Ausgabe 
11.11.1898 Erstes Blatt
 
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der Zweite aber Esterhazy vertheidlgte. . . Henry der- theidtgte also mit der Zustimmung seiner Vorgesetzten Ester­hazy, und delhalb muh mau mit dem größten Eifer und der unerschütterlichsten Ausdauer auf b!e Mitschuldigen Henry - fahnden, welche Stellung sie auch einnehmen mögen. Die hiesige deutsche Botschaft unterzieht sich der ziemlich über­flüssigen Mühe, durch die Agentur Havaß die vomJutran- figeant" seinen Lesern aufgebuudeue Geschichte von den Briefen der Comteffe Münster dementiren zu laffrn. Der in der DrryfuSsache gewöhnlich gut unterrichteteMatin" versichert, daß der neue Generalstabschef Brault bereit» Besitz ergriffen habe von den geheimen Acten und sie ohne Zweifel dem Caffatioushof übergeben werde, wenn dieser es verlangt DerMatin" erklärt auch mit großer Bestimmtheit, daß alle Stücke diese» Actenbüudel» jüngeren Datum» find al» der Prozeß von 1894. DerGaulois" rückte am Sonntag mit einem neuen Bewet« der Schuld von DreysnS heraus, der zugleich erklären soll, warum da» Bordereau die Schrift­züge Esterhazys trägt. DrehfuS hatte in einem seiner Ver­höre ein Bruchstück de» Bordereau für die Handschrift de» Hauptmanns Brau gehalten, der mit ihm im gleichen Bureau diente. DerGauloiS" erklärt nun, Drrhfu» habe fich des Namen» Brau bedient, um durch die Vermittlung seines Hausbesitzer» Frewbach von Esterhazy eine Schrift­probe zu erhalten, die er dann im Bordereau nachgeahmt habe. Esterhazy habe die» selbst erkannt, al» er später von jenem Hauptmann Brau erfuhr, daß dieser nie eine Schrift­probe von ihm verlangt habe. Man kann in dieser haltlosen Geschichte nur einen neuen Versuch Esterhazys sehen, um zu erklären, warum da» Bordereau seine Schriftzüge trage.

Loudon, 9. November. Die Admiralität hat befohlen, da- in Gibraltar befindliche Canal-Geschwader mit Munition und Kohlen au» dem Kriegsbedarf zu versehen. Da« Geschwader wurde um einen Kreuzer verstärkt. Auch bestellte die Regierung mehrere Millionen Patronen.

Loudon, 9. November. Nach aus Schantung hier ein- getroff-nen Berichten ist in der Räbe von Tfinafu der gelbe Flutz ausgetreten. 200 Quadratmeilen find über­schwemmt. Die Ernte ist vollständig vernichtet. Hunderte von Dörfern find zerstört. Unter der Bevölkerung herrscht HungerSooth.

Loudon. 9. November.Daily Mail" giebt der Hoff' nung Ausdruck, daß Lord Salisbury heute Abend auf dem Festesten zu Ehren des Lord-Majors die Erklärung ab­geben werde, daß England das Protectorat über Aegypten proclamiren werde. Die Stunde der leeren Redensarten sei jetzt vorbei, es müffe gehandelt werden. England könnte Europa nicht länger über seine Absichten in Aegypten im z Unklaren lasten.Daily Graphic" beglückwünscht die Mit­glieder des französischen Parlaments, weil sie gestern die Interpellation über die Faschodafrage zurückgezogen haben. Das Blatt wünscht, daß Frankreich nunmehr dem Preßfeld­zuge ein Ende machen werde, denn ein solcher Feldzug sei gefährlich. Würde ein Krieg ausbrechen, dann wäre Frank­reich in einer schlimmen Lage, denn das Resultat würde eine Niederlage für Frankreich sein. Es gäbe in ganz Europa keine Nation, die für Frankreich freundschaftlicher gesonnen wäre, als England.

Loudon, 9. November. Die politische Luft, so will fcuDaily Mail" wissen, kläre sich entschieden. Nach­dem die Regierung ihren Willen bezüglich Faschoda» durch­gesetzt, wünsche sie den Rückzug der Franzosen so wenig un­angenehm sür deren Gefühle al» möglich zu machen. In der Frage der Unversehrtheit de» äLhPliichen Gebiet» werde sie jedoch nicht da» mindeste Zugeftändniß machen, aber in jeder anderen Hinsicht Frankreich so weit wie möglich ent- gegeukommen. Weitere Seerüstungen würben nicht stattfinden; in militärischer Hinsicht sei nicht- (?) geschehen; da» Gerücht über die Modilifirung de» westlichen Militärbezirk» sei un­begründet. Gerüchtweise verlautet, Salisburys Guildhallrede werde den Entschluß der Regierung, die britische Schutzherr­schaft über Aegypten herzustellen, anküudigen.

Frankreich und England in Afrika. Die Nachricht einer Pariser Zeitung, daß Frankreich fich sür seinen erzwungenen Rückzug au» Faschoda an erster Stelle dadurch rächen werde, daß eS Einspruch gegen die Abtr-.tuug der Delagou-Bai an England erheben werde, hat schnell Be­stätigung gefunden. Von Pari» aus ist der portugiefischeu Regierung schon die Mitthetlung zugegangen, daß mau die Ueberlaffung der Delagoa-Bai an England al» gegen die Jaterrffeu Frankreichs gerichtet ansähe. Zugleich soll Frank­reich den Vorschlag gemacht haben, sür die Regelung der portugiefischeu Finanzen eintreten zu wollen. Bekanntlich beruht da» deutsch englische Abkommen über die Theiluug der portugiefischeu Colonien darauf, daß Deutschland und Eng­land durch Gewährung eine» Darlehens den Ausgleich Por­tugal- mit seinen Gläubigern ermöglichen. Durch Gewäh­rung der nöthigen Mittel von franzöfischer Seite würde also diesem Abkommen die Unterlaze genommen werden. In Portugal hat die Ankündigung au- Pari» die höchste Auf­regung hervorgerufeu. Denn, so heißt eS in einem Lrffa- boner Briefe, der englische Einfluß, vor Allem am Hofe, ist mächtiger als je. Bekannt ist, mit welchen Mitteln die Briten seit Jahren in Lissabon gearbeitet Haden. Daß e» den Franzosen Ernst ist mit diesen Abfichten, geht au» einer anderen Meldung hervor. Die Pariser Regierung hat nämlich laut einer Mittheiluvg auS Südafrika den Beschluß gefaßt, den Hafen von Diego-Suarez zu einer KriegSstation ersten Range» zu machen. Dieser Hafen liegt im Norden von Madagaskar und würde die Lmieu des Verkehr» nach Südafrika wie nach Indien beherrschen. Madagaskar wird allenthalben, auch von den südafrikanischen Staaten, al» eine zu Südasrika gehörige Colonte betrachtet. Frankreich zieht daraus die nothwendigeu Folgen, e» erhebt Einspruch gegen die Abtretung des einzigen vichtenglischeu Hafen» au der ost- afrikanischen Küste au England und legt zur Festigung seiner eigenen Lage eine starke Milttärstatiou au.

Locale- und provinzielle».

Gieße», 10. November 1898.

Stadtverordnetenwahl. Mit Hinweis auf die in heutiger Nummer d». Bl. enthaltene Bekanntmachung Großh. Bürgermeisterei in Betreff der Wählerliste theilen wir mit, daß die gedruckte Liste der Stimmberechtigten am nächsten Montag dem Anzeiger beigelegt wird.

P.-A. Laude-denkmal. Ueber die Eiotheilung de» Festplatze» und die Grupptrung der Festtheilnehmer bei der Enthüllung-feier de- Laude-denkmal» für Seine Königliche Hoheit weiland Großherzog Ludwig IV. find nun­mehr die folgenden Bestimmungen getroffen worden: Die nähere Umgebung de» Denkmalsplatzes wird, sowett die gärtnerischen Anlagen reichen, bi» zur Rheinstraße vollständig eiugefriedigt. Link» vor der Front des Denkmal» befindet fich der Herrschaftspavillon für Ihre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Großherzogin, die Prinzen und Prinzessinnen de» Großherzoglichen Hauses und die sonstigen au der Feier thetluehmeoden Fürstlichkeiten. Recht- demselben gegenüber steht da- Rednerpodium. Die rechte Längsseite von der Einfriedigung de» Denkmattplatzrs bi» zur Mauer de» Großh. Rrfideuzschloffe- nimmt die große Tribüne für die eingeladeuen Festtheilnehmer ein; die Ein- ladungen find in diesen Tagen bereit- ergangen. Auf der Fahrbahn an der Längsseite gegenüber nehmen die zur Frier befohlenen Trvppentheile Ausstellung, während für die Thetl- nehmer am Feftzuge der Ernst-Ludwigsplatz reservirt ist. Der ganze noch übrige Theil des Paradeplstze» zwischen Denkmal und neuem Museum wird für da» Publ kum frei­gegeben.

P Stadttheater. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit wurden wir in die antike Welt eingesührt, denn der gestrige Abend brachte Adolf WilbraudtSArri a und Messalina", j Der Stoff ist den dunkelsten Blättern der römischen Kaiser- | geschickte entnommen, der Regierung de» armseligen Schwach | liug- Claudiu-, die in die Zeit der wahnwitzigen Thravveu Caligula und Nero mitten htveivfällt. Um die ganze Ver­derbtheit der Epoche an einer einzigen Persönlichkeit, der Kaisergattiu Messalina, zu zeigen, bedient fich der Dichter eine- wirksamen Mittel-, de- ContrasteS. Er stellt ihr in Arria eine Frau von altrömiscber Tugend entgegen, die in einzelnen Zügen an Shakespeares Porzia eiinntrt. Da- \ Stück im ganzen aber bleibt natürlich hinter den Römer ! dramen de- große» britischen Dichter- himmelweit zurück. ? Die Unersättlichkeit Messalina- in der Liebe wirkt abstoßend, j Charaktere und Handlungen find oft nicht recht motivirt, die ~ Situationen wiederholen sich, die Personen befinden fich fast : alle in einer unaufhörlichen Leidenschaftlichkeit, so daß fich da- Gesühl des Hörer» abstumpft. Auf unserer kleineren Bühne fehlte außerdem der Hintergrund, der Alle» wahr scheinlicher macht, die üppige Prochtentfaltung der Cäsaren- stabt. So hat da» Stück wohl nicht alle Theaterbesucher völlig besriedigt. Dir Messalina wurde von Frau Anna Führ in g au-Berlin gegeben. Die Rolle bot der Künstlerin reichlich Gelegenheit, ihre Vielseitigkeit zu zeigen. Die dämonische Unwiderstehlichkeit, das frivole Spie! mit der Liebe und doch wieder der Schwerz beim Anblick de» tobten Ge­liebten, da- une^ütterliche Vertrauen auf die eigene Kraft, der ingrimmige H»ß gegen die tugendhafte Arria, die krank­hafte Ueberreizuug, das alles wurde in Ton und Haltung, in Spiel und Ausdruck meisterhaft au-einaudergrhalten, und trotzdem ergab das Ganze ein einheitliche» Charakterbild. Auch wenn hie und da Auftreten und Bewegungen etwa» einstudiert erschienen, so schadete da» nicht, denn Natürlichkeit war an diesem Hose der Verstellung und Ränkesucht nicht zu finden. Ausfallend war manchmal der plötzliche Uebergavg von den schweren dramatischen Accenten zum leichten modernen ; EonversatiouSton. Die Partnerin de« Gaste», Fräulein Wür big, bot als Arria eine sehr anerkevuenSwrrthe Leistung. 5 Sie müßte nur noch mehr ruhige, gefaßte Heldenhaftigkeit an die Stelle der allzu hastigen Armbewegungen und der Ueberanstreugung ihrer Stimmmittel treten laffrn. Weniger : verwögen wir Herrn Werner al» Marku» zu loben. Ein zelnes gelang ihw wohl, meist aber störte sein unschönes : Spiel und das hörbare Athemholen. Herr Walter war recht wacker al» Pätu?, aber doch etwa- zu spießbürgerlich 1 und wohl auch körperlich zu hinfällig. Herrn Liebscher : soll bei seiner sonst tüchtigen Leistung eine gewiffe Eckigkeit nicht hoch angeschlagen werden; vielleicht haftete dieselbe dem Günstling Siliu- noch au» seiner Sclavenzeit an. Störend : wirkte e$ auch diesmal wieder, daß der Künstler kein richtiges : Zungen-R spricht. Herr Dietzsch bewegte fich am sichersten i von seinen College» in der römischen Toga und gab auch im übrigen seine Rolle gut wieder. Da- Han» war nicht ganz so stark besucht wie am Dien-tag; doch war der Beifall lebhaft und sollte dem scheidenden Gaste die herzliche Bitte Auf Wiedersehen" au-drücken.

Die deutsche Landwirthschast-.Gesellfchast hat soeben die Schauordnung für ihre 13. Wanoer-Autstrllung zu Frankfurt a. M. fertig gestellt und und bringt fie nebst den Anmelde- und BrschretbungSscheinen auf Erfordern an alle Jntereffenten zur Versendung. Die bezüglichen Anträge find an die Hauptstelle der D. L. G., Berlin SW., Kochstr. 73 zu richten. Nur die Anmeldung von Tranbeuweiueu zur Beschickung der Traubeuweiu-Kosthalle können unmittelbar an den Vorfitzenden der Obst- und Weinbau-Abtheilung, Herrn LaudeSökonomierath Goethe, Geisenheim (Heffen-Naffau), ge­richtet werden. Am 26. October hat in Frankfurt a. M. auf Einladung der Deutschen Landwirthschast» Gesellschaft eine größere Versammlung von mehreren Hundert Personen au» den Kreisen der Behörden und angesehener Bewohner der Stadt Frankfurt sowie der Mitglieder der D. L. G. auS Stadt und Umgegend stattgefundeu, zu einem Vortrag: über die im nächsten Jahre vom 8. bi» 13. Juni dort statt­findende allgemeine deutsche laudwirthfchaftliche Aus­stellung sowie über die Ziele der fie veranstaltenden Deut­schen LandwirthschastS-Gesellschaft und ihre Ausstellungen im

Allgemeinen. Auch für Nicht-Landwirthe pflegen die Aus­stellungen der D. L. G. viel JntereffanteS zu bieten, und nicht selten haben die Bewohner des Ausstellungsorte» mit Bedauern erst am Schluß der nur 5 bezw. 6 Tage dauernvrn Veranstaltung erkannt, welch eine Fülle von Anregung diese auch für Städter geboten hat bezw. hätte. Um deshalb einem Vorwurf der nicht rechtzeitigen Belehrung auch ter Stadtbewohner über da- Wesen der Ausstellungen vorzu- brugen, pflegt die Deutsche Landwirthschaft»'Gesellschaft ctne derartige vorbereitende Versammlung abzuhalten. So­wohl von Seiten der Stadt Frankfurt, deren Ober­bürgermeister den Borfitz führte, als von Seiten drr land- wtrthschaftltchen Vertretungen von Frankfurt, dem Groß- herzogthum und der Provinz Hkffen wurde da» Untexntämcn auf da» Wärmste begrüßt. Drmnächst wird in Frankfurt der Ort-au-schub gebildet, cl werden die Bauten ausge­schrieben und weitere örtliche Vorbereitungen getroffen werden.

* LahnliedAnsschreiben. Da- Lob de» RheinrS und der Mosel hat die Schönheiten de» LahnthaleS verblüffen laffen. Angespornt durch das Mosellied AuSschreibeu hat nun Dr. Fahlberg in Nassau dem um die Förderung der Gmier Interessen verdienten Jagdverein am HabertuStage 1000 Mk. für eine Lahnlie d Concurrenz Überwirsen. Ein Preis- richter.Collegium wird die auf da» Preisausschreiben ein­gegangenen Lahnlieder, in denen besonders Em- hervor­gehoben werden soll, zu prüfen und drei Preise von 500, 300 und 200 Mk. zu verthrilen haben. LS find noch weitere Spenden zugrfichert. Sie sollen wieder mehr Interesse für die anmuthige Lahn und ihre landschaftlichen Reize erw'cken.

Wetterbericht DoS barometrische Maximum hat an Umfang erheblich gewannen und fich westwärts bis zu den britischen Inseln auSgebreitet, so daß heute fast ga^z Europa unter seiner Herrschaft steht. Da» Minimum, welch S gestern nordwestlich von Irland lag, ist nordostwärts g^ogen und befindet sich heute über dem nördlichen Scrndinovien. Die WitterungSverhältwsse bleiben auf nnjerem Gebiete andaurr b die gleichen. Im Flachlande besteht zumeist nebelige» Wetter, während die Hochstationen fortgesetzt heiteren Himmel und starken Ten-peraturwechsel vrrzetchnen. Voraussicht­liche Witterung: Je nach der Oertlichkeit nebelige« od-r heitere- Wetter.

♦f Parlamentarische-. Im Geschäftsbereich de» Ministeriums des Innern sind eine Reihe wichtiger Aufgaben auf dem Gebiete der Gesetzgebung wie der Verwaltung zu erledigen, deren längere Verzögerung mit erheblichen Nach­theilen für das Land und die Bevölkerung verbunden fein würde. Zu diesen Aufgaben, welche zum Theil auf land­ständischen Beschlüssen beruhen oder sich als Ergebniß land­ständischer Verhandlungen und der in denselben gegebenen Anregungen darstellen, gehören vor Allem die Reform der Communalbesteuerung, die Revision der VerwaltungSgesrtze, des Bachgesetzes und des Feldbereinigungsgesetzes, der Erlaß einer Instruction für die Feldbereinigung und der Erlaß landwirthschaftlicher VerficherungSgesetze (Vieh- und Hagel­versicherung). Ebenso wichtig und dringlich müssen die Projette zur Regulirung zahlreicher Wasserläufe in allen Theilen des Landes und zur Entwässerung des Rieds, sowie das Projett der Aufstellung eines Generalculturplans für den oberen Vogelsberg, Maßregeln zur Wasserversorgung der Gemeinden, sowie zur Durchführung der Straßenbauten in den weniger wohlhabenden Theilen des Landes genannt werden. Außerdem steht die Frage der Erneuerung der Handelsverträge bevor. Die damit zusammenhängenden Verhandlungen mit dm Interessenten, ferner die organisatorischen Fragen auf dem Gebiete des Gewerbewesens, des Handwerks, des Arbeits­nachweises und anderer Zweige der Socialgesetzgebung nehmen allein die Zeit des damit beauftragten Beamten vollständig in Anspruch. Um eine wirklich nutzbringende Thätigkeit zu entfalten, bedarf die Regierung einer engen Fühlung mit der Bevölkerung und einer genauen Kenntniß der Wünsche und Bedürfnisse derselben. Eine solche kann nur gewonnen und erhalten werden, wenn die Mitglieder des Ministeriums durch eigene Anschauung sich mit den Verhältnissen des Landes und des Volkes vertraut zu machen suchen und die Oberaufsicht Über die Verwaltung in lebendigem Verkehr mit den dem Geschäftsbereich angehörenden Behörden und Beamten be­tätigen. Zur gewissenhaften Erfüllung dieser Aufgaben bei Ministeriums reichen dir vorhandenen Arbeitskräfte nicht au». Weitere heranzuziehen erscheint daher geboten. Hierbei wird es vorerst nicht erforderlich sein, die Zahl der Ministerialräthe zu vermehren, es wird vielmehr genügen, ständige Hilfs­arbeiter zu berufen, und zwar dürfte für die nächste Zeit und bis auf Weiteres die Anstellung von zwei Hilfsarbeitem ' in Aussicht zu nehmen fein. Da für die beiden Hilfsarbeiter : im Ministerium der Finanzen Höchstgehalte von 6000 Mark vorgesehen sind, emfiehlt sich das Gleiche auch für die Hilf»* arbeitet im Ministerium des Innern. Mck Genehmigung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs beehrt sich das Mmisterium des Innern hiernach an die Stände des Großherzogthum», : zunächst an die Zweite Kammer derselben, das Ansinnen zu richten: die verfassungsmäßige Zustimmung dazu zu er» theilen, daß zu Lasten von Ueberschüssen nachträglich mit Wirkung vom 1. October 1898 an in Kapitel 24, Titel 1 des Hauptvoranschlags für 1897/1900 (Ministerium, Besol­dungen rc.) ein weiterer Betrag von 12000 Mark jährlich eingestellt werde. In dem Bericht des Zweiten Ausschusse» ber Zweiten Kammer über die Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern, den G e s e tz e n t w u r f, die S t ä d t ordnung und die Landgemeindeordnung betreffend, wird beantragt, dem vorgelegten Gesetzentwurf lediglich mit einer kleinen redactionellen Aenderung zuzustimmen:Die Prüfung der Rechnungen und des Rechenschaftsberichts erfolgt in öffentlicher Sitzung unter Leitung eines von der Versamm­lung zu diesem Zwecke" u. s. w.

-t- Lich, 9. November. Gesteru Nachm'ttag wurde ta Gegenwart de- hohen Kirchenpattou- und der ganzen fürst­lichen Familie, der städtischen Behörde, de» «irchendorstande»