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12.10.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 23» Erstes Blatt. Mittwoch den 12. Oktober_____________________189S

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Än die Abhaltung der im «reise Wetzlar statt» stodeodeu viehmäikte werden zur Verhütung der Bet» schleppuug der Maul» und Klauenseuche bis aus Weiteres folgende Bedingungen geknüpft:

1. Für den Auf» und Abtrieb der Thiere ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Auf» und Abtrieb, ebenso da« Handeln mit Vieh außerhalb der Marktplätze ist verboten.

Der Austrieb darf i« Winter nicht vor S Uhr und im Sommer nicht vor 8 Uhr vormittags statt- finden.

2. Auf die Märkte dürsen nur Thiere auS seuchesreieo Orten, deren Führer mit gültigen behördlichen llrspruugszrugniffen versehen find, ausgetrieben werden, Thiere von Händlern aber nur daun, wenn in jenen Ursprungszeugoiffen weiter bescheinigt ist, daß dir Thiere sich die letzten sieben Tage in un» verseuchtem Zustand in sruchefreien Orten befunden haben.

Im Uebrigen gilt für die Einführung von Händlervieh in den «reis Wetzlar die in Nr. 109 des Wetzlarer Anzeigers vom 11. Mai 1897 veröffent­lichte polizeiliche Anordnung drS Herrn Regierung-» Präfidenten zu Loblenz vom 13. April 1897.

8. Bei dcm Auftrieb der Thiere hat der Eigenthümer oder Führer dem anwefendeu Polizeibeamten da» unter Nr. 2 erwähnte Ursprungszeugniß vorzuzeigeu.

Außer von der Lontrole der Urfprungszeugniffe ist der Auftrieb von der vorherigen Besichtigung und Nichtbeanstandung der Thiere durch den Kreis» thierarzt abhängig.

4. Seucheokrank und leuchenverdächtig befundenes Vieh unterliegt den vorläufigen Anordnungen des Kreis- thierarztes.

Wetzlar, den 4. Oc oder 1898.

Der Königliche Landrath.

Zur Kaiserreise.

Am Mittwoch (12. October) tritt der Kaiser feine Reise nach dem Orient an, und damit wird ein Vorhaben zur Thatsache, das schon seit Monaten den Gegenstand lebhastrfter Erörterung im In» und Auslande bildete. Die besonder- in auswärtigen Blättern versuchten Ausstreuungen, als könne die Reife de» Kaiserpaares eine vetzözerung erleiden oder über»

Haupt unterbleiben, haben nun gleichfalls ihre Widerlegung gefunden. Ebenso können die immer wieder auftauchenden Gerüchte von bestimmten politischen Zwecken, welche die Palästinafahrt haben foll, in das Reich der Erfindung ver» wiefen werden. Den Kaiser treibt ein innerer Drang, dir geweihten Stätten kennen zu lernen, von denen au- das Lhristenthum sich über alle Welt verbreitet hat, unb bei dem bekannten tief religiösen Sinn des Monarchen sollte eigentlich sein Entschluß, nach Jerusalem zu fahren und der Einweihung der Erlöserkirche beizuwohnev, nicht weiter Wunder nehmen. Er ist, wie wir bei dieser Gelegenheit frstftellen wollen, nicht der erste Hohenzoller, welcher nach dem Gelobten Lande sährt. Im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts hat bereits Albrecht der Schöne die heiligen Stätten besucht, und im 15. Jahr» hundert fuhren zwei Söhne des Kurfürsten Friedrich dahin. In demselben Jahrhundert machte sich auch Kursürst Fried­rich II. aus, um das heilige Grab zu sehen. Au- der neueren Zeit ist bekannt die Reise des Prinzen Albrecht (Vater) nach Palästina und diejenige des Kaiser- Friedrich in., welcher al- Kronprinz der Eröffnung des Suezcanals bei­wohnte und einen Abstecher nach Jerusalem machte.

Kaiser Wilhelm begiebt sich mit ungewöhnlich große« Gesolge nach de» Orient, unb besonders ber Umstand, baß bie Einweihung ber Erlöserkirche in Anwesenheit ber evange­lischen Ktrchenbehörben säst ber ganzen Welt mit außer» orbentlichem Gepränge stattfinden wirb, hat bie Ausmerksamkett «ehr und mehr aus bas Ereigniß gerichtet, welches fich in wenigen Wochen in jenem Lande abspieleu wird, welches voller historischer Erinnerungen ist unb in geheimnihvollster Weise aus unsere Phantasie rinwttki. Wie erinnerlich, hat man im katholischen Auslanbe brr Kaifersahr t mit Mißtrauen entgegeugesehen, unb hauptsächlich in Frankreich hat mau Jntriguen zu spinnen versucht, um die Reise noch zu ver­hindern. Da das natürlich nicht- geholsen hat, so wollte «an fich wenigsten- der Zustimmung und Sympathien des Papstes versichern, ber benn auch ans bie sranzöfischeu Wünsche eingegangen ist. Bei« Empsang eines Pilgerzuges aus Frankreich bestätigte er brffentraditionelles Protektorat" Über die Christen des Orients unb 'erinnerte an die religiösen Verdienste ber französischen Märtyrer um bas heilige Laub. Daß bie Erwähnung de- traditionellen Protectorats Frank» reichs etwas zur Unzeit geschah und al» eine Spitze gegen die Reise de- brutschen Kaisers aufgesaßt «erben muß, liegt ans ber Hand, unb diesen Gedanken scheint maa auch an leitender Stelle in Berlin zu haben, denn osficiell wirb de» fannt gegeben, baß ber preußische Gesanbte am vatican, Herr v. Bülow, nicht wieder aus seinen Posten zurückkehren werde. Ob damit ein völliger Bruch eingetreten ist zwischen der preußischen Regierung unb bem Vatikan, läßt sich heute nach nicht erkennen, jebenfalls aber find die Beziehungen

gespannte geworden. Diesen Mißton hat am allerwenigsten der Kaiser gewollt, dieser ideale Herrscher, welcher so un­gewöhnlich srische Initiative bei allen Gelegenheiten zeigt. Geben wir dem Monarchen aus bie Reise unsere besten Wünsche mit, wir können ja bet Gewißheit sein, daß auch bieser Schritt unseres Monarchen bazu beitragen wirb, da» Ansehen unseres Vaterlandes im Auslande zu heben.

(xx)

Deutscher Aeich.

Darmstadt, 11. Oktober. Seine Königliche Hoheit der Großherzog geruhten, wegen des Ablebens Ihrer König, lichen Hoheit der Prinzessin Albrecht von Preußen eine Hostrauer vorn 8. bis incl. 15. Oktober anzuordnen.

Berlin, 10. Oktober. Die Rückkehr des Kaiserpaare» von der Reise nach bem Orient ist bem vernehmen nach zwischen bem 15. unb 18. November zn erwarten. Der Tag ber Abreise soll insolge be» Trauersalles in ber kaiserlichen Familie verschoben werben.

Berlin, 10. Oktober. Den neuesten Dispofttionen zu. folge tr.ffr bie Prinzessin Heinrich am 17. Oktober von Livibia in Kitl ein unb tritt in ber zweiten Hälste bes Oktober die Reise nach Ostafien zum Besuch ihres Gemahls an.

Berlin, 10 Oktober. Die Fragen, die in der heutigen Vorbesprechung über die Abänderung des Gesetze- des Ur­heberrechtes im Reich-.Justizamt angeregt wurden, sollen zur eingehenden Begutachtung größeren Sonderausschüffen überwiesen werden. Aus Grund einer vom Vorstand de» VereinsBerliner Preffe* eingereichten Vorschlagsliste werden, wie dieNatioval.Ztg." von zuständiger Seite hört, vom Staatssekretär Dr. Nieberding zehn bi» zwöls weitere Sach­verständige an- der deutschen Preffe unb Literatur zu diesen Ausschuß Berathnngen hiuzugezogen werden. Gemäß dieser Vorschlagsliste werde auch die süddeutsche Preffe, die illn» stritten Zettschriften, die Mustkschtisten sowie die Fachpreffe vettteteu sein.

Berlin, 10. Octobet. Der Unterstaatssectetät im Aus­wärtigen Amt, Freiherr v. Richthosen, ist von seine« Urlaub zurückgekehrt und hat seine Amtsgeschäste wieder auf. genommen.

Berlin, 10. Oktober. DieNational-Zritung" schreibt zu der Meldung, daß der preuhtsche Gesandte beim päpst­lichen Stuhle, v. Bülow, voraussichtlich nicht mehr ans seinen Posten zurückkehren wird, einen Abbruch der diplo­matischen Beziehung bedeute die angtkündigte Abberufung allerdings nicht. Die Ernennung eine» Nachfolgers, der bereits bestimmt fei, dürfte nach einiger Zeit erfolgen. Immerhin wäre dann die Veränderung, wie schon die Art ihrer Ankündigung erkennen laffe, nicht lediyl'ch von der Be»

FeuMeto«.

Zur ßinweihnugsfeier nach Jerusalem.

Triest, 7. Oktober 1898.

I.

Mit solchen Gefühlen, wie diesmal, bin ich roch nie über den Semmering gefahren, mit solcher Innigkeit habe ich »och niemals hinter Laibach dem deutschen Walde Lebewohl gesagt, mit solcher Freude noch nie die blaue Fluth der Adria begrüßt. Die Reise, zu der wir un» jetzt anschicken, ist immer bedeutungsvoller, al» die meisten anderen, denn die Begriffe Athen, Byzanz, Jerusalem, Kairo machen von Jugend auf unsere Herzen höher schlagen und versetzen un» in eine andächtige, feierliche Stimmung. Diesmal aber ist es noch ganz anders. Es ist gar nicht wie eine Reife im profanen Sinne, es ist fast wie ein friedlicher Kreuzzug, auf dem wir unserem Kaiser folgen, um dem deutschen Namen und dem protestantischen Geiste das Morgenland erobern zu helfen.

E» ist über die politische Bedeutung der Kaiserfahrt nach Jerusalem in letzter Zeit viel geschrieben worden, was der mit den Verhältniffen Vertraute als über das Ziel hinausgehend erkennen mußte. Die Hoffnung aber, daß diese Fahrt für da» Ansehen Deutschlands in den östlichen Mittel» meerländern von der höchsten Bedeutung sein werde, wird fich ganz gewiß erfüllen, und hierfür haben wir schon hier in Triest einen schönen Beweis erhalten. Die Kapelle, die Herr Karl Stangen für unser Schiff .Bohemia" au» Berlin mitgebracht hat, veranstaltete gestern Abend ein Concert, da­von ber hiesigen deutschen Bevölkerung zu einer erhebenden Kundgebung für Deutschland benutzt wurde. Triest ist im

Allgemeinen eine ganz italienische Stadt. Von ihren etwa 160000 Einwohnern find mehr al» drei Viertel Italiener und auch die Angehörigen der hier vertretenen anderen Rationalitäten, die Slaven, Griechen u. s. w., bedienen stch fast ausschließlich bet italienischen Sprache. Von den paar Tausend Deutschen, die hier leben, merkt man so gut wie nicht». Trotzdem war der Concertsaal gestern Abend bi» auf den letzten Platz gefüllt, und selbst in dem benachbarten Garten faß dicht gedrängt ein lebhaft angeregte» Publikum, da» die 16 Musiker in ihren schmucken Husarenuniformen gleich bei ihrem Erscheinen mit Klatschen und Hurrahrufen begrüßte. Die Leute machten ihre Sache recht gut, in dem Beifall aber, ber ihnen nach jeder Nummer gespendet wurde, ließ fich doch noch etwa» andere» vermuthen, als bloße Anerkennung für ihre Leistungen. Was dies war, zeigte sich bald, als das Programm bei derFanfare Sr. Majestät des deutschen Kaisers" angelangt war. Kaum hatte der Paukenschläger den Arm erhoben, kaum waren die langen Instrumente mit den den deutschen Reichsadler zeigenden Wappenfähnlein an» gesetzt, al- ein unbeschreiblicher Jubel loübrach. Von nun an mußten fast ausschließlich deutsche Militärmärsche gespielt werden unb endlich wurde, nachdem durch den Chopinschen Trauermarsch und die im Anschluß daran geblasene oster» reichische Kaiserhymne den Manen der Kaiserin Elisabeth eine ergreifende Huldigung dargebracht worden war, die Wacht am Rhein" verlangt. Beim ersten Ton hatten fich alle von ihren Plätzen erhoben, wie auf ein gegeber.ee Zeichen wurden im Garten die Hüte abgenommen, dann begann hier unb dort einer mitzusingen und endlich dröhnte es vielhundert» stimmig ringsumher: »Sieb Vaterland magst ruhig fein, fest steht und treu die Wacht, bie Wacht am Rhein!" . . .

Es war ursprünglich nicht meine Absicht, bie Reihe meiner Berichte schon hier zu beginnen. Diese» Präludium aber wollte ich mir doch nicht entgehen lasten, und ich nehme es als eine gute Vorbedeutung für den Verlauf der ganzen Reife an. Die schöneBohemia-, die gegenwärtig noch am Molo San Carlo Toilette macht, wird morgen Früh mit uns 140 Theilnehmern der ersten Karl Stangenschen Sonder- fahrt die Anker lichten, um zunächst der Insel Corfu einen Besuch abzustatten. Auch dieser Besuch hat augenblicklich besondere», wenn auch leider traurige» Jnterefle, gipfelt er doch in bem herrlichen Ausflug nach bem Achilleion, dem Lieblingsschloffe der unglücklichen Kaiserin von Oesterreich. Die grauenvolle Tragik in den Geschicken de» österreichischen Kaiserhauses ist mir noch nie so ergreifend zum Bewußtsein gekommen, wie in diesem Augenblick. Mit ben Gedanken in den Olivenhainen von Gasturi weilend, wo Kaiserin Elisa­beth im Anblick der herrlichsten Natur so oft Vergesten suchte für die Leiden ihre» zu Tode verwundeten Mutterherzen», schweift mein Auge aus dem Fenster über bie tiefblaue, spiegelglatte Wasserfläche des Meeres hinweg nach einem weißen Schlöffe, das drüben zwischen üppigem Grün, zu Füßen des sonst kahlen Karstgebirges friedlich am Adria Ufer liegt. Dort lebte Erzherzog Maximilian feinen künstlerischen Neigungen, bevor die Krone von Mexico ihn zu frühem Tode lockte: Miramare!

Viele unserer Reisegefährten, die schon gestern hier ein- getroffen find, besuchen heute das Schloß. Andere find nach Venedig hinübergefahren, wo dieHohenzollern" schon de» Äaiferpaares harrt, das wir am Montag über acht Tage am goldenen Horn hoffen begrüßen zu können.

Richard Schott.