf ihren ehemaligen Geliebten, ben Schueiber Jean Berbier und warf ihm eine Bitriolflasche ins Gesicht. Berbier zog seinen Revolver, schoß ihr eine Kugel burch ben Kopf, warf fich dann auf bie am Boben Liegenbe unb tödtete fie mit drei weiteren Schüssen volleubß. Leontine hatte schon vor einem Jahre einen Morbversuch auf ihren Geliebten gemacht und war deswegen zu acht Monaten Gesängniß verurtheilt worden. Seit ihrer Freilassung ging Berbier nur noch mit einem Revolver auß. Berbier, ber ziemlich schwer verletzt ist, erklärte nach seiner Berhaftuug, er freue fich, nun end­lich Ruhe zu bekommen.

Man ist in Krankreich einer, wie scheint, im Großen betriebenen schauerlichen Brodverfälschung auf die Spur gekommen. Auf dem Bahnhofe von Havre wurde« 1000 Kilogramm Holz-Sägemehl, wie alß Abfall auß de« Sägemühlen unb Schreinerwerkstätten kommt, mit Beschlag belegt; e« war bort für einen gewissen Feffat bestimmt. Diese Beschlagnahme erfolgte auf bie in verschiedenen Städten erhobenen Klagen über schlechte Beschaffenheit beß Brobeß, besonders in ben Departements Eure, Calvados unb untere Seine. Der genannte Feffat war gleichzeitig verhaftet worden. Er pflegte selbst in Paris ungeheure Mengen Holz-Sägemehl aufzukaufen, baß in ganz befenberer Weife noch zubereitet war, sodaß e« ganz unb gar feinem Mehle glich. Dieses zu- bereitete Holzmehl theilte er dann den ihm ergebenen Müllern zu, bie ihrem Weizenmehl beimischten. (!) Da baß Holz- sägemehl so gut wie nichtß kostet, ber Schwindel aber schon zwei Jahre uugehinbert betrieben worben ist, so kann man sich benken, baß biese Kerle ein ziemliches Stück Gelb an ihrem Höllengemisch verdient haben. Man erzählt fich, baß in baß Departement Eure allein 500 Bahnwagenlabungen, in anberen Departements mehr als 5000 Wagenlabungen eingesührt worben find. Da bieseS Holzbrod sehr schwer verbanlich ist unb außerbcw noch einen ganz besonderen Ge­ruch hat, so erscheint unbegreiflich, daß zwei Jahre ver­gehen konnten, bevor man gegen diesen Feffat und Gevoffen emschritt.

Univevsttäts - Nrrehvichteu.

Berlin, 10. Januar. Wie dieKreuzzeitung" von zuver- läsiifler Seite erfährt, haben die Verhandlungen über die Berufung des Conststorialrathes Proscsior Cremer an die theologische Facultät der Universität Berlin zu keinem Resultat geführt.

In Leipzig fand am 3. d. Mts. die feierliche Einweihung deS neu errichteten phystcalisch-chemischen Institutes statt.

Heidelberg, 11. Januar. Heute Nacht verschied an einem Herzleiden im Alter von 52 Jahren Geh. Rath Erwin Rohde, Vertreter der klassischm Philologie an unserer Universität.

In Halle beging am 11. d. Mts. der Professor der Zoologie an der dortigen Universität, Dr. Ernst Taschenberg, die Feier deS 80. Geburtstags.

Kiel, 10. Januar. Der Kaiser sandte Professor Esmarch zum 75. Geburtstage einen telegraphischen Glückwunsch, der nach der ^Kieler Zig." lautete:Mägen Sie der Wissenschaft, insbesondere der Chirurgie, die Ihnen so viel verdankt, zum Segen der Mensch­heit noch lange erhalten bleiben."

In Wien ist am 9. d. Mts. der ehemalige Professor der Reichs- und Rechtsgeschichte, Johann Adolf Tomaschek, ge­storben.

AuS Sydney, 3. December, wird berichtet: In Melbourne ist heute Früh der Kanzler der dortigen Universität, Sir Anthony Brownleß, im Alter von 80 Jahren gestorben. Er hatte dem Senat seit dessen im Jahre 1867 erfolgter Einsetzung ununterbrochen angehört.

Kehlkopfleidenden rathen, beim Promeniren oder

aus ihren BerufSwegen sich vor den Folaen des Lustwechsels dadurch zu schützen, daß sie sich der May« ächte« Sodener Minerat- Pastille« bedienen. Katarrhalische Erkrankungen werden dadurch leicht verhütet. Man kann diese Pastillen im Vorbeigehen in jeder Apotheke, Drogerie ob. Mineralwasserhdlg. ü 85 Pfg. p. Sch. einkaufen. 410