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13.3.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 6t Erstes Blatt.Sonntag den 13. März

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Erscheint tägNL mit Ausnahme des Montags.

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Gießener Anzeiger

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2lmtHd)cr Theil.

Hilfsverein für die Geisteskranken in Heffen.

In Ausführung zweier Beschlüffe der General-Versamm­lung unserer Vertrauensmänner vom 29. November v. IS. bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß:

1. Um unserem Verein einen in Bezug auf deffen Ziel und Zweck erschöpfenderen und dem Inhalt der §§ 1 und 2 der Statuten mehr entsprechenden Namen zu geben, führt unser Verein nicht mehr die Bezeichnung: Unterstützungskaffe der hesstschen LandeS-Jrrenanstalten und der psychiatrischen Klinik zu Gießen, sondern den Namen: Hilfsvereiu für die Geisteskranken ia Hessen.

2. Um in dem Curatorium (dem Aufsichtsrath) unseres Vereins die Anzahl der unständigen (d. h. der auf je 5 Jahre durch die Generalversammlung der Ver­trauensmänner gewählten (Mitglieder in ein richtigeres Verhältniß zu der Anzahl der ständigen Mitglieder zu bringen, und um ferner der bedeutenden Zunahme der Mitgliederzahl unseres Vereins gerecht zu werden, ist die Anzahl der unständigen Mitglieder von 9 auf 158 erhöht wordeu. In Folge deffen zählt das Curatorium nunmehr 28 Mitglieder, und zwar für die Geschäftsperiode 1897/98 bis 1901/02:

A. Ständige Mitglieder:

a. Zwölf Beamte der Großh. Laudes-Jrreu- austalten und der Psychiatrischen Klinik zu Gießen:

I. Großherzogliche Landes - Irrenanstalt zu Heppenheim: 1. Director Dr. Bieberbach, 2. Oberarzt Dr. Kratz, 3. Oberarzt Dr. Römheld, 4. Rechner und Hausverwalter Listmann, 5. Decan Anthes, evangelischer Anstaltsgeistlicher, 6. Dekan Dr. Engehardt, katholischer Anstaltsgeistlicher.

II. Großherzogl. Laudeshospital zu Hofheim: 7. Director Dr. Mayer, 8. Rechner und Hausver­walter Stroh, Decan Heß, evangelischer Anftaltsgeist- licher, 10. Pfarrer Herrmann, katholischer Anstalts­geistlicher. < -WAMM8

HI Großh. Psychiatrische Klinik zu Gießen: 11. Director Professor Dr. Sommer, 12. Rechner und Hausverwalter Bohne.

b. Die Vertrauensmänner der drei Proviuzial- Hauptstädte: 13. Oberbürgermeister Morneweg, Darmstadt, 14. Oberbürgermeister Gaauth, Gießen, 15. Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Mainz.

B. Unständige Mitglieder.

I. a. für die Provinz Starkenburg: 16. Pfarrer Fuchs, Arbeilgen, 17. Bürgermeister van Gries, Bens­heim, 18. Oberamtsrichter Seibert, Höchst, 19. Rentner Steeb, Offenbach.

b. für die Provinz Oberheffeu: 20. Geh. Justiz, rath Baur, Bad-Nauheim, 21. Rentner Ubrich, Friedberg, 22. Lehrer Lohrbacher, Vilbel, 23. Districts- einnehmer Spaar, Alsfeld

c. für die Provinz Rheinhessen: 24. Ver- sicherungsinspector Daudt, Worms, 25. Bürgermeister Hahn, Horchheim, 26. Lehrer Dereich, Bosenheim, 27. Bürgermeister Neff, Bingen.

II. Durch Beschluß des Curatoriums vom 27. September v. Js. zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt: 28. Geh. Medicinalrath Dr. Ludwig, Heppenheim.

Heppenheim a. B., 5. März 1898.

Die Verwaltung

des Hilfsvereins für die Geisteskranken in Heffen.

Dr. Bieberbach, Dr. Kratz, Dr. Römheld, Listmann.

Deutscher Reichstag»

60. Sitzung vom Freitag Den 11. März 1898.

Tages-Ordnung: Fortsetzung der zweiten Lesung der Postdampfernovelle. § 1, der die jährliche Subvention nm V/u Mill. Ml. erhöht.

Abg. Hammacher (ul) widerspricht der gestrigen Seußerung der Abg. Molkeubuhr, daß der Lloyd die Post, dampfer auch ohne Subvention laufen laffen könne. Was die Berührung von Rotterdam aulange, so habe dieser Platz

große Vorzüge, denn die Verbindung mit dem Meere pflege kaum jemalr eiuzufrieren.

Abg. Richter (frs. Bp.) legt nochmals den ablehueu- den Standpunkt seiner Partei dar. Wenn sich die au China geknüpften Erwartungen erfüllten, dann würden auch schon ohne Subvention sich die nöthigen Verbindungen mit Oft- afiea etustelleu. Die Hamburg-Amerika-Linie habe sich ja auch sofort beeilt, eine solche Verbindung herzustelleu. Jedenfalls sollte man nicht behaupten, daß die subventiouirten Linien so ganz besonders das nationale Jntreffe in Bezug auf Fracht- und Personenverkehr wahrnähmeu, während sie doch gerade in großem Umfange auch dem ausländischen Verkehr dienten. Daß die sibirische Bahn Alle auf sich lenken werde, die es eilig hätten, sei nicht zweifelhaft. WaS die englischen Sub- ventionen aulange, so stehe denselben die Verpflichtung gegen­über, englische Off ziere und Mannschaften mit hohem Rabatt zu befördern.

StaatSsecretär Graf PosadowSkh verliest ein vom Reichskanzler an den Lloyd gerichtetes Schreiben, wonach der Lloyd, um der Concurrenz ausländischer Schifffahrtsgesell- schäften die Spitze bieten zu können, Rabatt bis zu 20 pCt. gewähren, aber keinesfalls Ausländer bevorzugen darf.

Nach einer kurzen Entgegnung des Abg. Richter wird die Debatte geschloffen und § 1 angenommen.

Die §§ 2 und 3 werden debattelos genehmigt. § 4 verpflichtet den Lloyd, zwischen Bremen und Hamburg zu alterntren.

Zu § 4 liegt ein Antrag Heim (Ctr.) vor, welcher will, daß der Unternehmer zu verpflichten sei, als Rückfracht nach europäischen Häfen Getreide, Fletsch oder Molkerei- producte nicht zu befördern. Dagegen will ein weiterer Antrag Molkenbuhr den Unternehmer verpflichten, für die Ausreise so viele weiße Schiffsleute auzunehmen, als die Dampfer nach dem Handbuch für die deutsche Handelsmarine an Besatzung haben sollen.

In den Antrag Heim will ein Amendement v. Levetzow noch daS WortWolle" einfügen. Außerdem ist noch zu der ersten von der Commiffton beantragten Resolution ein Antrag etngegangen. Die Resolution selbst will auf dem Wege der Vereinbarung mit dem Lloyd den Reichskanzler ermächtigt wiffeu, ausländische laudwirthschastliche Coueurreuz- produete, mit Ausnahme von Tabak, Häuten, Fellen und Wolle, von dem Transport auf Subventions-Dampfern auS- zuschlteßeu.

Ein Antrag Graf zu Inn- und Knyphausen will diese Ermächtigung deS Reichskanzlers auf alle landwirth- fchaftltchen Produkte auSdehueu. Die Debatte erstreckt sich gleich auch auf diese erste, sowie auf die zweite, auf die Ver­wendung Farbiger bezügliche Resolution der Commiffton.

Abg. Molkeubuhr (Soc.) empfiehlt feinen Antrag, dabet namentlich auch auf die Gefahr der Lepra-Einschleppung hinweisend.

StaatSsecretär Graf PosadowSkh bittet umAblehnnug deS Antrages Molkeubuhr.

Abg. Heim (Ctr.) begründet seinen Antrag, indem er behauptet, die bloße Resolution genüge nicht. Er sei über­haupt gegen bloße schwächliche Resolutionen, wo eS fich um allgemeine Interessen handele, und werde dies auch tu nächster Zett noch anderweit bethätigen. Er selbst uod der größte Theil seiner laudSmäuntschen Freunde werde auch für den Antrag Molkeubuhr stimmen.

Abg. Prinz Arenberg als Referent bittet dringend um Ablehnung des Antrages Heim.

Abg. v. Levetzow (cons.) bittet um Annahme seines Antrages.

Abg. v. Stumm (Rp.) spricht gegen die Anträge Heim, d. Levetzow und Molkeubuhr und bittet, statt der ersten Resolution die Fassung deS Grafen Jun- und Koyp- hausen anzunehmeu.

StaatSsecretär Graf PosadowSkh bittet, den Antrag v. Levetzow abzulehnen. Deutschland importire 250000 Tonnen Wolle, 22500 producire eS selber, und von diesem seinem Gesammtverbrauch gingen nur 5475 über die Postdampfer. Er erkläre sich daher gegen den Antrag v. Levetzow und gegen einen Wollzoll. Die Regierung habe ja schon wieder­holt gesagt, daß sie innerhalb der bestehenden Handelsver­träge thue, was irgend möglich sei. Und bet Ablauf der Verträge werde diese Frage sehr ernstlich geprüft werden. Er, Redner, warne davor, über die Regierungen hinweg solche Beschlüffe zu fassen, für die Laudwtrthschaft könne mau nur Haud in Hand mit den Regierungeu etwas erreichen. Er bitte um Äuuahme der CommifftonS-Resolution und um Annahme der Resolution deS Grafen zu Jun- uud Kuyphauseu.

Nach weiterer kurzer Debatte versichert StaatSsecretär Graf PosadowSkh nochmals, der Reichskanzler werde so­fort den Lloyd verpflichten, Getreide, Fleisch, Molkereipro- ducte vom Transport auSzuschließen. Wolle dagegen nicht, weil da- nicht angängig sei. Die Regierung werde sich aber die Möglichkeit offen halten, nach Bedarf weitere landwirth- schaftliche Produkte auszuschließen.

Abg. Barth (frs. Vg.) betont, auS der heutigen De­batte sei zu ersehen, daß es mit der SammlungSpolttik nicht wett her sei. Es sei characteristisch für die Agrarier, daß fie so hartnäckig Maßnahmen forderten, die der Landwirth- schäft gar nichts nützten. DaS sei eine Schöppenstedt- Politik.

Abg. Graefe (Antis.) ist für den Antrag Heim- Levetzow, Abg. Münch-Ferber (nl.) ist gegen denselben.

Der Antrag Molkenbuhr wird mit 172 gegen 39 Stimmen abgelehnt, desgleichen der Unterantrag v. Levetzow mit 157 gegen 47 Stimmen; ungefähr mit demselben Stimmeu- verhaltuiß wird der Antrag Heim abgelehnr. Die Resolution des Abg. Graf zu Inn- und Kvhp Hausen wird angenommen. Auch die Resolution, wonach die Erhebung von Schiff»- gebühreu auf dem Main nach Vereinbarung mit den Regie- rnugeu unterbleiben soll, gelangt zur Annahme.

Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. Tagesordnung: Militärstrafproeeßorduung.

Schluß 61/, Uhr.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. März. Der Schriftsteller Fritz Brentano tu Berlin ist, wir die Abendblätter melden, verhaftet worden. Die Verhaftung soll mit Brentanos Schuldenlast Zusammenhängen.

Ausland.

löten, 11. März. DieWiener Abeudpost" bemerkt unter Hinweis auf den ähnlichen Vorgang bei der Feier de» 40jährigeu Regierungßjubtläums des Kaiser», e» entspreche am meisten den hochgesinnten Ansichten dr» Kaisers, auch fich an dem bevorstehenden Gedenktag nicht durch festliches Gepränge und feierliche Veranstaltungen, sondern durch Werke der Räch st e ulte b e gefeiert zu sehen.

Sitte«, 11. März. Eine gewaltige Lawine riß auf dem Gebiete der Gemeinde Törbel tu Oberwallt» vier Häuser und acht Scheunen fort. 37 Stück Vieh kamen um. Menscheuverlust gab eS nicht.

Neapel, 11. März. Die deutschen Studenten be­suchten heute Vormittag die Uuiverfität, wo fi- von dem Rector, den Profefforen und den Studenten begrüßt wurde«. Später begaben fich die deutschen Studenten in Begleitung von etwa 200 italienischen Studenten mittelst Sonderzuge» nach Pompeji.

Christiania, 11 März. Der ConstitutionSauSschuß sprach fich heute mit 5 gegen 2 Stimmen dafür au», daß allen über 25 Jahren alten Männern mit Einschluß de» Gefinde» das allgemeine Stimmrecht verliehen werde.

Belgrad, 11. März. Die Beisetzung der Leiche Garaschini» erfolgte unter überaus zahlreicher Bethei- ltguuq der Bevölkerung. Die Minister, Würdenträger, sowie die Beamten waren aowesend. Die Könige Alexander und Milan liehen fich vertreten Zur Einsegnung in der Kathe­drale erschien König Alexander.

Cocales rind provinzielle».

Gießen, den 12. März 1898.

Verleihung de» Goldenen Kreuze». Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin haben Allergnädtgft geruht, am 11. d. MtS. als am Geburtstage Ihrer Großherzogliche« Hoheit der Prinzessin Elisabeth, dasGoldene Kreuz" für langjährige treue Dienste in einundderselbeu Familie an folgende Dienstboten zu verleihen:

1. Provinz Starkenburg.

1) Emma Bailey aus Henley in England, 25 Jahre bei Seiner Erlaucht dem Grafen zu Erbach-Schönberg ta König i. Od. 2) Katharine Bock aus Wolfsheim, 25 Jahre bei Herrn Benefiziaten Eugen Sommer in Dieburg. 3) Margarethe Demmel aus Beffungen, 26 Jahre iu der Hofhaltung Seiner Großherzogltchen Hoheit de» Prinzen Wilhelm von Heffen zu Darmstadt. 4) Margarethe Früh- lich au» Nieder-Kain-bach, 25 Jahre bei Herrn Major Freiherrn v. Hehl in Darmstadt. 5) Barbara Jung an» Krieg»heim, 26 Jahre bei Frau Antonie Beyer Wittwe in Darmstadt. 6) Louise Kehr au» Langen, 26 Jahre bei