»er alten -dirchengeschichte dadurch ein ganz neues Gesicht be- kommen haben. Sodann führte er die neuen Funde etuzrlu vor, das Referat durch Verlesung besonders wichtiger und interessanter Abschnitte von Zeit zu Zeit unterbrechend. Eingehend charakterisiere der Vortragende die sogenannten Logia Jesu, deren Ausfiaduog im vorigen Jahr ein Aufsehen verursachte, dem die Bedeutung deS Fundes vielleicht nicht ganz entspricht, das PetruSevangelium und die PetruSapokalypse- die jüngste Entdeckung: die Akten deS Paulus, das Original eines OpferscheioS aus der Verfolgung unter Kaiser Deciu»- die Apologie deS Aristides- die gnostischen Funde. Der Vortrag schloß mit einem Appell an die im praktischen Amte stehenden Zuhörer, der gelehrten Arbeit, deren Früchte zu Tage liegen, dauernd BerstSudniß und Interesse entgegen- zubriugen. — ES folgte hierauf der Vortrag deS Herrn Privat- doceuten Lio. I. Baue r-Marburg über den evangelischen Gottesdienst und das EultuSgebäude auf Grund der in Nr. 129 bereits »itgetheilteu Thesen, der zu einer langen und angeregten DtScnsfion führte. — Ein gemeinsames Mittagessen vereinte zum Schluß die Theiluehmer.
• • Der Hessische evangelische Psarrvereiu hat tu seiner vorgestrigen, tu Frankfurt a. M. abgehalteueu Versammlung tu Bezug auf die Gehalt-frage eine Resolution gefaßt, tu welcher eine Reihe vou Mtudestforderuogeu gestellt «erdeo, vou denen Folgendes hervorzuheben ist: Die vollständige Beseitiguug deS jetzigen AufrückshstemS, da« Ein- führen reiner Dienstaltersklaffen, die Erreichung des Maximal- gehalteS mit spätestens 30 Dtenstjahreu, von der ersteu Verwendung an gerechnet, die Erhöhung des Höchstgehaltes bet freier Wohnung von 4500 Mk. auf mindestens 4800 Mk. find die zunächst und absolut auzuftrebeuden Ziele, daher auch alle etwaigen versuche, die Pfarrgehälter im Rahmen deS jetzt bestehenden GehaltSsystemS aufzubeffern, entschieden ab- zuwetsen find. Die Versammlung hofft, daß die Kirchen- behörde auf diesen Grundlagen baldigst eine GehaltSvorlage auSarbeiteu werde, daß die nothweudige Neuregelung der Pfarrgehälrer spätestens mit Wirkung vom 1. Januar 1899 in Kraft treten kann. Die Resolution wird dem Großherzoglichen Ministerium, wie Oberconfistortum, den Mitgliedern der beiden Kammern der Seände, wie der Evangelischen LandeSsyaode zugesandt werden.
• • AbonuemeulS Soncerl. Das gestern Abend in Steins Garten von der Capelle des Infanterie Regiment- Kaiser Wilhelm unter Leitung des Grohh. Musikdirektor- Herrn C. Krauße au-geführte 1. Abonnements - Concert war trotz des unfichereu Wetters überaus zahlreich besucht. Der gewählte Sptelplau, daraus wir den Festmarsch von Burald, die Ouvertüre zur „Zauberflöte", wie die zum „Freischütz" besonders hervorhebeo, fand die gewohnte exakte Durchführung, welche durch reichen Beifall seitens des mufik- liebenden Publikums gelohnt wurde. Daß die Capelle ungeachtet der ohnehin erforderlichen angestrengten Thättgkeit fich wiederholt zu Einlagen verstaad, verdient besondere Anerkennung, auch wollen wir nicht uoterlaffen, der Krauße'scheu Compofilionev, wie des vou Herrn Trinks meisterhaft vorgetragenen Posauueu-SoloS rühmend zu gedenken. Alle- in Allem darf da- Concert als durchaus gelungen bezeichnet werden, und möchten wir nur wünschen, daß die weiteren Soncerte fich, wenn möglich bei heiterem Himmel, gleichen Zuspruch- zu erfreuen haben.
* * Schwere Unwetter haben gestern Abend und heute gegen Morgen die Provinz Oberheffen, sowie Theile von Heffen - Naffau und da- Mittelrheiu - Gebiet heimgesucht. Großen Schaden richtete da- Waffer besonders in der Wetterau au, über welche sich wahre Wolkenbrüche ergoffeu. Auch io Gießen und Umgebung regnete rS so heftig, daß die Canäle und Goffeu das Waffer nicht zu faffen vermochten. Lahn und Wieseck find wieder erheblich gestiegen.
• * Reue Nebenbahnen, Den Landständen ist ein Gesetzentwurf auf Herstellung von Nebenbahnen: Butzbach-Ltch, BenShrt« Lindenfels und Badenheim Kreuznach zugegangen - hterfür werden 5,125,000 Mk. angefordert.
M. Bad Nauheim, 10. Juni. Ein furchtbares Gewitter brach gestern Mittag gegen 1 Uhr über unserer Stadt auS. Der Regen goß nur so in Strömen nieder- alle Straßen der Stadt, sowie die Souterrain-Raume, worin sich hier zum größten Theile die Küchen befinden, waren überschwemmt- ebenso niedrig gelegene Restaurationssäle. Za allem Unglück ging auch noch oberhalb der Stadt im sogen. Lichtenberg ein Wolkenbruch nieder, der in wenigen Minuten die ganze Stadt unter Waffer setzte. Ungefähr 2!/i Stunden strömte da- Waffer 0,60 Meter hoch durch die Straßen, Alle- mitreißend, was im Wege war. Wer die Terrainver- hältniffe hier kennt, kann sich ungefähr einen Begriff davon machen, wie da- Waffer vom Walde her durch die Hauptstraße raste. Bäume von 15 Meter Länge, Haufen Pflastersteine, Sandhaufen, alles wurde mitgeriffeu und dem tiefsten Punkte, der Trinkhalle, zugesührt. Der dortige Kurbrunnen wurde von den Waffer- und Schlammmassen vollständig ersäuft, ebenso der neben anliegende Larl-brnnneu, doch ist ersterer wieder zum Vorschein gekommen, während an letzterem eben durch da- Salioenpersonal die Aufräumung-arbeiteu vor- genommen werden. Einige Hotels und Restaurant» waren ganz unter Waffer gesetzt, so stand z. B. der prachtvolle LangSdorf'sche Saal im Nu unter Waffer. Die gerade beim Sfien befindlichen Kurgäste konnten sich nur durch schleunige Flucht retten. Im Parkhotel stand da- Waffer in den Küchen und Kellern ein Meter hock, lodaß im Augenblick sämmtliche Herdfeuer erloschen. Au Effen war für die Fremden natürlich nicht mehr zu denken. Genau so ging rS im Hotel Bellevue her. Durch die allarmirte Feuerwehr wurde an den gefährlichsten Stellen die oöthige Hülfe geleistet. Die städtischen Spritzen wurden an die Keller gestellt and da- Waffer au-gepumpt. Die Feuerwehr war vou 2 Uhr au bi» gegen 9 Uhr Abends thätig. Die Verluste, die die Be- troffeneu erlitten haben, laffen fich gar nicht berechnen- jedenfalls aber zählen fie nach Tausenden von Mark. Schätzt doch
z. B. ein Kaufmann seinen Verlust allein auf 1500 Mark. Ja Waarevwagaztnen stand da- Waffer meterhoch und schwemmte Alle- weg, Oelfäffer, Tonnen, kurzum Alle-, waS uicht uiet- und nagelfest war. Die herrlichen Parkanlagen, die so prachtvoll im Stand gehalten waren, find total ruinirt und e- ist sehr fraglich, ob dieselben in dieser Saison wieder- hergestrllt werden können. Sämmtliche Straßen der Stadt find unterspült und «üffen umgepflastert werden. Die Gemeinde wird wohl im Wege der Steuererhebung diese Kosten kaum decken können. Wer daS schöne Nauheim früher gesehen hat und heute fieht, kann fich kaum der Thränen erwehren, so trostlos fieht alle- hier aus. Bei allem Unglück ist e- noch daS größte Glück, daß unser Knrbruuneu wieder da ist. Mit bangem Herzen sahen unsere Einwohner dem wilden Element zu, das den Kurbrunnen vollständig zu ver- oichteu drohte. Und mit Wiederkommen de-selben trösteten fich auch die so sa.wer vom Unglück Heimgrsuchten in dem Gedanken, daß durch Erhalten dieser Quelle nach und nach der Schaden wieder ersetzt werden könne. — Während des furchtbaren Wetters ertönten auch noch Feuerfignale, eS brannte iudeß außerhalb. Auf Hof Haffelheck war der Blitz in eine Scheuer gefahren und äscherte dieselbe vollständig ein. Auch hier war unsere Feuerwehr einige Stunden thätig und verhütete größeres Unglück. — Bet dem fortdauernden starken Regen ist die Befürchtung da, daß wir auch heute wieder große WafferSnoth bekommen, denn durch Einsturz der Canäle staut fich, besonders tu der Hauptstraße, das Waffer und läuft in dte Keller, ohne daß Jemand nur irgend wirksame Maß» regeln dagegen ergreifen kann. Der Herr möge unsere Stadt vor einem ähnlichen Unglück bewahren!
§ AaS dem Vogelsberg, 9. Juni. Die Folgen deS RegeuhalbjahreS zeigen sich bei der Landwirthschaft jetzt am deutlichsten im Ausbleiben der gesteckten Kartoffeln. Auf naffeu Lagen find dieselben zu Grunde gegangen und müffeu jetzt noch ersetzt werden, soll anders nicht auf eine gute Kartoffelernte, die übrigens bei der schlechten Aussaat noch sehr in Frage steht, Verzicht geleistet werden. Auch au- der Wetterau berichtet man von Schäden auf den Kartoffelfeldern. Jedenfalls wird hierdurch der ungewöhnlich hohe Preis verursacht, mit welchem jetzt dte Kartoffeln bezahlt werden. Am verflossenen SamStag kostete der Doppel- centner Kartoffeln auf dem Fruchtmarkt zu Grünberg 8 bis 9 Mark. Während sonst der Kartoffelpreis nach der Setzzeit herabging, ist er jetzt gestiegen. — Wenn in den Blättern vor kurzer Zeit berichtet wurde, das Regenwetter habe der Obsternte, Insonderheit den so reich blühenden Zwetschen- bäumeu keinen Schaden zugefügt, so war doch diese Annahme eine irrige. Wie der Fruchtansatz erkennen läßt, wurde der größte Theil der Zwetschenblüthe durch das Regeuweiter vernichtet und die Aussicht auf eine reiche Zwetfcheuerote vereitelt.
Darmstadt, 10. Juni. Se. Maj. der Kaiser haben dem Secondelteuteoant Phaland vom 5. Grohh. Jvfeut.- Regt. Nr. 168 den König!. Kronen-Orden 4. Klaffe Aller- guädigst zu verleihen geruht. — Feldmarschall-Lieutenaut v. Cronenbold, ein geborener Heffe, welcher in österreichischen Diensten stand, wurde au» Anlaß seiner Peufioui- rung von dem Kaiser von Oesterreich die Auszeichnung zu Theil, tn den Freiherrnstand erhoben zu werden.
△ Mainz, 9. Juni. Begünstigt von gutem, nicht regnerischem Wetter hatte sich die heurige Fronleichnams- Process ton wiederum einer sehr zahlreichen Betheiligung Seitens der katholischen Bevölkerung der hiesigen Stadt zu erfreuen. Neben der gesawmtru Geistlichkeit waren bei der Procesfion besonders stark die Innungen und katholischen Bereinigungen vertreten, die zahlreiche Fahnen und Abzeichen mtttrugen. Hinter und neben dem vom Bischof Haffner getragenen Sanctisfimum gingen die katholischen Notablen, Abgeordneten, Stadtverordneten, höhere Beamte rc. rc. Wie alljährlich, hatten fich aus den protestantischen Nachbarstädten Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt, WormS, Mannheim, wie aus den umliegenden ländlichen Orten zahlreiche Fremde zur Beschauung des kirchlichen Umzuges eingefunden.
A Mainz, 9. Juni. Der gestern hier zu Ende ge- gangeue 15. Delegtrtentag de» Rhein- und Maingast- wirthverbande» beschäftigte fich auch mit der BedÜrfnißfrage und ConcesfionSrrtheilung bei Wirthschaften und man beschloß, an die Regierung ein Memorandum zu richten, mit Vorschlägen, um bei der Errichtung neuer Wirthschaften eine gerechtere Handhabung mit bestimmten Normen herbeizuführen. Bei dieser Gelegenheit will man ferner bei der Regierung gegen da» Ueberhaudnehmen der Veretnshäuser mit concesfio- nirten Wirthschaften und gegen die sogen. Animirkneipen sowie gegen da» Kelloerionen-Unwesen vorstellig werden. — Der von der Stadt Worm» gegen die von Mannheim pro- jectirte Einführung von Fäcalten in den Rhein bei der Regierung angeregte Protest, dem fich eine Reihe vou Rhein- grmeinden zwischen Worms und Bingen bereit» angeschlossen haben, war gestern in dem hiesigen OrtSgesundheitSrath Gegenstand eingehender Berathung. Man beschloß mit großer Mehrheit, fich dem Wormser Protest, der ganz allgemein gehalten und die Frage der eventuellen Zulassung der Fäcal- einfuhrung durch ein Klärbassin ganz unberührt läßt, nicht anzuschließen, und zwar waren dte Stimmen der Aerzte ausschlaggebend, die tn der Einführung der Fäcalteu keine sanitäre Schädigung erblicken und welche schon vor Jahren ein von der Stadt Mainz um Erlaubniß zur Einführung der Fäcalien in den Rhein an die Regierung gerichtete» Gesuch befürwortet haben. Nur zwei Aerzte waren gegen die Einführung.
Mainz, 9. Juni. Hebet die ganze Rheingegend und den Ried entluden fich heute Nachmittag eine Reihe von heftigen Gewittern mit außerordentlich starken Regengüssen. In Raunheim schlug der Blitz io die Behausung de» Ackerer» Konrad Maurer und zündete. C» gelang indessen den Hau»- leuten, die Flammen al-bald zu ersticken. In der Richtung nach Großgerau setzten dte otedergegange^en Regenmengen die Felder zeitweise vollständig unter Waffer.
Binge», 7. Juni. Ein aufregender Vorfall spielte fich heute Mittag gegen 12 Uhr auf dem Rhein ab. Um diese Zeit fuhr ein mit Fahrgästen gut besetzter Kaha vou Rüde-Heim nach Bingen. Ja der Mitte des Strome» stürzte fich plötzlich ein Fahrgast, eine jauge, gut gekleidete Dame im Alter von ca. 20 Jahren, in die Fluthen. Sie führte ihr Vorhaben mit solcher Raschheit au», baß keine der übrigen Insassen de» Kahne» fie daran hätte hindern können. Znm Glück fuhr unweit der Stelle da» Benzinboot „Pfeil* vorüber, dessen Bemannung die mit den Wellen Ringende auf da» Trockene zog. Man brachte die Leben-müde zunächst in ein hiesige» Hotel. Heber den Beweggrund ihrer That verlautet nicht» Bestimmtes.
Aus Rheinhessen, 7. Juni. Die Abnahme der Singvögel tu unseren herrlichen Fluren wird bekanntlich in erster Linie dem vogelmassenmord in den südlichen Ländern, dann aber auch der Heberhandnahme der frei umherlausendru Katzen und deS übrigen Raubzeuge» zngrschrieben. Zu Letzteren dürfte mau noch in Bezug auf die Vertilgung der Singvögel die Zigeuner rechnen. E» dürfte nämlich noch wenig bekannt sein, daß diese frechen Nomaden, welche schon lange zur Landplage geworden find, den Vogelfang besonders in den Monaten Mai und Juni eifrig betreiben. E» geschieht daS nicht etwa zu dem Zwecke, die Singvögel aufzuziehen re., sondern lediglich deshalb, weil der Zigeuner, wie seine südlichen StammeSverwaudten, dte Jungen der Singvögel al» eine Delikatesse betrachtet und mit Wohlbehagen verzehrt. Besonder» ist e» die hoffnungsvolle Jugend der Pufta, welche Hecken, Bäume, Mauern rc. fleißig nach jungen Vögeln absucht und ganze Nester mit Jungen und Eiern mitnimmt. Jrn Lager wird dann die Beute zubereitet und genossen. Wir erachten e» deshalb al- Pflicht jedes Einzelnen^ besonders der Flurschützen, sobald Zigeunerbanden tn einer Gemarkung lagern, die Jugend dieser Landstreicher genau zu beobachten. Ju mehreren Fällen hat eine gehörige Tracht Prügel vorzüglich gewirkt.
Schwurgericht.
W. Gießen, 10. Juni 1898.
Heute vormittag wurde gFgen Anton Arnold von Offendach a. M. wegen Todtschlag-versuch verhandelt. Dte Anklage vertritt Staat-anwalt Zimmermann- ite Verteidigung führt Recht-anwalt Rosenberg II. Dec Angeklagte erscheint in Anstalt-kleidung der Zrllenftrafansta r Butzbach, in der er eine ^/zjährtge Gesängnißstrafe verbüße. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, am 28. Februar 1898 den Versuch gemacht zu haben, den Aufseher Moritz zu tödten. Der Angeklagte gibt an, 28 Jahre alt und gelernter Portefeuiller zu sein. Der mir einer Krankheit behaftete Angeklagte glaubte fich an dem Tage der That durch einen der Aufseher dieserhalb geneckt- er gibt an, die- habe ihn in große Wuth versetzt und er habe darauf die von ihm gefertigten 24 Schulranzen, welche fich in seiner Zelle befanden, mit dem Messer rniuirt. ES sei darauf der ArbeitS- meister Ruppel tn die Zelle gekommen und diesem habe er den Grund seiner Wuth witgetheilt und erklärt, es sei ihm ganz egal, wa- darau- würde. Der Meister entfernte fich,. worauf der Aufseher Moritz fich etnfand- dieser, so erklärt der Angeklagte, sei in drohender Haltung auf ihn -ugekommeu, da habe er daS Messer gezückt, gestoßen habe er nicht, er sei in Wuth gewesen, doch habe er nicht die Absicht gehabt, einen Menschen zu tödten. — Der Vorsitzende, Landgericht-rach Schmeckenbecher, geht mit dem Angeklagten sein Strafregister durch- hiernach ist derselbe bereits vier Mal wegen schwerer Körperverletzung vorbestraft. Der Angeklagte ist ein unverbesserlicher Messerheld, welcher ohne Ursache au« reiner Rauflust Händel sucht und dann, besonders im letzten Fall, weßwegen er die 51/» Jahre Gefängniß verbüßt, bltai* Ung» auf sein Opfer loSgestochen hat. — Der Werkführer Ruppel erläutert eingehend den Vorfall. Der Aufseher Moritz habe die Zelle kaum betreten, al» der Angeklagte auf ihn mit dem gezückten Messer zuging und mit dem Rns: „Es ist mir Alle» ganz egal, ich steche Jeden nieder und wenn eß mein Tod ist!" einen Stich gegen den Hals de- Moritz führte. Dieser suchte eiligst die Zelle zu verlassen, verfolgt von dem Angeklagten- der verfolgte zog sein Seitengewehr. Der Zeuge eilte dann fort, Hilfe herbei zu holen- er bemerke, daß ihm nicht bekannt fei, daß Arnold von irgend Jemand geneckt und geärgert worden fei. Er sei mit »em Mann immer gut ausgekommen- auch der Aufseher sei mit demselben zufrieden gewesen und habe man Arnold, der ja eine lange Strafe zu verbüßen habe, human behandelt. — Der Aufseher Moritz deponirt, daß er an dem Morgen, al» er durch Ruppel aufmerksam gemacht worden, wa- in Arnold» Zelle vorging, ruhig in dieselbe eingetreten war und diesem nur gesagt habe: „Hören Sie doch auf und verschlimmern Sie Ihre Lage nicht." Arnold habe drei Stiche nach ihm geführt, die aber durch die Uniform und die Mütze, fowie durch Abwehr mit dem Seitengewehr abgrwendet worden find. Der Zeuge hatte den Eindruck, daß e» ihm an» Leben gehen sollte. Er spricht fich über den Angeklagten lobend au». Der Aufseher bestreitet ganz entschieden, den Angeklagten geneckt oder gereizt zu haben. — Die weiter al» Zeugen vernommenen Aufseher schildern, soweit fie den Vorgang beobachtet haben, mit dem Angegriffenen übereinstimmend. Soweit fie dienstlich mit Arnold zu thnn hatten, geben fie demselben da« Zeugniß eine» ruhigen und willigen Gefangenen, der auch fleißig gearbeitet hat. Alle diese Zeugen bestreiten, Arnold geneckt oder geuzt zu haben- e» hat auch Niemand etwa- Derartige» von anderer Seite wahrgenommen.
Au- -er Zeit für die Zeit.
Vor 51 Jahren, am 11. Juni 1847, erlag den furchtbaren Leiden des Hungers und Frostes in der Meüvillebar der englische Seefahrer John Franklin, der da» Problem einer für die Schifffahrt freilich unbrauchbaren nordwestlichen Durchfahrt löste und durch sein tragisches Ende die Thell'


