Ausgabe 
10.6.1898 Erstes Blatt
 
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Paris, 8. Juni. Aus Manila wird gemeldet, daß der Gouverneur Augustt bereit- da- ganze Stadtgebiet preis« gegeben hat, ausgenommen nur einen Theil der Altstadt. Selbst wenn ein spanische- Ersatzgeschwader nach Manila unterweg- wäre, würde die Begegnung mit dem erwarteten amerikanischen Reservegeschwader, welche- für Dewry Munition bringen soll, die Capitulation Augusti- nicht verhindern können.

Madrid, 8. Juni. Privatdepeschen aus Havanna be­stätigen da- Bombardement von Santiago, ver­sichern jedoch, daß die Fort- nicht gelitten haben. Alle Batterien seien tntact.

Madrid, 8. Juni. Der Kriegsminister empfing eia Telegramm vom Gouverneur der Philippinen, welcher erklärt, daß die Lage unhaltbar sei und unverzüglich die Absendung von Hilfskräften fordert.

Madrid, 8. Juni. Nach einer Aeußerung de- Minister­präsidenten Sagasta soll der Landung-versnch der Amerikaner bei Santiago erfolglos geblieben sein. Oberst Aldra verhinderte an der Spitze eine- Bataillon- die von einigen amerikanischen Kreuzern zwischen Punta Cabrera und Santiago versuchte Landung von Truppen und zersprengte die Insurgenten, die sich etngefunden hatten, um die Landung zn begünstigen. Auf spanischer Sette find keine Verluste zu verzeichnen.

Madrid, 8. Juni. Von verschiedenen Setten wird be­stätigt, daß der spanische KreuzerReina Mercedes" im Hasen von Santiago in Grund gebohrt worden ist. Oberst Ordonez, der Erfinder des gleichnamigen Geschützes, ist schwer verwundet. An der Börse herrschte Baisie, weil die Regierung angeblich die Nachrichteu au- Havanna geheim hält.

Warschau, 18. Juni. Gestern richtete tu ganz Mittel- Rußland ein Orkan großen Schaden an. In Neßwtsch stürzten mehrere Häuser ein, wöbet neun Personen getödtet wurden. Dte Telegrapheu-Verbindungen zwischen Warschau und Moskau waren gestört.

Wahlbewegung.

* n. AuS dem Wahlkreis Friedberg-Büdiugeu, 7. Juni. Die Aussichten, am 16. Juni al- RetchStagsabgeord- ueter hier gewählt zu werden, find tn der letzten Zett für den seitherigen Vertreter, Grafen Ortola, der al-Eaudtdat der Nattoualliberalen und beS Bunde- der Landwtrthe wieder candidirt, günstiger geworden. Dte Wähler, die hier zum großen Theil Landwtrthe find, sagen sich wohl nicht mit Unrecht, daß dte Wahrung ihrer Interessen seither doch tu sehr guten Händen war. Wahrscheinlich wird Gras Ortola mit dem Eandtdaten der Socialdemokrateu tn dte Stich­wahl kommen.

Locales und provinzielles.

Gießen, 9. Juui 1898.

Parade. Wie wir ersahreu, ist die Zeit der Parade am 16. er., 1250 Nachmittags, deshalb gewählt, um dem Publikum und der Schuljugend Gelegenheit zu geben, der Parade beizuwohnen.

**cT Theater Beretu. Dilettauten-Dorstellung am Freitag den 10. Juui. Wenn ein Unternehmen von der Gunst der Allgemeinheit getragen wird, finden fich sehr oft über- eilige Freunde, bet denen der Wunsch der Barer de- Ge- dankens ist, oder aber auch Uebelgelaunte, die nicht mehr dte allerbesten Plätze erhalten konnten, die voreilig einAus- verkauft" verbreiten. Bet der morgen stattfindenden Dtlettauten-Vorstelluug können wtr ja einen recht lebhaften Btlletverkauf coustatiren, aber von ausverkauft ist bis jetzt keine Rede. Es find auf allen Rängen gute Plätze noch bet Challter zu haben, die wtr freilich am Freitag Abend ausverkauft wünschen. Im Anschluß hieran be­richten wir, daß am Freitag Abend nach dem zweiten Act eine größere Pause stattfinden wird, in welcher durstige Seelen und Kehlen zu ihrem Recht gelangen können.

* Die Steoographen-Gesellfchaft Gabelsberger feierte am SamStag ihr erstes Stiftungsfest mit einem Commers, an welchem außer den zahlreich erschienenen Mitgliedern auch einige Freunde der Stenographie theilnahmen. An­der Festrede de- Vorsitzenden ging hervor, daß die Gesell­schaft eine Reihe schöner Erfolge zu verzeichnen hat, und auf das erste Jahr stolz und freudig zurückblickeu kann. Erwähnt sei hier dte Grüadung zweier Vereine in Grün- berg und Ltch. Dte Mitgliederzahl hat fich von 7 bet der Gründung der Gesellschaft auf 26 gehoben. Am Sonn­tag wurde g meinsam m't dem Verein tn Ltch ein Ausflug nach Kloster Arnsburg unternommen, der tn fröhlichster Weise verlief. Gegen Abend vereinigte man fich nochmals im Holländ'schen Hofe, um dann mit dem letzten Zuge die Rückkehr auzutreten.

* BerkehrSuotiz. Zur Erleichterung des Besuches der tu der Zett vom 30. Juni bis 5. Juli d. I. tn Dresden stattfindeuden Wander-AuSstelluug der deutschen Land- wirthschafts-Gesellschaft haben alle in der Zeit vom 29. Juui dtS 5. Juli einschließlich auf den Stationen der preußischen und preußisch-hessischen StaatSeisenbahnen nach Dresden ge­lösten einfachen Personerzzg- und Schnellzug-Fahrkarten erster, zwetter und dritter Klaffe zur Rückfahrt nach der Abgangs­station bis einschließlich den 8 Juli Giltigkeit, wenn fie in der Ausstellung mit dem Stempel der deutschen Laudwirth- schaftS'Gesellschaft versehen werden. Die gleichzeitig mit einer dtrecten Fahrkarte nach Dresden zur Abstempelung tn der Ausstellung vorgclegten einfachen Personenzug. und Schnell- zug-Fahrkarten für eine anschließende vorgelegene Strecke gelten zur Rückfahrt nach der Abgangsstation ebenfalls bis rtnschlteßlich 8. Juli. Dte Rückfahrt muß bis zum 8. Juli Mitternachts beendet sein. Bei Benutzung von V-Zügen ist dte tarifmäßige PlatzkartengebÜhr zu entrichten.

Ausstellungen und Versammlungen. Die diesjährige Generalversammlug des LandeSgewerbeveretnS findet

vorauSfichtlich am 14. August in Butzbach statt. Am gleichen Tage wird dte Ausstellung von Zeichnungen und Schülerarbeiten der erweiterten Handwerkerschulen zu Gießen, Alsfeld, Bübingen, Friedberg und Nidda, sowie diejenige der oberhefftschen Handwerker- Sonntags-Zetchnenschulen in den Localitäten de- Schulhause» am Lahuthor eröffnet. Diese ZeichuenauSstellung wird am 29. August wieder geschloffen. Auch der Bteneuzüchterverein für Heffen hält seine Generalversammlung, verbunden mit einer Ausstellung von Gegenständen für dte Imkerei, am 22. August tn Butzbach ab. Mit der oberheffifcheu GewerbrauSstellung wird ferner etne Fisch-Ausstellung verbunden, sowie eiue Alter- thüwer- und Trachten-Ausstellung tu einem besonder» dazu errichteten oberhefftschen Bauernhaus veranstaltet. Wie man hört, sollen fich bereit» ca. 120 Aussteller für die iu der Zeit vom 11. August bis 7. September d. I. iu Butzbach stattfiadende oberhefftsche Gewerbe-Ausstellung äuge« meldet haben.

Schwurgericht.

W. Gießen, 9. Juni 1898.

Heute wurde unter dem Vorfitz des Herrn Landgericht»- rath Schmeckenbecher gegen den Tagelöhner Johann Ernst Bücking von Alsfeld wegen Urkundenfälschung und Betrug verhandelt. Dte Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, verthetdigt wird der Angeklagte von Justizrath Dr. Reatz. Der Angeklagte gesteht, wegen Körperverletzung mit 14 Tagen vorbestraft zu fein- er ist 44 Jahre alt, verheirathet und Vater von sechs Kindern. Der Thatbestand der Anklage ist der folgende: Bücking hat am 19. April d. I. bet der Bürgermeisterei Alsfeld einen Eintrag in das Sterberegtster bewirkt, wonach sein sechs Jahre alte» Kind verstorben sei, obgleich da» Kind weder krank noch gestorben war. Er soll diese falsche Beurkundung bewirkt haben ledig­lich um eiue Unterstützung zu den Begräbniskosten au» der Armenkaffe zu erhalten. Der Angeklagte gesteht dte That unumwunden zu, er will einen Theil de» erhaltenen Betrage» (ca. 4 Mark) in Schnaps angelegt haben. Der Zeuge, Bürgermetstereigehtlfe Bing, deponirt, daß der Angeklagte, als er am fraglichen Morgen auf dem Bureau er­schienen, um den Tod seiner Kindes anzumeldeo, voll­ständig nüchtern gewesen- er sei aber al» Trinker bekannt. Der Zeuge schildert den Vorgang der strafbaren Handlung wie thu dte Anklage anniwmt. Bürgermeister Arnold von Alsfeld bekundet, daß er am Morgen de» 19. April, al» er in da» Rathhau» gehen wollte, den An­geklagten getroffen, und daß dieser ihm mitgetheilt, sein sechsjährige» Töchterchen sei am Abend vorher plötzlich ge- storbeu, er wolle die» anmeldrn. Der Zeuge erkaudtgte fich, wa» dem Kinde gefehlt habe, worauf Bücking ihm mittheilte, das Kind sei an Diphthertti» gestorben. Der Zeuge ist daun mit dem Angeklagten tn da» Rarhhau» gegangen und hat al» Standesbeamter den Eintrag tn das Sterberegister gemacht, welchen Eintrag der Vater desselben auch mit seinem Namen unterschrieben hat. Hierauf bat Bücking den Bürgermeister Arnold, ihm doch einen Beitrag zu den Kosten der Beerdigung zu geben, was auch in Höhe von 8 Mk. durch Anweisung an dte Armenkaffe geschah.

Dte an dte Geschworenen gerichteten Schuldfragen find au» den §§ 271 und 272 wegen Urkundenfälschung resp. Be­trug formultrt. Eine weitere Frage geht dahin, ob beide strafbare Handlungen al» ein und dieselbe That anzusehen seien. Auf Veranlassung des Vertheidiger» wird noch die Frage wegen mildernder Umstände an dte Jury gerichtet.

Staatsanwalt Koch plaidirt auf Schuldig im Sinne der Anklage, ohne Zubilligung mildernder Umstände. Der Vertheidiger tritt dafür ein, daß dte Frage nach mildernden Umständen von den Geschworenen bejaht würde. Dte Ge­schworenen bejahten die Schuldfragen wegen Urkundenfälschung in idealer Concurrenz mit Betrug, ebenso dte Frage nach wildernden Umständen. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten.iu eine Gefäugoißstrafe vou einem Jahr zu ver- urtheileu.

Das Urtheil lautete dem Antrag de» Staatsanwalt» gemäß- dte erlittene Untersuchungshaft wurde dem Ange­klagten angerechnet.

Aus -er Zeit für -ie Zeit.

Vor 83 Jahren, am 10. Juni 1815, wurde zu Barm- iedt Mathias Friedrich Chemnitz geboren. Ec ist der Dichter des Liedes:Schleswig Holstein, meerumschlungen", dessen moralisch anfeuernde Macht sich nur mit der vergleichen läßt, die einst 1870/71 dieWacht am Rhein" auf die Gemüther ausübte. Er starb am 14. April 1870 in Altona.

Vermaischtes.

* Solingen, 7. Juni. Jo einem größeren Geschäfte wurde ein Regenschirm polizeilich beschlagnahmt, weil die betreffende Firma den im Fenster stehenden Schirm nicht herauSgeden wollte. Der Schirm war mit 98 Pfennig ausgezeichnet und erschien einem jungen Manne, der etwas von Schirmen kennt, so billig, daß er denselben zu erstehen beschloß. Gesagt, gethan, er ging zweimal tu den Laden, doch wurde ihm bedeutet, daß der Schirm, an welchem die Firma noch so und so viel zulege (im Einkauf kostet ein solches Exemplar 1,80 Mk) au- dem Schaufenster nicht herau-gegeben werde. Nachdem polizeiliche Hülse nicht» fruchtete, wurde der Schirm beschlagnahmt und mitgenommen. Die Sache, welche natürlich viel von sich reden macht, wird wohl ein gerichtliche» Nachspiel haben, da hier Vorspiegel­ungen falscher Thatsachen, bezw. unlauterer Wettbewerb in Frage kommen dürfte.

* Wegen Erbauung einer deutschen Wetterwarte io Gestalt eine» festen Thurme» auf dem Gipfel der Zug­spitze schweben zur Zeit Verhandlungen zwischen dem bayerischen EultuSministerium uod dem deutschen und öster­reichischen Alpenverein.

r Embarras de richesse. Au-Pari» wird unter» 30. Mai berichtet : Die vor eioigeo Tagen verstorbene Wittwe Meissonier», die der berühmte Maler mehrere Jahre vor seinem Tode geheirather hatte, hat dem Louvre-Museum die iu ihrem Besitze befiadlichen Gemälde, Aqaarelleo und Zeich- ouugeu testamentarisch vermacht. Frau Metffooter war eine begeisterte Bewundertv des Talents ihre» Gatten uod hütete oicht our deffeu küostlerischen Nachlaß mit der pietätvollsten Fürsorge, sondern kaufte überdies alle unter den Hammer gelangenden Werke de» Küi-stler» auf. Mit welch selbstloser und uneigennütziger Hingebung fie dem Andenken de» ver- storbeneu huldigte, kann mau au» derThatsache ersebeu, daß fie noch vor ganz kurzer Zeit ein Angebot von 800000 Fr»., da» ihr für dirBelagerung von Pari»" geboten wurde, auSschlug, um da» Bild dem Louvre-Museum zu erhalten. So lange Frau Meiffouier auS ihren eigeoeo Mitteln ihre Privatgallerie um eine Reihe von Gemälden ihre» Gatten bereicherte, konnte selbstverständlich Niemand dagegen Etwa»- eiuzuwendeu haben, zumal die Dame persönliches vermögen genug besaß, um fich diesen Luxu» zu gönnen. Ihr Broder,, ein angesehener und sehr reicher Pariser Notar, Mr. Besao-oo, ist schon vor einigen Jahreo gestorben, so daß Frau Meiffouier oicht für ihre Angehörigen zu sorgen brauchte. Anders ver- halteu sich aber die Dinge, wenn die ganze verlaffenschaft abgesehen von einigen Sculpturen oach MeissonierS Ent­würfen, die den Museen von Grenoble uod Lyon vermacht wurden dem Louvre-Museum einverleibt werden soll. Da» Luxembourg-Museum besitzt bereit» zwei der bedeutendsten Werke Meiffouier»,Solferino" und denLeser", die oach der vorgeschriebenen Frist voo zehn Jahren oach dem Tode deS Künstler» oach dem Louvre-Museum gebracht werden sollen, so daß bei aller Achtung für da» große Talent deS Maler» kein zwingender Grund vorliegt, einige Wände de» Louvre- Museum» mit Meiffonier'scheu Bildern zu behäugen. Eine strenge Auswahl wäre da um so dringender geboten, al» zwei Bilder Meiffouier» einaudr^t an technischer Durchführung und künstlerischer Auffaffung so gleichen wie ein Ei dem anderen.

. Von Jotereffe für den Kunstkenner, der fich an den Schätzen deS Louvre-Museum» nicht satt sehen kann, wäre also ei» Massenaufgebot Meissonier'scher Bilder keine»weg». lieber- dte» find die Räume deS Louvre-Museum» gegenwärtig schon dermalen überfüllt, daß beispielsweise der kürzlich eröffnete Saal mit Kunstgegenständen auS der Zeit Ludwig» XVL in einen ganz versteckten Winkel am äußersten Ende hinter den Sälen für Zeichnungen verlegt werden mußte. Zwei Meiffouier» reichen für da» Louvre-Museum vollständig hin, und Frau Meiffouier hätte sicherlich mehr sür deo Ruhm ihre» Gatten gethan, wenn sie deffeu Werke an die be­deutendsten Museen der Provinz vertheilt hätte, deren jedes stolz darauf gewesen wäre, ein Bild de» großen Maler» zu besitzen. Dte Verwaltung de» Louvre-Museum» wird durch da» Vermächtoiß der Frau Me ssonter tn große Verlegenheit gebracht werden, da fie e» nicht leicht ablehnen uvd nur not schwieriger unter den vorgeschriebeoen Bedingungen annehmen kann. Es wird fich zeigen, ob die Leiter de» Museums Diplomaten find und diese große Schwierigkeit umgehen werden.

* Der Tod des Alterthumsfotschers Prof. Klopfleisch itt Jena ruft folgende Erinnerung an einen lustigen Studenten- ulk wach. Der wissenschaftliche Eifer brachte Klopfleisch biswellen in komische Situationen. Er war aber ein so jovialer Herr, daß er sich stets liebenswürdig wieder heraus­sand. Eines Tages manches Jahr ist seitdem vergangen wurde ihm von einigen Studenten gemeldet, sie hätten in der Nähe der Stadt ein Hünengrab entdeckt; sie baten den Herrn Professor, es öffnen zu lassen. Natürlich ist Klopfleisch einverstanden. Für einen schönen Sommernach- mittag wurden Arbeiter mit Spitzhacke und Schaufel bestellt, Bekannte geladen; Studenten kommen in einer für ein Jenenser Sommersemester bei wissenschaftlichen Dingen un­gewohnt großen Zahl. Die Arbeit beginnt. Die Erdschicht wird abgeräumt, das' Geröll beseitigt. Die Sonne brennt heiß hernieder, die Arbeiter triefen vor Schweiß, die Auf­regung wächst von Minute zu Minute; hat doch Professor Klopfleisch wiederholt seiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß man es hier unzweifelhaft mit einer prähistorischen Grabstätte zu thun habe. Was wird das Ergebniß der Nach­grabungen sein? Welche neue Errungenschaften für die Alterthumswissenschaft werden sie bringen? Welches Museum wird die Funde in seine Hallen aufnehmen? Endlich be­rühren die Spitzhacken eine Platte von Schiefer, roh und unbehauen. Sie scheint über hohlem Raum zu liegen. Sorg­fältig werden die Ränder bloSgelegt, unter athemloser Spannung wird fie gehoben. Etwas Glänzendes wird da­runter sichtbar. Was ist es? Ein Arbeiter hebt das Kleinod mit vorsichtiger Hand und reicht es dem Professor. Und siehe da: ein funkelnagelneuer Deckelschoppen mit der Wid­mung:Julius Cäsar feinem lieben Klopfleisch I" Der so Beschenkte war indeß der Erste, der in stürmische Heiterkeit über diesen tollen Studentenulk mit einstimmte. Von späteren Nachgrabungen in der Nähe von Jena hat man nichts wieder gehört.

Sin weiblicher Rathsschreiber Wie derTauber bischofsheimer Arnlsverkünder" meldet, wurde iu Hohen- fiadt die ledige Karoline Herold vom Bezirksamt al» HilfsrathSschreiber verpflichtet. ES st die» der erste »eid­liche Rath»schreiber in Baden.

Tas alphabetische Musterweib. Ein gute» We'b soll sein: aamuthig, bescheiden, characterstark, kewüthig, ehrbar, fleißig, gefühlvoll, häuslich, ivnig, keusch, liebens­würdig, mitleidig, nachgiebig, ordnungsliebend, pflichttreu, quellfrisch, reinlich, sparsam, treu, ungekünstelt, verschwiegen, wirrh chastlich, xanlh ppevnnähnlich, zuverlässig.

Citerotar unO K«nft.

(Fine Festgabe jutn bevorstehenden zehnjährigen Regier ungS- jubiläum Sr. Majestät beB Kaiser-, dte daS Jntereffe aller monarchisch und patriotisch gesinnten Deutschen erwecken dürste, erschien soeben