erhalten soll. Da» Monument wird in weißem Marmor außgeführr.
Berlin, 7. September. Kaiserrede in Oeynhausen. Bei der Galatafel für die Provinz Westfalen im Kurhause zu O ynhausen brachte Se. Majestät der Kaiser folgenden Trtnkspiuch au»: Umgeben von Erinnerungen Meiner Jugend, noch unter dem Eindruck de» Jubel» de» schönen Festes au der Porto, freue Ich Mich, Meine treuen Westfalen am heutigen Tage au Meiner Tafel zu begrüßen. Beiden nahen Beziehungen der Provinz zu Meinem Hause ist e» stets für Mich eine Freude, wenn Ich mit den Westfalen zusammen- kommen kann, und doppelt freudig begrüße tq Sie am heutigen Tage, der in da» 250. Jahr fällt, da diese» schöne Land au da» Hau» Brandenburg und Hohenzolleru fiel. Die Geschichte hat gezeigt, daß eine hervorragende Tugend der Westfalen die eiserne, unentwegt festhalteode Treue ist, die sie bewiesen haben in ihren Regimentern auf dem Schlachtfelde, die fie bewiesen haben in guten und in bösen Tagen zu Meinem Hause. Ich begrüße Sie daher von ganzem Herzen. Bon den Arbeiten, denen Ich al» König und Laude»herr tu Meinem schweren Berufe obliegen muß, ist derjenige Thetl, der die Provinz Westfaleu betrifft, immer für Mich eine Freude, denn tu threu Grenzen sind tu gleicher Weise, gleich mächtig, gleichwerthig und gleich arbeitsam vertreten eine blühende Laudwirthschaft uud eine oufwärt» strebende Industrie, und wie Ich eben schon dankersüllt die Vertreter ihrer Bauern habe empfangen können und von Neuem Grüße und Versprechungen und Treue um Treue habe au»tauscheu können, so begrüße Ich auch die Gelegenheit, vou Neuem der westfälischen Industrie Meine vollste Theilnahme und Anerkennung außsprecheu zu können. Wie Alle, die industriellen Betrieben obliegen, so haben auch Sie ein wachsame» Auge auf die Entwicklung unserer socialen Berhältniffe, und Ich habe Schritte gethan, soweit e» in meiner Macht steht, Ihnen zu helfen, um Sie vor wtrthschaftlich schweren Stauden zu bewahren. Der Schutz der deutschen Arbeit, der Schutz Derjenigen, der arbeiten will, ist vou Mir im vorigen Jahre in der Stadt Bielefeld feierlich versprochen worden. Da» Gesetz naht fich seiner Vollendung und wird den Volksvertretern in diesem Jahre -ugeheo, worin Jeder, er wöge sein wie er will und heißen wie er will, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollsühren, daran zu hindern versucht oder gar zu einem Strikc anreizt, mit Zuchlhau» bestraft werden soll. Die Strafe habe Ich damal» versprochen, uud Ich hoffe, daß da» Volk in seinen Vertretern zu Mir stehen wird, um unsere nationale Arbeit in dieser Welse, soweit e» möglich ist, zu schützen. Recht und Gesetz müssen und sollen geschützt werden, und soweit werde Ich dafür sorgen, daß fie aufrecht erhalten werden. Sie aber, Meine Herren, fordere Ich auf, mir Mir auf da» Wohl dieser blühenden und Herr- I ltchen Provinz zu trinken, die ausgebreitet liegt in ihrer landschaftlichen Schönheit mit ihre« treuen Volke unter der segnenden Hand de» großen Kaiser». Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Sie Ihre hohen Eigenschaften bewahren mögen,- vor allen Dingen wünsche Ich dem westfälischen Bauer, daß er fich seine Arbeitsamkeit, seine alte Tracht uud seinen alten westfälischen Bauernstolz bewahren möge. Die Provinz Westfalen Hurrah! Hurroh! Hurrah! — Ober- präfident Studt sagte hierauf Namens der Westfalen ehrfurchtsvollsten Dank für die gnädigen Worte de» Kaiser»: Unter dem Scepter de» Hohenzollernhauses habe Westfalen fich zu einem bedeutung»- und kraftvollen Bestandtheil der Monarchie entwickelt. Bon der Weser bi» zur Steg und den grünen Auen de» Münsterlaude» durchglühe da» Gefühl tiefster Dankbarkeit uud unbegrenzten Bertrauen» die Söhne der Rothen Erde. Sie blickten zu Sr. Majestät dem Kaiser empor al» dem Schtrmherrn de» Reiche», tn dessen starker Hand da» kostbare Gut de» Frieden» wohl verwahrt sei. In dieser Zuverficht führe der Laudwaua den Pflug, schreite die Industrie de» Laude» zu neuen Unternehmungen, seude der Handel die mustergültigen Erzeugnisse de- westfälischen Gewerbefleiße» unter dem Schutz der deutschen Flagge tn die entferntesten Weltthetle. Ebenso bringen die Westfalen Ihrer Majestät der Kaiserin begeisterte Verehrung entgegen, deren Vorbild eine unerschöpfltche Quelle de» Ansporn» zur Förderung de» Wohle» der Leidenden und Besitzlosen bUde. Die Westfalen brächten da» Gelöboiß unverbrüchlicher Treue io de» Rufe dar: Se. Majestät der Kaiser, unser König und Herzog, lebe hoch!
Berlin, 7. September. Die ^Bosfische Zeitung" meldet au» Kandta: Der furchtbare Braud äscherte Hunderte vou Häusern ein. Da» ganze Hafenviertel, sowie die entfernt liegenden christlichen Häuser wurden ein Raub der Flammen.
Ueber 150 Muselmanen wurden getödtet, größtentheil» durch Engländer, welche die Katastrophe herbeigeführt hatten durch Schießen io eine wehrlose tausrndköpfige Menge vou Musel« mantn. Biele Christen find gefallen. E» herrscht Verzweiflung. Schreckliche Kämpfe außerhalb der Stadt stehen bevor. Die Lage ist furchtbar ernst. Bon den englischen Truppen und Matrosen fehlen über 30 Mann, worunter ein Osfizter. Zwei Osfiziere wurden verwundet. Neun Kriegsschiffe liegen auf der Rhede von Kandia. Der englische Loosul ist gefallen. Sämmtliche Consulate außer dem russischen und österreichischen find uiedergebrauut.
— Die Kaiserin empfing Dienstag Nachmittag eine Abordnung de» Zweigverein» de» Baterländischeo Frauen- verein» und besuchte hierauf da» Johanniter-Asyl. Der Kaiser empfing den Vorstand de» Westsältschen Bauernverein» unter Führung de» Freiherrn v. Landsberg. Abend» faud eine Festtafel für die Provinz im Kurhause statt, zu welcher die Spitzen der Behörden und hervorragende Personen au» der Provinz geladen waren. Den Majestäten zur Seite saßen die anwesenden Fürstlichkeiten, ihnen gegenüber Oberpräsident Studt zwischen dem Fürsten vou Bentheim Steinfurt uud dem Fürsten Bentheim-Tecklenburg, recht» Frhr. v. Landsberg und General-Superintendent Rebe, link» der Fürst Salm-Horstmar, Geh.-Rath v. Ohetmb uud Bischof Stmar vou Paderborn.
— Der Kaiser traf in Bückeburg Mittwoch früh 7 Uhr ein und begab sich sofort tuS Manövergelände. — Bei dem Manöver am Mittwoch setzten beide Eorp» den Angriff fort. Schließlich wurde das 7. Armee-Eorp» zum Rückzug gezwungen. Der Kaiser wohnte den Manövern 61» zum Schloß bet.
— Bom Katsermaoöver. Bet dem Manöver am Dienstag rückte das siebente Armeecorps zum Schutz der ltukeu Flanke der Wrstarmre gegen Bückeburg vor. Da» 10. Corps, welches am Montag den Bormarsch fortgesetzt hatte, beschloß ebenfalls auf Bückeburg vorzugeheo. Die Bortruppeu nahmen früh Fühlung und kamen nordöstlich von Bückeburg ins Gefecht, an dem fich die Artillerie lebhaft be- theiligte. Die Kaiserin wohnte zu Pferde dem Manöver bei. Gegen 11% Uhr ertönte das Signal ,Da» Ganze Halt". Bald darauf verließ der Kaiser nach kurzer Besprechung das Manöverfeld, während da» Gefecht wieder ausgenommen wurde. Während des Gefechts wurden verschiedene Luftballon» verwendet.
Köln, 7. September. Die „Köln. Ztg." meldet an» Berlin zu den kretischen Wirren: Da Deutschland fich von der Action der Mächte auf Kreta zurückgezogen hat, fo befindet e» fich in der angenehmen Lage, io keiner Weise durch die neuesten Ereignisse politisch berührt zu werden, die e» lediglich au» ruhiger Beobachtung verfolgen wird. Wenn die Lage in Kreta schwieriger geworden sein wird, so wird eS lediglich Sache der dort allein bethetltgten Mächte sein, die Mittel zu finden, um einigermaßen Ordnung tn den von ihnen besetzten Orten herzuftellen.
Köln, 7. September. Die „Rölu. Ztg." schreibt zu de« deutsch-englischen Abkommen: Wenn r» fich bestätigt, daß England von dem Vorkaufsrecht der Delagoabai infolge de» jüngsten Abkommeu» mit Deutschland Gebrauch machen werde, so liege eS auf der Hand, daß England in diese« Falle Deutschland Vortheile gewähren müsse, über deren Bedeutung heute nur Eingeweihte urtheilen können. Jetzt ver* «mhuugeu auSzusprechen, daß wir durch unsere Zugeständnisse nur Minderwerthige» etngetauscht hätten, sei zum allermindestnr verfrüht. Die Letter unserer auswärtigen Polttik hätten bisher nicht so ungünstig gearbeitet, daß man ihnen ohne Weiteres einen solchen Fehler zutranen sollte. Auch die Thatsache, daß die portugiesischen Beamten tu de« Abkonnnen eine Rolle spielen, deute darauf hin, daß Portugal als Ersatz für seine finanziellen Unternehmungen Zusagen in seinen Colonien wachen mußte.
Wien, 7. September. Die Polizei v er hastete den Kaufmann Mannel auS Frankfurt a. M., welcher in Offenbach große Wechselfälschungen begangen hatte und dann flüchtete.
Wien, 7. September. Die Bermuthung, Graf Thun werde «tt einer Sn« gleich Sv orl ag e vor da» Parlament treten, ohne vorher «tt den deutschen und den anderen Parteien überhaupt zu verhaudelu, scheint sich zu bestätigen. Nach Alle«, waS bisher über die vorberathnug zur Eröffnung der Session mitgetheitt wird, hat es den Anschein, als ob
Nr. 211
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Freitag den 9. September
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Unsere Colonie Kamerun.
In den deutschen Schutzgebieten scheint jetzt, nachdem dort eine mehrjährige Ruhe geherrscht hat, eine Periode besonderer Thätigkeit bevorzusiehen. Kamerun kommt hierbei zunächst in Betracht, denn e» ist nicht nur eine neue bequeme Zugangsstraße dahin eröffnet worden, sondern es steht auch die Ausdehnung der Verwaltung in dem bisher ganz ver- nachlässigten östlichen Theil des Schutzgebietes bevor; ein besonder» beachtenswerther Umstand ist es, daß wir dort mit den benachbarten Colonien anderer Staaten in unmittelbare dauernde Berührung treten. Der Gouverneur von Kamerun, Herr v. Puttkamer, tritt mit dem Dampfer „Eduard Bohlen" am 10. September von Hamburg aus die Rückreise nach Äestafrika an, begibt sich aber zunächst zum Congo, um von da mit der Eisenbahn und mit Dampfschiffen in den Sanga und so nach Südost'Kamerun zu gelangen. Mit ihm macht die Reise der Premierlieutenant v. Carnap Quernheimb, der bekanntlich zum BezirkLchef für da» Sanga,gebiet von Kamerun atiaerseben ist. Daraus ist mit Genugthuung zu entnehmen, daß mit der als nothwendig erkannten Ausdehnung der Ver- uialtung dahin nicht gewartet werden soll. Zunälst wird wahrscheinlich eine Stelle ausgesucht werden, wo am Ngoko, einem aus Kamerun kommenden Zuflüsse des Sanga, eine Station errichtet werden soll, mit dem Bau wird sofort begonnen werden. Hieran würde sich als dringlichste Aufgabe die örtliche Feststellung der Grenzen nach dem französischen Ubangegebtet hin ergeben, zumal dort eine Anzahl französischer, Z belgischer und holländischer Faclorcien entstanden find und auf unserem Gebiete starken Handel treiben, ohne bisher von uM irgend eine Notiz genommen zu haben. Der Gouverneur v. Puttkamer hat bekanntlich gerade vor einem Jahre den unteren Congo besucht und die ersten 40 Kilometer der Eisen- bohn von Matadi bi» Congo befahren, er hat dabei schon einen vollen Begriff davon bekommen, was die Congobahn für das ganze mittlere Zentralafrika für eine Bedeutung hat und welchen Einfluß sie auch auf Ost-Kamerun ausübcn wird, vistärkt wurde diese Ueberzcugung noch durch den Zug de» Lieutenants v. Carnap zum Sanga, der am Congo endete. Die Thatsache, daß der Gouverneur sich sogleich mit nach jenem Gebiete begibt und sich eine örtliche Anschauung zu verschaffen sucht, tft ein Beweis dafür, welche Bedeutung der Gouverneur dieser Neuerung beilegt. Bisher galt der Niger und Benuö für die beste Zugangsstraße zum Kamerun-Hinter- - land; dieser Weg bleibt jedoch weit hinter der Linie durch öen Congostaat zurück. Von Hamburg, Antwerpen, London, rAiffabon und so fort kann man heute bis in den Sanga und sixoko hinein auf Dampfschiffen und Eisenbahn fahren, wie iei einer europäischen Reise Das östliche Kamerun ist uns dadurch in einer Weise zugänglich geworden, wie es noch vor kurzem für unmöglich gehalten worden wäre. Zugleich wird rs in einen Veikehr hineingezogen, dessen Entwickelung auf
20 000 Kilometer Wasserstraßen umfassenden Congobecken ich noch gar nicht abnussen läßt. Die Franzosen haben den Verth der Congobahn für ihre anstoßende Colonie rasch er* tarnt und mu der Congobahn-Gesellschaft einen Tarifvertrag geschlossen, der ihnen einen Nachlaß von 50 pCt. gewährt. d<» Nächste wäre, daß Deutschland einen gleichen Vertrag nit der Gesellschaft abschlösse. Die Frachten für das deutsche kchutzgcbiet über die Bahn werden wohl bald einen unge- leiten Umfang annehmen. Der außerordentlich hohe all- (Oieine Tarif würde uns sehr belasten.
Der Gouverneur v. Puttkamer hat e« auch in Vorschlag Fracht, ein Consulat im Congostaate zu errichten, und zwar chm Stanley-Pool, wohin das Gouvernement demnächst ver- Izt werden wird. Im nächsten Etat wird sich finden, ob die Regierung auf diesen Vorschlag einzugehen gedenkt.
(M. N. N.)
Deutsches Aeich.
Darmstadt, 7. September. Au» Jagdschloß Wolf»- litten, 6. September, wird der ^Darmst. Ztg." berichtet: jhie Kaiserlich Königliche Hoheit die Krouprtuzessin- Aittwe Stephanie von Oesterreich ist heute früh Ähr zu längerem Besuche hier eingetroffen. Im Gefolge ■$rer Kaiserlich Königlichen Hoheit befinden fich die Hof- kae Gräfin Palffy von Erdöd und der Kammerherr Graf "Loreth zu Coredo.
Berlin, 7. September. Der Kaiser hat dem „Local- Reißer" zufolge beschlossen, dem verstorbenen Fürsten tzismarck im Neuen Berliner Dom ein Ehrendenkmal B letzen. Er wiederholte seinen de« Profeffor Bega» un« mittelbar nach dem Tode de» Fürsten ertheilten Auftrag, /.ntn Sarkophag zu entwerfen, welcher iw Dom Aufstellung


