empfehlen, die Billet» hierzu Vorau» zu bestellen, da der Zudranq zu dem Concert voraussichtlich sehr stark fein wird.
* • 22. Lahulhal-SäugerduudeSfest zu Marburg. Am Mootag Abeod halten sich auf Anregung der beiden fest« gebenden Vereine „Liedertafel" und „Liederkranz" die Vertreter der Marburger Vereine in stattlicher Anzahl im Restaurant Seebode etngefunden, um den Festausschuß zu bilden für da» am 9., 10. und 11. Juli in Marburg statifindeude Lahnthal-SängerbundeSfeft. Der Hauptfestauöschuß besteht au» folgenden Herren: 1. Vorsitzender: Bicebürgermetster Ttebert, 2. Vorsitzender: LandgerichtSrath Gleim, Lehrer Dör- becker, Hauptlehrer Schneider, C. Diehl, R. Hof, L. Müller, A. Blencke, F. W'nrersteiv, V. Schneider und Ph. Seebinger.
** Einen kolossalen Auflauf verursachte gestern Abend nach 6 Uhr die auf Antrag de» Bertheidtger» erfolgte Besichtigung derjenigen Stellen, an denen Inder letzten Zeit diejenigen Brände stattfanden, wegen deren der Weißbinder Keil angeklagt ist. Der gesamwte Gerichtshof, die Geschworenen, der Bertheidiger und schließlich auch der Angeklagte, begleitet von Gendarmen und Schutzleuten, erschienen zuerst an der Huhu'scheu Hofraithe am Tiefenweg, dann am Lotz'schen Hause, hierauf tu der Löber'schen Hofraithe, in den alten Ställen und nahmen dann ihren Weg durch die Rittergasie nach der Dreihäusergaffe, wo überall die zum Berständniß der Geschworenen nöthige Erklärung gkgeben wurde. Bet all diesen Vorgängen trug der Angeklagte dieselbe Unbefangenheit zur Schau, mit der er sich auch auf der Anklagebank benimmt.
* • Meldekarten fiad jetzt den Lokomotivführern der preußischen Staatsbahnen zugestellt worden, auf denen sie alle auf der Fahrt bemerkten Unregelmäßigkeiten dem nächst erreichbaren StationSbeamten ungesäumt witzutheilen haben. Die mit Vordruck versehenen Karten lasten sich in reuigen Sekunden Herstellen- sie gehen nach Beseitigung der Unregelmäßigkeit von den Bahnmeistern an die Vorgesetzte BelriebSinipection.
• • Die Geltungsdauer der gewöhnlichen Rückfahrkarten von sonst kürzerer Dauer ist zu dem Oster-, Pflügst- und WeihnachtSsest auf den Strecken der Preußischen- Großherzoglich hessischen Eisenbahnen und der Main-Neckar« Bahn bi» auf Weitere» wie folgt festgesetzt worden: 1. Zu de« Osterfeste von einschließlich dem 12. Tage vor bi» zu be” 12- Tage einschließlich nach dem ersten F-Iertage (für 1898 vom 29. März bi» einschließlich 22. April)- 2. zu dem Pficigftfeste von einschließlich dem 3. Tage vor bi» zu dem 8. Tage einschließlich nach dem ersten Feiertage (für 1898 vom 26. Mai bis einschließlich 6. Juni),- 3. zu dem WeihnachtSfeste von riaschließlich dem 7. Tage vor bi» zu dem 14. Tage einschließlich nach dem ersten Feiertage (vom 18. Decrmbrr 1898 bi» einschließlich 8. Januar 1899.) Diejenigen fremden Eisenbahn Verwaltungen, welche sich im unmittelbaren Personenverkehr der für die Preußischen Staat»- Eisenbahnen angeordneten Vergünstigung onschlteßen, werden durch AuShang auf den Bahnhöfen bekannt gemacht.
△ AuS Rheinhessen, 8. März. (Bor 50 Jahren.) Durch Oie Erinnerungen, welche gegenwärtig anläßlich de« Ablaufe» eine» halben Jahrhundert» von vielen Blättern über da« sturmbewegte Jahr 1848 veröffentlicht werden, treten auch die großen Folgen und gerichtlichen Nachspiele wieder in das Gedächintß, welche den activen Theilnehmern an der damaligen politischen Bewegung nachträglich erwachsen sind. Bekanntlich nahm die Bevölkerung der Provinz Rheinhessen, in welcher theilwetse noch französische» Recht bestand, be« sonder» lebhaften Antheil an der Volkserhebung und rekrmirten sich die Thetlnehmer au» allen Bevölkerungsklaffen, sowohl au» den Städten, wie auch vom flachen Land. Um so weit» fragender waren nachher die Folgen in der ganzen Provinz. Die meisten Führer der Bewegung — darunter Dr. Ludwig Bamberger — hatten sich, nachdem sie ihre Sache für ver- loren gesehen, geflüchtet, und gegen die Zurückgebliebenen begann nunmehr ein gerichtliche« Verfahren, das nachträglich größere Dimensionen annahm und immer weitere Kreise in sich zog. Nach Abschluß der sich bi« Ende Februar 1850 hinztehenden Voruntersuchung wurde am 1. März genannten 3"h*e« »egen 143 Personen Anklage wegen Aufruhr sowie wegen Hoch« und Laudesverrath erhoben. Bon diesen Angeklagten flüchtete sich ein großer Theil in da» Ausland, gegen eine weitere Anzahl wurde vor Beginn de« ^aaonerJ^iTen6 bie Anklage zurückgezogen, so daß bei der am 22. Mai 1850 vor dem Mainzer Affisenhof gegen die Hochverräther begonnenen Verhandlung in-grsammt nur 40 Personen auf der Anklagebank erschienen find, die sämmt« lich freigesprochen wurden, aber theilwetse bi» zu einem Jahr iu Untersuchungshaft zugebracht hatten. Neben Geschäft«, teuren und Landwirthen befanden sich unter den an der Be. wegung Bcthetligten und nachher gerichtlich verfolgten Personen, von denen 30 aus Mainz und 55 au» Worms oT”1«“/ 3 Abgeordnete, 4 Aerzte, 6 GerichtSacceffiften, i 1 VfanCT' 1 Notar, 1 Lehrer, 1 Geometer,
r Mischer Prediger und 1 Hauptmann a. D. Von bekannteren oA^nC"«|ete? Don dm damaligen Angeklagten erwähnt: Ludwig Bamberger, die Abgeordneten Lehne und Zitz, der nachmaltge belgische Consul in Amerika, Schriftsteller Schürtz, die beiden Oberbürgermeister von Mainz, Dr. OcchSner und
der Bürgermeister Ederstadt von öoimfl und die Schriftstellerin Kathinka Zitz, geborene Halein._______________
Schwurgericht.
W. Gießen, 8. März 1898. (Fortsetzung der Verhandlung gegen den Weißbinder Karl Keil von Gießen wegen Brandstiftung.)
Der erste Zeuge, DrechUermeister Schäfer, Nachbar be» Kaufmann» Arnold, bemerkte in der Nacht vom 20. bis 21. November v. I». zwischen 2 und 3 Uhr unter einem Schuppen der Arnold'schen Hofraithe Feuer, er machte Lärm, so daß von Gasten der nebenan gelegenen Felfing'schen Wirthschaft die brennenden Kisten und Kö-be abgelöscht und
so größere» Unglück verhütet werden konnte. Einen Menschen und besonders den Angeklagten hat der Zeuge Schäfer, al» er den Brand wahrnahm, nicht dabei bemerkt. — Zeuge Peter Schäfer, Knecht bei Oeconom Cost, schlief im Stall- gebäude der Winn'schen Hofraithe- er wurde NacbrS wach | unb bemerkte, daß ein Butzen Stroh, der in einem Loche de» Stalles steckte, brannte. Der brennende Butzen fiel herunter und wurde unter Beihülfe von Mitknechten sofort abgelöscht. Der Stall war von vier Menschen bewohnt, enthielt leicht brennbare Stoffe in Menge und wäre unzweifelhaft nieder« gebrannt, wenn der Brand nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre. Der Zeuge erklärt, der Strohbusch sei von außen in Brand gesetzt worden. — Der Gerichtshof beschließt richterlichen Augenschein an den Brandstellen. Der Vorsitzende ist beauftragt, die Geschworenen Nachmittag» um 6 Uhr an Ort und Stelle zu führen. — Der Zeuge Friedrich Cost ID. schildert den Brand in der Winn'schen Hofraithe. Während man noch beim Löschen war, ertönte Feuerruf von der Hofraithe de» Kaufmann» Arnold, den alten Ställen. — Der Milchkutscher Vogel, bei Gutsbesitzer Schiente, war am 20. November Abend» bis 1 Uhr mit dem Angeklagten in der Mhl'schen Wirthschast und dann noch 3/< Stunden in der Ferber'schen Wirthschast gewesen und sei Keil, soweit er wiffe, noch dort geblieben. — Kaufmann Heinrich Arnold macht Aussagen über den Brand in seinem Schuppen. Verbrannt sei einPackkorb mit Holzwolle. Ausgefallen sei ihm, daß der Korb nicht an der Stelle sich befunden, und weiter, daß um die Zett, wo der Vater des Angeklagten bet ihm gearbeitet, er an derselben Stelle schon einmal die Entdeckung der Brandstiftung gemacht und Anzeige erstattet habe. — Der Restaurateur Felstng bezeugt, daß er den Arnold'schen Brand um ^2 Uhr Nachts entdeckt und sofort gelöscht hat. Ihm fiel auf, daß der Hand- karren be» Arnolb, bet sonst stets an ber Sette stehe, bte Straße quer sperrte. Der Zeuge hat den Keil am Abenb de» Brandes zufällig um 8 Uhr an seiner Wirthschaft vorbei gehen sehen. — Der Oeconom Co st sen. bekundet da» Gleiche wie sein Sohn. Auch dieser hat den Feuerruf von Arnold her gehört. — Der frühere Dienstknecht CostS, Heinrich Fleischer, berichtet über daS Feuer in der Winn'schen Host ratthe,- er weiß auch nur dasselbe zu bekunden, wie fein Mit- knecht. Der Zeuge kennt den Angeklagten und weint auf Befragen de» Vorsitzenden, daS Urtheil der Leute ging dahin, daß Keil der Brandstifter gewesen. — Der Lohnkutscher Wilhelm Huhn erzählt, wie er in der Nacht vom 21, zum 22. November vom Schutzmann Kimmel geweckt worden mit ber Mittheilung, sein Wagen brenne- er habe bie» erst utcht geglaubt, sei bann aber nufgestanbeu unb da habe fein bester Wagen gebrannt. Der Wagen stand neben feinem Hause auf dem Hofe, dessen Thor offen stand. Wäre da» Feuer nicht gelöscht worden, dann war die Hosraiche in Gefahr, niederzubrennen. — Der Backer Kumps bemerkt, er sei mit dem Angeklagten am fraglichen SamStag sowohl wie am kommenden Tage darauf Abend« gemeinsam mit Vogel zusammen gewesen. Um 1 U?r Nacht« ist ber Zeuge bem Angeklagten abermals begegnet. Keil wollte nach ber Pulver- wühle, von wo der Zeuge eben kam. Man ging bann in bie Ferber'sche Wirthschaft, wo e» eine Rauferei gab, an ber Keil sich beteiligte. Als ber Zeuge mit Keil um 2 Uhr bie Ferber'sche Wirthschaft verließ unb sich von biefem trennte, war bie Wirthschaft leer und würbe geschloffen. — Der Getreidekutscher Philipp Schneider war am Sonntag Abend mit dem Zeugen Rampst auf der Pulvermühle und hat eben- fall» den Keil am Neustädter Thor getroffen, als dieser die Mtttheilung erhielt, baß bie Pulvermühle geschloffen. Der Bruber be« Vorzeugen war am Sonntag Abenb bi» 2 Uhr bei Ferber- er bat mit Keil die Wirthschaft verlaffen. Man schlug den Weg über den Tiefen Weg nach der KaplanSgaffe ein. Als sie an ber Huhn'ichen Hofraithe vorbei gingen, j staub da« Hofthor offen, unb der Zeuge sagte zu Keil, auf bie im Huhu'scheu Hof ftehenben Chaisen beutend, da kann man gut „platt machen" (schlafen). Keil hat bie Antwort gegeben, ber Hof fei sehr lang. Der Zeuge verabschiebete sich von Keil an ber Bahnhofstraße, um in feine Wohnung nach ber KaplanSgaffe zu kommen. Keil sagte, er gehe auch nach Hause. Der Zeuge sah ihn bie Bahnhofstraße nach ber Marktstraße zu gehen. — Frau MinnaDeckmann wohnte zur Zeit in ber Winn'schen Hofraithe, al- ber Branb pasfirte. Die Zeugin hat ben Schein gesehen unb daS Fenster geöffnet, einen Menschen in ber Figur be« Keil, ben bie Zeugin kennt, durch bie Hofraithe nach ber Neuftabt zu springen sehen. Ihr Mann habe biefelbc Wahrnehmung gemacht. — Keil bleibt dabei, ferne frühere Angabe sei wahr, bie Zeugin habe ihm zuerst Mtttheilung von ben ©rauben bei Arnolb unb in der Winn'schen Hofraithe gemacht. Die Frau bleibt bei ihrer Aussage, sie sei am betr. Sonntag am Tage nicht aus ber Wohnung gewesen. — Der Ehemann Deckmann ist am SamStag Abenb nach Hause gekommen, da sei ber Schutz« mann Kimmel vor ber Winn'schen Hofraithe, auS bem Tiefen Weg kommenb, auf ihn zugetreten und habe ihn gefragt, ob er Keil nicht gesehen. Er habe die Frage verneint und sich nun der Schutzmannschaft angeschloffen, um ben Keil zu suchen. — Der Schutzmann Kimmel deponirt, er habe ben Angeklagten gesehen, al» dieser fich am Abend, al» er sich von Schneider, I der bie KoplanSgaffr herunterging, verabschiedet hatte, Keil ging die Bahnhofstraße nach der Marktstrahe zu, vor dem „Schipkapaß" traf er auf Jemand, mit dem er gesprochen, er ging bann weiter, zur Marktstraße. Der Angeklagte befreitet die» entschieden, er sei von dem Treffpunkt ber Bahn» Hofstraße mit ber KaplanSgaffe birect, nachdem lyn Schneider verlaffen, iu den Tiefenweg zurück. Der Zeuge hat bann kurze Zeit darauf im Tiefenweg in ber Huhn'schen Hofraithe I Feuerschein gesehen unb gleichzeitig ben Angeklagten aus bem Huhn'schen Hofthor kommen sehen. Der Zeuge hat ben Keil sofort angerufen mir den Worten: „Halt Brandstifter". I Dieser sei aber mit schnellen Schritten weiter gelaufen und I in der Mühlgaffe verschwunden. Al» Keil verhaftet war, ! sagte ihm ber Zeuge, bies Mal haben Sie sich' ober vrr- |
rechnet, worauf Keil erwiderte, ich habe Zeugen und bin zu Hause gewesen. Der Schutzmann Kimmel versichert auf Befragen beS Bertheidiger», daß er fich in keinem Fall geirrt habe unb ben Angeklagten in allen Situationen genau erkannt habe. E» hätte an ber KaplanSgaflen« unb Bahnhofstraßen- Ecke eine helle Laterne gebrannt, ebenso brenne im Tiefenweg an bei Stelle, auf die es ankomme, ebenfalls eine Laterne, welche bie Situation grell beleuchte. Der Zruge erk.ätt, daß es nicht nur für bte Schutzmonnschaft, sondern für alle Gießener al« eine ausgemachte Sache gelt, daß ber Angeklagte die beiben Bränbe in ber Nacht des Feuerwehrfestes sowohl, wie ben in ber Lötz schen Hofraithe im Jahre 1896 angelegt habe. Keil würbe Übrigen« von ben Bramten cer Polizei scharf beobachtet. — Schutzmann Kranßc bekunde, wie in jener Nacht auf der Wache die Meldung einlief, baß bei Huhn im Tiefenwcg eine Chaise in Brand gesteckt sei, unb baß sein College Kimmel al« Thäter ben Angeklagten bezeichnet hatte. ES wurde nun bie ganze Altstadt abgesucht, besonders aber bte Gegenb um Keil» Wohnung in der Ritter« gaffe. Der Zeuge mußte bei dem Suchen manchen Winkel, der dunkel war, mit Streichhölzern ableuchten unb so sei er in bte Dreihäusergaffe gekommen, ba habe er beim Ableuchten tn einem liefen Hauseiugang gedrückt, regungslos den Keil getroffen unb in Hast genommen. Der Verhaftete sei Licht im Geringsten bation überrascht worden. Schutzmann Krauße erklärt weiter, wäre er ohne zu leuchten durch die Drei- häusergaffc gegangen, so hätte er ben Keil nicht sehen können. — Crirntnalschutzmann Weiß schilbert ba» Vorleben te« Angeklagten, unb gtebt diesem kein gute» Zeugniß. Im Jahre 1889 wohnten die Eltern Marktstraße 8 bet Schmücker, e» brannte dort zwei Mal, und zwar war da» Feuer offen« sichtlich bon bübischer Hand angelegt. Später zogen Keil- Eltern nach ber Neustabt 11. E» brannte dort bi» zum Jahre 1891 8 bi» 10 Mal unb zwar waren bte Feuer in derselben Weise angelegt, wie die im Schmücker'schen Hause. Während Keil im Gefängntß war, war die Stadt und besonder» die Neustadt vor Feuer sicher- 1894 brannte e» am Bergwerk im Cornmunalwald und zwar war Keil ganz allein in ber Nähe. E» brannte bann in bem Ernst Balser'schen Hause tn ber Dret-Hänfergaffe. Dieser Brand war Morgen» zwischen 3 unb 4 Uhr unter der Treppe angelegt und nur mit äußersterNoth wurdenMenschenleben vor demVerbrennen gerettet. Keil war in jener Nacht bi» Morgens nicht zu Hause und bald nach dem Ausbruch de» Brandes auf der Brandstelle erschienen, er pumpte au» Leibeskräften mit. — Auch ein Brand bei Landrichter Bott wird auf Conto de» Angeklagten gesetzt, weil dieser kurz vorher im Hause de» Bott gtatbe tet hatte. Der Zeuge schildert alle Momente, welche e« für ,hn zur Gewißheit machen, daß Keil und Niemand andere« ber Branbstister der beiden großen Schadenfeuer in ber Nachr de» Feuerwehrfestes am 20. August 1894 tn der Lorh'schen Hofraithe und in der Bleichstraße bei Kohlermann gewesen. Keil kam im Herbst 1895 zum Militär unb Ostern 1896 auf Urlaub, unb während biefer tn Gießen war, brannte e» btim Schreinermeister Laubon. Am 2. Mai erschien Keil wteber tn Gießen, angeblich mit einem Offizier, von bem er angab, biefer sei nach Raffel commonbirt. Diese ganze Sache ist erlogen, er hatte zwar Urlaub, aber nur bi» Frankfurt. Währenb bc» Aufenthalte» be« Angeklagten in Gießen brannte e» in bem Lotz'schen Hause in ber Neustadt, worin Keil« Eltern wohnten. E» wird bem Zeugen eine Postkarte vor- gelegt, berjelbe erklärt, daß nach den Bränden am Morgen btefelbe bet ber Polizei etngetroffen sei und er daraufhin bin Keil tn Haft genommen habe. Die Karte enthielt bte Drohung, Gießen werde in ber fommenben Nacht tn Flammen aufgehen. Auffällig fei e» gewesen, baß bet all ben Bränden, wo bie Feuerwehr zu thnn bekam, Keil der Erste war, der auf der Brandstelle erschien und auch tüchtig beim Löschen gugriff. Der Schreidsachverständtge, Realghmnafiallehrer «Ibach, gibt sein Gutachten darüber, ob Keil die Drohkarte an die Polizei geschrieben hat. Nach den ihm vorgelegten Schriftproben deS Keil erklärt der Sachverständige, daß er 1894 in dieser Sache schon einmal ein Gutachten abgegeben habe. Er habe festgestellt, daß die Karte mit verstellter Handschrift überaus flüchtig geschrieben fei, nichtsdestoweniger siube fich in ben Schriftzügen auf ber Postkarte unb bentn ber Schreibproben von Reil» Hanb ein unb dieselbe Character- etgenthümltchkeit. Der Sachverständige erläutert den Ge« schworeuen an Hand der vorhandenen Schriftlichkeiten, daß Reil ohne Zweifel ber Schreiber jener Rarte an bie Polizei fei. — Keil erklärt auf Befragen, er habe bie Karte nicht geschrieben. — Ans Befragen be» Bertheibiger» erklärt der Sachverständige, daß bei der Schrtftvergletchung besonder« der Buch, stabe r eigentümlich übereinstimmend gestaltet sei unb zwar ganz falsch, mehr wie ein s unb bte» könne nicht reiner Zufall sein. — Der Zeuge Wilhelm Fourier berichtet über einige Äußerungen, bie Keil ihm gegenüber gethan hat unb welche den Verdacht rechtfertigen, daß Keil bei ben verfehle- denen Bränden die Hand im Spiele gehabt habe. — Der Zeuge Karl Stadler hat den Angeklagten bet dem Lony- schen Brand sowohl wie bet dem Feuer in der Bleichftrahe gesehen. Keil habe öfter gesagt, e« brennt bald wieder einmal. Der Zeuge war mit Keil zusammen im Wald in der Nähe be« Bergwerks, ba fei dieser plötzlich gekommen unb habe gesagt, da hinten brennt». — Auch der Zeuge Karl Debu« war mit Red vor zwei Jahren im Wald, wo e» gebrannt habe. Fast bei jedem Spaziergang habe Keil gesagt, er wolle t» brenne unb ber Zeuge hat ben Eindruck gehabt, al» wenn ber Angeklagte seinen ganz besonderen Spaß daran habe, wenn Feuer au-breche. Auch Debu» gegenüber hat Reil sich al» Feuerwehrmann auSgegeben. — Der Zeuge Karl Christ bekundet im Wesentlichen baffelbe wie bie Vorzeugen. — Hierauf schloß der Vorsitzende, Landgerichtsrath Dr. Schäfer, um 6 Uhr bte Sitzung, um fich mit den Geschworenen, dem Staat-anwalt, dem Bertheidiger, sowie dem von Gendarmen geführten Angeklagten zur AugenscheinSeitrnahme nach der Neustadt zu begeben.


