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11.12.1898 Zweites Blatt
 
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Fernsprecher Nr. 51.

Ter Dreibund.

Jede segensreiche Institution vt bin heftigsten Angriffm ousgesrtzt, denn ei giebt eine große Zahl von Menschen, denen alles Vollkommene ein Gräuel ist, die nicht zufrieden find, wenn sie nicht an Allem eiwas mäkeln und tadeln formen Daß nun der Dreibund eine segensreiche Einrichtung ist, w rd Niemand in Zweifel ziehen- und doch ist er von j ber in stärkstem Maaße angegriffen worden. Die Vereinigung der drei mitteleuropäischen Großmächte gilt der Erhaltung d 6 europäischen Friedens, und sie hat sich damit ein Ziä gesetzt, dessen Förderung des Schweißes oller Culturvölker sv.rth wäre. Ader sind denn nun auch alle Staaten Freunde dieser friedlichen Bestrebungen und überzeugte Anhänger des Dnibundes. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß wir diese Kroge leider mitN-in" beantworten müssen, denn welche älnflrcngungen haben z. B. unsere lieben Freunde jenseits der Vogesen gemacht, die Kraft des Dreibundes aufzuheben enb ihn zu zersplittern. An schönen Reden hat es niemals gefehlt, auch an der Seine nicht; bei jedem Neujahrrempsange im Elysse floß der Mund des jeweiligen Präsidenten Über on den friedlichsten Versieh rungen, von Betheuerungen, als könne die grande nation kein Wässerchen trüben. Hätte eher Rußland zu irgend einem Augenblick der französischen Republik die Hand gereicht, um über Deutschland herzufallen dehuss Wiedererlangung von Elfaß-Lothringen keinen Lugen« dlick hätten sich die Staatsmänner an der Seine besonnen, Oder aber sie wären von der öffentlichen Meinung gezwungen »erben, Europa mit Krieg zu über ziehen. Und auch heute « sind alle Fr'edensversicherungen der Franzosen äußerst skptisch aufzunehmen; jedenfalls kommen sie nicht aus dem Kerzen.

Bekanntlich hat man in der Thronrede, mit welcher $aifer Wilhelm am Dienstag den deutschen Reichstag er« Äffnde, eine besondere Elwäbnung des Dreibunds v rmißt. llnferer Ansicht nach bedurfte es diffen auch gar nicht, wenn Ber Bund in alter Weife fortbesteht und in dem Verhältniß Ser drei Staaten zu einander keine Aenderung eingetreten >it. Aber die Anschauungen sind ja sehr verschieden, und so laben denn einzelne Kreise die Frage aufgeworfen, ob btnn ler Dreibund auch wirklich so fest gegründet sei, daß er alle Kührnisse Überstehen könne. Man hat sich zu diesem Zweifel lerechtigt gefühlt auch angesichts der Haltung des öfter- icidifcben Ministerpräsidenten Giafen Thun und angesichts les Adschluffes der sranzösiich-italiewfchm Hmdelsconvention. Wir wiffen aber aus zuverlässiger Q elle, baß beide Angelegen­heiten den Bestand de» Dreibunds in keiner Weise bedrohen, nb allen Zweiflern sei gesagt, daß der große mitteleuropä-

ische Staatenbund, welcher nun schon beinahe 15 Jabre die Wacht hält für Erhaltung des Friedens, auf erzenem Grunde steht und selbst Hochfluthen zu widerstehen im Stande ist. Nicht nur die drei Herrscher find überzeugt von der bringen­bin Nothwendigk.it ihrer Vereinigung, auch die Regierungen Haden den Segen erkannt, den der Dreibund für die Völker bedeutet. Ruhig, aber um so wirkungsvoller hat dieser fern Ziel verfolgt, und wir dürfen uns getrost der Zuoerficht hingeben, daß sein Fortbestand gesichert ist, auch ohne daß von den zunächst Betheiligten Immer wieder auf ihn besonder» hingewiesen wird. (xx)

Der beleidigende Gedankenstrich, flal Wien wird berichtet: Der Kaufmann Anton Nowalsctek hatte seinem früheren M erher ®mil Walenia eine off ne Ratte geichrieben wir der Aufforderung, dieser Irfle eine zerdrockenc Fenster­scheibe machen loffen, da die W-li tonst annehme" könne, et sei ein. Durch den Gedankenstrich fühlte sich her Em­pfänger der Ratte in seiner Ehre verletzt, weßhald er gegen Herrn Nowaischik eine Ehrendeleidigun-sklage anflrmzte. Bei der vor dem Bezirksgerichte Josrptstadt staüg-hab en Berhaatlvng erklärte dir Angeklagte, daß er durch ten Grdauk nst ich ke ne Beleidigung begangen habe. Der Richtet sprach den Angeklagten frei mit der Begründung, daß die Bezeichnung mit ein-m Gedankenstrich wohl vermuthen taffe, daß man den Bemfftnbrn verächtlich wachen wollte, 'S sei aber andererseits auch die Auslegung trörid), daß man an Jemandem eine zulässige Rutil ütnn wollte.

Auf der Weihnacht« Insel. Mitten iw Jüdischen Dcean, etwa 400 Kilometer füoud) von der Jnsei Java, liegt ein einsames Stand, bat die Engländer die Weihnacht»- Insel (Christinaa-Island) benennen. Ungefähr vor einem Jahre wurde unter Führung von 6. W. Andrew» eine wiffcuschasiliche Expedition zur Eiforschung dieses (Silanöel entsendet^ diese ist j-tzt nach London znrückgekehrt und hat einen Bericht über ihre Ergebnisse erstattet. Der Boden ist vulkanischer Herkunft, die Insel au8 einem Korallenriff ent­standen, welches in Folge eines Erdbebens in die Höhe gehoben worden ist. Da» Innere ist fo dicht bewaldet, daß die wenigen Bewohner der Intel noch niemals Über einen Kilometer weit vorgedrungen sind. BemerkenSwerth ist hier die Anpassungsfähigkeit der Thtere. Eine große Zahl von Landkrabben und Ratten nistete sich bald auf bet Insel ein; da fie auf dem Boden keine Nahrung stoben, suchen fie diese auf Bäumen. Die ForschungSteisendin erzählen, daß fie selbst auf den höchsten Bäumen, wo fie die Nacht Über ver

we'lt'n, vor Hatten nicht sicher waten. Dte Julei ist 23 R lomrter fang nab 13 Ri omtter breit.

littet, bet feine Zeit r ersieht. Aa» Pari» wirb der ,6trnbbnrfleT Pole- oeschrteben: ,Une jeune hommo, qui comprend son temps", nennt ein hirfiger W'tzb^ld cen Hilden emer jedenfalls ertunbenen Geschichte, die et unS tm Wtz theil eines lageblaite» auftischt. Derjunge Mann, der seine Z'it richtig verstanden bat*, ist soeben zum dritten Mal durchs Examen gefallen und erhält darob von seinem mehr verzweifelten als strengen Herrn Popa eine derbe Sitten- preßet.W^S denkst Du Dir denn eigentlich, alter Faul­pelz?* haucht ihn bet erzürnte Vater an,bist schon drei­undzwanzig Jahre alt und bringst eS zu Ncht»! Ich bin nicht reich, und wenn Du Nicht» gelernt hast und kein Diplom aufweisen kannst, findest Du keine Anstellung.* ,Pah*, meint der hrffaungsvolle Sohn, »wird schon gehen, Papa, ein praktischer Meirich kommt auch ohne Diplom durch die Welt.* ftooooP Und womit gedenkst Du daS zu versuchens Etwa Kaufmann? Hab' Dir keinen Groschen Anlagekapital zu geben, das weißt Dul*Will ich auch gar nicht- ist mir viel zu langweilig, e Hg Rechnungen herauSzn'chreibeu und mich mit den Kunden hfuwzuzanken!*Nun, was sonst? Zum Künstler hast Du auch keine Anlage und zum Beamten fehlen Dir die bestandenen Examina l Also? . . .* Ach, P-pa, was bist Du doch in der Zeit zurück« geblieben I* entgegnete der junge Mann mit überlegenem Lächeln,Du denkst noch immer, eS komme auf Keuutn sie, Examina, D p ome und all den veralteten Kram an. DaS thut» freilich nicht. Nein, ich habe längst meinen Entschluß gefaßt!"Und der roäie?vHm I Nicht» e nsachet al» das! Ich verkaufe dem Generalstab ein poae B'iefe von Röaig Humbert, dafür kriege ich doch mindestens 15000 Franken auf einem Brett, denn die Briefe Kaiser Wilhelms standen 27 000. Da siehst, d ß ich mich auf dem GeneralstabSconrS- zettel ganz gut auskenne! Uab wenn die .Italiener* mal ganz tief stehen sollten, dann greife ich zu ,Deutschen* und handle mit preußischen MobilmachuugSplänen", (begeistert): We'ßt Du, Papa, die vom 15. und 16. EotpS in Elsaß- Lo hrinden werden augenbl ck ich sehr hoch notirt und . . . Der Alte schlägt die Hände über dem Kops zusammen: -Jange, Du kannst e» noch mal weit bringen !*

Meyers Konversations - Lexikon

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jcuiUtten.

Hlapoleon III. und der 10. December 1848.

Bon vr. Walter Göhring.

(Nachdruck verboten.)

Al» Napoleon I. am 22. Juni 1815 endgültig dem französischen Karserthron entsagte, wnnte ihm das eigentliche Polt wohl keine Turäne nach. Ein Vierteljahrhundert war das atme Land nicht mehr zur Ruhe gekommen; erst hatten die Schrrcken der Revolution es in Äthern gehalten, dann raubten ihm de» ehrgeizigen Herrschers ewige Kriege Hundert­lausende feiner Söhne und verschlangen unzählige Millionen des nationalen Vermögen». Man war der beßändigen Opfer, der fortgesetzten Spannung und Aufregung müde, man wollte leine Glorie mehr, sondern nur Rude, um endlich einmal viedrr den Zustand einer ftiedlichen Sicherheit genießen zu können. Hätte der wieder auf den Thron ferner Väter er- loben» Ludwig XVIII. biefe Stimmung klug zu benutzen xrRanben, fo wäre efl ihm vermuthlich gelungen, die Dpnastie )er Bourbon» neu zu begründen. Durch die von ihm be» iriebene Politik gewaltthättaer Reaction entfremdete er sich aber die Herzen, ehe er sie noch gewonnen batte. Sein Öntber und Nachfolger, Karl X., brachte die Scorpionen zur Lnwendung, statt der Peitschen feines Vorgängers, und al» -r zuletzt vor einem Staat»streich nicht zurückschreckte, durch velchen die Preßfreiheü aufgehoben und die widerrechtliche Auflösung der Kammern au»gefprochen wurde, da brach in Pari» (am 27. Juli 1830) die Revolution au», bet König nutzte fliehen, und an feine Stelle trat der sogenannte .Bürgerkönig" Ludwig Philipp von Orlean», der Sohn de» anter dem NamenEgalitö* bekannt gewordenen Herzog» son Orleans.

Bi» dahin gab e» in Frankreich noch so gut w.e Line bonapart.stifche Partei. Trotzdem hielt e» Ludwig Philipp, entgegen einer früheren Aeußerung,seine nächste Sorge, sollte er je zur Regierung gelangen, werde die Rückberufung der kaiserlichen Familie fein, für gerathener, die die Familie Bonaparte au» Frankreich verbannende Acte aufrecht zu er­halten. Wie wohl er daran gethan, sollte sich bald zeigen. Der einzige Sohn Napoleon» I., der kränkliche Herzog von Reichstadt, war ungefährlich, als dieser jedoch am 22. Juli 1832 starb, gingen seine Ansprüche auf den Prinzen Loui» Napoleon ; Bonaparte über, einen Sohn de» einstigen König« von Holland und der Königin Hortense und Neffen Napoleon» I. Der Prrnz, am 20. Aprü 1808 zu Pari» geboren und vom Kaiser selbst au» der Taufe gehoben, war ehrgeizig und thatendurfttg; erfüllt von den Traditionen seine» Hause» und von Be wunderung für seinen großen Onkel, den er al» 7 jähriger Knabe nach der Rückkehr von Aba auf dem Marsfelde zur , Seite gestanden, bereite ihn da» einzige, wenn auch anfan^» vorsichtig gleugnete Ziel, auf irgend einem Thron (am liebsten auf dem französischen) den alten Ruhm der Napoleoniden zu : erneuern. Daher wurde die Julirevolutwn von ,hm mit Jubel begrüßt, ja er bot sogar dem neuen König ferne Dienste al» cemeiner Soldat an, sand jedoch nicht nur keine Gegenliebe, sondern sah im Gegentheil die Verbannung»acte erneuert.

Da brach der Aufstand in Italien au», und sofort war auch Prinz Napoleon bei der Hand, um unter den Insur­genten eine Rolle zu spielen. Da» Ende war die Flucht durch Italien und Frankreich nach England, von wo au» er bald nach der Schweiz, wo er Bürgerrecht besaß, zurückkehrte. Hier suchtm ihn zwei Ge'andte der gerade im Ausstand be­griffenen Polen auf, um rhn zu veranlassen, mit ber brei- farbigen Fahne in ber Hand, an bet bärtigen Küste zu landen, wae nach ihrer Ansicht, Äeinen unberechenbar tiefen Eindruck

: machen würde". Der Prinz, der entschieden einen nicht un b deutenden persönlichen Muth besaß, zeigte sich sofort zu dem Abenteuer bereit, doch machte die Nachricht vom Falle Warschau» auch dieser Gelegenheit, eine politische Rolle zu fpitlen, em Ende. Jetzt trat der ehrgeizige junge Mann al» Schriststrller auf, wohl hauptsächlich in der Absicht, seinen Namen dm Franzosen in Erinnerung zu bringen. Er ver- öffentlichte den Entwurf einer demokratischen Verfassung und vertrat die Ansicht, daß nur ein Napoleon die Wiedergeburt Frankreichs bewirken könne. So lenkte er geschickt die Auf­merksamkeit auf sich und schuf sich und dem Bonaparii»mu» in Frankreich wieder eine, wenn auch unbedeutende Partei. Durch die aufmunternben Worte einiger Unzufriedenen bestärkt, hielt er die Zeit schon damals für gekommen, feine kühnen Projlcte durch 'inen Handstreich zu verwirklichen.

Während feine» Aufenthalte» in Baden Baden bahnte et geheime Beziehungen zu den Offijierm der St'aßburaer Garnison an, und da er bei ihnen Ermuthigung und Ent- gegenkommm sand, zögerte er nicht, sich am 28. October 1836 in Person nach Straßburg zu begeben, wo et vor da» Regi­ment trat, dessen Oberst ihm ergeben war, und diesem feine Berufung durch das Volk und das H-er in hochtrabenden ®orten o rkündlte. So sicher war er feiner Sache, daß er sich schon am folgenden Tage mit 12000 Mann und hundert Kanonen auf den Weg noch Pari» zu begeben gedachte, aber er halte die Rechnung ohne den Wrrth gemacht. Nut ein Theil ber Straßburger Garnison erklärte sich für ihn, bet anbere bewirkte feine Gefangennahme, worauf sich bie französische Regierung begnügte, ben Prinzen auf ein Schiff bringen unb in Amerika an« Land setzen zu laffen. Sie wollte feinen Märtyrer machen und handelte klug. Seine Mitverschworenm wurden vorn Geschwormengerichte freige- f'prochen. Vier Jahre später versuchte er die Durchführung seine» Plane» noch einmal, da der erste Versuch so harmlo»