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die Pariser, so gegen den Ftnanzmiaister erbittert, daß manuig- faltige Demonstrationen in Wort, Schrift und That erfolgten. So entstanden Porträt- ä la Silhouette und Pantalon- k la Silhouette, erstere bloße Umrtffe mit Schatten au-ge- füllt, letztere Hosen ohne Taschen, andeutend, daß Silhouette die Franzosen bis zum Schatten ausgesogen und ihnen Taschen in den Beinkleidern ganz entbehrlich gemacht habe. Silhouette bekleidete sein Amt nur acht Monate, aber die nach ihm benannten Porträt- haben sich erhalten, bi- die Lichtbildnern fie verdrängte.
• Die pommerschen Geier. Unter den gehässigen Nach« rufen französischer Blätter auf den Tod des Fürsten Bismarck verdient nachträglich noch eine Aeußerung eine- Pariser Fachblattes, der «France Aörterme", ob ihrer verblüffenden Bornirtheit erwähnt zu werden. Da- Blatt leitet seinen Esel-ttitt mit den Worten ein: „Diese für immer berüchtigte Persönlichkeit ist soeben von der Weltbühue abgetteten. Bi-marck war ein zu großer Feind der Luftballon- und der Brieftauben, um nicht in unserer patriotischen Fachzeituug erwähnt zu werden". Und diese „patriotische Fachzeituug verkündigt der staunenden Welt dann unter Anderem, daß Bi-marck den genialen Gedanken hatte, in seinen Mußestunden Raubvögel abzurtchtev, welche die Aufgabe hatten, die französischen Brieftauben abzumurksen. Ja, wa- noch schauderhafter ist, diese „pommerschen Geier", sagt da- Blatt, vermehrten sich in Frankreich trotz aller Nachstellungen, und erst kürzlich wurden solche im Walde von Lina- bei Montherh getödtet. Da- ist in der That ganz fürchterlich- vielleicht laffen die „pommerschen Geter" aber doch noch mit sich reden, denn sie scheinen ganz gebildete Vögel zu sein, da fie ihre Geburtsscheine immer bei sich tragen.
• Sin neues SaS. Au- New-York wird berichtet: Auf der Versammlung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wiffeuschaft machte Charles Brush die vorläufige Ankündigung, daß er ein uene- Ga- tu der Atmosphäre entdeckt habe. Charaeteristisch für da- neue Element seien die niedrige Spannung und die große Wärmeleituog-- fähigkeit. Brush machte seine Entdeckung, al- er nach absor- btrtem Wafferstoff fahndete. Er nennt da- neue GaS Ethe- riou, weil mau nach seinen Etgenschasteu aunehmen muß, daß e- nicht auf die Atmosphäre der Erde beschränkt sei und wahrscheinlich den Welteuraum erfülle. Die Molrcular-Ge- schwtndtgkett schätzt er auf über 100 englische Metten in der Sekunde, die Dichtigkeit auf ein Tausendstel von der de- Wafferstoffe- und die specifische Wärme auf da» Sech-tausendfache des WafferstoffeS. Vielleicht ist e- noch tu mehrere Gase zu scheiden und bildet daun eine neue periodische Gruppe von Elementen.
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• Da» „ZltiS"-Deukmal für bhautuug war dieser Tage in der Müllerstraße in Berlin in der Gießerei von Martin L Piltzing aufgebaut uud wurde dort von einem Vertreter des ReichSmariueamtS uud dem au-führeudeu Bildhauer Aug. Kraus befichtigt. Da- Deukmal, 13 Meter hoch, macht einen recht imposanten Eindruck. E- baut fich auf drei Stufen auf- da- Grauitpostameut ist mit vier Broucetafelu geschmückt. Die vordere Platte enthält eine Abbildung de- „Iltis". Auf der Mckseite liest man die Inschrift: „Zur Erinnerung an den Heldentod der Besatzung S. M. Kbt. geschettert
im Taifun au der Küste von Shautuug am 23. Juli 189b. Auf den Seitevtafeln find die Namen der untergegaugeoeo Mannschaften verewigt, im Ganzen 74 Personen. Die Platte auf der rechten Seite verzeichnet 10 Namen, deren Träger Offizter-raug besaßen, au ihrer Spitze den Capitäulieutenaut Braun. Auf dem Postament erhebt fich ein mächtiger, oben zersplitterter Mast, von welchem Tauenden zum Mastkorb herabhäugen und über die Stufen fich legen. Am Fuße de- Maste- liegt schräg eine Fahne, deren Tuch malerisch auf die Stufen herabfällt. Der Fahuenschaft ist in seiner Mitte mit einem Lorbeerkrauz geschmückt, deffen Schleifen folgende Inschrift tragen: „Die Deutschen China-" und „Die katser» liche Marine". Auch Mast und Fahne find in Brouce ge- goffen. Da- ReichSmarineamt lieferte hierzu Kanoneubronee. So wurde u. A. ein tadellose- Kanonenrohr benutzt, da- ein Gewicht von 52 Leutueru besaß. E- stammte von einem eroberten Geschütz, war 1844 gegossen uud mit dem Namen-« zuge L. P. (Loui- Philipp) und mit der KönigSkroue ver- sehen. Da- Kanonenrohr zeigte eine treffliche Ciselirung. Da- Denkmal soll von Bremerhafen aus auf einem Dampfer des Norddeutschen Lloyd nach Shanghai gebracht werden. ES ist ein Werk von A. Kraus, der e- im Auftrage von Prof. Reinhold Bega» geschaffen hat.
* Kartoffelsalat im alten Rom. In einem Artikel des Prager Abendblattes über „künstliches Eis" heißt es wörtlich: „In Rom war die Verwendung von Schnee und Eis zu Anfang der Kaiserzeit bereits ganz allgemein. Bei Beginn der Mahlzeiten begoß man sich die Hände mit Schneewasser, man kühlte die Getränke mit Eis. man trank Schnee- und Eiswaffer und warf Schnee in die Weinbecher, ja selbst ui der Einladung zu einem „einfachen Abendessen" verspricht der jüngere Plinius seinem Freunde Clarus neben Kartoffelsalat, drei Schnecken und zwei Eiern auch Grütze mit Much und Eis." Kartoffelsalat im alten Rom? Francis Drake und Walter Raletgh werden Augen machen, wenn sie das erfahren!
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— Tolstoj contra Tolstoj. Eine eigenthümltche Schicksalsfügung will es, daß dem Grafen Tolstoj in seinen ethischen Grundanschauungen, spectell in den extremen Forderungm, die er in seiner berühmten „Kreutzersonate" im Namen deS christlichen Geistes an die Menschheit stellt, ein scharfer Gegner erwachsm ist in seinem eigenen Sohne L. L. Tolstoj. Dieser hat vor wenigen Wochen in einer russischen Zeitschrift mit der Erzählung „Ein Pläludium von Chopin" debütirt, die in Rußland gewaltiges Aufsehen hervorgerufm hat, einerseits weil ihr Verfasser fich darin als ein höchst beachtens- weriheS, vielversprechendes schriftstellerisches Talent offmbart, mit dem man noch zu rechnen habm wird, anderersettS, weil die Erzählung eine btrecte Entgegnung auf die „Kreutzersonate' des altm Tolstoj und somit ein literarisches Ereigniß von größtem Jnterche darsteM. Eine deutsche Uebersetzung der Erzählung ist in dem soeben »ur Ausgabe gelangten 18. Hefte der Halbmonatsschrift „AuS r-md«n Zuns-n", b=8 botannten O-g-ns fit bte GinjtUitetatut des Auslandes (Stuttgart, Deutsche VerlagS-Anstalt) mthalten.
— Für den Kalenderleser ist eS immer wieder eine Freude, seinen alten Freund, den „Lahrer Hinkende« Bote«" im neu« Jahresgewande zu begrüßen. So auch Heuer zum Jahre 1899.^Der „Hinkende" hat ja einen alten, fluten Ruf. Auch für daS kommmbe Jahr bringt er eine Fülle herrlicher Geschichten und Geschichtchen, ernsten und heiteren Inhalts. Die bekannten -Standreden find ein Muster prächtiger Dialoge geworden. Don den vielen Geschichten, die er bringt, wollen wir keine besonders hervorheben, denn fie find aus bewährten Federn gefloffen, sie zeigen tn threr Anlage, ihrmr Inhalte, ihrer volksthümlichen Sprache, wie sehr eS der »Hinkende versteht, fürs Volk zu schreiben. Die ganze Ausstattung ist mit einem Wort dem „Hinkenden" angepaßt und macht ihn zum allbekannten lieben Freund und zum Volkskalender erstm Ranges. E)e- trost darf er auch dieses Jahr hinauSgehen zu seinen alten Freund« und wird hoffentlich recht viele neue gewinn«.
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Rabe«a«, Post Londorf, den 12. August 1898.
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