1898
Mittwoch den 12 Januar
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Aweites Älatt.
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Gießener Anzeiger
Henerat-Anzeiger
Amts- unb Anzeigeblatt für den Avei» Gieren.
| Gratisbeilage: Eichener Fmnilicnblätter.
veröffrnt-
Bersetznng des Regier-
afe-Branche.
Feuilleton.
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tae sich in Korporationen und Vereinen, in Kneipen, Conrenten, Mensuren, Stiftungsfesten und bergt, bewegt, aus- gelagerter, umfangreicher, zeitraubender geworden als früher; eher ist vielleicht das Gegentheil der Fall; aber der
die Einrichtung einer den Gerichten der Schutz-
veröffent- 3. Klaffe von Eb-
8ei Postbezug Mark 50 Pfg. iertetjährlich.
Angelika ihm gefiel, war ein Glück für fie, nicht wahr? Nur wollte er fie entweder ganz oder gar nicht. Mütterchen hat damals ganz heimlich viel geweint, — ich war ja doch nur
Mle Lnzeigsv-BcrmittlungSstclle« M Ju- und Auslände» nehmen A»ze»gen für öen Gießener Anzeiger ntgeqen.
inS Zimmer zurück, und fie merkte, daß seine Frage doch noch etwas anderes bedeutet hatte, als die einfache Erlaub- niß, an ihren WethnachtSbaum zu treten, aber fie hatte auch für diese Frage keine andere Antwort, als: Ja.
Bezugspreis oierltljährlich 2 Mark 20 Pf», monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.
Annahme von Anzeige» zu der Nachmittag« für den folgend« Tag erscheinende» Nummer bi» Norm. 10 Uhr.
***** -glich mit AmSnahme de« Montag«.
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Die Gmtzanrr Kamirieuörätter werd an bee Anzeiger »ichentlich viermal beigelegt.
„Reichkanzeiger"
Beilin, 10. Januar. Der licht die Verordnung betreffend Staatsanwaltschaft bei gebiete.
Berlin, 10. Januar. Die
zcAützt worden sei und die verlängerte entsprechend aus- genützt werden wird, und diese Frage muß der Kenner des
Simmern stand lauschend im Treppenwinkel und kam mit zwei Schritten vor.
„Darf ich?"
„Ja doch, ja!"
Da hatte er fie im Arm und küßte sie und trug fie
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Berlin, 10. Januar. Der „Reichsanzeiger" licht die Verleihung des Kronenordens an den Kurdireetor in Wiesbaden, Mojor a. D? meyer.
Ikboctio», Lgpedition und Druckerei:
-ch.tßr.ge Ar. 7.
mierricht selbst verbefferungsbedürftig sei, und er bejaht fie. 3n längerer Darlegung begründet er Vorschläge, welche er int Schluß wie folgt zusammensaßt: .
„Unser Unioersilätsunterncht leidet daran, daß die systematisch darstellenden Vorlesungen vom Katheder herunter einen unverhältnißmäßig großen Raum im Lehrplan ein- nehmen; sie beschränken bei der passiven Receptivität, die sie bedingen, die wesentliche Aufgabe des Unterrichts, felbstthätig beobachten, denken, arbeiten zu lehren. Diese Aufgabe muß m den Vordergrund treten. Demgemäß sollen die drei bis
ungspräsidenien v. Tepper-LaSkt von Wiesbaden nach KöSltn wird heute im „Reichanzeiger" pablictrt. Heber die Neubesetzung des Wiesbadener Regierungkpräfioenten'PostenS ist der „Poft" zufolge eine Entscheidung noch nicht getroffen.
Berlin, 10. Januar. Wie die „Poft" meldet, fahr der Kaiser gestern Abend 6V2 Uhr unangemeldet beim russischen Botschafter vor und hatte eine halbstündige Unterredung mit dem Grafen von der Osten Sacken.
Berlin, 10. Januar. Der „Local-Anzeiger" bringt eine Erklärung des Ge ner al-Cornrnand os de» 7. ArmeecorpS, in welcher es heißt, daß der in der DrehfuS- Affaire genannte preußische Offizier, Lieutenant v. Heu duck vom 6. Dragoner-Regiment h Dietenhofen, den Herrn Esterhazy weder gekannt, noch mit ihm jemals correfpondirt, noch überhaup: in irgend welchem Verkehr mit ihm gestanden habe.
Berlin, 10. Januar. Der Kreuzer „Geier" ist am Samßtag tn Port au Prtnce aagekowmen.
Berlin, 10. Januar. Der Inhaber der bekannten Firma Rudolf Hertzog, der Sohn de» Begründers der Firma, hat in einem Anfalle von Geistesstörung Selbstmord verübt.
Berlin, 10. Januar. Gegenüber der Meldung der „Köln. Boiksztg.", wonach demnächst vorbereitende Schritte geschehen sollen, um in Verhandlungen mit der chinesischen Regierung wegen Abschluffe» eines neuen Handelsvertrages einzutreten, schreibt die „Post": Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China find in einem Vertrage geregelt, der au» dem Jahre 1860 stammt. So
Dann fragte Berthe! plötzlich:
„Sie aber, was find Sie eigentlich? Ein guter Mensch, weiß ich schon, aber daS Auswendige?"
„Landwirth." \
„Mitten in der großen Stadt?"
„Um diese Zett hat auch unser einer Ferien, und dies
Adresse fflr Depeschen: Anzeiger Hieße».
Fernsprecher Nr. 51.
Vom Trödelmarkt.
Von Luise Glaß.
(Schluß.)
Ange schritt schweigend an SimmernS Arm durch die Ühnge; auch er schwieg, die letzte Stunde hatte das Bild, lat er von dem schönen Mädchen im Herzen trug, zu sehr uurstellt, und wenn er noch nicht alles verstand, da» eine war ientltd): um des Luxus willen verleugnete, fie Mutter und Schwester.
Da waren fie au» dem Gedränge- unwillkürlich athmeten beide auf.
„Ja," antwortete fie ruhig. „Wiuk:n Sie. Und besten Dent. Sie hatten Recht- auf dem Trödelmarkt findet man vkrnche»."
Sie versuchte einen ironischen Ton, von dem Simmern Mt8mol nicht» merke, er verabschiedete sich förmlich und eilte jU lück.
Aber da kam ihm Bertha Born schon entgegen, ohne taJ Pult, denn der Händler blieb bet dem erhöhten Prei», lef den Ange ihm Appetit gemacht hatte: „Die Dame käme viüder!"
Treuherzig berichtete die Bergnelke ihren Kummer- der Dhnn, der dem alten F tckschoster Arbeit gab, nur weil er iu< seinem Dorfe gebürtig war, verdiente Vertrauen, und fr ließ fich auch von seinem Rath trösten:
„Gehen Sie erst nach Weihnachten wieder hin, da» Pult bild jetzt nicht gekauft und bi» dahin hat die Enttäuschung !r» Mann mürbe gemacht."
Er schritt dann eine Weile neben der Getrösteten hin, üAich fragte er:
„Ange von Rotten ist Ihre Schwester?"
Dann schwiegen sie, bi» fie sich an der Thür des Flickschuster» trennten.
Der Mann war au», wie gewöhnlich- fünf Minuten später trat Simmern zum ersten Male in Frau Born» Zimmer. Berthe! kniete vor der Mutter und erzählte von Ange, wie schön sie sei und daß e» ihr gut gehe. In den Mutteraugen glänzten Thränen; so sah Simmern fie zum ersten Male, und e» schien ihm leichter, diese Frau Mutter, al» die wunderliche Excellenz Vater zu nennen."
Er setzte fich zum Plaudern und kam Tag für Tag wieder, mit Botschaften für seinen Flickschuster, den er nie zu treffen wußte. Auch am 24. kam er, aber da war der Granbart zu Hause und ließ ihn schnell durch seine Thür schlüpfen.
Al» Berthel» Weihnachtsbaum brannte, eine kleine, bescheidene Fichte, ohne Zuckerwerk, die aber mit ihrem Harz- und Wachsdust und mit dem Flimmer der Lamettastreifea doch das Zimmer mit Weihnacht-zanber erfüllte, da klopfte es an die Thür und der alte Flickschuster schob Vaters Lesepult herein. „Julklapp!" rief er mit krächzender Stimme. Ein Aufschrei, halb Schluchzen, halb Freude, dann war e» still drinnen.
„Mütterchen, Mütterchen, da» ist von ihm!"
Und ein paar Minuten später fragte Berthel draußen: „Meister, ist er wohl da?"
ist auch beinahe eine Geschäftsreise- ich suche eine Fran."
War daS nun ein Scherz, um ihre Neugier abzuweiseu? Nein, es klang ernsthaft, und mit einem Schlag sah Bertha ihn wieder, wie vorhin, Arm in Arm mit der Schwester durch die Menge davongehen.
„Ange?" fragte fie zaghaft- fie mußte fragen.
„Nein," antwortete er, und ihm war dabei zu Mnthe, a!» habe er nie daran gedacht. „Ich suche noch."
Privatvorlesungen mit geringen Ausnahmen unterbleiben; an ihre Stelle sollen treten:
1) kurze Orientirungevorlesungen, ein- bis zweistündig, bei sehr großem Stoffgebiet ebenfalls auch mehrstündig, in der Woche, worin eine gedrungene Uebersicht über die Hauptmomente de» Stoffes unter wesentlichem Hervorheben der Aufsaffung gegeben wird und die Hörer durch Nachweis der klassischen Hauptwerke und Handbücher angeleitet werden, sich die Detailkenntniffe felbstthätig anzueignen. — Die sogen, öffentlichen Vorlesungen decken sich zum Theil mit diesen Orientirungscollegien und werden somit in ihrer Zahl reduzirt.
2) Praktische Hebungen von den ersten Semestern an, je nach Bedarf zwei-, vier- und mehrstündig in der Woche, welche die Studenten zu allgemein wiffenschaftlichem und zu fachmäßig differenzirtem Beobachten und Denken heranbilden und sie mündlich wie schriftlich zu klarer Formulirung ihrer Gedanken und zu selbständig probucttoer Thätigkeit anleiten, zuerst durch kleine und kleinste Uebungsarbeiten (Interpretationen. Referate, Voruntersuchungen, Präparate u. s. w.), in den späteren Semestern durch größere Vorträge, Untersuchungen, Differtationen. Bei den Staats- und Universitätsprüfungen soll die Vorlage solcher Uebungsarbeiten aus jedem der offiziell erforderlichen Semester vom ersten an mit batirter Bescheinigung des betreffenden Dozenten verlangt werden; für die letzten Semester genügt beim Doctorexamen eventuell die Vorlage einer größeren Arbeit, und zwar je nach deren Werth gemäß dem Urtheil der betreffenden Facultät bezw. der Fachvertreter, zum Dispens von Uebungsarbeiten aus den letzten zwei oder drei Semestern, bei nachfolgendem Staatsexamen kann dieselbe entsprechend in Anrechnung gebracht werden. Die jetzt üblichen Seminare und denen ähnlichen Einrichtungen werden also in ihrem Wesen an sich nicht verändert, nur gewinnen sie ein fester organlfirte« Verhältniß zu einander und zum ganzen Unterricht, indem sie überall stufenweise für Anfänger und Vorgerückte einzurichten sind und mit vermehrter Stundenzahl mit erweiterter Bedeutung in den Vordergrund des Lehrplans treten.
3) Combination systematischer Darstellung mit practischen Hebungen ähnlich wie bei den Archäologen und Kunfthistorikern zum Theil, bei Naturwissenschaftlern und Medizinern längst allgemein in den mit Demonstrationen, Hebungen, Excursionen verbundenen Vorlesungen üblich ist, überall auch in den humanistischen Fächern, soweit irgend thunlich Stoffe, die dazu geeignet sind, sollen möglichst in practischen Hebungen allein absolvirt werden."
Die Prüfung dieser Vorschläge muß den Fachmännern überlasten bleiben.
Kind. Unb Ange ist glücklich geworden?"
Sie blieb plötzlich stehen uab sah Simmern sragend Auge.
„Glücklich auf ihre Art, ja — Jeder hat seine eigene."
„Freilich- ich möchte nicht von Mütterchen fort und
Der Uuiverfitiilsunterricht »ud die Erfordernisse der Gegenwart.
Unter dem vorstehenden Titel hat der ordentliche Profeffor lei Geschichte an der Universität Greifswald, Dr. Ernst 8 ernheim, soeben eine lesenSwerthe kleine Schrift im Verlage von S. Calvary & Co. in Berlin erscheinen lasten. Der Verfasser gehört zu denen, welche an unserer ftudirenden Jugend und an den Ergebnissen ihres Universitätsstudiums trrfte Kritik zu üben für Pflicht halten. Unter den Uni* rersitätslkhrem, sagte er, fei „die Klage allgemein geworden, laß es der ftudirenden Jugend an innerer Frische und Freudigkeit fehle: die jugendliche Luft an der allseitigen Ausbildung zum erwählten Berufe ist vielfach einem lauen und flauen Wesen gewichen, das sich in verschiedenster Weiss übel geltend macht und die Resultate des Unterrichts schwer ieeinträcfrtigt"
Man bat in verschiedener Weise das Mindestmaß der ktudienfrist verlängert oder verlängern wollen — aber hie-- bei ist die grundwichtige Vorfrage meist außer Acht gelassen, kb die bisher gegebene Frist im Durchschnitt gehörig aus-
Vertreter, ki kt Nlrrrn ifdiltt ML Cfltttttt otrttt . «II Ht* Avdv'i Sofft B tltClt».__________________
Betritt Wert!
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„Ja," antwortete Bertha unbefangen. „Excellenz ist I Mütterchens Bruder- wenn Sie ihn kennen, wissen Sie, daß I er wunderlich ist, er mochte Papa nie leiden, aber daß *
Deutsches Reich
Berlin. 10. Januar. Heute Vormittag von 9 Uhr ab hörte der Kaiser die Vorträge de- Chef» de- Eivileabinet» von Lukanu» sowie die Vorträge des commandirenden Admirals von Knorr, des Chef» de» ReichSmarineamtß, von Tirpitz und des Chefs des Marintcabinet» von Senden Bibran. Heute Abend gedenkt der Kaiser an dem Diner bei dem Fürsten Anton Radziwill in Berlin theilzunehmen.
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auch nicht immer in der großen Stadt stecken - al» wir vom Dorse heretnzogeu, da habe ich heimlich geweint, und mein Lustschloß ist, daß ich mir mal ein klein winzig Häuschen auf dem Lande kaufe und ein Gärtchen und ein Schwein unb eine Kuh —"
„Halt, halt, das ist ja schon beinahe ein Rittergut!" Unb sie lachten Beide fröhlich tn den frischen Winterabend hinein.
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■4' " r U H iedbft unb mehr Stunden in der Woche üblichen sogenannten
. — - Silbungstrieb ist schwächer geworden, bas Gefühl
tinrt'ctUefEinbt, tzbr Verpflichtung, den inneren Menschen über bem äußeren
'fc.eMu " ' ' Selen mcht zu versäumen, unb darauf kommt Alles an.
” —'------— Der Verfasser stellt die Frage, ob der Hniversitäts-
' ><r iiuefli ete d-drottito ckademischen Lebens entschieden verneinen. Die akademische ir«n> j^xiheit ist ein hohes Gut, aber sie schließt die verhängniß-
y”udirei<n rai ’m volle Freiheit ein, Zeit und Energie maßlos zu vergeuden, unb dagegen gibt es kein Gegengewicht als das persönliche Pflichtgefühl und den echten Bildungstrieb. Man kann schwerlich mit Recht sagen, es sei das äußere Studentenleben,
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