Nr 134
Snmstaq den 11. Juni
Erstes Blatt
1898
Gießener Anzeiger
Henerat -Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.
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Locales und provinzielles.
Gießen, 10. Juni 1898.
Parlamentarische». Ein bei der Zweiten Kammer eingegangrner Antrag der Abgeordneten Dr. Osann und Genossen geht dahin, die Großherzvglichr StaatSregieroug zu ersuchen, die Jagdgesetzgebung de» Großherzogthum» Heften, einschließlich der Verordnung über die Jagdwaffen- pässe, einer Revtfion zu unterziehen und demnächst den Ständen die entsprechende Gesetzesvorlage zugeheu zu lasten, in welcher auch insbesondere betreff» Abänderung der bestehenden gesetzlichen und sonstigen Bestimmungen Nach, stehende» berücksichtigt werde: 1) daß den Pächtern von Gemetndejagden gestattet werde, qualifietrten Personen Jagd, erlaubnißscheine zu ertheilen, wodurch dieselben berechtigt werden, auch ohne Anwesenheit der betreffenden Jagdpächter die Jagd auf dem betreffenden Gemeivdejagdgelände au», zuüben- 2) daß die allgemeine Bestimmung, wonach den Personen, welche fich eine» Jagdvergehen» schuldig gemacht, der Jagdwaffenpaß verweigert werde, beschränkt werde, namentlich dahin, daß die» nur der Fall sei Denen gegen- über, welche im Laufe der letztvergangenen drei Jahre mit Sefängniß über drei Monate bestraft worden find- 3) daß der § 8 des Jagdstrafgesetzes vom 19. Juli 1858 in seinem zweiten Absatz gestrichen werde. — Ein Antrag der Abgeord. neten Dr. Schmitt und Genossen, der bet der Zweiten Kammer etngebracht wurde, ersucht die Regierung um Bor. läge eine» Gesetzentwurse», wodurch die Witt wen- und Watsengeldbeiträge auch bezüglich der Bolk»schul- lehrer aufgehoben werden.
Theologische Souserenz. Unter guter Betheiligung sand gestern in „Steins Garten" die Theologische Coufereuz statt. Nach Erledigung de» geschäftlichen Thetle» referirte Herr Profeffor Dr. Krüger.Gießen über „Die neuen Funde auf dem Gebiete der ältesten Kirchengeschichte" (1889 bi» 1898). Er wie» darauf hin, in wie hohem Maße unsere geschichtliche Kenntniß durch die zahlreichen Entdeckungen, die die Gelehrten aller Länder in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, bereichert worden ist, und wie gewiffe Thetle
de» Feindes. — Wie hier verlautet, soll sich der Gouverneur Augusti selbst getödtet haben.
New York,9.Juni. Nach einem auf Haiti umlaufenden Gerücht habe vorgestern früh bet Caimauera westlich von Santiago eine große Seeschlacht stattgefundeu, in welcher die Befestigungen durch fünf amerikanische Kriegsschiffe vollständig zerstört sein sollen. Die Spanier hätten sich in die Stadt zurückziehen müffeu und seien auch von dort später geflohen. Gestern sollen die Amerikaner eine Landung versucht haben.
New-York, 9. Juni. Der Präsident Mac Kinley erklärte in einer Unterredung, der Fall Santiago» stehe bevor. Weiter äußerte er sich dahin, daß beabsichtigt werde, auf Portorico und Havanna gleichzeitig einen Angriff zu Laude zu unternehmen.
New-York, 9. Juni. 21 000 Manu reguläre Truppen, unter dem Commaudo de» Generals Shafter, wurden in Tampa eingeschifft und sollen morgen oder übermorgen bei Santiago auSgeschtfft werden. Wie verlautet, ist man in Santiago auf der Landsette von den Insurgenten vollständig abgeschnitten. Jede telegraphische Verbindung mit dem Innern der Insel ist unterbrochen.
wahlbervegrtirg.
Die Neichstagseaudidaturen in Heffeu find nunmehr festgestellt. ES caudidtren in Alsfeld-Schotten: Dr. Schmitt (Eentr.), Schade (nat.-bündl.), Dr. Ehlers (Frs. Vp.), Binde- wald (Antis.). Im Wahlkreis Gießen: Dr. Schmitt (Eentr.), Dr. Frank (nat.-bündl.), Schetdemauu (Soc.), Köhler (Antis.). In Friedberg-Büdingen: Dr. Schmitt (Eentr.), Graf Oriola (nat.-bündl.), Prinz (Soc.), Leopard (Antis.), Möser (christ.- soc.) und Pfarrer Wenk-Leipzig (nat.-soc.) In Darmstadt: Dr. Nodnagel (nat.-bündl.), Cramer (Soc.), Normet (Antis.). In Offenbach-Dieburg: Molthan (Eentr.), Handelskammer- syndtcu» Schloßmacher (Hb.), Ulrich (Soc.), Hauck Hl. (Antis.) In BenSheim Erbach: KreiSrattz Haa» (nat.-bündl.), Redacteur Oeser (Demkr.), Rau (Soc.), Hirsche! (Antis.) In Wormr-Hrppenheim: Dael v. Köth (Eentr.), Frhr. Hehl zu Herrnsheim (nat.-bündl.), Berthold (Soc.) In Bingen- Alzky: Kreisrath Haa» (nat.-bündl.), Reiuh. Schmidt-Elber- feld (Freis. Volksp.), Redacteur Katzenftetu (Soc.), Wolff (Antis.) In Mainz-Oppenheim: Dr. Schmitt (Eentr.), Dett- weiler (Freis. Bgg.), Redacteur Dr. David (Soc.), Binde- wald (Antis.)
Ausland
Pari», 9. Juni. In der heutigen Sitzung der Depu- tirtenkammer wurde Deschanel mit 287 Stimmen definitiv zum Präsidenten gewählt. Brisson erhielt 277 Stimmen.
Loudon, 9. Juui. »Daily Mail" berichtet aus M a d r t d, Deutschland habe fich behuf» Erwerb» einiger Ko hl en- stattonen im Mittelmeer Spanten genähert. Mau glaube, Spanten würde geneigt sein, gegen Deutschlands gute Dienste bei den Bereinigten Staaten die Pachtung einer Station auf den Balearen zu gewähren. Marokko würde wahr- schetnltch ebenfalls Willens fein, Deutschland zwei Plätze pachtweise zu überlasten.
Madrid, 9. Juui. In dem osfictelleo Telegramm de» Generalgouverueur» der Philippinen wird die Lage al- äußerst bedenklich bezeichnet. Aguinaldo sei e» gelungen, das Land aufzuwiegeln. Die Provinz Cavite habe sich in Maste erhoben. Die oecuptrten Dörfer seien mit Kanonen beschossen und von zahlreichen bewaffneten Haufen angegriffen worden. Ein Angriff auf die Hauptstadt zu Master und zu Laude gelte al» unvermeidlich. Der Grueralgouverneur versichert, daß er alle Mittel de» Widerstande» erschöpfen werde. Die Städte Bacoor und Jmu» seien bereit» in der Gewalt
trag: Der Einsender schildert, wie er vier Wochen nach der dem Lehrer Roth widerfahrenen Mißhandlung selbst tu Eorityba von einem Menschen, mit dem er nie in Berührung gekommen wäre, auf offener Straße überfallen und mit einem Degen verwundet wurde. Nur durch schleunige Flucht in ein Hau» konnte er fich vor dem sicheren Tode retten. „Tag» daraus," schreibt der Einsender weiter, „wandte ich mich hilfesuchend au deu hiesigen dentscheu Consular-Agenten. Da» Einzige, was Letzterer auSrichtete oder, besser gesagt, au»- richten wollte, war, daß er anderen Tage» deu Eingeborenen citiren ließ, worauf der Mordbube fich bequemte — zu versprechen, mich in Ruhe zu lassen! Wer Süd-Amerika bereist oder südamertkanische politische Verhältnisse studirt hat, wird die ganze Handlungsweise des Consular-Agenten erklärlich finden, ist er doch ein eifrige» Mitglied der Partei dieses brafilianischen Mordbuben. Wie fürsorglich dieser Herr Consular-Agent für die hiesigen Deutschen ist, möge folgender Rath beweisen, den mir genannter Herr in dieser Angelegenheit ertheilte. „Da» Beste wäre, wenn Sir fich ein paar starke Leute bestellten, welche diesen Menschen tüchtig durchprügelten." Nach wie vor werde ich noch immer, wenn nicht durch Waffen, so doch durch Steinewerfeu der Söhne des Angreifer» auf der Straße belästigt. Bor drei Wochen machte ich mit ungefähr vierzig größeren Knaben einen Ausflug. Dabei wurde ich in nächster Nähe der Stadt von einem beffer gekleideten Brafiliauer angefallen mit den Worten: „Sie find auch einer von diesen verfluchten Deutschen!" Mit diesen Worten hielt er mir einen geladenen Revolver entgegen, und nur dem Dazwischeukommen eines Paffanteu ist es zu verdanken, daß weiteres Unglück verhindert wurde. Obgleich mir dieser zweite Augreifrr auch völlig fremd war, glaube ich nicht fehl zu gehen, wenn ich ihn in Verbindung mit meinem ersten Angreifer bringe. Da ich die Gefinnung des hiesigen Consular-Agenten im ersten Fall zur Genüge habe kennen gelernt, habe ich von einer weiteren Anzeige abgesehen." Wie fast alle Zuschriften von Deutschen aus Brasilien, gipfelt auch diese in dem Nothschrei nach Errichtung von Berufr-Consulaten.
Frankfart a. M., 9. Juni. Der „Franks. Ztg." wird au» New-Kork gemeldet: Unter dem lebhaften Feuer von fünf amerikanischen Schiffen gelang eS, da» Cabel in Cai- mauera zu durchschneiden und die Strandbatterien zum Schweigen zu bringen. — Bezüglich der Vernichtung de» spanischen Torpedobootes „Furor" wird gemeldet, daß cS nach einem einzigen, wohlgezielten Schuß vom Schlachtschiff „Oregon" mit 60 Mann au Bord sank. — Die „World" sagt, die Insurgenten hätten Manila eingenommen.
Frankfurt a. M., 9. Juni. Der „Franks. Ztg." wird aus Konstantinopel telegraphirt: Der Sultan veranstaltet zu Ehren der deutschen Botschaft kommenden Sonntag ein Gala-Diner.
München, 9. Juni. Gestern Nachmittag l8/t Uhr stieß bet der Station Kaufbeuren ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Hierbei erlitten drei Reisende leichte Verletzungen. Da» Fahrmatertal tst unerheblich beschädigt. Der Verkehr wurde nicht gestört. Der Unfall wurde dadurch veranlaßt, daß der Güterzug in das Geleise des Personenzuge» verbotswidrig einfuhr, obgleich für diesen die Einfahrt in die Station bereit» freigegeben war.
Erscheint tägNch eit Ausnahme de« MontagS.
Die Gießener Wnmittenötätter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.
Bekanntmachung.
bett.: ReichStagSwahl.
An Stelle de» Herrn Stadtverordneten Homberger ist Herr Stadtverordneter Wilhelm Wallenfels zum Stellvertreter de» Wahlvorsteher» im 1. Wahlbezirk der Stadt Gießen ernannt worden.
Gießen, den 9. Juni 1898.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gageru.
Gießen, den 9. Juni 1898.
Betr.: ReichStagSwahl.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
«s die Grstzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche das Amt eines Post- Agenten rc. bekleiden, machen wir darauf aufmerksam, daß Vie die Functionen der WahlcommtsfiooS-Borfteher, -Beisitzer oder Protocollführer nach § 9 des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869 nicht auSübeu können. Al» Vorsteher der Wahl- commisfion hat daher der Großh. Beigeordnete zn fuogireu und sehen wir wegen seiner Stellvertretung Jhxeu Anträgen rruverzüglich entgegen.
v. Gageru.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juni. Der Kaiser nahm heute Vormittag im Marmor-PalaiS bet Potsdam die Vorträge de» Chefs de» Mtlitärcabiuet», v. Hahuke, und de» Chefs des Eivil- cabinetS, v. LucanuS entgegen.
Berlin, 9. Juni. Als eine Aufgabe unserer Handels- Politik infolge de» spanisch-amerikanischen Krieges bezeichnet die „Post" die Schaffung günstigerer Handelsbeziehungen zu Südamerika. Der Krieg werde dem nordamerikantschen Handel mit den südamerikanischen Republiken Wunden schlagen, die nicht wieder auShetleo dürften. Dem englischen Handel nach Südamerika werde der Umstand Eintrag thuu, daß England fich mit Nordamerika verbünden will, d. h. helfen, um an der Erfüllung der beiderseitigen Handelrzwecke zu arbeiten. Für Deutschland al» dritten Coucurreuten werde es fich darum handeln, den Südameri- kauern die englischen und uordamertkantschm Abfichteu stet» vor Augen zu halten- dann werde es der deutschen Handelspolitik auch gelingen, iu ein erfreulicheres handelspolitisches Berhältniß zu den einzelnen südamerikanischen Staaten zu gelangen. Unser Handel mit Südamerika tst bereit» recht bedeutend- dort sowohl wie in Centralamerika werden die deutschen Waaren vor anderen gern bevorzugt.
— Eine Rede de» Prinzen Heinrich. Bei seiner Anwesenheit in Shanghai nahm Prinz Heinrich eine Parade der deutschen Compagnie des dortigen Freiwilligen Corps ab, der er darauf zur Erinnerung an diesen Tag einen eigenhändigen Entwurf zu seinem NamenSzug, dessen Führung auf den Achselklappen er der Compagnie für die Zukunft gestattete, überreichte. Hierbei hielt er, wie die neueste etngetroffeoe Nummer drS „Ostafiattschen Lloyd»" mittheilt, folgende Ansprache: „Meine Herren! Ich danke Ihnen für da», waS ich heute Nachmittag hier gesehen habe. Ganz besonders hat e» mich gefreut, zu sehen, daß Sie baS, was Sie in der Jugend zu Hause gelernt, hier draußen weiter gepflegt haben, um so mehr, als es zu einem guten Zwecke tst, nämlich: im Nothfalle die ansässigen Europäer zu schützen und gleichzeitig da» Deutschthum hier draußen aufrecht zu erhalten. E» ist mir eine Freude, dem von Ihnen geäußerten Wunsch nachzukommen und der Compagnie vom heutigen Tage an meinen NamenSzug zu verleihen. Ich hoffe, daß dies dazu beitragen wird, Sie ferner iu dieser Beschäftigung anzuspornen, und daß fich auch Ihre Zahl noch durch einige Herren vergrößern wird. Ich habe mir auch erlaubt, der Compagnie einen Schteßprei» zu stiften, um das Jntereffe am Schießen zu heben, und werde Ihnen denselben später zustellen laffen. — Ich sage Ihnen nochmals weinen besten Dank für da», was ich gesehen habe, und daß Sie, nachdem Sie erst gestern die regelmäßige Vorstellung mitgemacht, mir heute wiederum Ihre kostbare Zett gewidmet haben. Es war mir wirklich eine große Freude. Gute Nacht, deutsche Compagnie!"
— ZurLage derDeutfcheu in Brasilien briugt eine Zuschrift de» Mtfftonars Robert Offer-Hasselbeck an deu „Gen.-Anz. für Elberfeld-Barmen" einen neue« Bei-
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