prüder und ergreifender Naturprachl. Die bayrischen Königs- | schlöffer, in dir norddeutsche Tiefebene irgend wohin versetzt, würden natürlich dort nicht den sinnberückenden Reiz auf daS ' empfängliche Grmüth ausüben, wie so, wo sie au- Klüften und Felsen oder umspült von den klaren Fluthen eines SeeS zu uns herschtmmeru. Die Pracht des Innern dieser Märchenbauteu Übertrifft alle Borstellnug, und weil der kunstsinnige Bauherr seine eigene Phantasie nicht als ausreichend erachtete, deshalb holte er sich die Vorbilder aus den Schlössern de- Sonnenkönigs Ludwig XIV. aus Versailles — um sie zu übertrrffen! Im Gießener Panorama ist diese Woche die Serie jener Märchrnschlösser zu sehen. Was sollen wir besonders au» derselben hervorheben? Da ist zunächst daS Schloß Herrenchiemsee mit seiner prächtigen Fassade, dem Bassin Salome, der Gruppe de la Gloire, dem entzückenden alten Schlößchen, ganz eingebettet in Grün, au» dem lauschig die dunkle Fluth de» Wasser» leuchtet. Im Innern schimmert Alles von Marmor, Elfenbein, Gold, Spiegelglas, da find Leuchter, die ein vermögen kosten. Besonder» heben wir hervor die Kleine Gallerte, da» Pfauen- Vestibül, die Uhr Ludwig XIV., die Astronomische Uhr, den Saal des Kriegs, namentlich aber die Spiegelgallerten, welche eine unbeschreibliche Pracht enthalten. Da» Schloß Neuschwanstein thront auf hohem Felsen, al» wäre e» in die Alpenwelt htneingezaubert. Auch bei ihm übersteigt die Pracht seiner maurischen und gothischen Säle alle Begriffe. Man sollte in der Thal nicht versäumen, diese herrliche Serie zu sehen.
*• Brauerei Rohrle. In Folge gütlichen Ueberein- kommen» scheidet der seitherige Thetlhaber der Firma Gebr. Röhrle, Gotthilf Röhrte au» nab übernimmt den Betrieb de» nunmehr von genannter Brauerei vollständig getrennten Flaschenbiergeschäfte» für eigene Rechnung.
*• Auf der diesjährigen Oberhesfifche« Gewerbe« und Zadustrie-AuSstellung in Butzbach fiel in der Gruppe 24 (NahrungS- und Geuußmiitel) eine geschickt zusammengestellte Sammlung verschiedener Nährmittel, hergestellt von H. Strobel in Gießen, vortheilhaft auf. Diese Sammlung umfaßte beffere Etrrteigwaaren, ferner Kleber-Maccaroui für Zuckerkranke, Kindermehl und Maltose-Nährzwieback, sowie eine sehr lange haltbare Sorte Militärzwieback, Gesundhritsbrod und ein „MaltoCeralia" genannte» Präparat, das, mit Milch gekocht, ein nahrhaftes Getränk liefert. Sämmtliche Back- waaren waren von bester Beschaffenheit und tadellosem Ge- schmacke. Die Leistungen de» Herrn Strobel wurden durch die für die Butzbacher Ausstellung bestellte Beurtheilungs- Lommisfion durch Ertheiluug einer „Lobenden Erwähnung" ausgezeichnet. Herrn Strobel, der sich durch seine Leistungen auf der erwähnten Ausstellung als ein sehr strebsamer und befähigter Fachmann auf dem Gebiete des Bäckrreigewerbe» erwiesen hat, wünschen wir für seine ferneren Bestrebungen auf diesem Gebiete besten Erfolg.
•• Wetterbericht. Die Lustdruck-Vertheilung ist vielfach die gleiche und haben dementsprechend auch die Witterung»- Berhältn ffe keine Aenderung erlitten. Fast ganz Europa gehört einem ausgedehnten und intensiven barometrischen Maximum an, unter dessen Einfluß ruhige», im Flachlande zumeist nebeliges, an den Hochftationen heiteres Wetter fortbesteht. Das Gebiet des niederen Drucke» bleibt auf den äußersten Norden und Osten des Erdtheil» beschränkt. — voraussichtliche Witterung: Je nach derOertlichkeit orbeligeS oder heiteres Wetter.
A«s brc Seit för dis Seit»
Vor 36 Jahren, am 13. November 1862, starb in feiner Vaterstadt Tübingen der hervorragende Dichter und Litteraturforfcher Ludwig Uhland. Er ist einer der ersten Romantiker der deutschen Dichtung und hat das Ueberfpannte und Unwahre, welches der Romantik anhing, vollständig überwunden. Wohl kein anderer Dichter hat so viele seiner Lieder zu Volksliedern werden sehen. <Jch hat einen Kameraden, ES zogen drei Burschen wohl über den Rhein rc.) Uhland wurde am 26. April 1787 geboren.
Vor 182 Jahren, am 14. November 1716 starb zu Hannover einer der vielseitigsten und geistreichsten Gelehrten seines Jahrhunderts, Gottfried Wilhelm v. Leibniz, besonders hervorragend als Mathematiker und Erfinder der Differentialrechnung und als Philosoph durch eine Lehre, die sich noch heute theilweise im Herbationismus geltend macht. Leibniz wurde am 1 Juli 1646 zu Leipzig geboren.
Auszug au» den Standeramtsregifte*« der Stadt Gießen.
Aufgebote.
November: 5. Heinrich Jacob Peter Friedrich Bechtoldt, Schneider zu Darmstadt, mit Julie Schönbein daselbst. 5. Gustav Otto Boese, Sergeant und Zahlmeister-Aspirant dahier, mit Anna Auguste Appelt zu Birnbaum. 5. Heinrich Philippi, Hausbursche dahier, mit Elisabethe Fischdach Hierselbst. 7. Johann Jost RüSpeler, Taglöhner dahier, mit Wilhelmine Gilbert von Heuchelheim. 8. Johannes Hermann Leyerzapf, Schlosser dahier, mit Anna Marie Elisabeth Arnold hirrselbst. 9. Johannes Brandau, Schneider dahier, mit Anna Katharine Htsgen Hierselbst. 9. Carl Theodor Heinrich Bourgeois, Buchbinder dahier, mit Anna Margarethe Elisabeth Katharine Phtlippine Luise Rinn Hierselbst. 10. Andreas Reinhardt, Leinweber zu Schlitz, mit Katharine Frank zu Lollar. 10. Jacob Heinz IV., Weinhändler zu Hahnheim, mit Sophie Pracht hterselbst. 10. Karl Otter, HtlfSbremser dahier, mit Katharina Adolph Hierselbst. 11. Peter Andreas Weber, Bahnarbeiter zu Bönstadt, mit Marie Werner zu Lollar. 11. Friedrich Ludwig Kaus, Rangirer zu Frankfurt a. M., mit Helene Pfeifer daselbst.
Ehefchttetzungen.
November: 5. Albert Gustav Eduard Paul, Schneider dahier, mit Katharine Marie Kleh hierselbst. 5. Carl Friedrich Adam Scherrer, pract. Thierarzt zu Tauberbischosshetm, mit Johanna Elise Prell hterselbst. 5. Georg Bischoff, Buchbinder dahier, mit Karoline MooS, geb. Schnecks, Wittwe von Dreher Ernst Adolf Theodor MooS dahier. 5. Johann Friedrich Wilhelm Pietsch, Herrschafts- gärtner zu Stegen, mit Christiane Karoline Schäfer hterselbst. 5. Wilhelm Lenz, Schriftsetzer dahier, mit Kathinka Schmidt hier- s selbst. 9. Friedrich Emil Bender, Kaufmann dahier, mit Antoinette i Wtlhelmtne Ernestine Jungblut Hierselbst.
Geborene»
November: 2. Dem Schlosser Ludwig Größer ein Sohn, Wilhelm Julius Heinrich Georg Johannes. 3. Dem Bahnarbetter Ludwig Stork eine Tochter, Karoline Johanna Anna. 3. Dem Flaschenbterhändler Friedrich Volz ein Sohn, Friedrich Karl Philipp. 5. Dem Locomottvhetzer Heinrich Blank eine Tochter. 6. Dem berittenen Gendarm Johann Philipp Göbel eine Tochter, Christine Helene. 7. Dem Major Friedrich Benno Georg Herrlein eine Tochter, Anna Elisabeth Laura. 7. Dem Rohrleger Heinrich Wagner eine Tochter, Luise. 8. Dem Koch Johann Peter Brings ein Sohn, Bernhard Wilhelm. 8. Dem Locomottvhetzer Nicolaus Kochem ein Sohn.
Gestorbene.
November: 5. Julius Noll, 72 Jahre alt, Rentner dahier. 5. Elisabethe Schmidt, geb. Schmidt, 50 Jahre alt, Wittwe von Bahnarbetter Ludwig Schmidt dahier. 6. Minna Gall, geb. Mahla, 37 Jahre alt, Ehefrau von Commerzienrath Wilhelm Gail dahier. 6. Paula Marte Elisabeth Lina Deibel, 6 Jahre alt, Tochter von Bäckermeister August Deibel dahier. 6. Emil Seibert, 23 Jahre alt, ohne Geschäft, dahier. 7. Justus Böcher, 15 Tage alt, Sohn von Knecht Heinrich Böcher dahier. 8. Justus Kreiling, 79 Jahre all, Rentner dahier. 8. Helene Schlabach, geb. Güngerich, 68 Jahre alt, Wittwe von Kaufmann Wilhelm Schlabach dahier. 8. Elisabethe Schlierbach, geb. Schmidt, 50 Jahre alt, Ehefrau von Küfer Konrad Schlierbach dahier. 8. Gertraude Moog, geb. Wagner, 82 Jahre alt, Wittwe von Privatier Daniel Moog dahier.
Auszug au» den Kirchenbüchern
der Stadt Giesse«.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
MatlhäuSgemeinde.
Den 5. November. Johann Friedrich Wilhelm Pietsch, Herr- schaftSgärtner zu Siegen, und Christiane Konradine Schäfer, Tochter des verstorbenen Weingartners Heinrich Schäfer zu Oehringen.
MarkuSgemetnde.
Den 5. November. Wilhelm Lenz, Schriftsetzer zu Gießen, und Kathinka Schmidt, Tochter des verstorbenen Schlossermetsters Karl Schmidt zu Gießen.
Denselben. Karl Friedrich Adam Scherrer, pract. Thierarzl zu Tauberbischofsheim, und Johanna Eitse Prell, Tochter des Restaurateurs Peter Prell zu Gießen.
Den 9. November. Friedrich Emil Bender, Kaufmann zu Gießen, und Antoinette Ernestine Jungblut, Tochter des Gastwirths Christian Jungblut zu Gießen.
JohanneSgemeinde.
Den 6. November. Albert Gustav Eduard Paul, Schneider zu Gießen, und Katharine Marte Kleh, Tochter des verstorbenen Schreiners Ernst Kleh zu Gießen.
Getaufte.
MallhäuSgemeinde.
Den 6. November. Dem Schneider Johannes Weller ein Sohn, Hans, geboren den 22. September.
Denselben. Ein unehelicher Sohn, Heinrich, geboren den 22. September.
Denselben. Dem Fuhrmann Heinrich Böcher ein Sohn, Justus, geboren den 22. October.
Den 7. November. Dem Pfarrer Georg Schlosser ein Sohn, Georg, geboren den 7. November.
MarkuSgemeinde.
Den 6. November. Dem Taglöhner Heinrich Schmidt ein Sohn, August Wilhelm, geboren den 30. September.
Den 8. November. Dem Schutzmann Johann Karl Brasch ein Sohn, Franz Friedrich Richard, geboren den 29. September.
Lukasgemeinde.
Den 6. November. Dem Bahnarbeiter Friedrich Lauster ein Sohn, Friedrich, geboren den 19. September.
Beerdigte.
Mallhäusgemeivdr..
Den 10. November. Justus Kreiling, Schlossermetster, ein Wittwer, 80 Jahre alt, starb den 8. November.
MarkuSgemeinde.
Den 8. November. Minna Gail, geb. Mahla, Ehefrau von Commerzienrath Wilhelm Gail, 37 Jahre alt, starb dm 6. Novbr.
Dmselben. Elisabeth Schmidt, geb. Schmidt, Wittwe von Taglöhner Ludwig Schmidt, 49 Jahre alt, starb den 5. November.
Lukasgemeinde.
Dm 7. November. Otto Jäger, cand. med., Sohn des verstorbenen Oberförsters Christian Jäger zu Nassau, 35 Jahre alt, starb den 5. November.
Dm 8. November. Julius Noll, Goldarbeiter, 72 Jahre all, starb den 5. November.
Den 10. November. Helene Schlabach, geb. Güngerich, Wittwe deS Oeconomen und Händlers Wilhelm Schlabach, 68 Jahre alt, starb den 8. November.
Den 11. November. Gertraude Moog, geb. Wagner, Wittwe deS Rentners Daniel Moog, 82 Jahre all, starb den 9. November.
JohanneSgemeinde.
Den 8. November. Emil Seibert, Sohn deS verstorbenen Taglöhners Ludwig Seibert zu Gießen, 23 Jahre alt, starb dm 6. November.
Denselben. Paula Deibel, Tochter des Bäckermeisters August Deibel, 6 Jahre alt, starb den 6. November.
Den 10. November. Elisabethe Schlierbach, Ehefrau deS Küfers Konrad Schlierbach, 56 Jahre alt, starb den 8. November.
Brodpreife
vom 13. bis 27. November 1898.
Der hiettgerr Bäcker.
1 Kg. (2 Pfd.) Tefelbrod......28 Pfg.
2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod......56 ,
1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod......26 ,
2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod......52 ,
1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrot)......24 „
2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot).....48 ,
3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrot,......72 ,
Der auSwLrttgerr Bäcker.
1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod bet L. Stetnmüller, Gr.-Linden 24 Pfg. L. Schmidt, Gr.-Linden 24 , W. Weitzel von Lang-GönS 24 „ W. Fabel von Wtefeck 24 „
2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod bei Joh. Kd. Belte v. Kirchgons 46 „ L. Schmidt (Großen-Ltnden) 48 „ L. Steinmüller, Gr.-Linden 48 , W. Weitzel von Lang-Göns 48 „ Wtlh. Fabel von Wtefeck 48 „
1 Kg. (2Pfd.) Schwarzbrot, beiW.Steinmüller, Lang-Göns 22 „ L. Schmidt, Großen-Linden 22 , W. Weitzel von Lang-GönS 22 ,
2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot) bet Joh. Kd. Beite v. Kirch-Göns 42 , W. Steinmüller in Langgöns 44 „ L. Schmidt Gr.-Ltndm 44 „ W. Weitzel v. Lang-Göns 44 „ L. Steinmüller, Gr.-Ltndm 44 „
8 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrot, bei Wllh. Fabel von Wtefeck 66 „ Der vrodverräufer.
Bei den hiefigen Brodverkäufern bestehen dteselbm Preise wie bei dm hiesigen Bäckern.
Gieße«, den 12. November 1898. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Land« Mtt» volkswtrthschaf«.
Gießen, 12. November. Marktbericht. Auf dem heutige« Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. «4L 1.05—1.20, Hühnerei« per St. 6—9 2 St. 13—17 H, Enteneier 2 St. 00—00 H, Gänss-
eier per St. 11—13 H, Käse 1 St. 5—8 H, Kasematte per St. 3 Erbsen per Liter 20 H, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar
vtL 0.50—0.60, Hühner per St. JL 1.10—1.30, Hahnen per Stück <X 0.70—1.40, Enten per St. JC. 1.80—2.50, Gänse per Pfund 0.46—0.60, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 46—58 Schweinefleisch per Pfd. 68—76 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 80 Kalbfleisch per Pfd. 64—66 H, Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 bis 6.50 xAL, Weißkraut per St. 10—20, Zwiebeln per Ctr. AL 5.00—5.50, Milch per Liter 16 H, Zwetschen per Ctr. .* 6.00—0.00.
Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.
Neueste Nachrichten.
Depesche» de» Bure« „Herold".
Berlin, 12. November. Gestern Abend fand hier eine Versammlung stall, welche sich mit den Vorbereitungen zu» festlichen Empfang de» Kaiserpaare» bei seiner Rückkehr von der Orienlreise beschäftigte. Befürwortet wurde die Ausschmückung der Häuser und Ueberreichung einer Adresse an da» Kaiserpaar. Da» Ergebniß der Versammlung war die Bildung eine» ComtM, welche» die Vorbereitungen im Einzelnen fördern soll.
Berlin, 12. November. Die Anarchisten-Versamm- lung, welche gestern Abend stattfindeu sollte, ist polizeilich verboten worden.
Berlin, 12. November. Da» Polizeipräsidium hat gestern dem socialdemokralischen Redacleur Adolf Braun die Ausweisung aus dem preußischen Etaatßgebiet angekündigl. Al» Grund der versügung wird angegeben, Brann habe sich durch seine Thätigkeit im „Vorwärts" lästig gemacht. Dr. Brau« ist von Geburt Oesterreicher und muß da» preußische Staat»* gebiet binnen 14 Tagen verlassen.
FriedrichSrrrh, 12. November. Da» Halberstädter Kürassier-Regiment, dessen Chef Fürst BiSmarck war, wird außer einer Offiziers-Deputation da» Trompeler-Corp» nud 12 Unteroffiziere zur Ueberführuug der Leiche BiSmarck» vom Sterbeziwmer nach dem Mausoleum am 27. d». hierher entsenden. — Oberpräfideut Graf Wilhelm BiSmarck trifft mit seiner Familie bereit» in der nächsten Woche hier ein.
Hamburg, 12. November. Nach einer Berliner Depesche de» „Hamburger Correspoudent" stehl nunmehr fest, baß Kaiser Wilhelm auf der Rückreise nach Deutschland weder in Cadiz noch in irgend einem anderen spanischen oder portugiesischen Hafen an Land geht.
Wien, 12. November. Da» „N. W. Tgbl." veröffentlicht den Wortlaut der Denkschrift de» Graf-Regente« von Lippe-Detmold, welche derselbe zur Wahrung seiner Rechte an sämmtliche deutsche BundeSfürsteu gerichtet hat. Die Denkschrift enthält zunächst den am 15. Juni dS. JrS° batisten Brief de» Graf-Regenten an Kaiser Wilhelm wegen der seinen Familien-Milgliedern von den Truppen verweigerte« Ehren-Bezeugungen sowie da» bereit» bekannte Antwort- Telegramm de» Kaiser» an den Graf-Regenten. Auknüpfend daran legt der Graf-Regent feierliche Rechts-Verwahrung gegen dieses Telegramm ein.
Wien, 12. November. Wegen der Ausweisungen der Slaven au» Deutschland werden die Tscheche« eine scharfe, den Dreibund heftig angreisende Interpellation im Abgeordveteuhause einbringen. Die von den Polen ein« zubringcnde Interpellation wird in der Form weniger scharf gehalten sein.
Triest, 12. November. Auf Ersuchen der italienischen Regierung wurden die Anarchisten Tellarini und Riccis beide ans Lugo, verhaftet.
Grus, 12. November. Luecheni wird am Montag früh in da» Epeche Zuchthaus übergeführt und dort in der unterirdisch-.n Zklle inleruirt, wo er ein halbes Jahr zu- zubringen hat.
Pari», 12. November. Die Vergünstigungen, welche Dreyfu» vom Cabinet Brisson bewilligt worden find, wurden jetzt wieder aufgehoben, weil der CaffationShof entschieden hat, daß die Strafe fortzudauern habe. Darüber wird auch am Dienstag die Kammer inlerpellirt werden.
Pari», 12. November. Infolge eine» im „Jntraufigeaut* erschienenen Artikels halte gestern der Advokat Morel ehe Degenduell mit einem Redacleur de» „Jutranfigeaut". Morel wurde dabei an der rechten Wange verletzt.
Pari», 12. November. Ein Telegramm, welche» gestern im Colonial'Ministerium eintraf, meldet die Ankunft de» Grafen Leontiew in Dschibuti.
Paris, 12. November. Dem „Gaulois" zufolge halte der Präsident de» CafsationShofe» vorgestern einen Ohnmachtsanfall- er erlangte jedoch nach einigen Stunden fein völlige» Wohlsein nieder. Dieser Zwischenfall ist von mehreren Blättern sehr breit getreten worden.
London, 12. November. „Daily Mail" bespricht die Erklärnng Lord Salisburys nud sagt, daß sonst keine Macht unsere jetzige Lage in Aegypten verändert. Unsere Absicht in Egypten ist ein Werk der Wohlfahrt für dasselbe.
London, 12. November. „Daily Mail" meldet au» Kairo, die englifche Regierung habe Marchand ersucht, ihr miizutheilen, auf welchem Wege er nach Frankreich zurück- zukehren gedenke und an welchem Tage er Faschoda zu räumen beabsichtige.
London, 12. November. In gut uuterrichteleu Kreise« versichert man, daß noch vor Ende diese» Monat» die Bereinigten Staaten eine Flotteu-Demonstration in den spanischen Gewässern veranstalten werden.


