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Nr. 239 Zweites Blatt
Mittwoch den 12. Oktober
1808
Gießener Anzeiger
Generat-Ml^iger
A?nts- nnd 2lnzeigeblcrtt für fcen Kreis Gieren
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Hrntisbeilage: siebener Familienblätter.
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Fernsprecher Är. 51.
Arntlichev Theil.
Gießen, den 7. October 1898.
Detr.: Die Aulsührung deS Gesetz:! über die Krankender- ficherung der Arbeiter.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien und die Vorstände der Krankenkassen des KreiseS.
Da» nachstehend abgedruckee verzeichniß der in unserem Kreise zugelaffenev, den aafotberungen bei § 75 bei Rr.» Vers.-Gesetzes vom * u°* entsprechruben etozeschrte- iu. npxu leas
denen Hülslkaffen the lrn wir Ihnen unter bem Ansügeu zur Kenntnlß mit, bah die Mitglieder bieser Kassen von bem Beitritt zur Gemrindekrankenverficherung bezw. zu einer nach Mahgabe bei Krankenversicherung» Gesetze! errichteten Kranken- taffe befreit find.
V:rzeichniß der einich riebenen Hilslkaffen im Kreise Gießen:
1. Kranken- und Sterbekasse zu Watzenborn-Steinberg.
2. Kranken- und Sterbekafse zu Garbeoteich.
8. Kranken- und Sterbekafse zu Rödgen. •
4. Kranken» und Sterbekafse zu Wieseck
p. B ' ch r o l d.________________
Gießen, den 4. Dctobtr 1898. Wctr: Maßregeln gegen die Tau Jose-Schildlaul. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Gr. Bürgermeistereieu des Kreises.
Demnächst wird Ihnen je eiu Exemplar der Belcbrung über dir San Iose-Schtldlau» mit Unbildungen zum Zwecke der Verbreitung der Keuntniß über den Schädling zugehen. ____________________v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung, betreffend die Beschaffung von Zuchtbullen, Vogelsberger Raffe mit Unterstützung de» Provinzialvereins.
Nachdem den Gemeinden und Zuchtvereinen, welche die Nimmenthrler Zuchtrichtung verfolgen, Gelegenheit gegeben worden ist, durch den Import Timment a er Origioaldullen t^een Bedarf au besserem Zuchtmaierial mit Unterstützung del ProoinzialveretnS zu decken, wird hiermit auch den Ge- meiadev, welche die Vogelsberger Zuchtrichtung verfolgen, | l ne gleiche vergünfttguog geboten. Zu diesem Zwecke Haden die Gemeinden und Zuch'vercive, welche Vogels^: er Bullen, |
bessere Qualität, durch den Verein beschcffeo wollen, btt» bei mir anzumelden. Der Ankauf der, bezüglich del betrrffenben Thirrel erfolgt bu.ch eine Comwisfiou die von der.betreffenden Gemeinde oder dem Zuchrvereine ernannt wird, und zu welcher der Provinz.alverein ein weiteres Mitglied entsendet, ohne d'ffen Zustimmung kein Thier aogekauft werden darf. Unter dielen Bedingungen tragt der Provinzialverein die Kosten der Thetlnahmc, del von ihm beauftragten Mitgliedes der Lommiifion, und außerdem 20 pCt. del Ankaufspreises. Ich bitte, diesbezügliche Anträge bei mir zu stellen.
Laub ach, den 7. October 1898.
Der Präsident des lavdw. Vereins für die Provinz Oberhessen.
Die Lage iu China.
Durch das telegraphisch gemeldete Linrücken von (30, bezw. 25) deutschen, russischen und englischen Marine- soldoten ist die Chronik des Himmlischen Reiches um ein bedeutsames Kapitel bereichert worden. Vor etlichen Tagen wurde der Kaiser über stacht entthront. Der Sohn des Himmels hatte mit dem vieltausendjährigen Zopf — in wirklichem und Übertragenem Sinne — brechen wollen und flugl machten Palastempörer der „Fortsetzung des Glanzes" ein Ende. Die Erregung über das gottvergessene Handeln des Reformträgers reizte die Hefe der Pekinger Zopfträger zu höchst unartigen Demonstrationen, unter denen selbst Singe- hörige der fremden Gesandtschaften leiden mußten: die Folge war das Eiurücken europäischer Schutzmannschaften. Daß Deutschland sich an dieser energischen Action betheiligt, können wir nur mit anfrichtiger Genugthuung begrüßen, nicht minder die gestern gemeldete Thatsache, daß sich zu den anderen Kriegsschiffen, b:e abwartend vor Taku im Golf von Petschili liegen, ein deutsches gesellt hat.
Als das letzte Mal — es war während des chinesisch, japanischen Krieges — die seit Langem unbesoldet gebliebenen Mandschu-Soldaten in Peking krawallirten und die Gefahr vorlag, daß die Meuterer sich auch an Europäern vergreifen könnten, hatte die Regierung nichts Eiligeres zu thun, als ihren energischsten Mandschu-General Dung Lu schleunigst nach Peking zu rufen und ihn mit der Aufrechterhaltung der Ordnung zu betrauen. Man gab ihm unbeschränkte Voll- machten, das Obercommando der ganzen Armee. Und was thatDungLu? Richt daß er Schutzmaßregeln für den Palast ober irgend ein Negierungsgebäude ergriff; auch dachte er nicht daran, die von der hungernden Soldateska zunächst bedrohten Paläste der unendlich reichen Mandarine zu schützen, sondern er ließ an ollm Mauern Pekings und allen Christen- Häusern riesige Plakate anschlagen, welche Jeden, der sich an
irgend einem Auflaufe, einer Beschimpfung ober gar an einem Angriffe auf Europäer oder Christen überhaupt betheilige, mit bete fürchterlichsten Strafen bedrohten. Die britische, französische und russische Gesandtschaft ließ damals je fünfzig Marine- soldaten zu ihrer Sicherheit nach Peking kommen und die Engländer sandten ihre Frauen und Kinder nach Tientsin. Das Plakat Dung Lus hatte damals genügt, und es kam nirgends zu ernsteren Zwischenfällen.
Heute hat die Regierung wieder denselben Yung Lu nach Peking gerufen und ihn zu dessen Militärgouverneur und zum Vicekönig von Tschili, der Kaiserprovinz, gemacht. Eß ist zu hoffen, daß er, von kleineren Unordnungen abgesehen, die Bevölkerung im Zaume halten wird, zumal er selbst einer der einflußreichsten und intelligentesten Mandschus ist, der zudem seit dem japanischen Kriege begriffen hat, daß die „frembtti Teufel" eine nothwendige, ja segensreiche Roth- Wendigkeit Chinas geworden sind. Dung Lu gehört übrigens nicht dem Tsungli Damen an, welcher Beamtenkörper nicht im Entferntesten den Einfluß hat, dm man ihm in europäischen Zeitungen gewöhnlich beilegt. Da» Tsungli Damen ist lediglich ein mit der Regelung der auswärtigen Angelegenheiten betrauter Rathskölper, dessen Mttglieder zum größten Theile einen wirklichen, directen Einfluß auf die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten nicht haben, obwohl sie alle der herrschenden Oligarchie angehören und innerhalb dieser selbst einflußreiche Leute find. So lange Prinz Kung am Leben war, leitete er fast unumschränkt den Rath; seither herrschte in ihm Li Hurg.tschang mindesten» so unbeschränkt, wie Richelieu ober Talleyrand und wenn er heute in Ungnade fällt, um formell aus bem Tsungli Damen ausgeschlossen -n werben, so wirb ihn auch bas nicht hrndern, die Entschlüsse desselben auch weiterhin zu dictiren, so lange er nur mit der Kaiserin Mutter fich im Einverständniß zu halten weiß. Ihm wie ihr gegenüber sind die anderen Mttglieder de» Tsungli Damen lediglich Drahtpuppen.
Viel einflußreicher und wenigstens für die innere Verwaltung des Landes von unendlich größerer Wichtigkeit ist der „Innere geheime Rath", der in das Chinesische übersetzt, nichts Anderes ist als unser Ministerrath und au» sechs großen Staatsverwaltungen, der des Innern, der Finanzen (auf Chinesisch Einnahmm), der Justiz (Bestrafung), des Krieges, der öffentlichen Arbeiten und der Ceremonie (unserem Hofmarschallamte) besteht. Bis zum japanischen Kriege gab es auch ein „Mannemlnistermm", das aber mit der Vernichtung der chinesischen Flotte verschwand.
Zum Schluffe noch ein Wort über die Kaiserin- Mutter. Sie vereinigt zweifellos in sich eine ganze Reihe
.Veuillctcn.
Das Weimarische HHeater.
1798—1898.
Eine Jubiläum»-Rewinilcenz zum 12. Oktober. Von Dr. Max Rupprecht.
(Nachdruck verboten.)
Der 12. Oktober 1798 ist der eigentliche Geburtstag cel Weimarischrn Theater-, wie er gleichfalls derjmige der idealen Kunst in Deutschland ist. Wohl übernahm Goethe bereit» in Jahre 1791 die Bettung der Weimariichen Bühne, koch dienten die ersten fieben Jahre im Grunde nur der Vorbereitung für das, wa- kommen sollte. Aul den be- icheideustlll Anfängen wuchs da» uachwall so berühmte Theater empor, die Schulkomödiea, die im 16. und 17. Jahr- hundert im Schlosse zu Wilhelmsburg anfgeführt wurden, egten den erster, Grund. Eine eigeoüiche Schauspielertruppe berief der Gemahl der kuvstfinnigen He.zogin Amalia, Ernst August Coostautiu, erst 1756, indem er den Principal Carl Theophilos Döbbelin, der damals in Erfurt spielte, für jährlich 6800 Reichsthaler in Pflicht nahm. Schon 1758 aber entließ der Hof die Truppe raubet, worauf, mch einem J> terregnum von zehn Jahren, Koch aus Leipzig berufen wurde, der besonderl dem Singspiel großes Interesse widmete. Ihm folgte 1771 Skyler an# Hamburg, zu dessen Gesellschaft der bedeutendste Schauspie er jener Zeit, Conrad Ckhof, gehörte. Der Brand de- Schlosse! am 6. Mai 1774 zerstörte auch die Bühne mit und machte für längere Zeit allem Komödieospiel in Weimar ein Ende.
Da kam 1775 Goethe nach Weimar und entfachte den schlummernden Funken zu neuer Flamme. Seiner Anregung verdankt dal Licbhaberthrater der lift gea Ta^e seine (Sdi-
. strhung, denn roch trieb er dal ttvmödienspiel nicht um bet Kunst, fonbern nm de» Vergnügen! willen. Uebercü herrschte bamal! eine wahre Liedhabertheaterwuth, in kriuer anderen Stadt wurde jedoch so viel erreicht wie in Weimar, denn hier hatte man Dichter, wie Goethe, W clanb u s. w., zur Verfügung. Die Herzogiu und die Prinzen spielten selber mit, äußerte« wirkten all Schauspieler Goethe, Knebel, Bettuch, Seckendorf, während die Dawenrollen von Corona Schröter, Fräulein von Göchhausen und Kotzebue! Schwester Amalie dargestellt ranrdtu. Der vortreffliche Theatermeistcr flRiebtng sorgte für die Jnsceoirung. So stellte man den Thespiskarren bald in Weimar, bald in Ttefurt, Belvedere, Dornburg, Etterlbnrg oder Jena auf; mit den gut gefüllten Küchenwagen und den Packeseln zog man lol, die Bühne wurde bei gutem Wetter gleich unter freiem Himmel hergerichtet:
„Ja engen Hütten und im reichen Saal, Ans Höhen Etterlburg», iu Tiefurt» Thal, Im leichten Zelt, auf Teppichen der Pracht, Und unter dem Gewölb der hohen Nachts Da! Naturtheater im Park von Belvebsre ist heute noch vorhaudeu, Bühne, Couliffen und Zuschauerraum werden in demselben durch beschnittene Buchenlanbgäuge gebildet. Dal Repertoire setzte fich au! Singspielen, Lustspielen, selbst größeren Dramen zusammen, man wagte fich sogar an die -Iphigenie", wobei Goethe den Ocrst und Prinz Constanttn den PyladeS spielte, und an Lesftng» „M^nna von Barnhr.m*. Eine der berühmtesten Aufführungen war die del Goethe'schen Singspiel! „Die Fischen»", im Tiefurttr Park, am Ufer der Ilm, deren Ufer durch Fackeln und Lampen magisch beleuchtet waren.
Mit der Zeit ward der Dichter — und mit ihm jeder seiner Mitspieler — auch diese! Vergnügen! überdrüssig, der Ernst bei Leben! verdrängte die über'prühende Jugend-
lust. Mo« überließ da» Theaterspieleu wieder den Beruf!« schauspielern Im Jahre 1780 war ein neues Heim für da» Theater- und dal Redoutenvergnügen geschaffen worden. Bier Jahre später zog wieder eine Schanspielertrnppe daselbst eir, deren Leiter der Principal Joseph Bellomo war. Di« Stiftungen der Gesellschaft stellten fich tnbeffen mit der Ze t all so dürftige Heraul, baß der Contract gelöst wurde und der Herzog im Stillen beschloß, die Theaterverhältniffe end- gütig zu regeln, indem er da» Theater in ein wirkliche! Hoftheater unter Goethe! Führung verwandelte.
Den Anfang machte man damit, daß man den gesammten Bestand bei Director# Bellomo für 1200 Rrichlthaler an- kaufte. Nachdem die erforderlichen Acreur! engagtrt und all-. Vorbereitungen getroffen waren, erfolgte die Eröffnung am 7. Mai 1791 mit Jfflaud! „Jägern". Die Vorstellung leitete ein Prolog Goethe! ein, worin er dal Unternehme „mtt bestem Willen" der Billigkeit uud Strenge der Zuschauer empfahl, unter Betonung be! in allen Sachen schweren Anfang!. In bem Prolog hieß e! n. A.:
„Von allen Enden Deutschland! kommen wir Erst jetzt zusammen- find einander fremd Und fangen erst nach jenem schönen Ziel Vereint zu wandeln en, und Jeder wünscht Mit feinem Nebenmann e! zu erreichens Denn hier gilt nicht, bah Einer othemlo! Dem Andern hastig vorzneilea strebt, Um einen Kranz für sich hinwegzuhaschen, ffi’r treten vor Each auf und Jeder bringt Bescheiden seine Blume, daß nur bald Ein schöner Kranz der Konst vollendet werde, Den wir zu Eurer Freude knüpfen möchten." Der Dichter brachte von Anfang an dem Unternehmen da» tiefste Jntereffe entgegen, doch der Erfolg entsprach weder seinem Eifer noch fernen Hoffnungen. Die Schau-


