Es ergiebt sich aus diesem immerwährenden Fortschreiten der Technik in städtehygienischen Fragen für die Verwaltungen die unabweisbare Nothwendigkeit, sich dauernd über die wechselnden Anschauungen in allen diesen Fragen und ihre wissenschaftliche Begründung auf dem Laufenden zu erhalten, wollen sie sich anders nicht in die Lage versetzt sehen, den Schaden an dem Stadtsäckel zu verspüren. Nicht anders als mit den hier kurz angedeuteten Fragen verhält es sich aber mit den meisten anderen Gebieten, auf denen die städtische Verwaltungspolitik ihre Bethätigung findet. Wie tief ein. schneidend ist z. B. der fortwährende Wechsel gewesen, in dem sich das öffentliche Beleuchtungswesen in den letzten fünfzehn Jahren befunden hat. Der Kampf zwischen Gas und elektrischem Licht, in dem sich der Sieg bald auf die eine, bald auf die andere Seite neigen zu wollen schien und dessen Ausgang seit der Einführung der Auer 'schen Erfindung wieder sehr fraglich geworden ist, berührt ja nicht ausschließlich städtische Interessen. Aber auch auf diesem Gebiete, auf dem sich die städtische Gemeinschaft auch bei uns in Deutschland viel Terrain von der Privatspeculation hatte entreißen lassen, beginnt ja nach und nach eine gesundere Politik Boden zu gewinnen. Es erscheint uns nur noch eine Fra e der Zeit, daß die Versorgung mit Gas sowohl wie die Anlage von Electricitätswerkm zur Vertheilung von Licht und Kraft eine vorwiegend communale Angelegenheit sein wird und damit den Verwaltungen neue Aufgaben erwachsen, die sie zwingen, mit den Fortschritten der Technik in steter Fühlung zu bleiben.
Machen wir doch ganz allgemein — am interessantesten tritt diese Erscheinung im Augenblick in England hervor — die Beobachtung, daß in dem Maaße, wie die privaten Unternehmungen sich als unfähig erweisen, für die gewachsenen Bedürfnisse in ausreichender Weise zu sorgen, in dem Maaße, wie auf anderen Gebieten ihr die Interessen der Gesammtheit schädigender Einfluß deutlich zu Tage tritt, sich die Gemein- schäft zur Uebernahme der privaten Betriebe gezwungen sieht. Schritt für Schritt wird auch bei uns die private Unternehmung verdrängt; die Städte munizipalisiren der Reihe nach Gaswerke, Electricitätswerke, Straßenbahnen, Bäder rc. „Ausgestattet mit den durch die private Industrie entwickelten Productivkräften, den privaten Untern, hmern aber durch die Einheit des Planes und die Fülle ihrer Mittel überlegen, beherrscht die städtische Corporation siegreich das Feld der gemeindlichen Bedürfnißbefriedigung. "
Diese in das Gebiet des „Socialen" hinüberftihrende Bethätigung der Gemeinden eröffnet weitere Ausblicke auf ein Arbeitsfeld, auf dem die wichtigsten Aufgaben ihrer Mitwirkung noch harren. Während schon längst kein Mensch mehr im Zweifel ist, daß mit Rücksicht auf die Durchführung der bisher besprochenen großen hygienischen Ausgaben die Gemeinden nicht nur das Recht, sondern die Pflicht haben, zu Gunsten der Allgemeinheit selbst in „wohlerworbene" Rechte Privater einzugreifen, macht sich noch immer eine gewisse Scheu-bemerkbar, denselben Grundsatz auf ein anderes Gebiet zu Übertragen, auf dem, wie die Erfahrung lehrt, eine gründ« liche Sanirung ebenfalls nicht ohne ein energisches Zufassen der Gemeinde erreicht werden kann — auf das Gebiet der Wohnungsfrage der unbemittelten Volksklassen. Kein geringerer als Baumeister hat den städtischen Verwaltungen das letzte Ziel gesteckt, auf das eine gesunde Communalpolitik unabweisbar hmdeulet: die Ueberführung eines möglichst großen Theils des Stadterweiterungsgebietes aus dem Privatbesitz in das Eigenthum der Gemeinde. „Ich würde es von Herzen begrüßen", sagt Baumeister in seinem Referat in der Würzburger Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, „ja manchen Orts für das einzige richtige sociale Heilmittel halten, wenn eine Stadt- gemeinde sich freihändig oder durch Enteignung in den Besitz weiter Geländeflächen setzt. Um in dieser Art eine Stadt- erweiterung von großen Gesichtspunkten aus zu betrachten, bedarf es natürlich weiser Volaussicht und großer Geldmittel, aber als Aeguivalent dazu nimmt dann die Gemeinde Theil an der allgemeinen Werthsteigerung des Geländes, welche nun allerdings nicht mehr eine schwindelhafte sein soll." Und in ganz demselben Sinne äußert sich AdickcS bei dem gleichen Anlaß: „Ebenso bekannt ist es auch, daß......
। die zum Theil so elenden Wohnungsverhältnisse, insbesondere | gerade in den neuen Stadttheilen, auch in nichtsocialistischen ■ Kreisen vielfach die Anschauung erweckt haben, daß das Prioateigenthum am Grund und Boden besonders in der Nähe der großen Städte sich als unverträglich mit einer gesunden und, sorialpolitisch angesehen, durchaus nothwendigen besseren Gestaltung der Wohnungsoerhältnisse erwiesen habe uns daß daher, unter Abschaffung dieses privaten Grund- eigenthums, die öffentliche Gewalt den Grund und Boden unmittelbar in Verwaltung zu nehmen habe."
Alles drängt darauf hin, daß die Gemeinden, nachdem sie sich den anderen großen, ihnen durch den Kampf mit Elend und Seuchen aufgedrungenen Aufgaben in so hervorragendem Maaße gewachsen gezeigt haben, nun auch vor der Inangriffnahme dieser letzten, größten nicht zurückschrecken. Die Fragen der Revision der Bauordnungen, der zweckmäßigen Gestaltung der Stadterweiterungspläne, der gesetzlichen Rege- lung der Zonenenteignung — sie werden ebensowenig wieder von der Tagesordnung verschwinden, wie dereinst die Forderung der Reinhaltung des Grund und Bodens und der ausgiebigen Versorgung der Städte mit reinem und gesundem Wasser von der Tagesordnung verschwunden ist, nachdem sich die öffentliche Meinung einmal zu ihren Gunsten entschieden hatte. Freilich sind die Unterftrömungen, die es hier noch zu überwinden gilt, unendlich viel mächtigere, aber kaum mächtiger als jene, die sich der Beseitigung der einträglichen Monopole und Privilegien der englischen Wasserwerksgesellschaften und Gasgesellschaften entgegengestellt haben und die dennoch beseitigt find, nachdem sich die öffentliche Meinung einmal von ihrer Schädlichkett überzeugt hatte. Es fehlt nicht an Anzeichen, daß auch in diesen Fragen die Stadtverwaltungen sich ihrer Pflichten bewußt zu werden beginnen.
* Da» 500jahrige Bestehen feiert Anfangs August die Gchützengesellschaft in Cron berg i. T. Ein Ladebrief vom 6. September 1398, der im Original am Stadtarchiv zu Frankfurt a. M. aufbewahrt ist, liefert den Nachweis und andere Urkunden und Aafzetchnungen beweisen die Existenz durch alle Jahrhunderte. Leonberg rüstet sich, ein möglichst glanzvolles Fest zu feiern. Ein große» Preisschießen um werthvolle Preise von hohen und höchsten Herrschaften wird Schützen aus allen Thetlen unseres Vaterlandes zusammenführen.
* Der kolossale Aufschwung der Fahrradiudnstrie wird durch folgende Zahlen veranschaulicht, die wir einer Mit- theilung de« Internationalen PateutbureauS Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, entnehmen, und die fich auf die Vereinigten Staaten beziehen. — Noch im Jahre 1885 lag dieser Industriezweig ganz in seinen Anfängen. 1890 exlsttrten 17 Fabriken, die etwa 40 000 Räder jährlich fabricirten. Im Jahre 1895 bestanden 500 Fabriken, die 600000 Maschinen fertig stellten und jetzt existiren rund 700 Fabriken, die fich mit dem Fahrradbau befassen und die ein Capital von Über 80 Millionen Mark repräsenttren. Die Production im letzten Jahre wurde auf l1/* Millionen Räder geschätzt. — Etwa 150000 Personen verdienen durch die Fahrradtudnstrie ihren Lebensunterhalt, sei e» bei der Herstellung, sei el beim Vertrieb der fertigen Räder.
* Geschenk für die Szaria. Minister Hanotaux hatte nach dem Besuch einer GewerbeauSstellung dem Zeichner Felix Aubert, dessen neue Muster in Spitzen und Seidenstoffen ihm besonders gefielen, den Auftrag gegeben, eine Schärpe aufl buntfarbigen Chantilly-Spitzen anzufertigen. Diese Schärpe ist nun fertiggestellt worden und ein hervorragendes Kunstwerk der neuesten Mode. Sie wird der Kaiserin von Rußland zu ihrem Geburtstage am 6. Juni zum Geschenk Übersandt werden. Von der Pracht diese» Schmuckstücke» kann man sich keine Vorstellung machen, wenn man eß nicht gesehen hat. Und so begibt fich da» elegante Part» nach der Ausstellung der „Modernen" in der Rue Caumarttn, um dte kostbare Schärpe zu bewundern, bevor sie nach Petersburg geschickt wird.
* Die sibirische Bahn — ein Muster für die Eisenbahnen bei Contiveats! Rußland hat in Bezug auf bequeme, prächtige
und gesunde Einrichtung der Eisenbahnwagen de» sibirischen Schnellzuge» Alle» übertroffen, waS bisher in dieser Art in Europa geleistet worden ist. Die Wagen 1. und 2. Klaffe diese» zwei Mal monatlich zwischen Petersburg und Tomsk verkehrenden ZugeS find für einen sechSiäzigen Aufenthalt eingerichtet. Die S tze taffen Nicht- zu wünschen übrig; jede der viersitzigen Sbtheilungen hat elektrische Beleuchtung- der Zug enthält ferner RestaurationSwageo, eine Bibliothek und ein Bad. Für den Durchzug der Lust ist auf doppelte Art gesorgt. Schließlich seien noch die gymnastischen Apparate erwähnt, deren Gebrauch während der zechStägigen Fahrt manchem Reisenden geradezu Bedürfntß werden wird. Sech» Tage Schnellzugfahrt durch ein Land, dessen kann sich kein andere» rühmen! Und dabei beträgt die Strecke bi» Tom»k nur die Hälfte der ganzen Fahrt Petersburg- Wladiwostok. E» scheint also, daß die Reise durch Sibirien später in etwa zehn Tagen und unter ganz annehmbaren Bedingungen vor fich gehen wird.
• Die Wiege. Herr Beierletn wird von seiner jungen Frau mit der freudigen Mittheilung überrascht, daß es nun Zeit fei, für eine Wiege zu sorgen. „Schön," meinte Beierlein, „ich will sofort zum Tischlermeister Faber gehen." Der Ti'chlermeifter verspricht auch, die Wiege binnen drei Wochen zu liefern, worauf ihm Beierlein al» Anzahlung ein Zwanzigmarkstück in die Hand drückt. Nach Ablauf der drei Wochen ist der ersehnte Stammhalter eingetroffen, aber nicht die Wiege. Beierlein spricht wieder bei dem Meister vor und ersucht ihn, die Wiege doch recht bald zu schicken. „Ach ja, die Wiege," ruft Faber, fich vor den Kopf schlagend. „Nicht» vor ungut, Sie sollen die W'ege bald haben." Wieder vergehen einige Wochen, ohne daß Faber sein Versprechen erfüllt. Beierlein erinnert ihn deshalb nochmals an die Wiege. „Ach, Donnerwetter, die Wiege'" erklärt der Tischler. „Daran hatte ich ganz vergeffen. In spätesten» drei Tagen ist die Wiege fertig." Es vergehen wieder drei Tage, e» vergehen drei Wochen, drei Monate- die Wiege ist immer noch nicht da. Beierlein vergißt allmählich den Tischlermeister und die 20 Mk. Der Junge wächst ohne Wiege heran und entw'ckelt fich zur Freude seiner Eltern zu einem strammen Bürschchen. Erst nach langen Jahren, nachdem der Sohn fich bereit» selbst einen eigenen Hausstand gegründet, tritt wieder die Noth- wendigkeit ein, für den Enkel de» alten Beierlein eine Wiege zu beschaffen. „Halt!" meint der Alte, „da fällt mir ein, daß ich vor 25 Jahren dem Tischlermeister Faber 20 Mk. auf eine Wiege gezahlt habe. Die Wiege habe ich bis heute noch nicht bekommen. Faber muß sie jetzt endlich liefern!" Der junge Beierlein begibt fich nun zu dem Tischlermeister und verlangt die umgehende Lieferung der Wiege. „Weiß schon, weiß schon," erwidert Faber, „die Wiege, die Ihr Vater bestellt hat. Die hätten Sie auch so bald bekommen. Ich will Ihnen was sagen: Hier haben Sie die 20 Mk. zurück. Drängen (affe ich mich nicht!"
• In Pari» hat man neuerdings ernstlich in Erwägung gezogen, ob man die öffentlichen Krankenhäuser nicht an da» Te l ephonuetz anschließen solle und zwar derartig, daß den Kranken der mündliche Verkehr mit ihren Angehörigen ermöglicht wird. Die Apparate sollen so an den Betten angebracht werden, daß sie den Patienten ohne große Mühe zugänglich find. Eine Vorrichtung soll auch ermöglichen, die telephonische Verbindung der Kranken mit einem Theater ober Concertsaal herzustellen. (Mittheilung de» Internationalen PateutbureauS Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6.)
• Ja der Bibliothek der Stadt Btellan befanden sich verschiedene alte Manuskripte aus dem 16. Jahrhundert, öie durch die Jahre und durch Feuchtigkeit ganz unleserlich geworden und fast vollständig verblaßt waren. Man wendete fich um Rath an daS chemische Laboratorium der Universität. Dieses stellte nun, so schreibt un» da» Internationale Patevt- bureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6), fest, daß, wie anzunehmen, Galläpfeltinte zum Schreiben gedient hatte. S» wurden nun also die Manuskripte mit einer einprocentigen alkoholischen Lösung von Gerbsäure überstrichen, worauf bte Schriftzüge wieder ziemlich deutlich fichtbar wurden. Eine nachträgliche Behandlung von Ammontumsulphit gab ihnen dann noch ihre ganze Schärfe zurück.
aber daß es gerade dieses Mädchen sein mußte, das zu heiratheu der Junge so versessen ist. das geht ihm doch gegen den Strich und er hat seine ganz bestimmten Gründe dazu, die er dem Dagobert gar nickt mittheilen kann. —
Da klopfte es. aber nicht zaghaft und bescheiden, wie es der Wirthschafterin zur Gewohnheit geworden, sondern frisch und laut.
„Herein!" schreit der SanitätLrath schon im Voraus in Kampfesftimmung, wer aber beschreibt seine geradezu fassungslose Wuth. al» die Thür aufgeht und Ruth Rehof auf der Schwelle steht.
Zargov ist zu starr, zu überrascht, sonst würde er dem Eindringling wohl ein donnerndes „Hinaus!" zurufen. So stehen sie sich nur stumm Auge in Auge gegenüber. Aber Ruth verliert keine lange Zett damit, sie ist ja hierhergekommen, den Despoten zu überrumpeln, da gilt es also schnell zu handeln
Sie sieht bildhübsch aus in ihrem rothen Tuchkleid, al» sie sich jetzt entschlossen dem Hausherrn nähert.
„Herr Sanitätsrath, Sie werden mir mein Eindringen verzeihen müssen — ich mußte Sie sprechen."
Jetzt kommt Leben in die riesige Gestalt des Mannes.
„Wer hat Sie hereingelassen?" schreit er wuthschnaubend, zugleich den Versuch machend, zur Thür zu gehen und dm Diener herbeizurufen, doch schnell vertritt ihm Ruth den Weg. -
„Verzeihung, Herr Sanitätsrath," sagt sie, „daran trage nur ich allein die Schuld! Ich habe mir mittelst einer Lift den Zutritt zu Ihnen verschafft!"
Zargoö kreuzte die Arme über der mächtigen Brust. |
„So, also durch eine List! Und darauf scheinen Sie noch stolz zu sein, mein Fräulein!" sagte er grimmig.
Wieder stiehlt sich das bewußte Grübchen in Ruth- linke Wange.
Er aber fährt auf. Ruth steht dicht vor ihm.
„Machen wir es kurz/' sagt sie herb, „ich denke, uns beiden liegt nicht an einem langen Beisammensein!"
„Sie sind ja sehr keck," sagt Zargoö trocken und bissig
Doch Ruth nickt beipflichtend: »Gewiß, wozu sollten wir uns noch etwas vorlügen!" meint sie kühl, „doch zur Sache; Sie verweigern J/rem Neffen bte Zustimmung zu seiner Verlobung mir mir und wollen ihn mit einer Reichen vermählen ?"
„Allerdings!"
„Wissen Sie auch, daß ich die wahren Gründe Ihrer Weigerung kenne?' fragt sie ein wenig lauernd.
Der Sanikätsrath fährt auf, feine Augen schießen Blitze, aber das Mädchen weicht keinen Schritt zurück vor diesem dräuenden Augenwetter. Im Gegentheil, noch dichter tritt sie an den Zornigen heran.
„Es ist Ihnen nicht genug/' sagt sie mit bebender Stimme, , daß Sie einst meine Mutter betrogen und unglücklich gemacht haben, auch ich soll unglücklich werden!"
„Oho, Sie kleiner Satan!" droht Zargoö, woher haben Sie denn die Weisheit? Lächerlich hat mich einst Ihre Frau Mutter gemacht vor der ganzen Gesellschaft. Sie haben sich einen schlechten Tag gewählt, mein Fräulein, gerade heute sind cS zwanzig Jahre, al» mir Leontine, wollte sagen Ihre Mutter, ein ganze» Dutzend ausgepustete Eier hinterrücks an die Rockschöße geheftet und mich so als wandelnden Oster
| Hasen durch die ganze Stadt heimgeschickt hatte, mit Schtmpf i und Schande überhäuft, zum Gespött der Leute geworden, ! sollte ich ihr vergeben und noch mich mit ihr verloben? Nimmermehr!"
„Und Sie können einen so harmlosen Scherz wirklich zeitlebens Nachträgen?" fragt Ruth weicher. In Zargoö» Gesicht zuckt es.
„Was wissen Sie davon, wie mich da» damals geschmerzt hat!" grollt er, „Satanella habe ich Ihre Mutter damals getauft."
„Und heute, wo die Mutter tot ist," vollendet Ruth schalkhaft, „haben Sie den Spitznamen auf mich übertragen! Wenn ich Sie nun aber für die Todte um Verzeihung bitte, werden Sie mir dann auch noch zürnens"
Lange sieht der SanitätSrath dem Mädchen in die hütenden Augen, endlich geht es doch wie ein mildere» Leuchten über feine strengen Züge. Ist es nicht, als ob die Todte selbst vor ihm stünde? Entschlossen reicht er Ruth die Hand.
„Gut, Sie schwarze Hexe, ich bin im Grunde ja kein Unmensch! Hätte Ihre Mutter sich damals nur zu einer Abbitte verstanden — ich wäre jetzt vielleicht Ihr Vater!"
Ruth erröthet, doch sie schlägt tapfer in die bargebotene Hand ein.
„Ich verspreche, Ihnen auch keine ausgeblasenen Eier an bie Rockschöße zu heften!" meint sie schalkhaft.
Da schmunzelt der Alte ganz leicht. „Ein Satanellachen bist und bleibst Du doch. Mädel! Doch nun en avant zu Deinem Dagobert!"
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