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13.8.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 188 Erstes Blatt.

Samstag den 13. August

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Deutsche» Reich.

Berlin, 10. August. Orientreise bei Kaisers. Durch Vermittelung deS Auswärtigen Amtes find nunmehr auch die obersten Vertreter der evangelischen Kirche tu ben Niederlanden, Dänemarck usw. eingelaben worben, ber Ein« Weihung ber Erlöser-Kirche in Jerusalem am 31. October bei- zuwohnen. Auch nach Nordamerika sollen Einladungen er­gangen sein. Kaiser Wilhelm hat lautFranks. Ztg." bcnfenb bas wiederholte Anerbieten bei Sultans, die Unter- br ngung und Verpflegung für ihn und sein Gefolge gelegent­lich der Reise nach Palästina ihm zu überlasten, abgelehnt uno sowohl für Palästina wie für Aegypten dem Hause Look übertragen, die nöthigen Bolkehrungen zu treffen. Zu Ehren de» Kaisers wirb bas syrische Armeecorps bei Jaffa zu einer großen Parade zusammengezogen.

Berlin, 11. August. Gegenüber ben in ber Tagespreise verbreiteten Mittheilungen über ben verlaus bet im Reichsawt de« Innern gesührten wirthschaftlichen Vorarbeiten für die künftige Gestaltung unserer handelspolitischen Verhältnisse stellt dieNordd. Allgem. Ztg." fest, daß ba! Ergebnis der bisherigen Erhebungen über den Umfang ber heimischen Gütererzeugung fast durchweg ein in besonberem Maße befriedigendes ist. Die Annahme, baß ein großer Tyeil ber Fragebogen nur unvollstänbig beantwortet unb daler für ben beabfichtigten Zweck unbrauchbar sei, entbehrt^ demselben Blatte zufolge, vollständig der Begründung.

Berlin, 10. August. Unfallstatistik. Das Reichs- verflcherungsamt ist mit der Aufstellung einer gewerblichen Unfallstatistik für daS Jahr 1897 beschäftigt. In ben 90er Fahren hat fich die Zahl ber Unfälle Park vermehrt unb bte Steigerung scheint noch immer anzuhalten. Die neue Statistik soll den Ursachen bieser fortwährenden Steigerung nachforschen. Such soll die neue Statistik die Wirkung der Unfallverhütungs« Vorschriften im vergleich zu« Jahre 1887 zeigen. Die Arbeiten werden fich noch wett in bas Jahr 1899 hineinziehen.

Berlin, 10. August, lieber ben Depeschenbien st auf der letzten Norblanbsfahrt des Kaisers werden folgende Angaben gemacht: Der Depeschendienst mit derHohenzollern" wurde etappenweise versehen, und zwar: 1) durch ein bei der Depeschenstation Kopervik unb 2) durch eia bei Maudal, der südlichsten norwegischen Telegrapheustation, stationirtes Torpedoboot- 3) durch ben AvisoHela" bei FrederikShava on der Norbküste Jütlands - 4) durch zwei Torpedoboote bei Korsör. Die Torpedoboote gaben und nahmen Depeschen in voller Fahrt läugsseit derHohenzollern". Diese Depeschen waren in wasserdichten Säcken verschlossen und wurden mittels Leinen von Bord zu Bord geworfen. DieHela" hingegen mußte ein Boot auSsetzen, daS den Depeschrnsack an Bord derHohenzollern" brachte. Aus der Fahrt von Bergen nach Riel sind ganze Stöße von Depeschen auf dieHohenzollern" brförbert worden, darunter eine allein von etwa 2000 Worten. Wie viel Zeit bloß daß Entz ff:rn der durchweg! chiffrirten Telegramme in Anspruch genommen haben muß, läßt sich un­gefähr denken. Auch die Beamten auf ben beiben norwegischen und dänischen Telegraphenstattonen werden einige heiße Arbeits­stunden bet dem Abtelegraphiren gehabt haben. Das Tele­gramm, welches den Tod Fürst BiSmarckS meldete, erhielt der Kaiser an Bord derHohenzollern" Sonntag, 31. Juli, früh gegen 7 Uhr von Bergen aus. Die NachtS eingezogenen Flaggen werden sonst Morgens 8 Uhr mit Flaggenparade auf der »Hohenzollern" gesetzt. Zum Zeichen der Trauer aber wurde diesmal über Toppen Halbstocks geflaggt mit Aus­nahme der Kaiserstandarte. Ein im Hafen von Bergen liegendes französisches Kanonenboot setzte alsbald, wie eS daS internationale Teerecht vorschreibt, ebenfalls die deutsche Üriegsflagge halbstocks. Der Grund für daS deutsche Flaggen« Manöver wurde dem Franzosen alsbald durch ein von der «Hohenzollern" herübergesandtes Boot mltgetheilt, worauf der franzöfische Capitän an Bord derHohenzollern" kam, nm dem Kaiser sein Beileid auszudrücken. Im Uebrigen mögen die Franzosen wohl hinterher etwas verdutzte Gefichter gemacht haben, als sie hörten, daß fie dem Andenken des eisernen Kanzlers feierlich die letzte Ehre nach Seemanns« brauch erwiesen halten.

Berlin, 11. August. Staatliche Maßregeln zur Stärkung lei Deutschthums in der Stadt Posen find dort letzter Tage bekanntlich in Besprechungen beraiheu worden, an welchen unter der Leitung deS Finanzmintsters Dr. v. Miquel die Minister des Lultns, Dr. Bosse und des Innern Frhr. b. b. Recke, ber Oberpräfibent, ber Regierungspräfibent, ber Laubtagsmarschall für die Provinzialverwaltuug, und der Oberbürgermeister der Stadt Posen sowie der Stadtverord» setenvorsteher thellnahwen. Wie nun bekannt wird, haben

diese Berathnngen zu sehr befriedigenden Ergebnissen geführt. Man hat die Bauten für ein Provinzialmuseum größeren Stiles sowie für eine Bibliothek von etwa 300000 Bänden soweit vorbereitet, daß wohl unzweifelhaft in dieser Beziehung schon dem nächsten Landtage die erforderlichen Vorlagen ge­macht werden können. In Betreff ber Mitwirkung ber Pro­vinz bez«. ber Stabt Posen scheint im Wesentlichen ein volle! Etnverstänbniß erzielt zu sein. Die Durchführung ber Nieder- legung ber Umwallung unb ber bann auf ben betreffenden Grundbesitz zu errichtenden Bauten steht nunmehr grundsätzlich wohl außer Zweifel. ES wird aber selbstverständlich noch einige Zeit vergehen, bi» alle dieserhalb bestehenden Fragen vollständig geklärt, unb bte thatsächliche Erweiterung ber Stadt Posen in Angriff genommen werden kann. Hiervon wird auch die enbgiUige Beschlußfassung über ein herzu- stellenbes größere» GesellschastShaus unb ein neues Gymna­sium abhängen. Uebrigen« haben bte Minister fich auch ber Herstellung einer hygienischen Anstalt durchaus geneigt gezeigt.

Berlin, 11. August. Durch eine Labinetsorbre vom 3. d. M. sind in ber Gliederung beS KriegS- ministeriumS mehrfache Aenderungen verfügt worden, die am 1. October d. I. in Kraft treten sollen. Wir heben daraus besonders hervor, daß fortan an die Stelle des Militär-Oeconomie-DepartementS die BezeichnungArmee- verwaltungs'Departement" tritt, von dessen fünf Abtheilungeu bte vierte, bisher ServiSabtheilung genannt, alsUnter* kunftsabiheilung" bezeichnet wird. DaS Centraldepartement zerfällt in eine Ministerial- und eine Intendantur« Abtheilung. DaS bisherige Departement für bat Jnvalibenwesen ist um* gewandelt in einVersorgung-« unb Justizdepartewent" mit drei Abtheilungeu: einer PenfionS«, einer Bersorgungs« unb Jnstizabtheilung. Die btSherige FeftungSabthetlung bet Allgemeinen KriegSbepartementS erhält bte Bezeichnung //Ingenieur- unb Pionterabtheilung". Die bisherige Re- montirungSabtheilung wird ersetzt durch eineRemoute- Jnspection" mit dem Remonteinspecteur an der Sp tze, dessen Befugnisse im Ganzen unverändert bleiben.

Der deutsche Verein für das nördliche Schleswig, dessen Mitgltederzahl neuerdings namentlich durch die Herausgabe beS vierteljahrsblatteSDie Nord- mark" erfreulichen Zuwachs erhält, besitzt jetzt 26 OrtSad- theilungen, meist im nördlichen Schleswig selber, mit zu­sammen 2762 Mitgliedern. Die stärkste und auch die älteste OrtSabthetlung ist diejenige von Lügumkloster, welche 300 Mit- glichet zählt. Außerdem bestehen noch OrtSabthetlungen in Flensburg mit 161, Schleswig mit 79, Husum mit 38, Itzehoe mit 65, Kiel mit 155, Rendsburg mit 54 und Ham- durg-Altona mit 244 Mitgliedern. Neuerdings haben fich auch die Kassenverhältniffe deS Vereins, nach einem zeit­weilig recht ungünstigen Stande ganz wesentlich gebessert.

Der dritte national-sozt ale Delegirten* tag findet vom Sonntag den 25. bis Mittwoch, den 28. September in Darmstadt statt (nicht wie zuerst bestimmt war vom 2. bis 5. October). Als Tagesordnung ist in Ausficht genommen: 1. Sonntag, den 25. September, Abends : Orffentliche Versammlung. 2. Montag, den 26. September und die folgenden Tage: Berathnngen, und zwar 1) Ge­schäftsbericht Secretär Wrack. DiScussion. 2) Politischer Jahresbericht Pfarrer Naumann. 3) Referat: Das deutsche Kailerthum Geh. Hofrath Professor D. Dr. Bohm- Leipzig. 4) Referat: Die Handelsverträge Professor Dr. von Schultze-Gaevernitz aus Freiburg i. B. und Kauf­mann Pohlman auS Hohenaspe. 5) Referat: Organisation und Agitation Secretär Wenck. Während die Verhand­lungen über Punkt 5 ber Tagesotbnung vertraulich sein sollen, fiub bie übrigen Verhanblungen öffentlich. Sämmtliche verhanblungen finben im Kaisersaal statt. Das nähere Programm wirb Anfang September mitgetheilt.

Arr-Urud.

Budapest, 11. August. Der gestern spät Nachmittag» stattgefundene Ministerrath beschäftigte fich ausschließlich mit der politischen Lage. Banffy dürfte fich wahrscheinlich heute oder morgen nach Wien begeben.

Budapest, 11. August. »Pesti Hirlap" bezeichnet die Lage für Ungarn als sehr kritisch. In Wien herrscht die Meinung vor, daß der Widerstand Ungarns unbedingt gebrochen werden müsse.

Agra«, 11. August. Im UniverfitätSgebsube explo- bitte in ber Wohnung bes Pedells eine Menge von diesem angefertigter Feuerwerkskörper. Die Wohnung wurde

vollständig zerstört, Frau und Tochter des Pedells furchtbar verwundet, zwei andere Kinder leicht verletzt.

Mailand, 11. August. In Oder- und Mittelitalieu wüthet ein heftiger Orkan mit starken Niederschlägen, welcher überall großen Schaden anrichtete. UnglückSnachrichteu treffen ans Parma und Ravenna ein.

Amsterdam, 11. August. Der Ausstand d er Arbeiter,. welche die Ausschmückung des Hafens für die Krönungs* feierlicbfeilea ausführen sollen, nimmt jtden Tag größere Dimenfionen an. Die Socialdewokraten halten fortgesetzt Versammlungen ab unb entwickeln eine lebhafte Agitation, um einen allgemeinen Ansstanb während der Krönnngsfestlichkeiteu zu Stande zu bringen. In allen Städten werden Meetings organifirt, um gegen den königlichen Hof und speciell gegen die Krönungsfeierlichkeiten zu protestiren. Das Central- Comitö des Ausschuffes für diese Feterlichkeüeu wird wahr­scheinlich das Geld, welches ihm von den verschiedenen Stadtverwaltungen zur Ausschmückang ^gegangen ist, zurück­schicken.

London, 11. August. Infolge bedrohlicher Meldungen aus Peking werden in maßgebenden Regierungskreisen bie russisch-englischen Beziehungen als äußerst gespannt bezeichnet. Der neu ernannte englische Botschafter in Peters­burg hat fich infolge telegraphischer Orbre von Kopenhagen nach Petersburg begeben.

London, 11. August.Stanbard" meldet aus Hongkong, baß zwei amerikanische Kriegsschiffe nach ben philippinischen Gewässern abgebampst feien, um ben Truppen Agutnaldos Waffen zu liefern, falls biese für bie Freiheit ber Philippinen kämpfen wollen.

Sofia, 11. August. Der glänzeube Empfang, welchen ber Fürst in Montenegro erfahren hat, sowie bie Bestätigung von bem Abschluß eines politischen unb militärischen Bünd« niffes hat hier eine außerorbentliche Befriedigung hervor­gerufen.

Sofia, 11. August. Der macedouische Congreß hat ein an die Mächte gerichtetes Memorandum beschlossen, in welchem die baldige Durchführung des macedouijcheu autonomen Programms verlangt wird. ES wurde sodann eine sechsgliedrige Central-Agitations-Commission gewählt unb ber Congreß hierauf geschlossen.

Madrid, 11. August. Der spanische Botschafter in Pari! deprschirte, daß die Schlußnote Amerikas bereits in seinen Händen sei. In dem heute von der Königin- Regentin präfidirten Ministerrathe wird also vermuthlich die Entscheidung fallen.

Madrid, 11. August. Die Presse bespricht die Ein­berufung der Cortes in durchweg abfälliger Weise. Epocca" ist mit der Einberufung der Cortes nicht einver­standen. Die Abtretung ber Philippinen hänge nur von ber königlichen Gewalt ab. DaS BlattNazione" glaubt, baß die Zusammenberufung ber Kammer nicht möglich sei, ba Mittheilungen über bte gegenwärtigen Zustäube infolge ber Censur nicht gemacht werben bflrfen.

Tine FriebenS-Politik ist nun wirklich in Washington vereinbart worben. Die Unterzeichnung steht allerbiugS noch aus. Das Protocoll ber Friedenspräliminarien bestimmt als Ort ber Friebensverhaublungen Paris. Ebenso trifft eine Vorkehrung für bie Grvnblage eines Waffen* stillstanbeS. Die amerikanischen FriebenSunterhänbler sollen unter allen Umständen auf derZurückbehaltung" der Philippinen bestehen. Der franzöfische Botschafter Cambon erbat von ber spanischen Regierung bie Ermächtigung, bie Urkunde Über die Friedenspräliminarien zu unterzeichnen unb fügte hinzu, baß Spanien sofort bte Vorschläge Amerikas unterzeichnen ober zurückwetseu werbe- Amerika sei ent- schloffen, keinen neuen Aufschub zu gewähren. Wie bte römischeTribnna" melbet, findet zwischen dem Vatican und den Erzbischöfen Jreland unb Martinelli, sowie bem spanischen Minister bes Auswärtigen, Herzog Almodovar, ein fort« laufenber Schriftwechsel statt, um bte FrtebenSbebtngungeu bah in abznändern, baß bte religiösen Interessen ber katho­lischen Einwohner bes von Spanten an bte Bereinigten Staaten abzntretenben Gebietes nicht geschädigt werden.

Augenblicklich scheint Rußland starkes Oberwasser in bem hartnäckigen chinesischen Etsenbahnkrtege er­langt zn haben. In demselben Augenblick, wo Balfour als Vertreter des Auswärtigen Amtes tu Abwesenheit des ins Bad gereiften Lord Salisbury unb bes erkrankten Curzon unter Aufbietung großer Dialektik im Londoner Hause der Geweinen nachwies, daß die Politik der offenen Thür von England stets aufrecht erhalten worden fei, und daß kein Grund zu düsterer Auffassung vorliege, erhiett dieTimes" ein Telegramm, wonach das Tsungli Damen in Peking alle