Ausgabe 
13.11.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 267 Crstes Blatt.

Tonntag den 1J November

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Meßener Anzeiger

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Gratisbeilage: Giehener Familienblätter.

Adresse für Depeschen: Anzeiger chletzen.

Hernlprecher Nr. 51.

Amtlicher Thcil.

Auszug

au» der vou Großherzoglicher OverrechnungSkammer rrtilbtttcn Rechnung der Proviazialkasse Oberhissen pro 1896/97.

Einnahme.

1. Saffevorrath auf vorhergehenden Jahren.....

2. AnSftände aal vorhergeheudeu Jahren

8. Beiträge der Kreise

4 Tapitalziuseu de» Provinzialvermögen»

6. Pro-ehkosten .

6. Beitrag aal der Staatskasse zu Straheuneubouten

7. Einnahmen del chemischen Unter-

suchuogiamtel . . . .

8. Slsatzpoften .

11. Agiogewinne .

12. Zurückernpsangene Gapitalien .

Mk. Psg.

12916 90

8 647 15

222 000

8 971 42

686 50

84 208

3 462 65

633 20 1 642

112 853 34

Summe der Einnahme

Ausgabe.

14. Besolduogeu . . . .

15. D äteo und Gebühren .

16. Botenlohn und Vrrkündiguugskosten

17. Für Vureaugegeostäude und Ge- räthschafteu.....

18. Unterhaltung der Sreilstraheu

19. Neubau vou KrerSftraßen

20. Beitrag zu den Soften der Natural- verpflegunglstationrn

21. Kosten del chemischen Untersuchung»- amte».....

22. Uneinbringliche Posten und Nachlässe

23. Salgeliehene Topitalieu

24. Für den Verband evaog. Rettung». Häuser und Erzteboogsvereiue

24a. Zinsvergütung u. ReichSstewpelsteuer

450 421 16

2 783 33

1571 71

289 26

517 95

190 423 89

87 724 84

3 895 37

9 043 05

68 81

135 608

100 467 07

Summe der Ausgabe 432 492 78

Abschluß.

Die Gesarnmt Einnahme beträgt 450 421,16 Mk.

, , «ulgade , 432 492,78 ,

verglichen bleibt Rest 17 928,38 Mk.

und dieser besteht tu

a. baarem Vorrath 18 882 23 Mk.

b. liquidirteu Ausfi Laden 40 96 16 ,

Gleiche Summe wie oben 17 928 38 Mk.

Gietzen, am 6. März 1898.

Der Rechner der Provtuzialkaffe sür Oberhefsen. (gez) Grüaeberg.

Revtdtrt, ohne daß fich sür den vorstehenden Abschluß eine Aeoderuug ergeben har.

Darmstadt, 6 November 1898.

Grohherzogiiche Oberrechnnngskammer.

(gez) Vorbacher.

In Gemäßheit del Art. 93 bezw 43 der Kreil- und Mrovtnzialorduuug wird der vorstehende Aulzug zur vffrut- ltcheu Krnntuiß gebracht.

Gießen, 11. November 1898.

Der Vorsitzende

del Provtozialaulschussel der Provinz Oberhefien. v. Bechtold.

Gefunden: 1 go.deoer R ng, 1 Zwicker, 1 Pelerine, 1 Regenschirm, 1 Hut, 1 Teppich, 1 Mantel, 1 Sappe und 1 Kiste.

Gießen, den 12. November 1898.

Großherzogliche» Polizeiantt Gießen.

Muhl.

Politische Wochenschau.

Satser Wilhelm ist auf der Heimreise von Palästina begriffen. Einen längeren Aufenthalt nahm er in Damatku», wo er die vielerärterte Rede hielt, in welcher der Sultan Saladin gefeiert wurde. Bon verschiedenen Seilen ist dieser Theil der Absprache einer wenig freundlichen Kritik unter­zogen worden, doch möchten wir darauf Hinweisen, daß Kaiser Wilhelm nur der Größe Saladin» Ancrkennung zollte, die diesem Niemand absprechen kann. Hebet die weiteren Ziele der Kaiserreise sind zur Zett verschiedene Nachrichten ver­

breitet. Wenn die ganze Rückfahrt zur See erfolgt, vielleicht Mi zum Kteler Hafen, dann ist es wahrscheinlich, daß ein spanischer Küstenort angelaufen wird. Ob aber Madrid oder Lissabon besucht werden wird, erscheint denn doch noch zweifel­haft ; jedenfalls wird ein solcher Aufenthalt ohne jeden politischen Hintergrund sein, insbesondere keine Bestätigung der Sym­pathien für Spanien bedeuten.

Einiges Aufsehen erregte die Verweigerung des Urlaubs an den bekannten Centrumsmann Spahn zur Annahme des preußischen Abgeordnetenhaus-Mandats. Ob die in dieser Beziehung ergangene Verfügung dc» Reichskanzlers noch weitere Folgen haben wird, muß die Erfahrung lehren.

Die innerpolitische Situatton bot in der abgelaufenen Woche keine besonders bemerkenswerthen Phasen, desto größere Ausmerk- samkeit aber erheischt die internationale Lage. Die Rüstungen Englands deuteten auf erhebliche Schwierigkeiten hin, und man sing bereits an, sich mit einem unmittelbar bevorstehen- den Kriege vertraut zu machen. Diese Befürchtungen hat freilich Lord Salisburys GuUdhall-Rede beseitigt, aber trotz­dem erscheint die Lage noch keineswegs geklärt, und der politische Horizont ist noch allenthalben durch Wolken ver­düstert.

Anschrinend geht die Kretasrage nunmehr ihrer desinitiven Lösung entgegen. Die türkische Flagge daselbst soll in diesen Tagen verschwinden, nachdem die Truppen des Sultans zum größten Theil die Insel bereits verlassen haben und der Rest sich ebenfalls bald einschiffen wird. Wenn nicht wider Er­warten brsondere Zwischenfälle eintreten, so ist die Installation de» griechischen Prinzen Georg als Gouverneur Kreta» al» sicher anzusehen. Hoffen wir, daß alle hieran geknüpften Erwartungen sich erfüllen werden.

In Frankreich dauern die Esterhazy-Enthüllungen fort. Der Dreyfu» Caffationshof tagt weiter; über die bis­herigen Verhandlungen verlautet wenig, sodaß auf den Aus­gang noch keine Schlüffe gezogen werde,! können. Da der Cassationshof anscheinend recht gründlich vorgeht, so darf man erwarten, daß die Enthüllung der vollen Wahrheit erfolgt. Vom Cabinet Dupuy konnte man in der vergangenen Woche noch keine großen Thaten wahrnehmen.

Der Raffengegensatz zeitigt wieder arge Blüthen im österreichchen Abgeordnetenhause, und immer schwächer wird die Hoffnung, daß das Parlament eine fruchtbringende Thätigkeit beginnt. Das Duell Wolf-Gniewosz zeugt von Neuem, wie die politischen Differenzen in Oesterreich auf das persönliche Gebiet überspielen.

In Genf hat der abscheuliche Mord an der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich am Donnerstag seine Sühne ge- funden. Wir wollen nur wünschen, daß der demnächst zusammentretende Anarchistencongreß praktische Resultate adligen möge. (xx)

Xttilanb.

Paris. 11. November. Die Abendblätter drucken die Erklärung del Mintsterl del Auswärtigen, worin dieser dem deutscheu Botschafter, Grafen Münster im Namen der Regie- ruog sein Bedauern auldrückt, wegen der Hinein- ziehuug der Tochter del Grafen Münster in die Dreyfu»- Affatre durch die fravzöstsche Presse, ohne jeden Lorumeutar ab.

Loudon. 11. November. Der frühere Ftnauzmiuister Goyot ist in dem hiesigen großen uatiovaütberaleu Club großartig empfangen worden, und zwar wegen seiner Haltung im Drehful-Proeeß und wegen seiner freund­lichen Z-itnugiartikel gegenüber England während der letzten Sreiguiffe. Gvyot wurde sür zwei Jahre all Mitglied del Clubs gewählt. Der Club ist der dedeuteudste in Loudon.

«ew york. 11. November. Im Staate Süd-Karolina wurden drei Neger gelyncht, well fie auf Weihe ge- schossen hatten.

M P.C. vereinigte Staate». Gm versuch mit 80,4 Et«, starken Krupp'jcheu Panzerplatten ergab folgende günstige Resultate: Aul einem 30 Stm.-Geschütz mit einem Geschoß von 385 Kgr. worden drei Schoß auf die Platte abgegeben. Der erste Schuß draug bei einer Anfanglgefchwiudigkeit vou 558 Mtr. in der Sekunde 22 Et«. tief in die Platte ein, ohne dteselbe zu zertrümmern - der-weite Schuß mit 618 Mtr. Geschwindigkeit durchschlug die Platte- der dritte Schuß mit 524 Mtr. Geschwindigkeit drang nur 13 Stur, in die Platte hinein. Dieser Bersnch ergab, daß die »rupp'sche Platte von 30,4 6tm. Stärke einer vach de« Harseh'ichrn Verfahren hergestellten Platte von 33,1 Et«. Stärke gleichka», wodurch also durch die Krupp'jche Platte eine Gewichtlverrtugerung von 12,5 Proceot erzielt wurde.

Locales und prooüisUlUs.

Gießen, 12 November 1898.

**k Stadttheater. Nach deu beiden Gafttpirlabeudeu dieser Woche war bas Theater gestern Abend nur mäßig besucht. Dal ist zu bedauern, denn die Schauspieler lösten diesmal die entsprechend leichiere Aufgabe in mustergültiger Weise. G. von Moser, der mit seine« älteren Lustspiel »Ultimo* zu« ersten Mal in diese« Wiater zu Worte kam, stellt weder an dal Sestaliungstalent der Darsteller noch an die Fassung», kraft der Zuschauer große Anforderungen. Gr entwickelt seine Komik nicht an» oeugeschl-ffenen Charakteren heran», sondern bringt nur allbekannte L-stspittfiguren mit etwas anderem Aufputz in eine Reihe von ergötzlichen Situationen. So unterhält und belustigt er sein Publikum für einen Abend recht gut und ist selbst auspiuchllo» genug, nicht nach mehr zn streben. Diese drolligen Ginzelseenen verschafften denn auch demUltimo den Haupterfolg, namentlich die zwei Ehawpagoersrühstücke, da» Zrukdurtt oer beiden Schlegel, dir durch die engen Stiesel verursachten Schmerzen, die Dienst- botelstrafpredigt, die Feueipeobeu, dal dreifach auftretende Kcpsweh. von den Künstlern vergriff fich kein einziger in dec Auffassung feiner Rolle. Herr Direktor Hel« stillt die alten, behäbigen und jovialen Herren, zu denen der Eorn- merzieurath Schlegel gehört, ganz ausgezeichnet dar. Herr Liebscher stattete die originellste Persönlichkeit del Stückel, den streitsüchtigen, immer rrregtea Professor mit einer Fülle von humoristisch wirkenden Feinheiten au». Gin köstlicher alter Datei war Herr Walter. Frau Helm traf den schwärmerischen Ton der «xaltirten Mutter sehr gut- von de» beiden jüngeren Damen (Pauli und Rux) gefiel besonder! die erstere In ihrer flotten Bockfischrolle. Ihr Gegenspieler, Herr Merker, war ihr in seiner Lustigkeit und Sorglofig- keit vollkommen ebenbürtig. Die Herren Köhler und Sasterra waren die»mal ganz im rechten Fahrwasser, der eine all geckenhafter, aber erfolgloser, der andere all schüch­terner, aber glücklicher Liebhaber. Der Rangstufe entsprechend sei als Letzter da» vortreffliche Faciotum Schünemann, Herr Wtlhelmt, mit Auszeichnung genannt.

** Stadttheater. Sm Sonntag, den 18. d. M., Nach- mittags 4 Uhr, wird Blumenthal Kadelburg» sensationelle» Lust pielIm weißen Rößl" i« hiesigen Stadttheater zum sechsten Male ausgesührt. Die Vorstellung findet Nachmittags statt, damit auswärtigen Theaterinteressente» der Besuch der Ausführung ermöglicht werden soll. Sowohl die Vorstellung vonIm we ßtu Rößl" al» and) die Abend- aussührung (Vie Geier-Wally') findet im Abonnement zu gewöhnlichen Preiien statt. Der Borvtrkauf der Tages- billrt» befindet fich bi» Sonntag Mittag 3 Uhr bei Herrn Gruft Challier, Mufikalienhandlnng (Neuenweg).

(f Theater-Verein. Mit der NovitätHofgunst" von Trotha hat der Vorstand einen überaus glückliche» Dr'ff gethan. In Berlin, wo e» j tzt allabendlich mit stet! wachsendem Gefolge gegeben wird, hat e» bereits da« Ju­biläum der 50teu Aufführung hinter fich, und heute noch find die BilletS für mehrere Tage im Vorau» vergriffen. Aber auch in vielen anderen Städten reihen fich Wieder­holungen an Wiederholungen, überall awüfirt sich da» Pub­likum köstlich, und vor diesen Erfolgen streckt die Kritck ganz einfach die Waffen. In Darmstadt ist nun die Aufführung eine besonders vorzügliche, nicht nur die Darmstädter Presse, sondern auch die von WormS, in der bekanntlich das Hos- theater regelmäßig gastier, erkennt da» im vollen Maaße an. Die Palm- aber nuter allen Darstellenden wird einstimmig Fräulein Walter, unsere« geschätzten Gast am Mittwoch, -verkannt. Wir geben zn, dir Rolle ist eine überaus dank­bare, aber diesen Uwstand benutzt Fräulein Walter, um etwas gang Außerordentliche» daran» zn machen. Sie weiß diesen Wilofaug vicky so übermüthig, so reizend, so liebenswürdig zwischen allen den Perücken tummeln zu lassen, daß ihr nicht nnr in Darmstadt und Worm», sondern auch in Gießen alle Herzen zufliegen müssen.

- Panoram». Die bayrischen Königsschlösser. Mit den bvy ischen KöuigSichlöffern ist der Begriff de» Zanberhasten, Romantischen, Tragischen verbunden. Gleichwie der königliche Bauherr ihre Entstehung selbst fich dachte, daß fie värnlich nicht all von Menschenhänden errichtet gelten sollten, so lagert fich auch der Seist deS Märchenhaften über diesen herrlichen Bauten. Ihren ganz eigenthümlichen Reiz noch wesentlich zu erhöhen, dazu wirke natürlich ihre land schaftliche Umgebung nicht wenig mit. Ist doch diese schon allein für fich genügend, allerhand phantastische Bilder vor die Seele zu zaubern Felsen, Firnen, Wälder und Seen «ischen fich dort ohnehin zu einem Gesamwtbilde überwälti»