Ausgabe 
13.11.1898 Drittes Blatt
 
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in Loudon. Eine Persönlichkeit, die in der politischen und | in der Finanzwelt eine große Rolle spielt, diuirte dieser Tage im Savoy-Hotel und fragte, al» man mitperlendem Humor" von neuen Gerichten und von ihrer oft seltsamen Benennung sprach, den beliebten Küchenmeister:Weshalb zeigen Sie nicht ©ntröl ä la Faschoda au?"Monsieur, erwiderte Joseph schlagfertig,je suis aridste, je ne suis pas Marchand!"

Bewegung ist gesund. Sowohl die Nahrung, welche wir genießen, al» auch der Sauerstoff der eiugeaihwetru Luft kommen in da» Blut und fließen zur Ernährung aller Or­gane im ganzen Körper herum. Jede» Organ, da» im menschlichen Körper arbeitet, wird reichlich von Blut durch­tränkt. Wenn daher ein Organ hauptsächlich thätig ist, fi wird dasselbe bald wegen der fortwährend strotzenden Blutgefäße mehr oder weniger leidend, und andere Theile bekommen derhalb zu wenig Blut, e» fehlt die gleichmäßige Blutvertheilung. Vorzüglich find e» die 300 Murkeln de» Menschen, in welchen der Stoffumsatz vor sich geht. Der geistig Thätige darf daher nicht vergeffen,fich Bewegung zu machen, wodurch da» Gehirn entlastet vnd da» Blut in die 300 Mu»keln zu Armen und Füßen getrieben wird. Nur so ist körperliche» Wohlbefinden möglich. Jeder Mensch sollte fich daher täglich so viel Bewegung machen, daß er in Schweiß kommt. Ganz besonder» gesund ist die Bewegung in frischer Lust- Bergsteigen, im Garten arbeiten, Reiten, Schwimmen gehören zu den wirksamsten Heilmitteln gegen Nervenübel, gegen die Urberreizung de» Hirn» und de» Rückenmarks, welche in unserer überhetzten Zeit alle Stände, Geschlechter und Alter befällt. Aber auq Hruen, Mähen, Dreschen, Garbenladen rc. find sehr gesunde Arbeiten und wirken schweiß' absondernd.

Bon der vor Jahre»srist unter Führung de» Docrnten Otto Nordenfkiöld aurgesandten schwedischen Klondyke- Expedition liegen jetzt eine Reihe intereflanter Mit- rheilungen vor. Einem Aufsatz derBoff. Ztg." entnehmen wir darüber Folgende»: Veranstalter dieser Expedition war der Bankdirector Ek in Stockholm, der seiner eigenen Aus­sage nach etwa 100,000 Kr. für diesen Zweck verwendet hatte, doch ist diese wtffrnschaftlich und technisch vortrefflich besetzte Expedition auch über alle Erwartungen gut verlaufen. Der Zweck der Expedition war ein wiffenschaftlicher und ge­schäftlicher. Nordenfkiöld und die andern ihm beigegebenen W ffenschaftSwänner find die ersten Geologen, die da» nene Goldgebiet methodisch untersucht haben, weßhalb mau deren näheren Berichten mit Interesse entgegensehen muß. Nach seinen Forschungen im Gebiet der Pellh- und Stewartflüsie kommt Nordenfkiöld zu dem Ergebuiß, daß im Vergleich zu dem, wa» im eigentlichen Klondhkegebiet zu erreichen ist, alle übrigen Goldfunde im Noukonterritoriurn werthlo» find. Da» Slondykegebiet, der Bezirk, der im Norden vom Kloudykrfluß, im Süden vorn JndiawRiver, im Westen vorn Uakor-fluß und im Osten vorn O.d Gold Creek begrenzt wird, ist dafür um so reicher. In diesem Gebiet hatte Nordenskiöld bald nach seiner Ankunst in Dawsou City verschiedeneClaims" ge- muthet, die jetzt von dem Personal der Expedition bearbeitet werden und einen Werth von 2*/s Millionen Kronen (gegen 3 Millionen Mark) haben. Da» Consortium, da» hinter der schwedischen Klondyke-Expeditiou steht und dem u. A. auch Prof. Frhr. A. E. Nordenskiöld angehört, wird fich demnächst tu eine Acttengesellschast verwandeln, doch soll der Zweck der Gesellschaft nicht BrrgwerkSbetrieb in Kloudyke, sondern die Erwerbung von Claims, deren Zusammenlegung inBlockt", die sür einheitlichen Bergwerksbetrieb» geeignet find und die Bildung von BergwerkSgesrllschaften sürBlock" sein. An der Leitung dieser Gesellschaft soll iudeffen auch die Muttergesell' schäft betheiligt sein. Dawfon-Cith, wo fich am 1. Sept. 1896 ein Goldgräber anfiedelte, ist jetzt eine Stadt von 35,000 Ein­wohnern. Gerade in diesen Tagen hat sie an die kanadische Regierung da» Gesuch gerichtet, Dawson City wöge voll­ständige Stadtrechte und da» Recht, einen Platz tm kanadischen Parlament zu besetzen, erhalten. Dawson City ist Sitz der Verwaltung de» VukondistriklS- die Sicherheit ist eben so groß, wie in einer Weltstadt. Mord und Diebstahl sind im Nukonthal unbekannt. Gold im Werth von Tausenden kann Überall offen liegen, und Niemand denkt fcaion, seine Thür zu verschlteßen. (?) Zwei Zeitungen erscheinen in Dawson City: derKloudyke Miner" undThe Nugget" (Der Gold­

ebenfalls mit frischen Blumen bestreut und vor den unzähligen Fahnen, türkischen und deutschen, die au» jedem Fensterchen herauSgehängt waren, konnte man oft kaum den Himmel sehen, der in tiefem Blau den schönsten Grundton abgab für diesen Accord der saftigsten Farbentöne.

In dieser Umgebung, vor den Riesenmauern der Davids- bnrg, spielte fich in der dritten Nachmtttagsflunde da» groß­artige Schauspiel de» Einzüge» unsere» Kaiserpaares in die heilige Stadt ab, da» Allen, die ihm beiwohnen durften, un­vergeßlich bleiben wird, obwohl die große Enge der schlecht abgesperrten Straßen den Eindruck etwa» beeinträchtigte. Während alle Orientalen von den Polizeisoldaten, die nn» zum Theil durch ihr wenig imponirende» Aussehen ausfielen, mit der Peitsche verjagt wurden, ließ man nn» Deutschen freie Bewegung. Da e» aus den Balkon» und dem Dache unsere» Hotel»Tour David", einer Dependance bei Grand New Hotel, vor Sonnenbrand kaum auszuhalten war, ließen wir un» Stühle auf die Straße tragen, und erwarteten auf den schmalen Bürgersteigen die Ankunft unsere» Kaiserpaare», die durch ein aus einem eigrnthümlichen quiekenden Tone be­stehende» Stgnal vom Dadidtchurm angekündigt wurde.

Unter Boranritt türkischer Cavallerie kam der Zug bald darauf vom Jaffa-Thor her, wo eine türkische Militärcapelle einen Huldigungimarsch spielte. Boran der deutsche Bot­schafter in Konstantinopel, Freiherr v. Marschall, mit dem deutschen Consul in Jerusalem, v. Tischendorf, tm zwei- spännigen Wagen, dann Oberstallmeister Graf Wedel zu Pferde, unmittelbar vor der vierspännig mit Spitzenreitern

klumpen), die die Goldgräber mit den Ereignissen auf dem Laufenden erhalten und nach amerikanischer Art einen scharfen Streit mit einander führen. An Vergnügungen ist in Dawson City kein Mangel. E» gibt schon jetzt zwei Theater, eine Menge Tingeltangel, Spielhäuser und CaföS. Daß Jemand an einem Abend in den Spielhäusern Verluste im Werth von vielen Tausenden von Mark hat, ist nicht» Seltene». Auch der Drang nach dem Ewig-Weiblichen kann in einigen Lokalen gestillt werden. Für 5 und 10 Doll, für den Tanz können hier die Goldgräber ihr Tanzbein schwingen, und eS ist unter diesen Umständen erklärlich, daß die Schönen in Dawson City auf diese Weise zu Geld kommen. Eine hübsche amerikanische Tänzerin Nomen» Frieda Malow ist von ihrer Kunstreise nach Kloudyke mit 62000 Doll, zurückgekehrt. Außer einer Kirche ist auch die unvermeidliche Heilsarmee in DawsouCity zu finden. Wahrscheinlich wird die Stadt nächsten Sommer durch den Draht mit der übrigen Welt in Verbindung kommen.

Eine Schreibmaschine, welche nicht nur gewöhnliche, sondern auch Blindenschrift schreibt, ist das Neueste auf diesem Gebiete. Ueber die Construction dieser Maschine, D. R. P No. 99 462, macht uns das Patentanmeldebureau derPatentverwerthungsgefellfchaft, G.m.b.H. in Berlin NW., Unter den Linden 59", nähere Mittheilung. Die Maschine arbeitet mit einer sog. Typenscheibe, die schräg gelagert, durch Drehung einstellbar ist und auf der einen Hälfte der Unterseite die aus den verschiedenen Buchstaben des Blinden­alphabets entsprechenden Vertiefungen trägt. Zur Herstellung der erhöhten Schriftzeichen auf dem Papier dient ein aus­wechselbarer Kolben, welcher nachgiebig in ihm gelagerte und nach der Grundform des betreffenden Alphabets angeordnete Stifte besitzt, die in da» Papier hineingedrückt werden. Hier­bei werden nur diejenigen Stifte, über welchen sich gerade Vertiefungen der Typenscheibe befinden, Erhöhungen auf dem Papier Hervorrufen. Die auf der anderen Hälfte der unteren Typenscheibe angeordneten gewöhnlichen Drucktypen werden bei Anwendung eines oben glatten Kolbens gewöhnliche Schrift ermöglichen. Damit die Bewegung des Papierschlittens so­wohl nach rechts zum Schreiben von Blindenschrift, wie nach links zum Schreiben gewöhnlicher Schrift erfolgen kann, ist der unter Federdruck stehende Schalthebel für den Papier- fchlitten mit einem nach beiden Seiten gegen die Schallstifte schräg einstellbaren Schaltzahn versehen. Letzterer drückt beim Loslaffen des niederbewegten Hebels gegen den anliegenden Schallstift des Schlittens, sodaß letzterer je nach der stcllung des Schaltzahnes, um einen Schaltstift nach rechts oder nach links weiter bewegt wird. Die in zwei oder mehreren Reihen enger ober weiter gestellten Schaltstifte sind auf einer im Papierschlitten drehbar gelagerten Welle an­geordnet. sodaß durch Umstellung der Schriftenwelle, je nach der Schristart, eine engere oder weitere Stiftenreihe mit dem Schaltzahn des Schalthebels in Eingriff gebracht werden kann. Beim Schreiben wird die Buchstabenschaltung dadurch hervor- gebracht, daß der zur Bewegung der Schreibkolbens dienende Hebel mit einem Ansatz den Schalthebel übergreift und diesen beim Niederdrücken derartig zwangläufig mitbcwegt, daß der Schaltzahn mit den Schaltstiften zunächst außer Eingriff kommt, beim Loslaffen des Schreibhebels jedoch durch die auf den Schalthebel wirkende Feder in die nächste Lücke be;r Stiftenreihe einsp ingt, wodurch sich der Papierschlitten um eine Buchstabenentfernung weiter bewegt.

* Nach beendigter Radrennfaffou veröffentlicht derVerl. Loc.-Anz." eine Liste von deutschen Berufsfahrern mit den von ihnen auf vaterländischen Bahnen errungenen Preisen. Obenan steht natürlich Arend und zwar mit 17 925 Mk. Sodann hat Verheyen 6926 Mk. aufzuweisen. Breitling 4270, Köcher 4228, Mündner 4185, I. Fischer 4012, Herty 3522, Freudenberg 3230, Heimann 2530, BcckerS 2481, Weeck 2338, Huber 1945, W Koch 1790, Rucker 1790, Suchetzky 1785, Kannamüller 1703, F. Heidenreich 1606, A. Lehr 1265, Rudl 1242, Heering 1162, Jörns 1115, Dörfler 1147, Thorwarth 1057, Struth 1040, Dirhrimer 960, A. Heidenreich 921, Schlink 832, Oberberger 785, Läufer 712 und Lechert 645 Mark. Hierbei sind die Beträge, welche Maschmen-Reifenfabrikanten zahlen, und die von den Renn- (eitern bewilligten Startgelder, sowie etwaige Ehrenpreise nicht einbegriffen.

Eine Hauptsehenswürdigkeit der räcksteu Pariser Welt­ausstellung wird ein astronomische» Riefenfernrohr sein,

welche» alle bekannten bei Weitem in den Schatten stellen wird. Wie wir an» einer Mittheilung de» Internationalen Patentbureau» Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6 entnehmen, soll daffelbe eine Länge von 60 Meter erhalten. Die Linse wird einen Durchmrffer von 1,25 Meter haben. Gantirr, der Construcieur derselben, veranschlagt die H?rstellnugskofdn auf 1400 000 Franc». Da es mit außerordentlichen Schwierig­keiten verbunden sein würde, ein derartige» Rohr zu be­wegen, so wird man da»selbe feststehend montirev, während ihm da» Bild de» zu beobachtenden Sterne» durch einen be­weglichen Planspiegel von etwa 2 Meter Durchwiffer zuze- worfeu wird. Da» Rohr setzt fich au» 24 Slückm zu­sammen, deren jede» 2,5 Meter lang ist und einen Durch' weffer von 1,5 Meter hat. Da» Uhrwerk, welche» dem Planspiegel feine Bewegung ertheilen wird, besitzt allein ein Gewicht von 1400 Kilogramm. Der Spiegel allein, der, wie schon erwähnt, 2 Meter Durchmeffer und 30 Centimeter Stärke hat, wiegt 3600 Kilogramm. Nachdem verschiedene Glashütten adgelehnt hatten, einen Guß vorzunehmen, der so wenig Aussicht auf Gelingen bot, erklärte fich endlich die­jenige von Jeavmont bereit, fich der Aufgabe zu unterziehen. Sie goß 12 Blöcke, von denen fich schließlich einer al- brauchbar erwie». Da» Poliren geschieht auf maschinellem Wege in der Art, daß die Glasplatte eine rotirende Be­wegung erhält, während da» polirende Werkzeug gleichzeitig darüber eint hin- und hergehende Bewegung ausführt. Zwischen A-beitSstück und Werkzeug befindet fich eine dünne Schicht Waffrr mit Schmirgelpulver. Je weiter die Arbeit vorschreitet, um so feinere» Pulver kommt zur Verwendung. Das Schleifen allein hat ungefähr ein Jahr unausgesetzter Arbeit in Anspruch genommen. Nachdem da» Poliren voll­endet ist, muß der Spiegel noch versilbert werden. Die Linsen werden gleichfalls auf mechanischem Wege geschliff n, nur ist hier die Gefahr, da» Arbeitsstück zu verderben, un­endlich viel größer, al» bei dem Spiegel. Jede der beiden Flintlinsen wiegt 360 Kilogramm und kostet 75,000 Franc», die CrownglaSliuskn wiegen jede 220 Kilogramm. Da» ganze Linsenshstem fertig monttrt hat einen Werth tior. 600 000 Franc». Da» Instrument erhält zwei Objrc ive, eine» für direkte Beobachtung, da» andere für photographische Ans- nahmen. Beide ft ab, bei leichten Auswechselbarkeit wegen, auf kleinen Wagen monttrt, bie auf Schienen laufen. Für gewöhnlich wird man eine Vergrößerung von 6000 anwendeu, die aber bi» auf 100000 zu steigern ist. Die stärkste jetzt bekannte Vergrößerung ist 4000. Vom Monde au» würde man mit Hilfe diese» Rohre» einen der großen tranSatlan- tischen Dampfer erkennen können.____________

rvrNenichaft, Literatur unö rrunft.

Statistik der deutschen Schul- und UniversttätS- schritten 1897/98. Bei der Crntratsielle für Dissertationen und Programme von Gustav Fock m. b. H. in Leipzig stnd tm Wintersemester 1897/98, sowie im Sommersemester 1898 ,,347b tm gleichen Zeiträume an deutschen Universitäten bezw. höheren Lehr­anstalten re. neu erschienene Schriften (Inauguraldisierta tonen, Habilitationsschriften, Geleaenheitsschriften, Programmabhandlung»- 2c.) einaelikfert worden. Die Titel derselben sind im 9. Jahrgang des unter Mitwirkung mehrerer UniverMtSbehörden von ge­nannter Centralstelle herausgegebenen Bibliographischen MonatS. berichteS über neu erschienene Schul- und UnivelsttStSschrificn ver­zeichnet. Auf die einzelnen Wissenschaften verthellen sich die 3476 Schriften folgendermaßen: Klassische Philologie und Alterhums- wissenschaften 190 Abhandlungen. Neuere PH lologie (Moderne Sprachen und Literaturgeschichte) 184. Orientalia und Allgemeine Sprachwissenschaft 49. Theologie 30. Philosophie 79. Pädagogik 199. Geschichte und Hilfswissenschaften 98. Geographie.24. Recht«- und Staatswissenschaiten 413. Medizin 1367 Be Leiben de Natur­wissenschaften (Zoologie, Botanik, Geologie, Mineralogie rc) 173. Exacte Wlsienschaften (Matbematir Physik.Ast^nomie, Meteorologie rc.) 205. Chemie 345. Bildende Künste 19. Musik 13. Land rmd Korstwtrthschaft 17. Verschiedenes (Bibliothekswesen, Rrden rc.) 73. Jnsgesammt 3476 Abhandlungen. In den bisher erschienenen neun Jabraänaen sind die Titel von 32,840 Abhandlungen verz.icdnet. _

- Verein für Handlungs-Commis von 1858 (Kauf­männischer Verein) in Hamburg. Durch die kostenfreie Stellen- Vermittelung dieses Vereins sind in den ersten 10 Monaten diese» Jahres 5136 Stellen besetzt, gegen 4654 in der gleichen Zeit de» Vorjahre«; bis jetzt find mithin in 1898 bereits 482 Stellen mehr vermittelt worden. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen für die fort­gefetzt wachsende Ausdehnung des 58er Vereins. Der Mitglieder- ftand, der sich am 1. Januar d. I. auf 53951 Angehörige stellte, weist bis Ende October d. I. eine Neuaufnahme von 8893 Mit­gliedern auf, gegen 8802 in den ersten 10 Monaten des Voriadrcs. Die verschiedenen Wohifahrtseinrtchtungen zeigen eine günstige -Wettet» entwickelung.

gefahrenen türkischen Hosequtpage, in der mit ihren Hofdamen die Kaiserin in hellgrauer Toilette mit großem hell­braunem Strohhut Platz genommen hatte. Dicht dahinter ritt, eng umgeben von den Herren seine» Gefolge-, der Kaiser in Tropeuuaisorm mit den Abzeichen de» 1. Garde- Regiment» und dem Bande de» Schwarzen Adlerorden», den auch die Kaiserin angelegt hatte.

Unmittelbar vor nn» stieg der Kaiser vom Pferde, ohne daß bet der großen Enge ein Diener zur Unterstützung bereit gewesen wäre, machte fich mit dem Bambuistock, den er mtiführte, Platz und half der Kaiserin beim AuSstetgen au» dem Wagen. Dann schritt da» Kaiserpaar unter unseren Hurrahrufen die Trrppenstraße zur Grabe»ktrche hinab, während fich die Herrschaften de» Gefolge» nur mit Mühe ebendahin Bahn zu brechen suchten. Dabei entwickelte fich ein Treiben, da» für den Betheiligten in verschiedener Hin­sicht unb quem gewesen fein mag, da» un» aber ein ganz unbeschreiblich bunte» Schauspiel gewährte. Von allen Selten drängte die Volksmenge heran, so daß die Herren kaum von ihren Pferden steigen konnten. Dann aber begannen die Poltzetsoldaten von ihren Peitschen und Stöcken in so aus­giebigem Maße Gebrauch zu machen, daß der Menschenkaäuel sich tm Nu löste und die bunte Menge nach allen Setten hin auretnanderstob. Bet un» hätte eine so rücksichtslose Ärt polizeilichen Vorgehen» einen BolkSaufstand hervorgerufen ober vielmehr e» würde überhaupt undenkbar fein hier aber schaute so ein weidlich verprügelter TurbautrSzer seinen Züchtiger nur mit dumm lachendem Gesicht an und trottete davon.

Wesentlich stimmungsvoller gestaltete fich die Begrüßung, al» die Majestäten, nachdem sie die GradeSktrche, den Murtstan unb bie Erlöserktrche besucht hatten, durch die Bazarstraße nach dem Platz am Jaffathor zurückkehrten, um Wagen unb Pferd wieder zu besteigen. Jetzt hatte man da» Volk wett entfernt gehalten unb bie Erscheinungen kamen nun erst tm Einzelnen zur Geltung. Immer und immer wieder ließen wir unsere Hurrahruse erschallen, die da» Kaiserpaar sichtlich zu erfreuen schienen, unb in voller Pracht entfaltete sich vor nn» da» großartigste Bild. Im Hintergründe da» rtefige Gemäuer der DavtdSburg und de» Jaffathore», zwischen beiden der goldige Schein der Abendsonne unb tm Vorder­gründe da» schöne Gespann mit der freundlich lächelnden Kaiserin und den Prachtgestalten de» Kaiserlichen Reiter» unb seiner Begleiter.

Ueber bie Vorgänge in der GrabeSkttche und Erlöser- ktrche, über die Empfänge unb Reden dabet wird der osficiSse Telegraph zur Genüge berichtet haben. Besonders schön mar der Empfang am Eingang zur Grabeökirche durch bie Archt- manbriten ber verschiedenen Glaubeu»gemetuschaften.

Heute Abend ist Jerusalem tlluminirt. E» ist primitiv, weil man auf da» Oellämpcheu angewiesen ist. Manche» aber wirkt trotzdem großartig, wie die Z'nnen der David»- bürg unb da» Kreuz auf ber Kuppel ber Grabetkirche. Bor allem aber spendet der Vollmond sein verklärend»» Licht un» lockt Biele zu nächtttcher Wanderung auf den Oelber».