Worte des Abschiedes an die „THLler und geliebten Triften" waren ebenso wenig rührselig wie sentimental. ES war daS rührende Bild der reinen Magd, der eine weltgeschichtliche Mtsfion zu Theil wird, wie einer Judith, und die zu vollbringen auSzieht, was nur ein gottbegeifterteS, kindlich-fromme» Gemürh vollbringen kann. Dieser Anlage entsprach ihre Erscheinung im KönigSschloffe. Im Bollbewußtsein ihrer Sendung trat fie vor den König, ihren Herrn, nicht unter- thänig-demüthig und ebensowenig amazonenhaft-heroisch- eS war die folgerichtige Ausführung der im Vorspiele gezeichneten Gestalt, die immer mehr unser Interesse in Anspruch nahm. Wie fie alS Heldin, in Erz gepanzert, auf dem Schlachtfelde erschien, da konnte man der hochgewachsenen Jungfrau, die Schwert und Schild zu führen wußte, als sei fie die geborene Heldin, wohl zutrauen, daß sie tödtliche Stretche führen konnte. Ihre Erscheinung hatte etwas von dem Erzengel Michael mit dem Schwert, und man konnte schon glauben, daß die englischen Söldner vor dieser kriegerischen Jungfrau mit behelmtem Haupte und gezücktem Schwerte davon liefen. Sehr schön sprach Frau Führtng die flammenden Worte, die ste an den Herzog von Burgund richtet, die mit fiegreicher Gewalt sein Herz überwinden, und ebenso ergreifend und rührend den herrlichen Monolog vor der Krönung: „Die Waffen ruh'n, des Krieges Stürme schweigen"- diese melodramatische Scene erzielte eine bedeutende Wirkung. DaS herrliche Organ der Gästin kam hier zu voller Geltung. DeS Weiteren ist das Spiel der ausgezeichneten Darstellerin in der Krönungsscene, im Kerker, die fie kraftvoll gab, und tn der Schlußsceue sehr zu loben. Ihre Leistung war ein einheitliches Ganze», eine vornehme Darbietung echter, großer Schauspielkunst und wurde durch den Beifall ausgezeichnet, der wahrhaft künstlerischen Leistungen stet» zu Theil wird. Daß hinter solcher Kunst die Kräfte unsere» Stadttheater» zurückblieben, darf nicht Wunder nehmen, wenn wir auch die tüchtigen Leistungen einzelner Darsteller gebührend anerkennen. So sind vor Anderen rühmend zu nennen die Herren Liebscher, Dietzsch, Walter und Werner- ihrer Rolle nicht so ganz gewachsen erschienen die Herren Easterra und Köhler. Herr Helm entfeffelte trotz seiner ernsten Rolle al» Erzbischof von RheimS wahre Lachsalven, worüber beinahe die Kathedrale in» Wanken gerieth. Fräulein Bartholdy hätte al» Agne» Borel etwa» mehr Wärme zeigen dürfen, wogegen Frau Helm von einer Königin gar wenig an sich hatte. Die Fräulein Rux und Cronegg spielten recht uMrlich. Scenerie und Costüme besaßen den Reiz der Neuheit. Der Charakter de» Trauerspiel» erlitt, tote gesagt, durch einige unbeabsichtigte Heiterkeit»scenen leider wiederholt Einbuße. Der finanzielle Erfolg dürfte trotz gähnender Leere der oberen Logen befriedigend gewesen sein.
• • Freifiuuiger Verein. Die gestern Abend im Restaurant Fetdel ragende außerordeniliche Generalversammlung war gut besucht und genehmigte einstimmig den Vorschlag de» Vorstände», bei den demnächst stattfiadenden Stadtverordnetenwahlen, gleichwie vor drei Jahren, gemeinsam mit der nationalliberalen Partei eine Sandidatenliste der Bürgerschaft in Vorschlag zu bringen. Bet der darauf stattfindenden Abstimmung wurden mit Stimmenmehrheit die Herren Kaufmann Richard Scheel, Bäckermeister Wilhelm Löber, Profrffor Dr. med. Fahr, Schneidemüller Phil. Euler, Schneidermeister Heinrich Leib und Fabrikant Heinrich Schaffstaedt zur Wieder- bezto. Neuwahl als Candidaten gewählt.
* • Zustn» Kreiling f. Am 7. d». Mt». verstarb in nahezu vollendetem 80. Leben»jahre der Veteran der Frei- finnigen Partei Gießen», Herr Schloffermeister Justu» Kreiling. Allezeit ein treuer Anhänger der Fortschritt»- und späteren Freifinnigen volkSpartei, war er bi» in sein boheS Alter hinein ein eifrige» Mitglied de» Vorstandes der Partei, immer bestrebt, die Interessen de» liberalen Bürger- thum» zu fördern. Ein wackerer, biederer Ehrenmann ist mit ihm geschieden, dem ein gute» Angedenken in den Herzen unserer Bürgerschaft immerdar gefichert bleibt.
* • Die Reichsbank erhöhte heute den Wechsel-Discont von 5 aus öV2 pSt.
• • Zu Amerika verstorbene Hessen. In New-Uork: Alfred Günsel aus Mainz. In Washington, D. C.: Wittwe Katharine Schmidt, 65 Jahre alt, au» Stein- Heim bei Offenbach. In New-Uork: Maria K. Stander, geb. Köster, 77Jahre alt, an» Etcheurod. Daselbst: Willi Wenner au» Hessen-Darmstadt. In New-Memphi», Jll.: Frau Maria Schuchmann, ged. Daab, 64 Jahre alt, au» Großbieberau. In Cleveland, O.: Frau Mar gar et h.a Reiber, 71 Jahre alt, au» Hessen-Darmstadt.
* * Wetterbericht. Der größte Theil Europa» steht unter der Herrschaft eine» barometrischen Maximum». Der Kern desselben hat an Intensität noch weiter gewonnen und ist nordostwärts bis nach Raßland gezogen. Im Westen des Erdtheils besteht niederer Druck fort. Der Kern desselben zieht zwar in nordöstlicher Richtung ab, doch ist über dem BtScaya See bereit» wieder ein neuer Kern angedeutet. Auf unserem Gebiet ist der Witterung»charakter der gleiche geblieben. Im Flachland besteht vielfach Nebel, an den Hochstationen wolkenloser Himmel bei starkem Temperaturgefälle. — Voraussichtliche Witterung: Thell» heitere», theil» nebelige» Wetter.
V. Aas dem Vogelsberg, 8. November. Der feuchte, fruchtbare Sommer 189 8 zeigte seine Wirkung nicht blo» auf den Wiesen und Feldern, sondern auch in den Wäldern. Die Laubholzbäume besitzen nämlich da, wo die Maikäuser keine Verwüstungen anrichteten, einen großen Reichthum an Blätterwerk, und selbst da, wo das Ungeziefer übel wirthschaftete, ist das Laub noch vielfach beigewachsen. Dieses Laub, das jetzt abfällt, wird als Dung für die Wälder benutzt. Dasjenige aber, das in die Gräben, auf die Schneisen und Waldwege fällt und dort zwecklos zu Grunde ginge, wird öffentlich versteigert und von den Landwirthen als Streu- material benutzt. Dieses Jahr ist das Laub billig zu haben,
der anfangs so sehr gescholtene Sommer 1898 hat darum nicht blos reiche Gaben an Feldfrüchten und Futtermitteln gegeben, sondern er liefert nun auch gleich wieder die Möglichkeit, die dem Boden entzogenen Kräfte zu ersetzen. Der Landwirth soll aber trotzdem die Anwendung von künstlichen Dungstoffen: Thomasmehl, Kainit, Chllisalpeter oder Peruguano nicht außer Acht lassen.
□ Darmstadt, 8. November. Albert Lindners „Bluthochzeit" erschien heute nach 8 bis 10jähriger Unterbrechung wieder auf der Hofbühne, und fand die gewaltige Dichtung bei dem in solchen Fällen nicht zu zahlreichen, aber um so schätzbareren, litterarisch interesfirten Publikum die lebhafteste Aufnahme. Die Ausstattung war die in solchen Fällen gewohnt glanzvolle; als Vertreter der ersten Rollen traten in den Vordergrund Frl. Cramer als Königin-Mutter, Herr Wagner als König, Herr Hacker als Heinrich von Navarra und Frl. Eichelsheim als Prinzessin Margaretha.
der Seit fite die Lett.
Vor 139 Jahren, am 10. November 1759, wurde zu Marbach am Neckar der volksthümlichste und gefeierteste deutsche Dichter Friedrich von Schiller geboren, durch welchen die tieferen Züge des deutschen Volkscharacters den vollendetsten Ausdruck gefunden haben. Daher die begeisterte Liebe, welche ihm namentlich die Jugend entgegenbringt. Seine Grundidee ist der auf sittlicher Kraft beruhende Sieg der Freiheit. Der gottbegnadete Dichter verschied am 9. Mai 1805 zu Weimar.
Wissenschaft, Citcratur und rinnst.
— Bald naht sich der Tag, an dem das Hessenland der Liebe und Dankbarkeit gegenüber seinem geliebten Landesfürsten, weiland Seiner Königlichen Hoheit Großherzog Ludwig IV., in der Enthüllung des Reiterstandbildes auf einem der ersten Plötze der Residenz erneuten Ausdruck geben wird. Zu diesem Tage möchte die Zurückberufung seines Lebens- und Schaffensbildes, wie sie in der mit dem Bilde des Grotzherzogs geschmückten Festschrift des Großh. Staatsoerlags „Ein Lebensbild von Ludwig IV., Grotzherzog von Hessen und bei Rhein", mit Allerhöchtter Erlaubnttz Seiner Königlichen Hoheit des Grotzherzogs Ernst Ludwig verfaßt von Gebhard Zerntn, Großh. Hess. Hauptmann ä la suite der Infanterie, vorliegt, Vielen hochwillkommen sein. DaS Schriftchen, indem es in geschickter Weise alle Weitläufigkeiten vermeidet, stempelt fich in einer sehr anschaulichen, allgemein verständlichen, durch eingestreute bisher wenig bekannte Briefe u. s. w. belebten Darstellung zu einem hessischen Volksbuch und sollte tn der Familie keines patriotisch gesinnten Hessen fehlen. Nach Schilderung der glücklichen Jugendlage deS Prinzen Ludwig und des um ein Jahr jüngeren Prinzen Heinrich im elterlichen Palais in der Wilhelminenstraße und dem Universttäts- studium der Prinzen in Göttingen und Gießen lernen wir die einzelnen Stadien bcr militärischen Laufbahn des Prinzen kennen und begleiten ihn im Geiste auf seiner Reise nach England, wo er das Herz der jungen Prinzessin Alice, der nachmaligen leider so früh verstorbenen, durch reiche Geistes- und Characteretgenschaften ausgezeichneten Landesmutter, erwarb. Was als Heerführer Prinz Ludwig tn 1866 und 1870/71 leistete, ist allbekannt, nicht minder wie Er danach als Landesvater für das Wohl seiner Unterthanen allezeit treu besorgt war. Auch nach seinem Regierungsantritt war der verewigte Großherzog den militärischen Traditionen getreu, und die höchste militärische Würde, die Ernennung zum Generalobersten der Jnsanteric mit dem Range eines Generalfeldmarschalls, ward Ihm zum 54. Geburtstag seitens des obersten Kriegsherrn zu Theil. Die Schmerzenstage vom März 1892 sind noch in lebhaftem Gedächtniß des treuen Hessenvolks, das damals Zeugniß ablegte für den Verewigten, dessen Character am Schluffe der vorliegenden Schrift von einem nahen Anverwandten desselben wie folgt treffend zusammen- gefatzt wird: „Lebhaften, heiteren Temperaments, selbstlos, wahr, bestrebt gegen Jedermann gerecht zu fein, Feind jeglicher Schmeichelet und Heuchelet, eine practtsch angelegte Natur, Freund jeglichen Sports, ein echter, watdgerechter Jäger, passtonirter Soldat, anspruchslos für seine Person, kein Freund des LuxuS".
— Prof. Dr. G. Jägers Monatsblatt (Verlag von W. Kohlhammer, Stuttgart, jährlich 3 Mk.) 1898 Nr. 11. In einem Artikel „Fremde Urthetle über meine Forschungen" giebt Jäger eine Zusammenstellung einer stattlichen Anzahl von Aeußerungen Dritter über Jäger« Lehren, namentlich seiner Geruchslehre. Hierin ist mit mehr oder weniger Zurückhaltung die Berechtigung von Jägers Theorien, die zunächst meist bespöttelt wurden, anerkannt, waS Jäger mit Genugthuung feststellt, zugleich mit der Hoffnung, daß wettere Forschung ihm immer mehr werde zustimmen müssen. Eine Fortsetzung des Aufsatzes „Die Gesundheit der Schuljugend" berichtet über Versuche von Jdealschulen auf deutschem und englischem Boden, Schulen, die neben dem Geist den Körper, neben dem Unterricht die Erziehung, neben dem Schulsack das praktische Leben zu ihrem Recht kommen lassen wollen. Wettere Artikel handeln über die schwarze Farbe, das offene Schlafzimmerfenster, eine Südpol Expedition, Wolle und Pelzkleidung tn den Polargegenden, K. v. Rengarten und die Wollkletdung, von Rengartens Retsesctzzen, das Kupfern der Reben, die biologische Methode in der Naturgeschichte, die Kunstwolle, (Briefkasten).
— Ein neuer Roman von Gabriele Reuter. Gabriele Reuter, deren Roman „Aus guter Familie" etnen so großen Erfolg zu verzeichnen hatte, hat foeben einen neuen Roman „Frau Bürgeltn und ihre Söhne" vollendet, der in dem nächsten Hefte Der bekannten tllustrtrtrn Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" (Stuttgart. Verlag der Union Deutsche Verlagsgefellschaft) zu erscheinen beginnt. Dem Roman, dessen Handlung in einer thüringischen Residenz spielt und der Erörterung moderner Zeitfragen gewidmet ist, wird sicher in allen literaturfreundlichen Kreisen das größte Interesse entgegengebracht werden.
Nr. 6 der Zeitschrift „Das Reue Jahrhundert", Unabhängige Wochenschrift für das deutsche Volk, (Köln, Verlag von Friedrich Werth) enthält: Die Landtagswahlen. — Ist der Bundesrath im Llppe'schen Thronfolgestrett zuständig? — Die Reichsbank. II. Von Dr. Tschierschky. — Entvölkerung. Von Emil Zola. — Die Illustration in der deutschen Presse. Don Eugen Jsolani. — Cyrano von Bergerac. Von Theophil Gautier. — Erlösungen. Von WU- helm Holzamer. — Aus dem Westen Nordamerikas. — Volkswtrth- schaftliche und socialpolitische Mtttheilungen. — Dies und Das.
Ntechliche Anzeigen der Stadt Gietzen.
Im Confirmandensaal, Neustadt 61:
Donnerstag den 10.November, Abends 8 Uhr: Bibelftunde.
1. Cor. 13, Das'Hohelied von der Liebe. Pfarrer Schlosser.
Für die Erbauung einer evangelischen Kirche in Dar-es-Salaam
gingen weiter bei dem Unterzeichneten ein: Von Frau vr Sommerlad -
2 JL, Frau H. 10 JL, Herr L. Bücking 10 JL, Scaterlös im „Anker" j in Lauterbach 3.50
Weitere Gaben werden gerne entgegengenommen.
I. A.: Bickel, Kaiser!. Gouvernements-Secretär. '
Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gieße«.
45. Woche. Vom 30. October bis 5. November 1898. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (tad. 1600 Mann Militär)» Sterblichkeitsziffer: 19,41, nach Abzug der Ortsfremden 15,10o/ot>.
Kinder
ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
Lungenschwindsucht 1
Leberentartung 1
Herzfehler 1
Darmeinklemmung 1
Unterletbsentzündung 1
Nierenentzündung 1
Krämpfen i
DtphtherttiS 1 (1)
LebenSschwäche 1 (1)
Summa: 9 (2) 6 2 (1) 1 (1)
Asm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle tn der betreffend« Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Neueste Nachrichten.
Depeschen de» Bure« „Herold".
Wien, 9. November. In der gestrigen Sitzung des österreichischen Abgeordnetrnhause» wurde der Antrag auf Anklage gegen da» Ministerium Badeni nach höchst erregter Debatte mit 187 gegen 115 Stimmen abgr- lehnt. Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt.
Budapest, 9. November. Große» Aufsehen erregt die Abweisung de» Gesuche» de» wohltätigen Frau en-Verein», in den städtischen Redutensälen unter Mitwirkung vo« Mitgliedern de» Wiener Hofburg-Theater» Wohlthätigkeit»- Borstellungen abzuhalten. Der Magistrat erklärte die Abweisung damit, daß deutsche Vorstellungen in den Rtdnteu- sälen nicht stattfinden dürften.
Prag, 9. November- Die deutsche Studentenschaft veranstaltete gestern eine großartige Btsmarckfeier. In der Gedächtnißrede wurden die Verdienste Bismarck» eingehend gewürdigt. Alle Anwesenden trugen Trauerflor. Da» Grand Hotel, in welchem die Feier stattfaud, war durch eia starke» Polizei-Aufgebot geschützt, da mau Exceffe befürchtete. Thatsächlich versuchte auch ein Pöbelhausen die Erstürmung de» im vorigen Jahre demoltrten Schlaraffengedande», wurde jedoch von der Polizei zurückgeschlagen.
Prag, 9. November. Au» Anlaß de» Gedenktage» der Husfiteuschlacht am weißen Berge fanden gestern Abend große Demonstrationen statt. Einige hundert Burschen hatten fich am weißen Berge versammelt und zogen unter dem Gesang tschechischer Lieder durch die Stadt. Ein großes Polizei-Aufgebot zerstreute die Demonstranten.
Rom, 9. November. Der Korrespondent de» Corriere di Napoli wurde wegen eines die Nichtbezahlung de» Solde» an die türkischen Soldaten behandelnden Artikel» in Jaffa verhaftet und trotz der Intervention de» italienischen General Eonsul» nicht freigelaffen.
Rom, 9. November. Die fünf Punkte, welche die Grundlage der Anarchisten-Conferenz bilden, find nunmehr von allen Regierungen angenommen, sodaß es fich nur um die Formulirung handelt. Die größten Schwierigkeiten machten England und Griechenland bezüglich des Punktes der Auslieferung der Anarchisten.
Antwerpen, 9. November. Zwei Ftfcherbarken, von denen die eine au» Antwerpen, die andere au» Ostende war, find infolge heftigen Sturme» gescheitert. Von der Besatzung ist Niemand gerettet worden.
Pari», 9. November. Der „Figaro" meldet, daß die Criminalkammer de» CassatiouShofe» eine neue Haussuchung bei einer Person vornehmen ließ, die tu regem Verkehr mit Esterhazy gestanden hat. Es sollen zahlreiche Sorrespondenzen beschlagnahmt worden fein, die demnächst dem CaffationShofe übergeben werden.
Pari», 9. November, lieber die Au»sagen deS früheren Kriegsministers vor dem CaffationShofe ist absolut nicht» zu erfahren. Cavaignacs Verhör dauerte kaum eine halbe Stunde, wogegen Mercier anderthalb Stunden verhört wurde. Auch Billot» Verhör war nur kurz.
Pari», 9. November. Gestern Nachmittag wurden die früheren Kriegsminister Mercier, Billot und Ca- vaignac verhört. Sie hatten Rechenschaft abzulegen über da» geheime Dossier und über ihre Haltung in der DrehfuS-An- gelegenheit.
Pari», 9. November. Die öffentliche Meinung verfolgt mit geringem Jntereffe die Entwickelung der Faschodafrag e. Die allgemeine Ansicht der Franzosen geht dahin, daß keine Colonie sür Frankreich werthvoll genug fei, um einen Krieg heranfzubeschwören. Die große Menge würde fich heute nur noch für einen Krieg zur Wtedereroberung Elsaß-Lothringen» interesfiren und sogar die Zahl der in diesem Sinne stimmenden Personen wird täglich geringer.
Pari», 9. November. Ein Redacteur de» „GauloiS* hat den General Mercier beim Verlassen de» Cassation»- Hofe» interpellirt, um feine Eindrücke von dem Verhör vor dem CaffationShof zu erfahren. Der General erklärte, er sei von den Mitgliedern de» CaffationShofe» sehr aufmerksam angehört worden, weiter könne er Nicht» sagen.
Madrid, 9. November. Der spanische Botschafter am Berliner Hofe begab fich gestern Abend nach Cadiz, wo Admiral Camara heute eintrifft. Ein Aufenthalt de» deutschen Kaiserpaare» in Cadiz gilt al» sicher.
Madrid, 9. November. In gut unterrichteten politischen Kreisen wird versichert, daß die Verhandlungen der amerika- nisch-spanischen FriedenS-Commisfion vorläufig abgebrochen find, und daß die spanische Regierung sich nunmehr au die Mächte wenden werde, um einen Schiedsspruch über die Forderungen der Beteinigten Staaten zu erwirken.
1. Lebensjahr: 2.—15.3«
i
—
——
1
—
——
1
—•
—
1
——
—
1
—
—
1
_
—
—
1
_
—
i m
1 (1)


