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9.6.1898 Erstes Blatt
 
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Die Gießener

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haben würde. Die Larlisten würden fich dann al« Retter de« Vaterlandes auSsptelen, was bedauerliche Erschütterungen Hervorrufen würde. Die ihm zugeschriebene Absicht, ein Triumphirat mit Wryler und Robledo zu bilden, habe er niemals gehabt. Die Lhancen der Republikaner seien wieder steigend und er erwarte, plötzlich nach Madrid berufen zu werden.

Washington, 7. Juni. Vom Avtsodampfer deSNew- York-Herold" wird gemeldet, daß der amerikanische Kreuzer Merrimac" nicht am Eingänge der Hafen« von Santiago, sondern 500 Meter davon entfernt zum Sinken gebracht worden sei. Wenn die Bucht gesperrt werden solle, sei e« nöthig, noch mehrere Schiffe zu versenken.

Die öffentliche Sicherheit.

Deutschland ist ein mächtige« Reich unb vou einem -rivilifirten Volke bewohnt, da« na» landläufiger Ansicht den Inbegriff der Vollkommenheit in fich vereinigt. Diese Meinung erscheint freilich in etwas eigenthümlichem Lichte, wenn man da beiläufig hört, daß die Zahl der Gefängntffe und Zuchthäuser nicht auSreicht, daß immer größere Summen deS Nationalvermögens zum Zwecke der Unterbringung und Anterhaltung von Gefangenen geopfert werden müffen. Wir wollen damit unser deutsches Volk nicht herabsetzeu noch sein Ansehen irgendwie schädigen, da die Erfahrung lehrt, daß e« in anderen Ländern nicht besser steht, daß vielfach die Roh­heit und das Laster noch weit größere Kreise ziehen, al« e« bei uns der Fall ist. Aber wir dürfen uns nicht verhehlen, daß ein gewisser Prozentsatz desselben von den Wegen des Recht« abweicht und fich in manchen Fällen deS Namens Mensch geradezu unwürdig zeigt.

Im Allgemeinen halten wir unS in Deutschland für so sicher wie da« Kind in der Wiege. Wir haben bis auf'S 'kleinste Detail eingehende Gesetze gegen Uebergriff unserer Mitmenschen, und eine wohlorgauifirte Polizei sorgt dafür, daß un« ein gehöriger Schutz zu Theil wird, dag die Ge­setzesbestimmungen genau befolgt werden. So ist z. B. der öffentliche Verkehr geregelt durch weitgehende Polizetverord- uungen, ebenso hat man das geistliche Wohl des Staats­bürgers im Auge gehabt bet dem Erlaß der Bestimmungen Lber die SonntagShetligung. Daß au der allgemeinen Sicherheit aber doch noch vieles fehlt, das beweisen die blitz­artig das öffentliche Leben durchzuckenden Vorgänge, welche die Berliner Extrablattverkäufer unter dem RufeNeuester Mord!" zu verkündigen pflegen. Im Laufe der letzten Zeit haben fich derartige Ereigntffe gehäuft und insbesondere ist die Reichshauptstadt an denselben in bedenklicher Weise be- theiligt. Merkwürdiger Weise haben fich die meisten dieser Grauen erregenden Vorgänge, bet deren Schilderung mau wirklich daran zweifeln konnte, daß der Mensch dasjenige Wesen ist. welches Gott am ähnlichsten sein soll, nicht etwa an der Peripherie Berlins, wo die Stille und Ruhe, welche daselbst herrschen, derartige Verbrechen begünstigen, sondern inmitten der Stadt, wo die Bevölkerung fick dicht zusammen- drängt, wo da« Leben pulfirt und regster Verkehr herrscht, zugetragen. Häuser, deren Einwohnerzahl derjenigen eine« 'kleinen Dorfe« gleichkommt, find zum Schonplätze von Greuel- thateu geworden, die in der letzten Zett meist ungesühnt bleiben mußten.

Die heutige Zeit entflieht schnell, und besonders in der Großstadt häufen fich die Ereigntffe derartig, daß der Er­innerung an einen einzelnen Vorgang nur eine kurze Spanne Zeit gewidmet werden kann. Viele der Verbrechen, die bis- her ungefühut blieben, find in der Öffentlichkeit fast ganz vergessen und ' beschäftigen davon find wir überzeugt nur noch fortgesetzt unsere Behörden, deren guten Willen und Eifer Niemand in Zweifel stellen kann, denen aber der Erfolg gefehlt hat. Deshalb wolle« wir hier nicht auf frühere Vorgänge zurückgretfen, sondern die neueste Blutthat in Berlin, die Ermordung der Dirne Bertha Singer auknüpfen.o .

Man hört in nicht seltenen Fallen sagen:Es ist ja nur eine Dirne, die da hingeschlachtet worden ist und die That durch ihren Lebenswandel selbst herausbeschworen hat. Richtig ist es, daß eine große Zahl der Opfer, welche in den letzten Jahren das Verbrechen des Mordes forderte, fich au« den Kreisen rekrutirt, welche dar Tageslicht zu scheuen und die Berührung mit der großen Oeffentlichkeit zu vermeiden haben. Ferner ist nicht zu leugnen, daß der Erwerbszweig dieser auf der niedrigsten Stufe de« Menschengeschlechts stehenden Opser die Möglichkeit begünstigt, die Verbrechen ungesühnt zu lassen. Aber darum ist doch die Gefahr, welche au« den Vorgängen und jetzt wieder aus der That in der Oranten- ftrak- ,u Berlin für den übrigen Theil der Bevölkernng spricht, nicht geringer auzuschlagen. Man sieht von Neuem, e« können die schwersten Verbrechen begangen werden inmitten riue« dicht bewohnten StadttheilS, ohne daß da« Auge de« Gesetze« die« verhindern kann. Darin liegt nicht nur ein Grund zur Beunruhigung der gesawmten Bevölkerung, sondern auch ein Ansporn für die Verbrecher, mit ihren Greuelthaten nicht allzu sparsam zu fein und öfter mit denselben hervor- zutreteu. Wir sind der festen Ansicht, daß unsere Behörden eifrigst bemüht sind, nicht nur Licht in die letzten Affairen zu bringen, sondern auch Alles daran zu setzen, um einem Umsichgreifen der Rohheit und Verworfenheit vorzubeugen. Ob e« sich aber empfiehlt, in dieser Hinsicht Alle« einzig

Adresse für Depeschen: Anzeiger Stege«.

Fernsprecher Nr. 51.

Anstand

Rom. 7. Juni. Die italienischen Truppen ver- bleiben bi« zur vollständigen Lösung der Kretafrage auf Kreta, während Canevaro nicht besetzt werden soll.

Pari«. 7. Juni. Die hiesige Ausgabe de«New-York Herald" meldet aus Manila, die Lage der Spanier daselbst habe fich bedeutend gebessert. Der Lommaudant ließ den Vetter AgutnaldoS erschießen, weil derselbe fich weigerte, gegen die Insurgenten zu kämpfen. Viele Insurgenten sind durch da« Angebot von 50 000 Schilling für den Kopf Aguiualdo« zu Verrätheru geworden und warten nur die Gelegenheit ab, diesen abzufangen und den Spaniern auözu- liefern.

Paris, 7. Juni. Die chinesische Regierung bewilligte Frankreich die Eise »bahn conc es sion von Pathoi bi« Manin g fu im Sikiangthale, die Errichtung einer Sühne- capelle im Kuang, wo die Missionare ermordet wurden, und 100000 Franc«.

London. 7. Juni. Die Blätter berichte« au« Washington, daß die Amerikaner Portorico nicht angretfeu werden, da man glaubt, Spanien werde wegen de« Frieden«- schlusse« Eröffnungen machen. Wenn die« nicht der Fall sein sollte, dann werde ein weitere« amerikanische« Geschwader nach den canarischen Inseln abgehen.

Madrid, 7. Juni. AuS Hongkong wird gemeldet, daß die Zahl der Aufständischen in der Umgegend von Manila täglich zunimmt. Mehrere Städte sollen bereit- ein­genommen sein.

Madrid, 7. Juni. Der Führer der Republikaner, Lastelar, versicherte einem Berichterstatter, daß, wenn die Königin-Regeuttn einen für Spanten ungünstigen Frieden ab- schließen würde, dies für die Dynastie die schwersten Folgen

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Rebaction, Lxpebition unb Druckerei: Schukgrug« Ar. 7.

gesetzgeberisch ordnen zu wollen, möchten wir jedoch be­zweifeln und empfehlen, daß unsere berufenen Organe mit Männern de« practischen Leben«, die in der Gemeinde­verwaltung oder sonst reiche Erfahrungen für die Bedürfnisse der Bevölkerung oder für die Erkennntuiß der Mängel, an denen unsere öffentliche Sicherheit leidet, fich erworben haben können, in Verbindung treten und in gemeinsamer Berathuvg feststellen, wa« geschehen muß, um das Vertrauen des Volk« in unsere Polizei und in die Sicherheit, welche der Staat dem einzelnen Bürger gewähren soll, wieder zu heben. Wenn damit Erörterungen verknüpft werden, in welcher Weise unserer Nation am besten die Religion erhalten werden kann, die immerhin den kräftigsten Schutzwall gegen baß Ueberhandnehmen der Verbrechen bildet, so können wir un« damit nur völlig einverstanden erklären. (xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Juni. Die drei n:ueu großen geschützte« KreuzerVictoria Louise",Freya" undHertha", deren Indienststellung nahe bevorsteht, sollen nach einer Kieler Meldung nach Beendigung der Probefahrten zu den großen Flotteu-Mauöveru herangezogeu werden. Die schnelle« Kreuzer werden den Geschwader« al« Aufklärungsschiffe zu- getheilt. Nach Beendigung de« Manöver« gehen zwei der Schiffe in« Ausland, eine« nach Ostafien, eines nach Süd- amertka, das dritte wird vorerst in der Hetmath bleiben.

Berlin. 7. Juni. DerVorwärts" veröffentlicht jetzt die vollständige Cavdidatenltfte der soctaldemo- kra tisch en Partei. Die Soeialdemokcatie hat in 396 Wahlkreisen eigene Candtdateu aufgestellt, also in sämmtlichen ReichStag-wahlkreisen, mit An-nahme eine« einzigen.

Berlin, 7. Juni. Durch die Zeitungen ist kürzlich die Nachricht gegangen, daß die amerikanische Regierung die Ausfuhr frischen Schweinefleische« nach Deutsch, land verboten habe. Diese Nachricht ist insofern nicht zu­treffend, al« die amerikanische Regierung nur die verlangte Ausstellung von Gesundheitsattesten für diese Fletschsendungen abgelehnt hat. Damit ist allerdings die Einfuhr jener Fleisch- seuduugen bet un« unmöglich geworden. Von einschneidender Bedeutung für unsern Fleischmarkt wird dieses Vorgehen aber nicht sein, da die ganze Etnfuhr frischen Schweinefleische« im letzten Monat April überhaupt nur 1893 Dopprlcentner betragen hat.

Hannover. 7. Juni. Die sich hier zu ihrer Ausbildung aufhalteude« Söhne de« Präsidenten der Dominikanischen Republik, Heureaux, erhielten gestern ein Telegamm, daß die Meldung von der Ermordung ihre« Vaters unbegründet sei. Derselbe befinde sich durchaus wohl.

wahlbewegnng. .

A Mainz. 7. Juni. Die deutschfreisiunige Parret hier beschloß gestern Abend sür den Eandidatm der Nattoualliberalen, Landwirth Dettweiler vou Lauben­heim, einzutreten. An den Beschluß wurde tudeß die Be­dingung geknüpft, daß der Caudtdat fich schriftlich zu de« Principien der deutschfreifinutgen Partei bekenne.__

Loeales unb provinzielles.

Sieben. 8. Juni 1898.

* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog hat, wie wir erfahren, au« Anlaß de« zehnjährigen Regierungsantritt« Seiner Majestät de« Kaiser« dem Regi­ment Kaiser Wilhelm Haarbüschel verliehe«. Anläßlich dieser höchsten Verleihung findet am 15. d«. Mt«., Mittag« 12i/8 Uhr, eine Parade de« Regiments auf dem Trieb statt.

** PostperfonslNachrichten. Ernannt find: zum Ober- Postaffisteutea der Postassifteut Nörr in Mainz, zum Ober- Telegrapheuasfistenteu der Telegrapheuasfisteot Georg i« Mainz. Angetzellt ist der Postasfistent Ditter au« Darmstadt in Worm«. Angenommen ist zum Postageute« der Gemeindeeinuehmer Schwamb in Undenheim. Frei­willig auSgeschteden ist der Postageot Hager in Undenheim.

Die Feier der Grundsteinlegung zum neue« Schwestern- Hause nahm unter zahlreicher Betheiligung von Vertreter« der staatlichen und städtische« Behörden, der bürgerliche« und kirchliche« Armenpflege und von Mitgliedern und Freunde« de« Vereins einen schönen und erhebenden Verlauf. Ein ausführlicher Bericht ist un« zugesagt und wird in Kürze folgen.

KreiS Lehrercoufereuz. Montag den 6. Juni wurde inSteins Garten" die diesjährige KreiSLehrer-Loufereuz deS Kreises Gießen unter dem Vorsitz des Herrn Pro- vtnzialdtrector«, Geheimrath v. Gagern, abgehalten, woran außer den Herren Oberbürgermeister Guauth, Deca« Wahl und Profeffor Fromme fast sämmtliche Lehrer de« Kreise« thetlnahmen. Nachdem der Vorfitzende die Erschienene« begrüßt und die Coufereoz eröffnet hatte, gedachte er in warmen Worten der im verflossenen Jahre verstorbenen College« und forderte die Versammlung auf, ihnen ein freund- liche« Andenken zu bewahren, waS dieselbe durch Erhebung von den Sitzen bekundete. Nun ergriff Herr KretSschul- inspector Dr. Luciu« das Wort, um die vou ihm ausgestellten statistischen Mittheilungeu über da« Schulwesen deS Kreise« bekannt zu geben, woraus erhellte, daß im Kreise Gießen in 79 Gemeinden 176 Lehrer und zwei Lehrerinnen wirken. Die Schülerzahl beträgt 11079 und zwar 5439 Knaben und 5640 Mädchen, wovon 10 765 evaugel., 185 kath., 175 isral. und 4 anderen Bekenntniffe« find. I« allen 79 Gemeinden bestehen Fortbildungsschulen, welche von 1864 Schülern be­sucht wurden. Hierauf hielt Herr KretSschultnspecor einen sehr lehrreichen, wohldurchdachten Vortrag über die wissen­schaftliche Pädagogik der «eueren Zeit mit besonderer Berück- fichtigung Herbarts und behandelte im ersten Theil Ziel und Grundlagen, im zweiten Inhalt der allgemeinen Pädagogik. Ale Ziel gab Herr Dr. Luciu« die Erzeugung der Character- stärke der Sittlichkeit im Zögling, und als Grundlagen die Ethik und Psychologie an. Nachdem er klar gemacht, wie au« dem Willen die Handlung entspringt, zeigte er durch packende Beispiele erläutert die sünf Grundlehreu, auf welchen die Ethik beruht, wie also der Wille frei, vollkommen, wohlwollend, ernstlich und billig sein müsse. DaS schwere Kapitel der Psychologie wußte er durch ein treffliche« Beispiel verständlich zu machen, indem er daS Gehirn bezw. Seelen­leben mit einer Bibliothek verglich, worin lauter unbeschriebene Blätter fich befinden, welche durch die Nerven als die Träger der äußeren Eindrücke sodann beschrieben würden, wodurch