Ausgabe 
9.9.1898 Zweites Blatt
 
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für größere Schiffe, während solche mit geringerem Tiefgang östlich von der Insel Potatoisland bei der kleinen Stadt -ku-kau gut anlegen können. Auch hier sind natürlich noch Verbefferungen der vorhandenen, ziemlich primitiven Hafen­anlagen nöthig. c .

Am Eingang der Bucht sind die User an der Südseite steil, an der Nordseite zwischen Strand und Berg sandig, beiderseits die Vegetation spärlich. Je weiter man indeffen in die Bucht hineinkommt, desto mehr Vegetation zeigt sich, desto zahlreicher werden die chinesischen Dörfer. Hier ist der natürliche Eingang in die außerordentlich fruchtbare Ebene, welche die Mitte der Provinz Schantung bildet.

(Fortsetzung folgt.)

1. August erhielt man die Nachricht, daß Fürst Bismarck gt* storbeu sei. Heute, am 7. August, wurde aus diesem Anlaß TrauergotteSdtenst abgehalteu und die Kirche war so besitzt, wie ich eS noch nie gesehen seit ich hier bin. Die Deutschen gehen hier sehr wenig zur Kirche, aber um ihren BiSwarck trauern sie alle. Auf dem Regierungsgebäude und dem deutschen Vereinshause waren die Fahnen aus Halbmast.

* Der erste große deutsche Gasthof in Kiantfchon. Ein Hamburger Kapitalist, der mit den Verhältnissen tm fernen Osten vertraut ist, wird binnen Kurzem ein größeres Gast- hofuuternehmeu in Kiautschou inS Leben rufen, daß in Größe und Einrichtung in weitgehendster Weise den Ver- haltniffeu Rechnung tragen wird, wie fie eia aufblühender Platz wie Kiautschou wünscheußwerth erscheinen läßt. Ja de, Person des Herrn Buscheudorff ist bereits eia Leiter für den Gasthof gewonnen.

Einfache» Mittel gegen Blntvergiftnng. ES kommt oft vor, daß man fich mit dem Stich einer Feder mit Tirne irgend eine Verletzung an einer offenen Stelle des Finger» zazieht, oder auch kann durch abspriageudea Phosphor eines Zündhölzchens, der fich unter dem Nagel logirt, eine Blut­vergiftung entstehen. Das Glied schwillt sofort an und schmerzt auch. Nicht» ist dabei bester und mehr von Erfclg begleitet, als wenn man den verletzten Thetl in sauere Milch oder Buttermilch eintaucht, welche davon gooz warm wird, daher etwa dreimal erneuert werden muß. So­gleich fühlt man Erleichterung und in Zett von 12 Stunden, je nach der Größe des Glieder, ist alle Gefahr beseitigt.

* Eine merkwürdige Quelle ist beim Dorf Eichenderg im Grenzgebiet der Provinz Sachsen, Hannover und Hrfl n zu sehen. Sie fließt zwei Stunden lang stark und daun die gleiche Zeitdauer wieder schwach, so daß fich hierin gewiff-r- maßen eine starke Ebbe und Fluth wiederspiegelt. Diele Quelle,KarlSbrunnen" genannt, entspringt im höchsten The» de- Dorfes und ist insofern historisch geworden, als fie schon im vorigen Jahrhundert die Aufmerksamkeit deS Laubnrafru Karl von Hrsten auf fich gezogen hat. Dieser ließ die Quelle grottenhaft überbauen und an der Front der Quellensastung die in Stein gemeißelte Inschrift L 1765 0 anbringen. Touristen aus aller Welt suchen die Quelle auf und be- obachteu mit regem Interesse den Uebergang von der schwachen zur starken Strömung. Nach einem plötzlich erfolgenden dumpfen unterirdischen Getöse steigt das Master im Grotten- decken schnell um 25 Ctm., und die AuSlaufröhre, die eben nur zu V5 gefüllt war, vermag jetzt die anstürmeuden Master nicht zu fasten. Nach zwei Stunden nimmt der Quell eben so plötzlich, wie er gestiegen ist, wieder ab. Die in den Stunden starken Quellens auSgespieenen 200 Liter Master auf die Minute fpeifen eine für das Dorf angelegte Master- leitung. Solcher iutermittireuder Quellen gibt e» unseres WistenS in Deutschland nur wenige.

» Sin schnarchendes Reh. InWild und Hund" (Parrh, Berlin) finden wir folgende interestante Wahrnehmung eine» Jägers: Gelegentlich eines ReviergaugeS am 23. Juli d.I. auf einem begrasten Schleichwege hörte ich Plötzlich in einiger Entfernung in einer dichten, von Kiefern und Rothtannen be- staudeueu Schonung lautes Schnarchen. In der Annahme, es habe fich dort ein Bummler, wa» unweit der Chaussee nicht ausgeschloffen war, eingeschoben und sei eingeschlaseo, j birschte ich mich ganz nahe au die Stelle heran, von wo die Töne immer lauter und stärker fich vernehmen ließen- dachte ich doch, diesem einsamen Schläfer ein etwas ungewöhnliches Erwachen zu bereiten. Da ich wegen der Dichtheit der Schonung Nichts fehen konnte, trotzdem ich auf einige Schritte heran war, fc birschte ich, eine Lücke suchend, im Bogen herum und stand hier plötzlich dicht vor dem lauten Schnarcher einer Ricke. Diese, im Bette sitzend, hob in diesem Anger- blick den Kops und drehte ihn schlaftrunken nach mir. fest fie geschlafen haben muß und wie fchlaftrunkeu sie noch war, geht daraus hervor, daß fie erst nach einiger Zeit, zu­mal fie jetzt vollen Wind von mir und dem hinter mir stehenden Hund hatte, fich ihrer Lage bewußt wurde und abspravg. Auch war mein Btrschen, da ich ja kein Rothwild vermuthete, nicht ganz lautlos, da mehrfach kleinere Zweige unter meinen Füßen brachen. Bisher habe ich diese Wahrnehmung noch nicht gemacht, habe auch nie gehört, daß dieses öfter beobachtet worden. ES waren keine Klagetöne und auch kein Hasten, sondern ein regelrechtes Schnarchen, wie bei einem fest schlafenden bezw. schnarchenden Menschen. ES wäre iutereffant, seflzu- stellen, ob Schnarchen des Rehwildes öfter vorkommt.

Ein neuer Planet. Aus Berlin wird geschrieben: I Als eine hochbedemfame astronomische Entdeckung hat fich am 13. August d. I. auf der Urania-Sternwarte erfolgte I photographische Auffindung eines neuen Planeten heraus- I gestellt. Die photographische Aufnahme und die weitere Ber« I folgung der durch eine ungewöhnlich große Bewegung aus« I gezeichneten Himmelskörpers am großen Refractor gefaah I durch den bekannten Astronomen des Instituts, Herrn Gustav I Witt. Die durch Herrn A. Berbertch, Mitglied des hiefign I Kgl. RecheuinstitutS, auSgefühNe Berechnung ergab das merr. I würdige Resultat, daß der Planet n'cht zu den sogenannt n I Asteroiden gehört, die die Sonne in dem Raum jw J I MarS und Jupiter umkreisen- vielmehr liegt die Bahn zwifchev I derjenigen der Erde und des MarS, sodaß daS neue Gestm entweder nach der üblichen Auffaffnng ein neue»i Glied u I der Reihe der sogenannten großen Planeten darstellt oo I als Vertreter einer bisher unbekannten Gruppe von Manor I sternen zwischen Erde und MarS auznseheu ist. Sine genam- I Bahnbestimmung wird zwar erst in geraumer Zeit in AnM I genommen werden können, doch laßt fich auS den bisher g I machten zahlreichen Beobachtungen bereits übersehen, daß mitgetheilte Resultat eine wesentliche Aenderung nicht nw» erfahren wird- wegen der von der KreiSform ätemlid)

I lich abweichenden Gestalt feiner Bahn kann der neue Pla°^ (der Erde bis auf eine Entfernung von drei Millionen Mei« nahe kommen, wahrend die Nachbarwelt des MarS vn günstigsten Falle immer noch fieben Millionen Meilen vM ihr entfernt vleibt. Za tiefer sensationellen Meldung

Vermischtes.

Sin ehemaliger Berliner Million euerbe, der Schlosser Albert Rudloss, hat sich, wie amerikanische Blätter be­richten, im Michigansee ertränkt. R., ein gebürtiger Pommer, war in einem Berliner electrotechnischen Institut mit einem mäßigen Wochenlohn angestellt. Unverhofft trat eine Wendung in seinem Schicksal ein. Ein Bruder seiner Mutter, den er zeitlebens nicht gekannt, starb in Amerika mit Hinterlassung eines, wenn auch nicht allzu bedeutenden Vermögens, aus dem die geschwätzige Fama bald eineMillionenerbschaft" machte. Der glückliche Erbe reiste, ohne nähere amtliche I Nachrichten abzuwarten, mit Kind und Kegel übers Meer. Die Enttäuschung, welche seiner hier harrte, überwand er leicht, zumal er im Vergleich zu seinen Berliner Verhältnissen sich immerhin ein kleiner Krösus dünken mochte. Allein so tüchtig auch R. als Arbeiter gewesen war, mit Geld verstand er schlecht umzugehen. Er fiel bald Schwindlern und Projectenmachern in die Hände, die dazu beitrugen, daß die Erbschaft in nicht allzu langer Zeit beträchtlich zusammen, schmolz. Mit den Resten seines Vermögens gründete R. in Illinois eine Kabelfabrik, die Anfangs ganz gut prosperirte. Allein das Glück blieb dem vom Arbeiter zum Fabrikanten Gewordenen nicht treu. Der spanisch-amerikanische Krieg legte das Geschäft für längere Zeit völlig lahm. Der Millionenerbe" nahm sich seine Verluste so zu Herzen, daß er, auf einer Reise nach Chicago begriffen, sich in den Michigansee stürzte und den Tod fand.

BiSmarck-Shrnng in Transvaal. Ein junges Mädchen aus Speier weilt zur Zeit in Prätoria. Dort traf die Nachricht von dem Tode Bismarcks am 1. August ein. Hier- | Über schreibt da» Mädchen seinen Eltern in Speier: Am

verurthellt, und wenn diese beiden Erkenntnisse in unlösbarem I Widerspruche zu einander stehen; 3. wenn einer der gehörten Zeugen nach einer Verurtheilung verfolgt und verurtheilt wird wegen falscher Zeugenaussage gegen denselben Be- schuldigten. Falls dieser Zeuge verurtheilt wird, kann er in der neuen Verhandlung nicht mehr vernommen werden;

4. wenn nach einer Verurtheilung eine Thatsache sich heraus­stellt oder wenn neue Beweisstücke sich ergeben, welche zur Zeit der Verhandlung unbekannt waren und geeignet sind, die Unschuld des Verurthellten zu bekunden. Von dem Generalprocurator soll es abhängen, ob das dritte oder vierte Alinea als Revisionsgrund geltend gemacht wird, obschon der dritte Punkt bei strenger Auslegung nicht anwendbar scheint, da Henry seiner Verurtheilung durch Selbstmord zuvorge­kommen ist. Dem Revisionsgesuch der Frau Dreyfus an den Justizminister Sarrien entnehmen wir folgende bemerkenr- werthe Stelle:

Ich habe die Ehre, mich heute zum zweiten Male an Sie zu wenden, weil das Gesetz mir nicht gestattet, direct an die Justiz zu appelliren und weil der Justizminister allein das Recht hat, die Revision eines Richterspiuches wegen eines neu aufgekommenen Factums anzuregen. Außer allen anderen Enthüllungen, welche seit mehreren Monaten ihr Licht auf den Rechtsirrthum warfen, welcher 1894 begangen ward und welcher so große Bewegung hervorgerufen, haben gewiß ins­besondere zwei Tatsachen Ihre Aufmerksamkeit erregt: vor Allem das Gutachten der Sachverständigen im Processe vor dem Kriegsgerichte im Januar 1898. Wenn ich auch offizieller- weife keine Kenntniß von diesem Gutachten habe, weiß ich ! doch aus sicherer Quelle, daß das Gutachten über das: Bordereau keineswegs zu denselben Schlüssen kam wie das Gutachten von 1894. Außerdem liegt nun das Geständniß eines der hauptsächlichsten Anstifter und Zeugen des Processes von 1894 vor. Dieser Zeuge gestand, daß er ein Document fabricirt habe, welches, obgleich es nachträglich hervorgekommen, der Kriegsminister am 7. Juli als entscheidenden Beweis für die Schuld meines Gatten hinstellte. Dieser Beweis stürzt nun zusammen und damit wird allen Zeugenaussagen, allen Machinationen ihr Werth entzogen, welche 1894 den guten Glauben der Richter getäuscht. Nachdem dieser Zeuge, welcher die Verurtheilung meines Gatten geschmiedet, des Verbrechens der Fälschung überführt wurde, steht es nicht mir, nicht meinen Kindern, nicht dem unschuldig Verurtheilten zu, die Revision des Processes und die Gutmachung des Rechts- irrthums zu verlangen, sondern Sie allein haben dieses Recht. Herr Minister, ich erlaube mir, Sie deshalb zu bitten, von diesem Rechte unverzüglich Gebrauch zu machen, welches Ihnen das Gesetz gibt, um die Revision des Urtheils herbeizuführen, das weder gerecht noch gesetzlich gefaßt war. Mögen Sie die fast einstimmig sich erhebende öffentliche Meinung hören und den Leiden eines Unschuldigen, welcher immer ein loyaler Soldat gewesen, und der niemals aufgehört hat, selbst in­mitten der furchtbarsten Leiden einer unverdienten Strafe seine Liebe für das Vaterland und sein Vertrauen in die Gerechtigkeit zu betonen, ein Ende machen."

Zur Frage der Ueberführung Dreyfus' nach Frankreich soll sich der Colonienminister Trouillot in einem Interview nach derNeuen Freien Presse" geäußert haben:Ich kann ohne den Minister ^ath nichts thun, aber sowie die Revision entschieden ist, werde ich telegraphisch die Ueberführung des Dreyfus nach Frankreich anordnen." Ueber die Mauer, welche um die Hütte Dreyfus' angeführt worden, sagt Trouillot: Sie ist so niedrig, daß Dreyfus darauf sitzen könne; sie gestattet ihm den Blick auf den Horizont, dieses Symbol der Hoffnung." Ein Vertreter desEcho de Paris" sprach mit | Cavaignac, welcher sagte:Ich bin mehr als je der Meinung, daß die Revision sich nicht empfehle. Sie ist nicht begründet und außerordentlich gefährlich. Wenn das Kabinet auf dem betretenen Wege beharrt, begeht es einen großen Fehler. Das ist eine große Tollheit, an welcher ich nicht theilnehmen mag. Sie werden sehen, in welchem Zustande sich der Staat nach dem neuen Processe befinden wird. Meine Ueberzeugung steht fest, sie ist begründet in der genauen Prüfung der Acten, welche keinen Zweifel an der Schuld des Dreyfus gestatten.

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Der Sieg der Engländer im Sudan.

Die Räumung Aegyptens Seiten» der Engländer ist : eine Frage, die immer wieder von Neuem auf# Tapet ge- I bracht wird- insbesondere Frankreich nimmt jede Gelegenheit I ( wahr, um feine Sehnsucht nach den Nilländern zunächst durch I . Entfernung der englischen Concnrrenz von dort der Erfüllung I . näher zu bringen. Es mußte deshalb als ein besonder» ge- I , schickter Schachzug der Londoner Regierung betrachtet werden, I ( daß sie, als vor zwei Jahren die Frage der Räumung wieder I , brennender wurde, die sudanefische Frage aufrollte. Da e» I die Wiedereroberung de» den Aeghptern von den Mahdisten I angenommenen Sudans galt, so mußte Frankreich vorläufig I schweigen und konnte nur wegen der Kosten des Feldzuges | i Schwierigkeiten machen. England wollte dieselben dem äzyp- I tischen Reservefonds entnehmen, mußte aber fchließlich in die I eigene Tasche greifen. I

Die ägyptischen Truppen standen unter dem Oberbefehl I des englischen Generals Kitchener, und der Feldzug war ur- I sprünglich auf drei Jahre berechnet. Trotzdem die Mahdisten I numerisch ein große» Uebergewicht hatten, wurden fie doch I von Anfang an ziemlich leicht geschlagen, und die Engländer I hatten durch den Bau von Eisenbahnen dafür gesorgt, daß I ohne große Schwierigkeit Truppen und Kriegsmaterial nach I dem Sudan geschafft werden konnten. ES mußten wiederholt I Verstärkungen von England zur Absendung gelangen, aber der I Sieg heftete fich dafür auch an die Fahnen der englisch-ägyptifchen I Armee. Von größeren Erfolgen ist zu erwähnen, die Er- | oberung von Dongola im Herbst v. IS., die Besetzung von I Abu Hamed und die Einnahme von Berber im December I v. IS. Nach der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten in | diesem Jahre erlitten die Mahdisten am Atbara eine große j Niederlage, welche auf den Fortgang des Feldzugs von er- I hebltchem Einfluß war, da fie das Selbstvertrauen der Anglo- | Aegypter mächtig anfachte und die Mahdisten schwer nieder- I drückte. Durch den nunmehr erfolgten Sieg bei Omdurman I dürfte die Herrschaft de- Mahdi für alle Zeiten zerstört I worden fein, was nicht nur in Europa mit großer Genug- | thuung aufgenommen, sondern auch von der eingeborenen I Bevölkerung freudig begrüßt wird, welche unter den Grau- I samketten und Barbareien des Khalifen arg zu leiden hatte. | Das Auftauchen des Khalifen im Sudan und die dadurch I hervorgerufeue Erhebung der Derwische gegen die ägyptische | Herrschaft hat den Engländern schwere Opfer an Menschen- I leben gekostet. Sie waren im ersten Feldzuge nicht glücklich | mit ihren Operationen, und eine einzige Reihe von erheb- [ licheu Verlusten bedeutet der im vorigen Jahrzehnt geführte I Krieg gegen den Mahdi. Am Schwersten empfunden ward j der Fall ChartumS und der Tod GordonS, welcher schmählich I im Stiche gelassen worden war. Deshalb macht auch der I jetzt erfochtene Sieg in England so großen Eindruck, weil I durch ihn der englische Feldherr, welcher durch die Saum- I seligkeit und Sorglosigkeit der damaligen Heeresverwaltung I fein Leben lassen mußte, gerächt worden ist. Aber auch I außerhalb England ist die Genugthuung darüber berechtigt, I daß der Nimbus, der den Mahdi umgab, geschwunden ist, I und daß europäische Eultur einen Sieg davon getragen hat | über die Barbarei, welche im Sudan seit dem Auftauchen I des Khalifen in so grausamer und unmenschlicher Weise ihr I Wesen trieb. Mit besonderer Freude ist es aufgrnommen I worden, daß nunmehr alle Europär, welche in der Gefangen- I schäft de» Mahdi schmachteten, ihre Freiheit wiedererlangt I haben.

Daß die Zurückeroberung de» Sudan noch manche I Schwierigkeiten im Gefolge haben wird, darf al» sicher an- I genommen werden. Die interessirten Mächte werden nicht [ versäumen, England die Früchte de» Siege» streitig zu machen I oder wenigsten» fie ihm möglichst zu vergällen. Es hieß | schon gleich nach dem Bkkanntwerden der Friedensbotschaft | de» Ezaren, daß auf der etwa zu berufenden Conferenz auch I die ägyptische Frage ihre Lösung zu finden hätte. Das er- I scheint jetzt um so sicherer, al» England in den Augen ein- I zrlner Mächte seine Aufgabe in Aegypten erfüllt hat.Der Mohr hat feine Schuldigkeit gethan und kann nun gehen!" Aber nach allen bisherigen Erfahrungen werden die Engländer gutwillig Aegypten niemals räumen, und es kommt ganz darauf an, ob Frankreich mit feiner alten Forderung bei den Mächten genügende Unterstützung finden wird oder nicht. Für Deutschland ist e» die Hauptsache, daß Ruhe und Ordnung im Pharaonenlande erhalten bleiben und daß der Lredit | Aegypten» keine Einbuße erleidet. Jedenfalls freuen wir j un» ohne Hintergedanken des Erfolg», den England im Sudan erworben hat, und wünschen ihm Glück dazu. (xx)

Z«r DreysuS-Sache

schreiben dieMünch. N. N.": Die Revision de» Drey- sus-Processes ist, wie schon telegraphisch gemeldet, be- schlossene Sache. Der bereits erwähnte § 443 der Straf- proceßordnung lautet: Die Revision kann vorgenommen werden: 1. wenn nach der Verurtheilung wegen Tödtung eines Menschen sich herausstellt, daß der angeblich getödtele Mensch noch lebt; 2. wenn nach der Verurtheilung wegen eines Verbrechens oder Vergehens ein anderes Urtheil erfließt, welches wegen derselben That einen anderen Beschuldigten