Ausgabe 
10.12.1898 Erstes Blatt
 
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hierbei Verletzungen. Die Polizei schritt nicht ein. Die DreyfnS-Gcgner zogen sodann vor da» OffizierS-Eafino, wo fie Hochrufe aus die Armee auSbrachten.

London. 8. December. Nach einer Meldung ans Pcktng forderte der deutsche Gesandte Baron Hehktng vom Tsung li Armen, daß der kürzlich in Schavtuug gemißhandelte deutsche Missionar mit aller Feierlichkeit in den Dtstrict znrückgeführt werde, woran die Beamten theilzuuehmeu hätten und daß der für die Mtffethat verantwortliche Mandarin degradirt werde.

London, 8. December. Au» den von Lord Salisbury au»gehenden Verhandlungen über eine Annäherung zwischen England und Rußland will man schließen, daß England fich gegen einen russischen Angriff in Ostafie« ficheru möchte. Da aber Rußland damit einen Haupttruwpf für seine Politik in Ostasieu au» der Hand gebeu müßte, so würde eine Verständigung mit England in dieser Hinsicht gleichbedeutend sein mit einer Verleugnung der russischen Pläne tu Ehtua. Auf der anderen Sette freilich ist es bemerkeu»werth, daß nachgerade selbst in russischen Kreisen die Schwirrtgke.iten eine» indischen Feldzuge» bester gewürdigt werden, wie die Schrift LebedewsNach Indien" mili­tärische, statistische und strategische Abrißprojecte de» zu­künftigen Feldzuge» erkennen läßt. Anscheinend ist bet der gegenwärttgen wirthschaftlichen Lage Rußland für etn derartige» Unternehmen nicht vorbereitet.

Amerika. An der Schwelle eine» neuen Zeitalters der veretuigteu Staaten hätte man von besten Oberhaupte wohl eine gewichtigere Kungebuug erwarten können, als tn Was­hington geschehen ist. Die New Yorker Zeitungen erklären in ihrer Zergliederung der Botschaft de» Präsidenten Mac Kto leh fast au»nahm»wetse, baß fie au» schwächlichen Gemeinplätzen bestehe. Die Botschaft füllt acht eng gedruckte Spalten in den großen Zeitungen, aber die Wortfülle ent­hält nicht viel. Die meisten Blätter halten fie für die längste und hohlste Botschaft, welche jemal» ein Präsident dem Eon- greffe vorgelegt habe. Ueber keinen Punkt, vielleicht mit Ausnahme de» Nicaragua Canal», spricht fich der Präfident deutlich aus. Selbst die RegieruugSorgane vermögen die Botschaft nicht gegen die Angriffe der Oppofitton zu ver- thetdtgen. Im Eongrrß gar hat die Botschaft fast Entrüstung erzeugt. Der Präfident erklärt nicht seine Gründe für die befolgte Politik und redet nicht von gesetzgeberischen Maß­nahmen, welche er vorzuschlageu gedenkt. Da» ist gegen alle Gewohnheit. Wenn die volkSmeinuug der Avficht der Preffe folgt, so ist die jetzige Botschaft die schlechteste, welche ein Präfident jemal» einem Congreß zugestellt hat. Der Präsi­dent hofft augenscheinlich, da» Stichwort vom Volke zu be­kommen- er» selber besitzt keine Ueberzeugungeu und keine eigene Politik. UebrigrnS mehren sich, je näher der Zeit- punkt einer Entscheidung über die Verwaltung der Philippinen rückt, imLande die Stimmen gegen denJmperi alt» mu». E» hat fich ein eigener Bund mit de« allerdings nicht sehr geschmackvollen NamenAntiimperialisten-Liga" gebildet. Al» dieser Tage der ausführende Ausschuß des Bunde» in Boston eine Versammlung abhielt, wurde auch ein Brief de» früheren Staatssekretär» Sherman verlesen, in welchem derselbe der Hoffnung Ausdruck giebt, der Senat werde da» Abkommen wegen der Philippinen verwerfen und deren Bevölkerung freimacheu sowohl von den spanischen Festelu wie auch von einem Regiment der vereinigten Staaten au» der Ferne. Sherman stimmt, wie er erklärt, dem Wunsche AguinaldoS zu, auf drn Philippinen eine Republik zu gründen. Ferner hat der frühere Präfident Slevelaud zu Princeton einem Be­richterstatter gegenüber erklärt, er sei rin Gegner der gegen­wärtigen Annexion»- und AuSdehuungSpolitik in jeder Form. Da das imperialistische Fieber anscheinend den größeren Theil deS nordamerikanischen Volke» befallen hat, so wird jener Widerstand thatsächlichen Erfolg wohl kaum erzielen. Immerhin verheißt die Erledigung der schwierigen Philippinen- frage noch manche Zwischenfälle. Mit der geplanten Ver­mehrung de» Heere» soll r» nun ernst werden. Im Repräsentanteohause brachte der vorfitzende de» Militär­ausschusses einen Gesetzentwurf ein, durch welchen da» Herr auf annähernd^ 100000 Manu gebracht und zur Führung de» Oberbefehl» über dieselben ein Generallieutenant, sowie die genügende Anzahl weiterer Generalmajore und General- brtgadter» ernannt werden sollen.T. R "

Der Schatzsecretär der Bereinigten Staaten, Gage, hat im Eongrrß den Bericht über da» Finanzjahr 1898 vor- grlegt. Darnach betragen die Gesammteinnahmen de» Staates für da» mit dem 30. Juni abgelaufene Fiskaljahr 494,333,953 Dollars, die Ausgaben 532,381,201 Dollar». Die» ergiebt tn vergleich zum Vorjahre bei den Einnahmen eine Zunahme von 63,946,785 Dollars, bei den Ausgaben ein Anwachsen von 77,594,423 Dollar». Bezüglich der Einwandererfrage schlägt der Bericht vor, um Zurückweisungen von Einwanderern für die Zukunft möglichst zu vermeiden, schon iu den Hafen- Plätzen, wo die Emigranten fich auf da» Schiff begeben, eine Prüfung derselben vorzunehmeu und die nicht erwünschten Elemente so von vornherein au»zuschließen. Der Bericht kommt sodann auf die Erfolge de» Kriege» mit Spanien zu sprechen, namentlich auf die Erwerbung neuer LandeSiheile und auf die damit verbundene Ausdehnung de» commercirllen Eivflaffe». Zur Sicherung diese» Einfluffe» ist zunächst die Einführung regelmäßiger Schiffsverbindungen mit den neuer­worbenen Gebieten uöthig. Die» gilt namentlich von Afieu, an dessen Märkte die Bereinigten Staaten jetzt beträchtlich näher herangerückt sind, aber auch für den ganzen Stillen Getan und Südamerika. Aus die Förderung des einheimi- scheu SchiffSbaur» ist de»halb die größte Wichtigkeit zu legen. Der Bericht bespricht sodann die Rivalität der Großmächte bei der wirthschaftlichen Ausbeutung in Ostasieu und zieht au» dem vergleich der bei diesen Mächten geübten Methoden den Schluß, daß e» der Legislative verhältnißmäßig leicht fallen müsse, Mittel zur Befriedigung der dringendsten An- forderungen, auf commerciellem Gebiete, vor Allem durch Ent­wicklung der Handelsmarine zu finden.

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Gießer», 9. December 1898.

JJ M n. Theaterverein. In der dritten Vorstellung de» Theaterv erein»: Grillparzer'»Sappho", spielte Fräulein Kathi Frank die Rolle der Heldin mit großer, an da» Herz greifender Kunst. Für alle» fand die tempera­mentvoll? Künstlerin wahre und echte Töne, für das liebende Weib, die mütterliche Freundin, die erhabene Dichterin, für die leidenschaftliche, in ihrem Stolz gekränkte, in ihrem,Leben»- verlangen so bitter enttäuschte Frau. Besonder» die herr­liche Schlußscene kam durch ihr Spiel zu voller und reiner Wirkung. Leider fand der Gast dteSmal bei den Mitgliedern unsere» Stadttheater» nicht die Unterstützung, die man ge­wünscht hätte, damit diese» einheitlichste aller Dramen Grillparzer'» auch eine einheitliche, ungetrübte Stimmung erzeugt und festgehallen hätte. Offenbar waltete ein gewiffr» Mißgeschick Über dieser Aufführung, da» einen vollen Erfolg verhinderte. Der Vertreter de» Phaon (Herr Dietzsch) litt an einer Heiserkeit, die ihn zurückhielt, seine volle stimmliche Kraft einzusetzen. So ging besonder» im Anfang, al» der Künstler seine Mittel wet»ltch sparte, gar manche» von de» Dichters klangvollen Versen verloren. Sonst hätte man mit seiner Wiedergabe zufrieden sein können. Fräulein Rux hatte erst nachträglich die Rolle der Melitta übernommen, eine schwierige Aufgabe, der die Anfängerin noch nicht ge­wachsen ist. Sie gab fich alle Mühe, da» zu leisten, wa» fie eben vermochte. Herr Liebscher (RhammS) ist ein Schauspieler, der nicht leicht erwa» verdirbt- die Standrede, die er im letzten Acte dem undankbaren Phaon halten mußte, gelang ihm besonder» gut. Man möchte nur wünschen, daß er seinen Bewegungen etwa» mehr Abwechslung verleihe und seine Mundart, die ja für die hohe Tragödie nicht gerade vorrheilhaft ist, in noch höherem Maße in Wohllaut und Klangschönheit umsetze. Frau Helm spielte die Dienerin Euchari» in etwa» seltsamer Gewandung.

Stadttheater. Auf die morgen Sam»tag stattfindende sechste Volksvorstellung, in der Fulda'»Talisman" zur Aufführung gelangt, fei hiermit nochmal» hingewiesen. Am Sonntag Nachmittag 4 Uhr wirdIm weißen Rößl" zum neunten Male aufgeführt, worauf au»- wärtige Theaterfreunde, die da» beliebte Stück noch nicht gesehen haben, hierdurch ganz besonder» aufmerksam gemacht seien.

** Da» neue Armercorp». DerFranks. Ztg." wird geschrieben:Da» neue General-Lommaudo, welche» am 1. April 1899 für Preußen errichtet werden soll, wird seinen Siandorr iu Frankfurt a. M. haben. Da» Armee- corp» setzt fich an» der 21. Division (ebenda) und der 25. Division (Darmstadt) zusammen nud bedarf zu feiner Vervollständigung nur noch einer dritten Eompagvie beim Großh. Hess. Trainbataillon Nr. 25. Die 83. Infanterie- Brigade in Hanau scheidet au» dem Verbände der 21. Division. Hinsichtlich de» Großh. Hess. Feldartillerie-Regiments Nr. 25 in Darmstadt treten noch Aenderungeu ein, die im Zusammen­hänge mit der Neuordnung der Feldartillerie stehen, ebenso erfolgt eine Theilung de» Nassauischen Feldartillerie-Regi­ment» Nr. 27. Die Feldartillerie-Brigadestäbe werden erst zum 1. Oktober 1899 errichtet. Da» bisherige 11. Armee­korps ergänzt fich durch eine in den anliegenden Theilen der Provinz Sachsen au» vorhandenen Truppentheilen neu aus- zustellenve Div.fion. Da» neue Armeecorp» in Frankfurt a. M. wird das 18. sein."

-1.- Salzhausen, 8. Decrmber. Für unser heilkräftige», in so erfreulichem Aufblühen begriffenes Bad interesfiren fich so viele Personen, daß nachfolgende kurze Notizen gewiß mit Vergnügen vernommen werden. Die oberste Verwaltung hat angeordnet, daß einige alte Bauwerke, die doch keinen rechten Zweck mehr haben und deren Anblick nicht besonder» hübsch ist, beseitigt werden. Außerdem sollen die Wege nach der Lithium q uelle, die im verflossenen Sommer fleißig benutzt wurde, sowie nach der Schweftlq relle breiter und bequemer gemacht und mit Alleebäumen bepflanzt werden und an den Quellen selbst werden wohl noch Tiiche, Stühle und Bänke zur Ausstellung kommen, damit die Badegäste auSruhrn und ihre Trinkg-säße besser füllen und abstellen können. Ein namhafter Lrebit wurde für diese und einige andere Der- befferungen bewilligt und die Arbeiten müssen so beschleunigt werden, daß fie fertig find, bevor die Badesaison ihren Anfang nimmt. Nun handelt e» fich ganz besonders noch darum, daß die Eisendahnzüge, besonder» diejenigen, die von Westen kommen, besser gelegt werden, damit die Badegäste nicht geuöthigt find, viele Stunden zu verlieren. Und endlich wäre eine bessere Postverbindung auf der Linie Friedberg-Nidda äußerst erwünscht. Nicht selten kommt e» vor, daß ein Bries oder eine Postkarte 24 Stunden braucht, um nach einem Otte zu gelangen, der kaum zwei Stunden entfernt liegt und da» ist heutzutage doch ein BiSchrn zu viel. Der Eurverein in Nidda kann fich den Dank vieler Personen erwerben, wenn er hier Abhilfe schafft.

+ Ober-Lai», 8. December. von einem schrecklichen Geschick wurde vorgestern Nachm'ttag die Familie unsere» MitbürguS Adolf Emrtch heimgesucht. Während der Letztere im Walde arbeitete und die Frau zu Hause mit Waschen be­schäftigt war stürzte da» 3jährige Kind rückling» in einen ans dem Boden der Wohnstube stehenden Topf und verbrühte fich derart, daß e» am folgenden Morgen trotz rascher ärzt­licher Hilfe starb. Die Mutter deS Kinde» fiel au» Schrecken Über da» Unglück tn Krämpfe.

J. Darmstadt, 7. December. Iu gestriger Sitzung de» Naturwissenschaftlichen Verein» machte Herr Prof. Dr. Ihne interessante phäuologische Mittheilnugen, gestützt auf PflanzenrrschcinungS-Beobachtungen tn Unam (Rußland), Nürnberg, Coimbra (Portugal) und Gießen. Die Ergebnisse, die zu wichtigen Schlüffen über Klima usw. führen, find tn den Jahresschriften der Oberhesfischen Gesellschaft für Natnr- und Heilkunde niedergelegt. Ein sehr bequem zu hand­

habende» Instrument zur Bestimmung des Kohlensäurrgehalt» der Luft, genannt Carbacidometer, erfunden von de« bekannten LüftungStechniker Wolpert, zeigte Herr Prof. Dr. Kolb vor, desgleichen einen Apparat von Lamprecht tn Göttingen, genannt Polhmeter, der eine einfache Bestimmung de» relativen FeuchtigkeÜ»gehalt» der Luft zuläßt. Beide sind wesentliche Berbefferungeu gegen die seitherigen Apparate. Den einzigen, im benachbarten Reffeler Braunkohlen-Vorkormuen gefundenen Bogel beschrieb Herr Asfistent Dr. Wittich (vergl. seine Arbeit inAbhandlungen der Geologischen LandeSanstalt", Band III, Heft 3)- er hat denselben al» Rhynchaeites messelensis, an die Sumpfhühner erinnernd, bestimmt. Da» bi» auf die Federn sehr gut erhaltene Exemplar ist im Museum. Auch mancherlei Reptilien, nament­lich Krokodile, hat man in der Meffeler Braunkohle gefunden. Interessant ist auch, daß die Kohle (eigentlich ein mit Bitumen imprägnirter Schiefer) mehr Stickftoffgehalt hat, al» da« Petroleum von Pichelbronn im Elsaß.

Vor 21 Jahren, am 10. December 1877, erfolgte im russisch-türkischen Kriege die Einnahme von P lew na. Nach einem furchtbaren Kampfe am Wildfluß mit den Russen und Rumänen blieb dem tapferen Osman Pascha nichts weiter Übrig, als fich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Mit dieser Katastrophe war das Schicksal des russisch, türkischen Krieges entschieden.___________________________________________

Schwurgericht.

W. Gießen, 9. December 1898.

verhandelt wird heute gegen den 36 Jahre alten der- heirathetru Maurer Lont» Schwing, gegen den 35 Jahre alten Maurer H einrich Philipp Momberg er und gegen den 34 Jahre alten Arbeiter Georg Knapp, sämmtlich au» Kohden. Die Anklage ist auf Meineid bezw. Anstiftung zu diesem verbrechen gerichtet und wird vertreten vom Gericht»affrffor Dr. Bopp. Die vertheidigung führen: für Schwing Geh. Justizrath Batst, für Momberger Rechts­anwalt Rosenberg, für Knapp Rccht»anwatt Dr. Jung.

Die unter Anklage stehenden Lide find am 6. Mai, 15. Juli und 12. August vor dem Schöffengericht Nidda in der Strafsache gegen Knapp wegen Mißhandlung geleistet. Die Anklage gegen Knapp und Momberger richtet fich weiter noch auf Anstiftung zum falschen Eid. Der Lhatbrftand der Anklage ist der folgende: Am 21. Januar d. I. kam die Wittwc Währnm mit den Frauen Rad und Blum in die fiScalische Sandgrube bei Salzhausen, wo die drei Angeklagte» arbeiteten. Die Frauen Rab und Blum erhielten den vo» ihnen verlangten Sand, die Wittwc Währnm kam aber mit Knapp in Differenzen, und dieser soll daraufhin dteWähruw geschlagen und mißhandele haben, nachdem die letztere die Grube verlaffen hatte. Dieserhalb erfolgte Strafanzeige gegen Georg Knapp, die Sache kam vor da» Niddaer Gericht zur Ver­handlung, und hier beschworen Schwing und Momberger, ihr Genosse Knapp habe die Grube damal» nicht verlaffen und könne die Währnm nicht geschlagen haben. Sie blieben dabei, selbst al» in der Verhandlung am 12. August die drei Franc» Währnm, Rab und Blum da» Gegentheil beschworen. Knapp wurde infolge deffcn freigesprochen, die drei Frauen aber unter dem verdacht öe« Meineide» in Haft genommen und dieVoruntersuchnug gegen diese eröffnet. Der Angeklagte Schwing ist geständig, falsch geschworen zu haben. Man habe fich von vornherein vor- genommen, nicht» zu gestehen, und vor dem Richter zu sage», der Knapp sei gar nicht au» der Grube gekommen in der Zeit, wo die Wittwc Währnm mißhandelt worden sein will. Momberger und Knapp, so behauptet der Angeklagte Schwing, haben ihn bestimmt, immer und immer wieder falsch zu be­kunden. Al» nun die drei Frauen in Haft genommen waren, und die drei Angeklagten al» Zeugen da» erste Mal gegen fie ver­nommen waren, da will Schwing, veranlaßt durch seine Eheftau, ein* offene» Geständniß gemacht haben, er habe Reue empfunden. Richtig sei, daß er einmal im trunkenen Zustand in der Sand­grube mit Momberger und Knapp einen Streit gehabt habe, und daß er hierbei diesen vorgeworsen, fir hätten ihn ver­leitet, einen falschen Lid zu leisten. Die» habe ein dritter Unbethetligter gehört und ihm Vorhalt darüber gemacht und habe er auch dadurch veranlaßt, vor dem Großh. Amts­gericht Nidda freiwillig ein Geständniß abgelegt, weil et befürchtet habe, die Sache komme doch heran». Au» bin Acten wird constatirt, daß dieser Angeklagte, der sehr schwer zu begreifen scheint, wobei rs bei seiner Vernehmung Über den beregten Punkt ankommr, früher stet» erklärt hat, Mo«- bcrger habe ihn durch feine Reden zu dem Meineid veranlaßt, während er heute sagt, Knapp habe dabei mitgewirkt. Der Angeklagte Knapp gesteht zu, die Währnm an dem betreffende! Tage geschlagen zu haben und zwar mit dem Schippenstiel. Die Frau hat dabet stark gejammert. Die Affaire hat außer« halb der Grube fich abgespielt, während die beiden College» im Innern der Grube waren. Der Angeklagte Knapp er­klärte, er habe damal» den beiden Mitangeklagten gesagt, Währnm habe ihre Hiebe von ihm bekommen. Al» du Gendarm in die Grube kam, um nach dem Sachverhalt z» forschen, erklärte jeder für fich allein, er sei nicht außerhalb du Grube gewesen, um die Zett, wo dte Währnm geschlagen sein will e» sei gar nicht wahr, daß dieselbe hier geprügelt worden fei Der Angeklagte Knapp erklärt, er habe keinen der Mitangeklagtei je veranlaßt, zu seinen Gunsten ein Protocoll zu machen. Dir' selben wurden aus dte Bürgermeisterei geladen, wo ihnen mitgt- «heilt wurde, daß fie ein für ihn günstige« Protocoll gemacht. Schwing habe die Aussage gemacht uab Momberger habe beff" Protocoll mitunterschriebrn al» der Wahrheir entsprechend Zwei seien ohne sein Zuthnn bei ihrer Auslage geblieben» Momberger sei fein Schwager, er habe da» Verwandtschaft^ verhältniß zu ihm iu der Verhandlung gegen ihn vor de» Schöffengericht in Nidda auf Befragen angegeben, doch sti er trotzdem vernommen worden und zwar zeugeneiblich, ohvk von bim Amtsrichter belehrt worden zu fein, daß er baP Zeugnih verweigern könne. (Schluß folgt,)

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