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Donnerstag den 10, Februar
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Nr. 34
Erstes Blatt
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt fu» den Kreis Gieren.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter
N!72188.
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Fragen: erstens, ob der Vertrag mit China nicht veröffentlicht werden kann- zweitens, ob die Verhandlungen wegen Eisenbahn- und Bergwerksconcesfionen schon abgeschloffen sind,- drittens frage er wegen der Abgrenzung der Zonen. Schließlich bitte er um Auekunft darüber, ob etwa wirklich an dem Abschluß der chinesischen Anleihe auch die deutsche Regierung
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reich und be-
Seinem Haus- Der Fremde,
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sich aufzunehmen. Dankbar hatte der Fremde angenommen.
Der Doctor war Junggeselle, galt für wohnte vor der Siadt eine hübsche Villa, wesen stand eine ältere Haushälterin vor.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Schutstraße Nr. 7.
ang> kommen sei, im Gasthofe übernachtet und am andere« Morgen seine Reise fortznsetzen beabsichtigt habe.
Daß war alles.
Wie war aber der Fremde in ein PrtvathauS gekommen?
ES war zu der Zelt gerade Jahrmarkt in Delle, so daß im Gasthofe kaum Raum mehr vorhanden war. Da erklärte
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hiege«.
Fernsprecher Nr. 51.
betheiligt sei.
Staatssekretär v. Bülow entgegnet, über vertrauliche Vorbesprechungen könne er nichts mittheilen,- deshalb habe u sich im December noch nicht eingehend äußern können. Die Erwerbung von Kiao-Tschau sei keine Improvisation, sondern lange vorbereitet gewesen. Nachdem Frankreich in Tonkin, ferner Rußland und England dort Erwerbungen gemacht, würde Deutschland zu dem Ansehen einer Macht zweiten Ranges herabstnken, wenn eS nicht einen gleichen Schritt gethan. Auch im Intereffe unserer Missionen sei rS geschehen. Bischof Anzen habe ausdrücklich erklärt, daß nicht nur daS Gedeihen, sondern sogar der Fortbestand unserer Mission davon abhänxe. Wir sind vorbei gekommen, fährt Staatssecretär v. Bülow fort, an der Scyla und der Cha-
deffen Name und Stand Niemand kaonte, war dem Arzte gleich gefolgt. Nachdem er ein leichte» Abendessen zu sich genommen hatte, bat er, man möge ihn de» anderen Morgen» frühzeitig wecken. Als der Diener zur festgesetzten Stunde da» Schlafzimmer de» Fremden betrat, um ihn zu wecken, war er bereit» eine Leiche.
Die Aufregung über diesen jähen Tod war eine große und speeiell Dr. Henry war schier verzweifelt. Er selbst beantragte sofort, daß eine GerichtScornrnisfiou die Sache untersuchen solle. Man fand an dem Leichnam nicht die geringste Spur von Gewaltthätigkeit; sein Gesicht glich eine» Schlummernden und weder Dr. Henry noch ein anderer durch die GerichtScommisfion berufener Arzt vermochten über die Todesursache eine Erklärung abzugebeu.
Der Verstorbene wurde nach katholischem Ritu» bestattet und über ihn die sorgfältigsten Nachforschungen angestellt. Dr. Henry sagte, der Fremde habe sich ihm al» Kaufmann Thibout au» Pari» vorgestellt und geäußert, auf einer Geschäftsreise zu sein.
(Fortsetzung folgt.)
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rybdis menschlicher Entschließungen ohne irgend welche Friction mit anderen Mächten. Wir sind dabei in vollem Einklang mit Rußland, dessen Interessen in Europa die unserigen nicht durchkreuzen, dessen Interessen in Ostafien mit den unserigen vielfach parallel laufen und dessen natürliche Machtentwickelung wir al» aufrichtige Freunde neidlos verfolgen. Was Frankreich anlangt, so schadet eS auch nichts, wenn sich seine Verkehrswege immer neu entfalten. Auch den berechtigten englischen Interessen treten wir nicht entgegen. Den Vertrag kann ich nicht vorlegen, da die Briefe von Peking nach hier sechs Wochen unterwegs find. Aber auf Grund telegraphischer Informationen kann ich meine früheren Mittheilungeu über den Vertrag ergänzen. Der Staatssecretär verliest sodann den Inhalt de» betreffenden Telegramms. In demselben wird bestätigt, daß China über daS von Deutschland erworbene Gebiet kein HoheitS- recht ausübt, daß die Pacht eine Formalität ist. Bezüglich der Eisenbahn- und BergwerkScoocesfionen ist stipulirt worden: Einer deutsch-chinesischen Elsenbahngesellschast wird eine E senbahn concesfionirt von Kico Tschau zunächst nordwärts, dann westwärts bis zum Anschluß an das pro- jectirte große chinesische Eisenbahnnetz. Rrdner erklärt deS Weiteren, daß noch Verhandlungen schwebten und kein ungünstige» Ergebniß versprächen. Deutschland wünsche aufrichtig das Wohl und den Fortbestand Chinas. Deutschland denke natürlich nicht daran, dem japanischen Volk zu nahe zu treten. Kiao-Tschau sei als Hasen durchaus geeignet. Da» deutsche Reich habe hier ein Samenkorn gelegt, da» Früchte tragen werde. ES werde auf daS Sorgsamste gepflegt werden. Deutschland werde besonnen Vorgehen als tüchtiger, ruhiger Kaufmann, wie die Makkabäer, in der einen Hand die Waffe, in der anderen Ktlle und Spaten. Wir hoffen, so schließt Redner, daß die Entwickelung Kiao-Tschau» dem christlichen Glauben und der christlichen Gesittung zum Segen gereichen wird und zugleich der friedlichen Entw'ckelung und der politischen Machtstellung de» deutschen Volke». (Beifall.)
UnterstaatSsecretär v. Richthofeu führt aus, mit der deutschen Regierung hätten Verhandlungen über eine chinesische Anleihe nicht geschwebt, eine deutsche Garantie stehe nicht tu Frage. Eine Denkschrift über die Settlement» sei in Vorbereitung.
Director Reichardt erwidert auf die Frage des Abg. Richter wegen des russisch-chinesischen Vertrages, es handele fich da um ein Gebiet, bei welchem unsere Interessen überhaupt nicht in Frage ständen.
Abg. Bebel (Soc.) kommt auf den Proceß Tausch zurück, sowie auf den Begriff Weltpolitik und auf die Kieler Reden. (Präsident v. Buol bittet den Redner, nicht an»-
Deutschere Reichstag.
85. Sitzung vom Dienrtag den 8. Februar 1898.
Am BundesrathStische: Staatssecretär v. PodbielSki, Staatssecretär v. Bülow.
Tagesordnung: Fortsetzung der Etatsberathung. Post- etat. Zunächst wird das Extraordinarium erledigt und sodann ohne bemerkenSwerthe Debatten sämmtliche Positionen de» PostetatS.
ES folgt der Etat der Reichsdruckerei, dessen Genehmigung debattelos erfolgt.
Ferner wird debatteloS der Handelsvertrag mit dem Oranjefreistaat definitiv genehmigt.
E» folgt nunmehr die Berathung dcs Etats des Auswärtigen Amt», und zwar in Verbindung mit dem Etat der Schutzgebiete.
Abg. Richter (frs. Vp.) erklärt Namen» seiner Freunde, daß dieselben die Sache in Ostafirn anders und günstiger ausehen, al» unsere Erwerbungen in Afrika. Deutschland brauche einen Stützpunkt für seine wirthschaftlichen Interessen in China; Deutschland brauche auch eine Kohlen- und Flottenstation daselbst. Weiteren Landerwerb über Kiao Tschau hinaus brauche Deutschland nicht. Redner fragt alsdann den Staatssecretär, ob nicht etwa gewisse Bestimmungen in dem russisch-chinesischen Vertrage dem deutschen Meistbegünstigungsrecht in China zuwiderlaufen. EmpfrhlrnSwerth dürfte es jedenfalls fein, auch mit Japan auf freuudschaftlichrm Fuße zu bleiben. An den Staatssecretär richte er noch drei
schließlich Aursprüche de» Monarchen zum Gegenstand der Erörterung zu machen.) Redner schildert dann den Widersprach, der darin liege, daß unsere Industrie ihre Waare« im Auslande zu Schleuderpreisen vertreibe, während fie im Jnlande die Preise Hochhalte. Zu besürchten stehe anscheinend die Einfuhr chinesischer Arbeiter. Eine solche Politik machten seine Freunde nicht mit.
Abg. v. Kar dorff (Rp.) hält die Besorgnisse deS Vorredner» für gänzlich unbegründet und wendet fich dann dem Abg. Richter zu, von dem er hoffe, daß derselbe fich auch in der Flottenfrage nachgiebig zeigen werde, nachdem er nun die Kiau-Tschau-Angelegenheit günstiger beurtheile. Die ruhige, eotschloffene, auswärtige Politik, die die jetzige Regierung in China bethätige, erfülle seine, Redner», Partei mit Genugthuung.
Abg. Lieber (Ctr.) erklärt NamenS seiner politische« Freunde bezüglich der Befitzergreisung von Kiau-Tschau, daß Prinz Heinrich in seiner Eigenschaft als Cornmandavt eine« Ausspruch gethan habe, der ta allen religiös gesinnten Kreise« de» Volkes nicht den besten Eindruck gemacht habe. Erwähne« wolle er aber, daß Prinz Heinrich in jenem Augenblick eine schwere und gefährliche Reise im Dienste deS Vaterlandes angrtreten habe. Die Besitzergreifung von Kiau-Tschau sei jedenfalls eine dankenSwerthe That. Wo private Interesse» in Frage kämen, müßten auch die privaten Capitalien gebührend herangezogen werden. Besonderen Dank sprächen seine Freunde au» für da» warme Interesse, daS der Staatssecretär auch heute wieder den dortigen Missionen zugewendet habe.
Abg. Barth (frs. Vg.) kann eS nur billigen, daß man die erste beste Gelegenheit benutzt habe, um in China feste« Fuß zu fassen. Fragen möchte er aber den StaaSsecretär, ob derselbe den Grundsatz unbedingt in China aufrecht er- haltrn wolle, daß alle einem europäischen Staate geöffnete« Gebiete auch zugleich den wirthschaftlichen Concurrenten an» allen anderen Staaten offen sein sollten. Weiter fragt Redner noch nach dem Stande der Dinge in Kreta.
Admiral Tirpitz erklärt, die Rede de» Prinzen Heinrich, eine» Scheidenden, habe man nicht so auffassen dürfen, wie es in der Presse geschehen sei.
Staatssecretär v. Bülow führt au», die Freihafenstellung von Kiaotschau werde unseren Jnterkssen am beste« entsprechen. Aber die deutsche Regierung möchte fich nicht gerade darauf festlegen, sondern die Sache offenhalten. Wa» Kreta betreffe, so habe fich in der letzten Zeit diesbezüglich Nichts geändert. Deutschland habe kein anderes Interesse, al» daß Kreta nicht zum Erisapfel und zur Brandfackel werde. Alles Andere fei Deutschland gleichgiltig. Dauernder Friede
fich der Arzt de» OrteS, Dr. Henry, ein feiner und liebenswürdiger Herr, bereit, den Fremden für die eine Nacht bei da» Anerbiete«
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Geduldig wartete man in Constanz- als ober weder de Brai, ooch eine fonstige Nachricht eintraf, Ichrieb die Königin Hortense au den Käufer de» Gute». Dieser ont* wortete umgehend, daß Herr de Brai die Summe in Empfang genommen und am selbigen Tage seine Rückreise angetreten habe.
Diese Mittheilung beunruhigte die Königin sehr. Herr de Brai war ein oft erprobter, gewissenhafter Manu und so war die Annahme berechtigt, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei. Man sandte den Hausmeister, um Erkundig, ungen über den Vermißten einznziehen.
Hausmeister Arnould kehrte nach etwa zehn Tagen von Pari» zurück, ohne auf dem Wege nach dort oder in Pari» selbst über de Brai etwa» erfahren zu haben.
Was war nun aus de Brai und der enormen Summe — beinahe 2 Millionen Francs — geworden?
Man recherchirte nach allen Richtungen. Endlich nach langem Suchen hatte man erfahren, daß in der Stadt Delle, jenseits der französischen Grenze, eine» Morgen» ein älterer Reisender, der Abends vorher mit Extrapost angekommen sei, in seinem Bette tobt aufgefunden worden war.
Arnould eilte zu der genannten Stadt, um an Ort und Stelle Erkundigungen einzuziehen. E» war nicht» bekannt geworden, daß der Verstorbene eine größere Summe Gelde» hinterlassen habe, aber dennoch war die Möglichkeit nicht auSgeschloffcu, daß er mit de Brai identisch sein könne.
Al» der Hausmeister in Delle ankam und in dem einzigen vorhandenen Gasthose Wohnung genommen hatte, wurde ihm über den Todesfall Folgendes mitgetheilt: Da» Vor- kommniß hätte sich nicht in dem Gasthause, sondern in einem Privathause abgespielt, und zwar unter gänzlich unaufgeklärten Umständen Mit Bestimmtheit sei nur zu sagen, daß der Fremde de» Abend» — im November war» — mit Extrapost
ZU ziehen.
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Erfurt.
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Feuilleton.
Gelüstetes Geheimniß.
Criminal-Novellette von Fr. Ferd. Tamborini.
(Nachdruck verboten.)
K. O. Im Jahre 1817 gingen bekanntlich die poli- stscheu Wogen in Frankreich besonders hoch. Ein Jahr vnrher wurde Napoleon I. au» seinen Höhen gestürzt und btt einzelnen Glieder seines Hause» waren darauf bedacht, ihnen Platz ausfindig zu machen, wo man den erloschenen Manz einer Kaiserkrone betrauern könne.
So hatte die Exkönigin Hortense Constanz zum Auf« evihalttort gewählt. Als Inhaberin de» Throne» von Frank- mich hatte fie sich mehr um ihr eigenes, al» um da» Wohl btl Lande» gesorgt, und ersteres in einer Weise, daß man fit al» ganz besonders reich bezeichnete. Sie hatte es ver- stunden, mit Hilfe ihr ergebener Personen in den glanzvollen Lagen fich außer einem Baarvermögen vielen Grundbesitz, kostbare Bauten, werthvolle Kunst- und Schmuckgegenstände aeb dergleichen anzueignen. Somit konnte fie in Constanz ttii sehr luxuriöse» Leben führen.
Gin Jahr mochte fie in Glück und Glanz in dem neuen h»:im gewirthschaftet haben, al» fich da- Beiürfniß nach niaen Baarmitteln gelte d machte. Zu diesem Zwecke der« •anftt fie eines ihrer Güter um den Preis von 1% Millionen z-ianc». — Ein ihr durchaus ergebener Mann, Monsieur de Brai, sollte nun nach Pari» reisen, um dort von dem -Luser den großen Betrag in Empfang zu nehmen. Gleich- Mg wurden ihm noch mehrere Ketten kostbarer Perlen mit- zt zeben, um fie bei einem Pariser Juwelier schätzen zu laßen- der annähernde Werth dieser Perlen wird auf etwa it»,000 Franc» taxirt.
Francot» de Brai reiste ab, kehrte aber nicht wieder.


