Ausgabe 
9.10.1898 Zweites Blatt
 
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Der Vorstand.

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Nr. 237 Zweites Blatt Sonntag den 9. October

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(Eichener Anzeiger

Keneral-Anzeiger

Bei Postbrzug 2 Mark 50 Psg. virrteltährlich.

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Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung, betreffend: den Beginn der laudwirthschaftlichen Winterschule zu AlSfeld.

An der laudwirthschaftlichen Winterschnle zu Alsfeld beginnt der Lehrgang 1898/99 am 7. November, Vor­mittags 11 Uhr.

Die Anmeldungen haben rechtzeitig schriftlich oder mündlich bei dem Vorsteher der Schule, Großh. LandwirthschaftSlehrer Leithtger in Alsfeld -u erfolgen, von weiche« der Unter­richt-plan und Jahresbericht unentgeltlich bezogen und jede gewünschte Auskunft etngeholt werden kann.

Alsfeld, den 27. September 1898.

Der Auffichtsrath der landwirthschaftlichen Winterschnle.

Dr. Mellor.

Deutsches Ueich.

Kiantfcho». I«Daily Graphik veröffentlicht ein Engländer einen Bericht über einen Ausflug nach Kiautfchou und in das umliegende deutsche Gebiet, zu dem er vom Prinzen Heinrich etngeladen worden war. Wir ent­nehmen daraus folgende Stellen: DaS erste, was mir in Kiautfchou ausfiel, war die überraschende Reinlichkeit aller Dinge. Die Baracken waren so sauber wie das Boudoir einer Dame, und die Menschen schienen munter wie die F'sche im Wuffer. Prinz Heinrich ist, wie Jeder weiß, der mit ihm in Berührung gekommen, ein so schneidiger Sportsmann wie einer, und. er war daher bestrebt, in Kiautfchou das edle Polospiel einzuführen. (Sin sehr schöner Spielplatz liegt nahe dem chtnefischen Pier, er wird von der Artillerie als Uebungs- platz benutzt- hier spielten wir am ersten Tage Polo. Am Abend erklärte mir mein chinefischer Diener, >der Kaiser von China würde sehr betrübt sein, wenn er sähe, wie sein Gast, der Prinz Heinrich, ein Spiel spiele, bei dem er so viel Gesicht" verlieren müffe. Bet unser« Ausflug fehlte voll­ständig jede Förmlichkeit und es herrschte die allerbeste Karueradfchaft. Major v. Loffow verursachte einen Lach­ausbruch über den andern rote seinem prachevollen^Französisch, und Jeder war vom ersten Augenblick an so freundlich und herzlich gegen die beiden Fremden, daß es schien, als ob wir unsere Reisegenoffen seit Jahren statt seit einigen Tagen - gekannt hätten. Die uns gewährte Gastfreundschaft war nicht ' nur die, die der Wirth feinem Gast zu Theil werden läßt, |

sondern sobald wir uns der Gesellschast angeschloffen hatten, gehörten wir zu ihr. Da war nichts von Steifheit, und unsere Gefährten schienen fich verschworen zu haben, uns den Ausflug angenehm zu wachen. Drum Heil und Gesundheit dem Prinzen Heinrich von Preußen, dem gewiegten Sports- wann und dem fröhlichsten aller Gastgeber, der die Achtung und Liebe aller gewonnen hat, die ihm nahe gekommen find.

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* Zn FriebrlchSrnh wird el still, fehr still. Fürst Herbert Bismarck, der sich mit seiner Familie nach Schönhausen a. b. Elbe begeben hat, wird dort auch den Winter über verbleiben. Graf Rantzau nimmt mit seiner Familie zunächst auf einem kleinen Gute in Holstein Wohnung, das den Rantzau'schen Erben gemeinschaftlich gehört, und wird sich später dort ein größeres Gut kaufen. Dr. Chrysander, der ebenfalls Friedrichsruh verläßt, wird sich in Hamburg nieder- lassen, um sich dort ärztliche Praxis zu suchen.

Den Ballast für diehohenzolleru" auf ihrer Reise nach Palästina bilden Spatenbräu und Mineral­wässer, was für die wasserlose Gegend des Orients sehr von Bedeutung ist. Delicatessen und Weine liefert der beim deutschen Hofe bewährte Mundkoch, jetztGrand-Hotel". Besitzer und Moselweinhändler Schweimler in Homburg, Cognac und Brandy Henessy und Hof-Desttllerie Pfau in Fiume und Champagner Hetdsieck, die MarkeMonopol Sec."

* Gewaltsamer Tod. Eine beredte Sprache führen die statistischen Rubriken derBerö'ffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts" über die Sterblichkeit in deutschen Orten mit 40000 und mehr Einwohnern. Be­trachten wir nur die RubrikGewaltsamer Tod" worunter natürlich nicht blos Selbstmord zu verstehen ist so find derartige Sterbttchkeitssälle in der Zeit vom 7. bis 13. August d. Js. vorgekommen: In Barmen 1, Berlin 14, BreSlau 7, Chemnitz 3, Dortmund 5, Dresden 2, Düsseldorf 6, Elber­feld 2, Hagen 3, Hamburg 16, Hannover 3, Köln 5, Königsberg 6, Leipzig 5, Magdeburg 3, München 6, Nürn­berg 3, Plauen i. v. 0, Stettin 1, Straßburg i. E. 1, Stuttgart 0, Zwickau 2. Die höchste Ziffer erreicht also Hamburg mit 16 bei 662 602 Einwohnern, wahrend Berlin bei 1 728201 Einwohnern (also fast .dreimal mehr als Hamburg) nur 14 gewaltsame Todesfälle ausweist. ver- hältnißmäßig viel derartiger Fälle, nämlich 7 bei 398 416 Ein­wohnern, hat Breslau nachzuweisen. In den größeren Städten des Auslandes ergeben fich für denselben Zeitraum in der RubrikGewaltsamer Tod" folgende Ziffern: Buda­

pest 9, London 61, Odessa 74, Petersburg 31, Rom 6, Bien 19

Sine interessante Zeiten-Erscheinung, deren Bieber holung man erst nach 28 Jahren zu gewärtigen hat, kann dieses Jahr beobachtet werden. Nach den astronomischen Ge­setzen fallen alle 28 Jahre die Monatstage wieder auf die gleichen Wochentage, von diesem Standpunkte aus können wir heute das berühmte Jahr 1870 beobachten und sehen, wie die Schlachten von 1870 in diesem Jahre wieder ans die gleichen Wochentage fallen, an denen ste stch vor nunmehr 28 Jahren abgespielt haben. Diese fich stetig wiederholende Periode bezeichnet man als Sonnencyclus.

Sin neues Hinderniß für den Eisevbahnban. Bei der Vermessung der neu zu erbauenden Strecke der Odenwald­bahn von Beerfelben nach Eberbach machten fich Seitens der der Bahn zunächst gelegenen Dörfer eine Menge Wünsche geltend, denn jedes Dorf wollte feine Station haben. Einem Bauer, der dem betreffenden Ingenieur sehr aufdringlich wurde, entgegnete derselbe:Ja, lieber Freund, bei EnL ist's ganz unmöglich- die Sache hat ein verfluchtes Hinderniß." Wieso?" fragte der Bauer.Der Meridian geht durch Euren Ort," entgegnete der Ingenieur mit wichtigem und geheimnißvollero Tone.Hm, hm," brummte der Bauer und schüttelte den Kopf.Mein, kann wer denn den net wegmache?"Ja, aber das kostet Euch schwerenoth viel Geld."Wieviel?"Wenigstens 400 Gulden."Nu, däs kennt wer mache." Gesagt, gethan.Das Geld ist gut angelegt, denn meine Aecker find dreimal mehr werth", denkt der Hansmtchel und setzt eine Subscripttonsliste in Umlauf behufs Aufbringung der aus der Verlegung des Mertdian» erwachseuden Kosten. Er selbst setzte fich mit einem Betrag von 16 Gulden an die Spitze der Liste. Er soll aber auch der Einzige geblieben fein.

* Oefierrelchische Kurfreuden. In der amerikauifchen ZeitschriftCosmopolitan" plaudert Marc Twain über Wien und Oesterreich. Marc Twain sagt über einen Kurort, der angeblich in Böhmen belegen ist: Der Name blefe» Etablissements ist Hochberghaus. Er liegt in Böhmen, eint kurze Tagessahrt von Wien entfernt, und da er zu Oester reich gehört, ist er natürlich ein Kurort. Oesterreich be­steht nämlich ans Kurorten- der ganzen Welt ertheilt dieses Land Gesundheit- seine Quellen find ausnahmslos heilkräftig - seine Gesundbrunnen werden auf Flaschen gezogen und um die Erde gesandt- die Eingeborenen aber trinken Bier, was offenbar ein Selbstopfer ist. Aber Ausländer, die Wiener Bier getrunken haben, denken anders darüber. Besonders

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Das Heheimniß der colossalen Entwickelung der Anion.

C u lt u r h i st o r i s ch e Skizze

von Dr. R. Marschner.

(Nachdruck verboten.)

Kein Land der Welt hat in einem Zeiträume von 122 Jahren eine solche politische, sociale und wirthschaftliche Entwickelung aufznweisen, als wie die große amerikanische Republik der vereinigten Staaten. Das ist eine unbestrittene Thatsache. Man mag sich dagegen sträuben, wie man will, die Union hat Europa längst überflügelt und es wird Sache des 20. Jahrhunderts fein, zu verhüten, daß die amert« kantsche Nation nicht überhaupt, und zwar im bitter-ernsten Sinne des Wortes, an der Spitze der Völker des Erdballes zu marfchiren beginnt.

Schon der natürliche Reichthuro des Landes als solches übertrifft den Reichthum jedes anderen Stückes Erde unter der Sonne. Es ist ja frellich mehr etn Glück als ein Ver­dienst seiner Bewohner, aber ob Verdienst oder Glück, gleich­viel, der Relchihu« ist da. Und feilte der an» diesem Reichthum in so beispiellos kurzer Zeit emporgeblühte Wohl- stand nicht auch ein gut Theil Verdienst in fich schließen? Ist nicht eine coloffale Menge Arbeit geleistet worden, die Schätze des Bodens zu erschließen? ES wäre parteiische verkleinerungSsucht, wenn man dieses Lob den Amerikanern rundweg absprechen wollte, daß fie e» fich um die Hebung ihres Wohlstandes durch Erschließung der ReichthÜmer ihrer Scholle nicht sauer genug hätten werden lassen. I« Gegen- theil, die Union hat in früheren Zeiten bart und schwer ge- «beitet und sie arbeitet noch heute hart und schwer und M die Früchte ihres Schweißes bei alle« natürlichen Reich-

| thum des Landes doch al» vollauf verdient in Anspruch : nehmen. Aus dem Wohlstände des Landes zu schließen, daß das ! gemünzte Geld dort eben auf der Straße liege und die ge­bratenen Tauben zu Dutzenden, und gerade um die Mtitags- zeit, umherfliegen, hat manchem Einwanderer bittere Er­fahrungen eingetragen, an denen er oft sein Lebenlang zu zehren hat, wenn er e- nicht vorzog, sein Leben abzukürzen, weil er nichts zu zehren hatte.

Aller Reichthum des Bodens aber wäre verdampft wie ein Tropfen ans einem heißen Stein, wenn das so reiche Land nicht auch eine vorherrschend friedliche, historische Ent­wickelung gehabt hätte. Kein Abschnitt der Weltgeschichte ist, mit Respect zu sagen, so verhältnißmäßig langweilig, als die Geschichte der vereinigten Staaten fett ihrer Gründung im Jahre 1776 bis auf den heutigen Tag. Diese Lange- welle wird vom Volke selbst miteropfuuden und äußerte fich hie und da namentlich in den letzten Jahren ii den mehr ober weniger verrückten Auswüchsen des Jingoismus, einer Partei, die allzu gerne den Griffel Klios mit de« Schwerte spitzen und roll Blut schreiben machen möchte. Die, wenn auch oft blutigen Scharmützel roll der übrig gebliebenen Handvoll Indianer kann man doch unmöglich zu historischen, die Entwickelung des Wohlstandes und der Macht der Ration durchaus bedingenden Ereignissen ausbauschen wollen. Ge­rade die Armnth der Geschichte der Union an wirklich großen Thatsachen, verglichen roll de« gleichen Zeiträume etwa der Geschichte Demschlands, das ja mehr als fünfmal kleiner ist als die große Republik, liefert den besten Beweis für ihre vorwiegend friedliche politische Entwickelung. Friede aberernährt", sogt das Sprichwort, undErnährung" be­dingt Wohlstand.

Der Bohlstand der vereinigten Staaten hätte fich auch nicht so rapide vermehren können, wenn dem Lande nicht seit seiner Trennung vorn Mutterlande England Emwanderer in immer zunehmender Anzahl und sehr oft mit flüssigem

(Kapital ausgerüstet, zugeströmt wären. Der Umstand, baß meist unlautere gesellschaftliche Elemente in früheren Zeiten sich der Union zuwandten, trug, wenn auch ganz gewiß nicht zur sittlichen, so doch unleugbar zur wirthschafeUchen Hebung der Nation bei. Schlauhett, Habsucht, Gewissenlosigkeit und Abgefeimtheit kommen im Leben ja bekanntlich viel eher zum Ziel als Ehrlichkeit, Bedachtsamkeit und Gewiffenhafttg feit. Es sollte gewiß nicht so sein, ist ja auch, Gottlob! nicht immer der Fall. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß die große Republik nur ein einziges Schurken- und Räubernest wäre, beileibe nicht, aber für die rasche Entwickelung derselben war auch dieser Factor und ist auch noch heute von Wichtigkell. Nur durch ehrliche Arbeit ist man darf es dreist behaupten das wirthschaftliche Gesammtvermögen der Union einmal nicht zusammengebracht worden, und der stille und laute Groll der um baß Ihrige aus die eine ober andere Weise Betrogenen entbehrt nicht der Berechtigung. Fertige Arbeitskraft, gepaart roll geistiger Geschroeidigkelt und unterstützt roll verfügbare« Capital, vermag baher ein Land, zuroal ein so gefegnete», wohl sicherlich in kürzester Zell eroporzubriogen.

Die von der Verfassung der Union ihren Einwohnern für alle Zellen gewährleisteten Freiheiten haben ebenfalls einen ganz entschiedenen Antheil an der colossalen Ent­wickelung des Landes. Der Geist liegt nicht in Fesseln, er darf fich regen, entfalten, ohne fich alle Augenblicke an Gesetzesparagraphen die Schwingen zu versengen. Die ab­solute Redesrtihell entwickelt Talente der Redekunst, wie fie schwerlich ein zweites Land in der Anzahl im gleichen Zell- raunte hetvorgebracht hat. Fast jeder drllte «wrrikaner ist ein Demosthenes seiner An, uab man kann von sonst einfach gebilbeten Leuten oratorische Leistungen, und zwar mir durch ben Augenblick eingegeben, hören, denen man unwillkürlich Achtung, wenn nicht Bewunderung zollen muß.

(Schluß folgt.)