Niesenschiff, dessen Fertigstellung bereit- so weit vorgeschritten ist, daß e< vorausfichtltch in etwa 6 Monaten zu Wasser gelassen werden kann, hat eine Länge von 202 Mtr. — 622 Fuß englisch, eine Brette von 20,4 Mtr. — 67 Fuß englisch und eine Tiefe von 18,41 Mtr. — 44 Fuß englisch. Um diese Dimensionen richtig zu würdigen, sei an die „Pennsylvania- der Hamburg-Amerika Linie erinnert, die, als fie erbaut wurde, dar größte Schiff der Welt war, bei einer Länge von 560 Fuß. Die „Deutschland" überragt die „Pennsylvania" also noch um 62 Fuß. Die „Deutschland" wird bei vollen Bunkern, gefüllten Ballasttanks u. s. w., also im normalen beladenen Zustande während ihrer Fahrten einen Tiefgang von 29 Fuß haben. Ihre Kohlenbunker find zur Aufnahme von 5000 Tonnen Kohlen bestimmt. Dar Schiff erhält zwei sechrcyltndrige vierfache Expansionsmaschinen, die zusammen 33,000 indictrte Pserdekräfte entwickeln. Die „Deutschland" erhält also doppelt so starke Maschinen alr der „Fürst Btrmarck" und sechsmal so starke als „Pennshlvania„ oder „Pretoria". Zur Erzeugung der Dampfer für die mächtigen Maschinen dienen 12 Doppelteste! mit je acht Feuerungen und 4 einfache Kestel mit je vier Feuerungen, daS find zusammen 112 Feuer in den Hetzräumeu der Schiffer. Die Keffel sollen mit 15 Atrno-phären Druck arbeiten. Die Schnelligkeit der „Deutschland" soll coutract- mäßig 23 Seemeilen in der Stunde im Durchschnitt betragen, doch rechnet man darauf, daß dar Schiff bir 25 Seemeilen erreichen wird. Selbstverständlich wird die „Deutschland" in ihren technischen Einrichtungen mit Allem versehen sein, war die Neuzeit au Erfiudungeu gezeitigt hat. Für die elektrische Beleuchtungsanlage der Schiffes find 5 Dynamomaschinen vorgesehen. An Rettungsbooten wird dar Schiff 18 aur Stahl, 2 aus Holz und 6 sogenannte Klappboote führen. Wenn auch, wie erwähnt, der Staprllauf der „Deutschland" vorausfichtltch bereits in 6 Monaten erfolgen wird, so ist doch, um ein solches Schiff für den Betrieb vollständig fertig zu wachen, noch eine längere Zeit erforderlich, so daß dir Ablieferung an die Hamburg-Amerika Linie erst im Jahre 1900 erfolgen wird.
* Heirathlfchwindel en gros. Die englische Gauner- schäft, welche HeirathSlustige durch fiagtrte Inserate in den großen TageSblätteru in schmachvollster Weise rupfte, läßt wieder Etwa- vou fich hören. In der „Köln. Ztg." ist folgende- Inserat zu lesen: „Verhältnisse halber suchen die Anverwandten einer Halbwaise mit über einer Million Mark vermögen Paffende Berhetrathung. Ntchtanonhme Offerten erbeten an Frau Frege, 4 Dukestreet, Adelphi- Londou." ES ist dies die gleiche Adreffe wie am Kopf des „Privat-Eorrespoudeuzblatte--, welches die Gesellschaft an fich meldende Reflkctanten späterhin versendet und deffeu im Voraus zu entrichtender AbonnemevtpreiS 25 Shilling beträgt. Richt ohne Abficht worden utchtanonyme Offerten gefordert, da Mancher, um wieder in deu Besitz eines solchermaßen ab- gesandten Offert-Briefes zu gelangen, eher bereit sein wird, Opfer zu bringen oder mit der Gesellschaft in weitere Beziehung zu treten. In allen Fällen erhält der Refleetant zunächst auf seine Meldung ein durch Umdruck hergestellteS Schreiben, in welchem ihm mitgethetlt wird, daß für die betr. Auftraggeber außer seinem Briefe noch eine größere Zahl vou Au- erbtetungeu eingegangen seien, von denen naturgemäß nur eine Berücksichtigung habe finden können, daß ihm aber etwa- AehnlicheS geboten werden könne, und schließlich folgt dann die Aufforderung, einen Geldbetrag eiuzusenden, worauf seiner Sache alle Mühe zugewendet würde. Der Verlauf der Sache ist dann stet- der gleiche: da- Abonnement auf da- eben erwähnte Zeituug-blatt und fortdauernde Honorarforderungen für Auskünfte und Bemühungen, bi- der Betreffende einfieht, baß er der Geprellte ist, und die Sache aufgtbt.
* Welche gewaltige Steigerung der Verbrauch des Aluminiums erfahren hat, kann man au dem Ausweis des einzigen Aluminium-Werke- in den Vereinigten Staaten, welches der PlttSburg Reduktion Company gehört, ersehen. Während im Jahre 1891 die gesammte Production 84 Tonnen betrug, belief fie fich im Jahre 1897 auf 2000 Tonnen. Nun hat die Gesellschaft, wie daS Berliner Patent-Bureau Gerson & Sachse schreibt, neuerdings au deu Niagara-Fällen zwei neue Anlagen errichtet, von denen die eine mit 2000, die andere mit 4500 Pferdekräften arbeitet. Man hofft, deu
„Ich halte Sie für einen Cavalier, der das Vertrauen einer Dame nicht täuscht. Darum bitte ich Sie: vergessen Sie Alles, wie ich Alle» aus meinem Gedächlniß gelöscht habe. Sie haben im Rausch gehandelt und darin gethan, was bei klarem Ueberlegen eine Unmöglichkeit für Sie sein muß. Wir find uns fremd, wie wir es bisher waren. Inge Bargun."
Er setzte sich nieder und schrieb mit eilender Hand:
„Wenns ein Rausch war, dann war er göttlich schön. Und ich will nie aus ihm aufwachen. Außerdem hält ein Eavalier sein Wort. Und ich halte meines. Das helfe mir Gott."
Da trabte der Hofjunge hin mit dem Brief.
Am anderen Tage stand Oscar Günther vor seinem Vater. Der alte Amtsrath sah au» finsteren Augen auf ihn. „Da! Also damit wollt Ihr mich zwingen? Aus dem Komödienspiel wird nichts! Ich habe Alice Kalkow für Dich bestimmt. Und zum Frühling kommst Du herüber und über- »immst die Domäne!"
Oscar Günther stand wie eine Eiche da. „Wie?" fragte er ruhig.
Der Vater trat ihm gegenüber und sah ihm in die Augen. „Du kennst mich!" sprach er leise.
„Und Du mich! Wähle! Inge und mich — oder keinen von beiden!"
„Geh!" sagte der AmtSrath und wies nach der Thür. Festen Schrittes ging Oscar hinaus. Der Alte sank schwer stöhnend in» Sopha. Rach einer Welle setzte er fich an
Preis des leichten Metalls nunmehr auf wenig über eine Mark da- Kilo herunterzubringeo, so daß auch der Export nach Europa noch einen Nutzen läßt.
• Bom neuen Berliner Dom werden jetzt zahlreiche interessante Einzelheiten bekannt. Da- Gerüst, nächst dem de- Reich-tag- da- umfangreichste, da- in Berlin je errichtet worden ist, bedeutet für Berlin insofern eine Neuerung, als eß nach amerikanischem System construirt wurde, nach dem Muster der Holzfachwerkbrücken, die besonder- für Eisenbahnen zur Ueberbrückang vou tief eingeschuitteueu Thäleru und Schluchten dienen. Zur Rüstung mußten 180000 laufende Meter oder 8000 Cubikmeter Kantholz verwendet werden, die einen Kostenaufwand von 350000 Mark erforderten, wobei dos Holz wieder, wie üblich, in da- Eigeuthum de- Unternehmer- zurückgeht. Die Gesawmthöhe wird vom Fußboden der Predigtkirche bi- zur Spitze des Kreuze- rund 110 Meter betragen. Für den Sockel ist Oberstreiter Granit, für die Fronten schlesischer Sandstein (rund 15000 Kubikmeter) verwendet werden. Die schwersten Saudsteiuwerkstücke stammen au- den FriederSdorfer Brüchen bei Cudowa. Ferner wurden 22 Millionen Backsteine vermauert, in der lebhaftesten Arbeit-periode bi- zu 85000 Stück täglich. Die Kuppel, die Dächer, die Laterne und ihre oruameutaleu Einzelheiten find in getriebenem Kupfer au-geführt, dem mau feine natürliche Farbe gelassen hat. Auch von einer starken Vergoldung der Kuppel, wie zum Beispiel beim Reich-tag-hause, hat man abgesehen, weil die Vergoldung den Umriß der Kuppel in seiner Wirkung beeinträchtigen würde. Die Bekrönung der Laterne über der Kuppel wird durch eine Kugel vou 1,80 Meter Durchmesser, eine Windfahne und da- abschließende Kreuz gebildet. Die Windfahne hat die Gestalt eine- schwebenden, die Posaune blasenden EogelS erhalten, der in Kupfer getrieben worden ist. Die Windfahne besitzt eine neuartige Drehvorrichtung. Die Vollendung des inneren Au-baue- ist bi- zum Ende de- Jahre- 1902 hiuau-gefchoben worden. Die nördlich au die Predigikirche angrenzende „Denkmal-- kirche" — so wird dieser Raum jetzt officiell genannt, nicht Gedächtnis oder Gruftkirche — wird durch fünf Capellen abgeschlossen. Sie bieten genügenden Raum für 14 bi- 15 Grabdenkmäler und Sarkophage, sodaß keine sachlichen Schwierigkeiten im Wege stehen, wenn in einer dieser Capellen auch ein Grabdenkmal des Fürsten BiSmatck in Gestalt einer Wandnische mit Sarkophag davor errichtet werden soll. Die Grüfte, die vom Fußboden der DeukmalSkirche au- zugänglich sind, ziehen fich unter der ganzen Kirche hin bi- zur TrauuugS- kirche, unter der fich keine Grüfte befinden.
* 68 gibt feine Kinder mehr in Amerika! Knaben, die al- Schuhputzer oder Zettung-verkänfer ihre Laufbahn al- Milltoneubefitzer beginnen- Zeitungen von und für Kinder, Schuljungen, die einen Milliouenfoud- im ganzen Lande fammelu, um damit ein Panzerschiff zu erbauen, — da- ist Alle- schon dagewesen. Neu ist dagegen — so schreibt man dem „B. T." au- New-Uork — zum Beispiel, wenn ein 13jähriger Junge Namens Georg Steuler in Maine da- Localdampfboot zwischen Gardiner und Plensant Pond al- Maschinist bedient oder wenn ein 8- — acht- — jähriger Junge Namen- Harry Dugan au- demselben Staate im Interesse de- väterlichen Ledergeschäft- „in Leder" reist und dabei gleich von seiner ersten Tour durch die Neu-Luglaud- Staaten, nach durchfahrenen 900 Meilen, mit dem Trgebuiß eine- Verkauf- von 300 Dollar- nach Hause zurückkehrt. Ebensowenig dürfte e- bisher dagewesen sein, daß zwölfjährige Jungen al- politische Redner in den Wahlkampf eingreifen. Der „New Kork Herald" weiß von solchen zu erzählen, die in der Hauptstadt der neuen Welt auf diese Weise für Tammavh und dessen Caudidateu arbeiten! Der Erfolgreichste unter diesen hoffnungsvollen Lümmeln ist ein gewisser Frank Watsock, der auf bet unteren Oftseite von New York fich als Straßenredner etabltrt hat. Er wird dabei von einer Horde seiner Freunde unterstützt, die ihm seine fliegende Rednertribüne — eine alte Schnitt- waarenklste — vou Ort zu Ort nachtragen helfen. So widerwärtig fich feine aus allerlei Zeitungsphrasen uud Brocken aus officiellen Wahlreden zusammengestoppelte „Rede" auch auSnahm, so fand fich doch stellenweise ein Auditorium von tausend oder mehr Personen, daS bei den „Kraftstellen" frenetisch applaudirte. Da nicht nur die „gelbe" Presse den
feinen Schreibtisch und schrieb lange. Und der Brief an Inge ging am Abend ab.
Nach zwei Tagen kam die Antwort. Aus dem Umschlag fiel ihm zunächst sein eigener Brief entgegen. Sie selbst schrieb: „Ich verstehe nicht, wie ein mir fremder Herr dazu kommt, in dieser mir ganz fremden Angelegenheit an mich zu schreiben. Ich darf Sie bitten, diesen Brief den ersten und letzten sein zu lassen, der zwischen uns gewechselt wird. Hochachtungsvoll Inge Barguu."
„Donnerwetter! Da steckt Rasse drin!" sagte der Amtsrath. —
Nach drei Tagen stand er selbst vor Inge. Sie stand vor ihm im Hauskleid, ohne jeden anderen Schmuck als den ihrer Lieblichkeit, förmlich mit Anmuth übergossen. Es war im Arbeitszimmer des Onkels. Kalt und ernst sah fie den fremden Mann an: „Sie wünschen?" Seine Augen lagen forschend auf ihrem Gesichte; fast streng sah er fie an: „Ich wünsche Frieden in meinem Hause!" —
Sie hob da» junge Haupt, das üppiges Blondhaar schwer umgab.
„Ich habe ihn nicht gestört!" — fie sah blaß au» — „und weshalb sagen Sie mir das?"
„Weil ich Die von Angesicht sehen wollte, die mir meinen Sohn genommen hat. Ein schmerzliches Vergnügen, aber in diesem Fall wirklich ein Vergnügen."
„Sie befehlen sonst noch?" fragte fie mit matter Stimme, „ich habe Ihnen nicht» genommen und will nicht« von Ihnen haben! Bitte, verlassen Sie mich!"
Ec trat dicht an sie heran.
Nunderleistuvgen derartiger „fott-ieftitlttener" Knaben ihre Huldigung abstattet, so bars man wohl annehmen, baß bet „Ametikau Boy" btefer Gattung „Schule macht", und der Manu beS 20. Jahrhunderts nicht allein mit be<Concurtevz bet Frauen, fonbern auch mit derjenigen der Kinder sehr ernstlich zu rechnen haben wirb.
* Bon einet ungewöhnlichen Gedachtnißleistnng weiß die „Jubepeudavc Belge" zu berichten. Ein Professor in Neapel hatte kürzlich die Vertreter der Presse und seine Freunde zu einer entsetzlichen „Dante-Vorlesung" eiugeladen. Zum großen Erstaunen der Zuhörer recitirte er auswendig dir ganze „Göttliche Cornödie", ohne eine einzige Zeile auSzu- laffeu. Die grausame Sitzung dauerte dementsprecheud von 6 Uhr Abends bis zum andern Nachmittag. Die meisten Zuhörer hielten natürlich nicht bis zu Ende aus. Biele gingen inzwischen schlafen uud kamen erst am nächsten Tage wieder.
• Fremdwörter. In der deutsch-amerikanischen Zeitschrist „Tarn Tarn" wird die noch lange uicht auSgerottete Vor» liebe der Deutschen für Fremdwörter durch folgendes drastische Beispiel illustrirt: WaS würde man wohl vou einem Franzosen halten. der ein Französisch, wie folgt, schriebe: „J’ai ete hier chez M. au Mittagessen. La Speisekarte 6tait trös glänzend. Aprds l’Essen nous avons fait ein Spielchen. Nous nous sommes vorzüglich Unterhalts" Jeder de- Franzöfischen kundige Deutschs würde einen solchen Franzosen höchst wahrscheinlich für verrückt erklären. Und doch wäre dieser Deutsche tm Stande, nachstehende- Deutsch zu schreiben: „Gestern war ich bei M. zum Diner. Da- Menu war sehr luxuriös. Nach dem Diner machten wir ein Jeu. Wir haben uv- excelleut amüfirt." Und dabei würde wohl kaum Jemand etwa- Auffälliges an diesem Satze finden, ein Zeichen dasür, wie sehr trotz de- großen ReichthumS unserer Sprache die Anwendung von Fremdwörtern uns zur Gewohnheit geworden ist.
• Julius v. Payer über Andree. Aus Teplitz wird der „N. Fr. Pr." gemeldet: Auf Einladung de- hiesige» kaufmännischeu Vereines „Mercur" erschien Jul. v. Payer wieder einmal in seiner Vaterstadt Teplitz zu einem Bortrage, den er Sonntag Abend» tm neuen Heim de- Mäunergesaug- vereiuS gehalten hat. Ein zahlreiches Publikum au- alle« Kreisen der Bevölkerung hatte fich eingefnuden. Herr vou Payer, der mit stürmischem Beifall herzlich begrüßt wurde, sprach über Nordpol und Südpol, moderne Et-schifffahrt uud auch über Andree- Ballonunteruehmen. Payer theilte auch eine Reihe von Eriebuiffeu und Erfahrungen au- seine» eigenen Polar-Expedtitoveu mit. Bezüglich der Südpol-Frage kam er zu dem Schluffe, daß eine Südpol-Expedition mit noch größeren Schwierigkeiten und Gefahren zu kämpfen haben wird, al- die bisherigen Nordpol-Expeditionen, daß eS aber für die Wissenschaft von höchster Bedeutung wäre, wen» die geplante deutsche Südpol-Expedition zu Stande käme und glücken würde. Bezüglich der Ballonfahrt AudreeS ist Payer der Ansicht, daß fie, abgesehen davon, daß Ballonfahrten in den Polargegenden niemals reusfiren werden, so lange nicht lenkbare Luftschiffe zu Gebote stehen, mit unzulänglichen Mitteln in’ß Werk gesetzt worden sei und daß Andree — nach der einzigen verbürgten Taubenpost zu schließen — in eine Wirbelströmnog geratheri zu sein scheine, die ihn nach einigen Tagen nordöstlicher Fahrt wieder gegen Südostev getrieben habe, und daß der Ballon vielleicht auf Franz-Josefs- Land, und zwar an der Ostküste, uiedergegangen sei. Daß dort bisher noch keine Spur von Andree- Expedition auf gefunden werden konnte, erkläre fich au- der ungeheuren Ausdehnung de- abzusuchenden Gebiete-. Auf weiten und gefahrvollen Wegen über ewige- EiS, EiSseen und offene- Meer könnte Andree vielleicht von Franz-Josef--Land gegen die Küste Sibirien- Vordringen, aber sollte e- ihm auch geglückt sein, diese zu erreichen, so hätte er doch noch weite beschwerliche Märsche die zugefrorenen Fußläufe entlang bi- in daS bewohnte Innere de- Lande- zurückzulegen. Und habe Andree wirklich diese Route eiugeschlagen und alle Schrecknisse und Gefahren de- höchsten Norden- Überwunden, so könne e- doch immer noch bi- zu dem nächsten Herbste dauern, ehe wir von ihm Kunde erhalten.
„Aber ich will etwas von Ihnen haben, und ich verlange es jetzt von Ihnen: das Glück meine» Sohnes. Er läßt nicht von Ihnen, das weiß ich jetzt! Ich weiß Alles. Es ist frellich anders gekommen, wie ich wollte; das sage ich Ihnen offen. Gewiß, aber ich verstehe auch Alles. Er hat im Rausch gehandelt, aber wer Ihnen ins Gesicht schaute, der begreift es, daß es einen Feuerwein giebt für starke junge Herzen, der eilig trunken macht. Ich gehe jetzt zu ihm. Was darf ich ihm sagen, Fräulein Inge?"
In ihren blauen Augen glomm es leuchtend auf.
Sie reichte dem alten Herrn die Hand und hob da« süße Gesicht zu ihm auf: „Sagen Sie ihm: über Jahr und Tag! Jetzt geh ich davon. Wenn er mich finden will, wird er mich finden!"
Der alte Herr zog die Hand de« jungen Mädchens bi« an feine Lippen:
„Gott erhalt Sie so!"
Tief verneigte er sich und ging. — Sie sah ihm lächelnd nach.--
Er nahm Abschied von seinem Sohne und hielt seine Hand:
„Es ist eine alte Rede: Trunkene Leute haben da» meiste Glück! Stimmt diesmal bei Dir. Jetzt wünsch ich Dir und mir: schlaf Deinen Rausch nicht aus, und bring sie mir über Jahr und Tag! Wie ich schon einmal sagte: Es ist Rasse drin. Mir dämmert ein altes Liedchen auf: „Wer niemals einen Rausch gehabt"; kennst Dus? Und nun fei ein rechter Mann Dein Leben lang! Adieu!"


