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Nr 214
Erstes Blatt.
Dienstag den 13. September
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Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
2ln»ts- und 2lnzeigeblutt für den Ureis Gicfzen
QeneNmt wen Rnpigca zu der Nachmittag« ftr dm Ta| trf*nnctibcn Nummer bi« Warm. 10 Utzr.
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■^7ä7. ST*”1 f Gratisbeilngr: Gießener Familienblätter.
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Ubrffie für Depeschrn: Anzeiger Stejee. ^aniprrcha Nr. kl.
Die Kaiserin von Oesterreich ermordet!
Folgende entsetzliche Nachricht meldete an» am Sam»tag Abend der Telegraph:
Wien, IO. September. Nach einer Mel- düng auS <Seus soll die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich von einem Anarchisten ermordet worden sein.
W r zweifelten Anfang« an der Richtigkeit der Nach« richt, erhielten dieselbe indeß bald durch folgende, von uni sofort durch Extrablatt veröffentlichte Depesche bestätigt:
Wens, 1». September. Zu der Ermordung der Kai serin von Oesterreich wird noch gemeldet, dast dieselbe, als sie sich heute Mittag zur Dampser Landungsstelle begeben wollte, von einem Menschen augesalleu wurde. Sie siel nieder, erhob sich aber bald wieder und begab sich bis zum Schiff. Hier verlor sie daS Bewußtsein. In ihr Hotel zurürkgebracht, verschied sie alsbald. Sie war durch eioeu Dolchstich ermordet worden. Der Mörder ist ein italienischer Anarchist; er wurde verhaftet.
lihi har nicht tiefe* Mitgefühl gehabt für jene unglückliche Frau auf Oesterreich! Kaisenhrou, welche seit dem plötzlichen Tode ihre! Sohnes, de» Kronprinzen Rudolf, ruhelos uwherretfte und In steter Veränderung des Aufenthaltsortes Vergessenheit suchte, die ste aber niemals sand! Und nun ist diese Frau, auf welche Niemand ein Steinchen zu werfen vermochte, welche immer Helferin und Trösterin -aller Hilflosen und verlassenen gewesen, an dem Gestade des Genfer Sees einem Mordbuben zu« Opfer gefallen! Wahrlich, der Schrei der Entrüstung und des Jammers, welcher heute durch alle Lalturläader gellt, ist berechtigt, und schaudernd muß sich der Blick abwenden von dem verworfenen, der durch den feigen Mord zur Schmach der Menschheit geworden ist. Sine wehrlose Fran, die nicht im Geringsten Antheil genommen harte an de« Gange der politischen Ereignisse, die sich die Linderung menschlichen Elends und Heilung der Wunden, welche das unbarmherzige Geschick der Menschheit schlägt, zur Aufgabe gemacht, hingemordet au» leuflischer Lust am verbrechen, niedergestochen, weil ste zufällig auf der Höhe stand, die Gotte! Weltordnuug ge- ichaffea! Wer beklagt in solchem Augenblick nicht die Milde unserer Gesetze und sehnt nicht zurück die Gepflogenheiten des Mittelalters, welche unter solchen Umständen Platz ge- zriffen hätten!
Noch vor wenigen Wochen weilte Kaiserin Elisabeth m Bade Nauheim, wo ste auch den Besuch des Deutschen Saiserpaares empfing, und heute ist ste bereit! eine stille, lobtt Frau, deren traurige! Ende alle Herzen rührt. Tiefer, aufrichtiger Schmerz durchbebt die Lande Oesterreich und Ungarn, aber nicht weniger herzlich nehmen auch wir Thetl <n dem Leide, welche! da! befreundete Kaiserhaus betroffen lat. Aller Blicke wenden sich voll innigen Mitgefühls auf 8en greisen Kaiser Franz Josef, für welchen dieses Jahr ein Freudenjahr werden sollte, da er am Schluffe desselben auf mne halbhundertjährige Rrgierungszett zurückblickt. Die schwierigen innerpolitischen verhältulffe tu Oesterreich waren schon dazu angethan, dem Monarchen das Jubiläum gründlich |u verleiden, nun hat ihn auch noch dieser furchtbare persönliche Schlag getroffen. Ja, er hatte Recht, als er beim Empfang der Nachricht ausrief: „Mir bleibt doch nichts er» fnart auf dieser Welt!" Er blickt auf eine segensreiche Regierung zurück, aber manch harter Schlag auf politischem tnb persönlichem Gebiet hat die Zeit des Glückes oft jäh Unterbrochen.
Die Liebe der Oesterreicher und Ungarn zu ihrem Kaiser inb König ist bekannt, und wie sich die Menschen auch sonst lu Leide zusammenthun, so werden auch die Unterthanen der Aachbarmonarchie sich um den Thron ihres Herrschers schaoren, t« ihn das schwere Leid möglichst vergessen zu machen. Es Ü nicht unmöglich, daß die herzliche Theilnahme, mit welcher tc Oesterreicher jetzt auf ihren Kaiser blicken, die Herzen tärt und nicht ohne günstigen Einfluß ans die Politik des Landes bleibt. Das Bild der Kaiserin Elisabeth und ihr indenken werden aber fortleben in der Geschichte und kau« jtmall verwischt werden. (xx)
Berlin, 11. September. Ganz Berlin steht unter de« Eindruck der Trauerkunde von der Ermordung der Kaiserin. In warmer teilnahmsvoller Weise kommt dabet bil schmerzliche Mitgefühl für Kaiser Franz Joses znm Sus- druck. Sehnliche Meldungen liegen au! Paris, London, Brüssel, Rom und anderen Städten vor.
Wien. 11. September. All die Schreckensknnde aus Genf durch Extrablätter hier bekannt wurde, bemächtigte sich der Bevölkerung die drückendste Trauersttmmung. Ein Hofbedtensteter verfiel, als er von der Ermordung der Kaiserin hörte, tu Irrsinn. Man glaubt, daß alle Jubi- läumsfeirrlichkeiten unterbleiben werden. Alle öffentlichen Eorporatiouen Oesterreich Ungarn» treten bereits zur Be- rathnng öffentlicher Trauerkundgebungen zusammkn. Die für Montag anberaumten Manöver in der Zips wurden abgesagt.
Wien, 11. September. Die erste Hosdame der Kaiserin machte telegraphisch dem Grasen Paar von der Ermordung Mittheilnug. Dieser begab sich sofort zum Ministerpräsidenten Grafen Goluchowsky und es wurde beschlossen, daß Paar nach Schönbrunn, wo der Kaiser augenblicklich verweilt, sich begeben sollte Der Kaiser war bei Empfang der Nachricht furchtbar niedergefchmettert. Der Kaiser lehnte sich auf und sagte: „Mir bleibt doch nicht! erspart auf dieser Welt."
töten, 11. September. Die gesamwte Presse, auch die „Arbeiter-Zeitungs, drückt ihren Abscheu und ei ef ste Entrüstung über die Ermordung der Kaiserin an!. Da! offiziöse Fremdenblott meint: Durch dieses, de« niedrigsten Gefühl entspringende verbrechen hat der Anarchismus sich selbst gerichtet. Fortan kann er nur in den Köpfen Irrsinniger Platz finden. Wie dasselbe Blatt weiter meldet, sagte der Kaiser beim Empfang der Todesnachricht zum Oberhofmeister: „Es ist nicht zu fassen, wie ein Mensch Hand anlegen konnte an diese Frau, die in ihrem ganzen Leben Niemand ein Leid und nur Gutes gethnu hat."
Wien, 11. September, von allen Potentaten Europas und Regierungen find Eondoleuzdepeschen an den Kaiser eingetroffen. In diplomatischen Kreisen herrscht die Anficht vor, daß nunmehr sämmtliche Regierungen fich gezwungen sehen werden, internationale Vereinbarungen zu treffen, um den Anarchismus mit der Wurzel auszureißeu.
Genf, 11. September. Der Mörder Lucch eni ist fortgesetzt bester Laune und zeigt fich erfreut, daß er die Kaiserin getödtet hat. Dem Untersuchungsrichter verweigerte er jede Auskunft. Bis jetzt ist es nicht gelungen, etwaige Eomplieen ausfindig zu machen.
Genf, 11. September. Die Kaiserin Elisabeth war am Freitag von Montreux hier angekommen und wollte gestern mit dem Dampfer nach Montreux z nückkehren. Ihre Anwesenheit war der Polizei nicht gemeldet worden, weil die Kaiserin incognito reiste. Als die Kaiserin, begleitet von einer Hofdame, gefolgt von ihrem Kammerdiener vor dem Denkmal de! Herzogs von Braunschweig eintraf, stürzte fich ein Mensch, welcher bisher an der Varriöre de! Quais ge- lehnt hatte, auf fie und versetzte ihr mit einem dreikantigen Stilet einen Stich unter die rechte Brust. Der Mörder flüchtete sofort, wurde aber von zwei Droschkenkutschern verfolgt, ergriffen und der Polizei übergeben. Die Kaiserin, welche vom Schiff nach dem Hotel zurückgebracht wurde, verschied gegen 3 Uhr, nachdem zwei Aerzte eine künstliche Athming und Frottirungen ohne Erfolg versucht hatten. Ein in der Elle herbeigerufener Priester konnte der Kaiserin noch die letzte Oelung ertheilen. Offenbar hatte eine innere Verblutung den schnellen Tod herbeigesührt. Die letzte Seußcrung der Kaiserin erfolgte auf dem Schiff, wo die Hofdame die Kaiserin fragte, ob fie Schmerzen habe, was fie verneinte. — Der Mörder ist 1873 in Paris geboren, hat in Parma seiner Dienstpflicht genügt und ist heute noch italienischer Staatsbürger. Er weilte zuletzt in Lausanne und kam am Montag nach Sens, mit der Abficht, den Herzog von Orleans zu ermorden, welcher fich in Genf auf seiner Alpenreise aushielt. Da er den Herzog nicht finden konnte, faßte er den Entschluß, eine andere hohe Persönlichkeit zu ermorden. Er erfuhr, daß die Kaiserin von Oesterreich, welche er vor vier Jahren in Budapest gesehen hatte, anwesend sei. Er erkannte dieselbe, stürzte fich aus fie und ermordete fie. Die Mordthat fällt unter daS Strafgesetz ton Genf, welches etne Todesstrafe nicht kennt.
Paris, 11. September. Wie in hiesigen Polizeikreisen behauptet wird, war die französische Regierung davon unter# rittet, daß ein anarchistisches Attentat statt finden sollte. Bor zwei Monaten während der Unruhen in Mailand hatten fich die Anarchisten nämlich tu dem Keller eines Schau k- locals versammelt. Unter den anwesenden italienischen Anarchisten befand fich auch der Mörder der Kaiserin Elisabeth, von den anwesenden Anarchisten wurden sieben als diejenigen bezeichnet, welche eins der europäischen Lönigshänpter, besonders den König Humbert, ermorden sollten. Ein
Agent der französischen Geheimpolizei, der der Versammlung beiwohnte, unterrichtete den französischen Minister de» Aus- wattigen hiervon. Dieser theilte sofort der italienischen Regierung das Vorhaben der Anarchisten mit, und es wurde eine besondere Ueberwachung in der Umgebung des König» Humbert angeordnet. Bor acht Tagen hielten die Anarchisten in Zürich eine neue Versammlung ab, worin sieden Anarchisten wegen NichtanSsÜhrnng ihrer Mission al» von der Polizei gekauft bezeichnet wurden. Luccheni erklärte: „Ihr werdet sehen, daß ich kein Feigling bin. Er verließ Zürich, ging nach Basel und Genf auf die Suche nach einem Opfer, wo ihm der Zufall die Kaiserin Elisabeth in den Weg führte.
Brussel, 11. September. Die Nachricht von der Ermordung der Raiferin Elisabeth wurde hier früh bekannt. Gegen 8 Uhr langte dieselbe In der königlichen Villa in Span ein, sand jedoch keinen Glauben. Al» um 5 Uhr die osficielle Bestätigung anlangte, fiel die Königin tu Ohnmacht. Der König, welcher auf den Azorentnseln weilt, wurde telegraphisch zurückberufen.
London, 11. September. Die Meldung von der Ermordung der Kaiserin von Oesterreich erregte hier die größte Sensation und Trauer, verbunden mit Erbitterung über da» ruchlose Treiben der Anarchisten, besonder» da die Ermordete gerade In England so populär war und so viele Freunde hatte. Die Nachricht wurde losort der Königin nach Balmoral telegraphier, welche auf» tiefste erschüttert war.
Die „Frankfurter Zeitung" meldet weiter:
Genf, 11. September. Der Mörder erklärte bei seinem Verhör im Justizpalast, er sei ein Anarchist, Italiener, sei am 21. April 1873 in Pari» geboren und sein Name sei Luigi Lucchenie. Die Gendarmerie forscht nach dem Instrument und danach, ob der Mörder einen Complicm hatte. Es herrscht große Erregung in der Stadt. Die Magazine sind geschloffen. Der Stadtrath vereinigt sich zu einer außerordentlichen Sitzung. — Beim Verhör de» Mörder» erklärte dieser mit Cynismu», er sei Anarchist seit seinem dreizehnten Lebensjahre und bemerkte, daß er nichts bereue. — Die Kaiserin befand sich seit einigen Tagen in der Schweiz und war im Grand Hotel de Laux bei Montreux abgestiegen. Sie kam am Freitag incognito nach Genf und machte einen Besuch bei der Baronin von Rothschild. — Der Mörder hat erklärt, daß er seit Mai in Lausanne arbeitete, und sei nach Genf gekommen in der Hoffnung, dm Prinzen von Orleans zu tödten, der hier fein sollte, aber er sand nicht den Prinzen. Hier hörte der Mörder von dem Aufenthalt der Kaiserin und verfolgte ihre Schritte seit gestern, aber er konnte keine ihm paffende Gelegenheit finden. Gestern, am Samstag stellte er sich am „Hotel Beau Rivage" auf und vollführte dann am Landungssteg den Mord.
Lugano, 11. September. Die Mordnachricht au» Genf wurde hier spät Abends bekannt und versetzte die hier weilenden italienischen Flüchtlinge in die äußerste Bestürzung. Man hofft, die Angabe, der Mörder sei ein Italiener, werde sich nicht bewahrheiten. Auf morgen ist eine allgemeine Versammlung der italienischen Flüchtlinge angesagt, um gegen dm politischen Mord überhaupt zu protesttrm.
Wien, 10. September. Das erste Telegramm der Gräfin Sztaray lautete einfach: „Ihre Majestät soeben gestorben." Die Meldung über die Ermordung enthielt erst die Depesche des Oberststallmeister» Berzeviczv. Der Kaiser äußerte zum Obersthofmeister Fürsten Lichtenstein: „Es ist nicht zu fassen, daß Jemand an diese Frau Hand gelegt, die in ihrem Leben Niemand Leides und nur Gutes gethan hat."________
Deutschlands neueste Kolonie
von Eapitän Hans Hensen.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
in.
Beamte, Kaufleute und Volk in China. Die Frauen. Chinesisch eSp eisen. Volksbelustigung en. Das Militär. Elternliebe der Chinesen. Chinesische Aerzte und Zahnärzte. Handwerker. Die Hungerrnöthe. Der Beruf der Culturnationen in China.
So neugierig, wie die Bewohner von Kiau-Tschou, find die Chinesen überall dort, wo sie mit Europäern noch wmig oder gar nicht in Berührung gekommen find. Man kann fie in Bezug auf ihren Verkehr mit Europäern in drei Klassen eintheilm: In Beamte, in wohlhabendere Kaufleute und in die Masse des Volkes. Erstere, meist mit großen, m Hom gefaßten Brillen auch dann versehen, wenn ihre Augen deren durchaus nicht bedürfen, wohl nur, well sie dadurch ei«


