Ausgabe 
13.3.1898 Erstes Blatt
 
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Herr» I. Metzger ta Lange». 7) Marie König aus Sickendorf, 25 Jahre bei Herrn Kircheurath Fivk in Groß- Gerau. 8) Margarethe Krämer ans Güttersbach, 40 Jahre bei Geschwister Roth ia Erbach i. Od. 9) Juliane Kunkel au- Babevhauseu, 25 Jahre bei Freifrau v. Malapert tu Darmstadt. 10) Susanne Martin auS Faulbach, 26 Jahre bet Herrn Pfarrer Götz ia Jügesheim. 11) Justine Meher au« Reinheim, 25 Jahre bet Herrn LaudgertchtSafleffor Neuling in Darmstadt. 12) Katharine Schmidt au- Gernsheim, 26 Jahre bet Frau W. Scheid ia Darmstadt.

2. Provinz Oberhesseu.

1) Marianne Damm aus Ockstadt, 54 Jahre bei der Familie des Müller- Jean Kipp in Ockstadt. 2) Elisabeth Helfenbetu aus Lauterbach, 26 Jahre bet dem Erb« marschall Ludwig Riedesel Freiherrn zu Etsenbach auf Schloß Etsenbach. 3) Margarethe Knoch auS Lauterbach, 25 Jahre bet Herrn Kaufmann H C. Finger tn Lauterbach. 4) Margarethe Ott aus Gießen, 31 Jahre in der Familie Wasser schieb en in Gießen. 5) Eva Roth au« Bruchen­brücken, 51 Jahre tn der Familie Timon zu Bad Nauheim. 6) Eltfabethe Schwab aus Daueruhrim, 25 Jahre bei Frau Major Bichmann tu Friedberg. 7) Eltfabethe Sing aus Münster, 26 Jahre bet Herrn Bauinfpector Schön in Ltch. 8) Eoa Witt au- Oppershofen, 25 Jahre bet Herrn Pfarrer und Decau F. Appel tn Oppershofen.

3. Provinz Rheinhessen.

1) Barbara Becker auS Etbmgen, 25 Jahre bei Herrn Medicinalrath Dr. Krug tn Mainz. 2) Charlotte Blaß au- Dorn-Dürkheim, 25 Jahre bei Herrn Mathias Lösch tu EinShetm. 3) Barbara Brechtel auS EdeShetm, 25 Jahre bet Frau A. Kuhn tu Matuz. 4) Elise Bubach auS Armsheim, 25 Jahre im katholischen Pfarrhaus tu Heimersheim. 5) Eltsabetbe Geyer auS Horrweiler, 25 Jahre bei Jacob Hupf IV. in Horrweiler. 6) Elise Ha blitz aus Sponsheim, 29 Jahre bet Herrn Kaufmann Schaberger tn Mainz. 7) Katharine Keck aus Groß-Karle- bad), 29 Jahre bet Herrn Friedr. Feldhetm tu Mainz. 8) Phtltpptue Mause au» EtmSheim, 27 Jahre bet der Familie Wtlh. Steitz tn Oppenheim. 9) Eltfabethe Neu- roth aus Stahlhofen, 26 Jahre bet Frau B. Hamburg in Mainz. 10) Margarethe Weber au» Oder-HtlberShetm, 26 Jahre bet Herrn Fabrikant I. Scholl tu Bingen.

Des Wetteren haben Ihre Köntgltche Hohett Aller- guadtgst geruht, den nachbeuauuteu Dienstboten für lang­jährige treue Dienste je etue silberne B^rofche mit Allerhöchst dem Namenszuge Ihrer Königlichen Hoheit tn Gold zu verleihen, und zwar an:

1) Katharine Maus aus Ruhlkirchen, Kreis Alsfeld, bei Karl Weber ia Neustadt. 2) Katharine Neumer aus Dexheim, zuletzt bet Karl Frank tu Mainz.

Dieupauszetchuuug. Durch Allerhöchsten Erlaß vom 5. Januar d. IS. ist genehmigt worden, daß die bisher nur für Weichensteller 1. Klaffe, Weichensteller, Brückeuwärter, Bahnwärter, Nachtwächter, Schaffner, Bremser und Heizer bestimmte DteustauSzeichnung, bestehend in einfachen bezw. doppelten auf beiden Schultern zu tragenden goldenen Platt schnüren, künftig auch den Wageuwärtern, Maschinen­wärtern, Krahumetsteru, Krahnwärtern, Trajectheizeru, Ma­trosen, Portier» und Bahnsteigschaffuern verliehen werden kann, und daß für diese Verleihung eine fünf. bezw. zehnjährige völlig zufriedenstellende Dtenstsührung die BorauSsetzuug bildet, völlig straffreie Dtenstsührung wird demnach fortan nicht mehr verlangt. Im Anschluß au diesen Erlaß hat der Minister der öffentlichen Arbeiten bestimmt, daß die für deu Fall zu- sriedenstelleudeu Verhaltens in AuSficht gestellte Auszeichnung dem Beamten nicht vorenthalten werden soll, wenn die ver­hängten Strafen auf seinen Diensteifer und persönlichen Charakter ein ungünstige» Licht nicht werfen. Nach einer weiteren Bestimmung de» Minister» stad die für die Ver­leihung der DleustauSzetchuungSschnüre fortan maßgebenden GefichtSpunkte auch bei der unkündbaren Anstellung der Be­amten auzuweuden.

* Bom Symuafiu». Gestern fand unter dem Vorfitz de» Herrn Oberschulrath Toldan am Gymnafium die Reife­prüfung statt. Dem Examen unterzogen fich 22 Candidateu, von denen elf auf Grund ihrer Jahresleistungen und schrift- lichen Arbeiten von der mündlichen Prüfung entbunden werden konnten. Zwei Abiturienten tonnten das Zeugntß der Reife »icht erhalten. Bestanden haben: 1) Gustav Deggau, Heuchel­heim, Neuphilologie. 2) Hugo Elsoffer, Gießen, Rechte. 3) Arthur Gaehtgen», Gießen, Offizier. 4) Theodor Golden­berg, Gießen, Rechte. 5) Günter Hetntze, Gießen, See­offizier. 6) Heinrich Kalbfleisch, Gießen, Jngeuieurfach. 7) Bernhard Katz, Gießen, Rechte. 8) Eugen Köser, Gießen, klassische Philologie. 9) Berthold Müller, Gießen, Medtctn. 10) Rodert RooS, Gießen, Mediciu. 11) Ludwig Rühl, Gießen, clasfische Philologie. 12) Hermann Sandmann, Gießen, Rechte. 13) Richard Scheel, Gießen, Osfizier. 14) Rudolf Schlaffer, Gießen, Theologie. 15) Emil Stern, Homberg a. d. O., Rechte. 16) Wilhelm Stumpf, Kirtorf, Rechte. 17) Theodor Walther, Gießen, clasfische Philologie. 18) Otto Waffem, Groß-Buseck, clasfische Philologie. 19) Karl Weimer, Gießen, Rechte. 20) Adolf Wehl, Wteseck, Mediciu.

**H. Stadttheater. Es war eine etwa» langweilige Stimmung, die gestern Abend über der Aufführung de» Lust­spiel»Die Kinder der Exeelleuz^ lag. Der Ver- faffer, E. v. Wolzogen, verstand zwar mit scharfem Instinkt die Lebeurwahrhetteu, welche schon in dem seiner Bühnen- dearbetwng zu Grunde liegenden gleichnamigen Roman von G. Schumann vorhanden, in diesem Lustspiel feffelnd wieder- zugeben, jedoch manch schöner Zug, manche» Charakteristische, daS fich in dem Roman unmittelbar offenbart und das Jntereffe des Lesers festhält, ist bei der Dramatifirung nicht zur Wirkung gelangt oder ging gänzlich verloren. Das Thema behandelt die verschämte Srmuth einer zurückgekommeuen adeligen Familie, die es fich sauer werden läßt, den Herrn Sohu alS Ltemeuautstandesgemäß- austreten zu laffen. Darunter

leiden hauptsächlich deffen beide Schwestern, welche mit ihre« Bischen Bildung noch Einiges zu verdienen suchen, um dem Bruder geben zu können. Der Herr Lieutenant wacht fich auch gar kein Gewiffeu daran», fich von seinen Angehörigen erhalten zu laffen. Sein Leichtsinn, seine stet» betonte m4U* tälische Noblesse bereitet zu Hause unaufhörlich neue Ver­legenheiten, und er ist charakterlos und hohlköpfig genug, da» nicht einzusehen und so viel Kummer zu verhüten. ES wäre nicht gut im Sinne der Wünsche de- Publikum», wenn nicht am Ende Alles gut au-gtnge, deshalb verküustelte der Autor o sehr deu letzten Act. Neben diesem Hauptsächlichen zieht ich nebenher Liebe und Verlobung der jüngsten Tochter, sowie »ie Figur eine« zum Mustermenschen gestempelten Amerikaners, \itx dann last not least fich mit der anderen Tochter verlobt. Ein guter Charakter ist in dem Onkel Major a. D. von Muzell gezeichnet- perfifflirt ist die Figur deS auftreteuden literarischen Ageoteu. Die Wiedergabe diesesLust"spielS das außer dem fich Mühe gebenden Onkel, nicht immer wie gewohnt soldatenmäßig zu fluchen, nicht viel Lustiges bietet) mimtrte zu der Eingangs erwähnten Stimmung, zu der aller­dings sowohl die schleppende Bearbeitung des Stückes, als auch die Leere des Haufe- viel beitrug. Gut waren die Herren Dir. Helm (Onkel Muzell), Janson (Lieutenant Sodo), Böhm (vr. Dtetrichsen), Doser (Papa Dtetrichseu), owte Liebscher (Agent Eberstetn), desgleichen die Damen Zräuleiu v. Wtuterstein (Trudt), Fräulein Würdig Asta) und Frau Keßler (Frau v. Lersen). Herrn F r i tz s ch l e r gelang es nicht, den Amerikaner Norman richtig wtederzugeben- er zeichnete eine erbarmenSwerthe Daudhfigur, die gar nichts von dem selbstbewußten, wenn auchbewtlderteu" Auftreten eines Manne- der freien Staaten an fich hatte. Auch Herr Forsch al- Diener des Major- befriedigte nicht vollständig. Die geschätzte, aber ihrem Posten sehr mangelhaft vorstehende Souffleuse möge fich deu gestrigen Wurf de- Schicksal- zu Herzen nehmen, sonst dürfte sie sich nicht verwundern, wenn ge­legentlich derartige Zufälligkeiten fich noch deutlicher zeigen.

Die MathUdeustistung für Oberhessen hält am 14. d. Mt-., Vormittags 11 Uhr im RegierungSgebäude dahier ihre diesjährige Generalversammlung ab, in welcher >ie Rechnung für 1897 vorgelegt und über die Verwendung >er flüsfigen Mittel Bestimmung getroffen wird und eine Ergänzungswahl de» Vorstandes stattfindet. Wir machen die Mitglieder der Stiftung, welche zur Generalversammlung eingeladen find, hierauf aufmerksam.

* Bauer'scher Gesangverein. Der Bauer'sche Gesang­verein feiert am 27. dss. MrS. in Stein» Saalbau sein 34. Stiftungsfest. Die Vorbereitungen hierzu find in vollem Gauge und steht deu Thetluehmern ein genußreicher Abend in AuSficht.

* Unsere Geflügel- and Bogel-Ausstellnn- wurde gestern Nachmittag um 3*/, Uhr offictell eröffnet. E-waren zu diesem Act zahlreiche Stadtverordnete sowie der Herr Beigeordnete Wolff erschienen. Die Ausstellung selber kann als wohlgelungen bezeichnet werden. ES find fast alle Klaffen in Hühnern, Gänsen, Enten und Tauben vertreten, wobei sehr viel erstklassige- Geflügel ist. DaS Arrangement in der Turnhalle ist so getroffen, daß man sich bequem au Haud deS Kataloge- zurechtfindet. Die Vogel-Abtheiluug, welche alle Räume deS LahnsteinS eiuuiwmt, ist eine Sehens- Würdigkeit, wie sie in der Art noch auf feiner Ausstellung geboten wurde. Hier hat auch das zoologische Institut unserer Universität auS seiner Sammlung von präpartrten Vögeln prächtige Stücke ausgestellt. Besonderes Jutereffe dürfte eine Collection Paradiesvögel aus der deutschen (Kolonie Reu- Guinea erregen. Die Räume des Lahustetn find durch Gärtner Carl Becker tu einen Wintergarten umgewandelt, während daS gärtnerische Arrangement in der Turnhalle von Gärtner Georg herrührt. Wir können nur ratheu, die Ausstellung zu besichtigen und auch den Kindern deu Besuch zu er­möglichen.

Seheimrath Professor Ducke» über Fraueustudium. Der Berl. Local-Anz." berichtet: Der bekannte Geschichtsforscher hat fich nach seinem Berliner Vortrag nach Wien begeben­er hat fich gesprächsweise über daS Studium der Frauen wie folgt geäußert:Untere Universität Gießen wird in der nächsten Zett darüber schlüfftg werden, ob sie dem weiblichen Geschlechte den Zutritt zum Studium gestatten soll oder nicht. Ich halte diese Frage für bedeutungsvoll. Dabei denke ich nicht so sehr an die Studentinnen, sondern an unsere Frauen und Töchter. Ich habe eS immer als einen Eingriff in wein natürliches Recht betrachtet, daß ich meiner Frau und weinen Kindern den Zutritt in meinen Hörsaal ver­weigern mußte. Wie? Dem Erstbesten, der zu mir kommt, muß ich meinen Hörsaal öffnen, und Denjenigen, die daS größte Jntereffe au weinen Borlesuugeu nehmen, meiner Frau und meinen Kindern, muß ich den Zutritt versagen? DaS ist ungerecht. Die Zulaffung der Frauen und Mädchen zum UuiverfitätSftudtum ist im Jutereffe der Männer gelegen, denen es doch nur erwünscht sein kann, wenn jene an Bildung zuuehwen."

** Verband reisender Kaufleute. Im August deS ver- floffeneu Jahres bildete fich am hiesigen Platze eine Sectiou vomVerbände reisender Kaufleute Deutschlands" mit dem Hauptfitze tn Leipzig. Der Zweck der Sectiou ist Förde­rung der kaufmännischen Jntereffe», Unterstützung der Mit­glieder in Krankheitsfällen und in vorübergehender Rothlage, sowie der Wittwen und Waisen. Aber auch in gesellschaft­lichen Beziehungen hat die junge Scctton schon so manchen schönen Erfolg zu verzeichnen. So fand außer verschiedenen Famtlieuabevden am 23. Dcember v. I. eine Weihnachtsfeier irn Locale der Section (Hotel Schütz) statt, welche sehr amüsant verlief. Aw SamStag den 26. Februar versammelteu fich die Mitglieder nebst Familien sowie zahlreiche der Ein­ladung folgende Gäste im Saale des Hotel Einhorn zu einer gemüthlichen karnevalistischen Abeuduuterhaltung. Jeden SamStag ist im SectionSlocal (Hotel Schütz) Zusammenkunft der Mitglieder, wobei der geschäftliche Theil erledigt wttd. I Jutereffeuteu dieser guten Sache find stets herzlichst will-

kommen und ist die Sectiou jederzeft bereit, weitere Aus­kunft zu ertbeilen.

Schwurgericht.

W. Gieße», 11. März 1898.

Schluß der Verhandlung gegen den Lehrer Heinrich Damm von Rudlos wegen verbrechen im Amt.

Nach der Frühstückspause erbat der Rechtsanwalt Dr. Gutsleifch das Wort und erklärte, er habe die Pause benutzt, um seinen (Klienten zu einem sreimüthigen Gestanduiß zu veranlaffen. Gr wolle erklären, daß er betreff» der Art und Weift, wie der Angeklagte gefehlt, dieselbe Meinung habe, wie der Herr Borfitzeode. Er bitte, dem Angeklagten noch einmal Beranlaffung zu geben, fich zu äußern. Der An­geklagte gesteht zu, er habe feine Privateste mit der zu ver­waltenden öffentlichen Kaffe gemeinsam geführt, auch die Unterschlagung habe er begangen- wie hoch die Summe sei, wiffe er nicht. Ebenso gestehe er zu, nicht geklebt und 20 falsche Beurkundungen dieferhalb ausgestellt zu haben. Richtig sei, daß er tn 12 Fällen die Qutttungskarten vernichtet habe. Der Staatsanwalt verzichtet bann auf die Vernehmung der für morgen geladenen 84 Zrugeu. Nach dem Gestäudniß des Angeklagten bot die Verhandlung keine intereffanten Momente mehr. Die an die Geschworenen gerichteten Schuld- frageu lauteten auf Verbrechen im Amte, eventuell bei Ver­neinung dieser Frage, ob Unterschlagung vorliege, ob der Angeklagte io seiner Eigenschaft als Beamter Urkunden gefälscht, oder ob deffen That als einfache Urkundenfälschung anzusehen sei und ob schließlich die Beiseiteschaff-mg resp. Vernichtung von Urkunden erwieftu sei. Die Geschworene» verneinten die Fragen, noch welchen der Angeklagte al» Beamter gehandelt, bejahten daß Damm schuldig der Unter­schlagung und der Urkundeusälschung, ebenso auch, daß dem Angeklagten wildernde Umstände zu bew lligen seien, worauf der Gerichtshof auf 4 Monate und 2 Wochen Gesänguiß erkannte. Der Berurtbeilte wurde aus freiem Fuß beiaffen.

Vermischtes.

Bayreuth, 10. März. Der wohlhabende Gütler Mathias Hofmann von Lohudorf wurde heute früh hin- gerichtet. Er hatte gemeinschaftlich mit seiner Frau und Tochter seinen Schwiegersohn auß Habsucht ermordet, weil der Schwiegersohn nicht 6000 Mark, sondern nur 5000 Mark Baargeld mit in die Ehe gebracht hatte. Die beiden Frauen wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus be­gnadigt.

* Erschütternde Mittheilungen über die Wirkungen der Ramschbazare auf die Existenzmöglichkeit kleiner selbständiger Existenzen enthält ein Bries, der am 25. v. MtS- dem Vorsitzenden der Deutschsocialen Reformpartei zugegangen ist. Das Schreiben, deffen Inhalt wir durch Zusatzbemerk­ungen nicht abschwächen wollen, lautet wie folgt:

Sehr geehrter Herr !

Durch Zufall ist beigehendes Blatt (ein Flugblatt de» Wahlvereins) in meine Hande gelangt, und wollte ich mir erlauben, Ihnen mitzutheilen, daß auch ich ein Opf.'r Wertheims" indirect geworden bin und durch ihn vielleicht in wenigen Tagen dem Hungertode verfalle, roenn_ mir nicht unvermuthet Hilfe kommt. Als mittellose Offizier-- waise bildete ich mich im Letteverein im Putzfach aus und errichtete mir, da fich Privatkundschaft schwer fand, mit Hilfe einiger Damen ein kleines Putzgeschäft mit 750 Mk. Miethe. Ich wurde verschiedentlich unterstützt, verkaufte mein Klavier und hatte mir nun in drei Jahren ein> hübsches kleines Waarenloger und einen Kundenkreis ge» schaffen. Natürlich mußte ich sehr sparsam und fleißig sein, aber es ging leidlich. Nun wurde im September in der......straße ein Bazar G . . . u. (Komp,

errichtet, dann Wertheims Palast eröffnet und die Omnibus- theilstrecken für 5 Pfg. eingeführt. Seitdem stockte mit einem Schlage mein Geschäft so vollständig, daß ich 370 Mk. Miethe schuldig bin und ich mich nicht zu ernähren vermag. Da das einzig lohnende Schneiderei zu fein scheint, bat ich meinen Wirch, mich freizugeben, miechete mir in der ......straße eine kleine Hofwohnung parterre und sparte von Näharbeiten 20 Mk. als erste Rathe für eine» Cursus auf der Schnekder-Academie. Einen Monat habe ich hinter mir, aber nun ist mein Geld bis auf 10 Pfg. (thatsächlich mein letzter Nothgroschen!) zusammengeschmolzen. Von 8 Uhr Morgens bis Abends bin ich von Hause fort, das Lernen ist geistig wie körperlich gleich anstrengend. Am 15. d. Mts. habe ich zuletzt etwa» zu Mittag gegeffe» ich lebe nur noch von fünf Pfennig Semmel, die mit der Bäcker schickt. Letzten Sonntag blieb ich den Wochen­betrag von 35 Pfg. schuldig, borgt er nun nicht weiter bann?--Ich habe nie daran gedacht, daß ich Hunger»

sterben könnte mein Magen ist so geschwächt, daß ich kaum noch die Semmel vertrage und dabei heißt es i» der Klaffe aufpaffen, damit ich nichts versäume! Es einzig der Fluch der Ramschbazare, der mich in so große Roth treibt. Weihnachten habe ich sowohl wie ein Posa­mentierfräulein nicht einen einzigen Pfennig eingenommen und dabei erzählten Hunderte, daß sie bei Wertheim schlecht» Erfahrungen gemacht haben. Die Damen brachten im Herbst Hüte und Band zu mir, die sie dort gekauft, nun, meine Waare ist ein Drittel billiger und viel beffer. Vor Weihnachten stellte ich meine Waarenbrstände zum Aus­verkauf bi» zum 1. Februar war auch nicht ein Mensch im Laden gewesen, um etwas zu kaufen. Ich kann Ihm« nur aus vollstem Herzen beipflichten und jedes Ihrer Worte unterschreiben, aber was hilft es: ich fühle den Hunger und Wertheim hat das Geld.

Wollte Gott, es gäbe mir ein Bankhaus für mäßig« Zins 300 Mk., bamit ich in Kraft und Gesundheit meine» Cursus beenden und nach Ostern meine Schneiderei eröffnet könnte. Zu sittlichen Zwecken erhalt keine Dame ei» Darlehn und es hat nicht jede den Muth, lieber dem

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