Eintrittspreisen befriedigend ausfallen, so werden in der rammenden Spielzeit regelmäßig derartige Vorstellungen zu kleinen Preisen veranstaltet werden. — DaS Interesse an dem Dreher'scheu Gastspiele, welches bekanntlich Sonntag und Montag hier stattfiadet, ist erfreulicher Weise ein recht lebhafte». ES find für beide Aufführungen bereit» viele Bor- bestellungen etngelaufen, und ist eS daher rathsam, fich in der Challier'fchen Musikalienhandlung zeitig einen Platz zu sichern. Herr Conrad Dreher wird an beiden Abenden mehrere seiner originellen LoupletS vortragen, mit denen der berühmte Künstler überall eine zwerchfellerschütternde Wirkung erzielte.
•• Siojahrigen-Prüfnug. Der vor einigen Tagen unter dem Borfitz des Großh. Regierung»raths Dr. Kayser in Darmstadt stattgehabten wissenschaftlichen Prüfung für Einjahrig-Freiwillige hatten sich 34 Kandidaten unterzogen, von denen 2 zurückzetreten, 15 nicht bestanden und 17 bestanden find. Der Borfitzende nahm, wie die ^Darmst. Zrg." mittheilt, den nicht Bestandenen gegenüber Beranlafiung, auf die insbesondere höchst mangelhaften Kennt- viffe in den fremden Sprachen hinzuweisen und darauf aufmerksam zu machen, daß keine Aussicht sei, einen günstigeren Erfolg zu erzielen, wenn diesen Fächern nicht mehr Fleiß zugewendet werde,- auch der deutsche Aufsatz laffe vielfach zu wünschen übrig. — Außerdem wurden der erleichterten Prüfung gemäß § 89 Pos. 6 der Wehrordnung 9 Bewerber unter- worfen, vor» welchen einer zurückgetreten ist und 2 nicht bestanden find.
Schwurgericht.
W. Gießen, 11. März 1898.
Heute wurde in die Verhandlung gegen den Lehrer Heinrich Damm von Rudlos wegen Verbrechen im Amr eiogetreten. Die Anklage vertrittGerichtSaffeffor Dr. Friedrich- Al» Bertheidiger ist Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch -ur Stelle. — Der Vorfitzende entläßt die abkömmlichen Geschworenen bis Mittwoch Vormittag 9 Uhr, wo in der Straffache gegen den Taglöhner Strack von Homberg a. d. O. wegen Mord verhandelt werden wird. — Der Angeklagte erklärt, vom Dienst suspendirt zu sein, er sei 27 Jahre alt nnb unbestraft. Ihm wird zur Last gelegt, in den Jahren 1891-1897 al» Beamter der Invaliditäts-Nebenstelle Rud- Los 1200 Mk. unterschlagen, falsche Beurkundungen vor- genowmen, Urkunden, nämlich Jnvaliditättkarten, vernichtet und bei Seite geschafft zu haben. Der Angeklagte erklärt, rr sei der einzige Sohn eine» Gendarmen, habe eine gute Vorbildung und Erz'ehung genoffen. Als der Angeklagte die nur kleine Schulstelle in RudloS zuerst nicht definitiv übertragen bekommen, betrug damals sein Gehalt 600 Mk., später wurde er angestellt mit 900 Mk. und 140 Mk. Nebeneinnahmen. Er hat auf seinen Antrag vom Bürgermeister die JnvaliditätS- nnd Krankeukaffen-Einnehmerstelle übertragen erhalten. Für die Krankenkaffeu-Thätigkeit hat der Angeklagte 30 Mk. Honorar erhalten. Bon der JnvaliditätSkaffe war da» Einkommen gering und richtete fich nach den Umsätzen. Der Vorsitzende und der Bertheidiger ermahnen den Ange- geklagten, Alles zu gestehen, wa» er begangen, da er fich nur damit einer wohlwollenden Beurtheilung seine» ThunS zu versehen habe. — LandgerichtSrath Schäfer gibt den Geschworenen ein Bild der Thätigkeit und de» geschäftlichen Sanges der Invaliditäts-Versicherung. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, vereinnahmte Gelder der Versicherung unterschlagen, Ausrechnungsquittungen gefälscht und beklebte Karten statt an die Centrale nach Darmstadt abzuliefern, vernichtet zu haben. Der Angeklagte erklärt, er habe für die Ver- ficheruug keine Bücher geführt, bemerkt weiter, daß er sein Privatgeld von dem öffentlichen Kaffengeld getrennt geführt, er will nicht wiffen, wo die fehlenden 1000 Mark der In- validitätSkaffe geblieben find. Auf Borhalt, daß der Angeklagte ja eigentlich gar kein Geld der JnvaliditätSkaffe zu haben brauche, wenn er daffelbe ordnungsgemäß verwendet und Marken dafür geklebt hätte, giebt dieser die Erklärung, da hätte er stets nach Lauterbach gemußt, um Marken zu kaufen. Es fei vorgekommen, daß er Gelder der JnvaliditätSkaffe für Krankenkaffcnzwecke verausgabt, die letztere hatte jede« Jahr mehr Ausgaben wie Einnahmen und die Differenz legte die Gemeinde drauf. LandgerichtSrath Schäfer wie» den Angeklagten darauf hin, dann hätte er doch die der öffentlichen Kaffe entlehnten Beträge zurück thun müffen. Der Angeklagte bestreitet, übergroße Ansprüche an da» Leben gehabt zu haben, er gesteht aber zu, für seinen MittagStisch 250 Mark schuldig gewesen zu sein.
Der Angeklagte bestreitet weiter, Lotterie gespielt zu haben, doch habe er seiner Braut Geschenke gemacht, die in vier Jahren etwa 400 Mark gekostet haben können. Ebenso habe er auf seinen Reisen nie viel Geld gebraucht und sei stets vierter Klaffe gefahren. Er giebt zu, daß, da er für fünfzig Pfennig beim Pachter in RudloS gegessen und von seinen Eltern noch einen Zuschuß an Naturalien gehabt, seine Ber- hältniffe für einen Lehrer auf dem Lande bei 1000 bis 1050 Mark nicht schlecht gewesen seien. Der Angeklagte bleibt dabei, er wiffe nicht, wo da» fehlende Geld geblieben, er könne nicht sagen, daß der Pachter Backhaus ihm diejenigen Beträge nicht auSgehändigt, die er gebucht. Er habe zwar längst schon gemerkt, daß in seiner Kaffe Geld fehle, aber er habe von deren Höhe (1000 bi» 1200 Mk.), wie die Reoifion es sestgestellt, keine Ahnung gehabt. Der Borfitzende, LandgerichtSrath Dr. Schäfer, führt dem Angeklagten vor, daß er ja die Kaffe, um die eS fich drehe, nicht ordnungsgemäß übergeben erhalten habe, ebenso habe er wegen deren Führung keine Instruction gehabt, da sei die Sache in einen gewiffeu Wirrwarr gerathen, er werde dann wohl ein Mal einen kleinen Betrag für fich verwandt, er werde dies wohl öfter gethan haben und so sei mit den Jahren der große Fehlbetrag entstanden. Angeklagter giebt eine ausweichende Antwort. — Der Vorsitzende ermahnt den Angeklagten, doch ehrlich zu sein. ES könne ja ,6ei jedem Geschäftsverkehr einmal Unregelmäßiges vorkommen, eS könne einmal ein Brief auf der Post verloren gehen. Aber Unregelmäßigkeiten in solcher Menge, das könne nicht nur darauf zurückzuführen sein. — Der Angeklagte erklärt auf daS Bestimmteste, er habe keine Karten vernichtet. A«S den Acten des KreiSamtS Lauterbach wird festgestellt, daß der Angeklagte 1891, noch als Schul- Verwalter, da» Rechneramt für die Invalidität»- und Altersversicherung, sowie für die Krankenkaffe RudloS übertragen erhalten und zwar auf Antrag des Gemeindevorstandes zu RudloS ohne Caution. Der Angeklagte gesteht zu, daß er in einzelnen Fällen mehrere Bescheinigungen für einen Arbeiter auf mehrere Jahre ertheilt habe und dabei wegen der DatumS- auSsüllung ohne Skrupel verfahren zu sein. — Der Ber- thetdiger Dr. Gutfleisch erklärt, die Ausreden des Angeklagten feien unverständlich, er gebe ihm doch anheim, die Wahrheit zu sagen. — Die Vernehmung des Angeklagten wurde um 11 Uhr abgeschloffen.
Vermischtes.
• Ans de« Kriegerfriedhof von Sravelotte, wo 3000 deutsche und franzöflsche Krieger ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, befindet fich auch da» Grab deS Lieutenant» Rot her vom 10. Pionierbataillon. Auf diesem Grabe findet man eine an einem Kranze angebrachte Visitenkarte, die durch da» längere Liegen schon etwa» verblaßt ist, auf der man aber noch folgende Inschrift lesen kann:
Die Kugel, die bei MarS-la Tour Dich tödtlich traf, sie traf erst mich, Die meinen Helm blitzschnell durchfuhr, Doch war sie wohl bestimmt für dich, Denn beute leb' ich noch und du Hast 25 Jahr' schon Ruh!
Anzeigen der Stadt Gietzen.
8d«ugrlische Kemeiube.
Gottesdienst.
Sonntag, den 13. März, Oculi.
I« btt Stadtittrche.
Vormittags 9»/, Uhr: Pfarrer Schlosser.
Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dingeldey.
Nachmittags 2'/» Uhr: Ktndeiktrche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.
Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.
Beichte und heil. Abendmahl für die MarcuSgemeinde Anmeldung zuvor bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.
Mittwoch den 16. März, Abends 6 Uhr, vierte Passion»- andacht Pfarrer Dr. Grein.
Sonntag den 20. März findet im Abendgottesdienst Buchte und heil. Abendmahl für die Matthäuögemeinde statt. Anmeldungen zuvor bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.
I» der JoharmeSttrchr.
Vormittags 9*/» Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Vormittags 11 Uhr: KindergotteSdienft für die JohanneS- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.
Abends 6 Ubr: stehe Stadtkirche.
Montag den 14. März, Abends 8 Uhr: Bibllsinnde im Confirmandensaal der JohanneSktrche. Psalm 28.
Pfarrer Dingeldey.
»«thrlische Teneillbe.
Samstag" den 12. März.
Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.
. Sonntjag den 13. März.
Dritter Aasieirsoientis.
Bormittags von 6V» Uhr ar Gelegenheit zur hl. Beichtt;
, um 7 Uhr erste hl Meste; vor und in derselben Aus- theilung der heil Communion;
, um 8 Uhr: zweite heil. Messe;
„ um 9*/s Uhr Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 5 Uhr: Faftenandacht.
Abends um 7'/, Ubr in Steins Garten: syesiversammlung zur Zweier de» 60jädrige« Priesier.JndUäumö Seiner Helligkeit Papst Leo XIII., wozu die ganze Gemeinde eingeladen ist.
Mittwoch Abend um 6 Uhr ist Fastenandacht.
in bei
SamStag den 12. März 1898.
Vorabend 6 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittags 3 Uhr Schrifierklärung, Sabbathausgang 7 Ubr.
SotteSdimst der israelitische« ReligiouSgesellschast.
Sabbathfeier am 12 März.
Freitag Abend 6*° Uhr, Samstag Bormittag 8" Uhr Nachmittags 3 Uhr, Sabbathausgang 7 Uhr.
Nachmittag 2U Uhr Schrifterktürnng Bahnhofstr. 50.
Wochengottesdienst Morgens 6" Uhr, Abends 6 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 11. März. Dem „Bert. Tagebl." wird au» Madrid telegraphirt: Die Situation gibt nach wie vor zu Besorgnissen Anlaß. Die unabhängige Presse schenkt den optimistischen Regierungsnoten geringen Glauben und hebt die Tharsache hervor, daß Norvawerika seine Krieg»- rüstungen fieberhaft betreibt, daß Mc. Kinley, welcher bisher dem Chauvinismus entgegentrat, nunmehr selbst einen föxm» liehen KriegSrath in Washington abhält und daß er alle KriegScredtte sofort genehmigt hat. Die öffentliche Meinung Spaniens verfolgt mit großer Unruhe den Uebertritt Mc. Kinleys in das Jingolager. Man betrachtet die Haltung des amerikanischen Parlaments als eine Gefährdung des Frieden». Die Lage ist äußerst ernst, obwohl die Stimmung in den leitenden Kreisen ruhig ist.
Braunschweig, 11. März. DaS Schwurgericht ver- urtheilte den Pastor Albert Heeger au» Alvesse wegen zahlreicher Unterschlagungen von Kirchengeldern im Betrage von 12000 Mk. zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.
Hanau, 11. März. Bei der Stichwahl in der dritten Klosse für die noch zu wählenden Stadtverordneten wurde« zehn bürgerliche und ein Socialdemokrat gewählt. Der bürgerliche Wahlzettel erhielt 1768, der socialiftische 1517 Stimmen.
Sofia, 11. März. Der Proceh gegen die Mörder StambnlowS wurde gestern vom AppellationSgerichtShofe za Ende geführt. Der Staatsanwalt zog selber die Anklage gegen Tüfektschiew zurück, den die Geschworenen deS früher» Gerichtshofes für überführt erklärt hatten. Demgemäß beschloß der Gerichtshof das Urtheil zu kasfiren. Tüfektschiew wurde freigesprochen. Der Droschkenkutscher Azow wurde za drei Jahren Gefänguiß verurrheilt, wovon 32 Monate der Untersuchungshaft auf die Strafe verrechnet wurden.
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