Ausgabe 
12.5.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 110 Zweites Blatt. Donnerstag den 12. Mai

1SOS

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Siebener Anzeiger

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Amtlicher Tbeil.

Wogelsöerger AindvieH-Ausstellung

in Gießen

am 16. und 17. Juli 1898.

In Verbindung mit der am 16. und 17. Juli in Gießen Üattftndenden BezirkSthierschau soll daselbst die erste Ver- baudsausstelluug der Herdbuch-Gesellschaft für das Vogelsberger Rindvieh veranstaltet werden.

Die Züchter dieser Bteh-Raffe in der Provinz Ober- Hessen, sowie in den preußischen Kreisen Wetzlar, Dill, Biedenkopf, Marburg und Kirchhain werden hiermit zur Preisconcurrenz eiogeladen. Für Preise stehen 5000 bi» 6000 Mark zur Verfügung.

Prämiirt werden:

1. Bullen, IVi bi» S'/Mrig-

2. Kühe, erkennbar trächtig oder in Milch, mit höchsten»

4 Kälbern -

3. Kalbinnen, erkennbar tragend -

4. Familien (1 Kuh und mindesten» zwei von dieser stammende Über 1 Jahr alte weibliche Thiere) -

5. Kleinere Sammlungen (6 Stück weibliche Thiere) von Landwirthen, welche weniger wie 30 Stück Vieh haben-

6. Größere Sammlungen (10 Stück weibliche Thiere und 1 Bullen) von Landwirthen, welche mehr wie 30 Stück Vieh haben.

Sämmtliche Thiere müssen am 16. Juli spätesten» Vor­mittag» 8 Uhr auf dem AuSstellnng-platz (Oswald« Garten) aufgetrieben sein und dürfen ohne besondere Erlaubniß de» Comtts» vor dem 17. Juli, Nachmittags 5 Uhr, nicht abge­trieben werden.

Die Thiere werden in neugebauten Stallungen auf dem Ausstellung-Platze auch für die Nacht untergebracht. Stand­geld wird nicht erhoben. Futter wird in guter Qualität den Vtehbefitzeru zum Selbstkostenpreis geliefert.

Anmeldungen zur Ausstellung haben längstens bis 15. Juni bei dem Ansstellrrugs- Comit6 in Gießen zu erfolge».

Da» Nähere besagt die Au-stellungS- und Prämitrungs- Ordnung, welche nebst Aumrldeformularien von dem Aus­stellung»-Comit^, sowie von den Büreau» des landwirth. schaftltchen Provinzial-Veretn» und der laudwirthschaftlichen Bezirk», bezw. KretSVereine unentgeltlich bezogen werden können.

Gießen, den 9. Mai 1898.

Da» AusftellungS'Comite:

v. Gagern, Borfitzender.

Bekanntmachung.

Die Maul- und Klauenseuche zu Odenhaulen, Statt» Wetzlar, ist erloschen und die Sperrmaßregeln sind wieder aufgehoben worden.

Gießen, den 9. Mat 1898.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Der Karl Orlowski von Forsthau» Rothenberger­hof wurde heute al» Jagdaufseher in Diensten de» Herrn Rechtsanwalt Grünewald verpflichtet.

Gießen, den 10. Mat 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Zur Lage in Italien.

Nur wenige Wochen find verfloffeu, seitdem in Italien da- fünfzigjährige BerfasiungSjubtläum gefeiert wurde, bei dem das Königshaus der Gegenstand lebhaftester Huldigungen seitens der Bevölkerung war. Welcher Gegensatz zwischen damals und heute! Anfang März das Volk zujubelud seinem Könige und der Dynastie, heute, Anfang Mat Revolution in einem großen Thetle Italiens, Ttraßenkampf, Erstürmung von Barrikaden, Blutvergießen, Plünderung und Drohungen gegen das Herrscherhaus. Wie war es möglich, daß die Stimmung so rasch umschlug, daß heute geflucht wird, wo man gestern segnete? Wir wtffen ja aus verschiedenen an dieser Stelle gebrachten Artikeln, daß die politischen und wirthschaftltchen Verhältniffe Italien» schon seit längerer Zett nicht mehr die besten sind. Der mit dem Negus Meueltk ausgefochteue Krieg um die Vorherrschaft in Nordostafrika, welcher bekanntlich für Italien unglücklich ausfiel, war ge­eignet, da» Volk, welches seine Söhne in langer Gefangen­schaft und Demüthigung lasten mußte, zu erregen und gegen die Regierung aufzuhetzen. Aber damals ging die Statfi» verhältuißmäßig glatt vorüber, und mit froher Hoffnung durfte man in die Zukunft blicken, umsomehr, als die Finanz­lage des Staat» sich zu heben begann und sein Credit tm Auslande mehr und mehr gefestigt wurde.

Arbeiterunruhen find in Italien nichts Seltene», be« sonders in Stellten geht selten ein Jahr vorüber, in welchem nicht die Arbeiter sich auflehnen gegen vermeintliche Bedrück­ung und gewaltsam ihr LooS zu verbeffern suchen. Gar oft schon hat eine ganz bedeutende militärische Streitmacht auf­geboten werden wüsten, um der Aufwiegler Herr zu werden. Die Lage der Arbeiter in den Schwefelgruben ist eine so trostlose, daß man sich wahrlich nicht wundern kann, daß sie

mit ihrem Schicksal hadern und sich gegen dasselbe auflehueo. Man wird begreifen, daß bei der io Italien herrschende« Armuth unter der Bevölkerung die jetzigen hohen Getreide- pretse eine ganz außerordentliche Wirkung ausüben wüsten. Schon vor mehreren Wochen hatte esBrodkrawalle" auf Stcilten gegeben, infolge deren die Regierung die Einfuhr­zölle auf Getreide zeitweise ermäßigte. Diese Krawalle haben nun ihre Fortsetzung erhalten in Italien selbst und einen Umfang angenommen, welcher geradezu bedrohlich er­scheint für die jetzige Regieruugsform des Landes. Mag auch überall der Hunger die Menschen zur Verzweiflung und zur Raserei getrieben haben, in Mailand war das sicherlich nicht der Fall. Da handelte e» sich um ein regelrechte» sozialistisch - republikanische» Complott, dazu bestimmt, die Regierung zu stürzen.

Der Putsch ist mißlungen, die Behörden haben tm Verein mit dem aufgeboteuen Militär der Bewegung Herr werden können, aber ihre Nachwirkung dürsten die Vorgänge haben. Die jetzige Regierung unter dem Marchese di Rudtni hat bereit» mehrfach bewiesen, daß sie in Bezug auf die innere Politik nicht da» Richtige zu treffen weiß. Die blutige« Lreigniffe vom October v. I». gelegentlich der Demonstration der Industriellen und Gewerbetreibenden gegen die Steuer­einschätzung find noch in frischer Erinnerung und können al» Beleg für unsere Behauptung gelten. Auch in anderer Hin­sicht hat Rudini nicht zum geringsten Thetl da» gehalten, was er versprach, ebenso wenig wie er sich die übernommene Majorität im Parlament zu bewahren gewußt hat. Jetzt ist wieder eia Anlaß für Rudini gekommen, seine Demission einzureichen - vielleicht wird dieselbe jetzt angenommen.

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Deutsches Reich»

Berlin, 10. Mai. Der Kaiser empfing, wie au» Schloß Urville gemeldet wird, heute Bormittag den Lhef des Militärcabtnet» General v. Hahuke zum Vortrag.

Berlin, 10. Mai. DerReich-anzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Rothen Adlerorden» zweiter Klaffe mit Eichenlaub an den Unterstaat»secretär im Auswärtigen Amt, Frecherrn von Rtchthofen.

Berlin, 10. Mai. Nach der im ReichSetsenbahnamt aufgestellten Nachweisung ereigneten sich im Monat März auf den deutschen Eisenbahnen mit Ausnahme Bayern», 199 Betriebsunfälle, bei welchen 48 Personen ge- tödter und 132 verletzt wurden.

Berlin, 10. Mai. Der Gouverneur Major Leutw ei« wird, wie dieBerl. Neuest. Nachr." erfahren, Mitte dieses MouatS au» Süddeutschland zurückkehren und bald darauf * die Rückreise nach Südwestafrtka antreten.

Fcnilletoir.

Hereimte Sonndagsnachmiddagsöedrachdung. Von Carl Geißler.

Es iS gekomme de holde Mai mit Bliedhe unn mit Brange, verweilt halt err der Dage drei dann iS err Widder gange. Unn mitm zog de Frihlingswind nor rauhe Sterm unn Reje däi käme, um net ze gelind däi Bliedhebäum ze fege! Unn debei drätfcht's, wastes nor kann, daß beß de Deuwel hol! E Flernmche im Owe is kaa Schann, daß dhut ahm gar ze wohl. Fer so em Mai, so kahl unn naß, verliert merr all die Achdung, da macht merr in de Stubb sich Spaß unn schreibt e Sonndagtzbedrachdung.

So dacht äich unn habb in de Hand die Woche­blätter genomme. Ze seh, waß Neues in Stadt unn Land unn annerschtwo vorgekomme. Da les äich, daß de Concertbesuch im Club ze winsche ließe daß Bei­spiel hatte merr oft genug, bei viele Concerter in Giesse. De akademsche Gesangverei so selbstlos err dient de Jndreste von de Musik unnm Concertverei so hätt mein schneed doch vergesse! Doch glicklicher Weis kam's net so weit, daß bei dem Concert, waß se Kode, uff- tratr mit Ausschluß de Effendlichkeit Frau Wilhelmy unn Fräulein Rohde. Es braach'm Saalbauverei noch net deß Herz in die Schuh ze falle, unn dauert» aach lang, merr krihe e Stett fer die Kunst, e dheuer Halle!

pKaa Couponabschneider" beschwert sich sehr, immer der Herrn Dedalljistt Bestrewe, bei'm verrdel Pund, statt e bische mehr fimf Gramm ze menig ze gerne. 'Err maant, mann en schneidge Staatsaarnalt, da eneileucht mit seine Fackel da geebs en greuliche Geruch alsbald unn hinnenach noch e Gewackel; nach de Bollezei unn daß is schee rnill err so gleich net wim­mern, dann däi hätt Wichtigersch ze verseh unn um Labalje sich net ze kimmern. Unn deßhalb de Dedalljiste- verei rieft err in all seine Needhe, sei eige Jndreste net blos ellti aach das vorn Volk ze verdrede. Daß so en NodHschrei net verhallt, daß bin äich fest iroroer- zoge; taan Dedalljist, wer err noch so ahlt, hat je ze wenig gewoge.

Von Patterjotismus ehrewerdh is Austriacus dorchdrunge, drom controlirt er, waß im Concert gespielt werd unn aach gesunge; daß schlawische Hetzlied, 'wäi haaßts doch glaich daß kann err gar net oerbrage, unn sinn die Teen aach noch so roaichHrom a peklo leiht schwer em im Mage. Eweck drorn mit Tifls Uroerbier immer schlaroische Melobibelbeie! Herr Krautze leg ei ebbes Annres bester err hott ja genug zum Geie.

De Rector Magnificus in Bonn hat neulich e Rebb gehahle bäi Ham äich gelese mit vieler Wonn unn Manches bevo behahle. Daß miste gar beese Mensche sei bäi Bonner Herrn Sturrenbe, in Giesse ließ merr sche net erei mit ehre schlechte Talente. Da Hammer roibber be BeroeiS, matz merr häi Hamme fer Engel; uff unsere Schul, äich sag's net leis, iS so kaan aanziger Bengel. Häi maaß be Studio bessersch ze bhu als an

Rollläbs ze kratze, häi flege bäi Herrn beß Nachts ber Ruh unn kaa Musik fer bie Katze; Laterne roern gar kaa ausgebreht es gibbt kaa Fenstereischmeiße, kaan Stubio mehr sich unnersteht noch Schilber emnnerzereiße. Unn Schlägereie sinn erscht verpeent, kaan Rausch is mehr ze erblicke; e Stännche werb heechstens noch ge­stöhnt, doch sittsam in alle Sticke. Bezechtheit kennt merr bem Name nach, bem Laster is Niemanb ergeroe, käm be Bonner Herr Rector häi her ufstn Dag er ließ bie Giesser Sturrenbe lerne!

De beste Begleiber ber Darnewelt, be rabelnbe, bleibt bie Creme Iris, baß hatt sich län gst schont errau« gestellt baß baß e vorbreffliche Schmier is. Unn ehr^ Erzeuger, Herr Walter Weiß Berlin etz, friher in Gieffe, ber gäbt se ab um en billige Preis, brom sei err von uns gepriese. En faaner Rablerin Sabbelbasch bie neu Crem Iris berf fehle - in Tube, in Deppe unn aach in be Flasch, kann se be Tourist sich erroehle. Nor aa Recept noch von Wertung is unn beß roill äich Euch verschreime: be Tään bleibt zarb unn tritt kaa Riß, bhut Err nor hibsch eireiroe. Von Morjens ftih bis Aroenbs spät, Herr Walter Weiß zum Ruhme mit feim gloriose Bräbarab Schutzmarke Jrisblume!

En Storz vom Kerchbhorm! Du läiroer Gott, äich krag en Schrecke beim Lese jeboch mein Schrecke war roibber sott, wäis zroaa Schänk blos warn geroese. Waß is net all uff be Welt ze seh; ba falle vom heidere Himmel zroaa Klaaderschänk ganz unverseh erunnet zu baufenb Krimmel!