Ausgabe 
13.5.1898 Erstes Blatt
 
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Rr 111 Erstes Blatt.

Freitag den 13. Mai

1898

Erscheint täglich ent LuSnohmk des MonkagS.

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Kießmer Anzeiger

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Lyell.

Bekanntmachung, bett.: Die Abhaltung von Körterminen zweck- Aufnahme von Zuchtthieren in das Provinzialherdbuch im zweiten Kör« bezirk (Simmrrtthaler).

Die Körcommisfion oeS zweiten KörbezirkS (Bimmen« thaler Vieh) wird nachfolgende Körtermine abhaltrn:

&1) Montag den 16. Mai, Bormittags 9 Uhr, auf dem Markrplotz in Langsdorf.

Montag den 16. Mai, Nachmittags 2 Uhr, auf dem Marktplatz in Hungen.

Die Züchter von Btmmeurhaler Vieh, welche ihre Thiere in das Herdbuch eintragen lasten wollen und bez. Anmeldungen fchon bet mir gemacht haben, werden ersucht, ihre betr. Thiere an dem bezeichneten Markiplotz aufzustellen, damit die Arbeiten der Commtsfion ohne Aufschub erledigt werden können.

Bolltrn noch weitere Viehzüchter ihre Thiere kören lasten wollen, so werden dieselben ersucht, dieselben gleichfalls an den betr. Körterminen vorzuführen, vorher aber dem Vor» fitzenden dieser Commisfion, Herrn Gurrpachter Pfannstie l in Angenrod, oder dem Geschäftsführer, Herrn Landw.rthschastS- lehrer Reichelt in Alsfeld, dtrecte Mittheilung hiervon zu machen.

Laubach, den 11. Mat 1898.

Der Präfident des laodwtrthfchaftl. Vereins voa Oberheffen. Friedrich Graf zu SolmS-Laubach.

Bekanntmachung.

Die Provinzial -Fohleuweide bei Merlau beginnt in diesem Jahr am 1. Juni. Die Fohlen müsten an diesem Tage zwischen 10 und 1 Uhr Mittags daselbst mit gezeichneter Halfter und Kette, sowie mit GesundheitS- schein von Großh. Bürgermeisterei oder BeterinSrarzt ab» geliefert und den 30. September d. I. um dieselbe Tages­zeit abgeholt werden, wobei der Besitzer beim Einfangen be« htlflich sein muh.

Die Fohlen erhalten, neben Behandlung und Weidefutter auf ca. 34 Hectareu, pro Tag jedes vor Austrieb Morgens 4 Pfd. Heu, Abends 3 Pfd. Hafer, sodann grün Futter von Hafer, Klee- qraS oder Wicken auf die Raufen aus der Vereivtkaste. Jeder Besitzer kann jedoch Haferzusatz in Natur oder durch Selbstzahlung geben lasten.

Das Weidegeld für bezeichnete Zeit von vier Monat beträgt pro Fohlen 54 Mk. 90 Pfg. oder pro Tag 45 Pfg., und muß die Hälfte beim Eintrieb und die andere Hälfte vor dem 1. August l. I. an die Verwaltung refp. Baurath Dr. Dirffrubach in Grünberg bezahlt werden. Alleufallfige Karkosten der Fohlen muß der Eigentbümer bezahlen. Letzterer kann wegen begründeter Verhältuistr fein Fohlrn zu jeder Zeit zurücknehmen und bezahlt dann nur die benutzte Weidezeit. Kranke und bösartige Thiere, sowie über lA Jahre alte Henglle, welche die anderen Thiere stören, können ausgeschlossen werden. Sonstige Auskunft ertheilt der genannte Baurath Ditffenbach.

Laubach, den 11. Mai 1898.

Der Präsident der landwirthfchaftl. Vereins von Oberheffen. Friedrich Graf zu SolmS-Laubach.

Deutsches Reich.

Berlin, 11.Mat. DaS Kaiserpaar wird am nächsten Sonntag, vou Urville kommend, in Straßburg eintreffen.

Berlin, 11. Ma'. DerReichsanzeiger" schreibt: Ju einem Thetle der Preffe ist die Nachricht verbreitet, eS fei ein Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der verfossungS- mäßigen ReichStagSwahlrechtS in Vorbereitung be- griffen oder gar schon auSgearbeitet. Wir find zu der Er» klärung ermächtigt, daß innerhalb der Regierungen keinerlei Erwägungen stattgefundeu haben, welche auch nur im ent» ferntesteu einen Anhalt zu dieser Nachricht bieten könnten. Dieselbe beruht sonach in ihrem ganzen Umfange auf Er- finduua.

Berlin, 11. Mai. Wie diePoft" mittheilt, ist Erz­herzog Karl Stefan vou Oesterreich am letzten BamStag in strengstem Inkognito hier eiogetroffev, um sich von Pro» feffor Sonvenborg operireu zu laffeu. Er hat im Dr. Oppen- heim'schen Sanatorium Wohnung genommen. Die Operation wurde am DteuStag früh von Proftffor Sonnenburg, unter Assistenz der Doetoren Zeller und Hermes vorgenommen und ist glücklich verlaufen.

Berlin, 11. Mai. Die von einem englischen Blatte

verbreitete Nachricht, daß S alag a iw Hiuterlaude von Togo von England au Deutschland abgetreten sei, ent­spricht, wie die Post mittheilt, nicht völlig den Thatsachen. Bis jetzt find die darüber eingeleiteteu Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gelangt.

Berlin, 11. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Durch die Rückkehr deS Cap Berdischen Geschwaders nach Cadiz könnte festgeftrllt sein, daß daffelbe die Kraft nicht in sich fühlte, einen Kampf mit der amerikanischen Flotte aufzunehmen. Möglicher, aber nicht wahrscheinlicher Weise liegt in Spanien die Abficht vor, die Cap Berdische Flotte mit den noch an den Küsten Spanien- befindlichen Schiffen zu vereinigen. Abrr auch in diesem Falle möchte e- zweifelhaft sein, ob eine al-daon vereinigte etwa- größere Flotte jetzt noch in den Stand gesetzt werde« könnte, mit nenuevswerther Kraft auf irgend einem Theil des Krieg-» schauplatzeS aufzutreten.

Berlin, 12.Mai. Der Gesetzentwurf über die Privat- Berficheruug-'Anstalten ist im Reichsamt de- Innern einer erneuten Umarbeitung unterzogen worden und wird in allernächster Zeit einer Sachverstäudigen-Commission unter» breitet werden.

Braunschweig, 11. Mai. Ju der heutigen Sitzung de- Landtage- beantragte die Justizcommiffion eine Refo» lutiou, in welcher unter Hinweis auf die welfifche Agitation betont wird, der RechtSzustand fei feit dem Jahre 1885 un­verändert. Zum Schluffe wird gesagt, daß der Landtag zwar die Rechte de» Herzog- vou Cumberland als nächsten Agnaten de- Herzogs Wilhelm anerkenne, die reich-- und preußenfreundlichen Agitationen aber entschieden mißbillige und zu der gegenwärtigen Regierung da- Vertrauen hege, dieselbe werde auf Grund der staatlichen Selbstständigkeit de- Herzogthum- einen dauernden RechtSzustand bezüglich der höchsten Regierungsgewalt de« Landes zu geeigneter Zeit berbeizuführen bemüht sein. Die Berathung der Resolution fiadet in nächster Woche statt.

Karlsruhe, 11. Mai. Wie dieBadische Preffe" au- bester Quelle erfährt, hat der Großherzog da- Em- laffungSgesuch de- GeneralmufikdirectorS Mottl, sowie deffen Frau nicht genehmigt. Mottl war für ein Gehalt von 30 000 Mark an der Münchener Hofoper engagirt.

Anstand

Wien, 11. Mai. Die Abendblätter coustatiren bei Be­sprechung der Thronrede, mit welcher Kaiser Franz Josef die Delegationen in Budapest eröffnete, daß Angesicht- deS den Frieden in der Monarchie stark betonenden Inhalt- der Thronrede der Hinweis auf die unsichere Lage eine Beunruhigung nicht zu erregen brauche, sondern in erster Linie dazu dienen soll, den Anforderungen der KriegSoer» waltunq einen wirksamen Nachdruck zu geben.

Wien, 11. Mai. Der Bund der österreichischen Industriellen richtete an die Mitglieder der österreichi­schen Delegation in der Angelegenheit der Bewilligung de» Credit- für Mariae Zwecke ein Memorandum, in welchem die Nothwendigkeit einer Steigerung der Wehrsähigkeit der Kriegsflotte auseinaudergesetzt, sowie die Aufgaben der Kriegsmarine im Frieden im Zusammenhang mit den Jn- tereffen der einheimischen Industrie eingehend besprochen werden.

Budapest, 11. Mai. Bei dem Empfange der Dele­gationen wurde der Kaiser bei seinem Eintritt und beim Derlaffeu de» ThronsaaleS stürmisch begrüßt. In der An­sprache de« Präsidenten v. JaworSki wurdru namrntlich die auf den Kaiser bezüglichen Stellen mit großem Beifall aus­genommen. Die Antwort deS Kaisers rief begeisterte Zu- stimmung hervor.

Budapest, 11. Mai. DerPester Lloyd" demeutirt die Gerüchte vou dem Rücktritt deS Grafen GoluchowSky.

Budapest, 11. Mai. Hiesige Blätter melden die Ver­haftung des ehemaligen Adjutanten de- Prinzen Philipp vou Loburg, Grafen Mattatfch Kehlewich.

Lewbrrg, 11. Mai. Wie dieGazeta Lwowska" meldet, sammelten sich heute auf dem Strzelecki-Platze eine größere Anzahl Arbeiter und beschäftigungslose Menschen an. Ein Theil derselben stürzte sich auf die Brodbuden. Ein Sicherheit-Wachmann und zwei Infanteristen, die zu Hilfe kamen, trieben die AuSschreiteudeu auseinander und verhin­derten eine Brodplünderuug. Die Rädelsführer wurden ver­haftet- es gelang ihnen jedoch infolge eines Angriffes der Menge auf den eScortirrudeu Infanteristen zu entkommen. Ein Steinwurf, welcher dem Infanteristen galt, traf einen der Excedeuten. Bald darauf erschien eine AbtheUung

Polizisten, die Urheber der Ausschreitungen waren jedoch verschwunden.

Triest, 11. Mai.Piccolo" meldet au» Mailand, daß die Aufständischen die königliche Sommerrefidenz Monza hätten erstürmen wollen, wären aber zurückgewiefen worden.

Rom, 11. Mai. Da- militärische Amtsblatt veröffent­licht bte Einberufung derjenigen Reservisten aller neunzehn Jahresklaffen, die für den Bahn dienst vor- gebildet find, in-gesammt etwa 3000. Sie sollen den Bahu- dienst versehen.Esercito" sagt: Diese Maßregeln begegnen etwaigen Stricks der Bahnbediensteten. Offiziere coutrolli, en den Dienst auf den Bahnhöfen. Die militärische DiSciplin, der das ganze Personal unterworfen sei, sichere überall nicht nur den Zugverkehr, sondern mache auch jede Aufreizung zum Ungehorsam unmöglich.

Bern, 11. Mai. Der schweizerische BundeSrath wurde vou Spanien und Amerika davon verständigt, daß sie während der Dauer dr- Kriege- die Zusatzbestimmuugeu zur Genfer Convention vom Jahre 1868 in Anwendung bringen wollen. Der Bunde-rath wird den Signatarmächten hiervon Kenntniß geben.

Antwerpen, 11. Mai. Die spanische Regierung hat den DampferRavenna" von der Oriental Companie an» gekauft.

Pari», 11. Mai. Da- Ceutralcomitä der Eisenbahn- bediensteten plant einen internationalen Au-stand der Eisenbahnbedieosteten Europa».

London, 11. Mai.Daily Mail" meldet au- Rew- York, daß die Nachricht von der Rückkehr de- spani­schen Geschwaders nach Cadiz au- dem Grunde mit Befriedigung aufgenommen worden sei, weil man nunmehr keine Besorgniß zu hegen brauche, daß der amerikanische KreuzerOregon" von den Spaniern aufgefangen werde.

London, 11. Mai. Eine Depesche de- Blatte-Globe" meldet au- Gibraltar vom heutigen Tage, ein dort ein­getroffener englischer Dampfer habe der Marinebehörde ge­meldet, er habe in der vergangenen Nacht einen spanischen Torpedobootzerstörer, eines der zur Bewachung der Bucht vou Algeciras und der Meerenge bestimmten Schiffe, pasfirt. Gleich darauf habe man vom Bord deS englischen Schiffes au- gesehen, daß Plötzlich die Lichter an Bord deS Torpedobootzerstörers erloschen- eS folgte eine furchtbare Explosion und da» Schiff fei hierauf vollständig verschwunden. Wahrscheinlich habe eine Keffelexplostou stattgefuuden und alle an Bord Befindlichen seien umgekommen.

Madrid, 11. Mai. Amtlicher Nachricht zufolge find die unterseeischen Vertheidigung-einrichtungen der Kriegshäfen Ferrol, Cadiz, Cartagena und Mahon fertig, gestellt worden. Es ist daher die Einfahrt in die genannten Hafen bei Nacht verboten.

Madrid, 11. Mai. Silvela conferirte gestern längere Zeit wtt Marschall Martinez Campo» und dem Kamrner- präfidenten MonterotrioS. Dieser hatte eine längere Besprechung mit der Königin-Regentin. Die republikanische» Führer hielten gestern eine wichtige Berathung ab.

Gibraltar, 11. Mai. Der englische Capitän Poyer, welcher gestern hier angenommen ist, berichtet, daß die spanische Behörde in Cadiz ihn mehrere Tage zurückgehalteu hätte, weil er fich nach ihrer Ansicht durch Aufgabe einet Telegramms der Spionage verdächtig gemacht habe. Der englische Consul habe zwar seine Freilaffung verlangt, aber die spanische Regierung hätte ihn deS Landes verwiesen.

New York, 11. Mai. Aus Manila wird über Shanghai die Ermordung deS spanischen Admiral- Mon« tojo und seiner beiden Söhne gemeldet. Weiter wird be­richtet, daß die Aufständischen in der Umgegend von Manlla viele Frauen und Kinder niedergemetzelt haben.

Rew-dork, 11. Mai.Evening-Telegramm" erklärt, eS sei ein Complott entdeckt, daS die Sprengung des Weißen Hauses und des Kriegsministeriums bezweckte. 250 Pfund Dynamit wurden gefunden, sowie ein großes Gefäß Nitroglycerin. Frkf. Ztg.

Key West, 11. Mai. DaS französische Kriegs­schiffBolton" hat Havanna verlassen, um fich mit spanischen Flüchtlingen an Bord nach Veracruz zu begeben.

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Gießen, 12. Mai 1898.

** Dieustnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog habenAllergnädigft geruht, am 11. Mai I. I. den Steuereommiffär de- Sreuercomrntffariat- Schotten, Carl