224
Mt
*« taM »ta, , m W'Lindn!
Sougelänbe, "wouenjtj klgeruvg autgtfty ä?aj autgebotenr 6? V M 27,67 m, ö ® der Ciednechch
Kbroar ds. I-., M Gießen statt.
^»une nn? °'v.
,hmen
a*.
kßm.
1491
initigt mit ihren schoi -nnnnärften auch ärttc X Hüben am 23. He> 1 am 26. Lctobcr. Ellerau unb Rooto uz von Äißbö(4
llÜAdtzW, Hit ®cbt1 mmgen, wie &M
thnrten gerne benil
grftcömite:
r, dürzmneAr. _
ellttei,
i lüchtigen Vertreter Ttai SeinhandlMS dv u*r F,W'D[143i iTwS' Sardellen rr
ht
n (#!*♦*
V0 iij
tiJi iDijj 1010
isstS-
M.
«Den»0 fr**0 i--*
Nr. 37 Erstes Blatt.
Sonntag den 13. Februar
1898
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
SS^nqsptrt» vierre^Lbrlich
2 Mark 2Ä Pfg. monatiiä) 75 Pfz. mit Brvqj-erloho.
Bei Postbezug Mar? 50 Pfg. ierteljährlich.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen ^e« In» und Auslande« nehmen Anzeigen für )ai Gießener Anzeiger ntgegen.
Grfcheinl täglich mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Mamiltenblätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.
Anrts- unb Anzeigeblatt für den Äveis (Riefeen.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Kchnlstraße Nr. 7.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.
Adresse für Depeschen: An,ei,er -ieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
Aiwtlicher TKeil.
Gesunde«: 2 Portemonnaie» mit Inhalt, 1 Spazierstock, 1 Pelzkragen, 1 Kindergummtschuh, 1 Paar und 3 einzelne Handschuhe, 1 Capr», 1 Taschentuch, 1 Schirm, 1 Körbchen, 1 Eontobuch, 1 große Schublade und 1 Beutel mit Handwerkszeug.
Zugelaufen: 1 Huhn.
Gießen, den 12. Februar 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
__________I- V.: Roth.__________________
Politische Wochenschau.
Im Vordergründe deö Interesses stehen noch immer die Erklärungen des StaattsecretärS v. Bülow über die auswärtige Politik Deutschlands, in-besoudere über unser Ber« hältniß zu den Dingen in Ostafien und in der Türkei. Wir haben die Ausführungen de« deutschen Staatsmannes bereits ausführlich besprochen, weshalb wir von einer nochmaligen Erörterung an dieser Stelle absehen können, nur eoostattren wollen wir, daß die feste und klare Sprache de» Herrn v. Bülow ihren Eindruck auch im AuSlaude nicht verfehlt und da» ihrige dazu beigetragen har, unseren Anspruch auf einen „Platz tu der Sonne- zu sichern und unanfechtbar zu machen. D e freundschaftlichen Beziehungen, welche die Höfe von Berlin und Petersburg mit einander verbinden, fanden erneut Ausdruck in dem Besuche, welchen Großsürst Konstantin Konstantinowitsch unserem Katserpaare abstattete, und in de« herzlichen Verkehr, welcher zwischen den hohen Herrschaften stattfand. Trotz allen Alli«nzverficherungen, welche zwischen Rußland und Frankreich ausgetauscht worden, erleidet die Freundschaft — die „traditionelle", wie fie auch Herr v. Bülow wieder nannte — mit Deutschland keine Einbuße.
Ein gewisses Aufsehen hat die von der deutschen Regierung angeordnkte Sperre amerikanischen Obste», welche» mit der San cko86-Schildlau» behaftet ist, gemacht. Man hat in dieser Maßregel verschiedentlich den Beginn eines Zollkrieges mit den Bereinigten Staaten suchen wollen, was aber ungerechtfertigt ist und wa» auch die Washingtoner Regierung nicht erwarten konnte. Graf PosadowSky gab vor wenigen Tagen in der Budgelcommisfion de» Reichstag« die Erklärung ab, daß geeignete Maßnahmen gegen die Ein-
Feuilleton.
Humoristisches Allerlei sus'm Gießer Anzeiger.
Von Carl Geißler.
Die ewig Klag immer des liewe Bubligum!
Wie oft schont Hamme Anonymusse dorch e „Eingesandt" uff die RicksichtSlosigkeit des Bubligums higewiese, die im Zuspätkomme oder Zufrihefortgeh bei Concert- unn Thealerufffihrunge besteht. Das batt awwer Alles nix, dann so lang e Zeidung noch Raum fer e Eingesandt hott, so lang muß des Bubligum zuspät komme oder zufrih fortgeh, oder die Dame misse dorch des Uffbehalte der Hiet chre Rewemensche de Grnuß an unn die Aussicht uff kinft- lerische Ufffihrunge verderwe, sonst hält ja Niemand mehr e llrsach, sich in die Oeffentlichkeit ze stichle unn da seim Herze Luft ze mache. Dem Giesser Bubligum kennt in Bezug uff Pinktlichkeit die E-sebah als Muster vorgefihrt werrn; wann 6* emol en Zug im Laase iS, kemmt Niemand mehr eninn »nn Niemand mehr erraus unn des Bubligum läßt sich's zanz fchee gefalle, weil's ewwe — muß.
Mit Freude isses ze begrieße, daß de Dinsberg- (»erein selig jetz doch en Nachfolger gefunne hat, der des siroject verwerkliche will, dem Dinsberg zu seim längst geplante Aussichtsthorm zu verhelfe. Wann der emol ferdig Ä, dann kann merr frei uff luftiger Höh immer alle Köpp «veck Umschau hahle unn kaan Damehut iS mehr im Stand, sim de Genuß an de Scheenheit der Nadur zu vergälle.
Obgleich schont e ^rundkabital von fuffzehhunnert Mark Mgesammelt iS, fehle zur Ausfihrung des Thormbaus doch noch dausend Märkelcher; doch da draa kann de Bau nett siheidern; vielleicht läßt unsere Spar- unn Leihkaß dem Bau- ftng etrnas von ehre Jwwerschiß zukomme unn die Stadt liesse iS so gut unn legt vielleicht de Rest druff. Es stehl rett ze hoffe, daß die Stadtverordneteversammlung ze em kerartige Aasinne sage wird: Merr danke fer Obst! dann s»< halt in de letzte Sitzung Widder so viele Dausende be-
sLleppung de» Schädlings getroffen worden seien, und allseitig drückte man den Wunsch au«,. einen Zollkrieg mit der nordamerikanischen Union unter allen Umständen zu vermeiden.
Recht scharf vertheidigt der bayerische BundeSrathS- bevollmächtigte Graf Lerchenfeld das Reservatrecht des von ihm vertretenen Lande» in der ReichStagScommisfion zur Borberathung der Militärstrosprozeßreform, und allem Anscheine nach muß man der Forderung Bayerns nachgeben. Aber die» hat ja wahrscheinlich nur einen Platonischen Werth, da die Reform kaum zu Stande kommen dürfte.
In der ganzen gebildeten Welt find die Augen jetzt auf Frankreich gerichtet, wo fich zur Zeit der Zolaprozeß abspielt. Der jetzige Verlauf hat die Thatsache zu Tage gefördert, daß das BertuschungSsystem seinen Fortgang nimmt, daß die maßgebenden Persönlichkeiten Alle» aufbteten, damit die Wahrheit unentdeckt bleibe. Mit Entrüstung muß man fich von dem Verfahren abwenden, welche» darauf berechnet ist, da» Recht mit Füßen zu treten und die große Oeffeot- lichkeit im Dunkeln zu lassen über Dinge, die unbedingt an» Licht gezogen werden müssen. Wie zweideutig ist u'.cht da» Verhalten de» General» Mercier, der in der bestimmtesten und schroffsten Weise seiner Anficht von der Schuld Dreyfu»' Ausdruck giebt, fich aber sofort hinter dem Dteostgeheimniß verschanzte, als er über da» geheime Aktenstück seine Aussagen machen fvllte. Die franzöfische Regierung spielt ein sehr gefährliche» Spiel, da» ihr vielleicht noch theuer zu stehen kommen wird. Die Verurtheilung Zola» kann wohl al» sicher angesehen werden, da das Interesse der Regierung Hand in Hand geht mit den entschiedensten chauvinistischen und demagogischen Elementen.
In England ist das Parlament wieder eröffnet worden- die Session dürfte der Regierung manche Angriffe bringen. In Ostasten hat John Bull einen Rückzug ange- treten in mehrfacher Beziehung,- insbesondere da» Nichtgelingen der chinefischen Anleihe werden die Kiämer jensett» de» Kanals schmerzlich empfinden. Daß der alte Krüger in Transvaal wiederum mit großer Majorität -um Präfidenten gewählt worden ist, dürste dem Cabinet, besonder» Herrn Chamberlain, dem Busenfreunde de» ehrenwerthen Cecil Rhode», nicht angenehm sein.
Die innerpolitische Situation Oesterreichs hat fich nicht gebessert, die Ausfichten auf eine baldige Klärung der Lage find äußerst gering. Jetzt verlautet ja wieder, daß in den nächsten Tagen eine neue Sprachenverordnung publicirt
willigt, daß's ahm for lauter Zahle schwarz for de Aage werd unn da werd's ja aach uff die Dausend Mark nett aakomme, es kemmt ja de Stadt Giesse doch Widder ze gut, wenn dorch den Aussichtsthorm uff'm Dinsberg en AaziehungS- punkt mehr geschaffe worde is.
Daß en Verein zur Heewung des Fremdeverkehr sch s in Giesse am Blatz wer, is von viele Seide schon längst anerkannt worde unn es wirde sich schließlich aach Leud defir sinne, die die Sach in die Hand nehme, wann nett die Mehrzahl der Menschheit sich en Eckel an de immer» driwwcne Vereinsmeierei unserer Zeit geholt hält'. Deßhalb kann merr dem Verfasser des Eingesandt vom 1. Februar nor beiflichte, der der Aasicht iS, es rner hier eigendlich en neue Verein nett needig, dann merr hätte ja schont de Ver- scheenerungsverein, der sei Dhätigkeit e bische errneidern kennt unn dann rnärn zrnaa Fliege mit ahner Klapp geschlage. An Unnerstitzung Seitens der Giesser Börjerschaft dhets dem Verscheenerungsverein gerniß nett fehle unn aach die Stadt ließ sich jedenfalls nett lompe unn geeb maß aus ehrm Säckel dezu.
Die fortmährende Aaforderunge, die an de Stadtsäckel gestellt werrn, kennte unser Stadtvätter schließlich aach emol verdrießlich mache, wenn nett von Zeit zu Zeit emol en Lichtstrahl in Gestalt von ere Schenkung oder Stiftung se erfreue dhet. So e Stiftung, wie se der verstorbene Herr Bauunnernehmer Koch gemacht hatt, um aus de Zinse von 10000 Mark Kabidal bederfdige Schulkinner e besser Ernährung zu gewähr», so e Stiftung is hochherzig unn menschefreundlich unn verdient alle besser siduwirde Mensche zur Nachahmung empföhle ze roern!
Maß unser städtisches Gemeinwese allmählich fer e Ausdehnung annimmt, daß kann merr am Beste aus dene Bewilligunge erseh, die die Stadtverordnete in ehre vorige Sitzung gemacht hawwe. Wenn's sich's nor immer um so klaane Poste, wie die Aaschaffung von 24 neue Helm unn 24 Handladerne fer die Feuerwehr, oder um 1500 Mark fer die»Aalag erhehter Börjersteig drehe dhel, so Hütt deß nix
werden soll,- aber dann wird voraussichtlich der Kampf auf» Neue von derjenigen Partei ausgenommen werden, welche sich durch die zweite Auflage der Verordnung für beuachthelltgt hält. Bedauerlich ist der andauernde Strike der Hochschüler, welcher jedenfalls nicht erziehlich wirkt.
Lange hat die Freude des Prinzen G'vrg von Griechenland über feine Candidatnr für den kcetenstichen Gouverneurposten nicht gewährt,- der Zar hat ihn wieder fallen lassen. Wir haben schon mehrfach betont, daß die Schwierigkeiten groß geworden wären, wenn diese Candtdatur sich verwirklicht hätte. Die kleinen Balkanstaaten begehrten schon stark auf, und e» hatte schon ganz den Anschein, als sollte die orientalische Frage wieder einmal acut werden. Nun soll der Sultan einen Gouverneur Vorschlägen, was ihm wohl leichter werden wird als die Erlangung der europäischen Genehmigung. Wie lauge wird diese Gouverneurfrage noch auf der Tagesordnung stehen! xx
Deutscher Reichstag.
88. Sitzung vorn Freitag den 11. Februar 1898.
Zunächst wird ein schleuniger Antrag deS Abg. Czar- l in Ski (Pole) auf Eiuftelluug eine» schwebenden Strafverfahren» gegen den Abg. v. Saß.Jawer»ki erledigt. E» folgt die Fortsetzung der Etatsberathung. Etat de» AuS- wärtigeu Amt». Capitel Gesandtschaften und Consulate.
Abg. Schmidt-Warburg (Ceutr.) begrüßt die Erklärungen deS StaatSsecretärS in Sachen der deutschen Gläubiger Griechenlands und wünscht, daß der StaatssecretSr auch weiter diese Angelegenheit im Auge behalten möge.
Abg. Hasse (nl.) bringt die Interessen der deutschen Gläubiger Portugal» zur» Sprache.
Bei der Botschaft in Paris wiederholt der Referent Prinz Are «berg die vom StaatssecretSr in der Commisfiou abgegebene Erklärung zum Falle Dreyfus.
Abg. Richter (frs. Vp.) stellt fest, daß diese Erklär- ung von dem Staat»secretär nicht aus eigener Initiative, sondern erst auf eine von ihm, dem Redner, gestellte Anfrage abgegeben worden sei, und zwar ohne vorherige Vereinbarung.
Auf eine Anfrage be» Abg. Jebsen (ul.) wiederholt Director Reich ardt eine schon in der Commisfiou abgegebene Erklärung deS Inhalt», daß die Regierung Anregungen bett. Vermehrung der BerufSconsulate in französisch
ze sage. Sobald's aroroer nor so zehe Dausendmeis geht, um aagefangene Straße auszebaue unn neue roibber aazelege, so reißt bas aroroer gewalbig in's Gelb; boch bafer hatt be Börjer aach bie Genugbhuung, unser Giesse zu ere moderne Stabt heraaroachse ze seh unn beßhalb muß be Börjer steche — in be Steuer.
Daß unser Stabtverorbnete nett gern e Bitt abschlage, is bekannt unn mächt ehre gute Herze alle Ehr, umsomehr isses zu verrounnern, baß se nett genehmigt haroroe, be vorbere DHaal vom Tribb in e Aalag umzewannle, bie blo» 22 500 Mark koste soll. Emeso haroroe se sich beim Vor- aaschlag bes Bollezeiamts roege Aastellung von vier Schutz- leub ablehnenb verhalbe unn haroroe blos brei genehmigt, trotzbem's statistisch nachgewiese is, baß in Giesse uff 1109 Mensche nor ahn Schutzmann kommt, während in Frankfort uff 655, in Wiesbabe uff 682 unn in KarlSruh uff 700 ahner kemmt.
„Erbunnergang"! Da schukkerts ahm beim blose Lese von bem Titel bes Vortrags, den ber Herr Docent Lützen von Berlin in Steins Saalbau vor em zahlreich erschienene Aubiboriurn gehahle hott. Die Rebaction vom Anzeiger hat wohl babraa gebha, baß se birect unner be« Referat immer ben Vortrag en Himels uff Schellers Eier- Eonjak als e Herz- unn Magestärkung gesetzt hat, be« werb kaan Verninfbiger von be Hand weise, wann em des Herz in bie Schuh gefalle is immer ben am 13. November 1899 bevorstehenbe Zufammestoß ber Erb mit’m Komet.
E Gotte» Glick isses, baß bie Profezeiung vom Falb ausgeht, ber sich hoffenblich biesmal geerrt hott unn baß der Herr Lützen die Erklärung abgegewroe hott, so en Zesamme- stoß ber Erb mit so em Komet rner borchaus ungefehrlich unn keem alle 33 Jahr vor; sonst hält ber Vortrag immer be Erbunnergang viel verdrehte Köpp verursacht.
Wer kann's wisse, ob nett gar Mancher wünscht, der 13. November 1899 wer wenigstens vorbei?
Nachher hätt's ja roibber gute Weg!


