1808
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ErfteS Blatt
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Anttr» und Anzeigeblatt für den Arris Gieren
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den M^enden $ofl erscheinenden Nummer bis Lorm. 10 Uhr.
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Kchnlstrntze Nr. 1.
aus dem Berzeichntß der dazu gehörigen Gegenstände gestrichen worden ist.
Berlin. 8. Juni. Die bereit« angekündigteu Berath- ungeu der ReichScommisstou sür Arbeiterstatistik werden am Montag den 27. d. Mt-. ihren Anfang nehmen. Den Borfitz wird der Unterstaat-seeretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten und Mitglied de« Bundesraths, Fleck, führen.
Berlin. 8.Juni. Ueber den Grundbesitz des fürstlichen HauseS Hoheuzolleru gibt ein soeben neu erschienenes „Handbuch der Fürstlich Hohenzolleruichen Hof- kammer-Verwaltuug" Auskunft. Hiernach beläuft fich dieser Grundbesitz in-gesammt auf 87 700 Hectar (16 Quadratmeilen). Davon liegen in Hohenzollern 15200 (über */r der Bodenfläche des Ländchens), in Brandenburg und Schlesien 22900, in Pommern und Posen 31200, in Böhmen und angrenzenden Theilen Niederbayern- 16 200, in Holland 1600, tu Baden und Württemberg 600 Hectar. Die Waldungen, die mit 67 2OO Hectar über drei Viertel deS gesammten Besitzes auSmachev, ergeben eine jährliche Hauptnutzung von 175000 Festmeter Holz. Die Fürstliche Verwaltung, zu der unter der Hofkammer in Sigmaringen 8 Rentämter und 26 Oberförstereieu gehören, zählt 234 Beamte. Der Fürst ist Patron von 85 katholischen, 11 evangelischen und 3 holländtsch-reformirten Pfarreien und von 56 Lehrerstelleu. An Größe deS Grundbesitzes dürften das HauS Hohenzollern in Süddeutfchland nur die Fürsten von Fürsteuberg und vielleicht die von Thuru und Taxis übertreffen.
— Eine geradezu fieberhafte Wahlthätig- kett entfaltet diesmal das unversöhnliche Dänenthuw Nord- schleSwtg». ES gilt, zunächst eine möglichst große Gesammt- stimmenzahl in allen drei Wahlkreisen aufzubringen, in denen daS däutschgefinnte Element in Betracht kommt, um damit auf „Europa" Eindruck zu machen. Sodann soll im Besonderen verhütet werden, daß tu dem nördlichen Wahlkreise Haderslebeu-Sonderburg, bisher eine sichere Domäne der Partei, dieser nicht zu sehr Abbruch durch die glücklich gewählte deutsche Condtdatur sowie durch den allerdings weniger in Betracht kommenden sozialdemokratischen Mitbewerb verursacht werde. Außerdem lockt die arge Zersplitterung der deutschen Parteien in dem ganz überwiegend deutschgefinnten Wahlkreise FlensburgApenrade zu einem Versuche, den dänischen Candidaten daselbst zur Stichwahl und, neben einem solchen verhältuißmäßigen Erfolge, womöglich zum Siege zu bringen. Eine dänische Wahlversammlung in NordschleSwtg
jagt die andere. Ja, die dänische Partei hält sogar die Zeit für gekommen, einen Vorstoß nach der Stadt Flensburg selber und weiter nach Süden zu unternehmen. Srtt 1890 hat man in Flensburg keine dänische Versammlung abgehalten. Jetzt hat dort nicht nur bereits eine solche stattgefunden, sondern es ist auch eine zweite größere angesetzt, die fich dadurch auszeichnet, daß tu derselben Vertreter deS eigentlichen nordschleswigschen Däuevthums erscheinen werden, während bisher nur die dort in der nationalen Zerstreuung ansässigen Agitatoren nebst örtlichem Anhang die Versammlungen zu Stande brachten. Außer dem Herausgeber von „FlenSborg Avis", Jeffeo, einem Ultra, deffen Blatt das denkbar Aergste an Verhetzung und Beschimpfung gegen das Deutfchthum zu leisten pflegt, werden drei bekannte ländliche Agitatoren aus den Kreisen Souderburg und Hadersleben erschetueu, außerdem da» AbgeordnereuhauS-Mitglied HauS Peter Hanffeu aus Apenrade, der mit seinem jüngst geleisteten feierlichen Treu-Eide sür den König von Preußen eine rücksichtslose Wühlthätigkeit gegen denselben zu vereinigen weiß und öffentlich daS Programm einer Ausbreitung des DänenthumS von Nordschleswig weiter nach Süden verkündet hat, wobei er an die Eider- oder mindestens an die Schletlinte denkt. Sein College Johannsen ist derzeit nur durch ein Fußletdeu verhindert, persönlich mitzuwirken. — Abgesehen von dem schließlichen Erfolge dieses Vorstoßes ist es bezeichnend genug, daß er überhaupt unternommen wird. Ein Gutes hat dieser Feldzug übrigens insofern, als er gegenüber den uamentltch auf deutfchfreifiuuiger Seite geglaubten Fabeln von dem Vorhandensein einer gemäßigt dänischen Strömung die Gemein- bürgschaft deS gesammten DänenthumS in NordschleSwtg und deffen AngriffScharacter darthur. Auch der Vertrauensseligste, der aus dem Gebühren der Johannsen und Hanffeu iu den Parlamenten auf deren Harmlosigkeit und Versöhnlichkeit schließen wollte, muß jetzt erkenuen, daß sie in Gemetnbürg- schäft mit den Vertretern der tollsten deutschfeindlichen Hetzereien in NordschleSwtg find, wie fie sich thatsächlich von deren Trägern bisher auch nur durch ein etwas größeres Maß von Vorsicht nach außen htu unterschieden haben, nicht in der Sache selber.
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Frankfurter Dries.
(Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
(Nachdruck verboten.)
ElectropoliS. — Anno dazumal. — Die Taxameter-Droschken. Gastspiele im Schauspielhause.
Dr. M. Noch lebhafr im Gedächtviß steht uu« jener Sommer, da das Bahnhofsviertel in Frankfurt vorübergehend in eine „ElectropoliS" umgeschaffen schien und schon die Jnfaffeu der abendlichen Ferozüge voll entzückten Erstaunens das buutfarbige Lichtbild in fich sogen, das in den Fluthen deS Mains wundersame R.flkxerscheiuungeu hervorzauberte. Auf die unmittelbaren StnneSwerkzeuge uud die Phantasie zugleich übt keine der moderneu Wtffenschaften eine so intensive Wirkung au« wie die Electrotechnik, deren Resultate im Großen und Kleinen den fetvfinnigrn Gelehrten ebenso befriedigen müffeu, wie fie dem Culturbarbaren tmpontren. Die sechste JahreS-Bersammlung des Verbände» deutscher Electrotechniker, die gleichzeitig mit dem Ehemiker-Eongreß zu Darmstadt tagte, ließ uuS wieder mit Geuugthuung auf die Arbeit der Männer blicken, die that- sächlich dazu beiget' rgen, daß wir iu einer „Lichtzeit" leben. DaS Drum und Dran kann fich vielleicht bei keinem Cougreß so abwechselungkreich gestalten al» bet einer Zusammenkunft von Männern, die ihre Wtffenschaft keineswegs entweihen, wenn fie fie in den Dienst artiger UnterhaltuugSküuste stellen uud, gleich dem Zauberer im Märchen, auf dunklem Grunde Sonnen und Sterne aufblitzeo laffeu.
Bet der electrotechnischeu Ausstellung hatte man Sorge getragen, daß auch die TheaterrepertotrrS einiger- maßen dem Eharacter derselben Rechnung trugen. Man gab damals im AuSstelluugsthrater das allegorisch; Ballet „Pandora" oder „Der göttliche Funke", — in der Oper
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Wien, 8. Juni. Der hier in Haft befindliche ungarische Socialtst Backanhi wird auf Ansucheu deS Budapester Gerichts wegen Hochverraths au Ungarn auSgeltrfert werden.
Grscheittt täglich mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Ma«itie«ötätter »erden dem Anzeiger »Schentltch viermal beigelegt.
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schlagen kann. Die Metropole übt jedenfalls eine starke Initiative auS. Mau sieht das an hundert Kleinigkeiten im BerkehrSlebev. Frankfurt hat jetzt auch schon seine „Taxameter-Droschken", die bet den verhältnißmäßig noch immer geringen Entfernungen iu Frankfurt ja freilich nie die Bedeutung erlangen können wie in einer Millionenstadt. Aber als wir zum ersten Male die wetßlackirten Hüte der Kutscher in der Nähe der Hauptbahnhofes erblickten, mußten wir unwillkürlich der 70er Jahre gedenken, wo Frank- furt noch durch seine schwersälligen, gelb augestrichenen Holzkasten, eiu Bermächtuiß aus der Thuru- und TaxiSschen Zett, von den Droschkeufuhrwerken anderer Städt etgenthümltch abstach. Damals wehrte man fich noch mit Macht gegen alle- von „außen" kommende Neue, mochte es noch so practtsch. sein. Heute kann man eS kaum schnell genug herbeiholeu!
Im Schausptel-Ensemble ist ein wichtiger Platz vacant geworden, der der jugendlichen Liebhaberin, wenn ander« diesen terminus technicus, welcher einer längst verklungenen Bühuenepoche angehört, in der Aera der Ibsen und Haupt- manu noch einen vernünftigen Sinn hat. Denn die Dame, welche den Rollenkreis von Frl. Land ort Übernimmt, hat noch viel mehr zu thun als „sentimental lieb zu haben". ES haben fich für das Fach eine Reihe von Aspiranten gemeldet. Die Proben find im „clasfischen" wie „modernen" Fach erfolgt. Frl. Land ort war keine Künstlerin, die unS in Schiller'schrn oder Goethe'schen Gestalten vertraut werden konnte, aber wenn sie z. B. in einem Stück wie Schnitzlers „Liebelei" auftrat, wußte fie uuS zu ergreifen bis ins innerste Herz hinein. Der Spielplan des Frankfurter Theater- umfaßt hauptsächlich die Werke der neuen Schule. Deshalb find für die dortigen Verhältniffe auch Kräfte noth- wendig, welche in erster Linie in diesem Stil Bescheid wiffe», und die Wahl der Intendanz wird fich auch dadurch bestimmen laffeu.
dir großartige Feerie „Excrlfior". Beides sollte dem Laten- Publikum die Bedeutung der Electrieität uud ihrer Wunder amüsant popularifiren. Für eine Versammlung von Fach- mäonern wäre jedoch ein solch elementarer AnschauungS- unterricht überflüsfig gewesen. Außerdem ist eS eine alte Sache, daß der Fachmann seinen „Beruf" nicht auch in der Kunst wiederfinden, vielmehr ihn in dieser auf Stunden ver- geffen möchte. Mau hatte sür die Theilnehmer au der Versammlung tu der Oper „A Lasso porto“ reservirt, ein musikalisches Drama, daS jedenfalls in feiner Wirkung als „electrifirend" bezeichnet werden kann.
In der Kunst find wir nachgerade auf dem Punkte angelaugt, daß wir nur der Wirkung Nachfragen uud uuS um die Mittel, durch welche fie erreicht wird, verhältuißmäßig wenig kümmern. Erst, wenn jene fich nicht einstelleu will, werden wir mißtrauisch gegen diese. So z.B., wenn „Anno dazumal" von Reultug unS weder kalt noch warm macht, erinnern wir uns, daß der Autor zwar sorgfältig alle In- gredteuzen der alten Frankfurter Localpoffe gesammelt hat, aber auf diesem combinatorischeu Wege doch keine neue Klangwirkung zu erzeugen vermochte. Die Tage find wohl längst vorüber, da die Autoren fich am Ziele eines sicheren Erfolges träumen konnten, wenn fie fich eine Anzahl guter Rollen und feiner Bühuenkuiffe auSgedacht hatten. Das „Reeept" thutS heute nicht mehr. Davon wüßten fich jetzt auch eine Birch- Pfeiffer uud ein Beuedix überzeugen. DaS Publikum ist seitdem gewiß nicht tiefer, wohl aber schwieriger geworden. SS firht zu viel, eS erlebt zu viel, um nicht schließlich auch voa den Vorgängen auf der Scene die Fülle der Eindrücke zu beanspruchen, die ihm jeder Tag eutgegenwirst, nur mit dem gewaltigen Unterschied, daß an den Autor vor Allem die Forderung gestellt wird, Einheit und Zusammenhang in daS bunte Chaos zu bringen.
DaS Frankfurter Theaterpubliknm fängt nachgerade au, fich am Berliner zu bilden. DaS ist vorläufig vielleicht noch ein Bortheil, der aber später auch in sein Gegeutheil um-
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Bekanntmachung.
Die Brücke über die Wieseck im Zug der Bismarck- straße (zwischen Südanlage und Löberstraße) ist wegen des bevorstehenden Umbaue- vou heute ab für Reiter und für Fuhrwerke aller Art bi- auf Weitere- gesperrt.
XGießen, den 9. Juni 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. __________________I. V.: Roth.__________________
Bekanntmachung.
Die am 30. April l. I. augeordnete Sperre dc. Wolkeu- gaffe wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 9. Juni 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
________I. V.: Roth.__________________
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Juni. Ueber Ktautfchou läßt fich ein englischer Berichterstatter wie folgt hören: Ich muß gestehen, daß der Platz unzählige Bortheile zur Entwickelung eine- großen und blühenden Hafen- bietet. Ohne Zweifel befitzt Kiautschou eine große Zukunft. TS ist Raum für alle Anlagen da. Sollte Kiautschou nicht emporblühen, so wäre einzig dem Mangel an Unternehmungsgeist der deutschen Kaufleute die Schuld beizumeffrn, nicht aber den örtlichen Verhältnissen. Ich wurde überall mit der größten Höflichkeit behandelt und durfte Tiuficht in Alles nehmen. Die Soldaten haben schwere Arbeit zu verrichten, da nur wenig Kuli- da find. Bom militärischen Gesichtspunkt auS betrachtet, wird Kiautschou musterhaft verwaltet.
Berlin, 8. Juni. Der „RetchSanzeiger" schreibt: DaS Staat-Ministerium hat beschloffen, an sämmtliche Reffortminister da- Ersuchen zu richten, .durch geeignete Anordnungen dafür Torge zu tragen, daß den Beamten ihrer Reffort- die Ausübung deS Wahlrecht- am Tage der Reichs- tagSwahl möglichst erleichtert werde.
Berlin, 8. Juni. Der „Reichsanzeiger" gibt heute amtlich bekannt, daß nach einem neuerdings ergangenen Decret bis auf Weiteres Schwefel von der spanischen Regierung nicht als Contrebande betrachtet wird und


