Nr. 265
Erstes Blatt.
Freitag den 11 November
ISSN
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
A>nts. und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
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EtatSvoronlchlag aufgenommtn. Dazu tritt bann noch all ein wichtiges Moment die Veränderung in der Stellung der Reichsregierung zu der South-West AstikanCompany. Der vor einiger Zeit mit der genannten Gesellschaft abgeschlossene neue Beitrag ermöglicht eß, daß der Locomottvenbetrteb noch vor Ablauf der in dem Bertrage von 1892 festgelegten zehn Jahre für die Eisenbahnconcesfion eingefasst werden kann, ftlcillutg, 9. November. Im Kreise Hadersleben wurden bisher 65, in Sonderiburg 17 dänische Untertanen ausgewtesen, barnntcr mehrere mit Frauen und Kindern.
Dresbe«, 9. November. Heute empfing Prinz Georg von Sachsen anläßlich seines 25jährigen Jubiläums all commandirender General des 2. Armee Loipl eine Abort»- unng der sächfischen Armee.
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einigt, gegen Kairo vor. Sm 13. September bei Tages onbruch stieß er auf die befestigte Stellung, welche Arabi bei Fel el «ebir bezogen hatte- fie wurde int ersten Anlauf er- stürmt, nur einige Sndanrsrr Bataillone leisteten hartnäckigen Widerstand. Schon am 15. September, Abends, war die indische Kavallerie, welche die Borhut bildete, in Kairo. Innerhalb der nächsten Tage wurde ganz Aegypten von den Engländern oecuptrt. — Die oben dargefiellten Vorgänge bilden einen so wesentlichen Theil der Vorgeschichte der Entstehung des englischen Protectorots über Aegypten, daß an fie erinnert werden darf in einen Augenblick, in de« England seine Sb- ficht, in Aegypten zu bleiben, un eben so wie den Snezkanal auch das Ntlgebiet zu beherrschen, in so unzweideutiger Weise der ganzen Welt dewonstrirt, daß man nicht daran zweifeln kann, es werde in absehbarer Zeit von Aegypten nicht lassen.
Berit«, 9. November. Gouverneur Siebert. Die Abreise deS Gouverneurs Generalmajor Siebert beschäftigt auch die Deutschen in Dar es-Salaam sehr lebhaft und wird in eine« von der „SÄagb. Z.* witgetheilten Privatbrief in folgender Weise besprochen: Die beschleunigte Abreise deS Gouverneurs von hier ist allerdings auf das Hinscheiden seiner Gattin zurückzusühren, aber die Vorgänge in Oft- afrifa und Deutschland hätten seine Anwesenheit in Berlin so wie so Wünschenswerth gemacht. Die Arbeit Sieberts ist anf große Züge hin angelegt. Bon der sehr richtigen Anficht ausgehend, daß die vielfachen wirthschaftlicheu und culturellen öerbefferungen an der Küste und dem benachbarten Hinterlande nicht die beobfichtigten Früchte tragen können, wenn nicht eine gleiche Ziele verfolgende Arbeit mit einem lebhafteren Tempo auch in den entlegeueren, aber reicheren Gebieten in Angriff genommen wird, verwendete er viel Mühe anf die Oerbeffetung wichtiger Handels- und Verkehrswege. Monatelang war er auf Erpeditionen, unterrichtete sich dabei über die Verhältnisse aller von ihm berührten Gebiete, forderte dann von den BezirksamtSleuten und Stations- chess eingehendere Berichte und Auskünfte, um diese mit dem bon ihm selbst gesammelten Material genau zu bei arbeiten. Biel Siebe und großes BerstLndniß hat er z. B. der Forst- frage gewidmet, fo daß schon im Anfang des nächsten Jahres ein bon ihm stammendes Forstgesetz — nach eingeholter Betätigung der Regierung — in Kraft treten dürfte. Dasselbe gilt bon Ergänzungen des Schürf- und Hüttengesetzes und bon vielen anderen, die Sandesintereffen unserer Lolonie berührenden Fragen. — In diese friedlichen und culturellen Zwecken dienende Arbeit schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Meldung von einem deutsch-englischen Ueberein- kommen bett, die Erwerbung der Delagoabai Seitens Eng- lands ein. Anfangs glaubte man ernstlich daran, und auch in amtlichen Kreisen, daß wir beim Zustandekommen jenes Abkommens Sanfibar zurückerhalten würden. Hier handelt es flch aber um etwas Anderes. Erwirbt England die Delagoabai mit unserer Zustimmung, so wird eS uns — außer anderen ZugestLndmffen — in der Erwerbung von Quilimane, dem Zugang znm Nyaffasee, nicht hinderlich sein. Schon der Gouverneur Freiherr v. Scheie berichtete seiner Zeit, daß Deutschland ernstlich damit rechnen müßte, daß die Portugiesen in absehbarer Zeit ihre ostasrikanischen Befitzungen ,auf Abbruch* verkaufen würden. Jetzt rückt dieser Zeitpunkt immer näher heran .. . Sieberts Anwesenheit in Berlin ist darum auch von Werth, wennschon daS erwähnte Abkommen bereits getroffen ist.
— Eisenbahnbau in Deutsch-Südwestafrika. Als die Regierung im vorigen Jahre die erste Forderung für den Ban der Eisenbahn von Swakopmund nach Windhoek stellte, konnte fich der Reichstag bezüglich der Kostenberechnung nur auf oberflächliche Schätzungen stützen. Diese Lücke ist nzwtschen ausgefüllt worden. Bon den in August 1897 nach Deutsch-Südwestafrika gegangenen Offizieren der Eisenbahnbrigade ist die Hälfte mit der Ausarbeitung bei Eisenbahn- projectes betraut worden, und seit diese« Som«er liegt der Colonialverwaltung ein durchgearbeiteter Plan vor, der eine ziemlich sichere Kostenberechnung ermöglicht. Such de« Mangel an Erfahrungen i« Bahnbau ist heute durch die prackischen Erfolge, welche unsere ^Eisenbahner* bei der Ueberwindung der ^Dünenstrecke* erzielt haben, tu einer Weise abgeholfen worden, welche zu der Erwartung berechtigt, daß der weitere Bau auch auf der »Gebirgsstrecke* keinerlei Schwierigkeiten bieten wird. In finanzpolitischer Beziehung liegen heute die Aussichten für die Lolonialverwaltung infofern günstiger, all el fich nicht «ehr wie bei der vorigen Etatssorderung n« ein außeretatmäßig begonnene! Unternehmen handelt, für welches die Reichsregierung Indemnität . nachiuchen muß, die neue Forderung ist regelrecht in den *
Deutsches Reich.
Berlin, 9. November. Eine Lonferenz der Ober- postdlrectoren findet in der zweiten Hälfte diese! Monat! im Reichspostarnt statt. Sn derselben wird eine beschränkte Vngaty von Oberpostdireetoren theilnehrnen. Die neue Eon- feren» dürste fich in erster Linie mit den verschiedenen Fragen der Personalresor« Im Reichspostdienst beschästigen. Ueder diese Frage hat da! Reichspostamt schon vor geraumer Zeit ljon den Oberpostdireetoren Berichte eingefordert, welche die Grundlage für die Verhandlungen der Lonferenz bilden werden.
Berlin, 9. November. Die Adlerlhofer Jlln- «inationl-Affaire vom März diese! Jahre! beschäftigte heute die vierte Strafkammer des Landgericht! II. in der Verufungl-Jnstanz. Bekanntlich waren 122 Einwohner von Adlershof vom dortigen «mtsvorfteher in eine Geldstrafe von je 15 Mark genommen worden, weil fie durch Illumination ihrer Fenster am 18. März d. I. Unfug begangen haben sollten. Das Schöffengericht Köpenik hatte diese Strafe bestätigt. Die Strafkammer hob indeffen heute das schöffengerichtliche Unheil auf und sprach sämmtliche 122 «ugetiagte frei. Die Kosten wurden der Staatskaffe zur Last gelegt. Der Staatsanwalt hatte Verwerfung der Berufung beantragt.
Betli«, 9. November. Die konservative Partei wird für die kommende Session des preußischen Landtage! eine parlamentarische Action behufs Erlaffes eines allgemeinen Volksschulgesetzes einleiten und nötigenfalls einen Gesetzentwurf als Initiativantrag einbringen.
M.P.O. Berlin, 9 November. Die ägyptische Frage tritt voraussichtlich in Zusammenhang mit den englischen Rüstungen in eine neue Phase- diese Rüstungen, welche «ehr kosten al! der ganze Sudanfelozug, haben augenscheinlich den Zweck, jeden Wunsch im keim zu ersticken, der daraus abzielen möchte, England daran zu hindern, daß es an seinem egyptischen Protectorat sester haUe al! je. Aegypten ist seit 1841 ein autonomer Tributstaat der Psorte. Im Jahre 1876 wurde die schon feit 1871 latente Franzosenkrise akut. Ueber die Hilfsquellen Aegypten! irregeführt, opferte Ismail leinen politischen Emanclpatlons Plänen ungeheure Summen. 'Die erste politisch hochbedeutsame Folge hatte Ismails unglückliche Finanzwirthschaft im November 1875, als er der englischen Regierung alle in seinem Besitz befindlichen Suez- »anal-Haien (176602 Stück) um den Preis von 4 Millionen Pfund Sterling verkaufte- diese wurde dadurch nach den vielen Ränken, mit welchen sie das Zustandekommen des Kanals zu verhindern gesucht hatte, mit einem einzigen Schlag zu« bedeutendsten GroßactionSr des fertigen Wafferwege» und «achte außerdem ein sehr lohnendes Börsengeschäft, denn der Werth lieser Aalen stieg seitdem bedeutend. — Bald darauf wurden auch die Gründer Antheile am Snezkanal zu einem Spottpreis an französische Sopitaltsten verkauft. 1876 konnten die Zinsen der Staatsschuld nicht mehr gezahlt werden- el mußte eine internationale Regelung der Staatsschuld erfolgen. 1879 wurde aus Betreiben der Mächte durch ein Jrade des Sultan! JsmoU abgesetzt und sein Sohn Tewfik zu« Khedive ernannt. Schon waren die verhältniffe Aegypten! auf bem Wege der Entwirrung und zur Lonsolldirung, all zwei Ereignisse eintraten, welche alle Hoffnung auf eine friedliche Lösung vernichteten : die Revolte bei Achmet Bey Arabi in Aegypten und bei Mahbi Mohammed Achmed Im Sudan. Die Ursprungs- fäbeu beider Vorgänge leiten nach Konstantinopel und — London. — Wir besprechen hier heute nur den einen. Die Psorte wollte sich Arabi! bedienen, um Aegypten wieder zu einem türkischen Vilajet herabzudrücken, und die englische Regierung sah In Ihm den Mann, deffeu Aulschreitungen der britischen Armee den Weg nach Aegypten bahnen würden. S« 11. Juni 1882 richteten die Leute Arabi! in Alexandrien unter bin dort befindlichen Europäern ein surchtbares Blutbad an- nachdem der englische Admiral feinen französischen Lollegen vergeben! zur gemeinsamen Beschießung Alexandriens aasgefordert hatte, eröffnete am 11. Juli, Morgen!, die eng- lischt Flotte da! Bombardement. In der französischen Sammer verlangte Frehcinet einen Lredlt zur militärischen Sicherung bei Snezkanal! - die Kammer aber ließ fich von LlLmenceatt zur Ablehnung dieser Forderung bestimmen, worauf Freycinet demissionirte. Dadurch gewann England freie Hand. Arabi bezog bei Raft el Dauar, einen Tagemarsch südlich Alexandrien!, ein befestigte! Lager, au! England wurden Truppen unter General Wolselry und au! Indien unter General Macpherson (zusammen 25000 Mann) entsandt. Nach zwei erfolglosen Vorstößen gegen Rafr el Dauar schiffte General Wolseleh seine Truppen am 21. August nach Port-Said ein und drang bann von Jsmailija aul, mit den indischen Truppen uer-
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ÄMlanO.
Die«, 9. November. Zwischen den Abgeordneten Wolff und v. Gniewocz findet morgen früh ein SLbeldnell unter den schwersten Bedingungen statt.
Paris, 9. November. Nachrichten aul Jamaika zufolge beabsichtigt England die Abtretung Jamaika! an die Bereinigten Staaten al! Gegenleistung für einen Thetl bei Philippinen-Archipels, welcher von England oceupirt werben soll. Mit dem Besitz von Lnba, Portorleo und Jamaika sollen, wie el heißt, die vereinigten Staaten die Antillenfrage noch nicht für vollständig gelöst erklären.
Patts, 9. November. Der für Esterhazy compro- «ittirenbe gestern beschlagnahmte Brief wurde nicht bei der Frau Boulanch und nicht bei Frau Pahl, sondern bei einem Geschäftsagenten beschlagnahmt, der mit Esterhazy vor längerer Zeit in Geschäftsverbindung gestanden hat. Der Brief, der mit der Drehsus-Angelegeuheit nichts zu thun hat, ist insofeen für Esterhazy verhängnißvoll, weil er genau anf dasselbe Papier geschrieben ist, wie das Bordereau. Man erinnert fich, daß die Leiter bei Sicherheitsdienste! und Schriftkundige während bei Drehful-Proceffe! im Jahre 1894 bei allen französischen Papierfabriken vergeblich berfudjten, ble Papierart aulfinbtg zu machen. Die Beschlagnahme bei Briefe! erfolgte auf Antrag bei Abvocaten ber Familie Dreyfus, ber gleich nachdem die Ergänzangl-Uatersuchung bei bem Laffotionlhofe abgeschloffen war, die Beschlagnahme beantragte. Die gestrige Beschlagnahme erfolgte auf bie Verfügung bei Untersuchung!- richters. DaS carrlrte Papier beS Briefes ist ein Beweis ber Schulb Esterhazys.
Paris, 7. November. Die Dreyfusfache. Josef Reinach veröffentlicht heute im „eidclt* einen „Henry und Esterhazy* übertriebenen Artikel, In bem er nach den Gründen forscht, bie Henry bewegen konnten, seine Fälschung zu begehen. Die Hauptursache war offenbar bie, bie Revision bei Drehsusprozeffes zu htntertre ben, tnbem ben verschiebenen Rdeglmtniftern bie bekannte Fälschung als waßgebenber Bettet! ber Schulb DrehfnS' gezeigt würbe. Esterhazy bot zu verschiebenen Malen Alle! auf, um bie Mitthelltwg der Fälschung zu vereiteln, und seine vor bem Lassationlhofe verlesene Depesche über ble „Melsterparthie, bie zur Em- scheibung gewonnen ober verloren werden wüßte*, und die Ihm erthttlten „bestimmten Weisungen* lassen keinen Zwttfel darüber zu, daß er im Einvernehmen mit Henry gehandelt hat, ber auf bem Wege vom Kriegsministerium zur Festung bei Mont-Balönen die bedeutungsvollen Worte fallen ließ: „Ich bin nie auf meinem Wege ähnlichen Wichten begegnet sie sind bie Ursache meine! Berberbenl.* Wen meinten Esterhazy und Henry mit diesen Anspielungen? Abgeordneter Lavaignac und General de Pellieux haben nur durch ihre Leichtgläubigkeit gesündigt, indeß die Generale Billot und de Boisdeffre genauer unterrichtet gewesen sein dürsten. Sonderbarer Weise beschränkte Herr Lavaignac sein Berhör mit Henry, indem dieser acht Meineide schwor, nur auf die einzige Fälschung ließ Henry nicht einmal das Protokoll des Verhörs unterzeichnen, sodaß es ben Anschein gewinnt, als hätte bas br« Laffattonshofe übermittelte Schriftstück eine nicht unbebenkliche Lücke. Weshalb würbe aber Henry nach dem Mont-valLrlen unb nicht nach bem MIlitLrgefLngniß Lherche-Midi geschickt, wo er vor Rasiermessern sicher gewesen wäre, und weshalb wurde an ber Leiche Henrys keinerlei Obbuttlon vorgenommen, wenn nicht beShalb, um die Mit- schuldigen deS Selbstgemordeten zu decken? General Zar- linden ließ, ohne es zu wollen, ein sehr werthvolles ®e- stündniß entschlüpfen, als er schrieb: „Im Jahre 1896 brach in den Bureaux deS Kundschafterdienstes der Lonfliet Picquart- Henry aus, da der Erstere daran arbeüete, die Schuld Esterhazys nachzuweisen, u« ihn an Stelle Dreyfus' zu setze«.
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