Arr-Unrd.
Triest, 7. Oktober. Dem „Piccolo" wird aus Lettinje telegraphirt, daß die GLHruugen in Baraua fortdauern. Die montenegrinische Regierung wird eine Commission au die Grenze entsenden und die Grenz-Miliz verstärken. Die Regierung bereitet auch ein Memorandum au die Machte um
müht ist. Die Zeit wird lehren, ob die Louferenz der Mächte etwas Ersprießliches zu Stande bringt.
Der Kaiser ist wieder in seine Sommerrefideuz zurück- gekehrt und trifft jetzt die letzten Vorbereitungen für seine Reise nach Palästina, deren Programm jetzt eudgilttg festgestellt worden ist. Daß die Fahrt eine» hohen politischen LharactrrS nicht entbehrt, wird Niemand in Abrede stellen wollen, und die Consrqueuzen, die sich auS dieser Reise ergeben werden, und auf die ganzen Beziehungen Deutschlands zum Orient eivzuwtrken geeignet find, laffen sich heute noch gar nicht überblicken. Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist eben- falls wieder in der ReichShauptstadt anwesend- das politische Leben hat begonnen, was durch die Aufnahme der Verhandlungen des BundeSrathS bereits zum Ausdruck ge- kommen ist.
Mehrere „geheime" Erlaffe bildeten in der abgelaufeueu Woche das allgemeine Gesprächsthema: Der Erlaß des bayerischen KriegSmioisterS gegen die Vertretung persönlicher Jutereffen von Offizieren rc. in der Preffe und im Parlament, sowie der Erlaß des preußischen Ministers des Innern wegen de- Waffengebrauchs Seiten- der Polizei u. s. w. -Organe. Besonder- die letztere Kundgebung wird lebhaft discutirt und dürfte auch im preußischen Abgeordneteuhause zur Sprache ge- brächt werden.
„Wo ist der Kaiser von China?" dürfte eine zeitgemäße Frage zu einem Brxierbtlde sein. Nach der einen Meldung ist er „gestorben" an einem ihm von seiner Pflegemutter verabreichten Trünke, nach der anderen ist er schwer krank und wieder eine Mittheilung besagt, daß die Auseinandersetzung zwischen Sohn und Mutter höchst friedlich erfolgt sei und der Kaiser fich de- besten Befindens erfreue. In dem Reich der Mitte fiehtS sehr trübe au-, und die europäischen Staaten thun wohl daran, fich auf alle Eventualitäten gefaßt zu machen. Nicht allein im Innern China-, sondern auch ,n der Hauptstadt Pecktug bedürfen die Fremden nachdrücklichen Schutze-.
Die französische Metropole hat unter einem großen Stricke zu leiden, der unter den Bauarbeitern ausgebrocheu ist. Der Minister de» Innern muß zu außerordentlichen Maßnahmen seine Zuflucht nehmen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Pariser befinden fich j'tzt auf einem äußerst vulcanischen Boden, wie die letzteren Straßeudemonstrattonrn gezeigt haben, die im «eiteren Verlaufe der Drehfusaffatre fich noch oft wiederholen dürfte». Von der letzteren ist nicht- Besoaderes zu melden.
In Oesterreich hat da- Ministerium Thun eine Reconstruction erfahren: Der Haudel-mtnister Bärnreither ist zurückgetreten und der bisherige Reich-rathSabgeordnete Dr. Dtpauli zu seinem Nachfolger ernannt worden. Man sagt aber schon jetzt, daß damit die Veränderungen innerhalb deS CabtnetS noch nicht abgeschlossen seien. Die Ausgleichs» srage bildet noch immer den wunden Punkt im österreichischen StaatSleben und dürfte so leicht auch nicht gelöst werden, insbesondere da es auf allen Seiten an dem guten Willen mangelt.
Die spanisch amerikanischen FriedenSverhandluugeu haben begonnen und laffen den Schluß zu, daß Spanien fich auf Gnade und Ungnade den Forderungen de- Sieger» wird fügen müffen. (xx)
Deutsches Reich.
Berlin, 7. October. Heute Vormittag um 10 Uhr fand unter dem Vorsitz de- Kaiser- im Marmor-Palai» bei Pot-dam ein Kronrath statt. ES wird angenommen, daß vor der Orientreise deS Kaisers die gesammte politische Lage erörtert, über den Termin der Reich-tagS-Eröffnung, die Grundzüge der Thronrede und über die Vorlagen für den Reich-taa verhandelt worden ist.
Berlin, 7. October. Die gestern unter dem Borfitz de» Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe stattgrfundene Sitzung des Staat-miuisteriumS dauerte fast fünf Stunden, von 3 bis 71/» Uhr. An der Sitzung nahmen außer dem auf einer Dienstreise befindlichen Landwtrthschaft-minister Freiherrn v. Hammersteiu sämmtltche Minister Thetl, auch die S-aat-secretäre Graf PosadowSky, v. Bülow, Ttrpitz und Dr. Nteberding.
Berlin, 7. Oetober. Der Bunde-rath trat am Donnerstag zu einer Pleuarfihung zusawweu. Der stellvertretende Vorsitzende, StaatSsecretär Graf Posadowtky, gedachte vor dem Eintritt in die Tagesordnung des Hin- scheidens des Fürsten v. Bismarck, widmete ihm einen ehrenden Nachruf und thellte der Versammlung da- vom Fürsten Herbert v. Bismarck eingegangene Dankschreiben mit. Berathen wurde über eine Reihe kleiner Anträge.
— Bezüglich des Erwerbe» des Berustein- bergwerkeS in Palm nick en, da» die Regierung be- kaunilick von der Firma Stantien u Becker in Königsberg anzukaufeu gedenkt, sollte nach einer Blättermeldung die Vorlage an den Landtag bereits fertiggestellt fein. Diese Nachricht trifft nicht zu. Die betreffende Vorlage befindet fich vielmehr erst tu der Vorbereitung. Für die Uebernahme de» fi-calischen Betriebe» der fraglichen Werke ist, die Zu» stimmnng der beiden Häuser deS Landtage» vorausgesetzt, der 1. Juli 1899 in Aussicht genommen.
Köln, 7. Oetober. Infolge des niedrigen WafferstandeS steht die Einstellung de» gefammren oberrheinischen Schifffahrt».Verkehr» für die nächsten Tage bevor. Die Kölnische und Düffeldorfer Dampfschifffahrts- Gesellschaft Haden bereits alle Fahrten oberhalb Coblenz eingestellt.
Schutzmaßregelu für die dem Gemetzel au-gesetzte Bevölkerung vor, da fie nicht länger gleichgültig zusehen will.
Antwerpen, 7. October. Aus Indien kommt die Meldung, daß ein Dampfer mit 100 Passagieren im JuduS.Fluffe scheiterte und gesunken ist. Alle Paffagiere find umgekommeu.
Rom, 7. October. Graf Mautazza wird die offene Revolte gegen Meuelik, obwohl Italien durch strenge Neutralität eine Complication vermeiden will, zu unterdrücke« suchen. ___________________
Locales unt provhtjitlU*.
Gießen, den 8. October 1898.
*• Warnung für Erzieherinnen. Aüs Bukarest kommt wieder einmal eine Warnung für deutsche Erzieherinnen. Sie lautet: „Jetzt im Herbst, wo die StelleuvermittlungSbureauS in Deutschland und Oesterreich wieder von vielen rumänischen Familien oderJnstttuteu Aufträge erhalten,denselbenLehrertnnen, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen usw. zu besorgen, wird hiermit dringend zur Vorficht gemacht. Keine Erzieherin usw. nehme eine Stellung in Rumänien an, ohne fich vorher bet dem Consulat ihres Reiche» in Bukarest nach der betreffenden Familie oder dem Institut erkundigt zu haben. Ferner muß da» Gehalt mindesten- das Doppelte de» im Hetmathlaude üblichen betragen, da in Rumänien die Lebenshaltung, Kleidung usw., bedeutend theuerer ist al- anderswo. Von dem Abschluß eine- ContractrS ist abzurathen, da dieser nur für die Erzieherin bindend ist, während die Herrschaft über demselben steht. ES gibt viele rücksichtslose Familien und Institute in diesem Laude, daher ist Vorsicht doppelt noth- wendig. Alle Institute und viele Familien entlaffeu zum Juli ihre Erzieherinnen, um zu sparen. Die Familien reisen entweder in rin Bad oder in da» Au-land und bringen fich sich dann eine Erzieherin gleich mit oder laffen eine kommen, um diese dann zu den Ferienmonaten wieder einer ungewtffen Zukunft zu überliefern. Junge Mädchen sollten Rumänien überhaupt ganz fern bleiben, da die sittlichen Begriffe in diesem Lande von den deutschen sehr verschieden find. Die Stellung anständiger Mädchen tu Familien wird nicht selten durch Nachstellungen von Setten des Hausherrn oder anderer männlicher Angehöriger des Hauses unerträglich." Die bekannte Monat-schrift „Die Frau" weist darauf hin, daß seit Kurzem ein deutscher Lehrerinuenverein in Rumänien besteht, an den man fich gleichfalls um Rath und Hülfe wenden kann. Die Stellenvermittlung diese- Verein» leitet Fräulein Schulze, Bukarest, Calea Plevnei 86. Der Verein (Vorfitzende: Fraulein Gltem, Bukarest) gehört dem fich immer mächtiger au-dehnenden Allgem. deutschen Lehrerinneuverein an, drffeu Stellenvermittlung (Centralleitung: Leipzig, Hohrstraße 35) auch schon so viel im Jntereffe der Lehrerinnen gewirkt hat.
x Beuern, 6. October. Hier wurde ein 84j8hriger Greis von einem schweren Unfall betreffen, indem er von einem Baum stürzte und mit bedenklichem Schädrlbruch einige Zeit in dem nahen Kreb-bach unbeachtet liegen blieb, bevor man den Betäubten in seine Wohnung bringen und ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen konnte.
§§ Gruuiugen, 7. Oetober. Verflossenen Sonntag feierte unser Gemeinde- Uud Ktrchenrechner Chr. Letdich II. sein 50jährige» Dtenstjubiläum. Ehrungen wurden ihm zu Theil von Großh. KretSawt Gießen, von Großh. Oberconfistorium, vom Decanat Hungen, vom Kirchenvorstand deS Dorfe», von seinen befreundeten Collegen der Umgegend und von Freunden und Verwandten. Da- Fernbleiben einiger geladener Herren de» Dorfes beeinträchtigte die schöne Feier durchaus nicht. Möge der Jubilar fich die Worte zurufru laffen: „Wer den Besten seiner Zett genug gethan, der hat gelebt für alle Zetten."
- f- Wolf bei Büdingen, 7. October. Gestern und heute war der Untersuchungsrichter aus Gießen hier und hat wegen der in der letzten Zeit vorgekommenen Brände Ver- uehmungen vorgenommen. Die Dienstmagd des Brand- beschävtgten Mäser, Karhartne Beßner au- Ober-Lai-, welche unter dem dringenden Verdacht stehen soll, sämmtltche Brände verursacht zu haben, ist gesanglich eingezogen worden.
Ptrmiföto»
* Der Kohlenbedarf Berlins betrug tn der ersten Hälfte diese» Jahres an Steinkohlen und Kok» 811,918 To. (1897 790,874 Tonnen). Davon stammten au» England 132,622 To. (+ 1221 To ), aus dem Ruhrgebiet 78,126 To.) (— 7410 To ), au» Zwickau 2242 To. (— 1898 To.) au» Oberschlefien 501,949 To. (4- 2685 To.) und au- Nleder- schlefien 96,979 To. (— 15,642 To.)- an Braunkohlen und Brikett- 375,596 To. (— 43,112 To.)- davon au» Böhmen 34,808 To. (— 9721 To.) und der Rest auS Preußen und Sachsen. Bet den Vororten gingen ein Steinkohlen u. s. w. mit der Bahn 173,064 To. (4- 3051 To.), mit Kahn 148,983 To. (4- 8715 To.) und Braunkohlen u. s. w. 75,050 To. (4- 7112 To.), bezw. 9038 To. (4- 231 To.). Die englische Kohle wurde nach Berlin und den Vororten fast ausschließlich auf dem Wafferwege befördert. Bezüglich des Rückganges des GesammtbedarfS ist auf den ungewöhnlich milden Winter zu verweisen. (Mittheilung des Internationalen Patent-BureauS Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6.)
♦ Bismarck und der Spiritismus. Sogar in die Schatten und Nebel des Spiritismus und Somnambulismus, in die „esoterische" Weltanschauung der Hellseher hinein wirst der große Tobte seine kraftvollen Wirkungen. Die Berliner Hellseherin de FerrtZm, von der mehrmals schon Berliner Blätter zu berichten wußten, hat auch den Tod BtSmarck-S einige Tage „vorauSempfundeu", wie wir uns zart aus- drücken möchten. Der Bericht, den Herr FrßdLric Godefroy, wie er soeben 'in den „P ychischen Studien" (9. Heft) mit- theilt, am 27. Juli an den „Localauz." sandte, wurde zunächst nicht veröffentlicht. ES heißt darin u. A.: „Ich sah dieser Tage ein fürstliches Letchenbegängniß im Gefichr- der
Kaiser war dabei, auch sah ich Ordeu-kiffen deS Tobten. Ich glaube, diese Vtfiou hat auf Fürst B. Bezug, aber ich kann eS nicht bestimmt sagen, da mir daS Geficht darüber keinen Aufschluß gtebt. Die» geistige Bild wird fich, wenn nicht schon in Tagen, bestimmt in wenigen Monaten rrsüllen." Noch mehr, die kluge Frau hat auf hundert Jahre hiuau»- gesehen: Im nächsten Jahrhundert werden BtSmarck» Gebeine nach Berlin übergeführt werden. Berlin wird dann eine wahrhaft riesige Stadt sein, nicht mehr zu erkennen. Auch durch eine Erderschütterung müßten die Gebeine einmal den Ruheplatz wechseln. ES kann freilich, fügt Herr Godefroy vorsichtig hinzu, auch der Fall sein, daß deS Fürsten Sarg bloß durch Berlin durchgeführt wird, denn die Beisetzung selbst hat die Prophetin nicht gesehen. — Da wir doch einmal beim Prophezeien find: „In London wird sehr bald ein weitere» großes Begräbniß stattfinden, bet deffen Feier die Straßenlaternen London» umflort sein werden." So verlautbarte die Sybille Ende Juli diese» Jahre». Und wenige Setten zuvor, in derselben Nummer de» unterhaltenden Blatte», lesen wir die Wahrsagung einer steirischen Zigeunerin: „Dies Jahr möcht' ich kein Obstbaum, nächste» Jahr kein Soldat und 1900 kein „Herr" fein. — Nun weiß man doch über da» Jahr de» Weltkrieges und der vielgefürchteteu socialen Revolution Bescheid und kann fich bei Zetten — dte Abrüstung ersparen.
♦ Die Langlebigkeit der Staatsmänner. Trotz seines beispiellos arbeit-vollen, an Mühen und Aufregungen reichen Lebens ist es dem Fürsten Bt-marck doch beschteden gewesen, da- hohe Alter von über 83 Jahren zu erreichen. Von Neuem wird dadurch der Blick auf dte Thatsache gelenke, daß gerade hervorragende Politiker trotz ihrer aufreibenden Thätigkeit fich der größten Lebensdauer erfreuen- ja, eS scheint fast, als ob gerade mit der Fülle der Arbeit auch die Energie des Körpers gestählt und das Leben verlängert werde. Dte meisten der preußischen Premierminister sind erst in hohem Alter gestorben. Ludolf Camphausen, der 1890 starb, hat ein Alter von 87 Jahren erreicht- der Freiherr v. Manteuffel starb zehn Jahre jünger. Stein, der geniale Reformator, starb 74, Hardenberg, der daS begonnene Werk im Gerste Stein- fortführte, 72 Jahre alt. — Fürst Hohenlohe steht bekanntlich jetzt im 79. Lebensjahre. — Der älteste englische Diplomat ist Gladstone gewesen, er lebte 88 Jahre. Lord John Ruffell wurde 85, Palmerston 80 und Beaconsfield 75 Jahre alt. Pitt der Aeltere erreichte ein Alter von 70, der Jüngere aber nur ein solches von 47 Jahren. Boa den jetzt lebenden englischen Politikern ist der älteste Sir William Harcourt- er zählt 71 Jahre. Lord Sali-bury ist 71, Chamberlain 62 und Lord Rosebery 51 Jahre alt. Boa den franzöfischen Staatsmännern hat Thiers t» auf 87 Jahre gebracht- Grövy ist 84 Jahre alt geworden. Im gleich« Alter befindet fich jetzt JuleS Simon. Bon den österreichischen Diplomaten hat Graf Kaunitz das höchste Alter erreicht: er starb t« 83. Jahre. — Crispt steht gegenwärtig im 79. L beusjahre.
* Postbotenprufung in Shirra. Eine eigenthümliche Prüfung müffen chinesische Briefträger oder vielmehr Anwärter auf diesen Posten bestehen. In erster Reihe wird von dem zukünftiger Briefträger Kraft und Muth gefordert. Er muß ohne Unterbrechung durch Wald und Einöden, über Berge und Thäler wandern und wird streng bestraft, wenn er fich verspätet und fich verleiten läßt, in der Nacht, die die Chinesen im Allgemeinen wegen der bösen Geister und Kobolde fürchten, langsamer zu marschireu als am Tage. Uad dir geforderte Schnelligkeit ist keine geringe. Mehrmals muß er täglich einen langen Weg, und noch dazu mit einem Gepäck von 40 Kgr. auf dem Rücken, im Dauerlauf zurücklegen, denn die Zeiten sind knapp berechnet. Zudem muß er noch mit der Annehmlichkeit rechnen, daß er fich unterwegs gegen Räuber und Wegelagerer jeder Art zu vertheidigeu hat. Um allen diesen Anforderungen zu genügen, trainirt er fich, indem er möglichst wenig, nur so viel, um einigermaßen seinen Hunger zu stillen, ißt. Der Staat aber prüft ihn auf folgende Weise: An einer tn ziemlicher Höhe befindlichen wagerechtr» Stange hängen an langen Stricken mehrere schwere Sandsäcke. Aufgabe de» Bewerber» ist eS nun, durch kräftige Stöße die Säcke in starke Schwingungen zu bringen und dann schnell hindurch zu laufen, ohne fich von einem der Säcke treffen zu laffen. Er muß somit sehr gewandt sein, denn ein Schlag von einem der schweren Säcke würde ihn zu Boden schlagen, und er wäre dann zugleich durchgefallen. Trotz dieser lebeuSgesährltchen Prüfung fehlt e» nicht an Bewerbern für den Botendienst. Dte Probe ist um so schwerer, al- nur die stärksten und gewandtesten Prüslinge zugelaffeu werden. Hieran» ergabt fich, daß eS nicht so einfach ist, in China Postbote zu werden.
♦ Kaninchevfaat. Im „Rappel" erzählt Henry Fouquier folgende ergötzlicheGeschichtevon normannischer Arglist: Maupassant hatte in der Nähe seine» Landhauses bei Etretat ein kleines Kaninchengehege, wo ich oft mit ihm Lapins schoß. Dieses Gehege war von bebauten Feldern umgeben. Die normännischen Bauern, die als boshaft und schlau bekannt sind, pflanzten am Saume de» Geheges zartes Gemüse und junge Bäumchen und Maupaffant mußte jedes Jahr für den von seinen Kaninchen angerichtetcn Schaden aufkommen. Schließlich verlor er die Geduld. Die wenigen Lapins, die er schoß, kosteten ihm 100 Francs das Stück und diese» Jagdvergnügen war denn doch etwas zu theuer. Er beschloß daher, die Kaninchen auszurotten. In dem ganzen Gehege gab es nur vier bis fünf Kaninchengruben. Man stöberte die Thiere mit Frettchen aus und bald war weit und breit kein Lapin mehr zu sehen. Als Maupaffant eines Abends in sein Gehege kam, bemerkte er einen Mann mit einem großen Sack. Der Mann, der sich unbemerkt glaubte, nahm den Sack vom Rücken und schüttete den Inhalt au». Dieser bestand aus — jungen Kaninchen! Der Mann aber war ein Nachbar des Dichters, der sich gern wieder seinen Gemüsebau von Maupaffant bezahlen laffen wollte und daher Lapin» „säete".


