Ausgabe 
11.12.1898 Zweites Blatt
 
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abgeloufen war. Nährend man in Frankreich damit umging, die Asche seines Oheims nach Paris zu überführen, landete der Prinz am Morgen des 6. August 1840 mit 50 bewaff­neten Begleitern noch dem Muster feines Onkels bei Boulogne, drang in die Stadt und Kaserne und suchte die Truppen für seine Absichten zu begeistern. Das wahnsinnige Unter­nehmen mißlang wie das erste Mol, die Soldaten machten auf den Prätendenten Jagd, das Boot, in dem er zu ent­kommen versuchte, schlug um, man fischte die Fliehenden aus dem Waffer und setzte den Prinzen in Paris gefangen. Seine Aburtheilung erfolgte vor der Pair-kammer, vor welcher er behauptete, nicht als Prätendent gekommen zu sein, sondern nur in der Absicht, dem Volke durch Berufung des Nationalcongresses die Mittel zur Erklärung des allgemeinen Willens darzubteten. Er schloß seine Verteidigung mit den Worten:Ich vertrete eine Sache, diejenige des Kaiserreichs- einen Grundsatz, denjenigen der höchsten Gewalt des Volkes; eine Niederlage, diejenige von Waterloo." Man verurtheilte ihn zu lebenslänglicher Gefangenschaft im Staatsgefängnib zu Ham. Sechs Jahre befand er sich daselbst, sich mit literarischen Arbeiten beschäftigend, dann gelang es ihm, in der Verkleidung eines einfachen Arbeiters nach England zu entkommen.

Hier weilte er noch, als die Nachricht vom Ausbruch der Februar-Revolution am 22. Februar 1848 feine Hoff nungen aufs Neue ermuthigts. Die Revolution hatte Ludwig Philipps Abdankung und Flucht zur Folge, doch vrrfcherzte sich die neue Republik sehr bald durch die Schließung der Nationalwerkstätten und die dadurch hervorgerufene dreitägige Junischlacht, in welcher der Volksaufftand von der Regierung niedergeschlagen wurde, die Gunst der arbeitenden Klaffen, sodaß bei den Ersatzwahlen für die Nationalversammlung am 17. September 1848 fast ausschließlich Monarchisten gewählt wurden. Zu den Erwählten gehörte auch Prinz Napoleon, und zwar hatten ihn nicht weniger als fünf Departements als Volksvertreter auf den Schild erhoben,-ein Beweis dafür, daß die vor zehn Jchren noch kaum zu beachtende bonapar- tistifche Partei inzwifchen bedeutend gewachsen war. Kein Wunder, denn die Bourbonen standen in schlechtem Andenken, die Orleantsten hatte man erst hinausbesördert und die

Republikaner hatten sich durch ihr Auftreten gegen die Volks« maffen veihaßt gemacht. Dagegen war Napoleon im Grunde eine neutrale Person, ein neuer Mann; Niemand dachte mehr an die Beschwerden, welche der Ehrgeiz seines Onkels dem Lande verursachte, und der alte Ruhm lebte wieder auf, die Napoleon Legende ergriff Besitz von den Herzen des Volkes. Seine Schriften bewiesen seine Intelligenz, seine vorher­gegangenen Erhebungen seinen Muth, dabei spielte er sich als Anhänger der Republik und als social empfindender Volks- freund, überhaupt als ein Mann auf, der des Volkes Wollen als das höchste Gesetz anerkennt. Mit Recht bemerkt jedoch bereits ein Geschichtsschreiber aus dem Jahre 1840, daß Napoleon L, während er dem Prinzip der Volkssouveränetät huldigte, doch sein Gelüste nach dem kaiserlichen Thron allzu offen zur Sckau getragen habe, um nicht im Voraus ermessen zu lassen, daß ihn jeder andere Ausdruck des Volkswillens, der nicht seine Erhebung zur Folge gehabt, schwerlich be« friedigen würde. Auf was sollte er denn auch seine Ansprüche stützen, als auf den Willen des Volke»? Em Prätendent von Gottes Gnaden" war er ja nicht, sonst würde er ver- muthlich wie die anderen Prätendenten darauf den Haupt­werth gelegt haben, und der Wille des Volkes würde ihm so gleichgültig wie möglich gewesen seni.

Der Prinz war klug genug, diesmal nicht gleich mit beiden Füßen in das Abenteuer hineinzuspringen er blieb vorläufig in England, obgleich die Nationalversammlung ihm, den sie für einen ungefährlichen Schwärmer hielt, die Rück kehr gestattete. Um jeden Zweifel zu verscheuchen, daß es ihn absolut nicht nach der Last der Krone verlange, gab er sich sogar den Anschein, als wolle er auf sein Abgeordneten« Mandat verzichten.Wenn das Volk", schrieb er an den Präsidenten der Nationalversammlung,mir Pflichten auf­erlegt, werde ich sie zu erfüllen wissen, aber ich widerspreche allen Denen, welche mir ehrgeizige Absichten unterschieben sollten, da ich solche nicht hege. Mein Name ist ein Sinn­bild der Ordnung, die Nationalität und des Ruhmes, und ich würde es mit dem lebhaftesten Bedauern sehen, wenn derselbe dazu dienen sollte, die Unruhe und Zerrissenheit des Vaterlandes zu erhöhen " Auf Grund der erfolgten Wieder­wahlen ließ er sich doch endlich Herbri, in Paris und der

Versammlung zu erscheinen, wo er bei seinem Eintreten am 26. September die Erklärung abgab:Nach 30 Jahren der Aechtung und Verbannung finde ich endlich mein Vaterland und alle meine Bürgerrechte wieder. Die Republik hat mir dieses Glück b?reitet, sie möge darum auch den Schwur meiner Ergebenheit empfang-n." Weiter betonte er seine Absicht, mitzuaibeiten an derAufrechterhaltung der Ordnung, dem ersten Bedürfniß des Landes", um sich auf diese Weise die Sympathien der Landesbevölkerung zu sichern, der es um Ordnung und Sicherheit in erster Linie zu thun war.

Der neue Abgeordnete zeigte sich als ein sehr schweig­sames Mitglied, dafür war er im Stillen um so rhäiiger, seine Aühänger versprachen die Aufhebung des verhaßten Zehnten und vieles andere mehr. Das Resultat war das erwartete. Bei der Präsidentenwahl kamen Cavaignac, der Sieger in der Pariser Junischlacht, als republikanischer, der Graf von Chambord als bourbonistischer, der Sohn Ludwig Philipps als orleanistischer und Napoleon als bonapartiftischer Candidat in Betracht. Mit Spannung erwartrte man am 10. December 1848 den Ausfall der Wahl: dieselbe ergab die Erhebung Napoleons zum Präsidenten der Republik mit 5 434 2.-6 von 7 327 345 Stimmen. Cavaignac erhielt nur etwa l l/z Millionen, während die beidm anderen Candidaten nur einen kleinen Theil auf sich vereinigten.

Damit hatte Frankreich das Uriheil der Republik ge- ; sprachen. Zwar legte der mugewählte Präsident am 20 De­cember 1848 den Eid auf die Verfassung ab, aber Jedermann war wohl im Voraus überzeugt, daß dirser Schwur nicht werde gehalten werden. Der Staatsstreich vom 2. December 1851 bestätigte die Befürchtungen der Einsichtigen, die Kanonen der Soldaten brachten die Widerstrebenden zum Schweigen. Ein zweites Plebiszit hieß den Staatsstreich gut (mit mehr als 7 Millionen Stimmen), das dritte ergab die Abgabe von 7 800000 Stimmen für die Wiedererrichtung des Kaiserreichs. Nur 253000 Wähler stimmten mitNein". Das geschah am 21. November; elf Tage später, em 2. December, dem Tage von Austerlitz und der Krönung Napoleons I., wurde das Kaiserthum proklamirt:Napo­leon III., durch die Gnade Gottes und den Willen der Nation Kaiser der Franzosen."

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