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Sonntag den 10. Juli
Rr. 159
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- unb Anzergeblatt für den Urei# Gieren
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter
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von Erzeugnissen der Bäckerei und Conditorei ausgestellten Zwiebacke die silberne Medaille verliehen. Auf der dieS- jährtgeu Internationalen Ausstellung für NahrungS- und Genußmittel tu Triest erkannte die Jury den Fritz Schreiuer'fcheu Crzeuguiffeu die goldene Medaille und ein Diplom zu.
** Als Beisitzer für da, Gewerbegericht werden für den Schluß der Wahlperiode fungireu: Juli: Schneidermeister Leib für die Arbeitgeber, Etgarreumacher Rudolph für die Arbeitnehmer- August: Restaurateur Jean Kirch für die Arbeitgeber, Etgarreumacher Reufchliug für die Arbeit- nehmer- September: Zimmermeister Marx für die Arbeitgeber, Buchdrucker Au dreas für die Arbeitnehmer - October: Schreinermetster Schäfer für die Arbeitgeber, Drechsler Bock für die Arbeitnehmer.
*• BolMad. Heute Nachmittag wurde die Probe- füllung des Schwimmbassins im Bolksbade vor- genommen.
•• Lesehalle. Man schreibt unS: Auf einer Reise durch daS Thüringer Land war eS mir vergönnt, die Einrichtung der öffentlichen Lesehalle in Jena kennen zu lernen. Ich hatte den Eindruck, daß die Opferwilligkett der Einwohnerschaft dort etwa- ganz Außerordentliches geschaffen hat. Die Bibliothek ist wohlgewählt und ungemein reich, haltig, aber man findet in Jena auch von TageSblättern, polttischeu Zeitungen und Zeitschriften so gut wie Alle- auf* gelegt, waS überhaupt in Betracht kommen kann. Gesellschaften und Privatpersonen haben fich, wie man wir mittheilte, bereit erklärt, TageSblätter und Zeitschriften alSbald nach deren Lesung, der Lesehalle zur Verfügung zu stellen. Ich bin nun der Ansicht, da- Verfahren in Jena solle auch für unS tu Gießen vorbildlich sein. In der SchwelleruuiverfitätS. stadt werden der Lesehalle nicht weniger als 32 TageSblätter, 79 Zeitschriften gratis geliefert. — In diesem Blatt ist in der letzten Zeit wiederholt an unsere Bürger die Bitte ergangen, unserer Lesehalle Zeitungen und Zeitschrifteu zu überweisen. Soweit bekannt, ist dieser Appell fast ganz erfolglos geblieben. Den meiste» unserer Mitbürger wird tagtäglich eine Zeitung in- HauS gebracht. Man darf wohl annehmeu, daß Nachmittag- deren Lrctüre beendet ist. Ich bin überzeugt, daß der Vorstand der Lesehalle die Mühe nicht scheuen würde, bei jedem Einzelnen Nachmittag- die Zeitung abholen zu laffen, dafern man damit einverstanden, sie der Lesehalle zur Verfügung zu stellen. Wie man mir in Jiua sagte, werden der dortigen Lesehalle weiterhin leihweise 77 Zeitschrifteu uud 18 TageSblätter übergeben. WaS nun die (nur 16000 Einwohner zählende) Universitätsstadt an der Saale leistet, das sollte doch wohl auch da- weit größere Gießen zu leisten im Stande sein. In wenigen Tagen wird nun die Lesehalle hier eröffnet. Solange aber in ihren Räumen nicht eine größere Zahl von TageSblättern und Zeit- schriften ausliegt, muß daS Unternehmen als ein unvoll, kommenes bezeichnet werden. Die Ueberweisung von Zeitungen resp. Zeitschriften fordert von der Liberalität unserer Mitbürger ein so kleines Opfer, daß ich die dringende Bitte au-spreche, man möge den Vorstand der Lesehalle, der so unermüdlich gearbeitet hat, in letzter Stunde nicht im Stiche laffen. ,
Die Viehzählung am 1. December 1897 hatte nach den Mittheilungeu für LandeSstatistik im Großherzog- thnm Hessen folgendes Ergebntß: ES.waren vorhanden: 56 002 Pferde (einschließlich der Milttarpferde), 324,628 Stück Rindvieh, 86,731 Schafe und 271,595 Schweine. Der stärkste Pferdebestaud mit 22,426 Stück entfällt auf Starken- bürg, der stärkste Bestand an Rindvieh mit 148,929, an Schafen mit 64,995 und an Schweinen mit 114,584 Stück kommt auf Obe,heffen.
•• Fahrräder als Paffagiergut. Seit der immer größeren Ausdehnung des Fahrradsport- har auch die Beförderung der Fahrräder auf den Eisenbahnen mancherlei Unzu- träglichkeiten zur Folge gehabt. Jasbesondere ist die Ab« ferttgung, die Verladung und die An-laduug der Fahrräder, die vielfach auf kleinen Zwischenstationen aufgegeben werden, häufig mit großen Weiterungen verknüpft. Die Eisenbahn ist oft nicht in der Lage, die Fahrräder in den Gepäckwagen unterzubringen, die Einstellung weiterer Gepäckwagen ist zeitraubend, schwierig, auf kleinen Stationen oft unmöglich. Die Eisenbahnen können fich auch auf die Verladung von Fahrrädern nur selten vorbereiteu, weil die Radfahrer meist Theile de- Wege- auf den Rädern fahren und e- von Zufälligkeiten abhängt, ob für einzelne Strecken die Beförderung auf den Eisenbahnen gewählt wird. Nach den Mittheilungen der Eisenbahnverwaltungeu find Betrieb-Unregelmäßigkeiten, in
daß der Krirg-minister fich dadurch eine Hlnterthür für eine spätere Caffation des PcoceffeS offen gelaffen hat.
London, 8. Juli. Wie hierher gemeldet wird, haben etwa 12 —15000 Personen Santiago aus Furcht vor einer Beschießung verlassen und find nach Elcana geflüchtet, Mstei dftffH'sife der Amerikaner avflehen. Die meisten unter ihnen find Fremde, darunter viele Franzosen mit Frauen uud Kindern. Gestern Abend trafen hier 5000 Personen ein, jedoch konnten nur noch 500 Persoven untergebracht werden, die Uebrigen mußten im Freien camptren. Da ihnen verboten war, Leben-mittel auS Santiago mitzunehmen, so haben sie sehr au Hunger zu leiden. Man befürchtet ernste Krank- heilen. General Shafter hat sofort der amerikanischen Regierung telegraphirt, damit dieselbe für die Flüchtlinge Lebensmittel beschafft.
Madrid, 8. Juli. Das Blatt „Correspondeucta" enthält ein Telegramm, wonach die spanischen Truppen einen AuS- all auS Santiago gemacht hätten und 58 amerikanische Offiziere, darunter 5 Generale, getödtet haben sollen.
aumöoHe, Vi- ■ Flor u. Seide, W. 50Pfg,
Adresse für Depeschen: >«!<(<<< Fernsprecher Nr. 61.
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Juli. Wie aus Odde gemeldet wird, hat die Feier der Enthüllung de- Denkmal- für den Lieutenant .hahnte heute früh im Beisein des Kaiser- stattgrfundeu. 40 Mann von dem norwegischen «rieg-schiffe „Harald Haar-
Ausland.
Paris, 8. Juli. Die DreyfuS-freundlichen Blätter heben bei der Besprechung der gestrigen Sitzung ganz besonder- hervor, daß Cavaignac nur von der Schuld Dreyfu-' sprech, aber vollständige- Stillschweigen über die Legalität bk» Verfahren- beobachtete. Die Blätter schließen daran-,
mit 8000 Mk. geraubt. Die Diebe find ent
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Vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pfg. mit Bring ertoh«.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf^ vierteljährlich.
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Localer und provinzieller.
Gießen, 9. Juli 1898.
Parlamentarisches. Die Abgeordneten Dr. Schröder, Dr. Schmitt, Haa» Offenbach, Schönfeld, Zinßer und ®e- uoffen brachten bei der Zweiten Kammer den eingehend begründeten Antrag ein: „Die Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, noch diesem Landtage eine Vorlage zu machen, durch welche die regelmäßigen Beiträge de- Staates an die evangelische Landeskirche uud an die römisch katholische Kirche der Dtöcese Mainz mit Wirkung vom 1. April 1899 ftr? jährlich uud dauernd erhöht werden. Diese Erhöhung soll für die Aufbesserung der Gehalte der Geistlichen und vor Allem in den unteren und mittleren Gehalt-klafieu derselben verwendet werden."
*• 3« Insiizfach stehen dem Vernehmen nach bedeutende Personalversqirbungen bevor. Um dem Mangel an geeigneten Persönlichkeiten für die höheren richterlichen Stellen abzuhelfen, will man wieder zu dem früheren System zurück, kehren und den Rtchterstand au- den Rethen der Rechts« anwälte ersetzen. Diesbezügliche Vorschläge find schon vor längerer Zeit gemacht worden, haben aber bi- jetzt noch keine Beachtung gefunden, weil die höchste Justizstelle in Darmstadt entschieden dagegen war, Rechtsanwälte zu Richtern zu bestellen.
•» Die Nr. 9 der Verordnungsblattes für die evangel. Kirche des GroßherzogthumS Heffen har folgenden Inhalt: 1. «uSschretbeu Nr. 12 vom 10. Juni 1898, betreffend den Mtsfion-cursu- für Pfarrer und jüngere Theologen in Friedberg. 2. AuSschreibcn Nr. 13 vom 10. Juni 1898, betr. die Fürsorge der Kirche für die Auswanderer- hier: den evangelischen Hauptveretn für deu-sche Auswanderer. 3. Be- kauntmachung vom 20. Juni 1898, die Bildung einer selbst- ständigen evangelischen Gemeinde GustavSburg betreffend. 4. Dienftnachrichten. — Die Nr. 10 de» Verordnungsblattes enthält: Prüfungsordnung für die Schlußprüfung der Can- didateu der evangelischen Theologie im Großherzogthum Heffen vom 24. Juni 1898.
*♦ Kirchliche Dienstnachrichten. Ernannt wurden: Pfarr- amtScandidat Scheunemauu zu Mörfelden zum Pfarr- asfistenten in Darmstadt, Decanat Darmstadt- Pfarramt-« candidat H e d d S u - zu Alzey zum Pfarrvicar in Bischofsheim, Decanat Groß-Gerau- Pfarrvicar Wolf zu Langsdorf, Decanat Hungen, zum Pfarrverwalter daselbst- Pfarrassiftent vr. Greiner zu Schotten, Decanat Schotten, zum Verwalter der 1. Kaabenlehrerstelle (RectoratSstelle) an der Gemetndeschule daselbst- Pfarrvicar Licht zu Angersbach, Decanat Lauterbach, zum Pfarrverwalter daselbst.
•* Straßensperrung — OmnibuSverkehr. Durch die Um- Pflasterung des Selter-weg- zwischen Moigaffe uud Kreuzplatz bleibt dieser Thetl sür den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Die OmnibuSlinien müffen deßhalb sür diese Zeit geändert werden und fahren vom kommenden Montag ab wie folgt. Linie A.: Marburgerstraße, Marktstraße, Löwengaffe, Selter-- weg, Liebigstraße, Bahnhof und umgekehrt. Linie L. : Grüubergerftraße, Marktplatz, Kreuz, KaplauSgaffe, Bahnhof- straße, Bahnhof und umgekehrt.
*♦ Turnerisches. Der Turnverein Heuchelheim feiert Sonntag den 10. Juli fein 10jährige» Stiftungsfest. Hierbei findet Preis- und Schauturnen statt, Abends bengalische Beleuchtung, Pyramiden re.
** Prämi rung. Dem Bäckermeister Fritz Schretner hier wurde für die von ihm in Erfurt auf der Ausstellung
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sag ar" standen zu Ehren der Feier in Parade.
Saarbrücken, 8. Juli. Bei Altenwald wurde ein zwei Knaben, welche gemeinschaftlich einen größeren für Lohnzahlungen trugen, von zwei Strolchen Ein Knabe wurde niedergeschlagen und deffen
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Aamtkieußtätter »rrden dem Anzeiger vüchentlich viermal beigelegt.
Das neue italienische Ministerium.
Recht lange hat e» gedauert, bis daS neue Cabinet in JtäUen zu Stands gekommen ist, wa« angesichts der besonder- schwierigen Umstände, mit denen die Regierung zu kämpfen hck, auch gar nicht zu verwundern ist. Ebenso wie in Frankreich, ist auch in Italien daS Cabinet von der Kammer abhängig, und je nachdem diese zusammengesetzt ist, wird da-T Ministerium gebildet. ja noch au- der allrr-
jüitgsten Vergangenheit, WmMAnstreugungeu Rndiui gemacht hat, fich am Ruder zu erhalM, wie er mit dem Erzradicaleu Zarnadelli pactirt, um der Unterstützung von deffen Anhängern sich zu versichern. Die- ist ihm auf die "Dauer nicht ge- lungen, und man darf dreist behaupten, daß Rudini vorläufig auSgewirthschaftet hat und als ein tobtet Mann zu betrachten ist. 'V' V
DaS Cabinet Pelloux, dessen Bildpng so viele Schwierigkeiten verursacht hat, entwickelte vor einigen Tagen in der Kammer fein Programm, daS jedoch in vieler Hinsicht an Klarheit zu wünschen übrig läßt. Im Allgemeinen beschränkt sich Pelloux auf die Erklärung, die Regierung werde die Vvr- lagen des Ministerium- Rudini erst prüfen, ehe sie dazu Stellung nehme. Während man fich im Senat mit dieser Zusicherung zufrieden gab, verlangte man in der Kammer nähere Auslassungen über die Absichten des Cabinet», und la mußte sich Pelloux denn schließlich dazu bequemen, einige bedeutungsvolle Aufklärungen zu geben, die er jedenfalls lieber mch für fich behalten hätte. So gab er zu verstehen, daß er von der Volk-pertretung die Zustimmung zu dem von Rudini verhängten Belagerungszustand fordere und auf der Durchführung der Vorlage über den ZmangSaufenthalt bestehen müffe. Außerdem verlangte er noch die Vertagung der Communal- und Provinzialwahleu sowie die militärische Organisation de- EisenbahnpersoualS.
Was die Vorlage über den Zwang-aufenthalt betrifft, so begegnet dieselbe vielen Anfeindungen. Sie rührt noch von Crispi her, der gegen die Anarchisten einen entscheidenden Schlag sühren wollte. Der Gesetzentwurf wird in der Volksvertretung heiße Kämpfe Hervorrufen, und es erscheint sehr fraglich, ob er überhaupt eine Mehrheit findet, umsomehr als aus der letzten Zeit mehrere Fälle bekannt geworden find, welche auf die italieuische Justizpflege kein sehr günstiges Licht werfen. Anders verhält eS fich mit der Hinausschiebung der ProvinzialrathS- und Commuualwahlen, die augefichtS btt immer noch herrschenden Erregung geboten erscheint. ES wäre jedenfalls sehr unklug, wollte dir Regierung jetzt daS Land einem Wahlkampfe auSsetzm, der die Leidenschaften von Neuem anfachen müßte. Auch bte beabfichtigte Reorganisation des Eiseubahvpersouals kann man nur gut heißen, wenn mau die jetzt in Italien herrschenden Verhältniffe im Eisenbahnbetriebe kennt, welche an Zuverlässigkeit Alles zu wünschen übrig lassen. Jedensalls kann es nicht schaden, wenn in das Beamtenheer der Geist der Ordnung und der Discipliu tiakehrt.
WaS die sonstigen Absichten Pelloux' betrifft, so hat derselbe Maßregeln zur Sanirung der Finanzen und zur Hebung der Volkswohlfahrt in Aussicht gestellt. An gutem Villen wird es dem Ministerium nicht fehlen, aber diese beiden Projecte laffen fich sehr schlecht mit einander in Einklang bringen, da die Besserung der socialen Verhältniffe der Bevölkerung große Ausgaben bedingt. Man muß abwarten, ib Pelloux den großen Aufgaben, welche seiner harren, ge-
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